Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
VOL adj.
I. angefüllt.
1. ohne genitiv.
a. unflectiert. der palas der was vol Nib. 1378,1. swie vol diu kanel wære leseb. 581,35.
b. flectiert. daʒ der palas voller wart Trist. 3603. — entlihen bêde ûʒ voller hant Iw. 262. ich gemache in vollen kragen Walth. 32,13. — besonders mit speise oder trank angefüllt. di lewen mûsten vol satt sîn und man mûste in zu eʒʒen haben gegeben myst. 78,32. daʒ wir alle werden vol berauscht MS. 2,105. a.
2. mit genitiv.
a. unflectiert. wînes ein becher vol Iw. 39. du bist bitters eiters vol das. 14. alles râtes vol a. Heinr. 781. jâmers vol Parz. 320,1. 492, 15. gîtes unde haʒʒes vol das. 675, 25. iur hant ist krefte und guotes vol Walth. 11,33. vgl. Wigal. 540. vol aller gnâde ein reineʒ vaʒ Gfr. lobges. 25. du bist sô vol der wünnebernden wünne das. 90. der hof der was sîn vol Trist. 508. dîner güete ist al diu burc vol Nib. 2030,1. der kirchhof was weinens vol das. 1002, 3. — er schuof daʒ becke vol des brunnen Iw. 100. der walt gienc wildes vol das. 126. dô sach man ir schilde stecken gêrschüʒʒe vol Nib. 2069,4. kamere unde türne des hortes wurden vol getragen das. 1065. 3.
b. flectiert. vgl. Gr. 4,492 fg. nîdes was er voller Genes. fundgr. 25,33. daʒ daʒ velt volleʒ frouwen wære Parz. 671,19. alsam eʒ volleʒ balsmen sî Walth. 54,14. beidiu wisen unde velt volleʒ rîterschefte lac Wigal. 9787. daʒ gevilde was volleʒ pavelûne geslagen das. 2646. — heiʒ mir gewinnen mîn schrîn vollen tocken W. Tit. 30,2. im hieʒ diu künegîn dar tragen einen schilt vollen goldes Lanz. 7707. vgl. Nib. 316,1. hete einen garten vollen rôsen amgb. 48. b. schuof daʒ becke volleʒ brunnen Iw. 100. z. 2531 BDE. sam eʒ habe funden ein nest volleʒ vögellîn MS. 2,91. a. gæbe mir der künec sîn hûs volleʒ goldes Griesh. pred. 2,130. — befremdlich ist aber: ob ein vaʒ volles goldes wêre Leys. pred. 13,18. ir tât ist voller sûchen Frl. 55,6. die sporen hiengen voller schellen MS. H. 3,236. b. eben so nhd. bei Luther: ihre häuser sind voller tücke Iw. 5,27 und ähnliches. man kann diesen sprachgebrauch mit Gr. 4,499 so erklären, daß man volles, voller unrichtig als genitiv zu dem folgenden genitiv zog; doch kann auch volles, voller als assimilation aus vol des, vol der gefaßt werden.
II. in fülle vorhanden. ir habet vollen rât (vorrath) Nib. 1405,3. a. Heinr. 773. volleʒ guot Trist. 4566. — daher vollständig, vollkommen. diente ime elliu dei siben jâr volliu Genes. fundgr. 42,6. siben tage volle das. 45,33. drî tage volle Karaj. 42,10. volle niun tage Nib. 496,1. 1801,3. vollen gelt Iw. 264. diu volle mâʒe Walth. 34,16. nâch vollem werde das. 19,34. vgl. leseb. 189,16. — volle tugent Iw. 96. volliu fröide ân allen nît Gfr. lobges. 86. zwô volle sælekeit Trist. 4704. ein voller dienest Nib. 2203,4. diu volle unschulde Bon. 72,42. ze vollem lobe a. Heinr. 35. — ein voller mensch vünf sinne hât MS. 2,133. mit vollen ougen sehen Walth. 99, 32. — dô was si vol gemachet vollständig erschaffen, fertig Diemer 7,4. ein dinc vür vol nemen es annehmen, ihm zustimmen, sich damit zufrieden erklären Mai 1,18. 53,38. 81,34. 95,32. 117,29. 151,34. wir nemen vür vol daʒ ir uns urloup gebet krone 65. b Sch. — ze vollem vollständig MS. 2,38. a.