treten,
s. teil 11, 1, 2, 189: traub, den man yetzt stampffen oder trätten wil Maaler 406
b; also wird
der traube mit fssen getreten, dasz er ein wein werde H. Fabricius
auszug bewerter hist. (1599) 914;
allg. haushaltungslex. (1749) 3, 600
a; er (
der prior) sieht
dort seine mitpropheten im bottich tanzend, trauben treten A. Grün (1877) 4, 303;
mundartlich: die trauben träpplen Fischer
schwäb. 2, 328; träppeln O. Wildermuth
ges. w. 4, 280.
der eigentliche fachausdruck ist keltern, älter kaltern: seczbreder umb drauben zu kaltheren
voc. opt. (
Lpzg. 1501) x 6
a,
vgl. teil 5, 526: helft die vollen trauben keltern Gleim (1771) 5, 217; auf belaubten hügeln mag Lyäus ... ausgesuchte trauben keltern lassen Göthe I 2, 107
W. ff)
in enger sprachlicher beziehung steht traube
naturgemäsz zum wein, der in umschreibungen in gehobener diction gern saft, blut der traube
u. ähnl. genannt wird: gestern
bei dem saft der trauben ... kam der tod zu mir herein Lessing 1, 90
Lachm.-Munck.; und sang beym goldnen saft der traube mit ihr der liebe seligkeit Pfeffel
poet. vers. 1, 115; proficiat collega ... sprach der conrector durch den rothen saft der traube die sonne betrachtend W. Raabe
Horacker (1876) 35; am abend ... habe ich ... deine gesundheit in dem brausenden saft der traube von Sillery getrunken Bismarck
br. an s. braut u. gattin 9;
und so sehr oft. lockerer: alles trawren, leidt und klage ... wil ich in den süszen saft, den die traube giebt, vergraben Opitz
poeterei 26
ndr.; rebensafft, den uns die trauben weinen Spee
trutznachtigall (1649) 156; der saft, der aus der traube quoll, kann heut ja wohl nicht schaden Wilh. Busch
d. heil. Antonius (1870) 37.
occasioneller: zehnmal füll ich schon dies glas mit der trauben edlem nasz E. v. Kleist
w. 1, 72
Sauer; in der goldnen flut der trauben Novalis im
Athenäum 3, 190; nimm, mein vater, und isz und trink dies labsal der traube Klopstock
Messias (1780) 567; o du der traube sohn, der im golde blinkt (1753) Klopstock
oden 1, 117
Munck.-Pawel; ... gleich dem wilden sohn der trauben Geibel
ges. w. (1883) 2, 81
Cotta. aus der bibel stammt die verbreitete verbindung blut der traube (
s. genes. 49, 11;
Jes. 63, 3;
apokal. 14, 20,
vgl. Herzog-Hauck
realencykl. f. prot. theol. 21, 59,
vgl. auch traubenblut): denn bindet er (
Juda) sein füllen an den weinstock ... und wäscht sein kleid in wein wäscht seinen mantel in der trauben blut Herder 12, 132
Suphan (
segen Jacobs über seine söhne);
vgl. 10, 55; Jachus safft ... er wird auch mein verdrieszen durch seiner trauben blut versüszen K. Stieler
geharnschte Venus 85
ndr.; freude sprudelt in pokalen, in der traube goldnem blut trinken sanftmut kannibalen, die verzweiflung heldenmut Schiller 4, 4
Göd.; der traube süszes sonnenblut, das wunder glaubt und wunder tut E.
M. Arndt 4, 156
Rösch-Meisner; das rothe blut der traube Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz 208; der traube dunkles blut Geibel (1883) 1, 74; o gott ... wie verdien ich es, ... dasz mir die traube ihr kostbarstes blut spendet Tieck
schriften (1828) 4, 275; wohl quillet aus der traube das heisze rebenblut Geibel (1883) 1, 54.
metonymisch wird daher traube
selbst statt wein
gebraucht; vereinzelt auf antiker grundlage schon ende des 15.
jh.: Virgilius (
sagt) vom trauben, er nimbt vom erst die füsz H. Nithart
Terenz Eunuch 131
lit. ver., sonst erst seit dem 18.
jh.: warum wollen wir nicht ... uns mit rosen bekränzen und mit der burgundischen traube, weil wir noch leben, die herzen erfreun Fr. W. Zachariä
poet. schr. 3 (1765) 154; ... die traube, die seinen becher ihm anfüllt Giseke
poet. w. (1767) 36; gemeine lust selbst an der traube glut läszt aneinander die pokale klingen Müllner
dram. w. (1828) 4, 113; ein viertel trauben, süsz und gut, gibt wieder für ein stück voll muth Wander 4, 1284. gg)
als wirtshausname, meist wohl nach einem wirtshausschild: in der statt (
Eichstädt) hab ich auf dem markht beym trauben einkehret (1611) Ph. Hainhofer
relation 23
Häutle; (
ein mann) der glaubte man könnte anderswo nicht als in der traube logieren Eva König
bei Lessing 19, 372
L.-M.; man stellte (
die pferde) in der traube nicht weit von dem kloster ein Auerbach
dorfgesch. (1884) 1, 163
volksausg.; (
er schritt) eilig über den markt in das weinhaus zur groszen traube Storm 8, 151. hh)
aus der häufigen anwendung als bild und vergleich hebt sich heraus h@aα)
der gebrauch von traube
allgemein für werke und wesen der menschen, zumeist im religiösen sinn im anschlusz an metaphorisch gebrauchte bibelstellen z. b. nach 5. Mos. 32, 32
und Jesaia 5 (
gleichnis vom weinberg des herrn): ire bere ist also galla, ira truba vile pittir Notker 3, 374, 3
P.; der evangelisch hauszvater, der da sprach: ich hab gepflanzet ein weingarten, vermaint trauben und gute früchte zu bringen, do hat er bracht wilde und biter frücht Knebel
chr. v. Kaisheim 13
lit. ver.; da gott hofft sein weinberg ... soll trauben tragen, so trug er herling Lehman
flor. polit. (1662) 2, 830
s. v. undanck; die kirche hast du aufgebaut zu einem weinstock süszer reben, ach! dasz sie dir nun bittre trauben geben Chr. Fr. Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. 3, 106;
freier: noch bringest du (
die christenheit) kein gute frucht, nur eytel bösz unzeytig trauben Hans Sachs 1, 229
Keller; glick zu, du hof und du hofleben, da wenig trauben und vil reben, da weder warheit, trew noch zucht Weckherlin 2, 448, 13
lit. ver. h@bβ)
in allegorischer ausdeutung von bibelstellen wie 4. Mos. 13, 24;
hoh. lied 1, 14
u. a. ist traube
in der älteren geistlichen dichtung zum sinnbild einerseits für Christus, andrerseits für Maria geworden, wie botrus, uva in der lateinischen, vgl. Ans. Salzer
d. sinnbild. u. beiworte Mariens 39; 197; 309;
nl. woordenboek III 2, 3471: in dir (
Maria) mit süezem zarte wuohs der lebendic troube Reinbot v. Durne
hl. Georg 2747
v. Kraus; do treit der herbst den truben, den uns die magt gebar (15.
jh.)
bei Wackernagel
leseb. (1839) 978; den truben, der für uns am criuze hienc
Colmarer liederhandschr. 211
lit. ver.; der edel traub der menschait Jesu Christi Keisersberg
ausgang d. kinder Israhel (1510) l 1
c;
vgl. J. Öcolampadius
üb. M. Luthers buch bekentnusz genannt (1528) 129
a. sô wol dir (
Maria) êrentrûbe Konr. v. Würzburg
gold. schm. 1298
Schr.; vgl. lobgesang 21, 10
L. Wolff; du süsser trub von Cyperland Heinrich v. Laufenberg
bei Ph. Wackernagel
d. dt. kirchenlied 2, 575;
vgl. bei Salzer 309, 7; (
klage Sions) sie (
d. braut Christi) gleichet einer welcken traube S.
Dach 1, 172
Österley. h@gγ)
für die kinder des hauses nach dem 128.
psalm: deyn weyb wird ynn deym hause seyn wie eyn reben vol drauben feyn (1524) Luther
bei Ph. Wackernagel
dt. kirchenlied 3, 8; dein weib ist ... wie ein weinstock, der voller trauben henget J. Barth
weiberspiegel (1565) z 1
b; vieh und menschen müssen hassen solchen weinstock, der nicht trägt, den sein ehgatt hat verlassen; aber welcher trauben hegt und an ulmen steht gesetzt wird ja billich hoch geschätzt S. Dach 2, 726
Österley; grsset mir euer liebe rebe, meine schwägerin, Hanna Rhlin, mit ihren trauben Luther
briefe 2, 670
de Wette; euer hausreben sampt ihren trauben
ebda 667; empfiehl mich deiner frau und ihren trauben Schubart
br. bei D. Fr. Strausz 8, 171;
vgl. auch traubenreich
u. träublein 1.
anders: hindernisse, die in der moralischen welt ... ursache sind, dasz der beste weinstock ... saure unbrauchbare trauben trägt — und vortreffliche ältern schlechte kinder erwachsen sehen S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 83. h@dδ)
im erotischen sinne seit dem 17.
jh.; für die freuden der liebe, spec. den kusz: Rosill ist zwar Filandern fest verbunden, doch gönnt sie mir die ersten freudenstunden. ich bin es, der die vollen trauben brach, hernach so mag Filander lesen nach Stieler
geharnschte Venus 141
ndr.; dencke, liesz der keuschheit garten deine sehnsucht lange warten, späte trauben werden voll Chr. Günther (1735) 1047; sie (
die zunge) musz die süszen trauben, die auff den lippen stehn, verbieten und erlauben Logau 235
Eitner; für eine geliebte: ich meinte, der kanzler hätte sich eine reife, süsze traube aus irgend einem besonderen aquitanischen weinberge in den englischen nebel herübergeholt C.
F. Meyer
der heilige6 71. h@eε)
allgemeinere bilder und vergleiche in verschiedenster anknüpfung sind demgegenüber mehr occasionell: traurig ists freilich, wenn einem menschen die lage, in der er lebt, mit allen ihren umständen und kostbarkeiten so verleidet, so verbittert ist, dasz er auch keine traube und blume derselben anrühren mag, sie zerfallen ihm
unter der hand zu asche Herder 16, 123
Suphan; mehr redensartlich: ich will dir jetzt mit qual zustricken mit dem strang den hals ... da hängste wie ein traub am reben W. Spangenberg
ausgew. dicht. 183
Martin. üblicher ist die anknüpfung an die typischen adjectiva, vgl. oben 1 d: der tod ist es schon so gewohnt, dasz er der jugend wenig schont und die noch harte trauben am liebsten pflegt zu rauben v. Canitz
ged. (1727) 42; der pöbel bleibt gleichwohl dabey, dasz an dergleichen wilden ranken (
der dichtung kunst- die bittre traube süsze sey
loser gesellen) Stoppe
Parnasz (1735) 31; du bist weiszer als milch ... aber auch herber als eine unreife traube K. W. Ramler
einl. (1758) 1, 334; dein leben ist reif wie die trauben am herbsttag Höderlin
Euphorion (1846) 2, 89
Schwab; er merkte, dasz sie von der wahnkrankheit befallen war wie eine süsze traube vom rost G. Keller
ges. w. 6, 344; Shakespeare reicht uns ... die volle, reife traube vom stock Göthe I 41, 1, 353
W.; für die form unserer modernen bühne paszt das abgezogene getränk besser als die ungekelterte traube Immermann 19, 142; laster ... seyn die zwar unansehnlichen, aber notwendigen reben, auf denen die volle traube des staatsruhmes und staatsreichthums prange Herder 24, 105
Suphan; die bewegungen in meiner vaterstadt sind zu der glühendsten, vollsaftigsten traube der revolution herangereift Th. Mundt
Robespierre (1859) 2, 130. ii)
sprichwörtliche redensarten sind auszerordentlich zahlreich; alle stufen des wachstums und der verarbeitung der traube bieten dazu die anschauliche einkleidung. am verbreitetsten ist das sprichwort von den sauren trauben
nach Äsops fabel vom fuchs und den trauben (
vgl. zs. f. dt. altert. 7, 364 [13.
jh.]; Steinhöwel
Esop 173
Österley; teil 8, 1861): die trauben sind sauer sagte der fuchs Göthe IV 1, 226, 3
W.; die trauben sind mir zu sauer W. Lüpkes
seemannsspr. 128; und sprach davon nur wie der fuchs von den trauben Bürger 329
b Bohtz; in mannigfachster abwandlung, auch mundartlich, vgl. I. v. Düringsfeld
sprichw. 2 (1875) 262; Wander 4, 1286;
in erweiterter anwendung wie z. b.: sind mädchen trauben, die nicht fallen wollen, so begreift man leicht in welcher gestalt man uns unten am weinstock denken musz Hermes
Sophiens reise (1774) 2, 74.
aus derselben fabel stammt: gleich wie der fuchs auch etwan sprach dem die drauben hingen zu hoch Eyering
proverb. cop. (1601) 1, 462; ich bin des fuchses ebenbild, der trauben, die zu hoch ihm hangen, um sein vergebliches verlangen schlau zu bemänteln, sauer schilt Gotter (1787) 1, 460; die günstigen verhältnisse seiner (
des Schneeferners) ersteigung würden ihn namentlich denjenigen touristen empfehlen, welchen die trauben auf der Zugspitze etwas zu hoch hangen H. v. Barth
Kalkalpen 534.
anders: die süszesten trauben hängen am höchsten Binder 196; Wander 4, 1234. — bei (am) monschein wird kein trauben zeitig (reif)
man musz sich anstrengen, um etwas zu erreichen W. Spangenberg
anm. weish. lustg. (1621) 119; Binder 134; ein traub macht den andern zeitig
eine hand wäscht die andre S. Franck
sprichw. 1, 39; Lehman
flor. polit. (1662) 3, 75; schwartze trauben geben so guten wein als die weisze
ebda; die roten trauben sind abgelesen, die besten farben sind verspielt
s. v. alter
ebda; die süszeste trauben werden am hefftigsten gekeltert Joh. Qvirsfeld
geistl. myrrhengarten (1717) 910; wann die trauben sind gekeltert, so achtet man der trester nicht Lehman
flor. polit. (1662) 1, 14; Wander 4, 1286.
eine reihe von sprichwörtern geht auf bibelstellen zurück; nach deuter. 23, 24
und Matth. 12, 1
heiszt es: es ist keinem eine traube verwehret Pistorius
thes. paroem. (1715
ff.) 213; Graf-Dietherr
rechtssprichw. 389;
am fruchtbarsten ist Matth. 7, 16
und Luc. 6, 44
geworden (
vgl. bei Otfrid II 23, 13
oben sp. 1292): man liszt nit feigen vonn dornhecken noch weinbeer oder trauben von disteln Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 56
a; B. Waldis
streitged. 22
ndr.; raben hecken keine tauben, dornen bringen keine trauben Binder 156,
vgl. J. Rist
d. friedejauchz. Teutschland (1653) (:)(:)(:)
b; nur musz man ... keine trauben von den dornen und keine feigen von den disteln verlangen (
in bezug auf A. W. Schlegel) Göthe
gespräche 6, 115;
abgewandelt: wer hat je gesehen von den schleehecken trauben lesen? Moscherosch (1650) 2, 21; wer darf trauben von einer cypresse verlangen (
mit bezug auf Tacitus) G. Freytag
ges. w. 6, 15; von dem brombeerstrauche ... sind eben keine trauben zu pflücken Fontane I 1, 232; ich war es endlich müde, mich wegzuwerfen, trauben zu suchen in der wüste und blumen über dem eisfeld Hölderlin 2, 81
Litzmann; und wenn ihr den unbestimmten ... charakter seines (
d. i. Byrons) liberalismus tadelt: wer heiszt euch denn vom lenze trauben fordern? Treitschke
hist. u. pol. aufsätze 1, 332. 22) traube
als fruchtstand anderer pflanzen, deren früchte in bestimmter anordnung traubenähnlich oder überhaupt eng und in haufen zusammensitzen, dann nicht scharf zu trennen von traube 6 '
menge, haufen, klumpen',
vgl. dort Schmeller-Fr.
bair. 1, 672;
hauptsächlich bei beerenarten, vgl. Adelung 4, 649: eschbeerbäume, die so mit rothen trauben bedeckt waren, dasz man kaum die blätter durchschimmern sah fürst Pückler
briefw. u. tageb. 4, 307;
vor allem für ribes rubrum ... Johannisbeere, Johannistrauben, rothe oder weisze trauben Nemnich 2, 116, 2;
wohl nur als compositum (
vgl. auch träubel 2),
in Südwestdeutschland von Lothringen bis Mainz volkstümlich statt Johannisbeere,
s. Kretschmer
wortgeographie 243;
aber auch z. b. in Barmen Leithäuser 44
b u. Jülich-Berg v. Klein
prov. wb. 1, 214;
vgl. auch traubenbrehme
eine art von brombeeren, die ihre beeren in trauben geordnet hervorbringen Krünitz 187, 134; seetraube
teil 10, 1, 74, bärentraube
teil 1, 1130.
von gröszeren früchten wie kirschen (
s. traubenkirsche sp. 1314,
vgl. schweiz. trubestli
zweig eines kirschbaums mit reifen früchten Staub-Tobler 1, 575), '
bes. von nüssen und äpfeln, bei nüssen spricht man von tweedruuf, dreedruuf
u. s. w.' Mensing
schlesw.-holst. 1, 881,
vgl.nusztraube,
teil 7, 1020, traubennusz
sowie traubenapfel, -birne, -erbse, -kartoffel, -weizen
u. a. sp. 1301.
geläufig ist diese allgemeine anwendung als fruchttraube vor allem in den mundarten, s. unter träubel 2, traubig, traublich.
literarisch tritt meist traube 1
als grundvorstellung auf: die öpffel ... trägt es (
das blatt des adamsapfelbaums) traubenweisz am baum, ... etwa zehen, fünfftzehen oder zwentzig zu zeiten an einem trauben Joh. Thucher
bericht d. meerfart (1561) 58
a; sorgsam gepflückte ... trauben der ... ebereschenfrucht Holtei
vierzig jahre (1843) 2, 42; die früchte (
des piriguao) sind pfirsichen ähnlich ... siebzig bis achtzig derselben bilden ungeheure trauben A. v. Humboldt
ansicht. d. nat. (1826) 1, 201; (
dattelpalmbäume) die hier und da voll goldner trauben stunden Wieland (1794) 23, 53; mit reinem gold getränkt die purpurwangen schwellen der palmen sonnenreife trauben (
datteln) W. v. Humboldt
ges. w. (1841) 374; (
der pisang) der dreimal im jahre seine 70-80 pfund schweren trauben zur reife bringt O. Peschel
völkerkunde (1874) 160;
im ausgesprochenen vergleich: ich sahe, welches kaum zu glauben morellen, weisz- und rothe kirschen, birn, äpfel, aprikosen, pfirschen nicht einzeln, recht wie trauben sitzen Brockes
irdisch. vergnüg. (1731
f.) 2, 221. 33)
in derselben anschauung wie 2
bezeichnet traube
botanisch einen '
blütenstand, wenn auf einem langen einfachen blumenstiel mehrere der länge nach gestielte fast gleichlange blumen stehen' Dietrich
gartenlexikon (1808) 8, 41;
man unterscheidet dabei einfache, zusammengesetzte, gipfelständige
u. a. trauben
ebda 8, 41; 1, 50; Krünitz 187, 125
f. und spricht von blüthen-, blumentraube Nemnich 77; 79; Dietrich 1, 50, doldentraube
ebda 3, 350; 1, 50, rispentraube Oken
allg. naturgesch. 2, 45;
vgl. auch unten 8 a: blüthen (
des lorbeerseidelbastes) in kleinen, hangenden trauben in den obersten blattachseln v. Schlechtendal
flora v. Deutschland5 10, 182; gemeine berberize ... strauch mit trauben gelber blüthen Ratzeburg
standortgewächse 69; die blüthen (
der tonkabohne) ... stehen in rispen oder trauben Karmarsch-Heeren
3 9, 510;
im ältern nhd. vereinzelt in zss.: (
wasche das kranke pferd) mit wasser, darinn andorn oder heid oder benedictenkraut inn gesotten oder ebhewtrauben W. Ryff
Alb. Magn. thierbuch (1545) 43; voll blauer trauben duftete der flieder, die maienglocken streuten wohlgeruch Platen
ges. w. (1843) 1, 266.
mundartlich: drüw
traube, dolde Schmidt-Petersen 29
a; blawe druwen
für die perlhyazinthe, muscari botryoides Mensing
schlesw.-holst. 1, 881,
vgl.traubennelke, -hyazinthe
und andere derartige blumennamen sp. 1301
sowie träubel 3
u. 7, träublein 3
und träubchen. 44)
auf einen einzelnen gegenstand übertragen wegen der ähnlichkeit seiner gestalt mit einer weintraube. 4@aa)
ein knopf am hinteren ende des kanonenrohrs bei vorderladern, dem stosz,
zum aufheben des rohrs beim richten, zum befestigen von hebe- oder wuchtbäumen beim austragen des rohrs aus der lafette (
s. Hoyer
allg. wb. d. artill. II 2, 220; v. Alten 2, 354), '
welcher gemeiniglich die gestalt einer traube hat und auch davon den namen führet' Eggers 2, 1157: wird ... hinten mit einem holtz an die traube geschlagen, so löset sich die kugel v. Fleming
soldat 63; wenns auch nur eine lumpige kanone ist, so gieszen wir einen zierrath auf ihre traube J. J. Chr. Bode
Tristram Schandi (1774) 9, 125; das rohr (
der schiffskanone) fährt plötzlich zurück und schlägt mit der traube auf meinen linken schenkel W. v. Rahden
wanderungen (1847) 2, 499. 4@bb)
eine kartätschenart, die sog. beutelkartätsche,
s. Burja
gröszenlehre (1799) 325;
vgl.traubenkartätsche, -hagel, -kugel, -schusz: die platte der traube (
bei den haubitzgranaten) ist breit Hoyer
allg. wb. d. art. I 2, 214; ist ein defilée lang und stehet man 500 und mehrere schritt hinter demselben, so musz man sich der ordinairen kugeln und nicht der trauben bedienen Venturini
taktik (1800) I 1, 2, 13. 4@cc)
schwäbisch ein '
metallbecher, der mit dem deckel zusammen durch ovale form einer traube gleichsieht' Fischer 2, 327;
die mit einer traube gestempelte dritte qualität barchent aus traubenbarchent
verkürzt, dazu auch traubenfärber
färber von traubenbarchent (
Ulm 1547)
ebda: das zweifach karten und scheren der trauben
quellen von 1552
u. 1579
ebda. 4@dd)
vgl.traube 7. 55)
auf eine vielheit von gleichartigen einzeldingen übertragen, die eng zusammenhängend ein ganzes bilden wie die menge der einzelbeeren die weintraube; der weg der übertragung wird deutlich in vergleichen wie: erdschnecken ... hangen stetts an einnander wie die beer an einem trauben J. Heyden
Plinius (1565) 195; auf den drei doppelbänken hängen die menschen wie trauben
Kölner lokalanzeiger v. 6.
aug. 1932; die vielen neger ... muszten sich (
beim ausbooten mit dem ladebaum) an das grosze netz anklammern ... es sah aus wie eine traube von menschen H. Paasche
fremdenlegionär Kirsch 86.
in allgemeiner anwendung occasionell: sie trugen ... an den zöpfen ganze trauben von zierraten Sven Hedin
abenteuer in Tibet10 339; trauben electrischer lampen auf eisernen kandelabern überfluteten sie mit weiszem licht Ina Seidel
Renée und Rainer (1930) 61; mit ganzen trauben von leeren feldkesseln ... beladen Paul Alverdes
Reinhold (1931) 83; eine rakete streute verknallend ihre funkentrauben aus H. König
d. klubbisten (1847) 2, 76;
vgl. auch traubenperrücke; achtern ruderte eine traube stämmiger vögel Hans Grimm
volk ohne raum 1, 133.
fest und verbreitet für einen schwarm bienen: traube so heiszt der aufgestandene bienenschwarm aus einem mutterstock. wenn er sich ... an einen zweig hänget ... nennet man solchen knauel bienen der ähnlichkeit halber mit einer natürlichen weintraube, eine traube Overbeck
gloss. melitt. (1765) 83; der scharm hänget sich in die traube
ebda. schon 1623
verzeichnet: uva apum ein traube bienen, so sich angehangen J. Orsäus
nomencl. meth. (1623) 204; wie die bienen im frühling ... ihre volkreiche jugend sich in langen trauben um den stock herum anhängen lassen Bodmer
slg. crit. u. poet. schr. 1, 47; (
beim einfangen des schwarmes) flosz anhaftender bienen bewegliche traube zur erd hin Voss
sämtl. ged. (1802) 2, 204.
auch mundartlich trauppm impm Schmeller-Fr.
bair. 1, 672; Lexer
kärnt. 67,
doch vgl. 6.
fachsprachlichem gebrauch nähern sich an wendungen wie: dasz unter den ... eiertrauben (
des kieferspinners) sich mehrere behaarte befanden ... auch andere nackte trauben waren öfters nur schwach belegt, andere wieder durchweg (an 60-80 eiern) inficiert Ratzeburg
waldverderbnis 1, 145;
so auch traubenmonade (
sp. 1301);
medicinisch für staphyloma: trauben oder traubenkörner beim pferde, die am pupillarrand hangenden und in die pupille hineinragenden schwarzen flocken J. E. L. Falke
univ.-lex. d. thierarzneikde (1842) 2, 375,
s. Sanders;
vgl.: so dasz die (
Meibomschen) drüsen wie trauben aussehen Sömmerring 6, 914.
dazu zusammensetzungen wie traubenauge, -geschwäre
u. ähnl. Höfler
dt. krankheitsnamenbuch 747
a. 66) '
menge, haufen, klumpen',
z. t. in ähnlicher anwendung wie 5,
doch ohne dasz eine übertragung von traube '
weintraube'
wahrscheinlich wäre; im mhd. vereinzelt: daran erbeizten sie zehant, wan die heide (
acc.) gurte und bant von boumen ein troube mit wol sô dickem loube, daz sie da niemen mohte gesehen H. v.
d. Türlin
krone 11622
Scholl; vgl. dazu: trauben,
m., buschholz; im groszen, kleinen trauben Buck
flurnamenbuch 281
und schwäb. flurnamen wie Traubenhölzle, -knopf, -weide
u. ähnl. Fischer 2, 328.
ebenso alleinstehend als getreidemasz: unum maldrum tritici annue pensionis, quod trube weize vulgariter nuncupatur (
a. 1289)
hessisches urkundenbuch I 1, 375
Wyss-Reimer. für einen schwaden (
oder stiege?)
gemähten getreides: welcher in der erntzeit ehe dann das felt lähr ist unter die mäntl traupen oder mathen halten laszet, deszen dienstboth ist zu pfenten und wan ers vor sich selber getan zu straffen (1701)
österr. weist. 8, 860.
sonst nur mundartlich; obd.: traupe,
f., '
schock, gröszere anzahl, z. b. von menschen' Unger-Khull
steir. 166
b;
im zusammenhang mit traube 2
und 5: ẽ ganz trauppm ber, haslnuss, kersch, impm (
bienen) Schmeller-Fr. 1, 672; Lexer
kärnt. 67.
speciell: '
die längs der kanalufer aufgestellten holzstösze werden 'trauppen'
genannt' J. Blau
Böhmerwälder hausindustrie 1, 74;
auch in ableitungen, s. träubel 5, träublein 4, traubicht 2 d, traublich 2 c, träubeln,
vb.; nd.: druuv,
f., von pferden, die nebeneinander vor die egge oder den pflug gespannt werden, sagt man dree op'n druuv,
auch von menschen dor sitt se nu weller all op een druuv Mensing
schleswig-holst. 1, 881,
vergleichbar die anwendung auf früchte, s. oben 2.
im ahd. vergleicht sich vereinzeltes drupo, thrupo
cuneus, turbas minores ahd. gloss. 1, 74, 6
St.-S. (
hrab.-keron. gloss.),
doch ist die zugehörigkeit fraglich; die von galloromanisch troppus '
herde' (
lex Alamannorum)
dagegen ist lautlich unmöglich, s. Meyer-Lübke 8938; Johansson
Kuhns zeitschr. 36, 366; Gamilischeg 869
b; 870
a. 77) traube, drûwe, drûf
als vorwiegend nordwestnd. bezeichnung von werkzeugen, geräten und ihrer teile, vgl. traube 4. 7@aa) drûf
hölzerner griff an eisernen schneideinstrumenten Danneil
altmärk. 41
a;
ebenso Mensing
schlesw.-holstein. 1, 881. drûf
und drûfel
und trûf
das dicke, runde stück holz unten an dem springstock, der dessen einsinken in die erde verhindern soll Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 344
a,
vgl. holl. druif
ronde knop in zonderheit aan een stok, staak of steel woordenboek 3, 2, 3471. traube
birnförmiger holzgriff am sog. '
fliegerhacken' (
einer stange mit eisenspitze und -haken)
zum einstemmen an die schulter K. Dunkelberg
Rheinschiffahrtslexikon (1910) 50; druf
knop van een schiffersboom Dijkstra
friesch 1, 299
b;
der rundgedrehte knopf oder knauf an einer schiebestange, wogegen man sich mit der brust oder schulter stemmt, z. b. an dem dîknatel (
stange zum bespicken der deiche mit stroh) Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 344
a;
inbes. am bohrer ebenda, vgl. holl. druifboor
boor die van boven van een ronden knop is voorzien woordenboek 3, 2, 3470;
für den beweglichen teil eines bohrers bei Stürenburg
ostfries. 40
a; drouvə, drūf
das gestell am handbohrer, drehbügel rhein. wb. 1, 1437,
auch für den bohrer selbst ebda; druuv
bohrer, bohrwinde, brustleier Mensing
schlesw.-holst. 1881,
wie bohrdruuv,
f., u. -winn
ebda 416,
häufig auch druufbohr 882; druwe Frischbier
preusz. wb. 1, 153
b;
nd. jahrb. 1, 75
b; bôrdrûwe Woeste
westfäl. 60
b; baordruv Danneil 13;
vgl. auch mnd.: 3 bar szunder druuen (1525)
Wismarer inventar fol. 126
u. ö. bei Schiller-Lübben 1, 590
a.
heute in der fachsprache: traube
bügel am brustbohrer Hoyer-Kreuter
technol. wb.5 1, 774
a; falsche traube
bohrzapfen ebda; vgl. auch traubenbohrer, draufbohrer,
trauch und trauchbohrer
sp. 1310
u. 1325,
2trau,
f., sp. 1282. 7@bb)
merkwürdig: drûwe,
f., faszdaube Woeste
westfäl. 60
b; druf,
pl. druwen
dass. wb. d. Elberfelder ma. 43
a;
ebenso draube, druf
rhein. wb. 1, 1437. 7@cc)
was ist bair. der traub '
todtensarg' Schmeller-Fr. 1, 640 ?
vgl. der trauer
sp. 1359. 88)
zusammensetzungen mit traube-
als erstem bestandteil sind seit dem ende des 14.
jh. bezeugt, draubeneinigung (
s. d.),
in gloss. d. 15.
jh. trubenkamm, -kern, -korn, -rapp, -stain (
s. d.),
im mhd. nur trûbeblâ,
adj., blau wie eine traube Lanzelet 4759.
im 16.
jh. schon zahlreicher belegt, findet etwa von der mitte des 17.
jh. bis ins 19.
eine starke vermehrung der bildungen statt. die hauptmasse der zusammensetzungen sind substantiva, neben der die adjectiva und adject. partic. zurücktreten. ganz überwiegend stellen sich die bildungen zu traube 1 '
uva',
die botanische fachsprache vermehrt seit der wende des 18.-19.
jh. bes. die anwendung von traube 2
u. 3, (
s. u.a),
einzelne kriegstechnische ausdrücke des 18.
jh. schlieszen an traube 4
an (
vgl.traubenhagel, -kartätsche, -kugel, -schusz),
zoologische und chemisch-mineralogische des ausgehenden 18.
und des 19.
jh. an die von traube 5 (
vgl. 8 b
β sowie z. b. traubenblei, -erz, -stein, -vitriol,
s. auch traubig 2 c),
während zusammensetzungen mit dem gebrauch von traube 6
nicht, mit traube 7
nur in traubenbohrer
zu verzeichnen sind. aus dieser menge von composita heben sich einige besonders typische gruppen heraus, die übrigen bildungen siehe an alphabetischer stelle. 8@aa)
in zahlreichen pflanzennamen steht traube
im sinne von traube 2
u. 3;
diesen pflanzen eignet ein trauben- oder büschelartiger fruchtstand oder eine trauben-, d. i. dolden- oder rispenförmige blüte, meist im unterschied von andern ihrer gattung. die bildungen setzen im 16.
u. 17.
jh. noch sehr vereinzelt ein: traubenkraut (1553), -malde (1594), traubapfel (1645), -eiche (1663), traubenkirsche (1673), -baum (1673), -holder (1682), -hyacinthus (1689),
im 18.
jh. erfahren sie kaum eine vermehrung, erst seit der wende des 18./19.
jh. kommen sie in botanischer fachsprache voll zur entfaltung, ebenso die demselben bereich angehörigen bildungen oder anwendungen wie: traubenblume, -blüte, -büschel, -dolde, -rispe, -spindel
u. traubenährig, -artig, -bildend, -blütig, -doldig, -förmig, -ständig
u. s. w. (
s. diese an alphabet. stelle):
traubenaloe Campe 4, 861
b;