ER pron. (1)
ahd. er, ir,
mhd. er.
got. is;
lit. jis,
germ. *iz,
*ez,
lat. is.
die formen schließen an einen idg. pronominalstamm *i-
an. aufgrund der weiteren etymologischen verwandtschaft mit air. ē
ist daneben auch ein pronominalstamm *e-
anzunehmen. die gemeingerm. formen *is,
*iz
und *ez
gelten auch als vorstufen zur ausbildung von ae. hē
und as. hē, hi.
es wird angenommen, daß die gemeingerm. pronomina in schwachtoniger position zu *i
bzw. *e
wurden, deren stützung durch übertragung des anlautenden h
aus den instrumentalisformen der dem.pron. *hio,
*hiu
erfolgte. (2)
im dt. sprachraum stehen sich entwicklungsbedingt nd. he, hei
und hd. er
gegenüber (vgl. dt. sprachatlas, karte 48). die ahd. schreibsprachen zeigen im md. raum das nebeneinander von he
und er
sowie das auftreten des als kontaminationsform interpretierten her.
(zu her
in obd. quellen siehe Braune
ahd. gr. § 283a) (3) er
steht als nom.sg.mask. der genusdifferenzierten 3. pers. des personalpronomens neben der form des femininums sie
und der form des neutrums es.
zur historischen bewertung des gesamten flexionsparadigmas der personalpronomina siehe 1DWB III, Sp. 680–682. (4)
enklise des pronomens im dat. und akk. an andere pronomina, im nom. an vorausgehende verba findet sich schriftsprachlich bis ins 16. jh. 1
pronominaler vertreter eines maskulinums im nom.sg. a
wiederaufnahme eines eingeführten maskulinums; hauptgebrauch: E8.jh. meinida dher forasago chiuuisso in dheru christes lyuzilun, huuanda ir uns uuard chiboran, nalles imu selbemu
Isidor 392 ATB. ⟨v1022⟩ ze gote hareton sîe er gemachota daz ungeuuitere ze uuetere Notker
3,3,801 ATB. ⟨u1150⟩ daz Philippus den zins galt/ in Darios gewalt/ dannen uber manegen tach,/ daz was tem sune ungemach./ Darius er wart umbe den selben zins erslagen Lamprecht
Alexander V (1923)483 M. ⟨u1328/38⟩ wer dem richter daz recht nit enhilft sterken, ab ers bedarf, .. der hat getan wider daz riche
keyserrecht 9 E. 1466 saltzzollner Mathis Meges ist bestellt zum saltzol .. er sol auch den zol nieman anstan lassen
nördlinger stadtrechte 432 M. 1562 im ersten buch der koͤnige wird vermeldet auch diese vrsach der zertrennung des koͤnigreichs Salamonis, das er von gott abgewichen vnd andern goͤttern gedienet hat Torquatus
grewel G1b. 1654 wer wenig irren wil, er thu gleich, was er thu,/ der schweiffe weit nicht um, er geh gerade zu Logau
sinnged. 203 LV. ⟨1714⟩ das auge siehet den mond, wann er hinter dem horizont hervor komt, als etwas grosses, prächtiges und herrliches an, der aber immer kleiner wird, je höher er steiget Mel
schaubühne (1732)1,114. 1804 der lüsterne knabe/ er winkt mir in’s haus Goethe
I 1,31 W. 1844 in dieser erklärung gibt sich herzog Friedrich ganz wie er war Stängel
postwesen 207. 1978 sie hatten mir, als sie mich in die kneipe schickten, einen revolver gegeben, nur für den notfall. ich hatte ihn in die manteltasche gesteckt, dort war er geblieben Härtling
Hubert 368. –
älter auch mit wechselndem semantischen bezug entsprechend nhd. dieser
(und) jener ⟨1060/5⟩ duo negetorst er den man an chomen, forht daz er in negeruochte fernemen,/ ob er im ieht geriete daz er is niene tâte,/ ob er iz an in hâte erhaben er hiez in sînen wech scaben
wiener genesis 319 S. ⟨u1240/50⟩ es den bíschóf verdrôz/ dem er was gehôrsá
m./ daz er dés sô vil von im vernam,/ daz liez er níht âne nît./ er kom zem phaffen z’einer zît Stricker
̂Amîs 257 L. b
auf ein maskulinum vorausweisend; selten: ⟨u1194⟩ er begât sîn êre, swer mirz saget Ulrich v. Zazikhoven
2213 H. ⟨u1300⟩ sô tuot er als vor hât getân/ der barmherzige samaritân Hugo v. Trimberg
2869 LV. ⟨1801⟩ und er, der sprachlos waltet und unbekannt/ zukünftiges bereitet Hölderlin
(1943)2,1,36 B. ⟨1842⟩ und mit sonnenschein beladen/ und mit blumenduft besä’t/ nahet er von gottes gnaden,/ er, des frühlings majestät Hoffmann v.
F. ges. w. 1,50 G. c
anstelle eines demonstrativpronomens in betonter verwendung: hs.A9.jh. uueo mag er christani sin, der dei lirnen niuuili noh in sinera cahucti hapen?
exhortatio A 25 S. ⟨1060/5⟩ des swôr er guote Abrahame unt Ysaak unt Jacobe
wiener genesis 3030 S. ⟨n1231⟩ daz kom von im, er hellehunt Reinbot
5199 K. 1568 wo aber er richter und rat darinnen nachlässig erscheinen
öst. weist. 10,12. 1644 jedoch wann er pflegvatter will, mag er sich entschuldigen wegen der jenigen güter, so ausser lands ligen Werndle
pupillen schilt 32. 1811 er ungezogner mensch Kleist
krug 139. 2
als anrede wird er
pron. seit dem 16. jh. für die höhergeachtete 2. person verwendet. möglicherweise im anschluß an frz. oder ital. vorbilder zeigt der gebrauch zunächst das pronomen in wiederaufnehmender funktion für appellative wie herr
u. dgl., später tritt es als höflichkeitsanrede ohne appellativbezug auf. parallel zur ersetzung des singularischen er
durch das pluralische sie
in der höflichkeitsanrede vollzieht sich die beschränkung der verwendung von er
auf die anrede untergebener oder gesellschaftlich geringer geachteter personen: ⟨1561⟩
(an den herrscher gerichtet:) gott geb meim herren glück und sieg/ in diesem gefehrlichen krieg,/ daß er in kürtze widerumb/ gsund mit frewden zu lande kumb! Sachs
16,25 LV. 1676 Goldstern: das erste betreffend; kan dem herrn schwerlich unbewust seyn, woher die verfinsterung deß monds komme; nemlich daher, daß der erdbodem alsdenn sich zwischen der sonnen und dem mond setze, doch giebt er mir anlaß, hiebey eines und andres zugedencken, das vielleicht merckens wehrt Francisci
lust-haus 502. 1700 halte er sich nur nicht lange auff, daß er noch zu rechte kömmt Reuter
Ehrenfried 17. ⟨1774⟩ nun, so mag er zu fuß gehn, rief mein vater Bode
Schandi (1776)5,21. ⟨1850⟩ hört er, vetter Wilkens? Ludwig
ges. schr. 3,52 S./Sch. 1930 es ist recht von ihm, Schulze, daß er daran gedacht hat I. Seidel
wunschkind 2,193. 3
substantiviert für männliches wesen im unterschied zum weiblichen: ⟨u1120/30⟩ iares alt sol ez sin, ein ér niht ein si
milst. exodus 152,20 D. ⟨u1270⟩ minne ist ein si, minn ist ein er Albrecht v. Scharfenberg
Titurel 732,1 DTM. ⟨1411⟩ die fledermaus ist so voller uncheuscher gir,/ das ain er und ain er/ uncheuschen mit ainander mer Vintler
6216 Z. ⟨1584⟩ obs ein er oder sie Scherer
tractaͤtle (1585)24a. ⟨1789⟩ o maid, willst du mein leibbursch sein/ und heißen er statt sie Bürger
1,192 W. 1991 dank der schutzkleidung bleibt es meist verborgen, ob eine sie oder ein er die schwere maschine dirigiert
frankf. allg. ztg. 138, t1. Peperkorn