DWB2
ABSEIN vb. DWB2
ahd. abasîn, abauuesan,
mhd. abesîn, abewesen,
mnd. avesîn, afwesen,
nl. afzijn, afwezen.
bis in jüngste zeit vielfach nicht als kompositum aufgefaßt (
vgl. die belege unter ab II).
zusammenschreibung ist heute für infinite formen obligatorisch. belege für abwesen
finden sich nur bis ins 16. jh., vgl. jedoch abwesen
n. und abwesend
adj. DWB2 DWB21
nicht (mehr) vorhanden sein; abgeschafft, aufgehoben sein. DWB2a
nicht dasein, fehlen: ⟨v1022⟩ uuanda mir îo fone dero nôthafti dunchet. aba-uuesen liberum arbitrium Notker
1,345 ATB. fone diu. ube er îo foreuueiz. nîeht ein liuto tâte. nube ouh iro uuillen. sô ist selbuualtigi aba
(nulla erit libertas arbitrii) ebd. 1,344. E14.jh. desse .. zunde. de machgst du .. vnseme heren .. bekennen. vnde dyne broclycheit voͤrlegghen. de du voͤlest aftowesende yn dynen dogheden
nonnenspiegel 218 A. 1528 arm leüt werden nit absein im land deiner wonung Berthold v. Chiemsee
theol. 604 R. DWB2b DWB2
abgeschafft, []erledigt, ungültig sein; überwiegend rechtssprachl.: ⟨1240/50⟩ so mag der eit/ sin abe Ulrich v. Türheim
Rennewart 5062 DTM. ⟨1301/19⟩ ouch wart dâ gesprochen/ an der schidunge,/ daz alliu phantunge/ solde wesen ab Ottokar
öst. reimchr. 44297 MGH. 1385 nu sege myn here tomale gerne, .. dat dat kostgeld gantz ave were
urkb. Goslar 5,269 B./H. 1490 alsdan
(nach seinem tode) sal die guitlich abrede des zolls halber .. abesin
urkb. Ndrhein 4,1,556. 1514 das als bald solt der gaystlich stab/ durch dysen bundtschuͦch wesen ab/ darzuͦ auch etlich weltlich recht
in: Gengenbach
395 G. 1520 do er
(Christus) ditz testament gegen yhenes setzt und spricht: ‘ein news’, das yhenis allt werd und absey Luther
w. 6,358 W. 1602 er hab .. zu verstehen geben wöllen, das alle irrungen, zanck und hader suchen, solten gäntzlich hiemit ab sein Kirchhof
wendunmuth 2,31 LV. auf personen bezogen: 1553 noch hett der Luther .. sovil zuegericht, daz alle priester soltn zu Wittenberg .. absein. vnnd ward ain priester bestelt, der allain ain ainig mess solt haltn im tag Kirchmair
in: font. rer. austr. I 1,457. 1865 in 4 wochen, glaube er, sei Becker ab
in: 1. internationale (1964)27. DWB2—
zu ende, vorbei sein: hs.A14.jh. min geselle aber wider quam/ und brocht sulche mere/ daz der
(erz-)ganch gar abe were
kl. mhd. erz. III 56,424 DTM. ⟨1532⟩ das sich der mensch jmer mit seinem wanst und stancksack tragen .. solte? .. nu aber mus solchs alles abe sein mit diesem leben Luther
(nachschr.) w. 36,635 W. 1561 das im der könig heut treget gunst,/ morgen ist es ab und umb sunst Sachs
10,496 LV. 1842 man arbeitet sich doch durchs leben voran, ungefähr wie durch den winter, wenn’s mit dem sommer ab und alle ist Droste-H.
br. 2,13 Sch.K. 1884 daß es mit meiner novellistik ab und aus ist Heyse
brw. 358 K. DWB2—
formelhaft etwas ist tot und ab, ab und tot
u. ä., s. ab II A 2;
ferner: 1334 wellen wir, daz alleu diuselben gebot und ouch brief genczlich abe und tot sind und daz si in fuͤrbaz mer keinen schaden bringen sullen
urkb. Mühlhausen 415 H. 1448 alsoe dat nae onsen doede alle punten ind voirwerden doet ind affwesen soilen
urkb. Ndrhein 4,1,345. 1537 also
(soll) hiemit der alt gesetzt articull ganz kraftloß, thod und ab sein und diser new gemachter articull hinfuro .. gelten
württ. ländl. rechtsqu. 2,155 W. 1683 soll alles, was bey dieser .. revolution .. begangen worden, allerdings vergessen, verziehen, todt und ab seyn Weise
Masaniello 71 HND. ⟨1838/9⟩ ich erzähle von der vergangenheit, von dingen, die ab und todt sind Immermann
1,53 B. 1884 die .. lebensformen .., wie sie in der diadochenzeit waren, sind jetzt ab und tot Wilamowitz-
M. brw. (1935)232. DWB2c
im spiel verloren haben, ausgeschieden sein: 1662 du bist ab
tu perdidisti lusum, in: schweiz. id. 1,29. 1796 wenn .. ein gegner den ball schnell erhascht und damit das querholz herabstösst, ehe er hand, fuss oder rakette im male hat, so ist er vom schlage ab Gutsmuths
sp. 93. 1908 Seilspringerliesel/ .. spring, zähl und spring/ eins! zwei! drei!/ fünfundzwanzig .. du bist „ab“
charon 5,83. 1909 du häst us
dem riss (‘
spielbezirk’ ) g’schlage
n, jez bist ab!
schweiz. id. 6,1379. DWB22 DWB2
entledigt sein, los sein; meist mit gen. (der sache, seltener der person) ⟨u1200⟩ sît ich der sælde niene habe/ daz si mir sanfte lône, / ichn wil des doch niht wesen abe Ulrich v. Gutenburg
3077,6 MF. ⟨u1280⟩ hei moisse intsat bliven/ .. unde si des riches af
(Köln) chr. dt. städte 12,39. 1444 asdan endorften myne eruen umb deser verbuntenisse afftowesen mynem gnedigen hern .. nyet meer geuen dan vyffhondert gulden
urkb. Ndrhein 4,1,315. 1470 das wir .. muͦtwilliger zuͦgriff, gewalts und ander unbillicher sachen dest fúro absin moͤgen
obrhein. stadtrechte II 2,142. ⟨v1510⟩ du leidest von deinen fründen, du sprichst wer ich des mans ab, des weibs ab, des kindes ab Geiler
euangelia (1517)92a. 1534 wer zum künig oder in krieg zeücht oder abzeücht, soll von dem zoll vnnd weg steür absein Franck
weltb. 36b. 1552 die guͦt fraw .. / wer gern geweßt jrs schmertzens ab Scheit
heimfahrt 40 S. 1577 darum wann jr
(flöhe) der weiber list/ wolt absein, so demmt euer glüst Fischart
1,92 DNL. 1600
(sie) hett seiner nicht absein konnen, wan sie nicht folgen wollen, hett ehr ihr gedrewet zu schlahen
in: Wrede
altköln. sprachschatz []42a. ⟨1646⟩ ob er .. in einem closter zuleben entschlossen, in .. hoffnung deß zeitlichen abzuseyn Moscherosch
(unecht) gesichte (1646)6, vorr. 2. 1672 dass dein gewüssen des zwangs ab ist, ist das nicht freiheit?
in: schweiz. id. 7,1040. DWB2—
von etwas verschont bleiben: 1494 wer ab will sin vil leids vnd we,/ der hüt sich vor einr frömbden ee Brant
narrenschiff 36a Z. hs.1514
(Christus am Ölberg:) o himelischer vatter mein,/ kann jch der marter nitt ab gesein,/ so bin jch doch gehorsam dir
heidelb. passionssp. 168 LV. 1563 wer es sach, daß er den hunden entkeme, solte er fürterer straff abseyn und bleyben Kirchhof
wendunmuth 1,485 LV. DWB2— nicht absein
(nicht umhin können), etwas zu tun: 1446 wie du das nit enderest, möcht ich kum absin, ich wurde dich darum straffen
in: schweiz. id. 7,1040. 1589 konnen oder mogen wir nit absein, by e.f.g. .. zu bitten, daß e.f.g. .. ahn der pochtlieferung .. einen nachlaß thun
in: Mechtel
limb. chr. 160 K. DWB23
abgetrennt, nicht (mehr) daransein: ⟨u1300⟩ waz die nature geirret hat/ an der rehten forme tat,/ daz im die glieder sint abe,/ oder ob ez nie glider habe Heinrich v. Neustadt
zukunft 6208 DTM. hs.u1430 Gawan schlug yn .. uff den arme, so das .. im der arm nehelich ab was
Lancelot 1,350 DTM. ⟨u1520⟩ dem beren is gût de stert ave Bote
köker 43 ATB. 1523 wen er gewust hett, das die hant were abgewest, wolde er den einen
(täter) .. erwurget haben Planitz
ber. 540 W./V. 1563 der schmid .. wünschet, daß inen die helß abweren Kirchhof
wendunmuth 1,525 LV. 1677 was hilfft aber der hutt in händen; wenn der kopff ab ist? Butschky
Pathmos 924. ⟨1734⟩ auf der linken seite des stirnbeins war ein stück haut ab
in: Büttner
kindermord (1771)2,4. 1819 mein .. augenzahn .. kann nicht wieder hergestellt werden, weil die emaille ab ist Pückler-
M. brw. 5,244 A. 1850 stabsarzt K. erklärte gleich, daß der fuß ab sei Franz Josef
I. br. an seine mutter 142 Sch. ⟨v1965⟩ unterbrochen ist unterbrochen, der faden ist ab Bobrowski
claviere (1966)114. 1969 ein rad ist ab
(v. d. lokomotive) Becker
Jakob 74. DWB24
fern-, fortsein, abwesend sein, in gewisser entfernung von etwas sein (meist lokal) 1328 de nut auer des gudes scolde min wesen, de wile ec aue were
urkb. Braunschw. u. Lüneb. 1,236 S. 1343 her sal .. vorterbin dise bûwelûte .. dô si diz hôrten, dô sprâchin si zuͦ ime: „abe sî daz!“
(Luk. 20,16) evangelienb. Matthias v. Beheim 166 B. (Luther:
das sey ferne). ⟨v1475⟩ er woͤll oder woͤll nit, so würt der tod nit lang von jm abwesen Eyb
sitten (1511)66a. 1556 das vnsere fuͤrsten .. ferne absein von der platonischen .. disciplin vnd policey Sarcerius
disciplin 177a. 1619 wann .. wegen notwendiger geschäfte .. unser rector durch eine zeit absein müßte
unterr.wesen Mecklenb. 2,34 Sch. 1624 dem allem
(hofleben) ab zu sein, wolt’ ich mich gantz verhüllen,/ mit tausend bücher schar Opitz
t. poemata 240 HND. 1682 niemand soll im feld-lager .. ohne erlaubniß .. über nacht von seiner compagnie .. abseyn
in: Frauenholz
heerwesen (1935)4,389. 1720 ob wir gleich nicht 1 stunde weit vom ufer abwaren Vischer
Robinson Crusoe (Leipz.) 1,28. 1789 aber siehe! da sind wir weit von unserer rechnung ab
Rousseau, Emil 1,410 C. 1920 in menschenferner einsamkeit .., auch wenn man nur einen kilometer von der bahnlinie ab ist Heusler
br. 117 S. DWB25
etwas in abrede stellen, dagegen, abgeneigt sein u. ä. (verneint gebraucht) 1519 als die frow der eigenschaft nit ab ist (‘
zugibt, dass sie eine hörige sei’)
in: schweiz. id. 1,30. 1531 zimpt es uns .. ainer oberkait ainer warhait nit abzesin
ebd. 7,1040. 1626 so hätte sie
(die ritter- und landschaft) ihm dahin nicht absein mögen
in: meckl. wb. 1,182. 1744 man werde die widererstattung diser summ ihme auff eidentliche zallung zu stellen nit abseyn
in: schweiz. id. 7,1041. 1782 es dem ausschuß anzeigen solle, welcher .. die sache der .. landgerichts-oberkeit
etc. anzuzeigen hat, welche .. iedesmals den gerichtsdiener .. abzuordnen nicht absein wird
öst. weist. 5,531. 1785 die spinnerweiber konnten ihm nicht abseyn, daß sonn und mond .. einem jeden menschen das wort gottes .. genugsam erklären Pestalozzi
3,197 B. DWB26
abgerissen, zerstört sein: ⟨u1420⟩ so solt gein sohne
(sühne) geschehen, dat bolwerk enwere af, und der herzog solt auch de burger van Colen tolvri halden
(Köln) chr. dt. städte 13,107. [] ⟨u1440⟩ so ist der beginen hof aller ab
(durch unwetter) .. ein nonnencloster das ist alles ab Windeck
denkw. 437 A. DWB27
erschöpft, müde sein (umgangssprachl., vgl. ab II C 5 mit beleg von 1844) 1892 absein
erschöpft, außer atem sein Genthe
slang 2. 1936 mutter is janz ab Habel
d. berlin. 18. 1966 von dem bißchen arbeit kannst du doch nicht so absein Friederich
idiomatik 514.Braun