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Fabel

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
19 in 18 Wb.
Sprachstufen
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18

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Fabel

Bd. 6, Sp. 241
Fabel (lat. fabula) ist einerseits die Bezeichnung für die poetische Handlung einer erzählenden oder dramatischen Dichtung und bildet in diesem Sinne den Gegensatz zu den Charakteren, anderseits die Bezeichnung für eine bestimmte in Urzeiten zurückreichende Gattung der Poesie, in der das erzählende und didaktische Element in engster Verbindung erscheinen. Die echte F. ist, wie Mythus und Märchen, ein Erzeugnis des Gesamtbewußtseins und reicht in Zeiten zurück, in denen eine primitiv volkstümliche Auffassungsweise herrscht und eine Trennung verschiedener Bildungsschichten noch nicht eingetreten ist. In der F. macht sich die-beseelende oder personifizierende Apperzeption (s. Ästhetische Apperzeptionsformen) geltend, die in dem primitiven Bewußtsein vorwaltet, und sie erstreckt sich insbes. auf die Tiere, die als Menschen oder menschengleiche Wesen angesehen werden. So ist die ursprüngliche F. Tierfabel; sie wird nach ihrem vermeintlichen Erfinder Äsopos auch die Äsopische F. genannt. Das didaktisch-reflektierende Element kommt in der Tierfabel um so leichter und deutlicher zum Ausdruck, als wir hergebrachtermaßen jedem Tier eine bestimmte hervorstechende Eigenschaft beilegen. Erzählung und Moral sind in der F. noch unlösbar verbunden, und es ist nicht notwendig, aber schon seit alter Zeit beliebt, daß die letztere am Schluß (hier und da auch schon zu Anfang) in einer besondern Formel zusammengefaßt wird. In der modernen F. sind das erzählende und reflektierende Element in der Regel deutlicher voneinander geschieden, und die Erzählung dient nur zur überraschenden Darlegung einer bestimmten Wahrheit. Die Entstehung der F. ist ebenso wie die des Mythus und des Märchens in der Urgeschichte aller Völker vorauszusetzen; zunächst nachweisbar ist sie im Orient, und von hier aus hat die F. die Wanderung durch alle Kulturländer angetreten. Berühmt sind die indischen Fabeln, die man gewöhnlich dem Bidpai beilegt (s. Pantschatantra), und die Fabeln des Arabers Lokman. Auch die Entstehung der F. in der griechischen Literatur weist nach dem Orient: Äsopos war ein Sklave aus Phrygien. Durch die Griechen wurde sie den Römern bekannt, Phädrus übertrug die griechischen Fabeln ins Lateinische. Als die alte Literatur unterging, erhielt sich das Andenken an die Äsopischen Fabeln bei Spaniern und Franzosen (im »Maître Pathelin«). Im Mittelalter interessierten sich vorzüglich die Deutschen dafür; deutsche Fabeln aus der Zeit der Minnesinger gab Bodmer heraus (Zürich 1757). Der älteste deutsche Fabeldichter scheint Stricker (um die Mitte des 13. Jahrh.) zu sein; Boner (zu Anfang des 14. Jahrh.) ist als treuherziger Fabeldichter durch seinen »Edelstein« bekannt. Italiener und Spanier beschäftigten sich am wenigsten mit dieser Gattung. Bei den Franzosen hat Lafontaine durch das äußerst gelungene Streben nach Witz und Eleganz den kindlichen Ton der F. etwas verwischt. Die besten englischen Fabulisten sind Gay und Moore. Die deutsche Nation nahm sich auch ferner mit Liebe dieser Dichtungsart an. Im 16. Jahrh. lebte der treffliche Fabulist Burkhardt Waldis. Hagedorn erzählte Fabeln in der Manier des Phädrus und in der Lafontaines; Gellerts Fabeln wurden mit Enthusiasmus aufgenommen. Gleim, Lichtwer, Willamov folgten. Lessings Fabeln sind in Prosa, geistvoll, kurz, treffend, ohne poetische Ausschmückung und beziehen sich zum Teil auf literarische Verhältnisse. Pfeffels Fabeln sind teils satirisch, teils sentimental. In neuer Zeit ward die F. wenig angebaut, nur der Schweizer Fröhlich verdient Erwähnung; trefflich für das Kindesalter sind Heys Fabeln (mit O. Speckters Zeichnungen). Eine »Fabellese« gab Ramler heraus (Leipz. 1783–90, 3 Bde.).
3682 Zeichen · 49 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    fabelstswf.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    fabele , fabel stswf. BMZ märchen, ( unwahre ) erzälung Trist. Krone (18113. 79. 22111. 201. 23217. 27221. 29203). Myst.…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Fabel

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Fabel , plur. die -n, Diminut. Fabelchen. 1) Ein jedes allgemeines Gespräch und der Gegenstand desselben; eine im Ho…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Fabel

    Goethe-Wörterbuch

    Fabel reichl 230 Belege; in Labores juv, FGA (Erstdr) u Div Plp Pl mehrmals -blen 1 fälschl Annahme; unwahre od lügenhaf…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Fabel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Fabel , vom lat. fari , reden, die Erzählung, besonders die erdichtete, das Mährchen, dann der Inbegriff von Handlungen …

  5. modern
    Dialekt
    Fabelf.

    Mecklenburgisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Fabel f. 'Fabel', Märchen, Sage, bes. im Sinne des Unglaubwürdigen: Chytr. 180; dat is woll bloß Fabel Gü Qual ; as Fabe…

  6. Sprichwörter
    Fabel

    Wander (Sprichwörter)

    Fabel 1. Der fabel ein farb anstreichen. – Franck, II, 55 a ; Eyering, I, 447. Der Lüge (s.d.) eine Gestalt geben, sie w…

  7. Spezial
    Fabelf

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Fabel , f басня , ж [Tiergeschichte]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit fabel

90 Bildungen · 85 Erstglied · 2 Zweitglied · 3 Ableitungen

fabel‑ als Erstglied (30 von 85)

fabelart

DWB

fabel·art

fabelart , m. gerro, nugator, gleichsam fabelhart, pappelhart, nach dem franz. babillard von Fischart gebildet: ir waffelarten, babeler und …

fabelaue

DWB

fabel·aue

fabelaue , f. fabelberühmte, in der fabel gefeierte aue, vgl. fabelland : schön ists von Aetnas haupt des meeres plan voll grüner eiland und…

Fabelbild

GWB

fabel·bild

Fabelbild einmal Getrenntschr; nur pl (Skizze einer) Tierfabel-Illustration Menkens F-er [ zu GCastis ‘Die redenden Tiere’ (dt 1817) ] Tgb 1…

fabelbuch

DWB

fabel·buch

fabelbuch , n. fabularum liber: aus einem alten fabelbuche, (der titelbogen fehlt daran, sonst führt ichs meinen lesern an), aus dem ich mic…

fabelbuhler

DWB

fabel·buhler

fabelbuhler , m. amator fabularum, nugarum, fabelliebhaber: dieweil sie ( Jesuiten ) doch zu Dillingen gleichmäszige grillen anno 1571 in de…

fabelchen

DWB

fabel·chen

fabelchen , n. fabella, Henisch 995 : können sie mir denn auch epische gedichte, tragödien, satyren und fabelchen machen lehren? Weisze lust…

Fabelchrǟmer

Idiotikon

Fabelchrǟmer Band 3, Spalte 814 Fabelchrǟmer 3,814

fabelei

DWB

fabelei , f. nugae, mhd. favelîe: si huoben churzwîle, si sageten ir favelîe. Rol. 64, 11 ; es war aber eitel fabelei zur kurzweil ausgedach…

fabelen

KöblerMhd

fabelen , sw. V. nhd. fabulieren, erzählen, dichten (V.) (1) Q.: Suol (FB fabelen) E.: s. fabele W.: nhd. (ält.) fabeln, V., fabeln, phantas…

Fabelepopöe

Meyers

fabel·epopoee

Fabelepopöe , scherzhaftes Heldengedicht, in dem die Tiere die Stelle der Menschen und diese die Stelle höherer Wesen einnehmen, z. B. die a…

fabeler

DWB

fabeler , m. fabulator, nugator. Garg. 17 b . s. fabler .

Fabelerzähler

GWB

fabel·erzaehler

Fabelerzähler mit den Dichtern, Fabel und Mährchen Erzählern AADiv3,98,13 Plp [G?] Gert Liebich G. L.

Fabelfratze

GWB

fabel·fratze

Fabelfratze idVbdg ‘etw als F-n traktieren’ pejor iSv bloßes Phantasiegebilde [ mBez auf das für ein Maskenspiel verfaßte Ged ‘Epiphanias(fe…

fabelgemisch

DWB

fabel·gemisch

fabelgemisch , n. ein recht buntes, dummes, abgeschmacktes fabelgemisch. Tieck ges. nov. 6, 254 .

fabelgeschichte

DWB

fabel·geschichte

fabelgeschichte , f. historia fabulosa: Hercules gibt denen, welche die fabelgeschichte abhandeln, ein reiches feld. Winkelmann 2, 507 .

Fabelgott

GWB

fabel·gott

Fabelgott Gott der griech Sage [ König zum Hzg in Hinblick auf dessen ‘natürl’ Tochter: ] suchte, Fabelgöttern gleich, mein Oheim, | Zum nie…

fabelhaft

DWB

fabel·haft

fabelhaft , fabulose: das klingt fabelhaft; fabelhaft billiger preis.

Fabelhaftes

Wander

Fabelhaftes Es geht ins Fabelhafte.

fabelhaftfurchtbar

GWB

fabelhaft·furchtbar

fabelhaft-furchtbar wie fabelhaft 2 b α Höhle. .. als Aufenthalt einer fabelhaft-furchtbaren Drachenbrut 24,306,5 Wj II 7 Gert Liebich G. L.

fabel als Zweitglied (2 von 2)

Hauptfabel

Adelung

haupt·fabel

Die Hauptfabel , plur. die -n, die vornehmste oder wichtigste Erdichtung, welche in einem Gedichte zum Grunde lieget, und worauf sich die üb…

Nêbenfabel

Adelung

neben·fabel

Die Nêbenfabel , plur. die -n, eine der Hauptfabel nach- und untergeordnete Erdichtung in einem Gedichte, welche auch die Zwischenfabel gena…

Ableitungen von fabel (3 von 3)

FABELE

BMZ

FABELE , FAVELE stswf. fabel, das womit man sich unterhält; lat. fabula . — fabel unde mære sagen krone 273. a Sch. dô in gemeiner favele di…

Gefabel

Campe

Х Das Gefabel , des — s , o. Mz. s. Ge — 2. 2).

Urfabel

GWB

Urfabel [bisher nicht publizierter Wortartikel]

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APA
Cotta, M. (2026). „fabel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/fabel/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „fabel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/fabel/meyers. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „fabel". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/fabel/meyers.
BibTeX
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