aufbringen ,
elevare, sursum levare, excitare, proferre, nnl. opbrengen,
in die höhe bringen, vorbringen, davon bringen. 11) kinder, thiere, pflanzen aufbringen,
grosz ziehen: da risz sich auf der baum fürwar und ein schön zart kneblein gebar, das aber das kind nicht nem schaden, theten es die meergöttin baden und legten es auf wache (weiche) kreuter, seugten es auf irem brusteuter, und ihm decklein aus binszen flachten, und also das kindlein aufbrachten. H. Sachs I, 156
a; die arme frau wird das kind schwerlich aufbringen; die mutter starb nach der geburt und das kind muste mit milch aus der flasche aufgebracht werden; von fünf kühen wurden nur zwei kälber aufgebracht, die andern geschlachtet; vier welsche hüner hatten 42 junge aufgebracht.
Felsenb. 2, 78; disz h. bienengeschlechte von eseln, kälbern oder säuen (
aus deren verwesendem leib) wiederum erstatten, aufbringen und erwecken. Fischart
bienenk. 245
a.
verwandt ist einen kranken aufbringen,
retten, herstellen: davon derselbig Kab umb das leben kommen müssen, der doch sonst wol hette erhalten und können aufgebracht werden. Würtz
wundarzn. 23; hab von den erzten vernummen, dasz sie mit ihren künsten allen ihn nicht können wieder aufbringen. Ayrer 203
a; 22) den feind, den landstreicher aufbringen,
gefangen nehmen: desselben gleichen geschicht auch, so die feinde eine stad überfielen, da verdienet der ehre und dank, der die andern am ersten aufbringet. Luther 1, 292
b; in diesem gefecht wurden dreizehn feindliche reiter aufgebracht; wird dem baillif gemeldet, dasz man die zigeunerin aufgebracht habe. Schiller 686.
ähnlich, schiffe aufbringen: die Engländer haben sich eines französischen schiffes bemächtigt und es zu Gibraltar aufgebracht. 33) die armbrust aufbringen,
in die höhe spannen zum losschieszen: und bracht das armbrust im rennen auf. Götz von Berl.
lebensb. 64; und schosz ihn uf den rucken hinweg, nun wolt ich das armbrust wol wieder ufbracht haben; da er sahe, dasz ich das armbrust nit uf bracht.
daselbst; da sich dann der handel so kurz zutrug und begab, dasz ich und sie die feinde unsere armbrust nit ufbringen kunten. 68. 44) der kranke wollte sprechen, konnte aber den athem dazu nicht aufbringen; er war betroffen und brachte kein wort auf; es hat auch bis auf diesen tag niemand ein wörtlin aufbringen können und vermögens auch noch niemer. Luther 3, 31
b; wenn herr Simon wiederkommen wird, so geben sie nur achtung, ich kann kein wort aufbringen. Gellert 3, 166; ich kann nicht sagen, wie mir ward, so viel weisz ich, dasz ich kein wort aufbringen konnte. 4, 249.
dies aufbringen
ist kräftiger als das heute gewöhnliche vorbringen
und hervorbringen. 55) aufbringen,
auf die bahn als etwas neues: eine tracht, eine sitte aufbringen; eine thurniersordnung.
Garg. 271
b; neue moden aufbringen.
unw. doct. 155; es ist auch in der welt nunmehr fast aufgebracht, dasz man die narren ehrt, ein weiser wird veracht.
pers. rosenth. 1, 41; derjenige erhält die belohnungen der republik schwerer als andre, der solche modewörter aufbringt. Klopst. 12, 94; der ein wort aufbringt, das nur ein jahr verwirrung anrichtet. 95; wenn uns der markgraf so nannte.
W. der bischof von Würzburg hatte es aufgebracht. Göthe 42, 29. 66) aufbringen,
bloszes proferre, citare, anregen, anführen, anholen, vorbringen, übergehend in herbei holen, hervorsuchen, ermitteln: aber
d. Eck macht sich seiner bücher verlustig, wo die authoritet in aufgebrachtem buch nicht geschrieben. Luther 1, 148
b; endlich bracht der prior einen brieve oder gebot auf an den pfarrherrn. 3, 32
b; sie füren den spruch Christi — — da sihe, wie sie den spruch so ubel aufbringen 5, 241
b; was kan man doch dagegen aufbringen? Melanchth.
Augsb. conf. im corp. doct. chr. p. 31; da die schärfste untersuchung nichts gegen ihn aufgebracht hatte. Wieland 3, 138; hierwider kann nichts aufgebracht werden. Kant 5, 402; hiegegen liesz sich nach strengem recht nichts aufbringen. Dahlmann
dän, gesch. 1, 409. 77)
an citare grenzt excitare, aufbringen,
aufregen, empörren, erzürnen: um den schmerz nicht aufzubringen, nicht zu erneuern. Hippel
lebensl. 3, 173; zank, streit aufbringen; indessen hatte kaum die aufgebrachten wogen des ritters haupt berührt, so legt, o wunder, sich des ungewitters grimm. Wieland 23, 23; höre, junger mensch, bringe mich nicht auf. Schiller 186
b; der aufgebrachte ehemann. Gotter 3, 23; sie sind zu aufgebracht, als dasz sich ein vernünftiges wort von ihnen erwarten liesze. 3, 296; dasz ihr mich selbst durch dergleichen reden nicht aufbringen könnt. Tieck 5, 62; nur aber zu aufgebracht auf sämtliche menschen. J. Paul
flegelj. 1, 49; früchte die das auge betriegen, den geschmack aufbringen (
beleidigen). Herder 1, 133; ekel aufbringen (
erwecken, erregen). 88) aufbringen,
werben, anschaffen: zeugen aufbringen, es wurden falsche zeugen aufgebracht; schnell ein heer aufbringen,
auf die beine bringen, aufstellen; ost, west und mitternacht hat für und wider uns die waffen aufgebracht. Opitz 1, 50; wir hatten sechzehn fähnlein aufgebracht, lothringisch volk. Schiller. geld und kleider aufbringen,
herbeischaffen: zu seinen bündschuhen wurden aufgebracht (
verwendet) vierhundert sechs ballen sammat.
Garg. 115
b; beim burgermeister geld aufbringen. Schweinichen 1, 154; als die letzte und kostbarste flüssigkeit, die aufzubringen ist. Tieck 4, 70; der landmann weisz die hohen steuern kaum aufzubringen. 99) aufbringen,
in gang und blüte bringen: handel und gewerbe aufbringen; das sie (
die bergstadt) gott aufbracht oder bergkwerk allda erreget hat. Mathesius 2
a; verblendete gruben wieder aufbringen. 1010) aufbringen,
erwerben, erheben, comparare, extollere: rhum und preis aufbringen. Luther 6, 52
a; sol ich deine herlichkeit, ehre und preis aufbringen. 6, 180
a; klage aufbringen. 6, 56
b. 1111)
bei den webern heiszt aufbringen
was aufbäumen,
den zettel am weberbaum in der höhe festigen. 1212)
man verwendet aufbringen
noch in manchem andern sinn: ich kann den engen hut nicht auf (
den kopf) bringen,
wie die engen stiefel nicht anbringen; den knoten nicht aufbringen,
lösen u. s. w.