Wossidia MeckWBN
Brauder -o-, Pl. Bräuder, -ö-
m. Bruder:
Brorer Kohf. Hg. 35, 2; Brauder, -r-, Broder, -r- Mi 11
a. 1. der leibliche Bruder: min Korl-Brauder Reut. 2, 40 öft.; min Bäckerbrauder mein Bruder, der von Beruf Bäcker ist GüGüstrow@KobrowKobr; Drohung kleiner Knaben: ick segg' 't minen groten Brauder, dee smitt di mit Schit LuLudwigslust@LankLank; ... dee sall di mit Pierschit smiten Schw; scherzhaft abgewandelt: kumm bloss min Dör vörbi, min öllst Brauder, dee noch in de Weig' liggt, ward di dat Fell schön utbullern Wa; wenn jem. ein sehr großes Swad mäht, heißt es: dee meiht för sinen Brauder mit RoRostock@RibnitzRibn; dee is 'n narrschen Pötter sin Brauder er hat einen Vogel; iron. zum Prahlhans: büst 'n fixen Kierl ('n hellschen Bengel) sin Brauder LuLudwigslust@LankLank; Wo.
V. 3, 1442; derbe Abweisung von Überheblichkeit: dee glöwt, Kauhschit is sin Brauder SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; de Öllern sünd Swester un Bröder Geschwister Nd. Kbl. 3, 26; as Bräuder läben in Eintracht leben: wi kœnen jo in Fräden läben as Swester un Bröder Ro; häufig in der philosophischen Weltbetrachtung des Jungen: wi künnen as Bröder mit einanner läben, säd' de Jung' to sinen Vadder, œwerst he will jo nich Wo.
V. 3, 794 a; ick un min Vadder künnen läben as Bräuder, hett de Jung' seggt, wenn he blot dat Slahn let 794 b; ick un de Rekter künnen läben as Bräuder, säd' de Jung', wenn he bloss wull MaMalchin@GülzowGülz; unner Bräuder wiert von einer preiswerten Ware: Ick heww en Wallach, dat 's en Pird, De 's unner Bräuder dusend wirt Reut. 1, 23; 4, 143; Bri. 1, 115; 2, 132; Hey. Kam. 117; Punsch. 177; H. Schrö
d. Buerh. 1, 17; von einem treuen Hund: up den Hund kann ick mi verlaten, as wenn hei min liwlich Brauder wir Müll.-Friese 111; de fif Bräuder die fünf Zehen öft.; ein Loch im Strumpf andeutend: de fif Bräuder sünd mit de Wull tau kort kamen LuLudwigslust@LankLank; Maandag is 'n Sünndag sin Broder (wird von den Handwerkern wie dieser gefeiert) Wo. Rim. 21. Zss.: Half-, Moder-, Steif-, Swieger-, Twääschen-, Vadderbrauder. 2. Mitglied einer geistlichen oder geistlichen Zwecken dienenden Gemeinschaft: 'by den bruderen' (Mönchen; WaWaren@RöbelRöb 1389) UB. 21, 300; 'wor de Abt de Wörpel drecht, dor hebben de Bröder gudt spelent' Gry. Paw. E 3
a;
vgl.: Karkmissen-, Krüz-, Mit-,
Preisterbrauder; 'deße brodere der papagogen' (Wi 1379) UB. 9, 366; einer weltlichen Gemeinschaft,
s. Amts-, Bundes-, Buten-, Garden-, Litzen-,
Zunftbrauder; der Herbergs- oder Festgenosse: Fastelabends-, Kinnelbiers-, Kumpaans-, Stallbrauder; als Anrede unter Zunft-, Arbeits- und Dorfgenossen früher allg. üblich: Reut. 5, 297; Brauder Snider 331; häufig im Schäfergruß; in dieser Beziehung auch Anrede des Vaters an den Sohn und umgekehrt in der Schnurre vom Erntefest: Lustig, Brauder Vadder! — kein Gild, Brauder Hinrich — ick heff Gild, Brauder Vadder — denn lustig, Brauder Hinrich Wa; Brauder Wulf Anrede des Fuchses an den Wolf Wi;
Brauder Voss RoRostock@KörkwitzKörkw; Trinkspruch: Prost Brauder, du un du. Solang' as wi uns kennen, Willn wi uns Brauder nennen, Un wenn uns de Boort sall up de Schauh dal hängen WaWaren@RechlinRechl; ähnl. Hey. Půnsch. 158;
s. Du-,
Duzbrauder; Ablehnung dieser Anrede: wer hett uns tau 'n Brauder maakt? RoRostock@RibnitzRibn; übertr. von einem schwer zu bewältigenden Stein: dee seggt Brauder tau mi WiWismar@Niendorf b. Boiensdorf/DreveskirchenNiend; ebenso von gutem Korn Wa; von einer schweren Garbe Ro Rostock@LichtenhagenLicht; vertraute Dinge des täglichen Lebens werden mit diesem Titel bedacht: min best Brauder derber Handstock RoRostock@GresenhorstGres; ebenso: n gauden Brauder wehr di Wa; Broder Swingmann die Pumpe StaStargard@RödlinRödl; Johannbrauder die Sense; auch der Tod gilt als brüderlicher Freund,
s. Dodenbrauder. 3. verallgemeinert Kerl, Bursche: he iß nich de beste Broder er ist nicht treu Mantz. Ruh. 20, 30; übertr. von einem schlechten Getränk ebda; von einem bissigen Hund: he is keinen gauden Brauder WaWaren@WulkenzinWulk; von einem unzuverlässigen Pferd: dat is 'n unnaschen Brauder SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; WiWismar@WendorfWend; in dieser herabsetzenden Bedeutung meist hd.: dee Brüder diese Kerle HaHagenow@DöbbersenDöbb; SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; ick wir nich bang' vör dee Oort Brüder vor solchen Gesellen RoRostock@DoberanDob; dat wir sonn Brauder, dee güng' an de Spri (
s. d.) tau supen Warn; dat is 'n Bruder aus der Welt ein Leichtfuß HaHagenow@RedefinRed; he is kein Guter nich, he is 'n bösen Bruder SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev; ähnl. Wagtsm. Ann. 18; übertr. Hoden: 'dine brodere' (Ro 15. Jahrh.) Schill.-Lübb. 1, 426
a; dee Brüder Bienen GüGüstrow@SerrahnSerr; schöne Brüder volle Garben RoRostock@BörgerendeBörg. Zss.: Bachus-. Düs'-, Dusend-, Ell-, Fett-, Glœs'-, Herrgotts-, Hoppen-, Ja-, Kapunen-, Kauhschiets-, Klatsch-, Klicker-, Kœm-, Konkurs-, Kummerass-, Liktau-, Luer-, Mell-, Mœhl-, Musch-, Nœl-, Öcker-, Pankrotts-, Perdauz-, Polldauz-, Priem-, Proost-, Quarr-, Rotz-, Rusch-, Slöp-, Sluck-, Smarotz-, Smer-, Smor-, Smus'-, Sœl-, Sünnen-, Sup-, Swir-, Tippel-, Tobacks-, Vitalien-, Walz-, Warmbrauder. 4. Rätsel, Tanz, Volksglaube: fif Bräuder bugen sick 'n Hus, dee ein smitt den annern ümmer wedder rut Stricknadeln WaWaren@RechlinRechl; liggen sœben Bräuder int Bedd', wecker slöppt in de Midd'? Mittwoch SchwSchwerin@LankowLank; Tänze: Sœbenbräuderdanz Gü; 'Bruder Jakob' Sta; 'alle schwarzen Brüder' Horn Selmsd. 1, 345; von sieben in unmittelbarer Folge aufeinander geborenen Brüdern ist der jüngste ein geborener Heilkünstler Arch. Landesk. 14, 543; Notfeuer muß von zwei Brüdern, die im Alter direkt aufeinander folgen, angezündet werden Wo. Sa.; die goldene Wiege, die bei Pa Parchim@NeuburgNeub vergraben ist, kann von sieben Brüdern gehoben werden ebda; Heilsegen: Prost, Brauder Hund, Du 't Fewer un ick gesund Bartsch 2, 395; Blutstillformel: twei Bräuder güngen œwer Land, de ein het A, de anner het K, Blaut stah HaHagenow@Kirch JesarKJes. 5.
Dim. Bräuding Mi 11
a; Bröring, ick heff 'n Drausselnest funnen Tanzreim Wo. Sa.; Anrede der Tagelöhner untereinander: na Bräuding, wo nu hen? WaWaren@BlücherhofBlüch; Bröding, sett di, drink eens StaStargard@BadreschBad; Brüding hett sick 'n Wif nahmen Wo.
V. 4, 791; de beiden Brödings Egg. Trems. 137; selten Bröderken, -äu-: goden Dag, Brörken Wo. Sa.; hürt, Brörekens Hey. Punsch. 154. An Brudermord erinnern die FN. Bräuderrecht, -uurt. — Mnd. brôder. — Bl. 54
b; Br. Wb. 1, 142; Da. 25
a; Dä. 56
a; Me. 1, 523.