Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
boum stM.
1.1 allgem.
1.2 biblisch
1.3 (weitere) Sprichwörter und Sprichwortähnliches (vgl. TPMA 1,380-398)
2 ‘Baumstamm’ (gefällter und entästeter Baum)
3 ‘Stange’ des Sekundanten im gerichtl. Zweikampf (vgl. boumtragære )
4 ‘Stange, Mast’ , als Träger des Feldzeichens
5 ‘Schaltbaum, Ruderstange’
6 ‘Kelterbaum’
7 ‘Sattelbaum’
8 ‘Sarg’
1 ‘Baum’ 1.1 allgem.: vil boume stuont in blüete / von dem süezen luft des meien Parz 96,18; ez bluot allez gelîche, / bluomen unde boume Wig 639; ein boum ane blumen obes nicht gebaren mac Macer 1,2; ein [...] boum der nicht wucher treit PrOberalt 155,11; einen bovm weiz ich wol, / der ist gvtes honeges vol ReinFu K,1537; er heizzet die durren boͮme bloͮn, die goͮten unde die groͮnen dorren Spec 144,7; dâ vielen ritter als daz loup / von dürren boumen rîset KvWTurn 1015; wer gesach ie obez ûf dürrem boume? Renner 6436; wy der sorinde boum wydir grvne vnd sich voriuͤnge Pelzb 117,19. 122,15; me, / den loubes si an boume Herb 2243; di boume ir loub liezen SAlex 5345; swaz palme man bî dem wege vant / und boume geloubet KvHeimUrst 89; do treip mich hitze vnde sweiz / vnder einen kalden boum Herb 2180; sus kam er und sîn vrouwe Îsôt / zem brunnen an des boumes schate Tr 14503; das ouch andir suwir [saure Frucht tragende] boume werdin suze Pelzb 123,35; sam der wilde schûr / boume velwet KvWLd 19,17; ein boum dar ûf [ anger ] gebelzet was / rehte enmitten in daz gras, / des schat den anger gar bevie Wig 4613; dar umb nement die pelzer vil kern in ain säckel und grabent daz in die erd, wenn si den paum wellent setzen BdN 337,7; er truoc in verre in den walt, / dâ manic boum was gevalt Wig 6260; glich eime ackermanne der sine boͮme besnidet und sin krut uzgittet und sin ertrich umbkeret zuͦ mertzen Tauler 97,4; das erste, das man hi in disim buche handilt, das ist dy wyse czu pfroppin manchirhande boum Pelzb 117,12; als ein tûbe tuot, / [...] dâ si ûf einem boume stât RvEBarl 5226; er solte Alexander ûf einen poum hâhen, / daz inz gevugel êze VAlex 1412; Roth 3208; der paum [ Myrtus ] haizt paz ain staud denn ain paum, wan er ist klain BdN 332,10; ain vogel [...], der [...] haizt ze däutsch paumheckel und nistet in den holen paumen ebd. 380,12 1.2 biblisch: – Baum des Lebens, Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen (Gn 2,9): ze mitterest des garten hiez got zwêne boume wahsen, / misliches gelâzes, unglîches obezes Gen 258; der êrste mensche wart betrogen an dem boume, dô er daz obez az, daz ime got verbôt PrMd(J) 342,21; der poͮm, der hiez ein poͮm des libes Konr 17,21; übertr.: sint dat in dins [Marias] lives boumgart / de boum des levens [Jesus] geplantet wart MarlbRh 7,13. – die Axt ist an die Wurzel der Bäume gelegt (Mt 3,10): und îczunt ist di axst gesatzet zuͦ der worzelin der boume EvBeh Mt 3,10; EvAug 4,23; daz wir fúrthen vnseres herren rache, die dem boͮme an die wurcel ist geleit Lucid 88,2. – an den Früchten erkennt man den Baum (Mt 12,33): wan sicherlîchen ûz der vrucht wirt der boum bekant EvBeh Mt 12,33; EvAug 26,23; (weitere Belege TPMA 1,385, Nr. 78-80). – guter Baum bringt gute Früchte, schlechter schlechte (Mt 7,16-20): der guͦt baum der treit guͦt wucher PrOberalt 140,13; aber der böse bavm machet böse fruhte EvAug 14,9; EvBeh Mt 7,17; der vbel paum ne mach nehein guͦte wͦcher getragen Konr 12,76 (weitere Belege TPMA 1,388f., Nr. 156-164). 1.3 (weitere) Sprichwörter und Sprichwortähnliches (vgl. TPMA 1,380-398): michels boumes schone / machet dicke hoene: / er dunchet uzzen gruͦne, / so ist er innen duͦrre Rol 1962; ähnl. Renner 21875; der wint [...] schütet die hôhen boume veste, / daz er bricht vil gar ir este. / dem kleinen wirret niht sô vil, / der sich nâhem winde neigen wil WälGa 3209; uns manent die runzeln und grâwez hâr, / wie wir verzert haben unser jâr. / swelch boum wil dorren, der hebet an / in dem wipfel Renner 23809 2 ‘Baumstamm’ (gefällter und entästeter Baum): ûz beiden hern geselleschaft / mit storje kômen hie unt dort, / ieweder her an sînen ort, / dâ ir zil wârn gestôzen / mit gespieglten ronen grôzen. / [...] der boume hundert wâren / mit liehten blicken clâren Parz 690,23. ebd. 205,20. – als Bauholz: grôze poum er gewan / unde thede die zesamene spannen / von chundigen zimbermannin VAlex 780. 860; swær zimberholtz hin vz furet, ez sin flecken [Bretter, Balken] oder baume, der git von dem wagen einen phenninch UrkCorp 548ABC,20; man sol auch fuͤrbaz chainerlay holtz, paem, saewln, nuͤsch oder swie daz genant ist, lenger an dem margt lan ligen StRMünch 406,12. – für das Kreuz bzw. den senkrechten Balken des Kreuzes: der gotis sun der newurde gemarterôt an deme boume des heiligen chriuces PrMd(J) 342,24; vrone krüze, edel boum MarlbRh 33,3; do das unschuldige gottes lamp einen grossen minnetot an dem hohen boͮme nam Mechth 5: 23,145 3 ‘Stange’ des Sekundanten im gerichtl. Zweikampf (vgl. boumtragære ): he [der vorderer ] gert eines grizwarten [...] unde bitet hern Ludewiges, daz he sinen boum trage StRFreiberg 165,11; unde wenne diselben sigewarten di boume heizen uzzihen [zur Eröffnung des Kampfs] , so sullen si di grizwarten uzzihen ebd. 165,28; ziuh uz den boum, griezwarter [...] stôz under boum [zwischen die Gegner, zur Unterbrechung des Kampfs] , griezwart Regenb 351b. – ûf den / sînen ~ komen (zu der vor Beginn des Kampfes in den Boden gestoßenen Stange des Sekundanten treten): unde wenne si [die sigewarten ] di kempfen [...] heizen ufsten, so sullen si [...] uf di boume kumen StRFreiberg 165,28; biz he uf sinen boum kume ebd. 164,17 4 ‘Stange, Mast’, als Träger des Feldzeichens: Salatînes banier dâ het / iren got Machmet, / [...] des bilde von golde, / rîch und kostelîchen gnûc, / ein karrotsche hôhe enpor iz trûc, / uf einen boum versmidet vast; / ouch nider wart des boumes last / uf den karrotschen versmit Kreuzf 1367 5 ‘Schaltbaum, Ruderstange’ want der schaltboum [La. boum ] was grôz / [...] dâ mit stûrder daz schif sîn En 3022 6 ‘Kelterbaum’ also man diu weinper mit grozzer areweit und mit swærem baum druchet PrOberalt 70,29 7 ‘Sattelbaum’ man soͤlt ein newen satel kawfen. / [...] so hebt er sich dann [...] und uberzeuht [stattdessen] den alten baum Teichn 552,19. 552,28 8 ‘Sarg’ man sold in boumes blôzen / in dem grab verbünen / und steine darûf rünen Ottok 862; der fuͤrst tot wart do ze frist / in den richen baum [Totenbaum] getragen WhvÖst 19149; und also tattend sy den bom haimlichen uff, und fundent das alsus ir lib und ire gelider als gantz warent Stagel 119,22; ElsLA 201,13
MWB 1 953,17; Bearbeiter: Plate