zertreten,
verb.,
ahd. zitrëtan,
mhd. zertrëten,
mnd. to-,
mnld. tetreden (
stark),
ahd. *zitretôn,
*-tretten,
mhd. zertreten, -tretten,
mnd. totreden (
schwach; nhd. nur gering bezeugt, doch noch bair.: ztret't [
partic.] Stelzhamer
ausgew. dicht. 2, 179);
entzwei-, in stücke oder breit treten, auch durch treten beschädigen, aus der form bringen, verderben, zerstampfen, 1)
gegenständliches, a)
erzeugnisse von menschenhand entzweitreten, vgl. sprw.: also musz auch eyn furst die böszen straffen, das er nicht eyn leffel auffheb und zuotrett eyn schüssel Luther 11, 276; 7, 583
W.; Lehmann
flor. (1662) 1, 404;
eine geige: Holtei
erz. schr. 11, 330;
durch treten beschädigen: Parz. 530, 29; sofa, sessel, alles ... z. und zerhackt G. Hauptmann
web. 98;
häufige rda. die kinderschuhe z.
die kinderthorheiten hinter sich lassen: wer er der hoffnung, er solt seine kindtschuoh zertretten und zerbrochen haben Wickram 2, 88
B.; Mathesius
ausgew. w. 2, 70
L.; tadelte ihn immer, dasz er, der schon längst die kinderschuhe z. haben sollte, noch so dumm und läppisch sei W. Hauff
s. w. 4, 70;
auch in der form: verachten, als hetten sie es lange an kinderschuhen zutretten Luther 28, 186
W.; die schuhe abtreten, abnützen: die geschúchd ..., die wir haben an den fúszen, die seint zertretten
erste bib. 4, 281; b)
pflanzliche, thierische und andere erzeugnisse niedertreten, zerstampfen: uf dem gevilde wart zutretet daz gras Herbort v. Fritzlar 8763; zetrettet wart der grüene klê
Lohengrin 4285; (
Magdeburg)
chron. d. st. 7, 322; in dem z-en gras Haller
ged. 25
H.; saat: Göthe 13, 1, 163
W.; bildl.: sie zertritt die jungen keime der bürgerlichen freiheit Börne
ges. schr. 6, 59; wie ein junger stier zertritt er den Libanon
ps. 29, 6
Zürch. bib. (1531); dasz die fluren seines vaterlandes z. würden von siegreichen ausländischen kriegsheeren Bismarck
pol. red. 4, 131;
sprw.: das du schlipfferiger den kain ahel bist ... wilt auff den ayern geen und doch kayns zuotretten Jonas
bei Luther 18, 601
W.; oder rda. lich: (
wenn) die frauensperson ... dem tänzer den tanz abschlägt ..., so ist das ei z. Böhme
gesch. d. tanzes 84;
Matth. 7, 6; z.
werden in der kelter die trauben, vgl. calcare uvas zertrAetten Frisius 177
b;
und das seltsame bild: ein schneller schmerz zertrat seine augen, dasz thränen daraus spritzten und funken Jean Paul 15/18, 147
H.; c)
steine, das pflaster auf der strasze, die wege selbst, gräben, gräber, spuren u. a. z.: Wickram 2, 125
B.; den geharkten weg: Gutzkow
ritt. v. geist 1, 288;
gräber: A. v. Arnim
w. 4, 88;
vgl. noch: wie die hengst das wasser zutretten und trübe machen Luther
bei Bindseil 7, 507; 2)
gethier, mensch, völker, a)
kleines, oft schädliches gewürm: derselb sol dir den kopf zutretten
1. Mos. 3, 15,
eine im ma. lichen wie neuzeitlichen schrifttum viel nachgebildete wendung, vgl. pass. 123, 32
H.; H. Sachs 1, 46,
sehr oft; Wackernagel
kirchenl. 5, 51
a; wo ist das volk, das kühn von that, der tyrannei den kopf zertrat? Jos. Fr. L. Duncker
in volksth. lied. d. Deutsch. 16
Böhme; der schlange des jakobinismus den kopf zu z. K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. 1, xxix;
einen floh: Fischart
flöhhatz 615
ndr.; bes. geläufig einen wurm z.: W. Alexis
hos. 1, 92;
auch diese wendung oft als bild gebraucht: ach, mein got, schau doch an mich würmlein gantz zertretten Weckherlin
ged. 2, 139
F.; Schiller 3, 467
G.; sodann b)
menschen von den hufen der pferde, den beinen der elefanten: Schiller-L. 4, 595
a;
mhd. minnered. I 7, 199
M.; läszt ... die Svanhild ... von pferden z. W. Grimm
heldensage 3; Schiller 3, 29; 14, 398
G.; ir muoter Jezabel ... von ainem hǒhen turn abgeworfen, also zertret und zerknistet mit gǎn, ryten und faren Steinhöwel
de clar. mul. 181
D.; menschen als thätige und leidende in der kraftvollen bibelsprache, im bilde z. th. der kelter: ich hab sie gekeltert in meinem zorn und zutretten in meinem grim
Jes. 63, 3; 6;
z. th. des schlachtfeldes, z. b. Micha 7, 10;
sogar eine stadt als object: und Jerusalem wird zutretten werden von den heiden
Luk. 21, 24;
danach: so ist die nation z. unterm eisernen fusze des tirannen Sturz
schr. 1, 85; das z-e Preuszen W. Scherer
kl. schr. 1, 4;
u. v. a.; partic. prät. daraus geschlagen, niedergeworfen, zerschmettert, ohnmächtig: ich bin zertrettn, ein elend mann, dasz ich nit mehr gereden kan H. Sachs 18, 301
G.; Grillparzer 5, 201
S.; c)
übertr. auf abstractes: Roms ... macht von den ... barbaren z. Th. Mommsen
röm. gesch. 1, 304; drum soll man nie zertreten sein (
des volkes) altes, gutes recht Uhland
ged. 1, 281
Sch.-H.; Frisius 998
a; Stieler 2339; (
den) guten namen A. G. Meiszner
Alcib. 2, 30; hoffnungen Schopenhauer 1, 417
Gr.; unschuld Kotzebue
s. dram. w. 6, 262;
u. v. a.; 3)
die füsze selbst durch treten verletzen: und dein fusz der ward nie zertretten
erste bib. 4, 161; den huff zertretten Nas
antipap. 3, 239
a;
auch brechen: tratte sie in ein gruben und zerdratte ihr bein entzwey Würtz
wundarznei (1612) 260;
nicht selten übertr. auf das herz: mein z-es herz! Klinger
w. 2, 224; G. Freytag
ges. w. 2, 29; 4)
refl.: dasz du ... oft ... aus dem tact kamst, dasz mein onkel sich zertrat (
beim tactieren mit dem fusz) Göthe 11, 175
W.; lex.: H. Fischer 6, 1155; Stieler 2338; Frisch 2, 386
c; Adelung
2 4, 1694; Campe 5, 853
b;
andere zss.: ab-, an-, auf-, aus-, be-, bei-, ein-, über-, unter-, ver-, vor-, zu-, zurück-, zusammen-. —