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leben

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

leben verb.

Bd. 12, Sp. 397
leben, verb. vivere. goth. liban; alts. altnfr. leBôn liBôn libbian libban; niederl. leven; ags. libban lifian, engl. live; altfries. libba, lifia und lefia; altnord. lifa, n. leve, schwed. lefva leben, lifva beleben; ahd. lëbên lëpên, mhd. lëben. der zusammenhang des verbums mit bleiben, mhd. be-lîben, und mit leib wird oben theil 2, sp. 90 betont; die eigentliche bedeutung des zurückseins erscheint noch im altnordischen, wo das wort neben leben auch übrig sein, übrig bleiben bedeutet (Vigfusson 388a), wie auch ahd. lepentêr einmal durch superstes glossiert wird (Graff 2, 40). Die bedeutung leben tritt in manigfacher weise hervor. 11) leben, in dem gewöhnlichen sinne, sowol von menschen als thieren, welche beide lebende wesen überhaupt genannt werden: ich wil hinfurt nicht mehr schlahen alles was da lebet. 1 Mos. 8, 21; alles was sich reget und lebet, das sei ewre speise, wie das grüne kraut. 9, 3; alles aber was nicht flosfeddern und schupen hat, im meer und bechen, unter allem das sich reget in wassern, und allem was lebt im wasser, sol euch eine schew sein. 3 Mos. 11, 10; du thust deine hand auf und erfüllest alles was lebet mit wolgefallen. ps. 145, 16; alles, was da lebt auf erden, musz zu staub und asche werden; speziell vom menschen: der ich nu ein mensch zur welt geborn, lebe, gehe, stehe, schaffe. Luther 8, 315b; ich wil wider zu dir komen, so (wenn) ich lebe. 1 Mos. 18, 10; gehet es ewrem vater dem alten wol, von dem jr mir sagetet? lebet er noch? 43, 27; da nam Joab drei spiesze in seine hand, und sties sie Absalom ins herz, da er noch lebet, an der eichen. 2 Sam. 18, 14; meinstu ein todter mensch werde wider leben? Hiob 14, 14; hab so manch guts und liebs in dir genossen, da der herr seliger noch lebte. Schiller räuber 5, 1; wo bin ich? leb ich? Ramler 2, 22; dann auch mit den theilen lebender wesen als subject, an denen das leben hervortritt oder sich besonders zeigt: allein esset das fleisch nicht, das noch lebet in seinem blute. 1 Mos. 9, 4; die gott suchen, denen wird das herz leben. ps. 69, 33; alles lebt an ihm, von einem besonders lebhaften menschen; nun fleusz, nun fleusz, du blut so rot, fleusz in des meeres grund! es leben nimmermehre zween rosenfarbe mund. Vilmar handbüchl. für freunde d. volksl. 119; ihr götter! ists ein traum? ihr angesicht, es röthet sich! ihr auge lebt! Ramler 2, 22. am menschen lebt nicht nur der leib und seine glieder, sondern auch die seele: lieber las meine seele leben. 1n. 20, 32; mit bezug auf ihre unsterblichkeit: wenn unser leib auch stirbt, lebt doch unsre seele. leben auch auf die innere triebkraft der pflanzen bezogen: leben als die frucht, vegetare dicitur vivere, ut plante, herba et ut ligna. voc. inc. theut. m 2a; ein baum der lebt, ein omeisz lebt, auch ein schneck, ein esel, ein engel, ein mensch lebt auch, aber ungleich. ein baum lebt aber soviel, als er bedarf zu dem wachsen. Keisersberg evang. 1517 15b; wie in einem orangenwalde, wo in einem kleinen bezirk blüthen und früchte stufenweis neben einander leben. Göthe 20, 84. 22) manche fälle dieses leben sind besonders hervorzuheben. 2@aa) es steht mit einem persönlichen dativ, unterschieden von dem unten 6, b, α aufzuführenden: den einzigen freund, der ihm in der welt lebte, dankte er seinem elende. Schiller 715; Albinus sasz voll mut mit singen und mit lachen; da Gilvus dieses sah, du hast, sprach er, gut machen, du nimmst das dritte weib, die erste die mir lebt, die hat auch noch nicht lust, dasz mir man sie begräbt. Logau 1, 84, 45; in dem gleich nachher unter b aufzuführenden falle: mein Wälty! o er lebt mir! Schiller Tell 4, 2. 2@bb) im gegensatz zu einem erwarteten oder gefürchteten todt sein: gehe hin, dein son lebet. Joh. 4, 50; Jesus lebt, mit ihm auch ich. tod, wo sind nun deine schrecken? er, er lebt, und wird auch mich von den todten auferwecken. Gellert 2, 219; der knabe lebt! der apfel ist getroffen! Schiller Tell 3, 3; lebt er? o saget, kann er mich noch hören? 4, 2. mit dem gegensatz todt sein, dahin sein, sterben mehr oder weniger formelhaft: das ander weib sprach, nicht also, mein son lebt, und dein son ist tod. jene aber sprach, nicht also, dein son ist tod, und mein son lebet, und redten also fur dem könige. 1n. 3, 22; Naboth lebt nimer, sondern ist tod. 21, 15; ich wil viel lieber tod sein, denn leben. Tob. 3, 5; jetzt weisz ich nicht, lebt mein schatz, oder ist er todt. volkslied; doch es ist dahin, es ist verschwunden, dieses hochbegünstigte geschlecht. wir, wir leben! Schiller an die freude; edler lord, steht auf! jetzt ists nicht zeit, ermattet hinzusinken. weicht nicht dem tod, gebietet der natur mit eurem mächtgen willen, dasz sie lebe. jungfrau 3, 6; zihet hinab und keuft uns getreid, das wir leben und nicht sterben. 1 Mos. 42, 4; Ruben lebe, und sterbe nicht. 5 Mos. 33, 6; der kranke lag auf seinem lager und konnte nicht leben und nicht sterben; that ich den wunsch hier zu leben und zu sterben. Gotter 3, 31; freiheit ist bei der macht allein. ich leb und sterb bei dem Wallenstein. Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.; gern in betheuerungsformeln: er wolle darauf leben und sterben. Chr. Weise erzn. 224; die wahrheit ists, ich will darauf leben und sterben. Schiller parasit 2, 4; dasz sie .. in der hoffnung einer unmittelbaren göttlichen hülfe leben und sterben wolle. Göthe 20, 170; gleich und gleich! so allein ists recht! darauf will ich leben und sterben. 1, 206; in der drohung ich will nicht leben, wenn ...: so wil ichs wissen, oder wil nicht leben, du must mirs sagen. volksbuch von doctor Faust s. 34 Braune; in der wendung ohne etwas nicht leben können: der säufer kann ohne brantwein gar nicht mehr leben; er konnte nicht ohne musik, besonders nicht ohne gesang leben. Göthe 20, 202; er kann nicht leben, wenn er nicht arbeiten darf. im gegensatz dazu vor etwas nicht leben können, gleichsam in der fülle ersticken: man wuszte kaum vor gold zu leben, weil man einen tag nichts ausgegeben. Göthe 5, 236. 2@cc) leben, im gegensatz zur gewaltsamen tödtung: wolt jr leben, so thut also. 1 Mos. 42, 18; keine hand sol jn (den verbrecher) anrüren, sondern er sol gesteinigt oder mit geschos erschossen werden, es sei ein thier oder ein mensch, so sol er nicht leben. 2 Mos. 19, 13; (gott sprach) mein angesicht kanstu nicht sehen, denn kein mensch wird leben, der mich sihet. 33, 20; wer wird leben, wenn gott solchs thun wird? 4 Mos. 24, 33; ich habe ein gros opfer dem Baal zu thun, wes man vermissen wird, der sol nicht leben. 2n. 10, 19; was hindert mich, im grimm gerechten siegs, dasz ich den fusz ins hirn dir drücke? — lebe! H. v. Kleist Kätchen 5, 1 (der graf von Strahl zu seinem im zweikampf besiegten gegner); einen leben lassen: das ir leben lasset meinen vater, meine mutter, meine brüder und meine schwester, und alles was sie haben, und errettet unser seelen von dem tode. Jos. 2, 13; dann die zauberei ist wider die gebott gottes, seitenmal ers beides im alten und newen testament schwerlich verbeut, da er spricht: man solle sie nicht leben lassen. volksbuch von doctor Faust s. 99 Braune; ich wil im mînes brôtes geben: sô lât er mich vil lîhte leben. Iwein 3302; auch in abgeblaszter bedeutung in frieden lassen: dem lewen wolt ich friden geben, lieʒen mich die flœhe leben. Freidank 146, 4. leben bleiben kann im gegensatze zum gewaltsamen oder natürlichen tode stehen: und wenn jemand eine schlange beis, so sahe er die eherne schlange an, und bleib leben. 4 Mos. 21, 8; die todten bleiben nicht leben, die verstorbene stehen nicht auf. Jes. 26, 14; lieber, gehorche doch der stimme des herrn, die ich dir sage, so wird dirs wolgehen, und du wirst lebend bleiben. Jer. 38, 20; zu der zeit ward Hiskia tod krank, und der prophet Jesaja .. sprach zu jm, so spricht der herr, beschicke dein haus, denn du wirst sterben und nicht leben bleiben. 2n. 20, 1. 2@dd) gelebt haben, tot sein: wenn sie (die alten), diesem euphemismus zu folge, nicht gern geradezu sagten, er ist gestorben, sondern lieber er hat gelebt, er ist gewesen, er ist zu den mehrern abgegangen, und dergleichen. Lessing 8, 250; er hat gelebt — der streich des todes ist gefallen. Schiller Turandot 1, 2; dafür mit unumschriebenem präteritum: ich kann nicht daran denken, dasz das lebte, was mir das theuerste auf erden war. ders. Macbeth 4, 7. 33) leben, mit besonderer betonung der fristung des leiblichen lebens und des lebensunterhaltes: und waren etliche, die da sprachen, unser söne und töchter sind viel, laszt uns getreide nemen und essen, das wir leben. Neh. 5, 2; gern in festeren verbindungen. 3@aa) es heiszt leben können, die mittel haben, sich zu ernähren; nicht leben können; der mann hat zu leben; er hat nicht viel zu leben, vitam colit inopem, misere ac parce vivit. Stieler 1097; die welche zu leben haben, es sei reichlich oder kärglich. Kant 1, 176; Johann konnte nicht leben. Möser patr. phant. 1, 174; der fürst klagt, dasz er nicht leben kann, der feldmarschall kann nicht leben, der kriegsrath kann nicht leben, der thorschreiber kann nicht leben, und vielleicht kannst du auch von den zehn thalern, die ich dir des jahrs gebe, nicht leben. 175; deine tochter ist in F., prostituirt um zu leben jedem ihre jugend, der sie dafür bezahlt. Klinger 3, 270; wenn ich auftrat, that ichs um zu leben. Göthe 19, 101; denn soll der mensch im leibe leben, so brauchet er sein täglich brot, und soll er sich zum geist erheben, so ist ihm seine freiheit noth. Uhland ged. 97; vgl. dazu weiter no. 4, c, α und 4, d, β unten. 3@bb) das sprichwort leben und leben lassen geht von hier aus, bei Möser wird, ohne es anzuführen, darauf hingewiesen: ja, herr kriegsrath, aber die leute müssen auch leben, und nach dem bekannten sprüchwort ... phant. 1, 174; in manigfach freier verwendung: man musz, auch in der gelehrten welt, hübsch leben und leben lassen. was uns nicht dienet, dienet einem andern. Lessing 9, 228; mein gemahl lebt und läszt leben. Klinger 10, 106; unsre miliz war doch noch ein lustig volk; sie nahmen sich was heraus, standen mit ausgegrätschten beinen da, hatten den hut überm ohr, lebten und lieszen leben. Göthe 8, 241; unsere fürsten müssen froh und frei sein, wie wir, leben und leben lassen. 172; der alte graf war ein kluger herr, aber auch ein guter herr. leben und leben lassen, war sein spruch. 15, 21; aus diesem quirlen und schaffen, aus diesem leben und lebenlassen, aus diesem nehmen und geben .. entsprang jene berühmte, berufene und verrufene literarepoche (die genieperiode). 26, 117; leben und leben lassen ist ein sprüchelchen für weiber. und man nennt dich einen mann! 42, 94; er (Merck) kannte mich nach seiner art durchaus, die unüberwindliche naive gutmüthigkeit meines wesens war ihm schmerzlich, das ewige geltenlassen, das leben und leben lassen war ihm ein gräuel. 48, 95; leben und leben lassen! spricht papa Wieland; und wenn unser einem hier zu lande erlaubt ist, ein wörtchen mitzusprechen, so sage ich: schreiben lassen und schreiben. Zelter an Göthe 106; leben und leben lassen, nur nicht auf meine kosten. Kotzebue dram. sp. 3, 169; was soll ich viel lieben, was soll ich viel hassen; man lebt nur vom leben lassen. Göthe 2, 263; den rechten lebensfaden spinnt einer, der lebt und leben läszt. 3, 116; ich wünschte sehr der menge zu behagen, besonders weil sie lebt und leben läszt. 12, 9. 44) leben in den angeführten bedeutungen erhält zusätze des orts, der zeit, der art, der mittel, des zweckes. 4@aa) leben mit zusätzen des ortes: in der stadt leben, auf dem lande leben, sein leben zubringen, dauernd sich aufhalten; er hat nun schon acht jahre an diesem orte gelebt; auf dem land läben, agere vitam ruri. Maaler 259c; die jr auf dem lande lebet. 5 Mos. 31, 13; hier seid ihr der einzige, der noch so würdig wäre, dasz er am Ganges lebte. Lessing 2, 258; wer lebt in unserm kreise, und lebt nicht selig drinn? Göthe 1, 130; im walde möcht ich leben zur schönen sommerszeit; ungeachtet sie auf beiden seiten des stromes Gambia unter andern völkern des Negerlandes zerstreut leben. Wieland 14, 316. 4@bb) mit zusätzen der zeit: lange leben; du solt deinen vater und deine mutter ehren, ... auf das du lange lebest. 5 Mos. 5, 16; wer aber den geiz hasset, der wird lange leben. spr. Sal. 28, 16; wer lange lebt der wird alt. so du lange lebst, so du alt wirst. je länger man lebt, je älter man wird. Simrock sprichw. 332; da (in unserm lande) ist wünne vil: lange müeʒe ich leben dar inne! Walther 57, 14; lang lebe der könig! es freue sich, wer da athmet im rosigten licht! Schiller taucher v. 91; der mensch vom weibe geborn, lebt kurze zeit. Hiob 14, 1; und Hiob lebet nach diesem, hundert und vierzig jar. 42, 16; wenn er lange lebet, so lebet er hundert jar. Sir. 18, 8; du must doch zuletzt sterben, wann du gleich viel hundert jahr lebtest. volksbuch von doctor Faust s. 115 Braune; so wird er samen haben, und in die lenge leben. Jes. 53, 10; ich dacht, möcht ich bis morgen leben. 38, 13; und lebet bis in das fünfte geschlecht, und sahe kinder und kindeskinder. Tob. 14, 15; man sol nâch guote werben, als nieman müge ersterben, und sol eʒ dann ze rehte geben, als nieman sül ein wochen leben. Freidank 58, 4; und suln wir leben halbeʒ jâr, ich mache in rîche, daʒ ist wâr. Erec 1358; für diesen acc. ein seltener genitiv: (sie kamen) endlich dahin, das man gleubete, das ein mensch nicht lenger lebete denn dieses lebens. Luther 6, 209a. ewig leben, vom menschen: es war finstere nacht, mein sohn Franz stand vor mir. was, rief er mit entsetzlicher stimme, willst du dann ewig leben? Schiller räuber 4, 5; mit bezug auf seinen unsterblichen theil, vergl. auch oben unter 1 und das ewige leben unter dem subst. leben: eewig läben, oder über eewig läben, transcendere aetate aevum. Maaler 259c; wer dis brot isset, der wird leben in ewigkeit. Joh. 6, 58; welch glück werd ich erst dort genieszen, wo ich unendlich leben soll! Gellert 2, 114; von gott: ich preiset den, so ewiglich lebet. Dan. 4, 31; der da aber ewig lebet, alles was der macht, das ist volkomen. Sir. 18, 1. 4@cc) manigfach sind die beifügungen der art oder des zustandes. 4@c@aα) adverbien: fröhlich, heiter, sorglos, sorgenfrei, lustig, ausgelassen, üppig leben, und, mit anlehnung an die unter 3 aufgeführte hervorhebung, kümmerlich, kärglich, reichlich, gut leben: so wæn ich des, daʒ sanctus Johannes im selber niht sô güetleich lebt nâch dem leib, daʒ er allzeit flaisch æʒe. Megenberg 303, 20; er (Epicur) schreibt einem seiner freunde, er lebe blos von grobem brodt und wasser. er bäte er möge ihm doch ein wenig käse schicken, um, wenns ihm einfiele, davon einmal hoch leben zu können. Bode Montaigne 3, 235; gar sparsam sie (die bienen) sich nehren, gar leben sie genaw. Spee trutzn. (1654) 104; wie gar nichts sind alle menschen, die doch so sicher leben. ps. 39, 6; fur jm werden knie beugen alle die im staube ligen, und die so kömerlich leben. 22, 30; wer unschüldig lebet, der lebet sicher. spr. Sal. 10, 9; da die heiden zu gleich im jrthum böslich lebeten. weish. Sal. 10, 5; sie leben nicht recht. 14, 28; es war aber ein reicher man, der .. lebet alle tag herrlich und in freuden. Luc. 16, 19; so du, der du ein Jüde bist, heidnisch lebest, und nicht jüdisch, warumb zwingestu denn die heiden, jüdisch zu leben? Gal. 2, 14; ist zur bösen gesellschaft gerahten, hat ... ruch- und gottlosz gelebt. volksbuch von doctor Faust s. 12 Braune; so du nit kannst keusch leben. 27; wohl gelebt, wohl gestorben. Simrock sprichw. 332; vergl. auch das verbum wohlleben und unten die abschiedsformel unter β; wie sicher lebt der mensch, der staub! Gellert 2, 221; ich lebte still und harmlos. Schiller Tell 4, 3; und, mit einigem verblassen des sinnes, wie nachher unten ζ a. e.: nein! nein! leb unbesorgt! A. Gryphius 1 (1698), 713; wenn der mensch stirbet, so wird er innen, wie er gelebt hat. Sir. 11, 28; lieben kinder, gehorchet mir ewrem vater, und lebet also, auf das euch wolgehe. 3, 1; es gehet mir eben so wunderlich, dʒ ich lieber wolte an der welt ende sein, dann also leben. Philander 2 (1643) 191; auch hab ich weder gut noch geld, noch ehr und herrlichkeit der welt; es möchte kein hund so länger leben! Göthe 12, 30; er lebt so dahin; vergl. auch fortleben 2, theil 41, sp. 22. 4@c@bβ) hieran angeschlossen sind höflichkeitsformeln; wir fragen den, den wir begrüszen: wie leben sie?; ich redete sie an, und fragte, wie sie lebe? sie antwortete mir mit halber stimme: ganz wohl. Göthe 20, 76; schon im 16. jahrh. bei erkundigung nach einem abwesenden: und wie lebt, sagt der mönch, das lieb herrlin abt Tranchelion? Garg. 259a. abschiedsgrusz ist lebe wohl!: vale, lebe wol, bisz gesundt. Dasyp.; inmittels läbe wohl, und erwarte von mir dasjenige, wessen sich meine färtige wenigkeit iderzeit erbötig befündet, das ist, alle behägliche dihnste. Zesen afrikan. Sofonisbe, zuschrift an den gunstgeneigten leser; Iphig. leb wohl! o wende dich zu uns und gib ein holdes wort des abschieds mir zurück! dann schwellt der wind die segel sanfter an, und thränen flieszen lindernder vom auge des scheidenen. leb wohl! und reiche mir zum pfand der alten freundschaft deine rechte. Thoas. lebt wohl! Göthe 9, 98; auch als scheidegrusz an belebt gedachte gegenstände: leb wohl, du schauplatz grauser scenen, o land, das mir das leben gab! Gotter 3, 570; lebt wohl, ihr berge, ihr geliebten triften, ihr traulich stillen thäler, lebet wohl! Schiller jungfr. v. Orl., prolog 4. auftr.; ihr matten, lebt wohl! ihr sonnigen weiden! der senne musz scheiden. Tell 1, 1; so leb denn wohl, du stilles haus! F. Raimund alpenkönig und menschenfeind. 4@c@gγ) vergleiche, durch wie vermittelt: er lebt wie ein fürst; leben wie der reiche mann im evangelium; leben wie ein weltkind, mundano more vivere Stieler 1097; leb wie vor zeiten, red wie jetzt. Simrock sprichw. 332; schmauszte, zechte, spielte karten, lebte wie der Tartarchan. Gotter 1, 47; durch als: leb als wollst du täglich sterben, schaff als wollst du ewig leben. Simrock sprichw. 332; ein gattungsvergleich ist es, der durch als ohne folgenden artikel vermittelt wird: als christ leben; er will als rechtschaffener mann leben; mit rücksicht auf den beruf: als hirt, als ackermann leben. 4@c@dδ) mit einem nominativ ohne das vergleichende adverb als: lange lebt ich eine gefangne, mit schrecklichen phantasien und träumen. Heinse Ardingh. 1, 314; wer sich knall und fall, ihm selbst zu leben, nicht entschlieszen kann, der lebet andrer sklav auf immer. Lessing 2, 259. 4@c@eε) mit zusätzen und präpositionen, die theilweise von der örtlichen bedeutung ausgehen und noch an dieselbe rühren: so soltu jn (deinen verarmten bruder) aufnemen als einen frembdlingen oder gast, das er lebe neben dir. 3 Mos. 25, 35; weil ich noch heute mit euch lebe. 5 Mos. 31, 27; hab ich böses vergolten denen so friedlich mit mir lebten. ps. 7, 5; sie (Friederike) brachte mir .. einen klaren und zugleich so liebenswürdigen begriff von ihrem zustande bei, der sehr wunderlich auf mich wirkte: denn ich empfand auf einmal einen tiefen verdrusz, nicht früher mit ihr gelebt zu haben. Göthe 25, 347; das zur selben zeit die menschen eben also geartet, und mit gleichen sitten gelebt haben, wie es jtzt in der welt zugehet. volksb. von doctor Faust s. 132 Braune; swer ouch dann die lenge mit arbeiten leben sol, dem ist iedoch niht ze wol. arm. Heinrich 599; unter strenger herschaft leben; bei menschen, die nur dunkel vor sich hin leben. Göthe 17, 12; wiewol du dennoch nicht gelebt hast nach jrem wesen. Hes. 16, 47; das sie meine rechte verachtet, und nach meinen geboten nicht gelebt, und meine sabbath entheiliget hatten. 20, 16; wo jr nach dem fleisch lebet, so werdet jr sterben müssen. m. 8, 13; es ging geld ein, er konnte nach seiner willkür leben, und wir hatten gute tage mit ihm. Göthe 19, 101; man wird so wenig geachtet, wenn man nicht seinem range gemäsz lebt. Möser phant. 1, 176; solche werden nach gelegenheit jhres gelts leben. Fischart groszm. 62 (se porteront selon leur argent. Rabelais); mhd. daʒ was billich, wan sol iemer nâch dem hove leben. Walther 36, 4; lebe nach der alten welt und sprich wies der neuen gefällt. Simrock sprichw. 332; wol denen die on wandel leben. ps. 119, 1; ein mensch, der gute tage und gnug hat, und on sorge lebt. Sir. 41, 1; ich aber lebete etwa on gesetze. m. 7, 9; der keineʒ lebet âne haʒ. Walther 8, 35; glaib (glaube) was dj kirch gepeüt und sagt, darinn stirb frölich unverzagt. wider gott beger nit leben. Schwarzenberg 114a; dasz man mag in hasz und neid wider seinen nechsten leben. Logau 3, 248, 169; auszert der ee läben, im ledigen staat sein, degere vitam expertem thalami. Maaler 259c; ein man der zuvor seer zertlich und in lüsten gelebt hat unter euch. 5 Mos. 28, 54; lebeten in wollust. Neh. 9, 25; ob sie gleich in eim wüsten wilden wesen der unweisheit lebeten. weish. 14, 22; sihe dich wol fur, du lebest in groszer fahr. Sir. 13, 18; weil bei uns ... kein weib noch jungfraw so im zaum leben mus. Luther 4, 483b; in frieden, in unfrieden leben; er lebt in guten verhältnissen; Faust lebt also im epicurischen leben tag und nacht. volksb. von doctor Faust s. 25 Braune; weil er jhn (lies in) unvernünftiger viehischer weisz on treue und glauben, on raht und gesatz, auf diser welt gelebt hatte. Fischart bienk. 218a; sie leben also in einem überflusz des nothwendigen. Wieland 14, 317; die pöslich leben in dem saus. Schwarzenberg 157b; uns vom halben zu entwöhnen, und im ganzen, guten, schönen, resolut zu leben. Göthe 1, 140; es braucht der feldherr jedes grosze der natur, so gönne man ihm auch, in ihren groszen verhältnissen zu leben. Schiller Piccol. 1, 4; in den tag hinein leben; hat disz volk (die Deutschen), so thuot es, und lobt s. Martin, lebt also in tag auf gratwol. S. Frank weltb. 47a; auf den alten kaiser hinein leben, vergl. theil 5, sp. 39: so bat ich auch weder um das zeitliche noch ewige, sondern lebete auf den alten kaiser hinein wie ein viehe. Simpl. 1, 398 Kurz. 4@c@zζ) endlich findet sich auch in der ältern sprache ein genitiv der art: ne sehent daʒ nieth ana, uuelches leides ih lebe. Williram 8, 11; und sol doch so leichtlich zugehen, das die, so wir jtzt mit augen sehen zugescharret, vergraben, und zu pulver worden, sollen wider komen und leben, nicht dieses armen vergenglichen lebens, sondern viel herrlicher und köstlicher. Luther 6, 63b; das er (Christus) nimer dieses lebens lebet, sondern gar eines andern lebens, welches er heist zum vater gehen. 189a; widerumb heiszen die nicht mehr in der welt sein, die von dem allen, so jtzt erzelet, entzogen und gescheiden sind, das sie nicht dürfen essen, trinken, gehen, stehen, und kurz keiner natürlichen leiblichen werk leben. ebenda; darumb lebt er nu nimer weltlich, das ist, dis leiblichen lebens und seiner notdurft. ebenda; die leüt geen den merer theil nackend, .. leben heidnischer sitten. Frank weltb. 186b; wobei auch bisweilen eine zum verblassen neigende bedeutung des verbums sich zeigt, so dasz es wie verstärktes oder dauerndes sein steht: Epaminondas hatt solches abbruchs gelebt (tantae abstinentiae fuit). Fronsperger 3, 276a; die noch heute gebräuchliche wendung ich lebe der hoffnung, des zutrauens (dasz dies nicht geschehe u. ähnl.), ist stärker als ich bin der hoffnung; ich lebe der hoffnung, spe fretus sum. Steinbach 1, 1004. 4@dd) zusätze der mittel werden 4@d@aα) in der ältern sprache, und noch theilweise bis ins 18. jh. durch den genitiv gegeben: was das leuten die von hohem stande und herkommen sind, für eine qual sei, wann sie anderer leute gnade leben müssen, das ist nicht auszzusprechen. Schuppius 299; dankbarkeit .. die ein wohlthäter immer von demjenigen zu erwarten sich berechtigt hält, der seiner gnade leben musz. Wieland 15, 218; so will der arm, dir gern zu fusz sich werfend, deiner gnaden leben. Weckherlin 39; wie denn geschrieben stehet (Habakuk 2, 4), der gerechte wird seines glaubens leben. m. 1, 17, variante: der gerechte wird leben aus seinem glawben. mit ausschlieszlicher betonung der rein leiblichen seite des lebens: unde irô guotlîhhî diu an gote uuas, uuehselôton sie an des fehes pilde daʒ heuues lebêt. Notker ps. 105, 20 (in similitudinem vituli comedentis foenum); da fraget der keiser die tochter, wes sie gelebt hette? Luther 6, 503a; diese wunderfisch fressen allein kaat und leben desz wassers. Forer fischb. 156b; er lebt desz lufts, wie der stör. 185b; was gen mittag ligt, das hat ettwan des wildprets gelebt on all hausung. Frank weltb. 81b; schouwet wie der hûsen an der Tuonouw grunde lebt des trôres süeʒe gar. alsô lebt ich wol des luftes von ir munde endelîchen mîniu jâr. Lichtenstein 577, 16; dô der künic Artûs sîn frowen Ginovêren nam, diu selbe hôchzît was lam bî der Lemberslindes: si lebten niht des windes. Helmbrecht 1482; mit springen thust dich hoch erheben in dlüft; kanst doch des lufts nicht leben (spricht der krebs zum hecht). B. Waldis Esop 4, 79, 22; vom raub sie nur sich nehren (bienen), nur leben sie der beut. Spee trutzn. (1654) 96; bei seiner zeit da lebten die bäpst des alemuosens als die zwelfpoten. d. städtechron. 4, 288, 29. 4@d@bβ) auch, und jetzt ausschlieszlich, mit präpositionalen verbindungen, aus, von etwas leben: disz volk lebt on alle gesatz, schrift und predig allein ausz der natur. Frank weltb. 222b; wobei aber sonst die bedeutung des verbums oben 3 fast ausschlieszlich waltet: der pellicân lebt von der milch des cocodrillen und wirt dâ von gespeiset. Megenberg 210, 19; auf das er (gott) dir kund thet, das der mensch nicht lebet vom brot allein, sondern von allem das aus dem mund des herrn gehet. 5 Mos. 8, 3, vgl. Matth. 4, 4; hütet euch fur dem geiz, denn niemand lebet davon, das er viel güter hat. Luc. 12, 15; ausz raub und diebstal läben, rapto vivere Maaler 259c; von wem aber lebet so vil disz volks (der advokaten), als ausz schmach des volks, ausz niederlag und blut der armen. Schuppius 769; wovon .. musz ich, wovon müssen so viele rathsherrn leben? ... sie (die bürgerschaften) wählen bemittelte leute zu burgemeistern, und fordern von dem rathsherrn, dasz er von seinem fleisze leben solle. Möser patr. phant. 1, 177; wenn dergleichen leute so viel besoldung hätten, dasz sie davon leben könnten. 178; von der luft kann man nicht leben. Simrock sprichw. 352; (Philine) die dadurch einen neuen schein von liebenswürdigkeit erhielt, dasz sie gleichsam nur von der luft lebte, sehr wenig asz. Göthe 19, 243; ich lebe von der hand in den mund. Bode Montaigne 2, 255 (je vis du iour à la iournee); dâ (in Munsalvœsche) wont ein werlîchiu schar ich wil iu künden umb ir nar. si lebent von einem steine. Parz. 469, 3; der himmel und die erd ist dein, und alles lebt von deinen gaben. Hagedorn 1, 9; wohl, mein kind, wir leben so einer von dem andern. Göthe 11, 210; das verbum unpersönlich und reflexiv: doch hört einmal, von rosen und küssen lebt sichs nun einmal nicht in der welt. Kotzebue dram. sp. 1, 32; auf etwas leben: dasz unmuglich ist einem prediger darauf (auf eine besoldung von 36 fl.) zu leben. Luther briefe 3, 477; auch mit etwas leben: er kann jetzt mit seiner besoldung ganz gut leben. 4@ee) der zweck des lebens wird durch um zu mit folgendem infinitiv vermittelt: wir leben nur um zu sterben; ich lebe nicht auf erden, um glücklich hier zu werden .. ich lebe hier, im segen den grund zum glück zu legen. Gellert 2, 106; oder durch zu mit subst.: denke fleiszig an die grosze absicht, zu der du auf erden lebst. 6, 29. 55) leben, transitiv geworden und mit einem zeitlichen oder sächlichen accusativ verbunden, heiszt soviel wie durchleben, th. 2 sp. 1644, lebend durchmachen, verleben. 5@aa) häufig ist ein leben leben, meist nur in gehobener rede: die zerbrechliche schale, meine brüder, die uns noch umgiebt, ist es allein, was uns hindert das leben der geister zu leben. Wieland 27, 304; ich habe in einem augenblick alles leben gelebt, und kann nun sterben. Klinger 8, 320; ich bin kein geist. taste mich an, ich lebe, o ein elendes, erbärmliches leben! Schiller räub. 4, 5; ein solches leben lebt sich besser, die schlacken der irdischen abkunft fallen immer mehr ab. Fichte reden an d. deutsche nation 471; Schmeichild lebt ein reiches leben, alles was sie darf ist da. Logau 3, 260, 250; o du (Mäcen), durch den Horaz, seit er bescheiden strebte von dir geliebt zu sein, ein wahres leben lebte. Lessing 13, 645; greift nur hinein ins volle menschenleben! ein jeder lebts, nicht vielen ists bekannt. Göthe 12, 14; Mnemosyne, tochter gottes, schwebe mit des trostes fittigen um mich, dasz ich noch einmal mein leben lebe. Seume ged. 169; (sie erfleht) rettung für den vater ihrer tugend, für den einzgen führer ihrer jugend, dem allein sie nur ihr leben lebet. 236; dasz der pflüger nicht bei seinen garben, hirt bei seinen herden müszte darben, winzer dursten nicht bei seinen reben, sondern jeder lebte sich ein leben. Rückert ges. ged. 1, 316; befangen in verworrnem streben seh ich mit zährendunkelm blick zurück auf mein gelebtes leben. Platen 13. 5@bb) ähnlich tage, nächte, zeiten leben (verschieden von den fällen oben 4, b): du hast heute einen bösen tag gelebt, und ich lebte ihrer viele. Klinger 1, 55; ich habe eine nacht gelebt .. wenn ich noch so eine leben sollte .. 75; er hatte eine sehr schwere, sehr bedeutende nacht gelebt. 11, 24; er ists, von dem ihr bessere zeiten, als eure armen väter lebten, einst zu erwarten habt. Göthe 8, 271; unsterbliche, die ihr den reinen tag auf immer neuen wolken selig lebet. Göthe 9, 48; ferner sagte der meister: er habe gelesen, es könne wer den ring am finger bewahrt, in grimmiger kälte nicht erfrieren; er lebe gewisz ein ruhiges alter. 40, 168; mitten durch schaaren des volks, das mit spazieren den tag lebt. 304; wenn der gute himmel mir ewig, ewig doch vergönnte, dasz ich, braver mann, mit dir meine tage leben könnte! Bürger 5b. 5@cc) mit sächlichem object, etwas leben, lebend erfahren, durchmachen, durchleben, einmal ausdrücklich abgehoben von erleben, das dann mehr auf das anschauen fremder geschicke, als das durchleben eines eigenen lebens zielt: für uns sind sie (die bestimmungen) nur, an uns kommen sie nur, als bestimmungen unseres lebens, dadurch dasz wir sie leben und erleben. Fichte sonnenkl. bericht. 42; auch schon der ältern sprache eigen: und alles was er lebet und thut, das richtet er zu des nehesten nutz. Luther tischr. 125b; der mensch ist kein sclave dessen, was er gelebt hat, wenn er sich nicht dazu erniedrigt; sein wille ist frei. Freytag handschr. 1, 114; was er gutes im leben, das nun gelebt war, und frommes hatte gethan! er lebt es wieder, doch ohne den anblick seiner fehle. Klopstock 5, 25; was ich irrte, was ich strebte, was ich litt und was ich lebte, sind hier blumen nur im strausz. Göthe 1, 12; allen magst du geschichten erzählen, worin als wirklich erscheinet, was sie wünschen und was sie selber zu leben begehrten. 337; es (das herz) lebt in einem augenblicke alle triumphe des kalten verstandes. Klinger 9, 61. 5@dd) in erweiterter construction: seine zeit, seine tage herunter leben; das fleisch habe ich alles herab gelebt, und nun frieren die knochen mir so. Claudius 4, 35; in reflexiver fügung: wer ... sich in der wirklichkeit etwas müde gelebt hat. Klinger 12, 255; es ist eine abgeschmakte verläumdung der menschlichen natur, dasz der mensch als sünder gebohren werde, ... er lebt sich zum sünder. Fichte reden an d. deutsche nation 330; der todesfall eines so alten bekannten, mit dem man so viele jahre lang in so vertrauten verhältnissen gestanden, macht auf die gesellen, welche mit ihm sich alt gelebt haben, immer einen besondern eindruck. Fernow in Böttigers lit. zust. 2, 284; wie dasz ihr doch, dasz Casca starb, die schuld dem arzte gebt? sie hat sich durch so lange zeit zu tode selbst gelebt. Logau 3, 94, 94. 66) leben in erhöhter bedeutung, mit besonderer hervorhebung der sittlichen, vernünftigen oder energischen seite des lebens. in diesem sinne stellt es die heutige sprache in gegensatz zu vegetieren oder auch existieren: leben ohne zu streben heiszt nicht leben, sondern nur vegetieren; bei dieser hitze lebt man nicht, man existiert nur; edler gesagt, in hinblick auf unser mangelhaftes erkentnisvermögen: wir leben nicht; uns träumet des daseins dunkler traum. Voss 5, 43. leben in der angeführten bedeutung gilt 6@aa) von den göttlichen personen, sowie auch von dem innern menschen in uns, in bezug auf das wirken jener: ich weis das mein erlöser lebt. Hiob 19, 25; der herr lebet, und gelobet sei mein hort. 2 Sam. 22, 47; ich lebe aber, doch nu nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Gal. 2, 20, und ein gott ist, ein heiliger wille lebt, wie auch der menschliche wanke. Schiller worte des glaubens; betheuernd so wahr der herr lebt, so wahr gott lebt; ich rette dich, ich will es, doch so wahr gott lebt! ich schwörs, ich will dich auch besitzen. Schiller Maria Stuart 3, 6; seitdem der neue mensch in ihnen zu leben angefangen. Wieland 27, 302, von dem innern christlichen leben, wie im folgenden: er aber sprach zu jm, du hast recht geantwortet, thue das (erfülle die gebote), so wirstu leben. Luc. 10, 28; wer an mich gleubet, der wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebet, und gleubet an mich, der wird nimer mehr sterben. Joh. 11, 25. 26. 6@bb) vom menschen mit bezug auf sein streben und handeln, und hier mit näher bezeichnenden verbindungen. 6@b@aα) einer person, einer sache leben, die thätigkeit seines lebens auf sie beziehen: er (mancher ritter) giht eʒ sî des hûses site, ist er êlîche gehît, daʒ er danne vür die zît sül weder rîten noch geben: er giht er sül dem hûse leben. Iwein 2812; gott aber ist nicht der todten, sondern der lebendigen gott, denn sie leben jm alle. Luc. 20, 38; denn unser keiner lebet im selber, und keiner stirbet jm selber. leben wir, so leben wir dem herrn, sterben wir, so sterben wir dem herrn. m. 14, 7. 8; auf das wir der sünde abgestorben, der gerechtigkeit leben. 1 Petr. 2, 24; er will ganz dem geschmacke, der trägheit und weichlichkeit leben. Gellert 6, 36; ein roher, sinnlicher mensch, der, zufrieden seinen sinnen zu leben, der herrschaft über die welt keine stunde seines vergnügens aufopferte. Klinger 5, 205; ach liebe leut, wem leben wir hie? wem sind wir nütz? mückenkr. 1, 471; wer seinem willen lebt, lebt ohne zweifel wol. Logau 3, 51, 67; ohne leben lebt der welt, wer nicht gut gewissen hält. 3, 211; ich lebt, und dasz ich lebte, bereu ich nicht, ich lebte dir, und unsern freunden, aber auch ihm, der nun bald mich richtet! Klopstock 1, 49; komm, eilen wir der freiheit wieder zu, wo wir, geheilt von diesem ewgen streben der fantasie, uns selbst und unsrer liebe leben. Wieland 18, 195; die ihrem (der kunst) keuschen dienste leben, versucht kein niedrer trieb, bleicht kein geschick. Schiller die künstler v. 85; früh von des tages erstem schein, bis spät die vesper schlug, lebt er nur ihrem dienst allein. gang nach dem eisenhammer; mit einem körpertheile als subject (vergl. oben unter 1): meine augen fangen an, dunkel zu werden. sieh, wenn du lebst, leben meine augen der freude, ob sie schon dem lichte sterben. Klinger theater 2, 135. 6@b@bβ) einem gebot, einer weisung leben heiszt ihm folgen: und ganz Africa und Gallia demselben (einem concilienbeschlusse) lange zeit gelebet und gefolget. Luther 1, 152a; dasz denen .. wegen abschaffung des fremden salzes in unseren landen vormals publicirten verordnungen nicht allerdings mehr gelebet .. werde. urk. von 1687 bei Grefe der lüneburg. saline ausschlieszl. salzdebit s. 35; dasz dieser unserer verordnung und verbot in allem gelebet und darwider in keine wege gehandelt werden möge. s. 36; dafür auch nach einem gebote leben; nach eines befehle leben, so leben, so handeln, wie er es befiehlt. Campe; vgl. nachleben. 6@b@gγ) auch mit einem genitiv (verschieden von dem oben 4, d, α aufgeführten), eines dinges leben, sich nach ihm richten: ob etliche weren, die mich zu geringe dafür hielten, das sie meines rahts solten leben. Luther 2, 480a; das er (der mensch) nichts anders sehe, höre, denke, noch wisse, denn diesen artikel (von Christi überwindung des todes), als sei nichts anders geschrieben in der ganzen creatur, und so einbilde, das er sich ganz drein stecke, und nur dieses artikels lebe. 6, 79a; sein selbs leben, nach eigener bestimmung: der ist ein knecht, der sein selbs nit lebt und auch nit lebt aus im selbs (aus eigenen kosten, vergl. oben 4, d, β). Keisersberg seelenpar. 138b; mit dem genitiv einer person: auch bin ich dir (Jesus) ganz eingesenket und leb und sterbe dein. P. Gerhard 337, 16 Gödeke. 6@b@dδ) mit einem nach seinem gefallen leben, thun, verfahren: Ripus, lebent mit mir nach ewerm gefallen (macht mit mir was ihr wollt). Aimon bog. r; als gebe uns gott .. das gesinde, wie eine kue oder esel, allein zur erbeit zu brauchen, oder mit den unterthanen unsers mutwillens zu leben. Luther 4, 399a. 6@b@eε) für einen, für etwas leben, in dem sinne wie α: ich musz für meine kinder leben; dieser mann lebt nur für seine familie; er lebt zu viel für sein vergnügen, zu wenig für seine pflicht; wer für andre lebt, hat am besten für sich gelebt. Simrock sprichw. 332; ach welche thorheit ists, sein herz der lieb ergeben, und allem abgelebt, für sie allein nur leben! Lessing 2, 452. 6@b@zζ) einem zu willen leben; er lebt ihr ganz zu gefallen, thut nur was ihr gefällt; in einsi willen und gfallen läben, einsi guoter freünd und günner sein, und all sein fleisz jm zedienen anlegen, vivere alicui. Maaler 259c. 6@b@hη) in einem, etwas leben: dann so du ein frawen lieb hast, so lebst du nit in dir sundern allein in ir. N. v. Wyle translat. ...; dem einen ist zu thun, zu schreiben mir gegeben, und möcht ich, wie geschieht, nicht in den büchern leben, ich lebte gar nicht mehr. Opitz 1, 101; welchen leser ich wünsche? den unbefangensten, der mich, sich und die welt vergiszt, und in dem buche nur lebt. Göthe 1, 401. 77) in derselben erhöhten bedeutung, aber mit hervorhebung des lebensgenusses: ich habe genossen das irdische glück, ich habe gelebt und geliebet. Schiller Piccol. 3, 7; ich habe leidenschaften, warmes blut wie eine andre, und ich kam als königin in dieses land, zu leben, nicht zu scheinen. sollt ich der freud absterben? jungfrau von Orl. 2, 2; o seltnes glück, wenn zwei verwandte seelen sich durch schrankenloses, liebendes vertraun vereint! ihr sterbliche, die's nie gefühlt, ihr lebtet nie, und lebtet ihr drei hohe menschenalter fort. Platen 166; liesz er doch merken .. wer Neapel nicht gesehen, habe nicht gelebt. Göthe 48, 158; in reflexiver fügung: hier läszt sichs schon leben, hier findet man ein angenehmes leben; hier lebt sichs aufs beste; nun ist mein saal schön aufgeräumt und aufgeputzt; es lebt sich bei der groszen wärme aufs angenehmste darin. Göthe 29, 39; doch hast du, mutter, uns nicht selbst berichtet, um wie viel schöner sich es lebt dort oben? (auf der erde, sagt eine nixe). Platen 318. 88) mit hervorhebung der lebensschicklichkeit, des anstandes, in der verbindung zu leben wissen: die redensart, er weisz zu leben, ... bedeutet die geschicklichkeit seiner wahl im geselligen genusz, der nüchternheit enthält. Kant 10, 274; meine herrschaft hört, dasz er durch sie verdrengt worden. meine herrschaft weisz zu leben, und ich soll ihn desfalls um verzeihung bitten. Lessing 1, 521; sie grüszet jeden gast mit treuem händedrücken, das endlich Jupiter, der wohl zu leben wuszte, durch einen kuss vergelten muszte. Hagedorn 2, 100; wunderbar! was hält ihn noch zurück? er weisz doch sonst so gut zu leben. Wieland 10, 278; Faust. allein bei meinem langen bart fehlt mir die leichte lebensart ... Meph. mein guter freund, das wird sich alles geben; sobald du dir vertraust, sobald weiszt du zu leben. Göthe 12, 101; ihr herrn gesteht, ich weisz zu leben; verliebte leute sitzen hier, und diesen musz, nach standsgebühr, zur guten nacht ich was zum besten geben. 105. 99) leben von der fortdauer einer person in der erinnerung, in der nachwirkung, vgl. dazu auch fortleben 3, theil 41, sp. 22: der verstorbene wird immer unter uns leben; sein geist lebt unter uns weiter; (der schauspieler) musz seiner mitwelt mächtig sich versichern, und im gefühl der würdigsten und besten ein lebend denkmal sich erbaun — so nimmt er sich seines namens ewigkeit voraus, denn wer den besten seiner zeit genug gethan, der hat gelebt für alle zeiten. Schiller Wallenstein, prolog v. 49; vergl. dazu auch unten unter leben 12, c. 1010) leben, ehelich: glaubt nicht der arme mensch mit Jupiters tochter zu leben, und ein knochengeripp folgt ihm zu tisch und zu bett. Schiller nachtr. zu den xenien no. 26 ('der schlechte dichter'); geschlechtlich: er lebt mit einer, pflegt mit ihr geschlechtlichen umgang; sie lebt mit jedem manne, der ihr gefällt. 1111) der zuruf: er lebe! er lebe hoch! ist übersetzung des fremden bis ins 18. jahrh. gewöhnlichen vivat, vergl. dazu auch unter hoch theil 42, sp. 1604: vivat! er lebe! ein freudiger zuruf bei krönungen, einzügen und andern solennitäten hoher personen. Kirsch cornuc.; er lebe! vivat! Frisch 1, 590c; Soest es lebe unsre gnädge frau! alle. sie lebe! Soest. wahrlich, treffliche weiber sind in dem hause. die regentin lebe! Göthe 8, 174; soll leben, der wackere seeminister! Hebel 3, 27; lebe hoch, wer leben schafft! Göthe 1, 135; merket auch ein schönes kind, wen ich eben meine, nun so nicke sie mir zu: leb auch so der meine! ebenda; unser mann er that ja so; leb er drum! er lebe! 47, 134; auch auf anderes als personen bezogen: es lebe die freiheit! es lebe der wein! 12, 112; es lebe zahm und wildes schwein! sie leben alle, grosz und klein, die blonden und die braunen! Uhland ged. 65. 1212) leben auch von dingen, in verschiedener bildlicher anwendung. 12@aa) sie werden in gewissen verhältnissen lebenden wesen verglichen: wir sehen der himele zeichen sweben, daʒ diu gânt umbe, als si leben. Freidank 8, 21; die tanne (die in der sägemühle zerschnitten ward) war wie lebend. J. Kerner im morgenblatt 1830, no. 269; ein bild lebt, wenn es die höchste ähnlichkeit mit dem von ihm dargestellten belebten urbild zeigt; preiswerthe schwärmerei! wohlthätige magie! sein glück ist zwar nur fantasie, allein es füllt den platz der wahrheit die ihm mangelt, und seine schöne steht so lebend vor ihm da, wie er sie heut im beichtstuhl knieen sah. Wieland 21, 189; ein instrument lebt, wenn die ihm entlockten töne wie von belebten wesen zu kommen scheinen; Arion war der töne meister, die cither lebt in seiner hand. A. W. Schlegel im musenalm. von 1798, s. 278; die flur lebt wieder, wenn sie sich im frühling grün bezieht; euch lacht und lebt kein lenz; euch glüht kein morgenroth; für euch sind flur und wald und thal und echo todt. Lessing 2, 252; von andern gegenständen: Miller. höre Louise! ich erbreche den brief. Louise. wie er will, vater — aber er wird nicht klug daraus werden. die buchstaben liegen wie kalte leichname da und leben nur augen (dat. plur.) der liebe. Schiller kab. u. liebe 5, 1; mein buch, es lebte seinen tag. Arnim 1, xiv; von gefühlen: du fühlst nicht, dasz in dem menschen ein besserer funke lebt, der, wenn er keine nahrung erhält, wenn er nicht geregt wird, von der asche täglicher bedürfnisse und gleichgültigkeit tiefer bedeckt und doch so spät und fast nie erstickt wird. Göthe 18, 81; wie liebe soll in dir, für mich noch liebe leben? Gotter 2, 16; wo liebe lebt und labt, ist lieb das leben. A. W. Schlegel poet. werke 1 (1811) 316; freilich, das kommt daher, wenn ehrgefühl nicht im busen eines jünglinges lebt, und wenn er nicht höher hinauf will. Göthe 40, 256; muth! muth! was ich so treu im herzen trage, das musz ja doch dort ewig mit mir leben! Körner 1, 134. in der ältern sprache auch technisch (vergleiche unten das part. lebend no. 14): der mercurius lebt nicht mehr (im zinnober). Thurneiszer von wassern (1572) 76. 12@bb) ein ort lebt, wenn lebende wesen auf ihm sich tummeln: das ganze feld lebt sagt man, wenn viele menschen darauf thätig sind; der ganze kopf lebt, wenn viel ungeziefer drauf ist; der käse lebt, wimmelt von maden; es lebt von menschen, die zum ufer jagen, vom hafen bis zur stadt der ganze zwischenraum. Schiller Dido v. 74. 12@cc) leben, existieren, von einer sprache: die keltische sprache lebt noch in Groszbrittanien und Irland; sowie von dem was durch die sprache verbreitet und vermittelt wird: das sprichwort, das in aller munde lebt; von ruf, ehre, andenken (sich berührend mit no. 9 oben): sie sind in frieden begraben, aber jr name lebt ewiglich. Sir. 44, 14; monarchen, euren werth wird jede zeit erheben, und die benennungen berühmter herrscher leben. Hagedorn 1, 88; von des lebens gütern allen ist der ruhm das höchste doch; wenn der leib in staub zerfallen, lebt der grosze name noch. Schiller siegesfest v. 104; der für seine hausaltäre kämpfend sank, ein schirm und hort, auch in feindes munde fort lebt ihm seines namens ehre. v. 120; ferner kunstschöpfungen: denn schnell und spurlos geht des mimen kunst, die wunderbare, an dem sinn vorüber, wenn das gebild des meiszels, der gesang des dichters nach jahrtausenden noch leben. Wallenstein prolog v. 35. 12@dd) verwunderungsformel in volksmunde ist: so was lebt nicht! 1313) leben in formelhaften verbindungen. 13@aa) in der allitterierenden leiben und leben, von der beide glieder das gleiche ausdrücken, vergl. vivere leben, leyben Dief. 624c, daher das verbum leben dem sinne nach verstärkend: kunst amet wol der natur nach ... so (dagegen) leibt und lebt es alles besser was natürlich ist denn was menschen hand zu wegen bringt. Mathes. Sar. 33b; er ist nicht klug mit seinem geiste! noch leib und leb ich. Lessing 2, 559; wenn er noch vor ihnen zu leben und zu leiben scheint. Stolberg 10, 207; sie (Göthes kritik von Arnolds pfingstmontag) verweilt gerne bei diesen straszburgischen gestalten, die er einst selbst leibend und lebend gesehn. Alsatia von 1853 s. 12; ihn musz sie sehn wohin sich ihre blicke lenken, musz mit ihm auf und nieder gehn, musz von ihm träumen, an ihn denken ... kurz, was in Klärchen leibt und lebet, ist durch und durch mit ihm verwebet. Wieland 9, 229 (198); allein, der geist der hier sein wesen treibet, ist euch von ganz besonderm schlag, hält offnen hof, iszt, trinkt, und lebt und leibet wie unser eins, und geht bei hellem tag. 22, 69 (Oberon 2, 22). gern in der vergleichenden formel wie einer leibt und lebt, das vollkommen genaue und lebendige bild von einem verglichenen ausdrückend: in diesem einzigen zuge, herr hauptpastor, stehen sie mir ganz da, wie sie leiben und leben. Lessing 10, 177; sogleich steht er vor mir, wie er leibte und lebte — mein vater seeliger. 11, 746; ich ward roth, denn er beschrieb mich, wie ich leibte und lebte. Göthe 20, 56; er ward freundlich in die innern zimmer geführt vor die köstlichsten bilder bedeutender männer des sechzehnten jahrhunderts in vollständiger gegenwart, wie sie für sich leibten und lebten. 21, 117; auch hier fanden wir unsern ehrlichen Wakefield wieder, in seinem wohlbekannten kreise, aber nicht mehr wie er leibte und lebte, sondern als schatten. 26, 157; die menschen wie sie leiben und leben .. weisz er zu schildern. 39, 144; Lenette hatte die ganze nacht nicht das herz, sich aufzusetzen im gitterbette, aus angst, sie sehe — ihren mann, wie er leibt und lebt. J. Paul Siebenkäs 4, 51; sie steht mir noch heute mit ihren schönen groszen blauen augen und ihrer prächtigen breiten stirn, als wenn sie leibte und lebte, lebendig gegenüber. Arndt leb. 5. 13@bb) in der reimenden formel leben und weben, welche die beweglichkeit und thätigkeit des lebens zeichnet: und gott schuf grosze walfische und allerlei thier, das da lebt und webt, und vom wasser erreget ward. 1 Mos. 1, 21; in jm (gott) leben, weben, und sind wir. ap. gesch. 17, 28; ehe ich noch war, lebete, webete, und ichts thun kunde, warestu, herr, uber mir im mutterleib. Luther 8, 315b; die oberfläche unsers planeten, mit allem was darauf lebet, webet und ist. Wieland 14, 297; Ernst. lasz dich nur hier bei mir nieder, und sieh! Falk. was denn? Ernst. das leben und weben auf und in und um diesen ameisenhaufen. Lessing 10, 262; von meinen augen muszt du leben, weben, abhängen und sein. Klinger neue Arria 24; er musz im Homer leben und weben und beständig voll davon sein. Bürger 141b; der blosz im juristischen fache lebt und webt. J. Paul flegelj. 1, 68; dasz ich Amaranten dann, wie er lebt und webt, beschriebe. Gökingk lieder zweier lieb. 95, denn er (der keusche mann) gedeiht und sproszt empor, wie auf der wies ein schlankes rohr; und lebt und webt, der gottheit voll, an kraft und schönheit ein Apoll. Bürger 51b; sieh das leben und das weben dieser graziengestalt, sieh es ruhig an und kalt! 74a; alles nunmehr zu werden versucht er (Proteus), was auf der erde lebet und webt, auch wasser und schreckliche flamme des feuers. Odyss. 4, 418; ach wie ich nun wieder neu leb und webe! (worte einer braut). Kotzebue dram. sp. 1, 300; nach leben no. 12: o mai, was frag ich viel nach dir! der frühling lebt und webt in ihr (in Molly). Bürger 13a; im lenze lebt und webt sie nur (die sinnenliebe), gehegt, gepflegt von Floren. 101b; des hügels rücken, der vom tanze froher lämmerheerden lebt und webt. 98a; wo man nur den bulten (die erde um die kartoffelstauden) hebt, schaut, wie voll es lebt und webt! Voss 5, 28. 1414) das part. lebend gern in adjectiver und substantiver stellung: lebende wesen, vgl. oben 1; lebende pflanzen; lebende blumen im gegensatze zu nachgeahmten, todten; alles lebende vergeht; wir, wir leben! unser sind die stunden, und der lebende hat recht. Schiller an die freunde; lebende bilder werden gestellt, wenn personen als figuren eines gemäldes dienen (die sache, aber noch nicht der jetzt so gewöhnliche name Göthe 17, 252 ff., vgl. aber unter lebendig 13 a. e.); in den kühnen schaaren, die sein befehl gewaltig lenkt, sein geist beseelt, wird euch sein schattenbild begegnen, bis ihn die scheue muse selbst vor euch zu stellen wagt in lebender gestalt. Schiller Wallenstein, prolog v. 115; von einem gesetzeskundigen greis heiszt es ein lebendes gesetz (wofür häufiger lebendig, s. unten): ein andrer, dessen haupt mit gleichem schnee bedecket, ein lebendes gesätz, des volkes richtschnur ist. Haller 35; nach leben 12: eine lebende sprache, im gegensatz zu einer todten, ausgestorbenen, nicht mehr gesprochenen; lebende quelle, lebender brunnen, im gegensatz zum stehenden gewässer: fluʒʒi fon sînero uuambu flioʒent lebêntes uuaʒares. Tatian 129, 5; wo sein lebender bach nieder am moosgeklüft rollt durchsichtige flut durch das geregte laub; nicht wo lauliche tränke sumpft, vom dienstbaren huf getrübt. Voss 3, 200; lebende winde: also redeten jen' im vertraulichen wechselgespräche, unter dem heiteren blau des allumfassenden himmels; gottes lebende wind' umwehten sie. Voss 1, 48; lebendes feuer, hell brennendes, im gegensatz zu dem blosz glimmenden einer kohle; lebender schwefel, gediegener schwefel, jungfernschwefel; lebender kalk, ungelöschter; lebend silber, quecksilber: dieses (trommelfell des ohrs) scheint zwar fest und dichte, als ob das geringste loch auch vom schärfesten gesichte nicht darinn zu sehn; dennoch hat sichs offenbar gezeiget, dasz sich lebend silber seiget, und, wenn mans darüber gieszt, es dadurch gar leichtlich flieszt. Brockes 2, 348; lebender stein, lebender fels, nicht verwitterter; lebende federn, federn von gänsen die lebendig berupft werden (im gegensatz zu den federn die von geschlachtetem vieh herrühren): untergebett und pfühle, gestopft mit lebenden federn. Voss Luise 3, 2, 603. in der sprache der buchdrucker heiszen lebende columnentitel die in der mitte stehenden angaben des inhalts der columne oder des abschnittes, neben welcher seitlich die seitenzahl steht. vergl. zu einer anzahl solcher verbindungen auch unten lebendig.
52231 Zeichen · 765 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    lebênst. n.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +11 Parallelbelege

    lebên st. n. ( vgl. dazu Wilm., Gr. 2 2 § 303,4 ), mhd. nhd. leben; mnd. mnl. leven; vgl. ae. lifen f., got. libains f. …

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    lëbenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +12 Parallelbelege

    lëben stn. leben. der leben glaube 1186. 1729. 1745 u. m. L. Alex. 2301. 3670. 4128 W. — leben unde lîp Iw. 96. Otto 21 …

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Leben

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Leben , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1. * Im eigentlichsten Verstande, schreyen, lärmen, ein…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Leben

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Leben mehrfach Kleinschr (besonders in frühen Br), zB B2,33,8 u 34,13 u B5,342,6 , Zusammenschr ‘Lebenlang’ zB B2,190,14…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Leben

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Leben , der Gegensatz zu Leblosigkeit und Tod. Wir unterscheiden geistiges (s. Geist) und physisches L. Letzteres kommt …

  6. modern
    Dialekt
    lëben

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    lëbe n [láwa, láwə fast allg.; lǽwə Str. Kindw. W.; Ind. Präs. láp, bezw. lǽp, –s t , –t, Pl. láwə, lǽwə; Part. klápt O.…

  7. Spezial
    Leben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    Le|ben n. (-s) 1 (Lebendigsein) vita f. 2 (Dasein) vita f. 3 (Lebensweise) vire m. , manira de vire f. 4 (Lebhaftigkeit)…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit leben

822 Bildungen · 695 Erstglied · 119 Zweitglied · 8 Ableitungen

leben‑ als Erstglied (30 von 695)

lebenmüde

SHW

leben-müde Band 4, Spalte 215-216

lebenähnlich

DWB

leben·aehnlich

lebenähnlich , adj. : welche mit täuschender kunst, lebenähnlich wohl erhalten sind. Stolberg 8, 386 .

lebend

FWB

1. ›physisch existent (von Lebewesen); körperlich unversehrt; bei lebendigem Leibe‹; 2. ›unversehrt; vorhanden, bestehend, tatsächlich, exis…

lëbende

Lexer

leb·ende

lëbende part. adj. BMZ act. lebend Hartm. ( Büchl. 2,51. Greg. 3208 ). Helmbr. Nib. 640,7. 2029,2. 2245,1. 2304,4. Wig. 124. 20. 141,25. 191…

Lebende Bilder

Meyers

lebende·bilder

Lebende Bilder (franz. Tableaux vivants ), Darstellungen von Werken der Malerei und Plastik durch lebende Personen, die schon im römischen A…

lëbendec

Lexer

leb·endec

lëbendec , lëbendic adj. BMZ lebendig, lebend Mar. Parz. Trist. Nib. 1985,3. Gudr. 29,1. Virg. 262,3. 288,13. Otn. A. 374. Wolfd. A. 178. 20…

lebendege

KöblerMhd

leben·dege

lebendege , sw. M., sw. F. nhd. Lebendige Q.: DvAPat (FB lebendege), Urk (1258) E.: s. leben? W.: nhd. DW- L.: DRW

Lebender

Wander

leben·der

Lebender 1. Besser dem Lebenden einen Bissen, als dem Todten ein weiches Kissen. Die Russen: Lieber den Lebenden ein Lächeln als den Todten …

Lebend-Erhabene

GWB

lebender·habene

Lebend-Erhabene für den auferstandenen Christus [ Chor der Jünger: ] Hat der Begrabene | Schon sich nach oben, | Lebend Erhabene, | Herrlich…

Lebendes Inventar

Meyers

lebende·s·inventar

Lebendes Inventar , die zu dem landwirtschaftlichen Betriebe gehörigen Bestände an Vieh und zwar Zug- und Nutzvieh. In Verbindung mit dem to…

Lebendes Werk

Meyers

lebende·swerk

Lebendes Werk ( Unterschiff ), der Schiffskörper unter der Wasserlinie, im Gegensatz zum Oberschiff (Schiff über Wasser), dem toten Werk . D…

lebendic

KöblerMhd

leben·dic

lebendic , Adj. nhd. lebendig, lebend, am Leben seiend, lebensspendend ÜG.: lat. vivens STheol, vivus PsM Vw.: s. halp-*, lezzist-*, über- H…

lebendich

LothWB

leben·dich

lebendich [lebèndiχ fast allg.; lebèndeχ D. Si. ] adj. wie hd. lebendig: lebendeches Leifs bei lebendigem Leibe D. Si. — lux. 262.

lebendig

DWB

leben·dig

lebendig , adj. vivus. 1 1) das ahd. lebentig ( Graff 2, 43 ), altniederfr. levindig (getimberd mit then levindigon stênon. Werdener psalmen…

lebendigaufmerksam

GWB

lebendig·aufmerksam

lebendig-aufmerksam zu lebendig 2b einem lebendig aufmerksamen, geistreichen Blick B42,108,24 Leopoldine Grustner 30.3.27 Nikolaus Lohse N.L…

lebendigbeweglich

GWB

lebendig·beweglich

lebendig-beweglich zu lebendig 1a Das Höchste was wir von Gott und der Natur erhalten haben, ist das Leben, die rotirende Bewegung der Monas…

Lebendigdahinfließende

GWB

Lebendigdahinfließende der Musiker, wenn er sonst sinnlich und sinnig, sittlich und sittig begabt ist, genießt im Lebensgange große Vortheil…

Lebendige

Wander

leben·dige

Lebendige 1. Den Lebendigen Fried, den Verstorbenen (Todten) die Ruhe. – Petri, II, 78; Lehmann, II, 60, 69. 2. Den lebendigen helt man lieb…

lebendigen

DWB

leben·digen

lebendigen , verb. lebendig machen: umbe namen dînen herre lebindigetistu mich ( propter nomen tuum, domine, vivificabis me, vulg. ) Trierer…

Lebendigerhaltung

GWB

lebendig·erhaltung

Lebendigerhaltung das Aufrechterhalten einer gefährdeten Existenz; im bildhaften Zshg B19,137,4 Voigt 17.6.06 Syn Aufrechterhaltung Aufrecht…

lebendigerheit

PfWB

lebendig·er·heit

 lebendigerheit Adv. : = lebendig II 1, lewendicherheit [ Krämer Gal 139]. Dät Euch nore die Zung lewwendicherheit in Eurem Maul verfaule! …

Lebendiges

Wander

Lebendiges 1. Das Lebendige legen auf'n Todten. ( Jüd.-deutsch. Warschau. ) Das Lebendige für das Todte wagen, Gewisses für Ungewisses geben…

lebendigfarbig

GWB

lebendig·farbig

lebendig-farbig subst; eigenh Kleinschr, WA emendiert zu Großschr zu lebendig 2h, bezogen auf Blumenschmuck B46,249,20 Henriette Pogwisch 23…

lebendigfertig

GWB

lebendig·fertig

lebendig-fertig zu lebendig 2c Sähe man Kunst und Wissenschaft nicht als ein Ewiges, in sich selbst Lebendig-Fertiges verehrend an .. so wür…

leben als Zweitglied (30 von 119)

aleben

KöblerMhd

*aleben , Adj. nhd. ganz, eben (Adj.) Hw.: s. alebenst E.: s. al, eben W.: nhd. DW2-

harteleben?

KöblerMhd

*harteleben? , V. nhd. „in Buße leben“ Hw.: s. harteleben (2) E.: s. harte, leben W.: nhd. DW-

hōchleben

KöblerMhd

*hōchleben , sw. V. nhd. „hochleben“ E.: s. hōch (1), leben W.: nhd. DW-

miteleben?

KöblerMhd

*miteleben? , V. nhd. „mitleben“ Hw.: s. miteleben (2); vgl. mnl. medeleven E.: s. mite, leben W.: nhd. (ält.) mitleben, V., mitleben, verei…

vrideleben?

KöblerMhd

*vrideleben? , V. nhd. „friedlich leben“ Hw.: s. vrideleben (2) E.: s. vride, leben

vröudeleben?

KöblerMhd

*vröudeleben? , V. nhd. „freudig leben“ Hw.: s. vröudeleben (2) E.: s. vröude, leben

wolleben?

KöblerMhd

*wolleben? , V. nhd. „wohlleben“ Hw.: s. wolleben (2) E.: s. wol (2), leben (2) W.: nhd. (ält.) wohlleben, V., „wohlleben“, glücklich leben,…

Ableben

RDWB1

Ableben n кончина (а не "отживание")

Lotterleben

RDWB1

Lotterleben n распутная жизнь, беспутная жизнь ein ~ führen - вести беспутную жизнь, прожигать жизнь идиом.

ableben

DWB

ableben , n. exitus e vita. nach meines vaters ableben; dieses zeichen seines ablebens. J. Paul flegelj. 1, 4 .

anekleben

KöblerMhd

ane·kleben

anekleben , sw. V. nhd. „ankleben“, anhaften, kleben bleiben Hw.: s. anekleiben, aneklīben; vgl. mnl. anklēven, mnd. aneklēven Q.: ErzIII, T…

ankleben

DWB

ank·leben

ankleben , adhaerere, ahd. anachlepên, nnl. aankleven, wie ein leim anhängen, anhaften: der vogel klebt schon an der ruthe an; die klette kl…

aufkleben

DWB

auf·kleben

aufkleben , nnl. opkleven, s. aufkleiben, 1 1) intransitiv adhaerere, ankleben: das pflaster klebt fest auf; der mensch klebt auf, weicht ni…

auseinanderleben

RDWB1

auseinander·leben

auseinanderleben, sich (Lakune) Mein Mann und ich haben uns auseinandergelebt. - Мой муж и я перестали друг друга понимать.

ausleben

DWB

aus·leben

ausleben , vitam finire, complere, nnl. uitleven ( das engl. outlive aber überleben ): doch eh ich sie erlangt, hab ich fast ausgelebt. Cani…

bekleben

DWB

bek·leben

bekleben , beklebte, 1 1) intransitiv, adhaerere, fest kleben: ist etwas in meinen henden beklebt. Hiob 31, 7 ; mein gebein sind beklebet an…

beleben

DWB

bele·ben

beleben , in verschiednem sinn, 1 1) früher bedeutete es was das heutige erleben: es ist nicht mehr um die zeit, die wir zu Soest belebten. …

Bredleben

Wander

bred·leben

Bredleben Sie ist von Bredleben. ( Niederösterr. ) Von einer weiblichen Person mit flacher Brust. (S. Glattau: Glatt wie ein Bret.)

bubenleben

DWB

buben·leben

bubenleben , n. vita scelerata. Melanchth. im corp. doctr. chr. 188 ; dasz sie komb aus dem bubenleben. H. Sachs IV. 3, 61 b ; ich hab nun g…

buobenlëben

Lexer

buoben·leben

buoben-lëben stn. buobenleben und gumpelwîs, swer des iezuo vil kan, der ist ein rehter hoveman Teichn. 273.

burschenleben

DWB

burschen·leben

burschenleben , n. vita civium academicorum: du freies bursenleben, ich lob dich für den gral. Uhland 684 ; die studenten waren gar verschie…

durchleben

DWB

durch·leben

durchleben , eine zeit im leben hinbringen, zurücklegen, verleben. 1 1. untrennbar. er hat die jugend in saus und braus durchlebt. er hat zw…

dörpelleben

KöblerMhd

dörpel·leben

dörpelleben , st. N. nhd. bäuerisches Leben Q.: Ring (1408/1410) E.: s. dörpel, leben W.: nhd. DW2- L.: Hennig (törpelleben), MHDBDB (dörper…

einleben

DWB

ein·leben

einleben , sich, tempus et otium ponere in aliqua re, sich hinein leben, einwohnen, wol erst im 18 jh. gebildet und nach uns das dän. indlev…

erleben

DWB

erle·ben

erleben , 1 1) diem videre. leben ist zwar eigentlich ein intransitives wort, zu dem aber auch der acc. treten kann: ein leben leben, vitam …

Ableitungen von leben (8 von 8)

beleben

DWB

beleben , in verschiednem sinn, 1 1) früher bedeutete es was das heutige erleben: es ist nicht mehr um die zeit, die wir zu Soest belebten. …

entleben

DWB

entleben , vita privare, tödten, das nnl. ontleven ist aber intransitiv sterben, wie auch bei uns vorkommt, z. b. in Weises lustredner 329 :…

erleben

DWB

erleben , 1 1) diem videre. leben ist zwar eigentlich ein intransitives wort, zu dem aber auch der acc. treten kann: ein leben leben, vitam …

geleben

DWB

geleben , verstärktes leben, mhd. geleben, mnd. geleven, ahd. gilebên ( selten ), nhd. noch lange geläufig. 1 1) vom leiblichen leben. 1@a a…

unleben

DWB

unleben , n. , fast nur individuelle bildung geblieben. nichtdasein: nachdem sy ( die creatur ) ausm u. lebendig gemacht B. v. Chiemsee 188 …

urleben

DWB

urleben , n. (ur- C 4 c): Silen, das bild des urlebens Herder 6, 404 S.; u. der menschheit 6, 474 S.; das alterthümliche, das rheinische kat…

verleben

DWB

verleben , verb. lebend aufbrauchen, lebend sich verbrauchen. mhd. verleben, mnd. vorleven, jedoch meist in der nhd. nicht nachgewiesenen be…

zerleben

DWB

zerleben , verb. , durch das leben entstellen: zum volkscheuen bastard zerlebt Fr. L. Jahn w. 2, 755 E.; A. Kerr ges. schr. 3, 235 ; neuarti…