Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
esel stM.
1.1 allgem.
1.2 typische Eigenschaften des Esels, oft in Vergleichen und Sprichw. (vgl. TPMA 3,57-85)
2 übertr. ‘Narr, Unverständiger’
1 eigentl. 1.1 allgem.: ire fihe si brâhten: / rinder unt scâf, esil unt ros dâ nâh Gen 2596. dû bist ein starcher esil, dû wirdest vile fesil [fruchtbar] ebd. 2833. 1492; der munt was im [einem ros ] als einem esele getân VAlex 243; daz er [Samson] mit eines eseles bachen ein tûsint liutes erslûch ebd. 1264; mein vas haisst das wunderspil, / [...] dem esel wechst daraus sein distel, / dem ochsen häw gibt dise zistel KvMSph 1,12; ain maul kümt von ainem pfärt und von ainem esel BdN 141,19; esils milch ist gut den di sich sin in der lunge SalArz 18,49; daz des kaisers Nerônis hausfraw sich padet in esels milch BdN 120,5; nym eynen nuen topf unde volle den halp mit esils miste Albrant 3,40; esels flaisch macht gar pœs pluot dem der ez izzet BdN 120,5. – als Reittier: er heizet dich uahen, / uon einem esele uuͦren / an sinen stul ze Ache Rol 2047; Maria nam von Josephs sattel ein hertes tuͦch, das der esel uf sinem ruggen under dem sattel truͦg Mechth 5: 23,56. – als Lasttier: er esel ist ein geiteloses und ein unreines vich und treit die puͤrde PrOberalt 165,18; treit danne [in der Verkehrten Welt] der sac den esel zuo der müln MF: Reinm 63: 6 1.2 typische Eigenschaften des Esels, oft in Vergleichen und Sprichw. (vgl. TPMA 3,57-85): – der Esel ist störrisch, träge: wir süln ime sô rehte vlêhen, alsô man eim esel tuot, / sô er niht wil secke tragen, mit eime knütel guot RosengD 172,1; iz ist bose wider stocke streben: / dem dregen esel sal man zwiefeldige slege geben SalMark 266; ich tuͦn als [...] der den esel da tribet: / so er in den lachen blibet, / er nimt in die hant den zagel Rennew 22375; daz ist ouch der esele pflege, / si enwîchent nieman ûz dem wege Freid 83,25; Jüngl 163; SalMark 559; nim dir der weil: gæher man schol esel reiten BdN 286,22; Freid 116,26; FrSchw 5696. – Stimme: esels stimme und gouches sanc / erkenne ich âne ir beider danc Freid 140,9; den esel meltet sîn stimme Meissner 1:12,2; do lief er schriende dar, / als noch ein geiler esel tut StrKD 70,65. – Ohren: ze jungest do er den esel vant, / er wart im bî den ôrn erkant Boner 67,37; ein wîp ir wîpheit dannoch phligt: / so erkennet man den esel bî den ôren RvZw 52,12; Renner 7470; AlbvHalbB 48. 69. – Übermut, Leichtsinn: swenn dem esel ist ze wol, / so gat er tanzen uf daz is Frauenlist 282 2 übertr. ‘Narr, Unverständiger’ der wissage ist guneret, / swenne in der esel leret StrKD 107,324; dû bist vil lîhte âne vernunst, / ein tumber esel, âne kunst RvEBarl 12996; aber ich spriche, daz sie sint esel, die niht enverstânt götlîcher wârheit Eckh 2:490,8; alsô geschiht dike, daz von diemüetigen armen läuten ain gar vernünftig witzig kint geporn wirt und von grôzen fürsten ain narr und esel kümt BdN 184,13
MWB 1 2204,43; Bearbeiter: Plate