lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Schollen

mhd. bis sprichw. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
16 in 13 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
72
Verweise raus
38

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Schollen

Bd. 17, Sp. 942
Schollen (Flachfische, Plattfische, Pleuronectidae), Familie der Weichflosser, Knochenfische mit stark zusammengedrücktem, sehr hohem Körper, dessen nach oben gekehrte Seite gefärbt ist, während die dem Boden zugekehrte farblos, nur zuweilen gefleckt ist. In der Jugend sind die S. gleich den übrigen Fischen symmetrisch gebaut, in der Folge aber findet eine Verdrehung des Kopfes statt, und beide Augen liegen zuletzt auf der dem Lichte zugekehrten Seite, und das Maul steht schief (s. Tafel »Entwickelungsgeschichte I«, Fig. 1, Ia u. Ib). Auf der gefärbten Seite sind auch die Brustflossen stärker entwickelt oder überhaupt nur vorhanden; Rücken- und Bauchflossen sind sehr lang, ohne Teilungen, die Schwanzflosse ist, wie der Körper, auf beiden Seiten verschieden gefärbt, im Maul stehen meist starke oder bürstenförmige Zähne. Die Eingeweidehöhle ist sehr klein, der After liegt unter der Kehle, die Schwimmblase fehlt. Die S. leben meist gesellig an seichten, sandigen Stellen des Meeres, schwimmen, die Augenseite nach oben gerichtet, mit wellenförmigen Bewegungen und liegen meist flach auf dem Grunde, auf Beute lauernd. Sie sind sehr gefräßig und nähren sich von Fischen, Krebstieren, Würmern und Muscheln; ihre Färbung paßt sich stets dem Boden an, und sie sind schwer zu finden, wenn sie sich beim Niederlassen mit aufgewirbeltem Kies und Sand bestreuen. Wohl alle wandern aus tiefern Meeresteilen in flachere und erscheinen in Buchten etc. sehr regelmäßig, ohne daß man weiß, ob und wie weit das Fortpflanzungsgeschäft mit diesen Wanderungen zusammenhängt. Einige kommen auch in Flußmündungen vor und steigen weiter die Flüsse hinaus. Sie haben ihre größte Verbreitung in der gemäßigten Zone, und nach Norden nimmt die Artenzahl schnell ab. Sie laichen auf sandigem Grunde oder zwischen Meerpflanzen im Frühjahr, und die Jungen bemerkt man im Ausgang des Sommers. Im Norden werden die größern S. gesalzen, getrocknet, auch geräuchert, aber auch in England, Frankreich, Holland, Deutschland werden sehr große Quantitäten frisch verbraucht und geräuchert. Die Gattung Scholle (Pleuronectes Gthr., Platessa Cur.) umfaßt Fische mit verschoben viereckigem oder eirundem Körper, nicht ganz bis zur Schwanzflosse reichender breiter Rücken- und Afterflosse, von denen die erstere über dem Auge beginnt, besonders auf der Blindseite entwickelten Kiefern, einreihig geordneten schneidenden Zähnen und Pflasterzähnen auf den Schlundknochen und mit meist auf der rechten Seite stehenden Augen. Der Goldbutt (Maischolle, Platteisen, gemeine Scholle, P. Platessa L., s. Tafel »Fische IV«, Fig. 5), 30–90 cm lang und 7 kg schwer, meist braun, grau gemarmelt, gelb gefleckt, auf der Blindseite gelblich- oder gräulichweiß, findet sich von den Küsten von Portugal bis Island, ist besonders häufig auf den Watten der deutschen und holländischen Küste; in der westlichen Ostsee ist er häufig, aber kleiner. Sein Fleisch bildet frisch und geräuchert einen bedeutenden Handelsartikel. Der Flunder (Teer-, Sandbutt, P. Flesus L.), ebendaselbst und in allen größern Flüssen Deutschlands (bis Magdeburg, Mainz, Trier, Klingenberg a. M.), Hollands, Nordwestfrankreichs und Englands, bis über 70 cm lang und bis 3 kg schwer, mit bisweilen auf der linken Seite stehenden Augen, graubraun mit dunklern Flecken, auf der Blindseite weißlich, sein schwarz punktiert, hat schmackhaftes Fleisch und wird in großen Mengen geräuchert. Hundszunge (Aalbutt, Pole, P. cynoglossus L.), 30–50 cm lang, graubraun, auf den Flossen mit schwarzen Flecken, lebt an den nördlichsten Küsten Europas und an der Ostküste von Nordamerika, selten in der Nord- und Ostsee. Die Kliesche (P. limanda L.), 20–40 cm lang, mit durch dichtstehende kleine Kammschuppen rauhem Körper, hellbraun bis aschgrau, mit kleinen dunklern Flecken, auf der Blindseite weiß, lebt an den europäischen Küsten, geht auch in die Flußmündungen und hat zartes, wohlschmeckendes Fleisch. Die Heilbutten (Heiligbutt, Hippoglossus Cuv.) haben einen gestrecktern Leib, weites Maul, auf beiden Seiten annähernd gleich entwickelte Kiefern und Zähne, eine nicht die ganze Oberseite einnehmende, über dem Auge beginnende Rücken- und eine verhältnismäßig kleinere Afterflosse und auf der rechten Seite stehende Augen. Der Heilbutt (Riesenscholle, Pferdezunge, H. vulgaris Flem.), bis 3 m lang und 350 kg schwer, braun, auf der Blindseite weiß, lebt besonders im hohen Norden, auch an den englischen und dänischen Küsten, selten in der Ostsee und ist für die Nordländer ein sehr wichtiger Nährfisch. Die Butten (Rhombus Gthr.) haben den breitesten Körper, einen weiten Mund, Bürstenzähne in schmaler Binde, eine über der Schnauze beginnende Rückenflosse, sehr große Afterflosse und auf der linken Seite stehende Augen. Der Steinbutt (Turbot, Tarbutt, R. maximus L., s. Abbildung), bis 2 m lang, in der Ostsee 40 cm lang und 3–4 kg schwer, auf der Augenseite höckerig, braun gemarmelt und heller gefleckt, auf der Blindseite weiß, lebt an den Küsten Europas vom Mittelmeer bis 70° nördl. Br., geht auch in die Hasse, in die Unterweser und Geeste und war schon bei den Römern sehr geschätzt. Der Glattbutt (Brill, Viereck, Barbue, R. laevis Cuv.), 40 cm lang, bis 4 kg schwer, mit glatter Augenseite, braun, dunkelbraun gemarmelt, perlenartig hell gefleckt, hat dieselbe Verbreitung wie der vorige. Die Zungenschollen (Soole, Solea Gthr.) haben einen länglichen Körper, abgerundete schnabelartige Schnauze, auf der rechten Seite stehende Augen, eine enge, nach links gedrehte Mundspalte, nur an der blinden Seite stehende Hechelzähne, eine von der Schnauze bis zum Schwanz verlaufende Rückenflosse, zuweilen auf einer oder beiden Seiten fehlende Brustflossen und sehr große Afterflosse. Die Zunge (Seezunge, S. vulgaris Quensel), bis 60 cm lang und bis 4 kg schwer, auf der Augenseite schwarz, auf der Blindseite bräunlich, findet sich an allen westeuropäischen Küsten bis zum 64.° nördl. Br., dringt auch in die Flüsse ein, findet sich in der Ostsee bis Kiel und ist ihres zarten Fleisches halber sehr geschätzt. S., Butten, Flundern und Zungen besitzen große Lebenszähigkeit, gedeihen in Teichen sehr gut, pflanzen sich hier auch fort, und junge Tiere sind für Aquarien sehr brauchbar.
6251 Zeichen · 63 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schollenswv., an. vb.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    schollen swv. in beschollen; an. vb. s. soln.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schollen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    * Schollen , verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden, beson…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schollen

    Goethe-Wörterbuch

    Schollen mask Ackerland, Grundstück; als (potentielles) Pfandgut So ist die Erde, weder als ein todter S. noch als eine.…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schollen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schollen ( Flachfische, Plattfische , Pleuronectidae ), Familie der Weichflosser, Knochenfische mit stark zusammengedrüc…

  5. modern
    Dialekt
    Schollen

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    Scholle n [ʿSòlə allg., auch ʿSolə O.; Pl. ebenso; Demin. ʿSèlələ U. ] m. 1. Scholle, grosser Erdklumpen. Spw. Wo's Scho…

  6. Sprichwörter
    Schollen

    Wander (Sprichwörter)

    Schollen 1. Da hätt' ich mich recht in die Schollen gestellt. 2. Einen (grossen) Schollen lachen. – Grimmelshausen, Spri…

Verweisungsnetz

72 Knoten, 75 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 3 Hub 2 Kompositum 56 Sackgasse 11

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schollen

72 Bildungen · 61 Erstglied · 7 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von schollen 2 Komponenten

schol+len

schollen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schollen‑ als Erstglied (30 von 61)

Schollenbeck

RhWB

schollen·beck

Schollen-beck Sol m.: eine Schwertart. ihrer Einordnung in den Lohntarifen nach von guter Qualität; angeführt zwischen 1635 und 1771 neben H…

Schollenbir(e)

ElsWB

schollen·bire

Scholle n bir(e) f. 1. große, harte Spätbirne Liebsd. Hi. Steinbr. Illz. u. Umgeg. Ruf. , gern zur Wein- und Konfektbereitung benutzt Hi. Be…

Schollenbirenbaum

ElsWB

schollen·birenbaum

Scholle n bire n baum m. Steinbirnbaum Hi. Betschd. Gassenhauer: Scholle n bire n bäümele, Glöckele n dra n : D e r N. N. muess e Schätzele …

Schollenbirne

PfWB

schollen·birne

Schollen-birne f. : eine rötlichgraue Birnensorte, Pl. Schollebeere [BZ-Dierb, mancherorts südl. VPf, Der Wasgau-Bote 7/1934]. Els. II 81 . …

Schollenbirnenkittel

ElsWB

schollenbirne·n·kittel

Scholle n bir n e n kittel [‘Soləpîrəìtl Olti. Fisl. Henfli. ; ‘Solapérakhetl Dü. ] m. 1. langer Männerrock aus grauem oder schwarzem Zwilc…

Schollenbrecher

Meyers

schollen·brecher

Schollenbrecher , mit Vorsprüngen versehene Walze (besonders die Croskillwalzen) zum Zertrümmern der harten Ackerkruste und der Erdschollen.

Schollenfresser

PfWB

schollen·fresser

Schollen-fresser m. : Schimpfw. für den Bauern, -fresseʳ [ BZ-Albw ], Schimpfw. für einen Bauer, der seinem Feldnachbarn Boden wegackert [ N…

Schollengrupper

ElsWB

Scholle n grupper [‘Sòləkrypər Su. ] m. kleiner Rekrut. Zu einem kleinen Militärpflichtigen sagt man: Du kumms t unter d Sch—e unter die, we…

Schollenhammer

RhWB

schollen·hammer

Schollen-hammer Merz-Nunk , Trier-Braunshsn m.: Gerät, breites Schlagbrett an langem Stiel, zum Zerkleinern der Schollen.

Schollenhoppler

PfWB

Schollen-hoppler m. : = Bachstelze 1, -hoppleʳ [Feierowend 38/1957]; vgl. Schollenklopfer 3, Schwollenhüpfer; Syn. s. Bachstelze 1. Vgl. Süd…

schollenhüpfer

DWB

schollen·huepfer

schollenhüpfer , m. name des weiszkehlchens, motacilla oenanthe, weil es auf den schollen des frisch gepflügten ackers umherhüpft und würmer…

schollen als Zweitglied (7 von 7)

beschollen

Lexer

be-schollen swv. zu schollen anhäufen? sô vil sie fundes tûsentvalt beschollet (: ervollet) an rîcheit, an der burt und an der tugende j.Tit…

Eisschollen

Wander

eis·schollen

Eisschollen Der Eisschollen des Winters macht den Frühling angenehm. – Winckler, V, 9.

Lei(m)schollen

Idiotikon

Lei(m)schollen Band 8, Spalte 600 Lei(m)schollen 8,600

verschollen

DWB

versch·ollen

verschollen , adj. 1 1) zunächst part. perf. zu verschallen ( vgl. das. 1055 f. ) oder eigentlich verschellen, also zunächst was aufgehört h…

Wase(n)schollen

Idiotikon

Wase(n)schollen Band 8, Spalte 600 Wase(n)schollen 8,600

ūfschollen

Idiotikon

ūfschollen Band 8, Spalte 600 ūfschollen 8,600

Ableitungen von schollen (4 von 4)

beschollen

Lexer

be-schollen swv. zu schollen anhäufen? sô vil sie fundes tûsentvalt beschollet (: ervollet) an rîcheit, an der burt und an der tugende j.Tit…

GESCHOLLEN

BMZ

SCHILLE SCHAL SCHULLEN GESCHOLLEN zittere, springe, breche; dann schalle, töne. Gr. 2,32. Graff 6,455. vgl. ich hille und ich schil. nur in …

unschollen

KöblerMhd

unschollen , Adj. Vw.: s. unschol

verschollen

DWB

verschollen , adj. 1 1) zunächst part. perf. zu verschallen ( vgl. das. 1055 f. ) oder eigentlich verschellen, also zunächst was aufgehört h…