seite,
f. II.
mhd. sîte,
schwach und stark flectierend, mhd. wb. 2, 2, 326
a;
gekürzt sît
in abgeblaszter und formelhafter verwendung. 327
a ff., vgl. Lexer
mhd. handwb. 2, 942;
ahd. sîta,
starkes und schwaches fem. Graff 6, 158;
alts. sída,
starkes fem., fries. sîde Richthofen 1012
a;
ags. sîde,
schwach fiectierend, ebenso altnordisch síða.
im gotischen fehlt das wort; nld. zij, zijde,
engl. side,
dän. side,
schwed. sida.
die bedeutung '
seite des menschlichen oder thierischen körpers, weiche, hüfte, ist allen germanischen sprachen, in denen das wort bezeugt ist, gemeinsam. auch die wesentlichen abgeleiteten bedeutungen finden sich schon in alter zeit (
vergl. unten die belege).
ob altnord. síðr,
lang, lang herabhängend, ags. sîd,
weit, breit, umfangreich (
vgl. nd. wît unde sît,
weit und breit, im übrigen hat hier das adj. die bedeutung '
niedrig'
angenommen, ahd. sîto,
laxe Graff 6, 158),
weit herabhängend verwandt sind, ist zweifelhaft; man könnte als älteste bedeutung des fem. '
abfallende, sich abdachende fläche'
ansehen (
ähnlich Franck
etym. woordenb. 1207,
vgl. auch Grimm
gramm. 2, 46);
und die verwendung von altisl. síða
in ortsbezeichnungen für küstenstriche, aueh für abfallendes, sich absenkendes land überhaupt (
vgl. Cleasby-Vigfusson
s. v., s. auch unten steir. u. kärnt. teidinge 290, 39
unter 5)
heranziehen. doch ist die bedeutungsentwicklung von costa
im romanischen beachtenswert, die von '
rippe, seite'
des menschlichen körpers ausgeht, vgl. franz. côte,
küste, coteau (
für côteau),
abhang eines berges, s. Diez
etym. wb.4 110.
die entwicklung der nhd. flexion von seite
bietet nichts bemerkenswertes, schwache formen des singulars halten sich in den festen wendungen auf seiten, von seiten;
zur seiten
noch bei Göthe (
s. II, 3);
vgl. dagegen auf seite, von seite
bei Lavater (II, 9). IIII.
gebrauch. II@11)
die dem druck nachgebenden theile über den hüften unter den rippen, die rumpfflächen zwischen der bauch- und der kreuzgegend; eine naturgemäsz ungenaue bezeichnung, da in weiterem sinne die über den weichen liegenden, zu der achselhöhle streichenden theile mit inbegriffen werden, so dasz rechts und links am körper die zwischen brust- und rückenfläche liegenden gegenden gemeint sind. im engeren sinne also bedeutet die seiten '
taille'; die brust, welche von den dutten und brustwartzlein dicke ist, hat unten den bauch zu beyden ecken (seiten) die seiten. Comenius
sprachenthür übersetzt von Docemius (1657) 253; so ist an dem menschlichen körper die seite, die fläche von den armen bis auf die hüfte. Adelung;
im engeren sinne für '
weichen' (
so auch im ags. und altnord.): there bukwnde thruch bethe tha sida achtenda halua merk bihalua tuam scillingum. Richthofen
fries. rechtsquellen 93, 7; dô greif nâch eime gürtel,diu hêrlîche meit, eime starken borten,dens umb ir sîten truoc.
Nib. 587, 3; ir gürtl man hôher koste jach, edel steine drûf verwieret, daʒ er
noch bêdiu zieret ir hüffel unde ir sîten. Wolfram
Willeh. 249, 11; ze den sîten was diu liebe smal.
gesammtabenteuer 3, 113, 63; ir brüste niht als ein man, mit einer langen sîten (
langen taille).
Flore 6905 (
vgl. Weinhold frauen2 1, 222);
auch am pferde werden die '
langen seiten'
gelobt, s. unten Erec 1434.
in anderm sinne aber in der redensart: er hat lange seiten,
er kann über die maszen essen und trinken, eh er genug hat, vgl. Spiesz 233. Wander
sprichw.-lex. 4, 528, 32; die hände in die seiten setzen. Stieler 2002; die hände, arme in die seite setzen, legen aus stolzheit, zorn. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 761
c; die magd stürtzt beyde hend in die seyten (
zornig). Sachs
fastn. sp. 1, 44
neudruck; ein stechen in der seite haben. Kramer
a. a. o. 2, 761
c; ik heb' so'n pîn in de sî
d. ten Doornkaat Koolman 3, 180
b. sich die seiten halten müssen,
bei übermäszigem lachen; jemandem up de siden kamen,
ihn schlagen, züchtigen. Mi 79
a,
vgl. nd. korrespondenzbl. 12, 73.
meist liegt auch bei der anwendung des wortes in körperlichem sinne eine unbestimmtere vorstellung zu grunde, so dasz je nach dem zusammenhange die eigentlichen weichen oder auch die darüber oder darunter liegenden theile verstanden werden: ein therô kemphôno mit speru sîna sîta giofanôta.
Tatian 211, 4; der kriegsknechte einer öffenet seine seite mit einem spehr.
Joh. 19, 34; that an selBes warðsîdu kristes antlokan îs lîk-hamo.
Heliand 5709; ein thero knehto thiʒ gisah,joh zi ferehe er nan stah mit speru er tharzua giilta,indeta mo thia sita. Otfrid 4, 33, 28; dô si jæmerlîch ir kint sach tœten und Longinus ein sper im in sîn reine sîten stach. Walther 37, 20; drê stumpe ngele de dor hende unde vôte gân, unde sîne sîde wert dore steken.
von deme holte des h. eruzes 256;
im bilde: sus was der wol gelobte man gerant zur blôʒen (
ungedeckten) sîten an mit rede.
Parz. 299, 14; so schach ed van godes schickinge dat dem torkeschen keiser ein pil in de siden vloch.
d. städtechron. 7, 393, 18; und ein jglicher ergreiff den andern bey dem kopff, und sties jm sein schwert in seine seiten.
2 Sam. 2, 16; sie werden euch zum strick und netz, und zum geiszel in ewer seiten werden.
Jos. 23, 13; der engel des herrn .. schlug Petrum an die seiten.
apostelgesch. 12, 7; der heber gât in lîtuntregit sper in sîtun. Müllenhoff-Scherer
denkm.3 1, 56; ein ribbe ute dîner sîden brken, dat machstu scauwen.
sündenf. 903; wente mi is in alle minen ledematen we, in dem rugge, in den siden unde ôk in dem magen.
dodes danz 939; do begund der smerze sich erwegen und in die ander sîten legen. Ottokar
reimchron. 38237; (
der verklärte leib) kan die füsze nicht bewegen, die seiten schwancken ohn liebligkeit. Meyfart
himml. Jerusalem (1630) 2, 202; haben mich nicht gesegenet seine (
des armen) seiten, da er von den fellen meiner lemmer erwermet ward?
Hiob 31, 20;
lende als sitz der zeugungskraft: habað unk eldî binomanellean-dâdi, that wit sint an unkro siuni gislekitendi an unkun sîdun
lat. Heliand 152. seite
am thierischen körper: diu ros si nâmen beidiuzen sîten mit den sporn.
Nibel. 183, 2; die zwêne helde hôchgeborn in die ros mit den sporn zu beiden sîten sluogen. H. v. Freiberg
Trist. 6175; (
das pferd) was senfte unde frô, mit langen sîten.
Erec 1434; sîn (
des wurmes) bûch was grüene alsam ein gras, diu ougen rôt, sin sîte gel.
Wigalois 5058.
etwas an der seite
des körpers befestigt, hängend tragen: is he up der syden licht (
trägt er keinen schweren geldbeutel an der seite) unde het he ok in der taschen nicht.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 204
b.
waffe, an der seite getragen (
vgl. seitengewehr): einen degen an der seite tragen. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 761
a; gurte dein schwert an deine seiten du helt.
ps. 45, 4; wie er sie umarmen will, reiszt sie ihm den degen von der seite. Schiller
räuber 3, 1; ak he is bie atôh, swerd bi sîdu.
Heliand 4875; do muosens beide zücken diu swert von den sîten.
Iwein 1019; sie zucten von der sîten, daʒ in dar an gesegent was (
nämlich das schwert). H. v. Freiberg
Tristan 1780. II@22)
in anderen wendungen und verbindungen tritt der gegensatz zu der vorder- und rückfläche des menschlichen körpers in den vordergrund (
die ihrerseits wieder mit weiterer ausbildung des gebrauchs von seite
als vorder-
und rückseite
bezeichnet werden können, s. unten); auf der seite liegen,
nicht auf dem rücken oder dem bauche; auf der seite schwimmen
und ähnliches; auff die seyten ligen,
submittere latus Maaler 372
c; er liegt auf der rechten seite Stieler 2002; so viel tage du auff deiner seiten ligest.
Hesek. 4, 9.
in der redensart sich auf die faule seite legen,
nichts thun, ein müsziges, träges dasein führen, ist wol eigentlich die seite gemeint, auf der man am bequemsten zu ruhen gewohnt ist; dann redet man auch in entsprechendem freieren sinne von einer schlimmen, liederlichen seite
u. ä.: sikk up de fule side leggen. Dähnert 423
b; das resultat deiner schönen entdeckungen ist also, dasz man gar nicht philosophieren, sondern sich auf die faule seite legen und wie ein idiot in der welt leben soll. Wieland
Lucian 5, 64 (1789); wer sich legt auff die faule seiten, wil sich nehren von andern leuten, dem schadts nit, das sein anschlag feyhlt. Waldis
Esop 3, 80, 23
Kurz; ach! ach! wie leben doch die leute so liederlich in tag hinein! sie liegen auf der faulen seite. Günther 163;
verblaszt: sich auf die faule seite begeben,
s. oben th. 3,
sp. 1371; schlimme seite: und euch nit gunst und geitzes wegn auff eine schlimme seiten legn. Ringwaldt
tr. Eckart H 3
a.
rechte, linke seite
des körpers: die seiten des körpers scheinen einige verschiedenheiten in hinsicht auf die häufigkeit der abweichungen darzubieten, namentlich die linke häufigern abweichungen unterworfen zu seyn. Meckel
anatomie (1815) 1, 88;
die rechte ist die ehren- (
vgl. unten 3),
die linke die herzensseite, schwertseite, die grüne (
s. unter grün) seite,
nach der man seine gunst, liebe wendet: hieher Cordele huy auff, an mein grüne seyten. Fischart
Garg. 92
a; setz den lieben schelmen und kuttenhämmel den schemmel da neben mich an desz eck hie an meine grüne seit. 240
a; diesz dörfft jhr alles nicht, herr breutgam, weil euch heut' alsz euer hertze wünscht, an eure grüne seit' ein artzt wirdt beygelegt, der liebespein kan lindern. W. Scherffer
ged. 386 (
mit andern stellen bei Drechsler
W. Scherffer 242);
die linke seite ist ungünstig: ein neugebohren kind soll man nicht zu erst auf die linke seite legen, es wird und bleibet sonst sein lebtage linkisch.
rockenphil. 2.
hundert, nr. 45;
scherzhaft: eine zwar ziemlich bey jahren, zum wenigsten auf einer seite 18. bisz 19. jahr (
d. h. 36—38). Weise
erzn. 45
neudruck. eine hohe seite haben,
schief gewachsen sein. Kramer
deutschital. dict. (1702) 2, 761
b; ânseitet,
schief, auf einer seite niedriger als auf der andern. Lexer 231; auf die seite laden,
betrunken sein. Hunziker 242.
Seiler 269
b; seite
wird zur bloszen bezeichnung des ortes, der richtung am körper, dann der richtung überhaupt: er läszt den kopf zur seite hängen, trägt den hut auf der seite, der mantel hängt zur seite herab
und ähnliches: grob hüt macht man vor zeiten von aller farb mit fleis, die trug man auff der seiten auff niderlendische weis.
bergreihen 83
neudruck; in seinem haupt eine grosze wund', darauf ein adler traurig reit't, die flügel hing er ab zur seit. Brentano
ges. schr. 2, 74. den mantel auf beide seiten henken,
sich auf entgegengesetzte fälle einrichten wollen: den mantel auff beyd seitten hencke, sein schiff nach allen winden lencke. Kirchhof
wendunm. 3, 42
Österley; hinken auf beiden seiten,
sich nach keiner seite entscheiden können, mit keiner partei es verderben wollen: da trat Elia zu allem volck, und sprach, wie lange hincket jr auff beiden seiten? ist der herr gott, so wandelt jm nach, ists aber Baal, so wandelt jm nach.
1 kön. 18, 21; wer sich mit gschenck leszt machen bendig, der ist im rechten unbestendig, der unbestandt jn dahin zwingt, das er zu beiden seiten hinckt. Waldis
Esop 4, 94, 288
Kurz. ein conterfayt auf einer seite,
ritratto in profilo e non in faccia. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 761
b; ein conterfayt .. nach einer seite malen.
ebenda; ein gesicht von der seite zeichnen (
en profil). Campe,
sich berührend mit 8. II@33)
seitliche berührung, nähe, besondere wendungen, die beziehung, zusammenhang, unterstützungs-, schutzverhältnis u. ähnl. ausdrücken; an die seite stellen, setzen: einem den hencker an die seite stellen,
ihn mit unmittelbarem tode bedrohen. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 761
a; sich einem an die seite legen.
ebenda; einem zur seite gehen, stehen, einen zur seite haben
u. s. w. es sind hier solche wendungen auszuscheiden, in denen es sich um ein zufälliges, gleichgültiges nebeneinander handelt, um blosze orts-, richtungsbestimmung; ehrung: die herzogîn Karsîe, die kiusche, wandels vrîe, nam ern Tristanden mit iren wîʒen handen und satzte in an ir sîten. H. von Freiberg
Tristan 485; Abner aber setzt sich an die seiten Saul.
1 Sam. 20, 25;
der rechts sitzende oder stehende, gehende ist der höher geehrte (rechte seite ehrenseite): de konink wolde nicht sitten to der luchteren zyden, mer he sat to des bischopes rechteren syden.
quelle bei Schiller - Lübben 4, 204
b. sich eine auf die linke seite trauen lassen,
uxorem ad morganaticam ducere Stieler 2002 (
gewöhnlich zur linken hand,
vgl. auch unten 10);
eheliches verhältnis: eine an der seite haben (
als gattin oder concubine). Kramer 2, 761
a;
freier: das ist ein halber trost zur lincken seitten (
schlechter trost). Luther 14, 139, 15
Weim. ausg.; Cain .. ist auff der lingken seitten ein bapst geweszen,
magnae aestimationis apud suos. 174, 29; die gattin an seiner seite; die gattin von seiner seite reiszen; geh mir also von der seite; denn es steht auch geschrieben; wer nicht hasset sein weib, kann mein jünger nicht seyn. Boos
pred. 2, 222; ja, an eines gatten seite, der dich liebt, der dich verdient, werde dir ein andrer name. Grillparzer 3, 15;
in ähnlichem sinne: mann, eltern, kind und freund und was bey lebens-zeiten mir mehr von liebem volck, stund lieblich an den seiten. Logau 1, 182, 68; zwar hab ich hier an meiner seite beständig rechte gute leute, die mit mir leiden, wenn ich leide.
der junge Göthe 1, 30.
mitkämpferschaft u. ähnl.: an deiner seite trotz ich allen gefahren.
verblassend: ob tausend fallen zu deiner seiten.
ps. 91, 7; an sîner sîten wart erslagen sîn veter herzog Primik. Ottokar
reimchr. 21125; er ging an meiner seite in gleichem schritt und tritt. Uhland
ged. 1, 184
Schmidt-Hartmann; schützend, helfend, mit anhänglichkeit zur seite
stehen, sich verbinden mit, haften an u. s. w.; einige wendungen werden fest und ihre sinnliche bedeutung tritt zurück: einen allezeit an der seiten haben. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 761
a; einem zur seite seyn, das ist, helfen. Frisch 2, 261
c;
ebenso: einem zur seite gehen, stehen. einen zur seite haben (
als helfer); einem nicht von der seite kommen,
ihn nicht allein lassen, sich an ihn hängen (
gewöhnlich in ungünstigem sinne: ihn dauernd beobachten oder gar belästigen): ernähret stiller fleisz, wenn ihm genügsamkeit zur seite geht, nicht jeden stand hienieden? Gotter 1, 252; sie (
die musen) schweben ihr in ihren einsamkeiten, wenn sie im morgenthau die pfade der natur besuchet, ungesehn zur seiten, und leiten sie auf ihre schönste spur. Wieland 9, 163 (
an Olympia 1, 3); Tydeus sohn, Diomedes, du werthester, schone den Ares nicht, und keinen der übrigen götter; ich steh' dir zur seiten. Stolberg 11, 191; die gelegentliche eröffnung Montan's, dasz ihm bei seinen gebirgischen und bergmännischen unternehmungen eine person zur seite gehe, welche ganz wundersame eigenschaften und einen ganz eigenen bezug auf alles habe was man gestein, mineral, ja sogar was man überhaupt element nennen könne. Göthe 23, 209; beide standen sich im leben so zur seite, dasz der eine stets da aushalf, wo der andere schwächer war. Schlosser
weltgesch. 6, 331.
in weniger prägnantem sinne: ewig! Dora, lispeltest du; mir schallt es im ohre mit dem donner des Zeus! stand sie doch neben dem thron, seine tochter, die göttin der liebe; die Grazien standen ihr zur seiten! er ist götterbekräftigt, der bund! Göthe 1, 300.
doch auch von drohendem, beängstigendem: entfliehen lasz mich der gewalt, die sonst durch lieb' und freundschaft wirksam, fürchterlich, wie ein gespenst, mir nun zur seite steht. Göthe 2, 279.
in besonderer wendung: wenn ich es nicht für einen ungleich gröszern gewinn gehalten hätte, der menschlichen natur zur seite zu bleiben (
nach der menschlichen natur meine darstellung durchweg einzurichten). Schiller 6, 73. II@44) an die seite stellen, setzen
wird auch im sinne des vergleichens, gleich setzens gebraucht: dieses gemälde ist den früheren werken des künstlers nicht an die seite zu stellen (
kann mit ihnen nicht verglichen werden, ist weniger wert als sie); wer wagt sich ihm an die seite zu stellen (
sich mit ihm zu vergleichen)? wird er dann auch näher kennen, was du diese zeit geleistet hast; so stellt er dich gewisz dem dichter an die seite, den er jetzt als einen riesen dir entgegen stellt. Göthe 9, 134; zur seite: was spornt zu schweren kämpfen an? das gold? — wirst du den kämpfer schätzen, wenn gleich auch seine grosze that? und ihn dem manne, freund, der arm denselben pfad aus tugend ging, zur seite setzen? Gökingk 3, 146 (1782); wer unter diesen, die du freunde nennst, darf deinem bruder sich zur seite stellen? Schiller
braut von Messina 379. II@55)
die übertragung von seite
auf sinnliche gegenstände aller art findet in der mannigfaltigsten weise statt, je nach der art der in frage kommenden ausdehnung in verschiedenem sinne, ohne dasz sich der gebrauch nach festen kategorien ordnen liesze; je nach den umständen richtet sich auch, ob von zwei oder mehreren seiten
gesprochen wird. seiten
eines gebirges, besonders die abfallenden flächen eines kammgebirges, doch auch in freierem gebrauche: nördliche, südliche seite der alpen; (
die grenze) gehet an der seiten her des gebirges.
Jos. 15, 10; und Saul mit seinen mennern gieng an einer seiten des berges, David mit seinen mennern an der andern seiten des berges. 1
Sam. 23, 26; die hügel und tählhänge (seiten des berges) sind denen die nach der spitzen zugehen, berg an, denen die zurück, berg nieder (abschieszig). Comenius
sprachenthür übersetzt von Docemius 79; den untern theil (
der berge) nennt man fusz, und was zwischen diesem und dem gipfel liegt, die seiten oder auch abhänge. Oken 1, 544; an de sîd fan de barg. ten Doornkaat Koolman 3, 180
b.
in eigenthümlich prägnanter anwendung: so balt sie ain perk oder seiten anfangen einzuzeinen, sollen sie herentgegen einen andern perg oder seiten (
abhang, abfallendes grundstück? vgl. oben unter I) auszlassen.
steir. u. kärnt. teidinge 290, 39. zwei seiten eines deichs; seiten
eines straszendammes, die beiden, nach der einfassung gehenden, von der mitte ab sich senkenden flächen. Jacobsson 4, 136 (seiten eines pflasters).
bei wesentlicher längenausdehnung ist natürlich von zwei seiten
die rede: beide seiten eines flusses, an der rechten seite des Rheines; an dieser seite des grabens;
dabei werden entweder die eigentlichen grenzen oder auch das sich da von auszen anschlieszende verstanden (seite
ist dann mehr orts-, richtungsbestimmung),
vgl. z. b.: die marschkolonne hielt sich fortwährend an der rechten seite der breiten strasze; an der rechten seite der strasze erheben sich in einer entfernung von 500 meter sanfte höhenzüge. er stand auf der nördlichen seite des grabens. die beiden seiten des thals (
die von der thalsohle aufsteigenden flächen) sind mit tannenwald bekleidet. auf dieser, jener seite des Rheins. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 761
c; and thet hore letha werpa bi ayder sida (
des grabens). Richthofen
fries. rechtsquellen 203, 37; auff beiden seiten des stroms stund holtz des lebens.
offenb. 22, 3;
teich: legten sich, diese auff dieser seiten des teichs, jene auff jener seiten.
2 Sam. 2, 13. seiten
einer bucht, förde, eines hafens: in de entringe van der haven uppe dat hoge lant stat an elke syde ene kerke, unde moet insegelen by der oestsyden, de is schone.
seebuch 5, 6; item de dar wil setten under de singel, de dar licht under de ander syde. 28;
bemerkenswert ist der gebrauch von seite
im sinne von küste (
vgl. franz. côte);
er findet sich schon im altnord., häufig im nd.; dabei sind zwei gesichtspuncte möglich, ob nämlich die benennung von seiten des seefahrenden oder des landbewohners gebraucht wird (
begrenzung des meeres durch das land oder des landes durch das meer);
vorwiegend im ersteren sinne wird síða
allein oder mit dem genitiv (Jótlands
und ähnl.)
verbunden im altnord. gebraucht, s. Fritzner 3, 224
b;
es ist eigentlich die küstensee mit der küste gemeint, wenn auch schon im altnord. síða
direct für die küste verwendet wird. nd., ebenfalls vom meer aus gedacht, dann auch unbestimmter: de dor de strate segelen wil, de mot prysen de cape Sportal in Barbarien mer, dan de ander syde.
seebuch 9, 6; volget Jutlandes syden vort. 12, 6, B; langhes de syden van Normedien. 7. de Pamersche side '
nennen die schiffer den theil der ostsee, an welchen Pommern gränzet'. Dähnert 423
b; solt, dat yn Vreslandes syden gesoden wert.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 204
b;
bei Frisch
vom lande aus gedacht: die seite eines lands am meer, die see - seite, die küste. 2, 261
c.
bei Luther
dagegen: (
die grenze) lencke sich auff die seiten des meers Cinereth gegen dem morgen. 4
Mos. 34, 11. ûbirsîte (uferseite)
für '
fluszufer': (
sie) vûrn nidirwert di Memle zu schiffe und an dem niddirswiffe lag an der ûbirsîten ein dorf der Littouwîten.
N. v. Jeroschin 20440.
in freier anwendung: an dieser seite des grabes,
in diesem leben (diesseits, jenseits des grabes).
auf flur, feld, garten, landstrich bezogen, nach der grenze hin sich erstreckender theil, auch grenze, nach verschiedner orientierung in verschiedener anwendung: auf dieser, auf jener seite des gartens, die nördliche, östliche, südliche seite des feldes, vordere, hintere, nähere, fernere seite
u. s. w. in für uns eigenthümlicher wendung: kam er zu dem groszen gebirge Ange, an der lincken seiten Cilicien.
Judith 2, 12.
am himmel: die östliche seite,
coeli pars orientalis Frisch 2, 261
c; himmelseiten!
gelinder fluch bei Schm. 2, 337.
himmelsrichtung: nordsîta,
latera aquilonis Notker 47, 3.
im weitesten umfange übertragen auf sinnliches aller art und in mannigfaltigster weise bestimmt je nach gestaltung, ausdehnung, dem standpunct des betrachtenden, gegensätzlichkeit u. s. w.: auf der einen seite der erde ist tag, auf der andern nacht; die zwei seiten eines schiffes
im gegensatze zu bug und heck; ein schiff liegt auf der seite;
unterscheidung nach dem standpuncte des steuernden, backbord- (
linke), steuerbordseite (
rechte), luv- (
dem winde zugewandte), leeseite (
dem winde abgewandte seite);
in besondrer anwendung breitseite
bei den älteren kriegsschiffen eine salve sämmtlicher geschütze einer seite des schiffes im gegensatze zum feuer der bug- und heckgeschütze; die thür soltu mitten in seine (
des kastens d. i. der arche) seite setzen.
1 Mos. 1, 16; de dôr de make to der sîden
an. sündenfall 1727; rechte, linke seite eines wagens (
nach der fahrrichtung); inweder siden van der bare ghinc een hane wide mare.
Reinaert 293. zwei seiten
einer wage: hat an einer seiten allein einen haken, an der andern das gewicht: welches nach dem mittel punct zugericht, mehr, davon abgeschoben, weniger wiget. Comenius
sprachenthür übersetzt von Docemius 767. vorder-, rückseite, vordere, hintere (blinde) seite
des menschlichen körpers; rechte, linke seite eines hauses,
sowol für die begrenzende fläche: die rechte seite des hauses ist schmucklos,
als für einen theil des hauses: in der rechten seite des schlosses liegen die empfangsräume; vorder-, rück-, straszen-, garten-, hof-, nord-, süd-, sonnen-, schatten-, wetterseite
u. s. w. auf der rechten seite des saales steht das büffet, lang-, schmalseite eines zimmers; abseite
einer kirche, s. oben th. 1,
sp. 116. Schmeller 2, 337; vorderseite eines schranks; vier seiten eines altars, sechs seiten eines würfels; rechte, linke seite der bühne; rechte, linke seite des bildes (
des im bilde vorgestellten raumes),
dagegen vorder-, rückseite des bildes (
als eines flachen körpers, s. unten 6); obere, untere, äuszere, innere seite;
an behauenen steinen: bogenseiten
bei gewölbsteinen, lagerseite,
die in den fugen verborgen liegt, hauptseite,
die ins gesicht fällt. Jacobsson 4, 135
b;
und so in mannigfaltigster, nicht zu erschöpfender anwendung: er vant der bürge wîte, daʒ ieslîch ir sîte stuont mit bûwenlîcher wer.
Parz. 564, 27; (
das bett) was rîche an allen sîten. 790, 25; den turn besach er unde maʒ, dô er in umbe gie, nû dort und aber hie an iegelîcher sîte.
Flore 4939. an diên sîton dines hûses,
in lateribus domus tue. Notker 127, 3; jegen dat hogeste steenhus, unde dat heft 4 erkeneres uppe elke syden.
seebuch 14, 25; up jowelker tziden des dores dar de legate inridende wart.
d. städtechr. 16, 532, 15; das wasser lief an der rechten seiten des tempels.
Hesekiel 47, 1; steine nach dem winckeleisen gehawen, mit segen geschnitten auf allen seiten.
1 kön. 7, 9; könig Ahas brach ab die seiten an den gestülen.
2 kön. 16, 17;
in uneigentlichem, freien sinne (
vgl. oben 3): statt die seite deines thrones mir zu bieten (
mich zu deiner königlichen gattin zu erheben). Göthe 9, 14 (
Iphig. 1, 3). die vier seiten einer stadt berennen. seiten (
flanken) eines heeres: feind auf der seite angreifen. Adelung; die seiten decken. Campe (
vergl. seitendeckung); da es nu gelten solt zum treffen, und die feinde sich versamlet und jre ordnung gemacht, und die elephanten an jr ort verordnet, und den reisigen zeug zu beiden seiten angehangen hatten. 2
Macc. 15, 20; wenn da nur nicht schon die Sigambrer sich in seine seiten schwenkten, und seine nachhut mordeten. Grabbe 3, 565
Blumenthal; des heres die vier sîte.
Biterolf 10534. II@66)
bei flachen körpern ist natürlich nur von zwei seiten
die rede. vordere (bild-, haupt-, kopfseite), hintere (schild-, rück-, wappen-, schrift-, kehrseite) der münze, der medaille. der jude hatte zu gleicher zeit 3 dukaten zu bezahlen, und gab dem christen nur einen; zeigte ihm aber erst die bildseite, dann die schildseite und endlich den rand. Mendelssohn
bei Lessing 13, 496; zwei seiten eines spiegels, einer tafel; zwei seiten eines felles, einer haut: äuszere (haar-), innere (fleisch-, aasseite); äuszere, innere, rechte, verkehrte seite eines tuches; linke (
d. i. falsche, innere) seite eines strumpfes: umstülpen führt nicht ins weite; wir kehren, frank und froh, den strumpf auf die linke seite und tragen ihn so. Göthe 3, 278.
abweichend für beide schneiden eines schwertes, messers u. ä.: dʒ an beiden seyten hauwt oder schneyt,
anceps ferrum. Maaler 372
c; die beiden seiten (
flächen) des schwertblattes sind verschieden gezeichnet.
besonders von den beiden flächen einer tafel, eines blattes zur aufnahme von schrift, druck u. s. w., vorderseite, rückseite eines blattes; seiten eines buches,
wobei an die blätter nicht mehr gedacht wird; ein buch von hundert seiten, ein paar seiten weiter blättern,
nach dem format: folio-, quart-, octavseite. eine ganze seite des notizbuches vollschreiben; das manuscript langt noch für zwei druckseiten.
was auf der seite
steht: eine ganze seite lesen, ausstreichen; enggedruckte seite;
pagina, eyn sit von einem buch, eyn syde van eyn boech. Dief.
gloss. 405
b; die seyten eines blatts,
pagina Maaler 372
c; mit der feder .. schreibet man auf die seiten desz pappiers oder pergemein. Comenius
sprachenthür übersetzt von Docemius 731;
complere utramque paginam, beyde seiten voll schreiben. Corvinus
fons lat. (1660) 456
a; eine gespaltene seite,
colonna. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 762
a; zwo tafeln .. die waren geschrieben auff beiden seiten.
2 Mos. 32, 15. II@77) seite
bezeichnet dann in freiem gebrauche ganz im allgemeinen und auf unsinnliches übertragen eigenschaft, aussehen, gestaltung nach einer bestimmten richtung, art wie sich etwas zeigt und darstellt; im gegensätzlichen sinne oder auch ohne schärfere gegenüberstellung: jedes ding hat zwei seiten,
eine günstige und eine ungünstige; er hat seine lichtseiten und seine schattenseiten; lichtseite, nachtseite des lebens; das ist die starke (schwache) seite seines unternehmens; starke, schwache seite
kann auch ganz sinnlich gemeint sein: eine festung an der schwachen seite angreifen; einen bei seiner schwachen, empfindlichen seite packen; ihm die schwache seite abgewinnen; jemanden die weiche
oder schwache seite abgehen,
einen mit benutzung seiner schwäche gewinnen ( Adelung)
oder überwinden; enem de weke side aflopen,
einen durch bitten zu etwas bewegen. Dähnert 423
b;
andrerseits: enem de weke sied geven,
ihn verzärteln, mit einem durch die finger sehen. brem. wb. 4, 784. das ist nur eine seite der sache; auf der einen seite ist er zu nachgiebig, auf der andern zu streng. das ist die kehrseite solcher entschlüsse; er zeigt sich
von seiner glänzendsten seite (
von seiner glänzendsten seite geht der eindruck aus); ungünstige, lachende, heitere, freundliche seite; dem leben die heitere seite abgewinnen;
sinnlich: schöne auszenseite des lasters; dunkle seiten des groszstadtlebens
u. s. w. in reichster anwendung: so lange das verlangen nach den wundervollen ringen, die sich Lucians Timolaus wünschte, die blinde seite der menschheit bleiben wird. Wieland 30, 293; scherze über die blinde seite der heidnischen götter.
Lucian 3, 327; allem ansehen nach hatte es die gute Drose selbst nicht gelernt (
das lesen), wie wohl sie ihre blinde seite so ziemlich zu verbergen weisz. 383; eine solche doppelte seite, das vermögen eines gegenstandes der sinne sich zu denken. Kant 2, 421; diesen begriff auf seiner transcendentalen seite ... genau zu bestimmen. 489; da ich nur die physikalische seite desselben (
des vorwurfs) erwogen, so habe ich meine gedanken darüber kürzlich entwerfen wollen, nachdem ich eingesehen, dasz er seiner natur nach auf dieser seite unfähig ist, zu demjenigen grade der vollkommenheit gebracht zu werden
u. s. w. 8, 209; armselige vorkehrung ..., unsere tödtliche seite (
seite, wo wir tötlich zu verletzen sind) zu entsezen. Schiller
Fiesko 4, 12; (
religion) ich trenne hier ihre politische seite von ihrer göttlichen.
schriften 3, 514; diese unmoralische karaktere muszten von gewissen seiten glänzen, ja offt von seiten des geists (
s. unten 9) gewinnen, was sie von seiten des herzens verlieren. 2, 5; aufpassen, wo des andern schwache seite seyn möchte. Göthe 18, 169; wie sieht es denn aber mit den schwachen seiten aus, die ihrem scharfsinne gewisz nicht entgangen sind? die wollen wir bald durch fleisz, übung und nachdenken zu starken seiten machen. 19, 125; sie sind recht gut, die schwache seite des lieben vaters zu hegen. 26, 17; nu, jeder hat seine schwachen seiten. Grabbe 1, 405; dir war das unglück eine strenge schule. nicht seine freudenseite kehrte dir das leben zu. Schiller
M. Stuart 2, 3;
ganz verblaszt: laszt uns nun noch die fünfte kammer besehen, die von dieser die umgekehrte seite war. Lenz 2, 202.
in wendungen wie: er sieht alles von der günstigsten seite, rechten, falschen,
kann die vorstellung nicht einer seite des objects, sondern des standpunctes des betrachtenden vorliegen (
s. unten);
ähnlich: dieser vorschlag gefiel mir von allen seiten. Göthe 24, 274;
anders ist es z. b. bei: er sieht alles von der glänzendsten seite.
anstatt des uns geläufigen von
wird im 18.
jh. vielfach auf
gebraucht: (
ein mann), welcher die wissenschaften überhaupt, und besonders die schönen wissenschaften nebst den freyen künsten auf einer ganz andern seite betrachtet. Lessing 3, 196; das erhabenste geheimnisz weisz er auf einer seite zu schildern, wo man gern seine unbegreiflichkeit vergiszt. 213; welchem ohne zweifel Luther diese kleinigkeit auf der allerschwärzesten seite vorgestellet hatte. 282; man musz närrische originale nachschildern, aber man musz sie auf ihrer schönsten seite nachschildern. 4, 207; um ihn von der empfindlichsten seite zu strafen. 10, 227; Philibert ertappt den Joachim über den schmeicheleyen, und nimmt sie auf der schlimmen seite. 2, 475; durch meine erzählung wirst du die menschen auf einer schwarzen, häszlichen seite kennen lernen. Klinger 4, 22; die dinge dieser welt gern von der schönen seite betrachtet. Wieland 9, 114 (
Musarion 3); wir nehmen ein ding auf seiner besten seite, vorausgesetzt es habe deren zwo. 5, 4 (
Amadis 12, 2);
in besonderer wendung: wiewohl er ... das vorgegangene auf die beste seite zu legen suchte. Wieland
Lucian 1, 345. II@88) seite
bezeichnet nicht eine begrenzende fläche, sondern den sich von da aus fortsetzenden raum, die von da aus bestimmte richtung; vielfach berührt sich dieser gebrauch mit der unter 3
dargestellten anwendung. II@8@aa)
ausgehend vom menschen, die richtung rechter, linker hand im gegensatz zu vorn und hinten. auf die seite, zur seite, nach der seite blicken, gehen; zu seiner linken seite stand ein baum (
hier berührt sich der gebrauch mit 3), zu beiden seiten sah er feinde; er taumelt bald auf diese, bald auf jene seite. auf die seite, zur seite gewendet sprechen. einen von der seite angreifen.
dann aber wird die anwendung nicht mehr auf die eigentliche seitliche richtung beschränkt: sich nach allen seiten umsehen, von allen seiten strömte das volk zusammen; er ist nach allen seiten gedeckt (
auch übertragen auf gesellschaftliche verhältnisse); auf allen seiten,
utrobique, undique Stieler 2002; rechter, lingger site Hunziker 242; de wind weid fan alle sîden; hê stûrde na alle sîden hen ten Doornkaat Koolman 3, 180
b;
eine adverbiale bildung seiten,
von der seite her kommt vereinzelt vor: von nahen und von fern, von hinden und von forn', und seiten wird auff jhn, gesetzt in groszem zorn'. Dietrich v.
d. Werder
Ariost 11, 48. dieser seiten,
von dieser seite her: stürmmt Eol dieser seiten, so lasz dein kluges schiff ihm nicht entgegen streiten. Fleming (1666) 71; also, das das wasser auff beiden seiten fest stund, wie eine mauer, und sie giengen trockens fuszes auff des meres grund.
Jud. 5, 10; alda creutzigeten sie jn, und mit jm zween ander, zu beiden seiten, Jhesum aber mitten inne.
Joh. 19, 18; (
die welt) feret jmer zur seiten aus, .. die mittelstrasze wil und kan sie nicht treffen. Luther 6, 54
a; auff alle seyten ausz bistu ein lugener. 7, 275, 32
Weim. ausgabe; das glück, welches selbst auff diese, denn auff jene seitten waltzet. Kirchhof
wendunm. 3, 41
Österley; schwude! mädchen; du willst ganz auf die falsche seite. Lessing 1, 403; der härteste angriff .. geschah von einer seite, wo er nicht zu erwarten war. Schiller 3, 511; alle nehmen die hüte ab, und weichen zu beiden seiten aus. 5, 1, 197 (
dom Karlos 3, 9); Artûs rinc den wîten man sach an allen sîten mit frouwen umbevangen.
Parz. 670, 18; zû hant begunde man ûʒ lesen daʒ lantvolk ûf die linken sît.
livländ. reimchron. 7607; de drudde sach he tô den sulven tîden tô sîner luchteren sîden stâ
n. van dem holte des hill. cruzes 325; de voghel vlooch daer hi vant ene haghe daer hi in wilde liden, ende vlooch Tibeert ter luchter siden.
Reinaert 1054; zur rechten, zur linken, nach der rechten, der linken seite abgehen;
dagegen, für uns ungewöhnlich: und beide, der graf und die königinn, gehen ab; jedes von einer besondern seite. Lessing 7, 305;
anders: sie trifft ihn schlafend an, bleibt von der seite stehen (
in einiger entfernung). Gellert
bei Adelung;
in zusammensetzungen: seitenweg,
ein rechts oder links des hauptweges in gleicher richtung führender; seitensprung, seitenwendung
u. s. w.; übertragen: seitenlinie (
einer familie), seitenverwandter; auf der einen seite war er streng, auf der andern seite nachsichtig,
solche wendungen gehören unter 7 (
art, wie er sich weist);
dagegen ist seite
losgelöst von der in der mitte gedachten person und bezeichnet lediglich regio: sieh wohl zu, dasz du die mittelstrasze treffen mögest. an einer seite hüte dich, dasz du nicht gantz und gar ohne sorge leben mögest .. an der andern seite aber hüte dich fleiszig für der bauchsorge. Sperling
Nicodemus quaerens 2 (1719), 663.
gänzlich verblassend, lediglich den gegensatz bezeichnend: auf der einen seite (einerseits) sind die schwierigkeiten zu bedenken, auf der andern seite (andrerseits) die unzuverlässigkeit der menge. zur seite und oberzwerch: leset die ganze bibel durch und durch, zur seit und oberzwerch. Fischart
bienenk. 23
b. II@8@bb)
eine reihe von hierher gehörigen wendungen sind besonders aufzuführen. besonders sind es verbale wendungen mit auf die seite, zur seite, bei seite;
in älterer sprache fehlt auch bei auf
häufig der artikel (auf seite, auf seit),
auszerdem ist die verbindung über die seite, über seit, über eine seite
zu beachten. einen von der seite ansehen,
als zeichen verschiedener empfindungen, der schüchternheit, der furcht, des misztrauens, der geringschätzung; ain fo der sitten a - luege,
schüchtern, scheel, geringschätzig. Seiler 269
b; was schau'n s' mi' denn so von der seit'n an,
d. h. geringschätzig. Hügel 148
b; er aber mit finsterm auge sah von der seite mich an, ergriff den knittel und schwenkte unbarmherzig ihn über mich her. Göthe 1, 339.
neutral: man denkt, ein blick, von ferne, von der seiten, ein bloszer blick, hat wenig zu bedeuten. Wieland 10, 151 (
Diana u. End.), einen
über die seite ansehen,
limis oculis Stieler 2002; einen
auf der seite (auf einer seite) anschauen,
guardare uno da un lato con l'occhio del porco, a squarcia - facco, it. con occhio bieco ò colla coda dell' occhio. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 761
b. auf die seite gehen, zur seite treten, auf die seite nehmen, bei seite schaffen, auf die seite bringen
u. s. w., je nach dem zusammenhange in mannigfaltigster anwendung: er tritt auf die seite,
z. b. um jemandem platz zu machen; auf der bühne, um mit sich zu sprechen, ohne von den andern gehört zu werden: tritt auszer sich auf die seite. Schiller
räub. 4, 17
trauerspiel; auszer gesichtskreis: mich (
sagt Hermes beim urtheil des Paris zu den göttinnen) darf keine scheu'n; ich werd' indesz bey seite gehen. Wieland 10, 178 (
urtheil des Paris); bey seite treten,
secedere Steinbach 2, 575; auf die seite springen,
um schnell auszuweichen; der alt mann
uber ein seiten ruckt (
vor dem angriff eines fechters). B. Waldis
Esop 4, 72, 30
Kurz. auf seit rucken,
discostarsi Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 761
c; bei seite,
abseits (
für uns ungewöhnlich): die pferde wurden bei seite gefüttert. Göthe 19, 37; die ratpersonen stuonden zuosammen, und giengen darumb
uber die seiten z rat.
Eulenspiegel 58 (
s. 91
neudruck).
so mnd. over ene sîden,
vgl. Schiller - Lübben 4, 204
b;
auf der seit'n wiar i' ihna was sag'n (
im geheimen). Hügel 148
b.
absonderlich: ût de sît (
aus dem wege?), de höner willen pissen. Wander
sprichw.-lex. 4, 529, 5; die abseite,
abgelegner ort (
vgl. abseits) Schm. 2, 336; hê is an de sîd gâ
n. ten Doornkaat Koolman 3, 180
b; sich auf die seite machen,
sich entfernen, besonders ohne den blick auf sich zu ziehen, sich drücken. sich auf die seite machen,
aufugere Stieler 2002; sich auf die seite, aufseit, beyseits, beyseit machen
ò auf eine seite machen. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 761
b; die hatte sich indessen auf die seite gemacht. Wieland 18, 353 (
sommermärchen 2). he stêk (krôp) sük afer sîd,
er kroch sich, stahl sich seitwärts weg. ten Doornkaat Koolman 3, 180
b; uf d' site cho,
unvermerkt abhanden kommen; dagegen: es got öpis uf d' site,
die arbeit wird gefördert. Hunziker 242 (
s. unten auf die seite bringen
in entsprechender bedeutung),
vgl. Seiler 269
b; auf die seite gehen,
um seine notdurft zu verrichten. Klein
prov.-wb. 2, 152. Tobler 423
b. Hügel 148
a. Frischbier 2, 337
a;
nd. bî sîd, bî sîte slân,
fehlschlagen, miszraten; de kartuffeln slâget en'n hûpen bî sîte,
miszraten gänzlich. Schambach 191
b; auf der seit seyn,
verrückt, närrisch sein. Schm. 2, 336; bei seite stehen,
weniger als andre die aufmerksamkeit auf sich ziehen, weniger beachtet, vernachlässigt werden: wer in dem kloster gut zu schwatzen versteht, der wird im orden erhoben, wird zum lesemeister, zum custos oder zum prior. andere stehen bei seite. Göthe 40, 137. einen bei seite, auf die seite nehmen,
z. b. um mit ihm abgesondert zu sprechen; einen
auf seite führen. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 761
b; er rufft ihn bey seite,
illum sevocat Steinbach 2, 575; der gute mann, den Ley bey seite dort gezogen! was Ley ihm sagt, das ist erlogen. Lessing 1, 28; er schmeichelte sie doch bei seit'. Göthe 12, 55. alle mitbewerber bei seite schieben. ich stiesz meine cameraden, die mich zurückhalten wollten, auf die seite. Wieland
Lucian 3, 398; (
er) war der mann alle sorgen zu heben und alle augenblicklichen hindernisse bei seite zu bringen. Göthe 17, 299; bi de siid bringen,
wegräumen Dähnert 423
b. bei seite, auf die seite bringen, schaffen, räumen
u. ähnl., so dasz etwas nicht mehr als zu leistende arbeit im wege steht, etwas erledigen (
vgl. oben es got öpis uf d' site): ich habe vielerley bey seite zu bringen, und musz doch sachte gehn, denn ich spüre gleich dasz es nicht fort will. Göthe
briefe 5, 46
Weim. ausgabe; etwas bei seite stecken,
es an sich verbergen, in die tasche stecken; gesondert aufbewahren: das (
geld), liebe Franciska, stecke bey seite; für den ersten blessirten armen soldaten, der uns anspricht. Lessing 1, 535; bei seite legen,
für künftigen gebrauch; geld bei seite legen; könnte man zeit wie baares geld bei seite legen, ohne sie zu benutzen. Göthe 23, 275. bei seite schaffen,
auszer sicht bringen, besonders in der absicht, sich etwas anzueignen. uf d' site mache,
von anvertrautem oder mit andern gemeinsam besessenem gut sich heimlich aneignen. Hunziker 242; öppis uff d' sitte mache Seiler 269
b; auf die seite schaffen, räumen,
völlig entfernen, vernichten, töten, '
aus dem wege räumen' (
mit dem nebensinne des heimlichen): entschlusz, seinen bruder auf die seite zu schaffen. Klinger 3, 225; der soll bei seite, droht er, der thor! Göthe 10, 234, einen bei seite schaffen,
sorgen dasz jemand sich entfernt, nicht stört, nicht augenzeuge ist u. ähnl.: auf eine geschickte weise wuszte die baronesse Wilhelmen wieder bei seite zu schaffen. Göthe 18, 277. bei seite setzen,
nicht in rechnung ziehen, unberücksichtigt lassen, über etwas hinwegsehen, vernachlässigen, sich von etwas frei machen u. ä.: ich setze alle bedenklichkeiten bei seite; es wollten aber i. kurf. g. dies alles bei seite setzen und den linderen weg gehen. Schweinichen
denkw. 41
Österley; die blosze weite öfnung des mundes, — bey seite gesetzt, wie gewaltsam und eckel auch die übrigen theile des gesichts dadurch verzerret und verschoben werden. Lessing 6, 387;
für uns fremdartig, mit persönlichem subject, auf die seite setzen: ein edelgesinnter junger mensch, wird nie einen andern höher ehren als seinen vater, noch ein vater seinen sohn auf die seite setzen, und eines andern mannes sohn wie sein eigenes kind lieben. Wieland
Lucian 5, 381;
von unpersönlichem: in unsern inquisitionsprocessen, wo diese form auf die seite gesetzt wird. Möser
patr. phant. 3, 84 (1778); bei seite legen: alle sachen bei seite legen;
uns ist nicht mehr geläufig, wie z. b. Schiller
die wendung braucht: was in absicht der reformierten und ihrer versammlungen (den innern werth oder unwerth ihrer religion durchaus bey seite gelegt) zum besten des staats zu verfügen sey? Schiller 9, 282;
vgl. noch: sieht er, das gefällt mir jetzt wohl an ihm, dasz er die poeterey ganz
auf seite geschmissen .. ich auf seite geschmissen? auf seite geschmissen? im gegentheil! jetzt will ich erst recht anfangen. Fr. Müller 2, 42; uns ziemt jedoch, diese betrachtungen noch an die seite zu lehnen. Göthe 26, 65; mag's die welt zur seite weisen, wenig schüler werden's preisen, die an deinem sinn entbrannt, wenn die vielen dich verkannt. 4, 362. bei seite lassen,
unberücksichtigt lassen; bey seit
ò bey seiten lassen,
tralasciare, trascurare, postergare. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 761
c.
mit auslassung eines part. perf.: aber scherz bey seite (
gelassen, ohne scherz), Danischmend; ich möchte den armen Jemalittern gerne gutes thun. Wieland 8, 438 (
Danischmend 48); gib mir gehör. die räthselhafte sprache bei seit'. Schiller
Iphig. 5, 3. bei seite sprechen,
auf der bühne, um nicht von den andern gehört zu werden: Julia gehorcht, giebt aber durch ein beyseite zu verstehen. Lessing 4, 383 (
vgl. oben seitab
sp. 378). II@99)
die stellung, beziehung feindlicher parteien bezeichnend, zunächst vom kampf im eigentlichen sinne, von streitenden heeren, von kämpfenden mächten: auf beiden seiten waren schwere verluste zu beklagen: auf seiten der feinde, auf feindlicher seite; man kam beiderseits überein, die gefangenen auszutauschen. von seiten der belagerten blieb nichts unversucht, der festung die seezufuhr offen zu halten
u. s. w.; sy sind auffs keisers seyten oder part gewäsen. Maaler 372
c; hei waʒ man küener degnedâ ze beiden sîten vant.
Nibel. 529, 4; der was in andre sîte in den selben strîte mit den zwein herzogen. Lamprecht
Atexander 1777; der kristen ze beider sîte was beliben an dem strîte driu und zweinzic tûsent tôt. Ottokar
reimchr. 33984; den achzic mannen sage ich danc, daʒ ir swert sô wol clanc in den selben zîten bie der brûdere sîten.
livländ. reimchron. 7662; die her lâgen sô nâhen daʒ sie einander sâhen zû beider sîten ûf dem mer. 7841; sie prûveten beider sîten, daʒ sie mûsten strîten. 7845; geschach da eine harte schlacht, das viel verwundet wurden und umbkamen auff beiden seiten. 1
Macc. 9, 17; die auff der fliehenden seiten, haben nie gesigt. Franck
sprichw. 1, 51
a (1541).
in entsprechendem sinne mit beziehung auf rechtsstreitigkeiten, parteiungen aller art, gegensätzliche bestrebungen, richtungen, gruppen u. s. w.: die richter auff sein seyten bringen. Maaler 372
c; auf eines seitte tretten. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 761
b; von eines seite abspringen, abtretten. 762
a; sich auf eines seite wenden. Steinbach 2, 575; he is up mine siid,
hält es mit mir. Dähnert 423
b; hê is ên fan unse sîd, hê hörd to unse sî
d. ten Doornkaat Koolman 3, 180
b; er ist uf miner site. Hunziker 242. Seiler 269
b; die gegnerische, gegenseite; von seiten der vertheidigung, von klägerischer seite; er steht auf seiten der regierung. die rechte, linke seite
im parlamente ist eigentlich örtlich gedacht, s. oben 6, 1047; jemanden auf seiner seite haben, auf seine seite ziehen;
der neueren sprache gehört die bildung seitens an: seitens der regierung wurde nichts eingewendet; seitens der vertheidigung verzichtete man auf neue zeugenvernehmungen.
die vorstellung der zweiheit, der gegensätzlichkeit kann verblassen oder aufgegeben werden, besonders bei den verbindungen auf seiten, von seiten (
veraltet an, ab seiten),
bei zusammensetzungen mit -seits
entwickelt sich ein ganz freier gebrauch: von seiten des rechts ist dagegen nichts zu sagen; meinerseits stimme ich bei; die regierung hat ihrerseits weitere beihülfe versprochen; von gewisser seite wird ein intriguenspiel vorbereitet; von verschiedenen seiten aufgefordert; von geschätzter seite erfahren wir. von landesherrlicher, gerichtlicher seite ist nichts zu hoffen. amts-, gerichtsseits. auf meiner seite, meinerseits bin ich zufrieden. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 761
c; ich will auf meiner seite thun was ich kan. Frisch 2, 261
c;
beachte einige besondere wendungen: in siner side,
an seiner stelle. Dähnert 423
b; er ist uf dr böse, guete, leze, rechte, magere site,
es ist schlecht, gut, falsch, richtig, mager bestellt mit ihm; er ist uf der schatsite (
wie böse site). Hunziker 242; eine person, thier, sache ist von
oder auf der frummen, rären, faulen, magern, falschen, muntern, grüenen seiten,
ist fromm, vortrefflich, faul u. s. w., auch elliptisch: des is von der raren, von der besten. Schmeller 2, 336; es will uff kai sitte,
sich nicht entscheiden. Seiler 269
b: ab site siner ferwandte. Hunziker 242; ab seiten meiner, deiner Schmeller
a. a. o. von seiten seiner, von seiner seite ist alles zu befürchten; '
im oberdeutschen': abseits seiner, '
im gemeinen leben': seinerseits, deinerseits, meinerseits. Adelung. buta eider sida enne folkledere. Richthofen
fries. rechtsquellen 129, 3; dat dat twischen on to beydent siden vruntliken stan schal.
d. städtechron. 6, 38, 7; konden sek de schedeslude af beydentziden der vruntschap nicht vorenen. 392, 3; ob sich begibt, das meins herrn von Admund holden und hintersassen ... mit einander zwitrachtig werden umb eetz und trett, umb infart und ausfart an fürhauptn, an wisen, an akern, die baider seitn meins herrn von Admund urbar sind.
steir. und kärnt. teidinge 44, 11; wo nicht der gott meines vaters .. auf meiner seiten gewesen were, du hättest mich leer lassen ziehen. 1
Mos. 31, 42; so thue du auch, das du ein sündlicher mensch und mittler seiest, zwisschen deinem nehesten, und das beste tragest zu beiden seiten. Luther 5, 361
a; er ist auch auff der nemenden seiten,
cupit ditescere. Franck
sprichw. 2, 62
b (1541); er kan alle behelff auff seine seiten biegen, dergleichen auff erden kein jurist erdencken kan. Ayrer
proc. juris 709 (1600; 2, 11); die busze ist ja
an seiten der menschen ein solches mittel, dadurch man bey gott gnade .. erlangen kan. Sperling
Nicodemus quaerens 2 (1719), 138; der eine (
von zwei sich um einen bau bemühenden meistern) kunte viel herplaudern und mit seinem maule das volck auff seine seite bringen. 510; auf meine (seite) ist der rath-schlusz gefallen. Apin.
gloss. 493;
seiten meiner ist an euch .. nicht das geringste versäumt worden.
Felsenburg 2, 41; von seiten der allgemeinen gesetze hat gott nicht die geringsten ausnahmen gemacht. Lessing 5, 24; lieder .., die von seiten seiner, so voller empfindung sind, dasz ein unvorbereiteter leser oft garnichts dabey empfindet. 6, 261; (
solche schwankenden charactere) sind in dergleichen stücken ein fehler mehr, und machen sie noch oben darein ihrer seits kalt und eckel, ohne sie auf der andern seite im geringsten weniger gräszlich zu machen. 7, 369; die unterstützung des Demetrius von seiten Polen. 9, 181; ohne die geringsten unkosten auf seiten
meiner. 12, 19; Mariane, auf ihrer seite, sah ihn auch ganz gern. Nicolai
Sebaldus 1, 171; der begriff einer ausgabe von der letzten hand schlieszt auf seiten eines schriftstellers die pflicht in sich. Wieland 1, iv (
vorbericht); dieser auftrag
von seite gottes lautete also. Lavater
predigten über das buch Jona 1, 9,
vgl. 105; so natürlich, so vernünftig war doch diesz betragen auf seite derer, denen keine bessere, keine wahre gottheit bekannt war. 116; durch eine anständige vergütung von seite des theaters unterstützt. Schiller 3, 526; sie hätten den roman von seiten des mädchens unterhölt, und das herz ihres sohnes behalten.
kab. u. liebe 3, 1; (
bilder,) die fast alle von gleicher grösze, und zum theil auch von seiten der kunst schätzbar sind. Matthisson
werke 3, 234 (
Wien 1815); der graf wird nicht ausbleiben, er kommt morgen. da ist also auch die baronesse nicht weit, versetzte Charlotte. gewisz nicht! antwortete Eduard: sie wird auch morgen von ihrer seite (
ihrerseits) anlangen. Göthe 17, 103; Eduard von seiner seite ist in einer ganz verschiedenen stimmung. 141; Charlotte von ihrer seite befindet sich munter und wohl. 312; (
im bilde, ganz räumlich:) so wechselte die gräfin mit Wilhelm bedeutende blicke über die ungeheure kluft der geburt und des standes hinüber, und jedes glaubte an seiner seite, sicher seinen empfindungen nachhängen zu dürfen. 18, 285; sie erlauben, versetzte Wilhelm, dasz ich von meiner seite wenigstens lächele. 20, 26; von seiten der künstlerischen behandlung finden wir an den blättern dieses werks .. zu loben. 44, 177; es ist als wenn bei ihrem erwachen die bäume verwundert wären und beschämt, sich schon so weit im jahre zu finden, und von ihrer seite noch so sehr zurück zu seyn. 51, 222; zuo letst bot ich jm dienst und gruosz. und patten gott zuo bayder seyt, das uns gelng in tgent streyt. Schwartzenberg 159
d (1535); auf welche seite die billigkeit sich neig' in diesem schwesternstreite. Wieland 18, 351 (
sommermärchen 2); es war, ich musz bekennen, wenig schonung von meiner seite. Schiller
don Karlos 2, 5; mich denkt ihr auf der seite des verraths zu finden?
Tell 3, 2; nun, nun, so konnt' es gehn und stehen, wenn er euch ungefähr so viel von seiner seite nachgesehen. Göthe 12, 155. II@1010)
von verwandtschaftlichen beziehungen: von väterlicher seite her, väterlicherseits bin ich mit ihm verwandt; vater-, mutterseite. fan mîn faders sîd sünt wî noch mit'n ander befründt; fan de sîd fan mîn moder heb'k niks arfd. ten Doornkaat Koolman 3, 180
b; twenne fon there federes syda, and en fon thera moder syda. Richthofen
fries. rechtsquellen 330, 32. zur linken seite verwandt, von der linken seite her verwandt,
durch unebenbürtige oder uneheliche beziehungen (
vgl.zur linken seite angetraut
oben 3): sie ist mein schwesterchen (zwar von der linken seite). Wieland 10, 193 (
urtheil des Paris). II@1111)
im mathematischen sinne fest bestimmt: drei seiten des dreiecks, fünfecks,
die drei, fünf begrenzenden strecken, die seiten einer pyramide,
die begrenzenden flächen; anders: die beiden seiten einer gleichung. II@1212) seite,
theil eines geschlachteten thieres, besonders des schweines (
vgl. speckseite); speck - seite, der speck längs an der seite eines fetten schweins hinab. Frisch 2, 261
c; site,
speckseite Hunziker 242; ene side speck
brem. wörterb. 4, 784; d'r hangen noch drê sîden spek in de wî
m. ten Doornkaat Koolman 3, 180
b;
nach Schambach 191
a wird für diese bedeutung fast ausschlieszlich sîe
oder sëe (
sonst sîde, sîte)
in seiner mundart gebraucht; med der wost nâr sîe speck smîten,
durch kleine gabe oder leistung eine gröszere zu erlangen suchen. ebenda (
vgl. nd. korrespondenzbl. 10, 43); side speckes,
succidia, tergum porci sale conditum Kilian
bei Schiller-Lübben 4, 204
b; ein ganze sîten kalpfleisches, die gesalzen sîten fleisch.
quelle bei Lexer
mhd. handwörterb. 2, 942 (
vgl. auch Cleasby-Vigfusson
unter síða); hette also, wie die Hessen sagen, mit einer bratwurst nach einer seitten speck geworffen. Kirchhof
wendunm. 3, 18
Österley; so ein par hönr, so ein syd speck. Hollonius
somnium vitae humanae 47
neudr. II@1313)
die böttcher nennen seite
eines fasses die linie, die eine daube im profil darstellt. Jacobsson 7, 333
b.
bei den hutmachern heiszt ein fach
jedes der vier theile, aus denen ein hut zusammengesetzt wird, ein stück, dessen grundlinie ein nach auszen gekrümmter bogen ist, während zwei seiten
nach oben in eine spitze zusammenlaufen. 5, 504
b. II@1414) seite, seiten
der oder die plätze in einer scheuer zu beiden seiten der tenne, wohin die garben gelegt werden. Schmid 217. II@1515) seite,
ausgusz einer kaffeekanne. Hertel
thür. sprachsch. 227. II@1616)
die in neuerer sprache häufigen adverbialen verbindungen auf seits
haben secundäres s,
vgl. mhd. dissît, jensît, beidersît, einsît, andersît, manchersît
gegenüber disseits, jenseits, beiderseits, einerseits, andrerseits;
für älteres allseit
sagt man jetzt allseits; meinerseits, deinerseits, städtischer, ständischer, militärischer seits,
also in ganz lebendiger bildung, wobei seits
als adverbialer genitiv gefaszt wird. beiseits
für mhd. besît
ist ungebräuchlich (
mundartlich bisits go Hunziker 342);
dagegen hat sich abseits
eingebürgert. II@1717)
ein secundäres s
ist auch eingetreten in dem aus neuerer rechtssprache stammenden seitens: seitens der regierung wurde kein einspruch erhoben;
älteres seiten
ist oben II, 8,
a belegt.