gräfin,
f. ,
ableitung zu graf (
s. d.).
seit dem 12.
jh. bezeugt in der übersetzung von lat. comitissa. der umlaut fehlt in den frühesten belegen: grâuin (12./13.
jh.)
ahd. gl. 3, 134, 23
f. St.-S.; vereinzelt noch grafinna (14.
jh.) Diefenbach
gl. 135
a.
das schwanken zwischen v, f, ff
im stammauslaut entspricht etwa demjenigen bei graf.
neben der häufigeren bildung mhd. grævîn,
frühnhd. grefin, gräfin, gräffin
u. ä. steht grævinne,
z. b. Hartmann v. Aue
Iwein 3791;
Wolfdietrich A 565; greffinne (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 135
a; greuinne (
md. 1414;
nd. 15.
jh.)
ebda; noch grAeuinne
M. C. Schütz
hist. rer. Pruss. (1512) 2, J 4
b und gräffinne J. Prätorius
d. abenth. glückstopf (1669) 71;
mhd. auch vereinzelt greuinnen (
n. sg.)
graf Rudolf αb 6.
die seit dem 15.
jh. sich allmählich durchsetzende form grefin, gräfin
zeigt im 18./19.
jh., der orthographischen praxis dieser zeit entsprechend, nicht selten gemination des auslautenden nasals: gräfinn
z. b. dt. schaubühne (1740) 4, 133
Gottsched; Schiller
br. 5, 10
Jonas; Göthe IV 8, 6
W.; Grabbe
w. (1874) 1, 362.
vereinzelte besonderheiten in frühnhd. zeit: greffinde (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 135
a s. v. comitissa; gräffing (
obd. 1421)
ders., nov. gl. 103
a s. v. comitissa; grauinghe (1440)
urkundenb. d. st. Lübeck 7, 875. 11)
als standesbezeichnung. 1@aa)
allgemein: es was ouch eyns mals ein grAefin in dem bistumb
summerteil d. heyligen leben (1472) 24
c; es ist keyn keyser, konigyn, furste, grevin, qui tantum tibi placeat Luther 34, 1, 77
W.; vier tausend thaler wittwengehalt, das hat keine gräfinn im lande
dt. schaubühne (1740) 4, 133
Gottsched; obgleich ich gräfinnen, fürstinnen und prinzessinnen die hülle und die fülle haben konnte Immermann
w. 1, 114
Hempel; man beklagt junge gräfinnen und fräulein von altem adel, dasz ihrem auge kein mann gefallen dürfe, der nicht sechzehn ahnen gehabt W. Hauff
s. w. (1890) 2, 362. 1@bb)
in wendungen wie eine gräfin sein
werden weibliche personen dem gräflichen stand zugeordnet: diu was ein grävinne: wie kunde ir leider wesen
Wolfdietrich A 565; von geslächt was si ain gräfin, ains ganzen lands gepietterin Kaufringer
ged. 14, 21
Euling; ich bin fromm, ich bin kein eebrecher, ich bin ein fürstin, ein gräfin
bei Luther 52, 687
W.; ich vergass, dass sie eine gräfin, und meine gnädige frau sind
slg. v. schausp. (1764) 3,
Pamela 55; eine schriftstellerin darfst du nur sein, wie die frau eines grafen gräfin ist (1843) L. Schücking
br. 171
Muschler. 1@cc)
vergleiche mit einer gräfin
dienen zur umschreibung von reichtum und vornehmem gebaren, nicht selten mit abschätzigem nebenton: und (
ich) hat ein hüerli, wol usgebutzt, mit siden, samet fri ufgemutzt, und trat mir wie ein gräfin her, als ob's von guotem adel wär
N. Manuel 50
Bächtold; tags sasz sein weib in einer gutschen, so lang er (
d. quacksalber) zu Cassel ware, wie eine grävin gezieret Kirchhof
wendunmuth 2, 165
lit. ver.; sie sieht doch gar nicht so reichgeschmückt aus wie andere gräfinnen, die von funkelndem geschmeide strotzen Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 225; und züg und chleider hät si wie e künigsfrau, churz, wie-n-e gröfeni
in: schweiz. id. 2, 708. 22)
als titel. 2@aa)
beim personen- oder geschlechternamen: diu grævîn von Tenabroc Wolfram v. Eschenbach
Parzival 232, 25; von grefinn Agnesen (1357)
in: dt. rechtswb. 4, 1061; sein (
des burggrafen) gemahl Bosenna greffin zu Pleissen (1579) Chr. Entzelt
altmärk. chron. 145
Bohm; ein lied von all dem kummer, gram und schmerz, der traf der edlen gräfin Linda herz Herder 25, 338
S.; gräfin Aurora von Königsmark Fontane
ges. w. (1905) I 4, 283; sein freund ..., der mit einer gräfin Strachwitz verheiratet war Bebel
a. m. leben (1946) 1, 17. 2@bb)
der blosze titel kennzeichnet eine bestimmte, als bekannt vorausgesetzte person: wan iz die greuinnen also wolde
graf Rudolf αb 6; dô in diu grævinne enpfie unde engegen ime gie mit allen ir vrouwen Hartmann v. Aue
Iwein 3791; das geuiel der grAeffin alles wol
Fortunatus 65
ndr.; am tische name er wahr, dasz die grAefin grosz schwanger war
volksb. v. dr. Faust 85
ndr.; denn wo hat man gröszre pracht, anmuth, reiz und huld gesehen, als in seiner gräfinn lacht? Gottsched
ged. (1751) 1, 98; Philine bezeigte der gräfin, die auszerordentlich gnädig und freundlich war, alle ehrfurcht Göthe I 21, 239
W.; dieses aufsehen hatte die gräfin als eine schmach ohnegleichen empfunden Wiechert
missa sine nomine (1950) 25. 2@cc)
in der anrede: ach! gräfin! schau mit was vor wonne sich aller augen nach dir drehn Stoppe
Parnasz (1735) 15; ihre gütigen worte, meine gnädige gräfin, befreien mich von meiner verlegenheit (1800) Schiller
br. 6, 218
Jonas; erlauchte gräfin
ders., w. 1, 61
G.; sie passen glänzend hier herein, frau präsidentin ... frau gräfin, verbesserte er H. Mann
d. untertan (1949) 277.