Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
brunst stF.
1.1 ‘Feuer, Brand’
1.2 ‘Hitze, Glut’
1.3 bildl.
2 ‘Überhitzung, Brand, Brandwunde’
3 ‘Brunst, Brunstzeit’
1 ‘Feuer; Hitze’ 1.1 ‘Feuer, Brand’ und was diu brunst [das Feuer, das die Räuber gelegt hatten] vergolten / nâch des blœdes wirtes bete UvZLanz 3822; dâ sach er von der mûre zetal / eine brunst in dem walde Wig 4298; swâ golt geliutert wirt alsô daz es niht mêre gunters [Unreines, Falsches] hât, / dâ minret sich sîn tugende niht / von keiner brünste schaden KLD:Kzl 16: 4,4; die [Kinder] verdurben von der brunst GTroj 22980; das wir von Moÿsi lesen, / dem in dem gruͤnen boͤschen / mit brunst unerloschen / got schon und loblich erglast KvHelmsd 330. – von leuchtenden Himmelskörpern: so lat uns, herre [Meister Clinsor aus Siebenbürgen] , werden kunt / den selben wunderlichen funt / unde den godelichen rat, / des ir goume genomen hat / an der sterren brunste Elis 263; wo ufzien über der lüfte lant / irdischen, feisten dunst / die stern von der naturen gunst, / da sachet sich ein michel brunst: / die flamm cometa ist genant Mügeln 263,7. – das unauslöschliche Feuer der Hölle: du must ouch dulden [...] in der helle liden steten brunst ErzIII 6,104; der [Sünder] sol ein iegeliches zil / weinen und sorgen, / wan er hute oder morgen / vellet in der hellen brunst Vät 7433. 40882; mâze machet gottes gunst, / so hât unmâze der helle brunst / gemêret SM:JvR 1: 7,12; jmdn. in den ban und in die êwigen brunst künden Ottok 2901. – metonymisch ‘brennendes Räucherwerk’ der [Engel] stuent vor dem altare / gots haldende ein guldin rouch vaz. / [...] do wart im in daz vaz gegeben / ein brunst allen guten smacken eben [Apc 8,3f.] HeslApk 12794. 13140 1.2 ‘Hitze, Glut’ er [Flamme] wart alumme beizen / mit brunsten des kunges man, / die er bi dem oven stan / vant Daniel 1439; daz feur macht mit seiner prunst etleich weiziu dinch swarz BdN 72,5. 350,25 1.3 bildl.: ir tet so we dez jamer prunst Vät 39788; wîbes gunst / sorgen brunst / löschet mit der minne kunst / swem ir güete fröide gan KLD:Kzl 10: 2,6; Minneb 2030; zornes brunst Vät 4139; swie ich von der sunden brunst / versenget was und virstalt ebd. 25660; Hiob 8796; alsô sänftigt der hailig gaist den smerzen der sêl, den diu prunst diser werlt hât prâht BdN 73,26; wer des trinkt, der wirt enzünt mit der prunst der unkäuschen gir ebd. 483,15. – der tugenden brunst Vät 33654; din hertze sol reht brinnen von goͤtlicher tugend, und in der brunst solt du die gnad enphahen PrGeorg 66,31; got zoch sie us und inne / von erbermd in sólich minne / daz ir gehúgg, will, fúrnunst / warent stæt in minnender brunst SHort 8130; der salamandern geleichet ain prinnendeu sêl, diu sô vast glüet in den flammen und in der prunst der götleichen minne, daz si kain flaisch an ir hât unrainer gir BdN 278,18; wann wer mynt an [ = âne ] muͤtes brunst, / der ist falsch Minneb 2211; der [Gott] sin wort uz sante, / Marien entprante / mit sines heiligen geistes brunst / durch willen menschlicher gunst HeslApk 373. 7613; des herren [= hêren ] geistes brunste ebd. 15779; got in sînes geistes brünste SM:EvS 1: 12,1 2 ‘Überhitzung, Brand, Brandwunde’: – als Krankheitserscheinung, Brandverletzung bei Menschen: das saf getrunken heilet di brunst Macer 75,8; wer sein saft trinket [...], der verleuset seinen unkäuschen gelust gar vast, und benimpt hitz oder prunst, dâ mit ain mensch überhitzet ist BdN 312,11; der stain [...] senftigt die inwendigen prünst und verstellt den swaiz und benimt der augen und der stirn smerzen ebd. 457,29; sô dû hart verbrinnest, sô nime spech und einer henne smer [...] unde salbe die brunst mit dem smalz, sô heilet sî Barth 158,26; BdN 369,20; si [ lilie ] ist guot zuo der prunst, diu von haizem wazzer geschiht ebd. 406,12. – bei Tieren: wenne si [Tiere] tôt sint und man si aufsneidet, sô sint si inwendig gel von der prunst colêra BdN 88,20. – bei Pflanzen (Mehltau): wenne daz miltaw gevallen ist, sô prüeft man ez aller êrst an dem dritten tag oder an dem vierden und ist danne daz [ getreide ] gel oder swarz worden, dar auf ez sitzet, und diu varb bedäut prunst der materi BdN 87,4 3 ‘Brunst, Brunstzeit’ (vgl. brunft1 und brunft2 ): diu wol gelêrte künigîn / schoup in diu kriuter ûz erkorn / ouch eines alten hirzes horn, / der in der brunst erslagen was KvWTroj 10699; wenne diu katz den katern suocht in der prunst irr unkäusch BdN 152,9. 220,11; sô deu zeit ist irr [der Rebhühner] unkäusch, sô streckent si ir züngel zesamen und hitzent alsô sêr in der prunst irs gelustes ebd. 216,12
MWB 1 1053,8; Bearbeiter: Tao