du Pron. : wie schd. I. Formen, Beispiele. 1. Nom. Sing. a. betont:
dū, bei schwächerer Betonung
du [weithin herrschend],
dau (für beide Betonungsstärken) [um 1925 NWPf (
vgl. Christmann SprBew., S. 33, Abb. 10), früher wohl auch NPf (
vgl. PfId. 31), bei der Übertragung der Wenkersätze 1960 in der Pfalz nicht mehr festgestellt]. Auslandspfälzer: fast allg.
dū, du; Penns:
du (Wood Schärf. Penns 11); Gal-Unterwalden
dau. Was machscht dann ˈdū? (im Gegensatz zum Tun anderer Personen) [NW-Kallstdt, fast allg.].
Saa dūsem! 'Sage du es ihm!' [fast allg.]; dass. scherzh. erweitert:
Saasem dūsem! 'Sage es ihm du es ihm!' [KU-Reiffb]. AR.:
A, e, u, aus besch (bist)
du! [LA-Nußd].
Welschhahⁿ, ich bin räirer (röter)
wie dū!, die überstarke Betonung des
du soll den Schrei des Welschhahns nachahmen [LA-Nußd].
Dau redscht, wie der Wind giht (geht) [RO-Rehborn].
Zackre (
s. zackern 'pflügen')
dau, eich (ich)
kann nimmeh [ZW-Gr'bundb, verbr. westl. WPf]; dass. mit
dou, äich [KU-Rothsbg Dunzw].
Äich un dau gihn bare (gehen baden) [RO-Duchr].
Liesbeth, gehscht dau met, Klie (Klee)
hule (holen)? [KU-Reiffb].
Dau kommsch bei meich 'Du kommst zu mir' [Gal-Unterwalden]. — b. unbetont in enklitischer Stellung nach dem Verbum:
du (selten),
-də, -ə, -d, Schwund, je nach Tempo der Rede,
z. B. Waarschde (waarsche, waarscht, waarsch) dort? [verbr.].
Do bische (bist du)
weg 'Da staunst du' [Kaislt]. SprW.:
Bettscht de dich gut, so leischt (liegst)
de gut [NW-Freinsh]. Der Wenkersatz 12 'Wo gehst du (denn) hin? in der Wiedergabe von 1960 meistens:
Wo (wu) gehschen hie und
Wo gehsche (dann) hie, selten
Wo gehschde (dann) hie oder gar
Wo gehscht du hie. — 2. Genit. Sing. im Ausruf:
O weh deineʳ! [Kaislt]. — 3. Dat. Sing. a. betont:
dēʳ, bei schwächerer Betonung
deʳ [vielerorts],
dēÄʳ/
dēÄ und
deÄʳ/
deÄ [vorn. mittl. und südl. VPf NWPf KL-Lind],
dēr und
der [Don Gal Buch];
dīʳ,
dīÄʳ,
dīÄ, bei schwächerer Betonung
diʳ,
diÄʳ,
diÄ [Pirmas u. Umg., sonst mancherorts in Städten und Stadtnähe,
vgl. unten 5a, ihr];
di:Ä [Wood Schärf. Penns 284];
dīr [Buch-Illisch (Schwartz 28)].
Wann de net zu meeʳ kummscht, dann kumm ich aa net zu deeʳ [NW-Haßl].
Deeʳ bleibt grad emol 's Gesicht stehⁿ, dem Grimassenschneider [RO-Semb, verbr.]. RA.:
Deeʳ schmeiß ich a emol 'n Steeⁿ in de Gaaʳde, Androhung einer Vergeltung [LA-Maik].
Mit dir is kaaⁿ Mode mehⁿ 'Deine Ansichten sind nicht zeitgemäß' [Kühn Palz 134]. — b. unbetont:
dəʳ bis
dr [vielerorts];
dÄʳ,
dÄ [vorn. südl. VPf NWPf SWPf];
dę [mancherorts VPf SWPf].
Soll ich meddeʳ (medəʳ) gehn? [KL-Gimsb, verbr.].
Wer hot deʳ dann in de Backe gebesse (gebissen)? [GH-Zeisk].
Plauder, wie dr de Schnawwel gewachse esch! [GH-Westh]. —
Eich schlaaⁿ deʳ ins Gesicht, daß deʳs grien un geel var de Aue werd [KU-Kaulb].
Der Hund macht daʳ nix [IB-Bliesmg/Bolch].
Ich komm dä (dę)!, Drohung [ZW-Hornb].
Soll ich dä niwwerkumme?, dass. [NW-Gimmdg]. — 4. Akk. Sing. a. betont:
dich (diχ, diš) [verbr., auch Auslandspfälzer],
däich (dęiχ) [KU-Dunzw],
daich (daiχ) [um 1925 NWPf wie
dau, vgl. oben 1a, Gal-Unterwalden]. Zs. Tummeldich, Konradsetzdich,
wuppdich,
baufdich.
Die beese Gäns bisse disch [IB-Bliesmg/Bolch].
Wann mer dich net hätt'n un ken Löffel, do mißte mer die Supp trinke [LU-Friesh, verbr.].
Wammer deich net härre oun die Läffel, dann michte mer die Sopp trenke [WD-Niedkch].
Eich sprech fer daich gut [KU-Körbn].
Mer stroofe deich [RO-Duchr].
Eich komm bei daich [Gal-Unterwalden]. — b. unbetont:
dich (diχ, diš), dech [verbr.].
Hoschdich (haschdich) 'Hast du dich'
schun gewäsch(e)? [verbr.].
Nemm dich in Owwacht! [Gal-Dornf]. — 5. Nom. Pl. a. betont:
ehʳ (ēʳ) [vielerorts],
(ēÄʳ,
ēÄ) [verbr. wie
dēÄʳ usw.,
s. oben 3a],
(Eʳ,
EÄ) [südl. VPf,
vgl. Heeger Südostpf. 10],
ihʳ (īʳ,
īÄʳ,
īÄ) [verbr. SWPf (einschl. PS-Süd) in Städten und Stadtnähe],
ehr (ēr) [verbr. Don Gal Buch, seltener Penns],
ihr [Lambert Penns 47 PSA 62 verbr. Rußl],
deer (dēr) [Don-Gertianosch Lenauheim Gal-Beckersd],
dier (dīr) (neben
deer, ihr, nihr) [Lambert Penns 41 PSA 62 Buffington Penns Var. 237 ff.] (d- in
dēr, dīr durch Verlegung der Silbengrenze in Fügungen wie
had-ēr-ned ... >
hadēr-ned ..., 'Habt ihr nicht ...',
kend-ēr-ned ... >
ken-dēr-ned ... 'Könnt ihr nicht ...').
Heit kummen meeʳ (wir),
morje ehʳ [KL-Fischb].
Langsam, ehʳ sin jo ganz veʳhitzt! [LA-Freimh].
Ihʳ (īÄʳ) dirfe känn Kinnereie triewe (Wenkersatz 28) [IB-Bliesmg/Bolch, verbr. IB]. — b. unbetont:
eʳ (əʳ,
Äʳ) [verbr. wie oben 3b].
Hanneʳ (hänneʳ) net... (Wenkersatz 32). — 6. Dat. u. Akk. Pl. a. betont:
eich (aiχ) [fast allg., auch Auslandspfälzer],
(āiχ) [Land u. Umg.],
auch (aux) [um 1925 NWPf,
vgl. oben 1a,
dau, 1960 nur noch KU-Bechb Rothsbg Föckbg],
äich (ęiχ) [mancherorts westl. WPf (Altenhofer 21)]. — b. unbetont: verdumpfte Formen von 6a
(eich, auch), bes.
och (ox) [NWPf SWPf],
(ux) [KU-Roth],
ich (iχ) [südl. u. mittl. VPf,
vgl. Bertram § 139]. Beispiele zu 6a und 6b:
Wie geht's eich? [verbr.].
Ich winsch eich nix Schlechtes, awwer de Deiwel soll auch hole [KL-Wörsb].
Ich hun och das jo gesaat [RO-Marienth].
Waart, ich will ich...!, Drohung [LA-Edk].
Hallen eich (haltet euch)
munter! [KU-Diedk].
Adjees, hallet ouch mounder! [WD-Niedkch].
Halden ich gut! [GH-Kand].
Die hot auch schien ausgekresch 'Die hat nur Schlechtes über euch gesagt' [KU-Kaulb Kreimb].
Setzen ich ä bissel! [GH-Nd'lustdt]. a. 1298:
Darumme so bidden wir vch daz ir wollent hervaren, obe sie gnuge vestekeit vor vns vnd vnsern erben ewiclichen haben bit vnsern brieven [Ottbg-Urkb. 218]. a. 1794:
Ich beschwehre auch [LA-Nußd (Hausbüchlein von Hauptführer)]. — II. Gebrauch. 1. in Scheltworten;
du (dau) Aff! [verbr.];
ehʳ (ihʳ) Sai 'Schweine'! [verbr.]. — 2. in Befehlen.
Kumm du (dau) nore! [verbr.].
Bleiwen ehʳ (ihʳ) nore do! [verbr.]. — 3. in der Anrede. a. Kinder reden Vater und Mutter mit
du an:
Babbe, du! Mamme, du! Auch mit Voranstellung des
du [FR-Tiefth]. 1927 werden für 60 Belegorte fogende Angaben gemacht: in 20 Orten überwiegt
du, in den anderen gilt
ehʳ bzw.
ihʳ.
Modder, hunneʳ schun geheert, was bassiert is? Vatter, ehʳ solle esse kumme [KU-Schmittw/O]. In KU-Bedb und PS-Busbg sagten um 1925 die Kinder vieler Familien zu ihren Eltern
du, zu den Großeltern
ehʳ. Die Ablösung von »ihr« durch »du« setzte um 1900 ein, in KU-A'glan schon vor 1880. Schandein schreibt um 1860 (Bav. IV/2, 372): »... die Bauernkinder
ehrzen die Eltern und Erwachsenen«. In Gal-Dornf galt noch um 1920 das Du des Kindes gegenüber den Eltern als Zeichen der Mißachtung. — b. Dienstboten sagen (um 1925) zu ihrer Dienstherrschaft »ihr«, in Verbindung mit »Madam« mancherorts »Sie«,
z. B.:
Vetter (Bas), hänneʳ ..., aber
Madamm, hänn se ... [GH-Nd'lustdt]. — 4. ethischer Dativ.
Dene han ich deʳ uf de Latt 'Den kann ich nicht ausstehen' [KU-Kaulb, verbr].
Der kann deʳ was de Krage stelle! von einem Stolzen [LU-Friesh, verbr.]. — 5. in Ausrufen. a.
Hoschde so was gesieh?, Ausdruck der Entrüstung [Kaislt, allg.]. — b.
Du liewi Zeit! Du liewer Himmel!, Ausdruck des Erstaunens [NW-Kallstdt, allg.]. — c.
Dich soll's!, Verwünschung [NPf, allg.]. —
d. Grieß di!, scherzhafte Nachahmung des bayrischen Grußes [BZ-Annw]. — 6. in sonstigen festen Wendungen. a.
Wie du meeʳ,
so ich deeʳ [KL-Enkb, verbr.]. — b.
Meeʳ nix, deeʳ nix 'ohne weiteres, ohne Rücksicht auf die Folgen' [KL-Kindsb, allg.]. — c.
Was hoschde, was gischde 'rasch, eilig', eigentl. 'Was hast du, was gibst du' [Kühn Schnitze I 110]. — Südhess. I 1793 ff.;
Rhein. I 1530 ff., III 1074/77; Saarbr. 107 ihr. 109;
Els. II 639; Bad. I 581/82.