begeben ,
tradere, dimittere, deserere, hingeben, aufgeben, ahd. pikepan, bigeban (Graff 4, 117),
mhd. begeben (Ben. 1, 503),
nnl. begeven.
weder goth. ags. noch alts., sondern goth. gilt dafür usgiban (
ahd. arkepan,
mhd. nhd. ergeben),
ags. âgifan,
alts. âgeban.
schon im einfachen geben
liegt ein aus der hand geben, von sich geben, hingeben, welchen begrif die vorangestellten partikeln leise bestimmen. die bedeutung von begeben
schwankt zwischen einem positiven hingeben, ergeben, und einem negativen hingeben, weggeben, fahren lassen; auf ähnliche weise war aufgeben
zweideutig. im ganzen scheint ergeben
etwas stärker als begeben, ergeben
ein aus sich geben, begeben
ein bei,
neben, zur seite geben. 11)
transitiv, mit acc. der person oder sache. 1@aa)
hingeben, übergeben, ergeben, widmen: ich prediger war könig über Israel und begab mein herz (
gab mein herz hin, vulg. proposui in animo) zu suchen und zu forschen weislich alles was man
unter dem himel thut.
pred. Sal. 1, 13; auch begebet nicht der sünde ewre glieder zu waffen der ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst gotte.
Röm. 6, 13; begebet auch nu ewre glieder zu dienste der gerechtigkeit. 6, 19; ich ermane euch, das ir ewre leibe begebet zum opfer (
goth. bidja izvis usgiban leika izvara saud). 12, 1; welche ir herze nur auf reichtuome begeben (
hinwenden). Melissus
ps. X 2
a.
dies begeben
erlischt später, denn wenn Claudius 4, 95
sagt: ein mann, der sein herz begab zu suchen,
so ist das biblischer stil, nach dem prediger. Noch gilt begeben
im sinne von hingeben, verkaufen, z. b. von welcher anleihe am 7 sept. zu Harrisburg etwa 3½ mill. dollars zu 102 begeben wurden.
Bremer handelsbl. 1852
no 54.
kaufmännisch, einen wechsel begeben,
verkaufen, absetzen, was in die folgende bedeutung übergeht: Berliner ist immer gut zu begeben, Pariser war heute nicht zu begeben. 1@bb)
hingeben, aufgeben, fahren lassen, verlassen: so merket selber was ir begeben habet. Luther 3, 192; man solle kein vortheil begeben, es sei wie klein es sei. 3, 325
b; das sie bedinget, sie wollen nichts von der confession begeben haben.
br. 5, 354; an denen orten, da es die materi begeben hett davon zu schreiben. Reuchlin
augensp. 3
b; kein mensch mag mich erfrewen, denn ich bin trawriglich, die ich eins pflag zu freien, die hat begeben mich.
Ambr. lb. s. 204; ire schwerter an den seiten, die sie nit begeben (
ablegen, abgeben) wolten.
Aimon m; ich schetz euch vor doren und unweis, das ir den felsen, welcher ein behaltnus ewers lebens gewesen ist, begebent. o; lasz noch begib mich nicht. Melissus
ps. Ll
a 2
a; begebt das saufen und das fluchen. Ringwald
tr. Eckh. G 4
d; begebet ewren bösen brauch mit dem gesäuf!
laut. warh. 60; besser gut und blut begeben. 390; das ich beschlossen hab, euch leiblich zu begeben, wil morgen von euch scheiden ab.
evang. S 4
a; der papst neme kein königshaupt, das er sein hauptmanschaft umb das geringst begebe.
bienenk. 127
a; so reuen mich meine bulfrauen, die ich warlich nicht kan begeben. Ayrer
fastn. sp. 81
a; und euch gar nichts versäumet oder begeben (
vergeben) habe. Ayrer
proc. 1, 9; denn was einer einmal begibt, ist demnach nicht mehr sein. 3, 4; wann das glück uns plötzlich hat begeben, so leszt uns doch die kunst nicht eher als das leben. Opitz 1, 317; in dem der wilde Mars mich hat des Neckers reben und meine Sylvien verursacht zu begeben. 2, 41; gib aus als soltest du die welt bald bald begeben, sei karg als würdest du noch lange lange leben. 2, 451; so wollen wir dich nicht begeben, erhalt uns, dasz wir dich erheben.
ps. 157; was hilft es ferner dann, ob ich disz todte leben soll langsam oder bald, alt oder jung begeben, die weil es endlich doch will überlassen sein? Opitz
in funebria trium Davidis Mulleri liberorum. Bregae 1632. E 4; wenn wir denken recht zu leben, mussen wir den geist begeben (
reddere spiritum), wie der bleiche tod es heiszt. Tscherning 328; o ruh, wo dich der geist auf kurze zeit begeben. Gryphius 1, 457; nechst als ich durch die nacht voll wehmut, schmerz und angst in überhäuften sorgen gleich dem getheilten licht der Delien gewacht, begab mich kraft und sinn bei nunmehr nahem morgen. 2, 79; so liegt ohn unterscheid, wenn uns der geist begiebt. 2, 508; (
bücher) sind meine besten freund, und solt ich die begeben, eh geb ich alle welt, eh geb ich auch das leben. Logau 1, 5, 2; dasz ihn und mich ich nicht mehr lieben kann, und was ich vor gesucht, itzund nun wil begeben. Hofmannsw.
getr. sch. 19.
mhd. ouch begap in keine stunde der ritter, der in schunde.
krone 16251; sêle, nu begip mich! 17291.
im 18
jh. erlosch diese anwendung des wortes begeben,
und wir gebrauchen an seiner statt aufgeben, hingeben, dahingeben. 1@cc)
die bedeutung des part. praet. begeben
kann zweifelhaft sein. entweder drückt es aus blosz gegeben, oder hingegeben, verlassen, oder kann auch zu dem folgenden sich begeben
gehören: und ich bitte auch untertheniglich, nicht allein die christen zu Bamberg sondern allenthalben wollten solch begeben (
gegeben) urteil annehmen und zwischen mir und dem bapst richten. Luther 2, 186
b; als vermesz ich mich zu hoch, das ich verachter, begebner (
verlassener, aufgegebner) mensch solche hohe und grosze stende thar anreden. 1, 288
a; dir als einem begebenen und verurtheilten, erklerten man. 3, 189
b; wenn sind mehr privilegia geschehen begebener person, denn seit deinem herfür gebrachten evangelio? 3, 191. ein begebner mensch
bezeichnete einen, der sich der welt begeben hat und ins kloster gegangen ist. mhd. Ben. 1, 503
b.
bemerkenswerth, mit zittern begeben =
befallen, umgeben. Kirchhof
wendunm. 234. 22)
reflexiv, sich begeben, 2@aa)
cedere, concedere =
abire, venire. begeben
ist hingeben, sich begeben wohin, dahin begeben,
wie aus dem franz. rendre
ein se rendre à
wird, aus dem verlassen des einen orts das gelangen an einen andern folgt, und das lat. cedere
nicht blosz de loco, sondern auch ad locum bezeichnet, d. h. cedere
bald decedere, recedere, abire, bald accedere, concedere, venire ist. der die welt begebende,
räumende begibt sich
ins kloster, in den himmel, erreicht einen neuen aufenthalt, und oft verbinden sich mit diesem begeben
die praep. in
oder auf, zu
oder nach.
beispiele solches räumlichen sich begebens: ob auch gleich iemand ohn schif ins meer sich begäbe.
weish. Sal. 14, 4; und Bacchides volk war nicht so kühne, das sie sich ins wasser begeben hätten. 1
Macc. 9, 48; da er aber sahe, das das volk eine scheu hatte sich ins wasser zu begeben. 16, 6; begab er sich an einen befreiten ort. 2
Macc. 4, 33; sich bewafnen und zu ros begeben.
Garg. 250
b; sich aus dem bett begeben.
Simpl. 3, 357; als ein traum entweicht, wenn sich die nacht begeben (
fortbegeben hat) und nun der mond erbleicht. Gryphius 2, 178; hernach haben sich viel gelehrte Griechen in Italien begeben. Opitz 1, 7
a; der Tigris begibt sich unter Babilon in den Euphrat.
pers. rosenth. 7, 6; am selben orte, da sich der strom in die weisze see begibt. 3, 1; sich, um zu baden, ins wasser, in den strom begeben.
Lokman fab. 25; begaben sich auf die streue (
aufs strohbett).
unw. doct. 780; Lucinde kömmt.begieb dich gleich von hier! Gellert 3, 108; begib dich zurück!
concede retro! ich begebe mich aufs land, in den wald, in die stadt; der könig begab sich von Berlin nach Potsdam; die fürstin begab sich in die hintern zimmer. Göthe 15, 301; sich zu schiffe, zur see, zur ruhe, in den ehstand, auf die wanderschaft begeben.
heute sehr gebräuchlich und weniger steif als sich verfügen,
aber vornehmer als das einfache gehen. 2@bb)
das vorige begeben
abstract genommen: denn was ists, das ir euch begebt (
damit abgebt), die halstarrigen sophisten zu schweigen oder überwinden? Luther 2, 118
a; achte ich, die fürsten weren nicht schüldig, eim iglichen zu sagen, was sie bewegt, noch sich in recht mit ihm zu begeben (
einzulassen). 3, 49
b; das unsere bawern zum friede und freundlichen vertrag sich begeben wolten. 3, 105
b; ich weisz auch nicht, ob der einen rechten lebendigen glauben habe, der nicht so viel leiden oder sich zu leiden begeben wil, das er für einem menschen zu schanden werde. 1, 517
a; wie weit e. g. sich begeben und reumen solle (
wie weit gehen, sich einlassen, zurückgehn?). 3, 90.
br. 3, 72; das die unsern zu Augsburg sich sollen etwas zu weit begeben haben (
zu weit gegangen sein). 5, 139
a; ja auch niemand auf sich selbs begeben soll (
auf sich selbst zurückgehn, sich verlassen).
br. 1, 597; wie das man die schwestern nöthigen wil, sich nach des pfarrherrs und predigers meinunge zu begeben (
auf des pf. meinung einzugehn). 4, 333; so ist der könig noch nicht dahin gekommen, das er sich auf Christum den herrn begebe (
verlasse, recedat). Melanchth. 3, 777; wer sich zu weit darein begeit (
einläszt). Schwarzenb. 152, 2; wil mich aufs lesen ganz begeben (
zurückziehen). Wickram
bilger D 2; und Ulenspiegels muoter, die was fro, das ir sun so stil was, und straft in, das er kein hantwerk wolt lernen. da schweig Ulenspiegel stil. da liesz die muoter nit nach in zu strafen. da sprach Ulenspiegel, liebe muoter, warzuo sich einer begibt, des wirt im sein lebtag genuog.
Eulensp. cap. 5 (
in den späteren ausgaben: wozu sich einer begibt, das gibt im sein lebtag. genug; wie man seine sach anfängt, so gehts einem hinaus); man muosz nit zu vil schlafen, sich nicht begeben auf die unkeuscheit, nit auf fresserei, wein und faulheit.
Petr. 194
b; und nimpt mich wunder, das man sich bei uns nit darauf begibt (
damit abgibt, dieses kraut zu füllen). Seuter 94; er hett sich auf der Alexandriner sitten und leben ganz begeben (ad mores Al. vitamque deficere). Fronsp. 3, 229
b; und sich begeben zu erkennen gottes gesetze. Melissus
ps. A 1
b; das wir uns ganz und gar dahin begeben, dich höchlich zu preisen. M 2
b; die sich auf alkestisch für ihren mann darf inn tod begeben.
Garg. 69
b; derhalben begaben sie sich ohn alle ordnung in die flucht. 265
b; dasz du dich gegen einem kaiser darfst in die wehr begeben. Philand. 1, 565; unbedachtsam ich mich begab wol mit der keiserin breutigam. Ayrer 235
a; eh er sich ans licht begab. Logau 2
s. 47; wer sich zum krieg begibt, spielt umb sein eigen blut.
pers. rosenth. 1, 4; aber bald begab er sich wieder in neue laster. 3, 7; in der ersten blüte meiner jugend habe ich mich auf das lieben begeben. 5, 10; sich mit einem in zank und streit begeben. 7, 20; sich aufs betteln begeben. 7, 2; der heischer (
bettler) begab sich aufs verleumbden.
pers. baumg. 4, 12; allen den papisten, welche sich zu unserer religion begeben würden. Schuppius 579; begebt euch mit allem fleisz auf die arithmetic. 29; da sie sich aber auf den luxum begaben und marmorsteinerne häuser baueten. 126; er sich in alles unglück gedultig begab (
ergab). Weise
kl. leute 31.
heute nur noch üblich in den redensarten sich auf die flucht, in den streit, in den krieg, in die gefahr begeben =
gehn. vgl. unter a. 2@cc) sich begeben,
mit gen. der sache, bedeutet bei älteren was sich auf
oder in etwas begeben: da sollen sie nicht sich des begeben, seiner tyrannei executores zu sein. Luther 4, 314
b; sich des beide vereinigten und begaben.
Bocc. 1, 110
a; da hat es sich nun begäben, dasz denen von Glaris ir pfarrer mit tod abgieng und sie um Ulrichen Zwingli warbent, das er sich dessen begäbe (
darauf eingienge) ir pfarrer zu werden. Bullinger 1, 7.
meistentheils aber sagt es aus auf etwas verzichten, einem entsagen, es aufgeben, also was 1,
b, doch Luther
setzt nur begeben
mit acc., nicht sich begeben
mit gen., wofür hier andere belege folgen: gnediger herr, wes begebent ir euch?
Aimon i; das leichte federvieh verläszt die warmen nester begibt sich ihrer burg, der halbbegrünten äster, spatziert durch freie luft. Fleming 149; schaut wie in eil das traurspiel sich verkehr, der feldherr selbst begibt sich der verführten heer. Gryphius 1, 275; wenn ich mich der welt begebe (= die welt begebe). Günther 70; hast du dich der Dylama begeben?
Pierot 2, 26; gegen die freiheit, deren sie sich in diesem augenblicke selbst begaben. Wieland 2, 121; dasz er sich aller andern beschäftigungen begeben habe. 2, 240; Dionysius hatte wenig lust, sich einer gewalt zu begeben. 2, 288; Trebisond selbst fieng wieder an zu grünen, der kurz zuvor sich aller hofnung begab. 4, 121; man müste der welt sich begeben, um nicht mit männern wie er, und mit noch schlimmern zu leben. 5, 88; ihr erster anblick wird dir allen mut benehmen, dem mann, der schon sieben jahre im besitz eines solchen kleinods ist, länger zuzumuten, dasz er sich dessen freiwillig begeben solle. 8, 398; wenn die guten fürsten geniusse sind, die der tafel, wo der nektar rinnt, sich begaben. 9, 149; hierdurch aber vergibt er jenen hohen vorzügen sehr und am ende begibt er sich ihrer gänzlich. Göthe 26, 297; dasz man gern der eifersüchtigen grillen sich begibt. Bettine
br. 1, 168; mein recht begibt sich jedes grundes. Platen 99. 2@dd) sich einem begeben,
ergeben: wisset ir nicht, welchem ir euch begebet zu knechten in gehorsam, des knechte seid ir.
Röm. 6, 16; das sie sich dem einigen teil so ganz und gar begeben und verbinden solten. Luther 5, 315
b. 2@ee) die sache begibt,
meist unpersönlich, es begibt sich,
ergibt sich, geht vor, geschieht, trägt sich zu, franz. il arrive,
ganz im sinne von a: esz hat sich begeben, das ein knecht ... bei vierhundert gulden gestolen hatte.
Magdeb. weisth. (
a. 1469)
s. 105; es begab sich aber nach etlichen tagen.
1 Mos. 4, 3; und es begab sich, da sie auf dem felde waren. 4, 8
und so fort, in Luthers
bibel überaus oft; zuletzt sich begabe.
Bocc. 2, 180
b; begeb sich dann schon, das mir an zehrung abgehen würde.
Galmy 197; was begibt sich aber weiter?
bienenk. 26
b; disz gestech begibt sich das mehrertheil bei liecht und nebel.
Garg. 259
a; es begab sich.
pers. rosenth. 2, 28; wenn das widerspiel sich begeben hätte. 3, 9; es kann sich ein wunderwerk begeben. 7, 20; es begab sich selten, dasz er jemanden ins kabinet führte. Klopstock 12, 138; welches wunder begibt sich? Schiller 83
a; was sich nie und nirgends hat begeben, das allein veraltet nie. 52
a. 2@ff)
für sich begebend, sich begeben
steht hergebrachterweise blosz begebend
und begeben: dahingegen obligierten sie sich, ihme auf alle begebende gelegenheit mit darsetzung guts und bluts bedient zu sein.
Simpl. 2, 258; auf begebende neue emergentia und zweifelhafte händel. Schuppius 44; da sie von ihrer mutter auf begebenden sterbefall noch eine ziemliche erbschaft zu hoffen hatte.
Felsenb. 2, 10. ein begeben mensch
hiesz einer der ins kloster gegangen ist; eine begebene jungfrau,
eine nonne.