Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
erbe swM.
1.1 theologisch ‘Erbe Gottes’
1.2 übertr. ‘Kind, Nachkomme’
2 in Wendungen
2.1 häufig mit Attributen zur Hervorhebung oder Verdeutlichung der Erbberechtigung (vgl. WMU 1,487f. und DRW 3,49-51), z.B.
2.2 in Verbverbindungen
2.2.1 gewinnen ‘Nachkommen zur Welt bringen’ (vgl. kint gewinnen )
2.2.2 ûf ~ trëten ‘an den/ die Erben fallen’
2.2.3 âne erben stërben (und ähnliche Formulierungen)
2.3 in der Paarformel unde nachkome(linc)
2.4 als Bestandteil von Titeln und Personennamen
2.5 sprichwörtl. (vgl. TPMA 3,1-5)
2.5.1 Unrechtes Gut erfreut den dritten Erben nicht (vgl. auch TPMA 4,481f. und 5,310f.)
2.5.2 Den Erben freut der Tod des Erblassers
1 allg.: swer da sthirbet, von des guͤtte sol diehein mensche doͮdis reht nemin danne sin erbin UrkCorp (WMU) 1653,22. 747,17; sinen erbin odir di he irkuset zu erbin UrkEberb 2,492 (a. 1306); sô wart besetzet in ir hant, / ob si niht erben bære, / daz Tristan erbe wære Tr 12573; do sprachen si: ‘ditz ist der erib, den schuͤln wir erslahen, so haben wir daz erib vrilichen.’ PrOberalt 70,2; dâvon sô heize ich unde bin / sîn erbe gar mit rehte, / wand ime ist von geslehte / nieman sô nâhe sippe als ich KvWSchwanr 521; BenGeb 39; SpdtL 88,15 1.1 theologisch ‘Erbe Gottes’ die da heißent gotes kint, / reht erben sie sint / dez himels allesampt HvNstGZ 7841; daz unsagelich lone in dem himeliscen trone / habent die gotes erben, die danach wolten werben AvaJG 31,5; die sint oͮch nach sinem gehêizze erbin des hîmelriches Spec 16,7; Lucid 157,11. 158,9; Daniel 373; Eckh 1:167,11 1.2 übertr. ‘Kind, Nachkomme’ fatator ist ain vogel, der ist sô girig nâch seiner gepurt, daz er ê der zeit vor dem lenzen airt, ê der winter ain end nem. dar umb wirt er beraubt seiner erben, dâ zuo er vast eilt, wan seineu air verderbent in dem winter BdN 189,13 2 in Wendungen 2.1 häufig mit Attributen zur Hervorhebung oder Verdeutlichung der Erbberechtigung (vgl. WMU 1,487f. und DRW 3,49-51), z.B.: – êlicher ~ : ob ich aͦn elich erben stvͤrbe UrkCorp (WMU) 463,19; SchöffIglau 125. – (ge)rehter ~ : he sal iz abir alir erist din rechtin erbin bieti Mühlh 141,14; wir inde vnse nakuͦmelinge, die vnse gereithe erven sint UrkCorp (WMU) 70,32. 902,44; dâ wir süne sîn, dâ sîn wir rehte erben Eckh 1:73,3; UrkEnns 6,155 (a. 1335). – lîbes/ lîplicher ~ : lant sie aber libes erben, an die sol ez vallen, als reht ist UrkCorp (WMU) 547,12; wer aber daz ich liplich erben liez UrkWürzb 40,109 (a. 1337). – næher/ næhster ~ : mugen eninkil, daz sint kindeskint, erbeteil behalden an ires eldervaters gut oder nicht? hat ir eldervater keinen nehern erben den si, so behalden si wol mit rechte StRFreiberg 66,21; Herb 122; JSigen 96,11; ist weder vater noch bruoder dâ, sô nement ez die næhsten erben SpdtL 91,10; Mühlh 144,10; Ottok 2323 2.2 in Verbverbindungen 2.2.1 ~ gewinnen ‘Nachkommen zur Welt bringen’ (vgl. kint gewinnen): Abram kund mit sinnen / dheinen erben gewinnen EnikWchr 3598. 20687; ob si beidiv verscheiden, daz si mit enander erben niht gewinnen UrkCorp (WMU) 652,8; SpdtL 89,5. – vgl. auch: her Pêleus, der briutegoum, / und sîn âmîe Thêtis / bejagent hier (des sint gewis) / gar einen clâren erben, / [...]. / diu vrouwe sol gewinnen / ein kint KvWTroj 4567 2.2.2 ûf ~ trëten ‘an den/ die Erben fallen’ inleibiti [l. enlebete ] dan wedir vatir noch mutir noch suestir, so trittiz uf die neistin erbin Mühlh 143,2. 143,16 2.2.3 âne erben stërben (und ähnliche Formulierungen): Lînier daz schaffen wolde, / ob er ân erben sturbe, / daz sîn guot niht verdurbe UvZLanz 1559; Mühlh 143,11; SpdtL 109,12; unde uirsciede er ane erben / so waneden se irsterben Roth 29; ich schaid von hinnen plosser / an erben, ich hab nicht chindt HvBurg 2191; die sich selben sô verswachent / und ir bœsen bœser machent, / ân erben müezen sî vervarn Walth 23,23; ane kint und ane erbin ih var RvEWchr 4386; ich han ein lehen funden in mines mannes gewalt [...], der an erben tode ist [ sine legitimo herede decedentis 23,41] UrkCorp (WMU) 23,34. – ob des [...] Puͦchpergærs hausfrawe den Puͦchpergær uberlebt an erben UrkCorp (WMU) 935,5 2.3 in der Paarformel ~ unde nachkome(linc): unser erben und nachkomen UrkDOKobl 1,399 (a. 1339); das si noch ein chein ir nachchome noch ein chein ir erbe niemer chein ansprach noch vordirvnge sol dran giwinnin UrkCorp (WMU) 767,17. 3307,12; ier erwen und alle ier nachchumling StRBrünn 380 2.4 als Bestandteil von Titeln und Personennamen: wîr Cuͦnrât in romschên kûnc erwelt von der gotes gnade vnde êrbe des kuncrichês ze Jérusalem UrkCorp (WMU) 7,42; wir, Erbe von Schiltenkein ebd. 2501,40; Clawes Friderich, Grôz Erbe, Burchart Pamfile ebd. 2232,38 2.5 sprichwörtl. (vgl. TPMA 3,1-5) 2.5.1 Unrechtes Gut erfreut den dritten Erben nicht (vgl. auch TPMA 4,481f. und 5,310f.): der dritte erbe der wirt selten vro unrehtes guͦtes Meissner 17:14,10; und sehent doch valsch guot selten erben / mit sêlden ûf den dritten erben Renner 6446 2.5.2 Den Erben freut der Tod des Erblassers: vil schiere du irstirbis, / san daz alliz erbis [vererbst] / lachendigen erben Glaub 2520; si lânt uns gerne varn umbe daz guot: sus sint geschaffen unser erben sinne SM:JvR 1: 9,13
MWB 1 1790,37; Bearbeiter: Richter