lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Ballāde

nhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
10 in 8 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
4
Verweise raus
12

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Ballāde

Bd. 2, Sp. 305
Ballāde, eine episch-lyrische Dichtungsgattung, der Romanze (s. d.) entsprechend. Der Name findet sich zuerst bei den Provenzalen, wo balada (von balar, »tanzen«) soviel wie Tanzlied bedeutet, d. h. ein von den Tanzenden selbst während des Tanzes gesungenes Lied. Der provenzalischen balada entspricht die altitalienische ballata, die altfranzösische balete. In der französischen Literatur wurde dann unter ballade ein Gedicht in einer bestimmten Form verstanden: drei Strophen, durchgereimt, ihre letzte Zeile bildet Refrain; eine kürzere vierte Strophe, das sogen. envoi, entspricht metrisch dem Schluß der Strophenform und wird meist mit dem Worte Prince eingeleitet. Diese Art der B. hat vom Ende des 13. Jahrh. bis ins 16. Jahrh. die französische Literatur dermaßen beherrscht, daß jede andre Form dagegen zurücktritt; sie ist dann vereinzelt bis auf unsre Zeit (z. B. von Lafontaine und Théodore de Banville) angewendet worden. In England wird das Wort B. (ballad) noch heute synonym mit rondeau oder song gebraucht. Für uns hat es im letzten Drittel des 18. Jahrh. seinen besondern Sinn gewonnen hauptsächlich durch die Eigenart nordischer Volksballaden (»popular ballads«), die den Menschen im Kampf mit Menschen oder übermächtigen, unheimlichen Naturgewalten ringend und untergehend darstellen. Es haftet demgemäß für uns an der B. etwas eigentümlich düster Gewaltiges im Gegensatze zu der mehr heitern, farbenprächtigen Romanze. Doch ist eine scharfe Grenze zwischen beiden Gattungen nicht zu ziehen. Zu jenen nordischen Balladen gehören vor allem die sogen. Border-ballads, die Kämpfe und Ereignisse auf der Grenzmark zwischen England und Schottland besingen, zuerst von Percy (1765) wirksam veröffentlicht und danach z. T. durch Herder (»Dein Schwert, wie ist's vom Blut so rot, Edward«) dem deutschen Volke zugänglich gemacht wurden. Aus diesen ist in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. die moderne deutsche B. herausgewachsen, die in Goethe (»Erlkönig«, »Fischer«), Schiller (»Taucher«, »Ritter Toggenburg« etc.), Uhland (»Das Schloß am Meer«), Heine (»Die beiden Grenadiere«, »Belsazar«, »Loreley«) u. v. a. glänzende Blüten trieb. – In der Musik ist die B. die Komposition eines Gedichts, das auf den Namen B. Anspruch hat, für eine Singstimme (mit Instrumentalbegleitung) und taucht als solche in der Musikliteratur gegen Ende des 18. Jahch. auf, wo Joh. Andre, Fr. Reichardt und K. Fr. Zelter, besonders aber Zumsteeg die Balladen Bürgers, Schillers und Goethes in Musik setzten; doch blieb es dem genialen Franz Schubert vorbehalten, den eigenartigen ästhetischen Wert der B. (»Erlkönig«, »König in Thule«, »Der Fischer«) musikalisch zu erschließen. Auch Bernhard Klein gehört unter die ersten Balladenkomponisten (»Erlkönig«). Der Spezialmeister dieser neuen Form wurde aber Karl Löwe, dem es gelang, die Einheitlichkeit der musikalischen Gestaltung durch die dem Volkslied abgelauschte refrainartige Durchführung eines plastischen melodischen Hauptgedankens zu gewinnen, ohne doch darum die von Zumsteeg und Schubert ausgebildete Charakteristik im einzelnen aufgeben zu müssen (»Odins Meeresritt«, »Oluf«, »Archibald Douglas«, »Der Nöck« etc.). Von neuern Balladenmeistern ist besonders noch Robert Schumann zu nennen (»Die beiden Grenadiere«, »Die rote Hanne«, »Belsazar«), der indes über Löwe und Schubert nicht eigentlich hinauskam, aber eine erweiterte Form der Balladenbehandlung unternahm, nämlich die für Soli, Chor und Orchester (»Das Glück von Edenhall«, »Des Sängers Fluch« u. a.), die Form damit in die des weltlichen Oratoriums auflösend. Instrumentalwerke mit der Bezeichnung B., für Klavier (Chopin, Brahms), für Orchester (H. v. Bülows »Des Sängers Fluch«) oder ein Soloinstrument mit Orchester gehören zur darstellenden, charakteristischen (Programm-) Musik. Vgl. Spitta, Musikgeschichtliche Aufsätze (Berl. 1894).
3862 Zeichen · 60 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    balladef.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    ballade , f. eigentlich tanzlied, wofür ehmals das bessere deutsche leich zu gebot stand.

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Ballade

    Goethe-Wörterbuch

    Ballade mehr als 90 Belege, doppelt so häufig wie der konkurrierende Ausdruck ‘Romanze’; Tendenzen in Richtung einer ter…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Ballade

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Ballade , s. Romanze .

  4. Spezial
    Ballade, französischef

    Dt.-Russ. phil. Termini · +3 Parallelbelege

    Ballade , f , französische баллада , ж , французская

Verweisungsnetz

23 Knoten, 15 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 13 Sackgasse 9

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ballade

11 Bildungen · 11 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von ballade

balladen + -e

ballade leitet sich vom Lemma balladen ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von ballade 2 Komponenten

ball+ade

ballade setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ballade‑ als Erstglied (11 von 11)

Balladenart

GWB

balladen·art

Balladenart mBez auf die bes nationale Ausprägung der Gattung Schwere Wacht [ Liedergruppe ] .. Zieht .. in das .. Minnesängerwesen herüber …

Balladenindividuum

GWB

balladen·individuum

Balladenindividuum Einzelballade, in bildhafter Vorstellung als spezif geprägtes Produkt des Dichters, zugl Vertreter der Gattung (‘Familie’…

Balladenpoesie

GWB

balladen·poesie

Balladenpoesie ‘Balladen-Poesie’ in Titelwiedergabe Tgb 29.5.24 [ s Balladenwesen b u Anm 2 ] Christa Dill Ch. D.

Balladenrhythmus

GWB

balladen·rhythmus

Balladenrhythmus mBez auf das relativ regelmäßige, meist jamb od anapäst Versmaß der Balladen in ThPercys ‘Reliques of Ancient English Poetr…

Balladenstudium

GWB

balladen·studium

Balladenstudium mBez auf intensive Beschäftigung mit Theorie der Gattung u eignes dichter Schaffen im Balladenjahr 1797 habe ich mich entsch…

Balladen- und Volksliederepoche

GWB

Balladen- und Volksliederepoche literarhist mBez auf in den 70er Jahren aufkommendes Interesse für (altengl-schott) Balladen u für Volkslied…

Balladenversuch

GWB

balladen·versuch

Balladenversuch Pl für (in Verbindung mit gattungstheoret Studien unternommene) dichter Experimente Unsere Balladen-Versuche habe ich in die…

Balladenwesen

GWB

balladen·wesen

Balladenwesen auch ‘Balladen-Wesen’ a idVbdg ‘Balladenwesen und -unwesen’ für Schillers u G-s wetteifernde Balladenproduktion in Verbindung …

balladesk

Pfeifer_etym

Ballade f. ‘episch-lyrisches, dramatisch verlaufendes Strophengedicht’. In dieser Bedeutung seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. üblich, als um 1…