ab,
uralte partikel, die früher rege, weitwaltende praeposition war, heute fast nur als adverb in vielen zusammensetzungen übrig ist. wo sie sich einem nomen verbindet, haftet sie fest, vor dem verbum steht sie freier und kann den umständen nach getrennt werden. goth. af,
ahd. apa aba,
mhd. abe,
alts. mnl. nnl. altn. schw. dän. af,
ags. engl. of.
lat. a ab,
gr. ἀπό,
skr. apa
und ava,
litt. ap api.
in der wurzel iban af êbun (
s. unter abend)
würde sich die bedeutung nieder leicht ermitteln, verwandt liegen aber
und ebech, äbicht.
das ab
ist sowol ein deorsum als seorsum (
s. abwärts).
Schon mhd. begann die praepositionskraft zu erlöschen und der jüngeren partikel von
zu weichen, beispiele der haftenden hat Ben. 1, 3.
unserer heutigen schriftsprache dauert die praeposition nur ungefühlt fort in abhanden
und abseiten,
wo handen
und seiten
wirkliche, vom vorstehenden ab
regierte dative sind; aus abseiten
bildete sich dann ein adv. abseits,
so dasz auch abwegs
auf ein älteres ab wege,
von dem wege fort, abstatt
auf ein ab der stete, abhag
auf ein ab dem hage
zurückschlieszen läszt; mehr darüber unter diesen wörtern. früher sagte man schöner ab augen, ab herzen,
als heute aus den augen, aus dem herzen.
der ruf: pferd ab! gewehr ab! hut ab!
meint ab dem pferde, ab der schulter, ab dem kopf,
so dasz neben dem ab
bald die sache ausgedrückt wurde die entfernt, bald von welcher entfernt werden sollte. Doch beharren noch schriftsteller des 15. 16. 17.
jh. in bestimmten fällen bei der alten praeposition, welche hier genauer gesammelt werden müssen, zumal geschah es für die verba des fallens gehens springens erschreckens entsetzens grausens verwunderns verdrieszens und klagens. fiehl er ab dem ros. Th. Plater 153; Margaretha fiel sich unlang darnach ab einem laufenden pferd zu tod. Franks
chronik 215
a; um dieselbe zeit fiel mein bruder Samson ab einem kirschbaum zu tod. Toggenb. 67; Drusus ist am Rhein ab einem rosz gefallen. Reiszner
Jerus. 2, 81
a; fünftausend haben sich ab dem hohen felsen zu tode gefallen.
das. 2, 125
b; ab werke gan,
von der arbeit gehn. weisth. 1, 341; sprang ich ab dem weg. Th. Plater 40; die herzogin mit sampt den andern ab dem hohen thurn steigen theten. Galmy 85; den rock ab dem leib ziehen. Th. Plater 72; nicht erschrecken ab wirbeln. Fischart
gl. schif 35; er zitterte ab disen worten; ein scheuhen hetten sie ab Frankfurt. Kirchhof
wendunm. 401
b; so tapfer und menlich, dasz man sich oft ab seiner gegenwertigkeit entsetzt.
das. 370
b; sich ab jener groszen menge entsetzte. Zinkgr.
apophth. 19, 1; ab solcher strengheit erschraken sie. Rihel
Liv. 188; wer bist du dasz dir förchst ab eim tödlichen menschen? Hutten 5, 400; hastu ein grauen ab dem jungfrau schenden?
K. d. f. 64; die fischer haben ein grosze forcht ab solchen fischen. Forer
fischb. 61
b; ab welcher schröcklichen stimm ihn ein grausen ankommen. Philand. 1, 287; ich hatte aber gleich ein abscheuen ab ihrer leichtfertigkeit.
Simplic. 5, 6; dann ich hatte einen eckel ab aller weiber beiwohnung.
das. 5, 10; damit sich der labyrintisch medicus nicht verwunder ab dem artzt, der aus eim anderen grund redet. Paracelsus 1, 282; der könig grosz verwundern ab dem ritter nam. Galmy 74, 215; verwunderten sich ab meiner lenge. Fel. Plater 162; sich ab seiner schöne nicht genug verwundern mochten. Galmy 214; verwunderte sich ab seiner manheit. Aimon ci.; verwundernd sich ab solchem wunder. Weckherlin 346: rauenbilderen, die ab ihren männern misfallens haben. Fischart
ehzucht 6; vertrüszig werden ab dem man.
das.; hette es auch ein beduren ab unser einöde. Fel. Plater 143; nit ists beschehen, dasz gott ab seiner misbietung wolgefallens getragen. Kirchhof
wendunm. 251
a; die andern vögel waren ab irer (
der eule) sittigkeit verdrüszig geworden.
das. 62; und was unglück ab diser seiner torheit im zustehet. Frank
weltb. 38
a; dich ab solcher völle der ertheilten gnaden höchlich verwundern und erfreuen würdest. Spee 190; wie wol ist meinem herzen ab einem solchen trost.
das. 186; will uns noch der tyrann ab dem joch zwingen. Weckherl. 184; sie macht, dasz ab dir sich himmel, luft und erd erquicken.
das. 431; werden alle die, deren ehr deiner ehr zuwider, ohn ausflucht vertilget ab der erden.
das. 229; der sich ab eines affen bossen gesund lachet. Fischart
Garg.; der merhas ist ein giftig thier, ab welchem gar nah alle andere thier, auch der mensch stirbt. Forer
fischb. 19
b; schlegt mit seinem schwanz das aas ab dem angel.
das. 36
a; also schosz der Tell dem kind den öpfel ab der scheitlen des houpts. Tschudi 1, 238; der ritter nit wenig schmerzen ab der herzogin red empfangen thet. Galmy 204; ein zitternde seel, die ab gottes wort erhaschet. Frank
parad. 171
b; nimmet niemant kein exempel ab disen. Frank
laster f ii; wan es der weg zur seligkait wer, würde alle welt ab gott klagen. d iiii; wir würden uns all ab gott bekalgen.
K. d. f. 67; die ab Rumensattel klagtend. Uhland
volksl. 306; sol in für gericht fueren und sol ab ime richten.
weisth. 1, 689.
Aus andern bairischen, schwäbischen, schweizerischen schriften z. b. Aventin, Paracelsus
lassen sich solche belege leicht mehren, selbst aus neueren oberdeutschen büchern. in Fröhlichs
fabeln heiszt es s. 158 was wirft dein wild gestöhn lavinen ab den höhn?
und Hebel
im schatzkästlein sagt: hat euch der feldschütz verjagt ab den kirschbäumen? aber nach einigen wochen kam ab der post ein kistlein an ihn.
Statt jenes alten einfachen er fiel ab dem baum
pflegen wir jetzt zu sagen er fiel von dem baum herab,
indem wir von
an die stelle des ab,
und dies als adverb noch mit her
verbunden hinzu setzen. zu fürchten, erschrecken
fügte schon Luther
statt des ab
die praep. für,
die wir heute mit vor
vertauschen. mit klagen
verbindet sich über,
nicht von,
das aber in manchen andern der gegebnen beispiele angewandt werden musz: es verdrieszt mich von dir,
hingegen: sich verwundern über.
einigemal würde jetzt wegen
zu setzen sein. So viel von der verloren gegangnen praeposition. Was das adverbiale ab
angeht, so pflegen einzelne dichter noch die mhd., im 15. 16.
jahrh. häufige zweisilbige form zu hegen und selbst Göthe 41, 335
gestattet sich: wasserstrom der abestürzt.
bei Opitz, Fleminc, Logau
ganz gewöhnlich. An
und ab, zu
und ab, auf
und ab
bilden gegensätze: ich gehe ab und zu; das eichhorn läuft auf und ab am baum; sie schweben auf, sie schweben ab; hier musz ich auf und ab durch wild gestrüpe reisen. Fleming 118; freud und lust an allem ab und an, an und ab dem kleeblatt holder kinder. Bürger 60
a; im keller war der alte ab- und zulauf fremder gesichter. J. Paul
Tit. 4, 10.
Zu erwägen ist das andern adverbien und selbst dem nomen unmittelbar nachgesetzte und allmälich suffigierte ab.
Da hin
und her
sich entgegengesetzt sind, jenes die richtung nach, dies von einem ort anzeigt, ist die verbindung herab
begreiflicher als hinab
und den wahren gegensatz zu herab
bildet hinan; hinab
bezeichnet aber zweierlei, sowol die richtung nach als von einem ort, beide als verschiedne gedacht. nicht anders erklärt sich dar ab. kurz ab, fern ab, weit ab. weiter ab: sie wundert sich, dasz wir so weit ab von ihr sein. Fleming 129; sie wird euch aus dem fenster winken, ob er hinauf geht oder weiter ab sich schlägt. Lessing 2, 213.
Beim anschlusz hinten an substantiva, ohne artikel, fragt sichs nach dem casus. wie es heiszt den berg hinab gehn, den strom hinab fahren,
könnte man auch bergab steigen, stromab schwimmen
accusativisch zu fassen versucht sein. besser aber erscheinen sie als dative: wo die ergrimmte see mit ganzen wellen streift und jagt das schif grundab. Opitz 2, 22: wir flohen himmelan und hellenab mit schrecken. Fleming 204; mit lastern scheitelab bisz auf den fusz bedeckt. A. Gryphius 1, 244; flieszet es von natur felsenab durch die flur. Göthe 40, 382; ein treuer mann kommt eilig felsenab. Göthe 41, 266: streifte sich der goldne ring fingerab in wasserklüfte. Göthe 5, 147;
d. i. von grund auf, von der hölle, vom scheitel, vom felsen
und finger ab,
noch mit praepositionsnachgefühl, und einem mhd. abe grunde, abe velse, abe vinger
vergleichbar, nur dasz im anhang und suffix die praeposition adverbialnatur gewann. wenn wir sagen treppe auf, treppe ab gehn,
so wäre das die treppe hinauf, von der treppe herab,
obschon gedacht werden kann die treppe hinab,
wie Fleming 308
ausdrücklich die heisze thränenbach rinnt mir ümmsonst die rothen backen ab;
oder Göthe 1, 129 es blitzen waffenwogen den hügel schwankend ab,
wo die beigefügten artikel allen zweifel heben. In einem wie dem andern fall mahnen diese thalan thalab, bergan bergab
an die goth. dalaþ dalaþrô,
und an die griechische partikelbildung, wenn auch jede sprache dabei noch andere mittel und wege einschlug. Die hernach aufgeführten zusammensetzungen sind in ihrer überwiegenden mehrheit anschlüsse des ab
an verba, ungleich seltner an nomina. Wird ab
einem nomen vorangesetzt, so unterscheide man 1)
entweder gleicht der zusammenstellung eine mit dem verbum, dann ist es leicht den begrif jener nach dieser zu bemessen, abbild abfahrt abreise abschlusz
entsprangen erst nachdem schon abbilden abfahren abreisen abschlieszen
gangbar war, und nicht etwa läszt sich hier das verbum aus dem nomen leiten. auch empfangen solche nomina oft eingeschränkteren sinn als die verba, z. b. absicht
hat blosz die bedeutung des absehens auf, nicht des absehens von etwas. 2)
oder das ab
trat unmittelbar vor das nomen, ohne dasz ähnliche verbindung mit einem verbum obwaltete; dann pflegt es minderung des im nomen enthaltnen begrifs, gleichsam entfernung aus ihm anzuzeigen, abgrund
ist was den grund, die erde verlassend in die tiefe, den grund hinab reicht, abgott
ist ein götze, der vom wahren gott abweicht, abgunst
entfernung der gunst, abhold
seine huld entziehend, eigentlich ab der huld
seiend, wie behende
bei der hand, absonnig
von der sonne abliegend, daher abgunst
und ungunst, abhold
und unhold
nicht ganz zusammenfallen, in abgunst abhold
steckt die vorstellung des abgangs von gunst
und hold,
worin sich neid und feindschaft wahrnehmen lassen, während ungunst unhold
die blosze leugnung nie vorhanden gewesener gunst
und huld
enthalten. Offenbar sind die zusammensetzungen zweiter art älter und bedeutsamer als die der ersten, ihr ab
schwankt über in das verwandte aber (abwitz aberwitz, abweg aberweg, abglaube aberglaube)
und entspricht auch dem ahd. mhd. â = ar (abraum ârûmi, abkamm âchampi, abschmeckig âsmecki, absetzen âsezze, abschrôt âscrôt, abweg âwiggi, abweis âweis, abwerk âwirchi, abwitz âwizzi, abwurf âwerf);
von dergleichen zusammensetzungen lassen sich einzelne verba herleiten, wie abkosen,
mhd. âkôsen
ein âkôse
deliramentum voraussetzt. Vor dem verbum flieszen alle bedeutungen des ab
aus dem alten sinnlichen praepositionsbegrif und stetes augenmerk war es, in den beispielen für jedes einzelne wort dies hervorzuheben. der sprachgeist gieng immer von einer lebendigen redensart aus, stufenmäszig auf die abgezogenere über. zuerst hiesz es den staub ab dem tuche blasen, die nüsse ab dem baume schlagen,
bald aber konnte des einen oder andern substantivs oder gar beider entrathen werden: den staub abblasen, die nüsse abschlagen,
indem man den von der praep. abhängigen casus wegliesz; oder das tuch abblasen, den baum abschlagen,
mit kühnerer umdrehung des acc. auf den abhängigen dat. und ellipse des ersten acc.; endlich aber durfte den umständen nach auch mit dem bloszen abblasen, abschlagen
ausgereicht und dem verbum dadurch ein intransitiver schein verliehen werden: wir wollen heute abschlagen!
rufen zur nuszernte gerüstete; absetzen,
mit ausgelassenen acc. den fusz,
trat in die vorstellung des abfallens, zurückweichens über. In allen diesen fällen nun gieng das ab
seiner praepositionalen kraft verlustig und ward zum bloszen herab, hinab, fort, weg
bedeutenden adverb. gern aber gesellte sich, wenn der dativ ausgedrückt bleiben sollte, ihm noch die neue praeposition von
hinzu, was die sinnlichkeit der rede erhielt, doch mit partikeln belastete, denn was hinab von dem baume
sagt, sagte ab dem baume
einfacher. Auf diese weise hat man sich von sämtlichen mit dem verbum eingegangnen verbindungen des ab
rechenschaft zu geben: die praeposition liegt im hintergrund, wenn es auch erst nach einigem umschweif gelingen sollte ihr ursprüngliches verhalten zu ermitteln. In abbilden abschreiben abmahlen
wird das übertragen von (ab)
einem auf das andere ausgedrückt, ein lied abblasen
heiszt es von den noten oder aus dem horn herab blasen, absehn ablangen
meint etwas von ferne her, von einer stelle her sehn und holen; abnützen abgreifen
durch öfteres nützen und angreifen etwas von der sache nehmen, es hiesz zuerst ab der thür greifen,
dann blosz abgreifen.
wo in ab
der begrif des vollendens, fertigens liegt, ist ein geben und thun von der hand, ab der hand
anzunehmen, wie in abmachen, abthun,
was dann in andern wörtern wie abstrafen, abprügeln
nicht mehr genau zu fassen, blosz von dem vollzug der handlung zu verstehn ist. Schwerer zu deuten scheinen die verba des abbüszens abarbeitens abängstigens,
vermutlich sagte man sich ab einer sache ängstigen, müde arbeiten;
in absterben
mag, wo nicht andere unterlagen deutlich sind, stecken hinsterben, davon sterben, in abscheiden
davon, ab dem leben scheiden, in manchen wie abändern absondern
ist die verschiedenheit von dem einfachen ändern
und sondern
kaum merkbar. einzelne solcher zusammensetzungen sind aber treflich gebildet und werden andern sprachen unerreichbar, z. b. abprangen, abknixen, abgeweint.
Die praeposition hatte vor dem nomen ihre gemessene stelle (
ob sich bergab, thalab
aus nachgesetzter praep. deuten lassen, verdient erwogen zu werden)
; adverbiales ab
konnte eine freie vor oder nach dem verbum einnehmen und nahm sie in der älteren sprache ein. allmälich gewann aber das ursprünglich lose ungebundne ab,
wo es nach der wortfügung unmittelbar vor das verbum zu stehn kommt, an dieses festeren anschlusz, ohne darum die fähigkeit zu verlieren, ihm in andern lagen der rede nachzutreten. damit verhält es sich bei ab
wie mit allen andern trennbaren partikeln. Doch erscheint es auch heute noch oft, zumal wo sich die partikeln häufen, in freierer bewegung, z. b. in folgender stelle: bis dann auch er gebändiget von einer götterhand ab auf den rogus nieder stürzt, den er sich selbst gehäuft. Göthe 2, 185.
überhaupt, wenn es nieder, fort, weg bedeutet und aus manigfalten ellipsen verständigt werden musz: ab vom pferde (
gestiegen)! ab den hut (
genommen)! ab denn, rascher hinab! Göthe 2, 69.
Vor einzelnen wörtern behauptet es sich fortwährend loser und fast unzusammengesetzt, namentlich vor dem substantivverbum, vor haben
und kriegen (
s. absein, abbehalten, abbleiben, abhaben, abkriegen),
noch weniger läszt sich vor können müssen sollen wollen
anwachsendes ab
denken: der baum soll ab (
gehauen werden), der nagel will nicht ab (
gehn), ich glaube dasz er doch ab (
genommen werden) musz;
denn deutlich wäre es hier näher an die ausgelassenen verba hauen gehn
und nehmen
zu fügen, nicht an das auxiliar: man ist darauf (
auf dem pferde) wie angepicht, will immer ab (
steigen) und trabt in einem stücke nur weiter fort. Gökingk 1, 105.