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Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

So

Bd. 4, Sp. 460b
So, ein Wort, welches in dreifacher Gestalt vorkömmt. 1) Als ein beziehliches Fürwort, für welcher, welche, welches, wo es in allen Fällen, Zahlen und bei allen Gattungen der Wörter unveränderlich bleibt und vor Zeitwörtern gebraucht wird, welche die erste oder vierte Endung erfodern. »Die Heiligen, so auf Erden sind.« Jerem. 44, 1. »Alle Juden, so in Ägyptenland wohnten.« 1 Petr. 2, 12. — — — Wir leiden Zwar mit Recht, was wir leiden, den Lohn von dem so wir thaten. Klopstock. Obgleich das beziehliche Fürwort welcher gewöhnlicher ist, so verdient das Fürwort so doch daneben beibehalten zu werden, weil es theils zur Abwechselung und zur Verminderung der öftern Wiederholung des welcher  dienet, theils in solchen Fällen unentbehrlich ist, wo man ein beziehliches Fürwort nöthig hat, welches sich auf vorhergehende Wörter, die zu verschiedenen Gattungen gehören, oder in verschiedener Zahl das eine in der Einzahl, das andere in der Mehrzahl stehen, beziehen soll. 2) Als ein Umstandwort, wo es auf diese oder auf solche Art, in diesem oder in solchem Grade bedeutet, und theils hinweisend, theils beziehlich gebraucht wird. (1) Hinweisend, wo man gleichsam auf die Sache, worauf es sich beziehet, mit dem Finger weiset, und in welchem Falle es den Ton hat. Es ist só groß, es hat die Größe, welche ich hier bezeichne. Für só lang, só weit  hätte ich es nicht gehalten. Ih mache mir auch nicht só viel daraus, wobei man irgend ein Zeichen macht, welches den hohen Grad andeuten soll, in welchem man sich nichts daraus macht. Für só viel ist nur Platz. Só meinte ich es nicht, auf diese Art. Só kalt ist es noch nicht gewesen, in diesem Grade. Die Sache verhält sich ungefähr só: auf diese Art. Dann ist es ein Anderes, wenn es sich só verhält. Ehemahls sagte man auch, wenn der Sache só ist, wenn sich die Sache so verhält. Sy sprach: und ist der suchte so, Daz Sy von dem Hyrn gat. Iain, 5, 447. Ih wußte es wohl, daß es so kommen würde. Х Wenn Sie mir só kommen, so komme ich Inen só, auf diese Art. Wer wird denn só sein! Só leichtsinnig habe ich noch keinen Menschen gesehen, in diesem hohen Grade. Von Mopsen wird er kaum erkannt, Só dürftig kömmt er angekrochen. Hagedorn. Só recht, auf diese Art ist es recht. Só recht, mein Sohn, Lucindens Herz ist, wenn du folgst, dein Lohn. Gellert. »Só meine liebe Freundinn, immer vertheidigen Sie mich bei meiner Braut.« Gellert. Bald só, bald só, bald auf diese Art, bald auf jene. I gemeinen Leben und in der dasselbe darstellenden und der vertraulichen Schreibart verbindet man es häufig mit ein, was oder etwas, só ein für ein solch, só was, só etwas, etwas von dieser Art. »Dächten Sie, daß ich zu só einer Bosheit geschickt wäre.« Gellert. »Mit só einem Beine bleibe ich wohl (wol) unten im Thale.« Geßner. Ih singe nicht für fremde Reiche Wie käm' mir só ein Ehrgeiz ein. Lessing. Só etwas läßt man sich nicht zwei Mahl sagen. Ih habe längst só was gemerkt. Hieher gehört auch diejenige Bedeutung, da es auf eine verwundernde Art zu fragen gebraucht wird, für, auf diese Art? das wäre?! »So? Also hat er meine Tochter nur in die Rede bringen wollen?« Gellert. Eben so sagt man, wie so? wenn man sich nach der Art und Weise erkundiget. Das wiederholte so so wird in der vertraulichen Sprech= und Schreibart gebraucht etwas auf eine unbestimmte, zweifelhafte Art, wie auch, etwas Mittelmäßiges zu bezeichnen. I Wippels Ausgabe des Bödiker (S. 18.) stehet dafür so und so, welches diesen Ausdruck erklärt, wenn man sich dazu eine Bewegung mit der Hand denkt, welche das so und so begleitet und die verschiedene Art, das Ungewisse bezeichnet. Wie gehet es? So so! d. h. weder gut noch schlecht, oder mittelmäßig, erträglich. Es gehet damit so so, d. h. mißlich, bedenklich. Wenn man die Art und Weise einer Sache nicht genau bestimmen will oder kann, so druckt man dies im gemeinen Leben durch so und so aus. So und so viel, so und so groß  (2) Beziehlich, für auf solche Art, in solchem Grade, auf die genannte Art, in dem angegebenen Grade. I dieser Bedeutung verliert es den Ton, ausgenommen wenn man einen Nachdruck darauf legen will, wo es sich dann der vorigen bestimmten hinweisenden Bedeutung nähert Wenn es sich nun doch so verhielte? auf die angegebene Art. Machen Sie es so wie ich, auf dieselbe Art. Wenn ich es nun eben so machte. Er will es auch so haben. Х Das verhält sich nicht so, in der niedrigen Sprechart, das ist nicht so, d. h. auf die gesagte Art, das ist nicht wahr, wofür man höflicher aber nichts weniger als gut, geschweige denn besser zu sagen glaubt; es ist nicht an dem. Bei so bewandten Umständen. Es giebt so viele Menschen, welche  Es waren ihrer nicht so viel. Die so genannten guten Freunde, die welche man gute Freunde nennt, ohne daß sie es sind. Da so häufig in solchem, auch in so hohem Grade bezeich= net, so wird es auch oft zur Verstärkung der Bedeutung, einen hohen Grad zu bezeichnen gebraucht. »Er meint es so redlich, und hat so viele Verdienste,« er meint es in so hohem Grade redlich. Gellert. »Er ist doch so ein artiger Mann, und hat mir so viel Schönes vorgesagt.« Weiße. Das habe ich schon so oft gehört. Wie so manches Mahl bin ich schon dort gewesen. Er wird sich so bald nicht wieder sehen lassen. I der vertraulichen Sprech= und Schreibart nimmt es oft noch kleine Nebenbedeutungen an, und hilft oft auch nur die Rede ründen. »Wie heißen die kleinen Dingerchen, die so in den Sonnenstrahlen herumfliegen?« Lessing. Er hat so ganz unrecht nicht. Mir ist nicht so recht zu Sinne. Ih bin nicht so recht wohl. Das war so recht nach seinem Wunsche. So genau weiß ich es nicht mehr. Es ist zwar nicht so ganz nach der neuesten Mode, aber doch auch nicht altmodisch. So gleich kann ich es nicht thun. Das versteht sich so ziemlich von selbst. Sie that als käme sie nur so von ungefähr. Gellert. Um so besser, desto besser. Häufig wird es im gemeinen Leben auch für ohne dies, ohnehin gebraucht, wo es den Ton bekömmt. »Ih wollte so schon speisen.« Hagedorn. »Ih denke es wird so nicht mehr lange mit mir werden.« Gellert. Meinem Freund darf ichs nicht sagen, Denn der predigt so genug. Zachariä. Nicht selten beziehet sich so auf etwas Nachfolgendes, und bezeichnet eine Art und Weise, welche im Folgenden näher bestimmt wird. Machen Sie es so wie ich gesagt habe. Es ist nicht so wie sie denken. So wie man sagt. Sein Sie so gut und thun Sie mir diesen Gefallen. So gut als möglich. So ziemlich. So, daß es unmöglich ist zu widerstehen. Auf andere beziehliche Art wird so oft mit wie und als gebraucht, eine Vergleichung zu machen. So groß, so alt  als ich. So hell und rein wie Kristall. So lang als breit. Er kann es so gut als ich thun. Es ist so gut als geschehen. Zuweilen, besonders in der höhern Schreibart wird das so verschwiegen. Und jenen (Wein), alt als ich, Ramler, für, so alt als ich. Häusiger wird das als weggelassen. So bald ich kann, komme ich. So lange es noch Tag ist. So viel mir möglich sein wird. So oft es nur irgend geschehen kann. So wahr ich lebe! eine Betheurungsformel. So wahr ich ein ehrlicher Mann bin! S. Als 1) (2). 3) Als Bindewort, die Glieder oder Sätze einer Rede mit einander zu verbinden. (1) Bloß verbindend, wo im Nachsatze als gesetzt wird, für sowol — als auch; welcher Gebrauch aber zu veralten angefangen hat. Ja Gracchus wird mir noch so Lust als Ruhe rauben. Gottsched. »So Geduld als Zeit verstrich.« Hagedorn. Auch bloß so — so, so wie — so auch. So der Tag webet Manhait und waffen; So wil die nacht slaffen. Iain, 11, 505. Ehemahls gebrauchte man so — so auch, für je — desto, je mehr — desto mehr. So sie sin mer tho wialtun thaz grab ouh baz bihialtun: So wir io mer giwisso in themo irstuantnisse. Otfried. (2) Auf bedingende Weise verbindend, sowol im Vordersatze für wenn, als auch im Nachsatze, wo dann wenn gewöhnlich vorhergehet. »So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechte Jünger.« Joh 8, 31. »So ihr um Missethat willen leidet.« 1 Petr. 2, 20. »So mirs geht, wie ich will.« Logau. »So jemand spricht: ich liebe Gott « Gellert. Doch so ein sterblicher Mann — dich nicht ehrt. Voß. Wenn es geschehen kann, so soll mir es lieb sein. So Gott will! »Und wenn die Liebe nichts ist als eine Pflicht, so wundert michs, wie sie so viele Herzen an sich ziehen kann.« Gellert. Oft wird auch das wenn im Vordersatze verschwiegen, und auf andere Art ausgedruckt. »Verträgt sich dieser Character (diese Gemüthsart) des Neidischen mit der Vernunft, so ist sie eine elende Anführerinn zum Guten.« Gellert. Denn geht ein Wort aus deinem Munde, So wird der Schatz verschwunden sein. Ders. »Gesetzt auch, daß meine Lebensart nicht recht nach der Mode wäre, so ist sie doch ruhig.« Ders. Zuweilen wird so auch im Nachsatze weggelassen. »So dich dein Auge ärgert, reiß es aus,« für, so reiß es aus. Marc. 10, 12. »Wenn Sie mirs erzählen, wird es mir so neu klingen, als ob ichs selbst noch nicht wüßte,« für, so wird es mir  Gellert. Auch wird es in der edeln Schreibart im Nachsatze zuweilen durch und ersetzt, indem die Bedingung im Vordersatze versteckt liegt und weder durch wenn noch durch ein ähnliches Wort ausgedruckt wird. »Lehren Sie mich ihre Tugend nachahmen, und ich werde Sie als die Schöpferinn meines Glückes anbeten.« Gellert. »Denke Gott nur so gütig, als du deinen edelsten Freund denkest, und du wirst nicht mehr zweifeln.« Ders. (3) Eine Folge, Wirkung aus dem Vorhergehenden zu bezeichnen. Da es einmahl nicht anders sein kann, so mag es geschehen. Nachdem er selbst gekommen ist, so bedarf es keines Andern an seine Stelle. Weil du gesündiget hast, so mußt du Strafe leiden. »Wie man den Verstand nicht immer anstrengen kann, so ist es auch erlaubt zuweilen etwas Seichtes zu lesen.« Gellert. Damit ich es nicht vergesse, so will ich es aufschreiben, wo auch das so weggelassen werden kann. »Du hättest sie sollen ruhig machen, so sähe ich doch den Nutzen von deiner Geschicklichkeit,« für, dann sähe ich doch  Gellert. Eben so in einfachen Sätzen. So lasset uns nun gehen. So fanget denn an, wo es zuweilen eine Aufmunterung einschließt. »O so gehe denn keiner zur Ruhe des Grabes, er habe denn süße Früchte getragen und erquickenden Schatten über den Nothleidenden gestreuet.« Geßner. Oft begleitet es wie also eine im Vorhergehenden gegründete Frage. So ist denn keine Hoffnung vorhanden? »So wollen Sie mich nicht melden lassen?« Gellert. »So wird er Sie wohl (wol) gar noch in seinem Testamente bedenken?« Ders. Oft dient so auch, eine Behauptung, einen Schluß zu bezeichnen, wie auch, etwas einzuräumen, was gewöhnlich im Nachsatze stehet. »Und stehen nicht Säulen umher, so stehen doch fruchtbare Bäume und Reben umher.« Geßner. »So unhöflich diese beiden Fragen sind, so muß ich sie doch an Sie thun.« Gellert. »So wie ich ihn kenne, und wie man ihn mir beschrieben hat, so ist er ein Mann, dem man Alles anvertrauen kann.« Ders. So viel ich schließen kann, So hat sie ihn geliebt, eh er sie lieb gewann. Ders. »Doch ist sie nicht so schön, so ist sie nicht so stolz als du.« Weiße. It sie auch nicht schön, so kann sie doch gut sein. Findet es sich nicht sogleich, so braucht es darum noch nicht verloren zu sein. Zuweilen auch im Vordersatze. »Die Freundschaft, so vortrefflich sie ist, hält uns doch nie wegen der Liebe schadlos.« Gellert. Verlier' ich doch, so mächtig ich auch bin, An dir den Ruhm der größten Zauberinn. Ders. Zuweilen bezeichnet es auch einen Unwillen. So gehe doch! So höre doch! So laß dich doch bedeuten! (4) Eine Zeitfolge zu bezeichnen, wo es seine Stelle im Nachsatze hat. Es dauerte nicht lange, so kam er. Idem nun Sylvia sich nach dem Bande bücket, So küßt sie ihn geschwind. Gellert. Überflüssig wird es oft nach als, nachdem, hernach, endlich, zuletzt  gesetzt. Als ich aufgestanden war, so zog ich mich an. Nachdem man dem Kinde seinen Willen that, so hörte es auf zu schreien. »Hernach so nimmt er ihn.« Rost. (5) Eine Vergleichung anzustellen und zu begleiten. So hocher berg so tiefer tal, So groser kraft, so swerer val. Boners Fabeln, 39. Wie gern ich auch wollte, so unmöglich ist es mir doch. Ih mag mir noch so große Mühe geben, so gelingt es mir nicht. So sehr ich schrie und weinte, So ließ man mich nicht los. Weiße. Der falsche Schäfer der, so ehrlich sein Gesicht, So schlimm ist doch sein Herz. Gellert. Zuweilen wird auch aber hinzugefügt, wo es dann zugleich eine Art Gegensatz bildet. Ih hätte wol gewollt, so aber, oder, aber so durfte ich nicht. Ih hatte Inen diese Freude zugedacht, so aber kann nun nichts daraus werden. Außerdem wird so noch zu Zusammensetzungen mit Umstandwörtern und Verhältnißwörtern gebraucht: sobald, sodann, sofern, sofort, sogar, sogleich, sohin, somit, sonach, sowol. S. diese und auch sothan.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–14. Jh.
    Altnordisch
    soAdv.

    Köbler An. Wörterbuch

    so , Adv. nhd. so Hw.: s. svā L.: Vr 528b

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    adv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    SÔ adv. so. goth. sva ( vgl. svê), ahd. sô Gr. 3,43. 164. 165. Ulfil. wb. 170. Graff 6,11. A. demonstrativ. I. in solche…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹sôf.

    Mittelniederdeutsches Wb. · +5 Parallelbelege

    1° sô (soe , zoe) , f. , Wasserlauf, Gosse, Rinne (Westfalen) (vgl. Mnl. Wb. 7, 1457). Vgl. 4° sôde.

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    So

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    So , eine Partikel, welche in einer dreyfachen Gestalt üblich ist. I. Als ein Wörtchen, welches die Stelle eines relativ…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    so

    Goethe-Wörterbuch

    so [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  6. modern
    Dialekt
    so

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    so [só Su. Co. M. Katzent. Han. ; sû Dü. Bisch. K. Z. ; sô Bf. Str. ; unbetont mit entspr. Vokalkürze, an der Spitze ein…

  7. Sprichwörter
    So

    Wander (Sprichwörter)

    So 1. Einmal so, einmal so, sagte der trunkene Bauer, und zog seine Strümpfe verkehrt an. Holl. : Hoe menigmaal vergaat …

  8. Spezial
    so

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    so I adj. inv. (solch) te II adv. 1 talmënter 2 tan 3 (auf diese Weise) insciö 4 (auf diese Weise) te chësta manira 5 (i…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit so

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