[]urheber,
m. ,
im anfang des 15.
jhs. aus älterm urhab (
s. d. 5)
unter einflusz des lat. auctor
umgebildet; später hat auch franz. auteur
eingewirkt. Wilmanns
gramm. 2, § 224, 2.
vgl.orthabe(r),
dän. ophavsmand,
schwed. upphofsman.
ausnahmsweise erscheint ein schw. nom. plur. urhebern
im beleg von 1432
unten B 3,
und ein schw. acc. sing.: und wird für dieses buchs urhebern gehalten Albertus Magnus
Albertus Magnus von den geheimnissen derer weiber (1678) a 3
b;
F. A. v. Brandis
ehrenkränzel 9.
im ältern nhd. wechseln die formen urhaber, -häber, -höber, -hebel; Frisius
bietet urhaber, -häber, -heber
neben einander; urhaber Schwartzenbach 10
b; Hulsius (1618) 271
b;
schatzbehalter (1491) 6
a; Zwingli
d. schr. 1, 257; S. Franck
zeytb. (1531) 305
a u. ö.; Wickram 4, 128, 24
B.; Zolleckhofer
vilvaltig beschreibung 112; Falckner
franz. chron. 1, 131;
b. d. liebe 212
d; Feyerabendt
ungar. chron. 53
b; Thurneyszer
m. alchymia 83; Meichel
kreuzschuel (1630) 621. urhäber Henricpetri
niderlend. kriegen ursprung (1575) p 4
a; Peccenstein
theatrum saxon. 3, 115; Prätorius
philosophia colus 87; Fr. A. v. Brandis
ehrenkränzel 9. uhrhöber Zesen
rosenmând 18; Rompler v. Löwenhalt 1.
gebüsch 59. urhebel Lacius
bei Fronsperger
kriegsb. 3, 278
a.
vgl. mit-, selbst-, welturheber. AA.
wie lat. auctor
zunächst mit bezug auf mehr oder weniger concrete vorstellungen. vgl. Zwingli
unter 3,
der noch das lat. wort hinzusetzt. A@11)
gott als u.
der welt: der das haupt und der urhaber aller himlischen und irdischen ding ist
schatzbehalter (1491) 6
a; gott, von dem als rechtem urhaber alles herkombt J. Meichel
kreuzschuel (1630) 621; der geschöpfe werkmeister, töpfer, stifter, urhaber, brunnquell Treuer
Dädalus 1, 698; u. der welt und natur Chr. Wolff
von gott (1720) 488, der sonne Klinger 4, 188, des lebens Göthe 41, 2, 96
W.; von einem vernünftigen u. des weltganzen
F. A. Lange
materialismus 274, einer vollendeten gehirnkonstruktion 159. so haben denn die natürlichen und künstlichen werke einerley absichten, sie haben beyde gott zum u. J. J. Schwabe
belustigungen 1, 77; vielleicht hat sie (
d. welt) viele u.? Wieland
Agathon 2, 63; ... dasz wir nach dem ebenbild unsers urhebers geschaffen seyn S. v. Laroche
frl. v. Sternheim 2, 24; Rückert 11, 399. welturheber Kant. A@22) u.
als stammvater, erzeuger: sein sun Mannus sei ein urhaber desz volks S. Franck
chron. Germ. (1538) 1
b; Griechen von Deucalione ihrem urhaber entsprossen
b. d. liebe (1587) 212
d; die urhaber ihres geschlechts 223
b; ich sehe den armen junkern in einem glüenden ofen ligen mit allen des adels urhebern und stiftern Moscherosch
gesichte (1650) 409; ... eine creatur nicht ihrem unglücke zu überlassen, die über lang oder kurz dem urheber ihrer tage (
franz. les auteurs de nos jours unsre eltern) fluchen würde J. Fr. Löwen 4, 130; (
Noah) der zweyte u. der menschen A. v. Haller
Usong 172; der mannesstamm ihres (
der familie) urhebers Mommsen
röm. gesch. 1, 57.
angelehnt an diese bed. erscheint einmal bei W. H. Riehl
naturgesch. des volkes 3, 118 urheberrecht: die vergangenen geschlechter stehen zu den gegenwärtigen im verhältnisz der autorität, des urheberrechtes, wie der vater zum sohn. A@33)
erfinder, gründer, wer etwas zuerst eingeführt, hergestellt, verfertigt hat. auctor eines dinges ein urhäber Frisius 141
b;
proauctor der erst urheber 1060
b;
parens urbis 946
b;
author ein ursächer, der etwas zum ersten gemacht oder erfunden hat, erster anrichter oder anfenger, urhaber und erfinder eines dings 147
b;
primae ratis molitor 832
a;
fabricator Reyher (1686) o 3
b: so nun Christus ein urhaber (autor) und ufsetzer dises heiligen dings ist Zwingli
d. schr. 1, 257; diser ist der erst urhaber und erfinder desz notwendigen gebrauchs der gloggen Zolleckhofer
vilvaltig beschreibung 112; den ersten urhaber des goldes Thurneiszer
m. alchymia 83; dem uhrhöber oder erfünder aller dieser nahmen Zesen
rosenmând 18;
der alexandriner, reime A. Buchner
anleitung z. d. poeterei [] (1665) 130; Morhof
unterricht 1, 592;
des schieszpulvers Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 1, 82,
von münzen Herder 3, 423
S.; Luschin v. Ebengreuth
münzkunde 132,
festungen v. Fleming
soldat (1726) 385,
verschanzungslinien Ritter
erdk. 3, 303,
des kanals Moltke 1, 179
u. s. w. A@44)
verfasser, schöpfer literarischer, musikalischer, bildnerischer werke; classici authores ... urheber der bücheren Frisius 233
b. '
besser der verfasser' Campe: es spricht der u. dises buochs Herold-Forer
Geszners thierb. (1563) 69; desz Titi Livii der römischen historien urhabers Feyerabendt
ungar. chron. 53
b;
eines traktats Leibnitz
d. schr. 2, 443,
briefes vern. tadlerinnen 1, 346,
einer recension Liscow
vorr. 7,
astronomischer tafeln A. v. Humboldt
kosmos 2, 209,
vieler schmähschriften Ranke
s. w. 1, 297; die u. unserer bibel Ratzel
völkerk. 2, 90. derer bücher sollte man mit dem nassen schwamm, die u. aber mit peitschen vertilgen und auslöschen Schupp
schr. (1663) 776; urheber trockner folianten, ihr schreibet, schmieret, eselt hier Lichtwer
fabeln (1748) 77; er war der meynung, die Iliade könnte gar wohl von verschiedenen urhebern seyn
allg. d. bibl. 1, 2, 3; Göthe 47, 314
W. die ersten u. der mahlerey Harsdörfer
trichter 3, 11, der statuen Winckelmann 7, 52, dieses bildes
ärchäol. zeitg. von Gerhard 1, 89, dieser lustörter (
villen) Justi
Winckelmann 2, 1, 72, jener baureste Peschel
völkerk. 455; Göthe 47, 233
W. den u. und componisten (
der oper) weisz ich nicht Gottsched
schaubühne 2, 107.
vgl. miturheber. A@55)
verursacher: die u. des lieblichen getöns G. Hauptmann
bahnwärter Thiel 42, des geräusches, lärmes
u. s. f. BB.
mit bezug auf abstracte begriffe. B@11)
anfänger, beginner, begründer einer wissenschaft, kunst, secte, religion, verfassung, handlung, thätigkeit, ansicht u. dgl.: denselbigen anfengern und urhabern (
der astronomie) Wickram 4, 128
B.; derjenigen republic, derer urheber und anfänger Homerus gewesen Schupp
schr. (1663) 540; 781; die tugend ist an einem zu loben, derer u. er selbsten, nicht die, die er ererbet 552;
eines spiels Harsdörfer
gesprächsp. 1, d 4
b,
Luther u.
der deutschen kirchlichen literaturspr. Gueintz
rechtschreibung (1666) 5, der teutschen poeterey Harsdörfer
trichter 1, x 7
b, der fruchtbringenden gesellschaft Neumark
palmbaum 5, secte A. Olearius
persian. reisebeschr. 355,
buchdruckerkunst Rompler v. Löwenhalt 1.
gebüsch 59, dieser einwürfe Bodmer
v. d. wunderbaren 59, des einsiedlerlebens Zimmermann
einsamkeit 1, 165, der meinungen A. v. Haller
tageb. (1787) 1, 100, des christenthums Herder 15, 481
S., der pflanzung J. v. Müller 1, 43, that Göthe 37, 334
W., deutschheit A. W. Schlegel
Athenäum i, 7, neuerungen Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 308, dieses systems Ranke
sämtl. w. 30, 21, der neuen richtung Herm. Grimm
Michelangelo 1, 35, des spelzbaus Hoops
waldbäume 435
u. s. f. B@22)
wer etwas veranlaszt, das verdienst um etwas hat, an etwas schuldig, dafür verantwortlich ist: gott ein u. der sünden Schupp
schr. (1663) 405; darnach werden wir uns selbst als die u. unsers unglücks ansehen Wolff
von der menschen thun u. lassen 64; G. Keller 4, 90; du u. meiner glückseligkeit Wieland 3, 75
ak. ausg.; jeder ist seines glückes u. Düringsfeld
sprichw. 1, 438
a; der u. der parlamentsproceduren Archenholz
England u. Italien 1, 1, 83, des geistes der gründlichkeit Kant 3, 22
ak. ausg., der wiedergeburt Niebuhr
röm. gesch. 2, 335, meiner bildung Schiller
br. 1, 66
J., der religionsläuterung J. H. Vosz
antisymbolik 1, 113, der freude Gaudy 23, 111, freundschaft Holtei 40
jahre 3, 284, ihrer unabhängigkeit Gervinus
gesch. d. 19.
jhs. 3, 51, seiner pläne Nitzsch
d. studien 145; das auge ist der u. und erhalter oder vernichter der liebe G. Keller 2, 242; man würde Friedrich mit unrecht als den ersten u. einer ... gebietserweiterung auf kosten Polens betrachten Ranke
sämtl. w. 31/32, 12; u. der neuen ordnung, politik Bismarck
gedanken u. erinn. [] 1, 50; 2, 30
volksausg.; man weisz nicht, wer der geistige (
vgl. intellectuelle) u. dieses befehls ist Meinecke
Boyen 1, 396. von seinen gesinnungen könnte man übrigens aus dem friedfertigen betragen des stadthalters von Mailand urtheilen, dessen u. er sich zu nennen stolz wäre Schiller 4, 145
G.; Schlegels Europa 2, 76; Häuszer
d. gesch. 1, 265; O. Ludwig 1, 206; so lebte er (
Philipp II.) in vollkommener einsamkeit, ... aber dabei u. von bewegungen, welche die welt umfaszten Ranke
sämtl. w. 35, 103; von dem bestreben, für jede erscheinung und begebenheit eine ursache oder einen u. zu erspähen Peschel
völkerk. 255. B@33)
im üblen sinne anstifter, rädelsführer u. dgl.: als itz und zum nechsten die geburschaft ... von eigner frevelicher gewalt ... vor Worms gezogen sin, da ist man ... eins geworden, dasz man dieselben, die derjene heuptlute, urhebern und raitgeber gewesen sin ..., straffen ... solte
urk. Bingen 1432
bei Schaab
gesch. d. gr. rhein. städtebundes 2, 405; da ward der leichnam Hermanni, diser ketzerey ein urhaber ..., widerumb auszgraben Seb. Franck
zeytb. (1531) 305
a; der aufruhr urhebel mit der axt richten Lacius
bei Fronsperger
kriegsb. 3, 278
a; u. diser empörungen Henricpetri
niderl. kriegen ursprung p 4
a, solcher verrähterey Birken
Donaustrand 202, des krieges Lohenstein
Arminius 1, 23
a, der raserey 2, 48
a, dieses betrugs Happel
akad. roman 262, des streites Göthe 43, 15
W., alles bösen Jung - Stilling 2, 133, der verkehrtheit Ranke 14
2, 53, des schloszbrandes G. Keller 7, 238, u. von sturm und ungewitter Laistner
nebelsagen 13; unfried in Teutschland wird entstehen, die urhäber verlieren land, leute und lehen Prätorius
philosophia colus 87; eine lustige geschichte, an der sich besonders die schalkischen u. bis an ihr lebensende ergetzten Göthe 26, 14
W. anstifter
und u. Weigand
syn. 3, 736. Eberhard
syn. 1, 102
macht den etwas zu engen unterschied: '
der anstifter
einer schlägerey ist derjenige, der die parteyen dazu anreizt oder aufhetzt; der u.
derjenige, der den ersten schlag thut'. B@44)
wie lat. autor, franz. auteur der gewährsmann, aber theilweise mit 2
sich mischend: es wird sogar gut seyn, wenn sie es wissen, damit sie, wenn ihnen nachtheilige dinge von mir zu ohren kommen sollten, den u. kennen Lessing 2, 109
M.; ich werde mich eines ihrer glücklichen gedanken dabei erfreuen, jedoch nicht ohne den u. zu nennen Göthe IV 31, 120
W.; dieser
F. ... wird uns nun als der u. der in dem vorliegenden buche mitgetheilten nachrichten bezeichnet Ranke
sämtl. w. 2, 346. CC.
nichtpersönliches als u.: als wäre die sonne selbs ein u. und ursach solcher härtigkeit Dannhauer
catechismusmilch 1, 105; den himmlischen einflusz als uhrhäbern diser gnaden
F. A. v. Brandis
ehrenkränzel 9; ein andrer ... setzte sich in den kopf, den krieg zum u. aller dinge zu machen Wieland
Lucian 1, 208;
vom hunde dem u. dieses plötzlichen angriffes H. Seidel
Hühnchen 122. DD.
als rechtssprachlicher t. t. a)
autor, architectus legis ein urhaber der gsatzten Frisius 114
a: er ward als der u. des römischen cäremonialgesetzes verehrt Niebuhr
röm. gesch. 1, 166; die u. der rogation 2, 51; die gesetze schienen sich nur unter dem schutz ihrer u. befestigen zu können 2, 158; die stimmen fielen auf den u. des gesetzes Mommsen
röm. gesch. 2, 90.
ähnlich die u. dieses antrags Göthe IV 40, 290
W. b)
im sinne des neuzeitlichen urheberrechts: das recht, ein gewerbliches muster oder modell ganz oder teilweise nachzubilden, steht dem u. desselben ausschlieszlich zu
ges. betreffend das urheberrecht an mustern und modellen v. 11.
jan. 1876 § 1; ein vom u. abgeleitetes untersagungsrecht
hwb. d. staatswiss. 5
2, 440.
vgl. miturheber. c)
strafrechtlich spricht man von einem physischen
und einem intellectuellen u. (
anstifter)
Meyers convers.-lex. 16
5, 733
a; 17, 120
a und unterscheidet den urheber
des verbrechens (
auctor delicti)
von dem gehilfen
[] (
socius delicti)
ebda. vgl. miturheber. —