Ballade mehr als 90 Belege, doppelt so häufig wie der konkurrierende Ausdruck ‘Romanze’; Tendenzen in Richtung einer terminolog Abgrenzung iZshg mit allg Geschichte u Theorie beider Gattungen1) sowie im Rahmen eigner Dichtungen u Studien; erster Beleg 1771 in Form u erweitertem Bezug Frühbeleg im Deutschen2) Gattungsbezeichnung für erzählendes Ged handlungs- u stimmungsgetragenen, oft episod Inhalts, lakon Stils, liedhaften Charakters (Reim, Strophe, Refrain), zu Vortrag u Vertonung geeignet, oft wechselnd mit Ausdrücken wie ‘Romanze’, ‘Volkslied, -gesang’, ‘Heldenlied’, ‘Legende’ ua; selten in Sturm-u-Drang-Epoche u Frühweim Zeit, im Zeichen eines vorwiegend weltanschaulich-ästh Interesses an naturhafter, volksnaher Dichtung, mBez auf altengl-schott Volksballade u dt balladeskes Volkslied (später auch ‘Romanze’ genannt), einmal — iZshg mit Wiederbelebung alter Volkspoesie in Übs u Neuschöpfung — neben ‘Romanze’ u ‘Bänkelgesang’ zugl mBez auf eignes Ged (sonst in vorklass Zeit für eigne Werke dieses Genres nur ‘Lied’ u ‘Romanze’) die Relicks [ThPercy, Reliques of Ancient English Poetry consisting of Old Heroic Ballads, Songs, and other Poems of our earlier Poets3); vgl Balladenrhythmus] und Ossians schottisches machen ganz verschiedne Würckung .. Die deutschen B-n werden Sie haben B(DjG32,67,21) Herder [Sept 71] [vgl aus Elsas zwölf Lieder .. aus denen Kehlen der ältesten Müttergens aufgehascht .. ihre Enckel singen alle: ich liebte nur Ismenen B(DjG32,63,24ff] [Gonzalo:] da ging’s dem Bauern wohl, und da hatt’ er immer ein Liedchen .. und der Herr .. sang’s auch .. die alten Lieder, die Liebeslieder, die Mordgeschichten, die Gespenstergeschichten .. aber heut zu Tage lacht man einen mit aus. [Crugant:] Nicht so sehr .. Der allerneuste Ton ist’s wieder, solche Lieder zu singen und zu machen .. Alle B-n, Romanzen, Bänkelgesänge werden jetzt eifrig aufgesucht, aus allen Sprachen übersetzt. Unsere schönen Geister beeifern sich darin um die Wette .. .. [singend:] Es war ein Buhle frech genug GWB38,155,11 Claud1 [vgl Balladen- u Volksliederepoche] GWBB3,134,12 ChStein [15.2.77?] GWB22,91,8 Lj IV 16 ~ 52,250,8 ThS VI 11 zunehmender Gebrauch (u Bevorzugung gegenüber ‘Romanze’) einsetzend mit dem Balladenjahr 1797, im Zeichen der normativen Klassik, bes iZshg mit gattungstheoret Studien u Versuchen einer Weiterentwicklung des als ursprüngl ‘nordisch’ empfundenen Typs durch Einbeziehung neuer, bes spätantiker ua Stoffe u Vertiefung des Ideengehaltes, vorwiegend mBez auf Schillers u eigene Ged4), einmal im Gruppentitel Zugleich haben sich eine Idylle, einige B-n [Schatzgräber, Braut vKorinth, Gott uBajadere5)], und andre Liederarten eingefunden GWBB12,153,4 CarlAug 12.6.97 Da ich durch meinen Faust bey dem Reimwesen gehalten werde, so werde ich gewiß auch noch einiges liefern; es scheint mir .. ausgemacht daß meine Tieger und Löwen [Stoff der späteren ‘Novelle’] in diese Form gehören, ich fürchte nur fast daß das eigentliche Interessante des Sujetes sich zuletzt gar in eine B. auflösen möchte GWBB12,170,21 Schiller 27.6.97 in den diesjährigen Almanach mehrere B-n zu geben und uns, bey dieser Arbeit, über Stoff und Behandlung dieser Dichtungsart selbst aufzuklären GWBB12,192,2 Meyer 14.7.97 schick ich Ihnen, damit Sie .. recht nordisch empfangen werden, ein paar B-n .. die erste von Schillern, die zweyte von mir [Braut vKorinth] .. daß wir, indem wir Ton und Stimmung dieser Dichtart beyzubehalten suchen, die Stoffe würdiger und mannigfaltiger zu wählen besorgt sind GWBB12,200,7 Meyer 21.7.97 Die B-n folgen zurück, sie sind beyde sehr gut gerathen .. dem christlichen Drachen .. der Bürgschaft6) GWBB13,266,12 Schiller 5.9.98 eine Production [‘Die erste Walpurgisnacht’] .. durch den Gedanken entstanden: ob man nicht die dramatischen B-n so ausbilden könnte daß sie zu einem größern Singstück dem Componisten Stoff gäben GWBB14,166,23 Zelter 26.8.99 B-n und Romanzen GWB1,367 Titel Var [B-n GWB1,159]7) uö häufig nach der Jahrhundertwende mBez auf zeitgenöss, bes eigene, auch Gegenwartsstoff u humorist Elemente einbeziehende Kunstballaden, einmal beispielhaft als Titel, sowie auf altdt, -schott, -engl, -dän u neugriech Volksballaden (bei gelegentl Schwanken deutl Vorrang vor dem auf best Formen zurückgedrängten Konkurrenzausdruck, einmal sogar zur Bezeichnung der span Romanze); — zugl bei vertieftem hist Interesse an Nationalkulturen u fortdauernder Beschäftigung mit gattungstheoret Problemen Entdeckung Iyr, ep u dramat Züge in der Volksdichtung u in Anknüpfung an natwiss-morph Vorstellungen (‘Typus’, ‘Urpflanze’) Bestimmung der Balladengattung als ungetrennte Einheit der drei ‘Grundarten’ der Dichtung u Keimzelle (‘Ur-Ei’) der Poesie Rattenfänger .. Zuckt auf’s Bänkelsängerische .. .. Herr von Falkenstein .. Von der guten, zarten, innigen Romanzenart .. Herr Olof .. Unschätzbare B. .. Der eifersüchtige Knabe .. Das Wehen und Weben der räthselhaft mordgeschichtlichen Romanzen .. .. Abendlied .. von der recht guten lyrisch-episch-dramatischen Art .. Der Graf im Pfluge .. Gute B., doch zu lang .. .. Diese Art Gedichte, die wir seit Jahren Volkslieder zu nennen pflegen .. sind .. wahre Poesie .. unsere Vorliebe für diejenigen .. wo lyrische, dramatische und epische Behandlung dergestalt in einander geflochten ist, daß sich erst ein Räthsel aufbaut und sodann .. epigrammatisch auflös’t GWB40,349,7 u 352,16 Anz:Knaben Wunderhorn [1806] [vgl Balladenart] über den Fund neugriechischer B-n (so mögen sie genannt werden) GWBB26,25,20 Meyer 5.7.15 [vgl (sogenannte) Volckslieder .. das köstlichste, in dem Sinne der lyrisch, dramatisch, Epischen Poesie .. (und doch also Volckslieder) GWBB26,24,14ff August [5.7.15]] Es gibt nur drei echte Naturformen der Poesie: .. Epos, Lyrik und Drama .. In dem kleinsten Gedicht findet man sie oft beisammen, und sie bringen eben durch diese Vereinigung im engsten Raume das herrlichste Gebild hervor, wie wir an den schätzenswerthesten B-n aller Völker deutlich gewahr werden GWB7,118,9 DivNot Naturformen dDichtung [1819] Die B. hat etwas Mysterioses, ohne mystisch zu sein .. Das Geheimnißvolle der B. entspringt aus der Vortragsweise. Der Sänger .. bedient sich .. aller drei Grundarten der Poesie .. er kann lyrisch, episch, dramatisch beginnen und .. die Formen wechselnd, fortfahren .. Der Refrain .. gibt dieser Dichtart den entschiedenen lyrischen Charakter .. ließe sich an einer Auswahl solcher Gedichte die ganze Poetik .. vortragen, weil hier die Elemente noch nicht getrennt, sondern wie in einem lebendigen Ur-Ei zusammen sind, das nur bebrütet werden darf, um als herrlichstes Phänomen auf Goldflügeln in die Lüfte zu steigen GWB411,223,6u9 Üb:Ballade [1821] B. GWB3,3 Titel8) Tgb 20.5.09 [vgl Johanna Sebus .. die am 13. Januar 1809 .. Hülfe reichend unterging GWB2,36 Titel] GWBB23,352,6 August 22.5.13 [vgl Der Todtentanz GWB1,208 Titel dafür auch ‘Totentanzlegende’ u ‘Romanze’] GWBB28,380,25 Niebuhr [16./17.4.17] K [vgl Der getreue Eckart GWB1,206 Titel dafür auch ‘Geisterlegende’, ‘Thüringerwaldsmärchen’ u ‘Romanze’] Tgb 24.5. u 22.u.23.6. u 7.9.22 [vgl Neugriechisch-epirotische Heldenlieder GWB3,213 Titel] GWB412,71,27 Rez:SpanRomanzen [1823]9) uö Syn GWBRomanze vgl GWBBänkelgesang GWBBänkelsängerlied GWBErzählung(dichterische E.) GWBGedicht(erzählendes G.) GWBHeldengesang GWBHeldenlied GWBLegende Volksgesang Volkslied 1) Zur Entstehung der dt Kunstballade aus einer Mischung von Romanze (ursprüngl span-frz, in Deutschland mit Bänkelgesang verbundene Kunstballadenart, vgl G-s ‘Pygmalion, eine Romanze’ GWB37,39 [1767]) u Volksballade vgl WKayser, Geschichte der dt Ballade, 1936,67ff u RL2 s v Kunstballade u Romanze 2) Ältere Belege ab Mitte 18. Jh nach engl ballad tragen noch fremdspr Charakter u bezeichnen nur altengl-schott Balladen (Ausnahme Bürgers ‘Stutzerballade’ 1770) 3) Titel der 2. Aufl 1767; vgl ebd Kolumnentitel ‘Ancient Songs and Ballads’, häufig Untertitel ‘(Scottish) Ballad’, daneben auch assonierende ‘Spanish ballads’ (“They call them in their language Romances” 1,335 ebd) 4) 1797 in Tgb u Br — auch entgegen Schillers Bezeichnung ‘Ballade’ (Schiller an G 2.u5.5.97, Briefw ed Gräf/Leitzmann 1,330—334) — zunächst noch ‘Romanze’, ab Mitte Jun in Br Übergang zu ‘B.’ (wohl iZshg mit der Diskussion üb Geschichte, Stoff u Form der Gattung); vgl Anm 5u6 5) in Tgb u Br zw 4. u 9.6. die zweite noch ‘Vampyrisches Gedicht’ u ‘Gespensterromanze’, die dritte ‘Indische Romanze’ genannt; im Erstdr Musenalmanach 1798 G-s Balladen teils ohne Untertitel (Schatzgräber), teils als ‘Romanze’ (Braut vKorinth; Zauberlehrling nur in Inhaltsverz), teils als ‘Indische Legende’ (Gott uBajadere) erscheinend, hingegen Schillers Ged dieser Gattung 1798 fast alle als ‘Ballade’ 6) beide als ‘Romanzen’ im Musenalmanach 1799, in dem auch sonst der Titel ‘Ballade’ nicht vorkommt! 7) Ausg Unger 1800 u Cotta 1806 noch ‘B-n und Romanzen’ (vielleicht erste Bezeichnung mBez auf strengere Form der neuen Ideenballaden mit dramat Handlungsablauf, zweite im Hinblick auf losere liedhafte Formen, zB ‘Gespräche in Liedern’, u auf ältere Ged der Gattung), ab Ausg Cotta 1815 nur noch ‘B-n’ (zu Inhalt u Anordnung vgl Goedeke IV,33,5f u 9) 8) “Die Kinder sie hören es gerne” in Ausg.l.H. nicht unter ‘B-n’, sondern Eingangs-Ged der Gruppe ‘Lyrisches’ 9) In der Übs von Beauregard Pandin [KFJariges] nur gelegentl Nachbildung der echten Romanzenform mit AssonanzChrista Dill Ch. D.