Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
REHT adj.
1. recht, so wie es sich gehört, gebührt, schickt, nach gesetz oder sitte. gerecht, wahrhaft, eigentlich.
a. prädicativ. Maurîn het erworben sîns vater ambet, daʒ was reht Parz. 662,25. der ban sî krump oder sleht, man sol in vürhten, daʒ ist reht Vrid. 158,3. daʒ mih unreht dunke reht das. 50,25. er was an allen tugenden reht MS. 2,65. a. reht ist, daʒ ich mîn gelücke prîse MS. 1,20. a. ouch ist reht, daʒ der mist stinke swâ der ist Iw. 16. eʒ ist reht, daʒ man si krœne das. 237. der uns fröide wider bræhte, diu reht und gefüege wære Walth. 65,2. die sprungen in begegene, daʒ was michel reht Nib. Z. 12, 62. daʒ was vil michel reht das. 106, 52. bistu, sprach er, noch worden reht, daʒ du von mîme gebote wollest treten vor die gote Pass. K. 171,96. er sal in beclagen, alsô iʒ reht ist, mit geschrege mühlh. stdtr. 27,12.
b. attributiv: seinen namen mit recht führend, richtig, wirklich, wahrhaft. die rehten pfaffen warne, daʒ si niht gehœren den unrehten Walth. 10,22. nu ist billich, daʒ er des gein rehten liuten wol genieʒe das. 106,33. unrehte minner irrent rehte minnære MS. 2,193. b. eʒ was durch versuochen getân, ob si im wære ein rehteʒ wîp Erec 6780. vgl. ein wîp unwandelbære das. 6790. man velschet elliu rehtiu leben Vrid. 67,26. der ie ein rehter adamas rîterlîcher tugende was Iw. 125. doch sol ich mîn rehteʒ erbe niemen lân das. 212. und wil sîn unser trehten nâch rehtem gerihte pflegen das. 188. sweder ros od man getrat iender ûʒ der rehten stat das. 49. wan sîn sin und ouch sîn bluot kumt ab sîner rehten stat, sô bringt er sich herwider drât, daʒ er siht die tumpheit Teichn. 74. der sîne rîterschaft wol kan und sîne kraft mit listen ze rehten staten vristen Iw. 198. eʒ was ze rehter mâʒe: des seiten si den frouwen danc Nib. Lm. 359,4. ze rehter messezît Nib. Z. 160,51. die rehte waʒʒerstrâʒen die sint mir wol bekant das. 58,23. wer sol uns durch daʒ lant die rehten wege wîsen das. 243, 13. daʒ enkan ich niht geheiʒen rehten heldes muot das. 347,13. er bringt diu rehten mære her von Islant, richtige, zuverlässige nachrichten, das. 83,53. swer geloubet treumen, der enweiʒ der rehten mære niht ze sagen, versteht nicht das richtige zu rathen, das. 230,52. megt ir mir diu rehten mære sagen, wer der recke wære Nib. Lm. 2253,2. daʒ wiʒʒe in rehten triuwen, eʒ ist mir immer leit Nib. Z. 128,23. sît got ein rehter rihter heiʒet an den buochen Walth. 30,19. leg ûf die wâge ein rehteʒ lôt das. 23,8. daʒ er sô manegen tac solt âne rehten erben sîn Barl. 7,35. mit rehteme gelimphe das. 6,39. sô nemen ich dir die reinen fruht der rehten werke, daʒ ist zuht das. 102,22. betwungen eit sol binden niht, der von rechter vorht beschiht Boner. 35,58. vgl. das. 35,63. swelch dan alsô vile bewîsen mac rehtes eigenes bin diseme wîchbilde mühlh. stdtr. 27,29. hette he einen rehten nôtnumft an ire begangen das. 32,12. er sal ime nâch volgen mit geschreige alse eime rehten strâʒin roubære das. 48,28. vgl. das. 48,31. siechunde von rehter krankeit meine ich niht, die mit wirklicher krankheit behafteten, myst. 311,33. unde brante die vorborg; abir he lag vier wochen vor deme rechtin slôʒe, dem hauptschlosse, Ludw. 34,31. ich riet dem hêrren rechtew tât Suchenw. 22,93. du fröude in rehter bitterkeit Gfr. l. II, 1. geben ze rehter ê Parz. 729,28. und samnôtend zesamen gar ain ûʒerwelt volk und ain her ainer rechten ritterschaft zürch. jahrb. 43,24. wir beschermin die rechten nôt des rîchs das. 44,19. die hailgen nâmen ir abgeslagenen höupter an ir arm und giengen von dem bach, dâ si enthouptet wurden, ains rechten ganges ûf 40 schritt und truogen si zuo der stat, dâ si ir begrebte erwalten das. 48,35. starb vil vichs von rechtem hunger und von frôst das. 89,13.
c. substantivisch. der gerechte. Job was gote ein vil lieber man: wir suln in undern rehten hân kaiserchr. 57. d. daʒ ich undern rehten belîbe das. 82. b. die guoten und die rehten das. 103. c. die rechten vüerent dâ den sic, sô windent die vertânen dâ vil jæmerlich ir hende MS. 2,166. b. vgl. das. 2,111. a. ir rehten, gênt zer zeswen mîn das. 1,157. a. man sol dem rehten bîstân Vrid. 158,1. sô half ouch got dem rehten ie Iw. 278. wander gestuont dem rehten ie Wigal. 2773. wander nam ie des rehten war das. 2922. daʒ ich an der jungisten wîle under den rehten belîbe pf. Kuonr. 112,2. die goteheit man lœsen sach die rehten ûʒ der helle nôt Barl. 321,7. daʒ ein valscher bœsewiht ûf die rehten liuget Boner. 7,35. swâ der rihter wolf wil wesen, dâ mac der rehte kûm genesen das. 35,30. daʒ reht billich beschirmen sol den rehten das. 62,77. die rechten eʒʒent in dem himel daʒ engelbrôt Leys. pred. 3,13. daʒ mêrôriu vröude ist, dâ sich der suntære bekêret denne über niun und niunzek rehter spec. eccl. 109, vgl. narrensch. 6,25 (wo es prädicativ steht) u. die anm.; früher scheint das wort in dieser bedeutung prädicativ u. attributiv nicht zu stehen. — die präpositionalen verbindungen von rehte, zerehte etc. sowie reht haben, obwohl sie meistens hierher gehören mögen, vgl. unter daʒ reht. comp. rehter: ich wæne man an kinde niemer mêre vinde süeʒer wort noch rehter site Iw. 238. ey, rîcher kunic, beschouwe, welch recht er müge wesen Pass. K. 673,21.
2. recht, im gegensatz zu link. dextrorsum zu der rechten hant Diefenb. gl. 96. ûf der rehten sîten und darnâch ûf der lingen sîten meinauer naturlehre, im leseb. 771,24. der in dem winter ûf der lingen sîten lag, der kêret sich ze sumer ûf die rehte das. 773,8.