Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
geschiht stF.
1.1 ‘Tat, Handlung’
1.2 ‘Geschichte, Bericht über Geschehen’
1.3 allgemeiner auch ‘Sache, Angelegenheit’ , in kausalem Zusammenhang ‘Grund’
2 ‘Zufall’
3 ‘Art und Weise, Eigenschaft’
1 ‘Ereignis, Geschehen’ ein michel olebach / uz einein kisilinge floz: / diu geschihte duhte uil groz Wernh D 4231; die historien [...], daz sint die geschrift von den geschihten in den landen und in den zeiten BdN 358,27; Frl 10:2,1; StrKD 161,529 1.1 ‘Tat, Handlung’ ein keiserlich geschiht / von im geschehen wære [Gründung des Bistums Magdeburg durch Otto I.] RvEGer 248; so torlich ist al ir geschicht Frl 7:31,11; Spec 111,25; Tr 12998. – ‘Vergehen’ er muͤze stan zu gerihte / umme alle die geshihte / die begangen hat sin lip Rennew 18184; wa die burgere solche gescychte clagn von den burgmannen UrkFriedb 73 (a. 1306); swer eime gaste dirre geschichte deheine tete unverschuldet, der sal die bezzerunge halbe tuͦn WüP 7h,2; UrkCorp (WMU) 2345,15 1.2 ‘Geschichte, Bericht über Geschehen’ hæten die [Tristan und Isolde] durch liebe leit, / durch herzewunne senedez clagen / in einem herzen niht getragen, / sôn wære ir name und ir geschiht / sô manegem edelen herzen niht / ze sælden noch ze liebe komen Tr 215. 9484; der geschihte / der wir von iu vernomen hân, / daz ez iu ist sô wol ergân, / des sîn wir inneclîche vrô UvZLanz 8618; er wolde selben wesen bot / der geschihte und der mære Ottok 3105; RvEWchr 8322 1.3 allgemeiner auch ‘Sache, Angelegenheit’, in kausalem Zusammenhang ‘Grund’ er dankete der geschihte / sîm neven, der der triuwen wielt, / daz er im sîn muoter behielt, / diu ir kint vil gerne sach UvZLanz 8406; diz kôffes vnd dierre geshicht, so ist getziuch: [...] UrkCorp (WMU) 1981,30; der chŭnich im da ze helfe pot / drew hundert helm an der geschicht Suchenw 17,111; dazs aber alle stille swigen, / dem lantgesinde rede verzigen, / daz geschach durch die geschiht : / sin kunden der lantsprâche niht Tr 10873; ine weiz durch welhe geschiht [weswegen] ebd. 9523; Elis 5115; von dirre selbin geschiht [deshalb] / in jamirte so sere RvEWchr 3431. 10368; wizzet ir umbe welhe gesciht, / warumbe wir daz miden Wernh D 1146. – semantisch verblassend: dâ ergienc ein schedelîch geschiht / und ein jæmerlîchiu angesiht / von den sînen die daz sâhen Wh 25,1; er er kante sein nicht / von deß nebeles geschicht HvNstAp 14781; der stain erlœst von widerwärtigen geschihten BdN 467,20; von scheltwoͤrten [...]: swaz auch der geschiht fuͤrkumet, daz man also spricht, er ist ein buͤbe, oder sie ist ein huͤre WüP 45,2; Tr 5555; GTroj 14165 u.ö. 2 ‘Zufall’ dô truoc in diu geschiht / (wande ern versach sichs niht) / vil rehte an sîner vrouwen lant Iw 3923; si liezen ez an die geschiht, / weder si genæsen oder niht Tr 2423. – in Wendungen von ~ ‘zufällig’ (s.a. geschihede ): daz kom niht von geschihte / daz si algerihte / in dem vinstern hol / solte geberen also wol: / die Christes predigere / weissagten dise mære / vor, wie si solt gebern Wernh A 3333; zuo der Wahsenden Warte / kam er von geschihten UvZLanz 5125; mit muote oder von geschihte Er 5811; PrOberalt 43,7; StatDtOrd 105,14 3 ‘Art und Weise, Eigenschaft’ der süeße luft [im Mai] / mit sîner tuft / hât erkirnet [offenbart] sîn geschicht, / daz man vil bernder blüete sicht SM:Tu 6: 2,10; daz vingerlîn was der geschiht, / man verzêh im betlîches niht, / swer ez an der hant truoc UvZLanz 4953; sie lac doch in der geschicht, / als ob sie slâfen solde [Isolde stellte sich schlafend] HvFreibTr 2712; Frl 4:6,7; Ottok 9626; WhvÖst 11508. – unklar, ob hierher oder zum stN., s. FrlWB S. 117: ein meister sach an ir [der Giftmaid] valsch geschichte Frl 5:20,11
MWB 2 542,35; Bearbeiter: Richter