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Haben

ahd. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Haben

Bd. 2, Sp. 875
Haben, verb. irreg. neutr. Präs. ich habe, du hast, er hat, wir haben, ihr habet oder habt, sie haben; Imperf. ich hatte, Conj. ich hätte; Mittelw. gehabt; Imperat. habe. Es nimmt in den vergangenen Zeiten sich selbst zum Hülfsworte an, und ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein für sich gebräuchliches Zeitwort, welches im Deutschen, so wie fast in allen Sprachen, von einem sehr weitläuftigen und mannigfaltigen Gebrauche ist. Seine vornehmsten Bedeutungen mögen etwa folgende seyn. 1. In der Hand halten, mit der Hand, und in weiterer Bedeutung, mit einem Theile seines Leibes berühren und sich dessen bewußt seyn. Haben sie das Buch? Ja jetzt habe ich es. Ein Schwert in der Hand haben. Ein Kind auf den Armen haben. Schuhe an den Füßen, den Hut auf dem Kopfe, den Degen an der Seite haben. Jemanden bey der Hand haben. Den Aal bey dem Schwanze, den Fisch bey dem Kopfe haben. Eine große Last auf seinen Schultern haben. Ich habe es in der Tasche. Kein Geld bey sich haben. Das hat nichts auf sich, figürlich, hat nichts zu sagen, hat keine wichtigen Folgen. Figürlich auch für nehmen, hinnehmen, im eigentlichen Verstande. Da, hast du Geld, da nimm hin das Geld. Da, habt ihr das Buch. Hier habt ihr alles was da ist. Willst du mein Eidam seyn, So habe sie und meine ganze Liebe, Gell. Daß dieses allem Ansehen nach die erste und eigentliche Bedeutung ist, wird aus der Anmerkung erhellen. 2. In weiterer Bedeutung wird dieses Wort, beynahe so wie das Zeitwort seyn, in fast unzähligen Fällen gebraucht, das Daseyn eines Prädicates in, an und um ein Subject, ja oft nur in Beziehung auf dasselbe zu bezeichnen, da denn das Prädicat in den meisten Fällen ein Substantiv ist, so wie es bey dem Zeitworte seyn am häufigsten die Gestalt eines Adverbii hat. 1) Das Verhältniß des Ortes gegen die darin befindlichen Dinge; für enthalten. Das Land hat viele große und schöne Städte. Eine Stadt, welche große Häuser aber nur wenig Einwohner hat. Der Fluß hat kein Wasser. Der Teich hat viele Fische. 2) Das Verhältniß eines Ganzen gegen seine Theile. Ein Pfund hat zwey und dreyßig Loth, eine Ruthe zwölf Fuß, ein Gulden sechzehen Groschen. 3) Das Verhältniß eines Dinges gegen die daran befindlichen Dinge, gegen dessen Eigenschaften und zufälligen Umstände. Der Mensch hat eine vernünftige Seele. Es gibt[] Thiere, welche sechs Füße haben. Der Igel hat statt der Haare Stacheln. Der Tisch hat vier Ecken. Die Luft hat eine blaue Farbe. Einen großen Verstand, ein böses Herz, vieles Ansehen haben. Gewalt, Macht, Ehre haben. Ehre von etwas haben. Gutes, schlechtes Wetter haben. Friede, Ruhe haben. Einen bösen Traum haben. Ein Ende, einen Anfang haben. Es wird bald ein Ende mit ihm haben. Guten Fortgang, einen schlechten Ausgang haben. Glück, Unglück haben. Ein gutes Gewissen haben. Die Sache kann Folgen haben. Seinen freyen Willen haben. Wer hat die Schuld? Recht, Unrecht haben. Wenn ich das Leben habe. Er hat wenig von seinem Vater, artet ihm nicht nach. Etwas in Gewohnheit, im Gebrauche haben. Alles hat seine Zeit. Eine gute Meinung von jemanden haben. Keinen Zweifel an etwas haben. Keinen Zweifel an etwas haben. Das Nachsehen haben. Einen Fehler an sich haben. Das Fieber, die Wassersucht, das Podagra u. s. f. haben. Ich habe das Herz nicht, ihn darum zu bitten. Streit, Zank, Krieg haben. Mangel, Überfluß haben. Viele Schulden, ein großes Vermögen haben. Er hat das Lob eines rechtschaffenen Mannes. Er hat Erziehung. Die Sache hat keinen Grund. 4) Verschiedene Arten des Verhältnisses gegen die außer uns befindlichen Dinge. (a) Überhaupt. Du sollst nicht andere Götter haben, d. i. verehren. Einen Vater, vier Kinder, viele Freunde haben. Haben sie Brüder? Viele Weiber haben. Einen guten König haben. Viele Bedienten, ein großes Gefolge haben. Arbeit haben. So auch mit verschiedenen Vorwörtern. Einen Freund, einen Feind an jemanden haben. Jemanden zum Freunde, zum Feinde haben. Ich habe dich zum Zeugen. Jemanden zum Vater, zum Könige haben. Zank, Streit mit jemanden haben. Umgang, Gemeinschaft, ein Verständniß mit jemanden haben. Einen andern über sich, neben sich, unter sich haben. Theil an etwas haben. Viele Mühe mit etwas haben. Den Vorzug vor jemanden haben. Eine Person zur Ehe haben. Sie will ihn nicht zum Manne, er will sie nicht zur Frau haben; wo die Hauptwörter oft ausgelassen werden: er will sie nicht haben. Zuweilen wird auch das haben verbissen: er will sie nicht. Sie sollen meine Tochter haben, zur Frau. Sie hat einen Geistlichen, zum Manne. Der Mensch hat an seinem Gesichte den wachsamsten Hüther wider die Gefahren des Lebens, Gell. Ich habe die Sache nicht bey der Hand. Wissen sie auch, wen sie vor sich haben? Einfluß auf etwas haben. Den Grund seines Daseyns in etwas haben. Zuweilen bekommt das Verbum in diesen Fällen einen stärkern Nebenbegriff der Thätigkeit, so daß es nicht bloß einen leidentlichen Zustand des Subjectes bezeichnet. Seinen Scherz, sein Gespött mit etwas haben. Jemanden zum Besten, zum Narren haben. Eine Unterredung mit jemanden haben. Acht auf etwas haben. Ein wachsames Auge auf etwas haben. (b) Besonders. (α) Für empfinden, in der weitesten Bedeutung, sich einer Sache als gegenwärtig bewußt seyn. Schmerzen haben. Seine Freude, seine Lust, sein Vergnügen an etwas, einen Groll wider jemanden haben. Ekel, Widerwillen, Abscheu an oder gegen etwas haben. Lust zu etwas haben. Durst, Hunger haben. Liebe, Hochachtung gegen etwas haben. Etwas gern haben, es mit Lust empfinden. Mitleid gegen jemanden, mit jemanden haben. Jemanden in Verdacht haben, Verdacht gegen ihn empfinden. Viele Noth,[] vielen Kummer, viele Sorgen haben. Das hab ich am Gefühle, am Griffe. Jemanden lieb haben, Liebe gegen ihn empfinden. Weder Scheu noch Scham haben. (β) Zuweilen auch hier mit dem Nebenbegriffe der Thätigkeit, seine Empfindung thätig machen. Geduld mit jemanden haben. Haben sie die Gnade, die Liebe, die Freundschaft für mich u. s. f. Einem Dank haben; eine im Hochdeutschen veraltete Redensart. Seine Andacht haben. (γ) Das Verhältniß des Subjectes gegen das Object in Ansehung der Gewalt, des Eigenthumes, des Besitzes, des Rießbrauches u. s. f. zu bezeichnen, fähig seyn, die Veränderungen eines Dinges willkührlich zu bestimmen; eine Fähigkeit, die sehr viele Stufen hat, welche das haben in manchen Fällen insgesammt ausdrucket. (1) Der physischen, körperlichen Gewalt nach. Jetzt haben wir den Dieb. Kaum naht ich mich dem Ton, So hatte mich das Netz auch schon, Gell. Da haben wirs! im gemeinen Leben, die Verwunderung über eine unerwartete, gemeiniglich unangenehme Sache auszudrucken. (2) Dem Eigenthume nach, alle Grade desselben auszudrucken. Viel Geld haben. Drey Häuser, ein Rittergut, einen schönen Garten haben. Er hat nichts, kein Vermögen. Der Geitzige will alles haben. Ich mag es nicht haben. Je mehr man hat, je mehr man haben will. In einigen Fällen auch mit dem Infinitiv und dem Wörtchen zu. Zu leben haben. Er hat zu bezahlen. (3) Dem Besitze, und dessen verschiedenen Arten nach. Wer hat, der hat, beati possidentes. Hab ich, ist besser als hätt ich. Getreue Unterthanen haben. Von wem haben sie das Geld? Du hast meine ganze Liebe. Bis auf den Abend sollst du Zeit haben. Sie haben mein Wort. Genug haben. Hast du genug, so hast du viel. Er will es nicht wieder haben. Geld auf Zinsen stehen haben. Vieles Geld liegen haben. Ich habe einen guten Vorschlag für dich. Ich habe einen Brief an dich. Ich habe diese Nachricht von deinem Bruder. Ich habe Befehl zu kommen. (4) Verschiedenen schwächern Arten des Einflusses nach. Wo haben sie das Buch? Wo hast du deinen Bruder? Eine Arbeit fertig haben. Waaren feil haben. Seine Gedanken anderswo haben. (5) Für bekommen, von einem künftigen Besitze. Morgen sollen sie ihr Geld haben. Ich soll es noch wieder haben. Ich kann diese Waare hier nicht haben, sie ist hier nicht zu haben. Man kann fürs Geld alles haben. (δ) Nutzen, Gewinn haben, in der vertraulichen Sprechart. Ich habe nichts an dieser Waare. Was hätt ich aber nun die ganze Zeit vom Lachen? Rost. Ich möchte wissen, was ich von dem ewig langen Schlafen hätte, Weiße. 3. Figürlich. 1) Er will es so haben, d. i. er verlangt, daß es so geschehen soll. Wenn sie es so haben wollen. Ich will es nicht haben, will nicht, daß es geschehe. Ich weiß gar nicht, was sie haben wollen. Wie man es gerne hat. Wo haben auch ausgelassen wird. Das möcht ich nun nicht gerne. Ich weiß gar nicht was sie wollen. 2) Mit dem Infinitive und dem Wörtchen zu bezeichnet es sehr oft eine moralische Nothwendigkeit. Einen Befehl. Du hast dich dabey einzufinden. Wornach ihr euch zu richten habet. Du hast meinen Befehlen zu gehorchen. Eine Verbindlichkeit. Einem viel zu danken haben. Einen Zwang. Wie lange werde ich den Zorn der Götter noch zu erdulden haben! Viel Ungemach auszustehen haben. Eine Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit. Eine reiche Erbschaft zu hoffen[] haben. Du hast nichts zu hoffen. Das hat was zu bedeuten. Einen Bewegungsgrund, eine Ursache, eine Veranlassung. Was hast du mit dir allein zu reden? Jetzt wird die Welt wieder was zu lachen haben. Ich habe zu studiren, zu thun, zu arbeiten. Haben sie was dawider einzuwenden? Etwas mit einem auszumachen haben. Einen Vorsatz, einen Willen. Ich habe dir vieles zu sagen. Ich habe ihnen einen guten Vorschlag zu thun. Haben sie mich noch wohin zu schicken? Das hat nichts zu sagen, hat keine Folgen. Es hat gar viel zu sagen, hat wichtige Folgen. Ein Recht. Sie haben zu befehlen. Was hast du hier zu lärmen? Du hast dich nicht in diese Sache zu mischen. Was hast du darnach zu fragen? Ich habe dir zu befehlen. Oft auch nur das Daseyn einer Sache. Mit jemanden zu thun haben, mit ihm Geschäfte haben, in Verbindung stehen. Zu thun haben, mit Arbeit versehen seyn. Nichts zu essen haben. Wo das haben mit zu auch zuweilen ausgelassen wird. Ich habe nichts dawider, nehmlich zu sagen, oder einzuwenden. Ich habe nicht weit nach Hause, d. i. zu gehen, zu reisen. Ich hätte noch eine Bitte an sie, zu thun. 3) In einigen Fällen ist die ganze R. A. figürlich. Etwas nicht Umgang haben können, es nicht vermeiden können. Er will es nicht Wort haben, nicht gestehen. Du sollst es gut bey mir haben, es soll dir wohl bey mir gehen. Wohl dir, du hast es gut. Du hast gut sagen, gut machen u. s. f. dir fällt es leicht das zu sagen, zu machen. Er hat es auf Ein Mahl bey mir weg, er hat meine Gunst verscherzet. Das hat mich Wunder, es nimmt mich Wunder, wundert mich. Das mich des iemer wunder hat, Reinmar der Alte. Des mous mich iemer wunder han, Graf Kraft von Toggenburg. Ihr Wesen hat sie kein Hehl, Es. 3, 9; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, sie suchen es nicht zu verbergen. Vor einem Fremden thue nichts das dich Hehl hat, dessen du dich schämest, Sir. 8. 21. Ich habe Zeit zu gehen, es ist Zeit, daß ich gehe. 4) Unpersönlich bedeutet es zuweilen so viel als da seyn, vorhanden seyn. Man hat kein Beyspiel davon. Ingleichen mit dem Wörtchen es. Es hat keine Eile, es ist keine Ursache zur Eile vorhanden. Es hat keine Noth, es ist keine Nothwendigkeit vorhanden. Mit ihm hat es keine Noth, keine Gefahr, in Ansehung seiner ist keine Noth, keine Gefahr vorhanden. Da hat es gute Wege! da ist nichts zu befürchten. Es hat seine Richtigkeit, es ist richtig. Im Hochdeutschen ist diese Art zu reden nur einigen eingeführten Fällen vorbehalten. Im Oberdeutschen hingegen wird es hat fast ohne Ausnahme für es gibt gebraucht. Da es vor Zeiten reiche Bauern gehabt, Bluntschli. In Zürch hat es neunzehen Glocken, ebend. Weil es dies Ortes viel hohe Gebirge hat, Matthes. Zu sagen, daß es viel, so falsch ist, drinnen hat, Opitz. Sey Herrscher aller Enden So weit es Volk von deinen Feinden hat, Opitz. Viel Helden hat es jetzt, so hats auch viel Poeten, Logau. Ohne Zweifel haben die Franzosen ihr il y a daher. Ein anderer unpersönlicher Gebrauch ist im Hochdeutschen im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart üblich, einen mit Spott oder Unwillen verbundenen Zweifel an den Tag zu legen. Ja, es hat sich wohl! Weiße. Ach, es hat sich was mit dem Galgen! Less.[]II. Als ein Hülfswort, welches die vergangenen Zeiten der thätigen Zeitwörter, der Reciprocorum und vieler Neutrorum bilden hilft. Es hat sich alle Tage ein Hinderniß finden müssen. Wer hätte das glauben sollen? Habe ich dich nicht bitten müssen! Habe ich ihn doch nicht kommen sehen. Hätte ich doch nicht gedacht, daß er so stolz wäre. Wohin auch einige besondere Arten des Gebrauches dieses Hülfswortes gehören. Das will ich dir hiermit gesagt haben, nachdrücklich, und befehlsweise. Er ist ein ehrvergessener Mann! doch ich will ihn nicht geschimpft haben, es soll nicht als eine Beschimpfung angesehen werden. Die fehlerhaften Arten des Gebrauches dieses Hülfswortes, ich habe es ihm gesagt gehabt, für, ich hatte es ihm gesagt, ich hätte es ihm geben würden, ich würde es ihm gegeben haben, aus Dero Schreiben habe zu vernehmen gehabt, für, habe vernommen, u. a. m. gehören, so wie die ganze Lehre von dem Gebrauche dieses Hülfswortes, in die Sprachlehre. Eine sehr wichtige Frage ist es, welche Neutra das Hülfswort seyn, und welche das Hülfswort haben bekommen; zumahl da die Mundarten hier sehr von einander abweichen. Die Hauptregel ist freylich diese, daß diejenigen, welche ein mehr thätiges Verhalten bezeichnen, das haben, diejenigen aber, welche einen mehr leidentlichen Zustand ausdrucken, das seyn bekommen. Da nun ein und eben dasselbe Neutrum zuweilen beyde Bedeutungen hat, oder doch unter beyden Bestimmungen betrachtet werden kann, z. B. Bav ist nach Frankreich gereiset, und, Bav hat in seinem Leben viel gereiset: so wird daraus begreiflich, wie ein und eben dasselbe Neutrum zuweilen beyde Hülfswörter bekommen könne. S. die Sprachlehre, wo umständlich davon gehandelt wird. Anm. 1. Wegen der unzähligen Fälle, in welchen dieses Wort, wenn es ein für sich bestehendes Zeitwort ist, gebraucht wird, haben hier um der Kürze willen nur die allgemeinsten und häufigsten Classen derselben angeführet werden können. Eine größere Vollständigkeit würde, auch um deßwillen von geringerm Nutzen gewesen seyn, da es in den meisten Fällen auf den Gebrauch ankommt, ob haben in denselben eingeführet ist, oder nicht. So sagt man z. B. wohl, Reichthum, Vermögen, Mangel, Überfluß haben, aber nicht Armuth haben; ein schönes, ein großes Rittergut haben, aber nicht gern, ein großes Reich haben; der Teich hat viele Fische, das Haus viele Zimmer, die Stadt viele Einwohner, aber nicht, die Kirche hat viele Leute, das Zimmer hat viele Personen; und so in andern Fällen mehr. Anm. 2. Dieses Zeitwort lautet bey dem Ulphilas haban, bey dem Kero und den spätern Oberdeutschen Schriftstellern gleichfalls haben, im Angels. haebban, im Nieders. hebben, im Schwed. hafwa, im Engl. to have, im Franz. avoir, im Lat. habere, und bey den Griechen, dem Hesychius zu Folge, wenigstens einigen Lesearten nach, auch αβειν für εχειν. Es scheinet zu dem alten Gaff, die hohle Hand, Lat. cavus, hohl, und capere, nehmen, zu gehören, da es denn ursprünglich in der Hand halten, oder mit der Hand ergreifen bedeuten, und das Neutrum von dem Activo geben seyn würde, mit welchem es in manchen Bedeutungen überein kommt; z. B. Acht haben und Acht geben, es hat und es gibt, für es ist. S. Geben, Heben, Habicht, Haften und Handhaben. In der Pfalz ist die Hablosigkeit das Contract seyn der Glieder, da selbige starr sind und sich nicht haben, d. i. biegen und bewegen lassen. Anm. 3. In denjenigen Personen und Zeiten, welche ein b mit einem darauf folgenden e haben, ich habe, habe du, haben, ist das a gedehnt, in den übrigen aber geschärft. Das[] Mittelwort der gegenwärtigen Zeit wird, außer dem wohlhabend, im Hochdeutschen nicht leicht gebraucht. Auch das Mittelwort der vergangenen Zeit ist außer der Conjugation selten. Nur im gemeinen Leben sagt man, ich danke für die gehabte Mühe. Im Oberdeutschen ging es, wenigstens in einigen Gegenden, ehedem regulär; habet, er hat, Kero, thu hebitos, du hattest, um das Jahr 800. In Handhaben gehet es völlig regulär. In andern Gegenden ziehet man so wohl haben, als ich habe, in han zusammen.
16103 Zeichen · 327 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    habênsw. v.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +19 Parallelbelege

    habên sw. v. , mhd. nhd. haben; as. hebbian, mnd. mnl. hebben; afries. hebba, habba; ae. habban; an. hafa; got. haban. —…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    habenstf.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +10 Parallelbelege

    haben stf. s. habene.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    habensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    haben , sw. V. Vw.: s. habben

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Haben

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Haben , verb. irreg. neutr. Präs. ich habe, du hast, er hat, wir haben, ihr habet oder habt, sie haben; Imperf. ich hatt…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Haben

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Haben Gesamtheit des Besitzes; nur idWdg ‘Sollen und H., H. und Sollen’, aus der Kaufmannsspr übertr auf die eigene Lebe…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Haben

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Haben (frz. avoir , ital. avere , engl. creditor , abgekürzt cr .), in der kaufmännischen Buchhaltung soviel wie Credit …

  7. modern
    Dialekt
    haben

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    habe n [hâwə Wittenh. bis Han. Betschd. ; hôwə K. , Z. ; hèpə Rauw. Wh. ; Part. khâwə, khôwə; ghâpt Wittenh. Dessenh. ] …

  8. Sprichwörter
    Haben

    Wander (Sprichwörter)

    Haben 1. Bei Haben lebt sich's besser als bei Habensollen. Ung. : A ki birja, a' marja. ( Gaal, 837. ) 2. Besser haben a…

  9. Spezial
    Haben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    Ha|ben n. (-s,-) (Guthaben) avëi (-s) m. , credit (-ic) m. ▬ Soll und Haben ‹econ› dé y avëi.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit haben

186 Bildungen · 28 Erstglied · 150 Zweitglied · 8 Ableitungen

haben‑ als Erstglied (28 von 28)

haben I

SHW

haben I Band 3, Spalte 15-16

haben II

SHW

haben II Band 3, Spalte 15-16

habend

FWB

1. ›vermögend, über überdurchschnittlichen Besitz verfügend; im Besitz von etw. seiend (jeweils von Personen); in js. Besitz befindlich; vor…

habende

Lexer

hab·ende

habende part. adj. haltend, haftend. ein habende sicherheit Antichr. 204,40. habender gewalt Aneg. 36,64. diu habende kraft des magen Mgb. 3…

habendus

MLW

haben·dus

3. habendus , -a, -um. qui in futuro possidetur, futurus – (der) in Zukunft besessen (wird, werden kann), zukünftig : Dipl. Conr. II. 59 p. …

Habeneck

Meyers

habe·neck

Habeneck , Antoine François , Violinspieler und Dirigent, geb. 23. Jan. (oder 1. Juni) 1781 in Mézières, gest. 8. Febr. 1849 in Paris, Sohn …

Habengeld

MeckWB

haben·geld

Habengeld n. Hafengeld: portorium 'Havegelt, Bomgelt, Fehrgelt' Chytr. 525.

Habenicht

Wander

haben·icht

Habenicht Der Habenicht hat alle Jahre Junge. ( Wend. Lausitz. )

habenichts

DWB

haben·ichts

habenichts , m. der nichts besitzende, eine imperativische bildung wie habegern, haberecht, dem sinne nach = nichtshaber, s. d. kommen sie i…

Habenicks

MeckWB

habe·nicks

Habenicks -nichts m. mittelloser Mensch: Dat is Herr von Habenicks, Hett keenen Bodden in de Bücks Sta User ; dat 's ok Herr von Habenichts …

habeniht

Lexer

habe·niht

habe-niht stm. eine imperat. bildung: der nichts besitzende. der habeniht hât mich beroubet Kolm. 88,1. 6,10. 16. als name Habnut, Habinit Z…

haben II

RhWB

haben II. Formen: der Infinit. weist zwei, in den Formen han u. hębə (hęwən) (s. u. die einzelnen Vokalqualitäten) sich scheidende Geb. auf,…

Habenmeister

MeckWB

haben·meister

Habenmeister m. Hafenmeister; die Rostocker Hafenord. von 1847 besagt: 'der Lotsencommandeur zu Warnemünde und der Hafenmeister zu Rostock s…

Habenreisen

Wander

haben·reisen

Habenreisen Darüber wird sich ein Habenreisen heben. – Luther's Tischr., 520 a ; Saltzmann, Anh. 38 a .

Habenstaken

MeckWB

habens·taken

Habenstaken m. wohl entstellt aus Abenstaken (1, 41); im Volksreim: Huhei Habenstaken, Morgen wöllt wi Mandag maken d. h. feiern, blauen Mon…

habentia

MLW

habentia , -ae f. possessio, proprium, fortunae – Besitz, Eigentum, Habe, Hab und Gut : Chron. Ebersh. 34 p. 448,18 -a habentia monasterii s…

habênto

AWB

habênto adv. — Graff IV,727 s. v. habên. hab-endo: Nb 64,6. 116,30. 156,16. 190,24. 342,4 [72,26. 127,17. 167,27. 206,24. 374,21]. Nk 461,5 …

Habent sua fata libelli

Meyers

Habent sua fata libelli (lat.), »Bücher haben ihre Schicksale«, Zitat aus des Grammatikers Terentianus Maurus Gedicht » De literis etc .«

Habenzins

LDWB2

haben·zins

Ha|ben|zins m. (-es,-en) fic atifs m.pl. , fic dl credit m.pl.

habenīsen

KöblerMhd

habenīsen , st. N. nhd. „Habeneisen“, ein Eisenwerkzeug mit Handgriff ÜG.: lat. anuabile Gl Q.: Gl (Ende 12. Jh.) E.: s. haben (1), īsen (1)…

Habenᵈzǖg

Idiotikon

Habenᵈzǖg Band 17, Spalte 712 Habenᵈzǖg 17,712

haben als Zweitglied (30 von 150)

beschaben?

KöblerMhd

*beschaben? , (Part. Prät.=)Adj. nhd. „beschabt“ Vw.: s. un- E.: s. beschaben (1) W.: s. nhd. beschaben, (Part. Prät.=)Adj., beschaben (Adj.…

gehaben?

KöblerMhd

*ge·haben

*gehaben? , (Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. ūf-, un- E.: s. haben, gehaben W.: nhd. (ält.) gehaben, (Part. Prät.=)Adj., gehaben, DW 5, 2309 L.: B…

nihthaben?

KöblerMhd

*nihthaben? , V. nhd. „nichthaben“, nichts haben E.: s. nihthaben (2) W.: nhd. DW-

schaben?

KöblerMhd

*schaben? , (Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. ge- E.: s. schaben (1)

abe schaben

MWB

abe schaben stV. sw. Part. Prät. SHort ; s. a. schab|ab 1 ‘etw. durch Schaben, Kratzen entfernen’ 2 übertr.: ‘etw. tilgen, zunichte machen; …

abegeschaben

KöblerMhd

abe·geschaben

abegeschaben , st. V. nhd. sich wegscheren, abschaben, auslöschen, tilgen, vertreiben Q.: Tauler (FB abegeschaben), Volmar (1249?) E.: s. ab…

abehaben

KöblerMhd

abe·haben

abehaben , sw. V. nhd. abhalten Q.: LuM (1437) E.: s. abe, haben W.: nhd. abhaben, sw. V., abhaben, DW 1, 53, DW2 1, 348 L.: Lexer 356b (abe…

abgehaben

DRW

abgehaben einem etwas anhaben als wir [Landsknechte] P. [dem betrügerischen Rottmeister] mit nichten nichtis mochten abegehaben, geleites ha…

abgeschaben

Lexer

ab-geschaben part. adj. ich bin alt unde kranc und bin nû gar abgeschaben Kol. 164.

abhaben

DWB

abhaben , in lebendigen, meist elliptischen redensarten, welche die alte praeposition ab erkennen lassen und aus dem zusammenhang zu ergänze…

abschaben

DWB

abschaben , abradere, abreiben. das moos vom baume, den bart ( von den wangen ) abschaben, holz mit glas abschaben, farben abschaben, abreib…

anbehaben

DRW

anbehaben, anbeheben I beanspruchen, einen Anspruch gerichtlich durchsetzen bdv.: anbehalten behabt ez [das Gut] im iemen mit rehte an 1275/…

ane behaben

MWB

ane behaben swV. ‘jmdm. etw. abgewinnen, mit Erfolg streitig machen’ die vursten dûht er ze hêre. / alle die êre / die si alle solten tragen…

ane haben

MWB

ane haben swV. teilw. Bedeutungsüberschneidungen mit ane heben 1 mit Akk.d.S. 1.1 überwiegend: ‘etw. (Kleidung) anhaben, tragen’ 1.2 ‘Besitz…

ane behaben

Lexer

ane·behaben

ane behaben einem etw. über ihn behaupten, ihm abgewinnen dem hât er den sic behabet an Erinn. 304,

anegehaben

KöblerMhd

ane·gehaben

anegehaben , sw. V. nhd. anhaben, tragen, bedrängen, bezichtigen Hw.: s. anehaben Q.: Lanc (1240-1250) E.: s. ane, gehaben (1) W.: nhd. DW2-…

angehaben

DWB

ange·haben

angehaben , incipere, gleichbedeutend mit anheben, doch förmlich davon unterschieden und abzuleiten von dem subst. anhab, angehab initium: d…

anhaben

DWB

anhaben in zwiefacher bedeutung, 1 1) an sich haben, an sich tragen, indui, von kleidungsstücken, nnl. aanhebben. ahd. daʒ kescuhe anahaben,…

anschaben

DWB

anschaben , arradere: den käse anschaben.

aufgehaben

DWB

auf·gehaben

aufgehaben , echte gestalt des part. praet. von aufheben. die sich, wie in erhaben, neben dem vorgedrungnen aufgehoben, erhoben lange geborg…

aufhaben

DWB

auf·haben

aufhaben , tectum esse, nnl. ophebben, auf dem kopf haben, gebildet wie anhaben und abhaben: er hat gar nichts auf, geht unbedeckt; die frau…

aufschaben

DWB

auf·schaben

aufschaben , radendo aperire, extenuare, fricando asperare. nnl. opschaven.

aushaben

DWB

aus·haben

aushaben , in verschiednen, elliptischen bedeutungen, 1 1) verlieren, gleichsam ausgespielt, seine rolle ausgespielt haben: er hat bei mir a…

b(e)schaben

Idiotikon

b(e)schaben Band 8, Spalte 17 b(e)schaben 8,17

behaben

DWB

behaben , ahd. pihapên tenere, obtinere ( Graff 4, 733 ), mhd. behaben ( Ben. 1, 599 ). 1 1) diese alte bedeutung von behalten, behaupten da…

beschaben

DWB

beschaben , deradere, ahd. piscapan, mhd. beschaben, nnl. beschaven: denn es ( das mal ) ist tief eingefressen, und hats beschaben gemacht. …

Ableitungen von haben (8 von 8)

behaben

DWB

behaben , ahd. pihapên tenere, obtinere ( Graff 4, 733 ), mhd. behaben ( Ben. 1, 599 ). 1 1) diese alte bedeutung von behalten, behaupten da…

enthaben

DWB

enthaben , wie enthalten, 1 1) sustentare, erhalten, unterhalten: aber in demselben tag gib im den lon seiner arbeit vor dem undergang der s…

erhaben

DWB

erhaben setzt Maaler 111 a , ohne umlaut, für erheben, efferre: zu einem heiligen erhaben, ascribere numinibus; erhabende, der erhebt, effer…

gehaben

DWB

gehaben , das urspr. part. praet. von heben, s. dort I, 3 ( alem. aber auch zu haben, s. d. A, 6); jenes auch bei Göthe noch: mit aufgehaben…

habene

Lexer

habene stf. BMZ s. v. a. habe, hafen Pass. (204,59. haben: entsaben 145,52).

urhaben

DWB

urhaben , v. , fermentare ( s. urhab 2) vocab. 1445 bei Schmeller-Fr. 1, 1033 . bes. im part. geurhabt fermentatus. vgl. urhabanaz fermentat…

verhaben

DWB

verhaben , verb. haltend beseitigen. 1 1) verhalten, zurückhalten, ahd. farhabên, abstinere, continere Graff 4, 734 ; mhd. verhaben vielfach…

Zerhaben

Wander

Zerhaben Er zerhat sich. – Frischbier, II, 2995. Verstärkung der Redensart: Er hat sich, d.h. er macht sich Sorgen, Kummer, kann seine Gefüh…