unwillig,
adj. adv.,
nur theilweise (
a—
c)
gs. zu willig,
im übrigen adjectivbildung zu unwille.
ahd. unwillig, -willigo;
mhd. unwillec, -willic;
mnd. unwillich;
mnl. onwillich;
nl. onwillig;
an. úviljugr;
dän. uvillig;
schwed. ovillig;
engl. unwilly.
die kurzform unwill (
s. will,
adj.; unwill Murray 10, 28
c): das herz hanget an der einen und wird u. Melanchthon 4, 764
Br. vgl. ungewillig (
dazu els. wb. 2, 816
a), arg-, bös-, misz-, unfrei-, widerwillig.
die grenzen der unter a, b, c zusammengeordneten gruppen sind mehrfach flieszend. a)
nicht gewillt, nicht wollend, abgeneigt (
vgl. willig 1).
α)
m. inf.: der ... wirt unwillig sich andren sachen ze geben H. Seuse
d. schr. 174, 26
B.; u. ze hOeren Riederer
rhetoric (1493) b 1
a; u. vill zuo truken und verdingwerch zuo gäben Th. Platter 98
B.; Frankfurter reform. 8, 10; Butschky
Pathmos 338;
seit dem 18.
jahrh. wirkt bed. e
ein: die einen königssohn unfähig oder u. machen, das beste der seinigen zu besorgen A. v. Haller
Alfred 129; Kretschmann 2, 2; Schleiermacher
Platon 6, 183; die alte lag drauszen, ... unfähig oder u., auf die ... fragen antwort zu geben Fontane I 6, 196.
β)
veraltet m. gen.: wann ich weder gott noch der welt dienen mag, so u. byn ich der hörner (
möchte sie gern wieder los sein; ob bed. e
mitwirkt, ist nicht sicher)
Fortunatus (1509) 134
ndr.; 138
ndr.; damit P. verston soll, das sie sin u. (
ihm abgeneigt) sy
Terenz (1499) 60
a; domit nit teutsche nation din u. wurde Eberlin v. Günzburg 1, 11
ndr.; des nun keyser C. ... nit u. war Stumpf
Schweizerchron. 385
b; Fischer
schwäb. wb. 6, 278; viele dieses krieges äuszerst unwillige unterthanen J. v. Müller 24, 176.
γ)
mit zu: darauf got sölchen geordenten willen ... naigt, ... wohin er wil, nemlich zuo guotem, das got wil, nit zuo pösem, zuo dem got u. ist B. v. Chiemsee 275; allerhand hindernisz, die uns zum gebet faul und verdrossen,
[] ja wol gar u. machen J. B. Schupp 155.
δ)
ohne solche bestimmungen: der vergifter wirbt mit geschenken um die königin: sie scheint anfangs u. und abgeneigt, nimmt aber zuletzt seine liebe an
Shakespeare 3, 248.
ε)
attributiv: darumb so diser rüw ein unwillige ursach hat (
die nicht im sittlichen wollen wurzelt), so ist er ouch u. Keisersberg
bilger 48
a; ist eyn unreyn, unwillige (
nicht aus freiem sittlichen entschlusz gewählte), elende, verlorne keuscheyt Luther 10, 2, 127
W. (
vgl. willige keuschheit, unwillig keusch
unten η); dergleichen ist unwillig guot werch (
nicht gewollt in der verdienstlichen gesinnung), on freye und willige lieb, got nit angenäm B. v. Chiemsee 17; 162; niemans redt gärn zuo einem unwilligen zuohörer Gengenbach 183
G.; davor wil ich sterben, ehe ich eine unwillige (
wobei mein wille ausgeschaltet ist) heiraht eingehen wil Buchholtz
Herkuliskus 1100; eine schamröthe der unwissenden unschuld, der unwilligen tugend Herder 3, 292
S.; vgl. θ. die gestalt des zufällig ermordeten wird auf des traurig-unwilligen mörders böse stunden lauern und schrecken Göthe
Iphigenie 552;
nach lat. invitus: die unwillige Minerva Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 445; unwilligen acher
negantem Notker
bei Graff 1, 827; C. hatte hierauf mit dem unwilligen meere und dem winde den ersten kampf Lohenstein
Arm. 1, 1016
a; bearbeit ich gleich die unwillige erde Geszner
tod Abels (
d. natlit. 41) 109.
ζ)
substantiviert: haben wir unserm amptmann ... ernstlich entpfolen, dieselbigen ungehorszamen und unwillige in swer und ernstlich straffung zu nemen (1478)
urkb. d. st. Freiburg 1, 302; Luther 10, 1, 1, 338
W.; klostergelübde, welche erzwungen sind von unwilligen Melanchthon
apol. augsb. conf. 234; das jahrhundert, als welches wohl den willigen als unwilligen mit sich fortreiszt Göthe 26, 7
W.; alles willige und unwillige,
äuszerungen guten und üblen willens 28, 263
W. vgl. R.
M. Meyer
zu 24, 197, 15
der jub.ausgabe. η)
adv., bisweilen nach b hinüberreichend: musz doch die zunge leyden, das sie die zcene u. (
ohne es zu wollen) beyszen Luther 34, 1, 446
W.; u. keusch seyn 10, 2, 156
W.; syn kindt sol er (
der edelmann) mit gwalt nit zwingen, unwillig (
gegen seinen willen) in ein closter bringen Murner
narrenbeschwörung 132
ndr.; Weckherlin 2, 283
F.; entschuldige ... diese thränen, die u. meine schamrothen wangen decken Wieland 16, 371
Gr.; Bürger
Ilias 1, 327 (
ἀέκοντε); in brauner kapp und kutte tret ich an, wo prunk im licht erhellt den weiten plan, unwillig, doch genöthigt, bin ich hier Göthe 4, 284
W.; Gervinus
gesch. d. d. dicht. 4, 137; sie geht, unwillig freilich, doch sie geht Geibel 6, 33; fast zaghaft, unwillig (
vgl. e), auch nur den schein der schmeichelei auf sich zu nehmen, trat sie (
die muse) unter die trauernden Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 269. willig oder u.: wozu wir, bewuszt und unbewuszt, willig oder u., unaufhaltsam mitwirken Göthe 28, 68
W.; 24, 630
W.; willig oder u. (
wohl oder übel) fügte man sich Mommsen
röm. gesch. 2, 217.
θ)
ohne dasz ein willensact dabei betheiligt ist, unwillkürlich, besinnungslos: sie fiel u. auf die erde Murner
bei Ch. Schmidt
els. wb. 384
b,
eine entwicklung, die im engl. und im nl. reich ausgebildet, bei uns vereinzelt geblieben ist. b)
unabsichtlich (
vgl. willig 3);
unfreiwillig, nicht gutwillig, ungern, widerstrebend, widerwillig (
vgl. willig 2): unwilligs harnen im bedt
M. Herr
schachtafeln der gesundheit (1533) H h 1
a; wir sollen uns nicht widersetzen den, die uns ohn irn willen letzen, und nicht verfolgen ausz unmut den, der unwillig schaden thut B. Waldis
Esopus 1, 226
K.; aim unwilligen menschen ist die pein gröszer und aim ungedultigen der schmertzen A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) D 6
b; Luther 10, 1, 1, 376
W. unter willig 2
b; ein unwillige gab ist eben als keine gab Petri J 8
a;
[] deine zunge kan ... die unwilligste willen zwingen Weckherlin 1, 234
F.; wer unwillig leidet pein, dem thut das creutz zwifeltig sein Eyering 1, 295; tritt meine muse sonst nur mit beschämtem blicke, unwillig und mit furcht ans licht Richey
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 4, 100; unwillig red ich nun lasz mich ruhn! Herder 5, 178
S.; auch manche geister, die mit ihm gerungen, sein grosz verdienst unwillig anerkannt, sie fühlen sich von seiner kraft durchdrungen Göthe 16, 168
W. (
epilog zu Schillers glocke); das alter gehorcht u. der nothwendigkeit IV 41, 72
W.; nach dem hause, wohin sich L. nicht ganz u. ziehen liesz I 24, 155
W.; sodasz ich zuletzt dasjenige halb u. zugestand, was ich eifrig hätte wünschen ... sollen 36, 4
W.; nicht u. folgen, sich zusammenpaaren Schleiermacher II 4, 159; Wackenroder
herzensergieszungen 63; da zwang er die frau, dasz sie ihm ein bad machen muszte, das that sie u. brüder Grimm
sagen (1891) 2, 124; jetzo läutete das glöcklein, dessen ton auch von den frömmsten brüdern noch keiner u. gehört: der ruf zur abendmahlzeit Scheffel (1907) 1, 147;
vgl. mit unwilligem herzen Scriver
andachten (1721) 298; mit unwilliger hand Göthe IV 26, 75
W. von thieren: ein angel zeucht auch wol unwillige fisch ausz dem wasser Petri S 6
b; Tunnicius 339
H.; der hengst liesz sich nur u. wenden am gatter Hans Grimm
volk ohne raum 2, 601.
vom holz, das nicht brennen will: saftiges, nasses holz wird u. brennen Rumohr
geist der kochkunst 27.
vom blut: zäh und u. rieselte sein blut in den fremden quell Scheffel (1907) 2, 133. c)
nicht bereitwillig zu dienst, leistung, gefälligkeit (
vgl. willig 1);
indevotus Graff 1, 827;
refractarius contumax Kilian: was das volk und etlich haubtleut unlustig und u.
städtechron. 2, 67 (
Nürnberg 15.
jahrh.); einen ... unwilligen und verdrossenen haufen Kirchhof
milit. disciplina (1602) 81, armee, sklavenhorde Chemnitz
schwed. krieg 2, 104; Rückert 8, 134; damit die marquetender und proviantirer nicht verdrossen, u. und unlustig werden v. Fleming
soldat (1726) 164; dort nahm man ihn viel unwilliger auf als bei dem einmarsche A. v. Arnim 12, 161
Gr. karge herrn haben unwillige knechte Fr. Wilhelm
sprichw. reg. c
β; getreu arbeit und böser lohn machen unwillige diener Lehmann
florileg. (1662) 1, 87; bedienter Göthe 21, 281
W.; Hans Grimm
volk ohne raum 2, 126; unwillige unterthanen: da wirt der undterthon auch mürrisch, unwillig, unghorsam, aufrürisch H. Sachs 2, 20, 6
K.; dasz ins gemein diejenigen unterthanen, so am leidlichsten und billigsten gehalten werden, am unbilligsten, unleidsamsten und unwilligsten sein Opel-Cohn 30
jähr. krieg 374; vasall Wieland 29, 31
Gr.; verwandte Göthe 42, 2, 52
W. eine hauszhalterin ... soll ... nimmer u. werden Sebiz
feldbau (1579) 63. u.
zur ehelichen pflicht: Nas
eins u. hundert 1, 77
b; Ruoff
hebammenb. (1580) 138. unwillige dienst Luther 30, 2, 388
W.; er erschiene mit einem unwilligen gehorsam Grimmelshausen
Joseph (1671) 101;
vgl. williger gehorsam; u. im gehorsam G. Freytag
verl. handschrift 1, 20. u. zu der paisze Mynsinger
von falken 20
lit. ver.; zuo kor E. v. Günzburg 1, 93
ndr.; zuo sorgen für deine kind 1, 30
ndr.; u. darzu (
zur heirat) Micrälius
Pommerland 3, 333.
von thieren: mit unwilligen hunden fahet man nicht S. Franck
sprichw. (1541) 1, 16
b; Petri P p 1
b; Kirchhofer
schweizer. sprichw. 281;
Delia invita venandum non est Dentzler (1716) 334
a; er würde mit unwilligen hunden hetzen Lohenstein
Arm. 2, 378
b; mit unwilligen ochsen oder pferden ist nit guot pflgen Tappius R 3
α; Eyering 3, 242; 243; mit unwilligen pferden macht man krumme furchen Lehmann
florileg. (1662) 2, 866; wann man sie (
die waben) zu vil beschneidet, so werden die bynen u.
M. Herr
feldbau (1551) 183
a;
von körpertheilen: wenn der fusz u. still stehen wollte, sprach sie: Audifax! und
[] hob ihn vorwärts Scheffel (1907) 2, 32. d)
zu unwille 2
nausea ist das adj. schwach entwickelt: hat zuo zeiten, alsbald sie got empfangen, sich gebraucht als u.
Augsburger städtechron. 6, 20; den die uberfüllung in kranken machet die natur u. (
zum ekel geneigt) Paracelsus
chirurg. (1618) 10 A
H. veraltet. e)
von unwillen (
s. d. 3)
erfüllt, unwillen empfindend und äuszernd, von unwillen zeugend. für indignativ Heyse-Böttger
7, 443
b, indigniren u. machen
ebda. was aber geschicht ausz anlasz eines unwillen, das ist und wirdt u. genannt Nigrinus
v. zäuberern (1592) 168;
fâché zornig, bös, u. Apinus (1728) 212; murmuriren u. seyn 362; u. ist man, wenn etwas wider seinen wunsch und willen geschieht ..., unzufrieden, verdrüszlich Gottsched
beobachtungen 375;
als steigerung entrüstet: C. zeigte sich vielmehr u., ja entrüstet darüber Ranke
s. w. 1, 250. ungehalten, böse, u., zornig Weigand
syn. 3, 859.
α) unwillen 3
b entsprechend; mnd. wb. 5, 100
a, 2: med enn u. sin
sich mit einem überworfen, veruneinigt haben Schambach 244
b.
nicht schriftsprachlich. β) unwille 3
c entsprechend, in n. spr. zu γ neigend. für den übergang der bed. b in c β ist bezeichnend, dasz der bearbeiter des Nibelungenlieds C 188, 1, 4
Z. aus ir unwilligen muot (B 1230, 4): ir vil trûregen muot
gemacht hat: da nun die stat also gewunnen, wurden die lantschaft und stat ... uber die franzosen zornig und ganz u.
Wilwolt v. Schaumburg 89
lit. ver.; so wirt die natur aller erst bosze und u. auf das gesetz Luther 10, 1, 1, 464
W.; pred. Salom. 7, 8;
b. d. liebe (1587) 107
d; Fischart
ehzuchtb. 138
H.; welches (
unfreundliches benehmen) dann leyder ... viel weiber im brauch haben, die doch damit selten was anderst gewinnen, als dasz sie püffe darvon kriegen und unwillige männer machen
grillenvertreiber (1670) 16; die poeten fabulieren, dasz einmal der unwillige Mars einem ... menschen ... den kopf auf einem streich habe abgehaut Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 1, 503; sie (
die hoffnung) nur erhält die elenden und giebt unwilligen muth ein. sie nur verlieret sich nie Herder 29, 652
S.; u. im herzen
νεμεσσήθη ἐνὶ θυμῷ Vosz
Odysee 1, 119; sie wollen die kaiserliche gesandtschaft rauh und u. empfangen G. Freytag 2, 50; ein unwilliger gedanken, zorn Luther 34, 2, 319
W.; mit zornigen und unwilligen geberden Zinkgref-Weidner 3, 40; schlag alle hoffart, neydt und hasz von dir, denn sie sind den unterthanen u. (
gegenstand des unwillens) und gott vorab ungefällig
b. d. liebe (1587) 178
c.
in gewissen antikisierenden wendungen empfinden wir u.
etwa als '
zürnend, voll schmerz, hasz, erbitterung'
u. dgl.: sie gaben dich nicht dem vater zum geleite mit, da er unwillig nach dem Orcus ging Göthe
Iphigenie 634; die schar u. abgeschiedner
Elpenor 627;
von Götz: er, würdig-kräftger mann, als macht gering, im zeitensturm unwillig unterging 16, 282
W.; auf sein streitrosz taumelte der Hunnenführer nieder und verhauchte u. sein leben Scheffel (1907) 2, 21.
γ)
in der heutigen hauptbed. unwillen 3
d entsprechend: wir wöllen vor essen, so wirt meine fraw nicht u.
Fortunatus 22
ndr.; da das (
die salbung mit köstlichem wasser) seine jünger sahen, wurden sie u. und sprachen: wozu dienet dieser unrat?
Matth. 26, 8; ich wär mit dem kanzler gern zurück gewesen, aber i.
f. g. waren darüber so u. Schweinichen
denkwürdigkeiten 129
Ö.; weswegen auch niemand auf die heidnischen scribenten u. seyn kan G. Arnold
ketzerhist. (1699) 141
b; die herren seyn nicht u., es ist mir selbst nicht lieb, ich werde schon zusehen, dasz ich es wieder einbringe
mediz. maulaffe (1719) 217; ich bin auf sie nicht u. Rabener 6, 145; Lessing 8, 6
M.; man hat beobachtet, dasz ein redner seine zuhörer dadurch u. gemacht, dasz er beym anfange seiner rede stoltz und unverschämtheit gezeigt hat Ramler
einl. in d. sch. wissenschaften 3, 212; musz man nicht u. werden, wenn man sieht, wie ein blühender baum ... gebeugt und
[] zerknickt wird? Herder 17, 45
S.; das liebenswürdige kind, in sich gekehrt ohne trutz, u. ohne widerstreben Göthe 24, 355
W.; P. war über das misztrauen dieses herzogs mehr u. als erstaunt Schiller 4, 146
G.; sie schien u., dasz ich nicht früher gekommen H. Heine 3, 69
E.; doch nahm er (
Bürger) die verbesserungen des bundes an, u., dasz sie oft recht hatten Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 32; nicht so u., schelmische rednerinn! Grabbe 1, 333; auch gegen die evangelischen städte war er sehr u., namentlich auf Straszburg Ranke
s. w. 3, 113. in sich selbs u. Hayneccius
Hans Pfriem 4
ndr.; u. bei sich selbst Zesen
rosenmând 64; hingegen die übrigen personen wurden ... immer unruhiger, unzufriedener und unwilliger gegen einander Nicolai
Nothanker 2, 167;
vom thier: aber das rosz sey u. worden über den reuter Eppendorf
Plinius 8, 76. unwillger geist Göthe
Iphigenie 1243, schatten Gerstenberg
Ugolino 247
nat. lit. 48, zuhörerin Ebner-Eschenbach 2, 386; mit unwilligem gemüte, herzen, ohren, augen
b. d. liebe (1587) 385
b; Sandrub
kurzweil 15
ndr.; Grimmelshausen
vogelnest 2, 438
Keller; Bodmer
Noah 1, 87; unwillige dankbarkeit, gedanke, blick, besitz, gemurmel, bewegung, geschrei, zugeständnisz, achtung, staunen, verwunderung
u. s. f. Abbt 6, 1, 3; Laroche
frl. v. Sternheim 1, 99; Kortum
Jobsiade 1, 42; Göthe 40, 108
W.; Schiller 3, 481
G.; Caroline 1, 130
W.; Brentano 5, 143; O. Jahn
Mozart 3, 91; Holtei
erz. schr. 4, 145;
M. Meyr
erz. a. d. Ries 1, 261; O. Ludwig 2, 29; wenn nun ... Kain auszer seiner unwilligen ... sinnesschwärze noch so vieles gute hat ..., kann eine ... unwilligere thräne ... geweint werden? Herder 6, 170
S. ... weil alle polemik und aller krieg zu gar nichts führt als einem unwilligen frieden (
in den man mit unwillen einwilligt) Görres
briefe 2, 305.
adv.: wie die kinder Israels ... etwan u. sich widerumb in Egypten wunschtend Zwingli
freiheit d. speisen 3
ndr.; meine mutter ... that u., dasz dein groszvater mir nicht deinen vater gönnte Hippel
lebensläufe 1, 272; unter u. herausgestoszenen seufzern Sturz 1, 24; wanderer, eile nicht! geh nicht unwillig vorüber! Herder 26, 41
S.; gleichnisz vom gescheuchten löwen, der u. unverrichteten fangs davon geht Göthe 41, 1, 306
W.; verdrieszlich, fast u. und gekränkt sah er dem freunde vom fenster aus nach Mörike 3, 85; 'störe mich nicht', sagte sie u., 'du alter tolpatsch'! G. Keller 4, 97; halb u. Göthe 8, 194
W.; u.-ernst Herder 15, 426
S.; mit u.-langsamem schritt J. J. Engel 1, 8; u.-verweisende worte Mörike 3, 80; u.-dumpfen tones Arent-Conradi-Henckell
mod. dichtercharaktere 207.
auch von leblosem: die wolken selbst schaun wie in mattigkeit, unwillig, schwer herab auf solch ein land Fouqué
held des nordens 1, 36; oft hört ich sie die bessern zeiten klagen ..., unwillig bleiben sie von dir entfernt
Schlegels Europa 2, 124; unwillig klirrt, von schimpflichem rost zernagt, kernvoller väter männliche rüstung Stägemann
kriegsgesänge 44; die aloe ... senkt u. ihre blätter Meisl
theatr. quodlibet 2, 115; da erst umwölkte sich das junge licht, als es unwillig seinen goldnen strahl dem scheuszlichen geschwistermorde lieh
M. Beer 164.
δ) u., rappelköppisch Rädlein (1711) 1003
b; u., seltzam,
dyscolus Dentzler (1716) 334
a;
unter den syn. für zannig (zum weinen oder grinsen geneigt, u., übellaunig, brummig) Unger-Khull 643
a: disen zähen, unwilligen (
difficilem) alten greysen Boltz
Terenz (1539) 73
a; drittens soll man sich für alten und ausgearbeiteten knechten und mägden hüten, denn sie sind gemeiniglich stutzig und u. (
mürrisch, bockig, grämlich u. dgl.) Hohberg
georgica 3, 85
b; das schlaftrunkene kind ist unwillig.
nicht schriftsprachlich. —
1unwilligen,
verb., für tourmenter pilgerfahrt d. tr. mönchs 12 697
B. unwilligen
feindseligkeiten verüben gegen einen Götze
frühnhd. gl. 2220
b. sich u.
[] wie mnd. sik unwilligen
in streit gerathen, sich veruneinigen (
vgl. sich willigen, willigen 1
b und unwillung
dissensio: dieselbigen obgnanten amptlüte sullen sich durch keinerlei mit einander u. (1448)
urkundenb. d. st. Freiberg i. S. 1, 186. —