treiben,
vb. herkunft und form. gemeingerm. wort; got. dreiban;
ahd. trîban,
mhd. trîben;
as. drîban,
mnd. driven;
mnl. driven,
nl. drijven;
afries. driva,
nordfries. driwe;
ags. drífan,
engl. drive;
an. drífa, dä
n. drive,
schw. driva.
eine verwandtschaft über das germ. hinaus ist noch nicht mit sicherheit festgestellt. das wort bezeichnet in allen germ. sprachen ein intensives bewegen und ist vorwiegend transitiv, daneben im nd., nl., anglo-fries. in gröszerem umfange, im an. sogar ausschlieszlich intransitiv. eine entwickelung des intrans. aus unpers.-trans. gebrauch vermutet Tamm
etym. ordb. 1 (1894), 99
unter zustimmung von Petersson
in idg. forsch. 23 (1908/9) 396 (
für das an. vgl. Neckel
Edda-glossar 22.
diese annahme wird gestützt durch die beobachtung, dasz der intrans. gebrauch sich in weitestem umfange auf dinge bezieht, die von unpers. kräften (
wind und wasser)
bewegt werden; von hier aus würde sich die ausbreitung dieses bedeutungszweiges (
s. u. VI)
gerade bei den seeanwohnenden völkern erklären. als ausgangspunkt der bedeutungsentwickelung des wortes treiben
gilt danach '
propellere, trudere'.
schwache flexion des starken verbums erscheint vereinzelt mhd. und älternhd.: dî brûdir ... daz lant ... hernde durchtreibitin (: leibitin) Nic. v. Jeroschin 16527
Strehlke (
vgl. VI 5)
neben (
er) durchtreib
ebenda 8299
und 17399
in derselben bedeutung; (
sie) tribtend (
conj.) Tschudi
chron. helv. 1, 75 (
s. u. IV B 1 e); getreibt (
part.) Herolt
chron. d. st. Hall 176
württ. gesch.-qu. (
s. u. II C 1
α β);
und hier und da in mod. mundarten: treibet' (
conj.) Schöpf
tirol. 753
und treibete (
v. j. 1727)
tirol. weisth. 4, 782;
im cimbr. ist die starke flexion völlig untergegangen: ich han getraibet Schmeller
cimbr. 178
b,
vgl. ebenda 56;
im nd. drîfte (
prät.) Bauer-Collitz
waldeck. 23
a;
vgl. auch driwde (
prät.) Dijkstra
friesch. wb. 295
a. —
ein gemeingerm. schwaches verb ist 2treiben (
s. d.). e
für i
findet sich in md. quellen frühnhd. zeit: getreben K. Stolle
thür. chron. 71
lit. ver.; vocalrundung im obd.: intreuwen, austreuwen
in Brünner stadtr. 394
Röszler; getrüben
österr. weisth. 6, 14, 33;
frühnhd. (
obd.) d
im anlaut: dreib
Baseler Alexander 4719
Werner; dreiben (1520) Murner
adel 11
neudr.; dreib Aymont (1535) d 3
a; drib Felix Platter
tagebuch 303.
bedeutung und gebrauch. treiben
bedeutet (
transitiv)
eine intensive tätigkeit, durch die in irgendeiner weise die bewegung eines objects bewirkt wird, und zwar in der richtung vom subject fort. die einwirkungsmöglichkeiten, die verschiedenartige objecte dem treiben
gegenüber bieten, sind grundlegend für die bedeutungsentwickelung des wortes; so ist bei einem lebewesen als object das bestimmen zu einer selbstbewegung (I),
bei einem körper ein mechanischer druck (II)
die grundvorstellung, bei abstractem object erscheint abhängigkeit von I
und II
oder entsinnlichung und verblassung der grundbedeutung (III, IV);
reflexiver und intransitiver gebrauch (V, VI)
sind schwach entwickelt. II. treiben
auf lebewesen bezogen. der ausgangspunkt einer umfangreichen entwickelung ist '
vorwärts-, fortjagen durch nachdrückliche einwirkung' (A);
eine sonderstellung hat darunter vieh treiben (B).
unter zurücktreten des bewegungselementes entwickelt sich die bedeutung '
anspornen' (C). I@AA.
die bedeutung '
vorwärts-, fortjagen'
von menschen oder tieren durch eine überlegene gewalt (1)
verliert in abgeleitetem gebrauch die kraft der unmittelbarkeit (2)
und wird unter starkem zurücktreten der raumvorstellung im metaph. gebrauch zu '
veranlassen',
adducere (3),
und '
leiten',
ducere (4). I@A@11)
durch unmittelbare gewaltanwendung des subjects gegenüber dem object; vor im hinweg treiben, fürstoszen, dannenstoszen
propello Frisius 1077
a;
subject und object befinden sich in bewegung. in neuerer zeit ist treiben
in dieser bedeutung teilweise durch stärkere ausdrücke, wie vertreiben, verstoszen, jagen, werfen
zurückgedrängt. I@A@1@aa) '
von oder zu einem orte treiben'
u. ä., wobei die heftigkeit der handlung oft besonders zum ausdruck gebracht ist. in dieser anwendung seit dem frühsten beleg für das wort überhaupt: us gaqumþim dreiband izwis
Joh. 16, 2; sie satanasa dribentin wizi thiu in ni libent Otfrid V 20, 114; der lantgrâve Kyngrimursel gram durch swarten unt durch vel ... die alten unt die jungen treib er vonme turne wider Wolfram von Eschenbach
Parzival 411, 15;
bis heute stehend in der paradieserzählung: nachdem
aber der mensch umb sein verschuldung ausm paradis getriben und gestoszen ist Berthold v. Chiemsee
theologei 190
Reithm.; er hätte kein schöner modell zu dem engel finden können, der die ersten sünder aus dem ersten paradies treibt O. Ludwig
ges. schr. 2, 176;
aber durch jagen
ersetzt bei der heftigeren action der tempelreinigung: wi Jhesus ... die werbenden ausz dem tempel trib
erste dt. bibel 1, 434
K.; in der kirchen gottes, daraus er etwan trib und schlug, die doch nur schnöde und weltliche war kauften und verkauften Hutten 1, 417
Böck.; vgl. aus dem tempel jagen Wander 4, 1056, 6.
in verschiedener anwendung: (
sie werden) von iren hofstatten getriben, mit scheltworten und etwan mit streichen S. Franck
weltb. (1534) 51
a; einen aus dem hause treiben
cacciare, scacciare, far sgombrare uno di casa Kramer 2 (1702) 1123
c; in der erntezeit ... wurden auch die jungen oft einige stunden vor der sonne aus dem bette getrieben E.
M. Arndt 1, 48
R.-M.; baut er (
der elefant) aber ein lager und hat jungen, so treibt er alles gewaltig davon maler Müller
w. 1, 23; das wild aus seinem lager treiben Kramer 2 (1702) 1123
c; wie ein vogel dahin fleugt, der aus dem nest getrieben wird, so werden sein die töchter Moab
Jes. 16, 2; fuchsbau aushetzen. hierunter wird verstanden, dasz füchse mittelst des hundes aus ihrem bau getrieben werden Behlen
forst- u. jagdk. 2, 723;
dass. auch bildlich: (
er) schiebt schlieszlich, wenn ich den fuchs consequent aus dem bau treibe, die schuld auf einen seiner unterbeamten Bismarck
in briefw. d. gen. von Gerlach 71;
dasselbe mit zielangabe: die reisigen peitschten sie (
bauern) von der erde auf, trieben sie nach den flammen Klinger
werke 3, 148; wenn ihr aber ja einige (
bienenstöcke) ... zu erhalten gedencket, so treibet einen schwarm ... hinein Gedde
apiarium angl. (1727) 65;
weniger häufig auch '
von personen treiben': si treipz (
das pferd) von ir mit slegen dô Wirnt von Gravenberg 3250
Kapt.; bevorab thut er wol daran, das er den ungestümen mann und schwetzer (
Thersites) von dem haufen treibt Spreng
Ilias 18
a.
in älterer sprache ist hinter sich treiben
besonders geläufig: die freundschaft dringt hinzu, aber die gewapneten treiben sie hinter sich Hans Sachs 2, 15
K.; ähnlich im sinne von '
repellere, arcere': (
armenta fontibus)
arcent tripent
ahd. gloss. 2, 637, 27
St.-S.; ich wil in (
den teufel) wol treiben von dir (
sagt der glaube zum reichen mann) H. Sachs 6, 178
K.; vereinzelt als jemandes '
annäherung verhüten',
im bilde: (
ein bauer), der die mäuse vom kese treiben wolte und satzte eine katze darbei Schupp
schr. (1663) 578. I@A@1@bb)
im kampfe mit waffengewalt zurückwerfen und verjagen: fuga versos ille egerit hostis tripi (
über versos)
ahd. gloss. 2, 637, 20
St.-S.; bei mir an disem ort beleip und schau, dasz dich der feind nicht treib Spreng
Ilias 144
a; die von Koln hetten die von Burgundien wol von dem werde getreben Stolle
thür. chron. 71
lit. ver.; auf allen fall aber were besser, sich mit gewalt aus Teutschland treiben und schlagen zu lassen, als ... spot und böse nachrede ... auf die schwedische nation zuladen v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 13; die
thüringer verloren die schlacht und wurden von den Sachsen über den Harz getrieben Binhardus
thür. chron. (1613) 6; im 16. buche (
der '
ideen') habe ich mich sehr gefreut zu sehen, wie du die völkerwanderungen von dem beginnst, was noch geblieben ist, von den ersten in die gebirge getriebenen völkern Göthe (
an Herder) IV 9, 18
W. die sinnliche vorstellung ist verblaszt, wo als subject der an der schlacht beteiligte führer des heeres genannt ist: Ludwicus trugs (
die lilie) in sinem fan, do er von Rom treib den soldan Gengenbach 94
Göd.; aus dankerkänntlichkeit, weil deine tapfre hand die Türken so beherzt aus Siebenbürgen triebe v. König
ged. 32;
von gott als dem höchsten herrn des heeres: ich freue mich ..., du allerhöchster, dasz du meine feinde hinter sich getrieben hast
psalm 9, 4.
besondere wendungen. in die flucht treiben,
ein papierener ausdruck, dem lat. in fugam conicere nachgebildet: (
die feinde) wurden in die flucht getrieben und Reinhold erhielt das feld (1604) v.
d. Aelst
Heimonskinder 131
Pfaff; general de Souches ..., welcher ... das türkische lager angefallen und mit verlust 6000 mann in die flucht getrieben v. Birken
verm. Donaustrand (1684) 61;
scherzhaft: dasz sich frau Schüddebold seiner mit einer feuerzange erwehren muszte, ihn auch nach mehreren tapfern angriffen endlich in die flucht trieb Seidel
Leberecht 111;
bildlich: der engel, der an deiner seite uns itzt das erstemal besucht, treibt gram und sorgen in die flucht Stoppe
Parnasz (1735) 18. vom platz (
kampfplatz), zu kehr, in die enge treiben: hab ... die summisten, sampt den sophisten mit ihrem sententiarum vom platz getrieben, dasz sie weder auf der kanzel noch in schulen so regieren und lehren, wie sie zuvor gethan haben Luther 26, 530
W., s. a. th. 7, 1920; wer hat nicht von dem zusammentreffen Heinrichs IV. mit dem connetable Velasco ... gelesen, wo er ... die spanische vorhut ..., unterstützt von dem wetteifer seiner edelleute, ... vom platze trieb Ranke
s. w. 9, 2, 12;
vereinzelt: ha! wiszt ihr noch mit den Arragoniern! das war lustig ... wie wir die zu kehr getrieben hatten nach rechter herzens lust Klinger
theater 4, 121;
urspr. in eine andere sphäre gehörig (
s. u.d): auch ist unsere gemessene ordre, ihn in die enge zu treiben und lebendig gefangen zu nehmen Göthe 8, 85
W.; zu paaren treiben
s. u. e. I@A@1@cc)
wo die vorstellung des ortes, von oder zu dem jemand getrieben wird, hinter die tätigkeitsvorstellung zurücktritt, gewinnt treiben
die bedeutung '
hetzend verfolgen',
prosequi (
vgl. auch d);
häufig vor sich her treiben: I@A@1@c@aα)
allgemein: complodo, explodo, supplodo ich treib oder stosz aus und jag hinach mit groszem geschrei Alberus
dict. c. 4
b;
agitare et insectari treiben, verfolgen Frisius 68
b;
agere telis aliquem einen mit dem wurfgweer jagen oder treiben
ders. 1292
b; die hund triben und hetzten einen hirschen bisz in D. Fausti stuben
volksbuch v. dr. Faust 22
Braune; eine eule sihet allein bei nacht, so sie aber in der sonnen schein kompt, sihe so wird sie je lenger je blinder, und solches desto mehr, so man sie bei dem hellen tag und sonnen schein treiben wil Gretter
epistel Pauli (1566) 662; einen über hals und kopf treiben
cacciare uno in tutta fretta Kramer 2 (1702) 1123
c; wenn der kerl sonst auf die jagd ritt, ... und uns (
bauern) vor sich her trieb mit den hunden und wie die hunde Göthe 8, 141
W.; so trieb sie mich durch alle gassen, mir den helm aufnöthigend, den ich nicht wollte Schiller 13, 179
Göd.; so trieben sie (
die ratten und mäuse) den angstvollen
bis in den steinernen mauththurm im Rhein Klinger
w. 3, 99; alle liefen, als triebe sie der satan, nach dem rathhause 3, 66;
bildlich: wie regte nicht der tag die raschen flügel, schien die minuten vor sich her zu treiben Göthe 3, 21
W.; es war kein wunder, dasz diese ungewohnten töne ... ein wirbelndes heer von hoffenden und sorgenden gedanken aufstörten und in wilder jagd durch herz und hirn trieben Raabe
hungerpastor (1864) 1, 13. I@A@1@c@bβ)
als fechterausdruck: im zweikampf '
stetig zurückschlagen': sus wart er getriben mit gwalte von dem gaste Hartmann von Aue
Erec 9247
Haupt, u. anm.; ich ... trieb ihn hinter sich, dasz er in die flucht kam Berlichingen 12
Biel.; der Sachs und seine beistände giengen muthig auf sie (
die Italiäner) los und trieben sie dergestalt, dasz ... der rest die flucht ergriffe Happel
akad. roman (1690) 299; man drunge tapfrer drauf; schosz, würgte, trieb ... Heräus
ged. u. inschr. (1721) 38;
abgeschwächt zu '
jemandem zusetzen': als nun jeder in dem streite seinen feind aufs schärfste trieb, nahte sich ein klügrer dieb Hagedorn
poet. w. 2, 83. I@A@1@c@gγ) '
hirsch und rehbock treiben
ein oder mehrere stücke mutterwild, wenn sie dieselben so lange umherjagen, bis sich eins beschlagen läszt; vgl. sprengen' Dombrowski 8, 1: athemlos von brunst und hitze treibt der bock die zarte geisz R.
Z. Becker
mildenb. liederb. (1799) 20. '
so treibt
der täuber die taube, wenn er sich mit derselben schnäbeln und begatten will, oder sie zu neste treibt, damit sie eier legen und brüten soll' Krünitz 187, 415. I@A@1@dd)
im jagdwesen erscheint treiben
frühzeitig in der besonderen bedeutung '
aus der ferne scheuchend verfolgen'
; man scheucht das wild in vorbestimmter richtung, um es am ende abzuschieszen oder zu fangen: Ascanius der Troiân bi eime boume er stênde bleib und schuf daz man daz wilt treib. dô wart daz wilt sô getriben, dâ Ascanius was beliben an eime boume gestâ
n. Heinrich v. Veldeke
Eneide 132, 35
Ettm.; will ich jagen, so treibt man mir das wild vor den schusz Uhland
bei v. Keller
Uhland als dramat. 127; man ... stellt das fallnetz in der mitte auf und treibt das wild hinein Behlen
forst- u. jagdkunde 3, 695; ideen, die er aus allen gegenden menschlicher kenntnis, wie in einer klopfjagd, groszes und kleines wild, ... auf einen haufen treibt
schlesw. lit.-br. 83
lit.-denkm.; meistens ohne object gebraucht, seitdem sache und ausdruck geläufig sind: ein beiher stellen ist, ... wo man zugleich treibet, und darneben bei her mit zeuge stellet Täntzer
Dianen jagdgeheimn. (1682) 1, 10; morgen ... lasse ich treiben. willst du mitkommen? v. Petrasch
sämtl. lustsp. 2, 590; wir streifen erstlich's Hünerbügel ab, hernach treiben wir durch die Kothlacken, über den Schwanenhals hinauf Stephanie
d. j.
sämtl. singsp. 84.
gern substantivisch (
s. a. treiben,
subst.): wenn am abend der wald von euren jägern umringt wird, feuer die fliehenden jagt und durch ein glückliches treiben euer von wänden umzingelter forst die brüllenden einschlieszt Zachariä
poet. schr. 4, 123; und bis allerheili'n gehts birschen und treiben, soviel ham ma gambs Stieler
ged. 4, 59;
auch beim flugwild: 'treiben —
wenn die feldhühner mit dem schilde oder schieszpferde vor sich hin ins treibzeug gebracht werden; wenn die lerchen beim streichen des abends in tagnetze oder klebgarne gejagt werden' Behlen
forst- u. jagdkunde 6, 86;
schon bei Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 23;
auszergewöhnlich: (
bei Zürich) sind wildleut, sie können sölche kranwitvögel mit gewerf aus den schlingen in den lüften treiben auf eine halbe meil wägs oder weiter Stumpf
Schweizerchron. (1606) 613
b.
in der fischerei: item piscatoribus non licebit ... artem illam, que vulgariter dicitur treiben, exercere (1271)
mon. Boica 11, 246; item es sol ouch hinfüro niemant mer nachts von der sunnen nidergang bis zu der sunnen ufgang triben in dhain wis noch weg (
fischereivertrag, Konstanz 1481)
oberrhein. stadtr. II 2, 154; fische treiben
ins netz jagen Lexer
kärnt. wb. 68.
beliebt ist das bild der netzjagd: und hat demnach getrieben den jäger selbst ins netz (
auf den Dänenkönig 1624/26) v. Ditfurth
volksl. d. bayer. heeres 9;
besonders für galante liebesnachstellungen: voll edelmuth faszt Nettchen den entschlusz, trotz spiel und tanz dem mann getreu zu bleiben, zum wenigsten, bis einst ihr genius was bessers ihr zu netze würde treiben v. Gökingk
ged. 2, 214; die kleine jagd, welche auf der anderen seite nach ihr (
dem fräulein) gemacht wird, soll sie bald ganz in meine schlingen treiben v. Laroche
das fräul. v. Sternheim 1, 304. I@A@1@ee)
wegen seines starken intensitätsgehalts wird treiben
gern in sprichwörtlichen redensarten angewandt. im sinne von '
fortjagen'
besonders in bildlichen ausdrücken, die ein '
unschädlich machen'
bezeichnen: zu loch treiben (
vgl. th. 6, 1093): dem Türcken steur zu jeder zeit und allerlei tyrannen, ... treib doch einmal die wölf zu loch und mach uns frei von ihrem joch Ringwalt
evangelia q 8
a; der bitter tod mit seinem rauch hat in zu loch getriben (
den tyrannen)
ebenda a 2
a.
zu paaren treiben, älter zu dem baren treiben,
im 16.
jh. häufiger zu dem baren (
auch barren) bringen, '
ein ausgebrochenes oder störrisches tier mit gewalt an seinen krippenstand bringen',
vgl. th. 1, 1137
ff.; 1139;
th. 7, 1391.
die redensart ist obd. herkunft (
nicht bei Luther);
ein paralleles an die krippe treiben Lexer
kärnt. wb. 16
ist sonst nicht zu belegen, vgl. die Teutschen zum vieh treiben (
durch einen kriegszug) Aventin
baier. chron. (1566) 84
b.
die bedeutung der redensart ist zunächst '
zur schuldigen ordnung bringen': so will ich sie (
die evangelischen) zum überflusz mit einer gewisen histori noch basz zum baren treiben, und alsdann die khü und kalb zugleich dem metzger befelhen Nas
antipap. 2, r 6
b; ... wenn ein stösziger bock irrsal stiftete, den er (
der hütejunge) aber immer mit tüchtigen püffen seiner faust zu paaren trieb Stifter
s. w. 1, 181; immer die handbewegung, mit der drohend die prediger ihre lehren einschärfen, immer dasselbe schreiende steigen derstimme am schlusz des satzes, mit dem jene die unbuszfertigen zu paaren zu treiben suchen Grillparzer (1892) 19, 200
Sauer; die Schweizer widerumb zum barn zu treiben (18.
jh.) Schöpf 30; das regiment (
regierungskörperschaft) versichert, durch seinen eifer sei Franzens (
v. Sickingen) macht vermindert worden: — allein um ihn zu paaren zu treiben, waren doch ganz andre anstrengungen nöthig Ranke
s. w. 2, 76; z' baren triben
in die schranken, zur ordnung weisen, zum gehorsam zwingen Staub-Tobler 4, 1441;
abgeblaszte bedeutung '
bezwingen',
im 19.
jh. beliebt für devincere: Joseph ... der des stolzen Ludwigs muth treibt in kurzer zeit zu paaren Heräus
ged. u. inschr. (1721) 110; Ottfrieds und Yngurds gute schwerter trieben in Danlands mitte Ubos heer zu paaren Müllner
dramat. w. 3, 17.
die schreibweise verführt zu der vorstellung '
auseinanderjagen' (
vgl. noch th. 7, 1391): nachdem sie ihre zu paaren getriebene ideen wieder zu hauf gebracht hatte v. Hippel
lebensläufe 1, 29;
so kann man heute gar zu paaren zertreiben
lesen. gleichen ursprungs und gleicher bedeutung ist zum brett treiben (
brett zum anketten von vieh),
daneben zum brett bringen, ziehen;
seltener und nicht nach dem 17.
jh. belegt: (
papst Innocenz) betreuet Philippum ernstlichen, wo er des kaiserthumbs nit abstünde, wolte er ihne rechtschaffen zubrät treiben Dreyfelder
histor. des ... hauses Est (1580) 69 a; da wolte er meine widersächer schon zum brett treiben U. Krafft
reisen 252; graf Heinrich von Schaunburg, der in Oberösterreich sich understanden, erzherzog Albertum mit kriege anzugreifen, der aber bald, im anfang des angefangenen lärmen, zum brett ist getrieben worden Megiser
annales Carinthicae (1612) 1025; zum bret treiben
aliquem legum laqueis constringere Schönsleder
prompt. (1663) g g g 8
a.
zu chor treiben heiszt '
einen hoffärtigen geistlichen hinjagen, wohin er gehört',
nämlich zum gottesdienst, vgl. pfaffen gênt ze kôre ungern
Renner 6248,
wonach die entstehung des ausdrucks in das 14./15.
jh. gesetzt werden kann; er ist in der bedeutung '
einschüchtern'
bis ins 18.
jh. belegt: wiewohl die romanisten im selben concilio (
zu Konstanz) etlicher masze gedemüthiget und erschreckt worden, doch ermanneten sie sich wieder und wurden stolz, wie sie denn itzt auch wieder geschreckt sind und zu chor getrieben Luther 60, 239
Erl.; Marnitz ... meinte, es stünde seinem adelichen stand nicht an, wenn er sich nicht muthig erzeigen solte, solche studiermachergesellen mit dem degen zu chor zu treiben Happel
akad. roman 960,
auch 904; den schuldner treibe nicht mit grausamkeit zu chor (
ne tirannisez point) Richey
bei Weichmann
poesie 1, 299.
jemand mit gewalt eintreiben. vereinzelt in kessel treiben (
lebendig in den kochkessel),
d. h. jemand vergewaltigen: wer urteln sol und raten schlecht, der dunck und folg allein zu recht, uf das er nit ein zunsteck blib, do mit man die suw in kessel trib Brant
narrenschiff 2, 10
Zarncke, vgl. 1, 37.
häufig dagegen in ein bockshorn treiben, jünger ins bockshorn tr. (
in älterer zeit auch geläufig in ein bockshorn zwingen
u. a., heute nur noch jagen),
vgl. th. 2, 207.
der ursprung dieser redensarten ist noch nicht sicher erklärt. nach Staub-Tobler
schweiz. id. 2, 1617
u. 1622
liegt ihnen vielleicht die verwendung des abgeschnittenen bockshorns bei der wurstbereitung zu grunde; vgl.: (
ein widerspenstiger täufer) hat gefragt, ob dann
m. hh. si wölltint in ein wursthörnli zwingen (1525)
a. a. o. 1625,
sowie die verbindungen jm. in ein bockshorn stossen, tuen, sperren
a. a. o. 1622
f., in ain bockshorn eintreiben (1590)
bei Fischer
schwäb. 1, 1253
und ich red usz keim bockshorn Keisersberg
in Alsatia (1862/67) 136.
die ältere bedeutung ist '
in eine enge jagen, festklemmen',
wie: einen einthun, in ein bockshorn (wie man spricht) zwingen
in angustum adducere Frisius 92
a (
s. auch unten bei in die enge treiben); es wird auch noch lang der teufel nit in ein bockshorn getriben und uberwunden sein Ambach
vom tantzen (1543) d 3
a; mein frau meint, ich wer gar ein schaf, stellt sich so fromb und keusch (versteht!), sams nie kein wasser trübet het, wolt mich nur treibn in ein bockshorn Hans Sachs 9, 94
K.; zufordrist aber will ich mich zur muter heimlich fügen, ... und ir mein zwangsal klagen, das man mich so gar in ein bockshorn understand zu treiben Wickram 2, 22
Bolte; '
mit reden in verlegenheit bringen' (
vgl. bes. in die enge treiben): (
sich statt eines sündenbekenntnisses mit guten werken entschuldigen) o wie gerne thut das das fleisch, und wolde unsern hergot gerne in ein bockhorn treiben Luther 34, 2, 143
W.; etliche junge nasweise messieurs ... wollen männiglichen mit ihrem aequivociren und scholastisieren in ein bockshorn treiben Moscherosch
Philander (1650) 1, 62;
zu der jüngeren bedeutung '
bluffen, erschrecken',
stupefacere leitet die wendung sich ins b. tr. lassen
über: wer sich ins bockshorn läszt treiben, den thut man hinein verleiben Lehman
florileg. polit. (1641) 2, 877; einen ins bockshorn treiben
schüchtern oder gediegen machen Schellhorn
sprichw. (1797) 49.
in die enge oder ins enge treiben (
niemals jagen
o. ä.)
ist offenbar dem lat. in angustum adducere, cogere nachgebildet. erst spät erscheint es auch zur bezeichnung eines sinnlichen vorgangs verwandt (
s. o. 1 b
am ende).
zunächst gleichbedeutend mit dem volkstümlichen in ein bockshorn zwingen, treiben (
vgl. o. Frisius 92
a): in ein enge treiben, eim eng machen
in angustum adducere vel cogere Cholinus
u. Frisius (1541) 70
a; so kan man auch die jugend nicht so gar in eine enge treiben Schoch
studentenleben 9, 38
Fabr.; (
in einem liebesbrief) verfährt man wohl, wenn man in versen schreibt. man glaubt nicht, wie ein reim ein herz ins enge treibt Henrici
sat. ged. (1727) 1, 376;
später unter dem einflusz der bei 2 c
behandelten bedeutung, '
durch angriffe von verschiedenen seiten in eine klemme bringen'
; militärisch, '
in eine schwierige lage bringen': in dem treffen bei Zülphen ward er mit den seinigen so sehr in die enge getrieben, dasz er in der angst gelobte ein christ zu werden
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 203; nachdem die Spanier Vercelli erobert hatten, wurde Gradiska sehr in die enge getrieben Schiller 4, 143
Göd.; am häufigsten im disput '
einkreisen': er trieb sie durch seine fragen so sehr in die enge ...
die discourse der mahlern (1721) 2, 94; durch hin- und wiederreden in die enge getrieben gestand er Göthe 25, 203
W.; wohin sich die arme poesie zuletzt noch flüchten soll, weisz ich nicht, hier (
in Jena) ist sie abermals in gefahr von philosophen, naturforschern und consorten sehr in die enge getrieben zu werden (1800)
ders. IV 15, 146
W. ungewöhnlich: (
zu reformieren ist) die form und weise (
vor gericht) zu ratiociniren und die wahrheit zu eruiren, dadurch die disputen in die enge getrieben würden (
zusammengedrängt) Leibniz
dt. schr. 1, 281,
auch 378.
andere ausdrücke mit gleicher bedeutung: ihr werden mich in die klupfen nit treiben, das da ein andere anatomei in physico corpore seie, gegen der welt Paracelsus
chirurg. schr. (1618) 263; wer sich läst in holen weg treiben, der hat kein kehr Lehman
florileg. polit. (1662) 2, 573; also meineten die Saduceer den Christum in einen sack zu treiben, das er nichts wüst zu reden Luther 20, 508
W.; einen in einen winckel treiben ... Kramer 2 (1702) 1349
c; Sprengel ... ist eine eigene natur von verstandsmenschen, wie wir sie heiszen, der durch den verstand sich dergestalt in die ecke treibt, dasz er aufrichtig gestehen musz, hier könne man nun eben nicht weiter Göthe IV 16, 100
W.; ernsthaft dürfte der handel nicht werden ... nur so weit als nöthig ist, die familie in die klemme zu treiben Schiller 3, 425
Göd. I@A@22)
im abgeleiteten gebrauch bezeichnet treiben
ein fortjagen, ohne dasz eine directe körperliche gewaltanwendung des subjects vorgestellt wird. I@A@2@aa) '
mit befehlenden worten oder gebärden fortweisen',
ciere, mittere. durch göttliche hoheit: er dribit sie alle thanana (
gott beim jüngsten gericht) Otfrid V 20, 112; (
der teufel) bat ihn sehr, dasz er sie nicht aus der gegend triebe (
ἀποστείλη,
got. usdrebi)
Marc. 5, 10; in kraft des ... excorcismi hat Christus pös geist getriben aus vil leuten Berth. v. Chiemsee
theologei 655
Reithm.; Maria ist das arme weib, von welcher unser meister, der starke helfer, vormals treib auf einmal sieben geister P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 341
b;
oder durch menschliche überlegenheit: der leu vert mit mir alle zît, ichn vüere in durch deheinen strît, ichn trîb in ouch von mir nicht Hartmann von Aue
Iwein 5295; aus rufen, driben
excire Diefenbach
gloss. 215
a; du hast mir ain merwonder für ainen knecht gebracht; tryb in von mir! Steinhöwel
Äsop 47
lit. ver.; in das bad treiben
contrudere in balneas, i. e. mittere (
Cic. pro Caelio § 63) Reyher
thes. 562; treibe keinen fremdling von deiner thür, ohne ihm einen almosen zu geben Olearius
pers. baumg. 26
b; entfernt euch, sagte der vater ...; als wir nun aus der stube getrieben wurden, drängten sich die geschwister um mich herum Steffens
was ich erlebte 1, 267.
im andern sinne, mit zielangabe: wenn nur das verdammte buschwerk nicht so dicht wäre! da kann keine seele hindurch, sagte der gutsherr. man trieb die hunde in den jungen schlag Droste-Hülshoff
ges. schr. 2, 312
Schück. I@A@2@bb)
für die wirkung durch machtmittel einer höheren gewalt, ohne dasz diese an der eigentlichen handlung des '
forttreibens'
beteiligt ist (
anders bei 1 b); '
exiliare': er treip sie (
die christen) algelîche von sînem künicrîche R. v. Ems
Barlaam 24, 31
Pfeiffer; die beteler uf unser lieben frau vom Berg hinfure kein hutten zu machen gestatten, sundern sie in die Gilergassen driben (
ratsprotocoll 1496) Bücher
Frankf. berufswb. 29
a; ich musz dir von unserm vogt klagen, der wil mich triben von husz und heim
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 3, 21
Bächt.; als sein sohn sich wider ihn zum keiser aufwarf, den vater ins elend triebe ... Zinkgref
apophth. (1628) 27; in Ägypten war von den beiden gemeinschaftlich regierenden brüdern der ältere ... durch den jüngeren ... aus dem lande getrieben worden Mommsen
röm. gesch. 2, 57; diejenigen, die in bürgerlichen kriegen auszer landes getrieben, oder des ihrigen beraubt wurden
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 464; die burg die ist meine! du hast sie geraubt, mich trieb dein geschlecht in die ferne Göthe 3, 6
W.; etwas anders von übermenschlichen gewalten: darum trachtet den helden der erderschüttrer Poseidon nicht zu töten, allein von der heimat irre zu treiben Voss
Odyssee 3
Bernays; ... wie elend, wenn sie (
eine frau) gar ein feindlich schicksal in die ferne treibt Göthe 10, 4
W. I@A@2@cc)
sonst auf irgendeine weise jemandes '
fortbewegung erwirken'.
die mittelbarkeit der wirkung verursacht vielfach ein verblassen der intensität des ausdrucks. I@A@2@c@aα)
zielbewuszte tätigkeit einer person. in den ersten belegen noch sichtbar occasionell, von dem gebrauch bei 1 b
und 2 b
ausgehend: (
Saul) streich mit allem sînem her gein der heidenschaft ze wer mit kraft so vîentlîche, das er si von dem rîche treip und virjagte ân allen strît Rudolf v. Ems
weltchron. 25031; das wir der narren ledig würden, hab ich ein nüwe kunst und leren erdicht, dieselben zu beschweren, us unsern landen triben dannen und in die welschen lender bannen Murner
narrenbeschw. 1, 57
Spanier; in vigilia nativitatis
d. uno Walacho de Compolong referenti, quod Myrche woyw. exercitum cogit, vulgo traibt czu heer, bib. asp. 25 (1545)
quellen z. gesch. v. Kronstadt 3, 289; mich will Antonio von hinnen treiben und will nicht scheinen, dasz er mich vertreibt Göthe 10, 216
W.; der minister ... zittert vor der ... ankunft seines sohnes, den die mutter aus dem hause trieb, um auch sein vermögen ungestörter zu verprassen Klinger 3, 130; (
gott) treib durch deinen schutz von mir böse menschen, böse thiere Schmolcke
trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 26. I@A@2@c@bβ) treiben
ist als verbum movendi auch da gebraucht, wo durch die nachdrückliche wirkung äuszerer tatsachen oder des verhaltens einer person jemand zu einer fortbewegung veranlaszt erscheint, '
causam esse abeundi'
; eine wirkung auf die empfindung des objects tritt verschiedentlich besonders hervor; ich wil hinein zum pauren gan, ihn umb ein gabe sprechen an, das er bei mir im hause bleib und dich nicht von der (
diebs-) arbeit treib Barth. Krüger
spiel v. d. bäur. richtern 19
Bolte; ward ... gestritten bis in die nacht, ... und treib si die nacht von einandren, dasz dwäderer teil gesiget Tschudi
chron. helv. 1, 32; da trat ein alter krontzer (
ein invalide) ... zur stuben hinein, den die eingenommene kälte ... zum stubenofen triebe Grimmelshausen 3, 20
K.; der gedultige treibt den ungedultigen aus dem land Lehman
floril. polit. (1662) 3, 46; sünder, eure höllenschmerzen treiben mich zum gnadenstuhl Schubart
sämtl. ged. 1, 209; eine derbgeschlagne wunde, die ihn aus dem schlachtgefilde treiben mag Bürger
werke 167
Bohtz; (
fürst Kaunitz) sagte, ... dasz solche leute nur alle hundert jahre auf die welt kämen und solche leute müszte man nicht aus Teutschland treiben
bei O. Jahn
Mozart 3, 179; bis die frühen gewerbe lebendig zu werden anfingen und ihn nach hause trieben Göthe 21, 113
W.; vom Rhein her streicht ein scharfer luft, der treibt den alten aus der gruft Scheffel
nachgel. dicht. 41; eine ungerechte zurücksetzung im dienste trieb ... die brüder ... nach Göttingen, wo sie ... als universitätslehrer wirkten Scherer
kl. schr. 1, 5; mich hatten die verhältnisse in die fremde getrieben Storm
werke (1899) 1, 41. I@A@2@c@gγ) treiben
zur bezeichnung der wirkung innerer kräfte. wo die übermacht des inneren impulses über den freien willensentschlusz des objects hervortritt, kommen vorstellung und ausdruck dem '
jagen',
propellere (
A 1 a)
nahe (
s. a. unten 3 a
β);
zuerst in sprichwörtern belegt: hunger drift den wulf ut dem wolde (1514) Tunnicius
nr. 540
Hoffm., s. auch Wander 2, 911; geiz und ehr treibt uber meer Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 127
b; drum trieb die neigung mich zu deinen anverwandten
bei Gottsched
dt. schaubühne 1 (1741) 15; des andern morgens trieb ihn eine gleiche unruhe aus dem hause Göthe 33, 8
W.; bleich stürzt sie aus der kirche, es treibt die angst sie aus dem heiligthum Schiller 13, 298
Göd.; die sehnsucht auch, die zu dir mich trieb, war die mächtigste Bettine
Günderode 1, 101; so trieb es ihn fort aus Rom, er mochte wollen oder nicht Aurbacher
volksbüchl. 8;
die unstetigkeit der inneren kräfte tritt zuweilen besonders hervor: ei, ei, kaum angefangen, flieht ihr schon alle weit durch distel und durch dörner, wie just die angst euch treibt (
auf d. schlacht bei Roszbach) v. Ditfurth
lieder d. preusz. heeres 20. treiben
erscheint ganz wie '
jagen'
gebraucht bei personification des subjects oder in der vorstellung einer besessenheit: was für ein irrgeist trieb mich denn von hause? Hegner
schr. 5, 180; Sebastian wird von der freude wie von Habakuks engel beim schopfe erfaszt und durch den garten geführt und mit seiner novelle an den ersten besten getrieben Jean Paul
sämtl. w. 7 (1826) 108
R.; doch trieb mich eine unendliche ungeduld, ein unermeszliches verlangen durch berg und wald wieder vor ihre thüre Göthe 24, 32
W.; durch sturm und wetter bin ich getrieben von sehnsucht und hoffnung umhergelaufen, bis ich sie fand E. T. A. Hoffmann 12, 22
Gris. I@A@2@dd)
die vorstellung eines mittelbaren '
verfolgens' (
s. o. 1 c)
herrscht in anwendungen wie: der selbig ich, umbgeben mit nachtrachtungen, getrieben durch verfolgung, werde gezwungen, ... iderman um hilf, rat und beistand an zu schreien Hutten 1, 410
Böck. berufssprachlich: einen gesellen treiben, d. h. bewirken, dasz er an keinem ort in arbeit kommt; durch kaiserl. mandat 1731
verboten, s. Jacobsson 8, 8 (
vgl. auch auftreiben
u. umtreiben): (
eine anzahl kannengieszergesellen gelobt dem rate) bei ihrem handwerk und dem auftreiben, den gesellen, wie ihnen befolen, zu treiben (1534)
Breslauer stadtarch. hs. g 5, 85
fol. 58
b; non praehendant quidem (
noxium), denuncient tamen atque expellant. unde germanice quoque dicitur treiben, ac de taliter se habente er werde getrieben, vulgo das auf- und umbtreiben A. Beier
de collegiis opificum (1688) 425. I@A@33)
der unsinnliche gebrauch schlieszt sich zunächst vorwiegend der bedeutung '
jagen'
an (a),
später gewinnt die bedeutung '
jemand allmählich von etwas weg- oder zu etwas hinzwingen'
an boden (b),
wovon treiben
als '
auf etwas hinführen'
sich ablöst (c;
vgl. 4). I@A@3@aa)
jemand '
jagen',
blasser '
versetzen'
von oder zu etwas. I@A@3@a@aα)
mit persönlichem subject: fone morgene unz ze abende endost du mih. tribest mih ze tode (
finies me) Notker 2, 611
Piper; anders: eyn man, ... der kummit obir ein vihe adir obir ander koufenschaft, ... den tribet kein man dor abe (
ende 14.
jhs.)
Kulmer recht 5, 2
Leman; ein zusammenhang mit räumlicher vorstellung ist mehr oder weniger deutlich zu erkennen: ich euch vor töten und ausz diser welt jagen und treiben wille Arigo
decam. 128, 32
K.; das sie mit krieg und blutvergiessung uns aus der welt gar austilgeten und trieben (1555) Musculus
hosenteuffel 18
ndr.; nun lug daz du also in einem sölchen wesen blibest, loss dich nit daruss triben Keisersberg
bilgersch. (1512) c 3
b; durch das schwärt des gots wort sind wir getriben worden von haydnischer weisz uff christlich wesen, von sünden zu erberkeit Eberlin v. Günzburg 1, 46
ndr.; von einer hoffnung treiben
deturbare spe Frisius 1232
b; einen aus dem besitz seiner güter treiben Steinbach (1734) 2, 853; treibe ihn (
Faust) hastig ins leben, dasz er sich schnell überlade Klinger
werke 3, 35;
aus einer gemeinschaft stoszen (
vgl. bes. 2 b): von der cristenheit dribin, von der gemeinschafft triben
excommunicare (15.
jh.) Diefenbach 215
a; wu e.
f. g. nicht etzlich ausz der facultet wirt treiben ... (
brief 1502)
bei Friedberg
d. univ. Leipzig (1898) 129; dise arme fraue solde von disem manne auch getriben ... werden (
geschieden)
act. u. br. z. kirchenpol. Georgs v. Sachsen 1, 122;
ähnlich: du aber (
Jesus) bleibst, an dir will ich auch bleiben; von dir soll mich nicht tod, nicht hölle treiben Neukirch
ged. (1744) 71;
ebenso in der bedeutung '
zurückstoszen' (
vgl. bei 1 a): treybt mich von dir dein stoltzer sinn — geneustus sein, so wirstus inn Forster
fr. t. liedlein 41
ndr.; wer gott von sich treibt allhier, den wird er dort auch treiben von seinem heilgen thron Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 341
b.
vereinzelt ist die bedeutung '
mit quälereien verfolgen' (
s. a. unten b
γ): den wir i treiben! Jakob
Wien. (1929) 195;
vgl.den will ich hetzen Donner
Terenz (1864) 533;
blasser '
nachstellen': huren treiben
correr dietro alle puttane Kramer 2 (1702) 1124
b;
dazu gehört vielleicht: oft trifft es sich, dasz ein teufelsbanner einem anderen hexenmeister um ruf und erwerb neidig ist ... dann 'treiben' sie beide einander, bis einer von ihnen meister wird Rochholz
Schweizersagen 2, 158;
vgl. ebenda 1, 112; 2, 157
und Hunziker
Aargau. 59. I@A@3@a@bβ)
mit unpersönlichem subject: so müez wir immer gram disem tage sin von schulden, der uns so gar von dinen hulden hiute tribet unde jeit Ottokar
reimchr. 94934; ouch enbin ich noch ze solcher nôt mit einer wunden niht getriben Gottfrid von Straszburg
Tristan 6975; es tribt mich bald von minem wesen, wenn die puren die gschrift auch lesen
N. Manuel 53
Bächt.; wo wollt ihr hinaus, dasz ihr den mord geringer anschlagt als hurerey, da doch der erste die menschen aus der welt treibt, und die letzte sie hinein? Klinger
werke 3, 239.
in besonderem masze von den inneren kräften des menschen, deren wirkung ebenso plötzlich wie unwiderstehlich auftritt (
vgl. 2 c
γ,
aber auch unten b): unde tribent sie tweres iro geluste
transversos eos praecipitat libido Notker 1, 239, 29
Piper; irre si ûf trûren treip, daz leit smerzte si ie mê
Mai und Beaflor 28, 10; es ist so maniger kummer mit dem menschen, und tribet in die nature nu har nu dar. und ist manigerleige daz die nature dicke do regnieret, do man wenet das es zumole got si Tauler
pred. 79, 24
V.; fulistu noch böse lust, zorn, ungedult
etc., so hastu abermal eyne not, die dich treybet und jaget zum herren Luther 15, 502
W.; die kraft der fortreiszenden wirkung findet meist besonderen ausdruck: das gränzenlose streben, was uns aus der menschlichen gesellschaft, was uns aus der welt treibt, unbedingte leidenschaft Göthe 41, 2, 7
W.; noth und angst und nacht sind eure herren. die sondern euch, die treiben euch mit schlägen aneinander Hölderlin
ges. dicht. 2, 103
Litzm.; uns aber treibt das verworrene streben blind und sinnlos durchs wüste leben Schiller 14, 29
Göd.; von dieser ... durch mächtig erwachende ideen vorwärts getriebenen generation Ranke
s. w. 2, 10. I@A@3@bb)
in der vorstellung des treibens
tritt das element der wirkung stärker hervor als das der bewegung: '
jemand durch anhaltende oder vielfältige einwirkung allmählich von oder zu einem bestimmten punkt bringen' (
vgl. o. 2),
in gleicher weise bei pers. und unpers. subj. I@A@3@b@aα)
mhd. noch ungelenk, im bilde: in sullen alle engel treuten, swer milte bi den ziten beleip do man si (
fürsten) zu der milte treip so man die tregen ochsen tut
bei Rosenhagen
kl. mhd. erz. 193, 183;
später freier: aus disen sehen wyr nu tzum ersten, wie ferlich die leren sind, die den menschen durch gepott und gesetz treyben auff die meynung, das er dadurch soll frum werden Luther 10, 1, 1, 456
W.; nicht das sie verzaubert werden von andern leuten, sondern sie sich selbst in glauben treiben Paracelsus
opera (1589) 1, 265; wir suchen nicht gold noch zeitlich gut darmitte, und treiben nicht den menschen in vergebenen vorwitz J. Böhme
schr. (1620) 5, 157; der aufmerksame beobachter der witterungsbegebenheiten wird von vielen seiten her auf den gedanken getrieben, die ... atmosphäre nehme ... aufwärts an dichtigkeit in stetiger folge ab Göthe II 12, 85
W., s. auch IV 49, 198; (
der teufel möchte u. a. in der kirche) ein altes lied aus dem gedächtnisz mitsingen, um damit einen nachbarn irre zu treiben Jean Paul
sämtl. w. (1826) 15, 78; (
die in der gelehrtenstube) geborenen gedanken waren es, welche allmälig auch die staatenlenker unterjochten und in neue bahnen trieben v. Döllinger
akad. vortr. 1, 139;
nur vereinzelt: krieg dem dichter und musiker — zerstörung ihrer bösen absicht, den zuschauer mit trugbildern zu umfangen und ihn aus der wirklichen welt zu treiben E. T. A. Hoffmann
sämtl. w. 1, 56
Gris. seit dem 18.
jh. am geläufigsten ist '
jemand zu einem äuszersten punkt treiben';
zuerst: (
der teufel) treib sie (
Adam und Eva) durch die lügen in tod Luther 36, 417
W.; Ludwig xi. ... hatte seinen vetter in den tod treiben helfen Stegemann
kampf um den Rhein 166,
s. auch unter c;
ebenso: non satan horrendius, quando einen treybt auffs verzagen Luther 34, 1, 251
W.; im krieg ... da man ... armes landvolck mit stehlen, raunen und morden bisz zur verzweifflung treibt Moscherosch
insomn. cura parentum 52
ndr.; hinweg, du hund! du treibst durch deine streiche mich armes weib zur wuth
Shakespeare 1, 232; es treibt zum wahnsinn, den irrthum immer wiederholen zu hören Göthe II 4, 143
W.; der éclat ... trieb die mutter fast in den wahnsinn Raabe
hungerpastor (1864) 3, 11; die reue treibt den schwachen zur verzweiflung Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1, 74;
mundartl. im bilde: ên op de bâm dreiwen
einen aufs äuszerste treiben luxemb. ma. (1906) 71. I@A@3@b@bβ)
mit ortsadverbien; jemand höher, weiter, aufs äuszerste, zum äuszersten treiben
u. ä. (
vgl. auch treiben auf etwas
bei C 3 b
α);
in verschiedener beziehung: ab kein man ader weib von des gutes wegen die frau hoher mit den rechten treiben und eiden wolle (
in einem prozesz zu weiteren zahlungen zwingen; Iglau 1416)
bei Jelinek
mhd. wb. 723; (
wir) geben die zwei steuren darumb, das man uns nit fürbasz treiben soll mit keinerlei steuer (15.
jh., Tirol)
österr. weisth. 3, 100; denselben (
miszratenen) weisz sollen die hern nit verschlagen und den armen nit witer triben (
Franken, 15.
jh.?)
weisth. 6, 93; der herr Florius thet auch keinen schwur, dann nur: bei der warheit ... wann man ihn wolt höher treyben, so ging er ehe darvon und liess seinem widerpart recht (1559)
V. Schumann
nachtbüchl. 299
Bolte; ein ädles hertz gedrükkt sich aufricht und erquikket, ... mit nutzen sich zur ehr' und tugend höher treibt Neumark
palmb. (1668) 155; wer sich nicht so weit treibt als möglich, ist ein thor Göthe 11, 51
W.; treiben sie mich nicht weiter, mein vater Schiller 3, 419
Göd.; hat er aufs höchste mich getrieben
ebenda 418; (
Österreich) treibt Sardinien auf das äuszerste Bismarck
ged. u. erinn. 1, 213
volksausg. (
heute veraltet; statt dessen nur zum äuszersten treiben); (
er) deutete auf die pistolen ... die sind meine letzte zuflucht, dahin treibst du deinen vater Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 170.
jemand dahin, so weit treiben,
mit nachfolgendem consecutivsatz: den (
papst) will ich dahin treiben, das er dir helffen thut B. Waldis
streitged. 12
ndr.; hat ihn die ehrgeitzigkeit dahin getrieben und sein vermessenheit, das er unweiszlich begert hat, eilends ... der sachen end zu geben Xylander
Polybius (1574) 164; mein liebchen sol so seyn: als wie das mädgen siehet, das mich jetzund bemühet, das mich so weit getrieben, dasz ich mich musz verlieben Chr. Weise
überfl. ged. 134
ndr. I@A@3@b@gγ)
vom lat. ducere (
bes. bei Terenz)
übernommen scheint die im 15.
und 16.
jh. vorkommende bedeutung von treiben '
nasführen, foppen'
; vgl. umführen und umtreiben in derselben bedeutung zu circumducere: diser rede ist iu niht nôt, daz ir mich alsô trîbent
gesamtabenteuer 3, 248;
s. auch 249; es was in einer hohen schul oder in einer bursz ein student, der liesz sich treiben und meint, was man im sagt, das wer war Pauli
schimpf u. ernst 1, 379
Bolte; es seint etlich narren, wan man ir spottet und sie treiben wil (
cum ... irridentur), so stellen sie sich ernsthafftig und wöllen nitt triben sein
ders. Keisersbergs narrenschiff (1520) 135
c; obs aber gehe vom grundt seins hertzen, ader ob er thu zum spot und schertzen mit spiegel fechten uns zu treiben und im finstern ein aug verkleyben, das lasse ich mich ein andern lern B. Waldis
streitged. 20
ndr. I@A@3@cc)
bei stark empfundener mittelbarkeit der wirkung verliert treiben
den charakter des zwingenden (
vgl. o. 2 c); '
zum abgehen bewegen', '
richtunggebend beeinflussen': wievil sein yhr dartzu, die sich mit geschenck und gaben lassen schweygen und von der warheit treyben Luther 6, 274
W.; ich lasz mich nimme andersz tryben, myn lebtag würd ich also blyben
bei Bächtold
schweiz. schausp. d. 16. jh. 2, 181; so wir uns von dem (
wort gottes) treiben lassen, so ist es mit all unserer wolfahrt geschehen Moscherosch
cura parent. 37
ndr.; kein mensch, kein wort, kein rath kann ihn von Phillis treiben Rachel
sat. ged. 93
ndr.; in neuerer zeit vorwiegend mit unpers. subject: s. 227 (
in Rochlitz' buch) hat mich an die Händel-Mozartische partitur getrieben Göthe IV 38, 70
W.; die anfeindungen der aristokratie hatten ihn ... in das lager der gegner der regierung getrieben Mommsen
röm. gesch. 2, 191; was Jutta in den tod (
freitod) getrieben, das kann ich fürder nicht mehr lieben C.
F. Meyer
Engelberg 43. I@A@44)
unter völligem verblassen der räumlichen vorstellung entstand schon mhd., als besonderer zweig des unter 3
entwickelten, der gebrauch von treiben
als '
zum beginnen einer tätigkeit bringen', '
zu etwas veranlassen',
adducere (
s. auch C 3 c);
im 16.
und 17.
jh. ist syntaktischer einflusz des lat. adducere ut wahrscheinlich. I@A@4@aa) treiben
als '
veranlassen'
mit abhängigem verbum oder verbalsubstantiv. I@A@4@a@aα)
bei pers. subject; schon früh, aber nicht häufig. mit der bedeutung '
nötigen'
z. b. in der formel auf einen eid treiben: were we, de dar einen venge efte up eede dreve edder lofte (1498)
bei Falck
staatsbürg. mag. 8, 164;
dass. noch bei v. Hohberg
georgica (1682) 1, 17.
meist aber als schwächeres '
veranlassen': unz er den lôn (
seiner taten) hât erwischt, des er unergetzet ist beliben von den, die in darûf triben Ottokar
reimchr. v. 23281;
vgl. dazu auch treiben auf,
bei C 3 b; ir larven aber stiest die kopffe mit etlichen hern zusamen ... und tribet den keiser zu einem solchen freveln urteil Luther 19, 276
W.; der sathan tribe den Zwingel, schreibt Alberus, das er mit seinen discipeln in krieg zug Nas
antipap. 1, 163
a; mit solchem kreuzhau treibestu ihn, das er auch hauen wird (1602) Sutorius
fechtbuch 23
Scheible; mein Berintho, der mich trieb, dasz ich dieses lied auch schrieb S.
Dach 748
Österl.; in neuerer zeit nur, wo das treiben zu einem äuszersten (
vgl. o. 3 b
α)
bezeichnet werden soll, noch vereinzelt gebraucht: ihr werdet ihn durch eure staatskunst noch zu einem schritte treiben — ja, ihr könntet ihn, weil ihr ihn schuldig wollt, noch schuldig machen Schiller 12, 197
Göd.; lieszest du diesen unglücklichen darum geboren werden, dasz ihn ein diener deiner religion durch verzweiflung zum selbstmorde treibe? Klinger 3, 113. I@A@4@a@bβ)
in lebhafterem gebrauch für das '
veranlassen'
zum handeln durch eine äuszere oder innere unpersönliche ursache: kaiser, din hoche wirdekait tribet mine sinne gemait mit gutem willen darzu, dasz ich dir spat unde fru willenclichen si berait
Göttweiger Trojanerkrieg v. 15030; (
es) solte uns nicht alleine die not, sondern auch die andacht und ehrbarkeit dazu treiben, ein gemein begrebnis ... zu machen Luther 23, 375
W.; darumb ... wisset, was mich hat zu disen meinen historien triben und verursacht (1559) Val. Schumann
nachtbüchl. 4
Bolte; hier treibt sie (
die einwohner) der sandige boden zum fleisze C.
F. Nicolai
reise 1, 162; mich trieb ein böser traum, ihn aufzusuchen Schiller 12, 81
Göd.; was mich zum mord getrieben: meine krone, mein eigner ehrgeiz, meine königin
Shakespeare 3, 266; würde ein angriff der Russen die deutschen stämme zur einigung treiben Moltke
ges. schr. 4, 140;
in participien: sie ... behielten jedoch die eigentliche treibende ursache bei sich, die sie also reden machte A. U. von Braunschweig
Octavia (1677) 2, 1107; es müssen die treibenden motive der handlungen, die bewegenden ursachen der ereignisse aufgedeckt werden B. Weisz
leben Jesu 1
4, 187; männer, die ... blosz vom zuge ihres genies und dem reiz des gegenstandes getrieben, in der stille den musen geopfert hatten Justi
Winckelmann 2, 1, 123. I@A@4@a@gγ)
am häufigsten auch in neuer zeit angewandt zur bezeichnung der zum handeln zwingenden wirkung einer inneren ursache (
s. a. c
und C 3 c
β);
vereinzelt schon mhd.: wie mohter komen sô vruo? dâ treip in diu liebe derzuo Hartmann von Aue
Iwein 2210; dich bedunkt, du habest dein notdurft geessen, denn kompt dir für ain blaus käslin, so treibt dich der schleck, du greifst darnach, du issest es. da lassest du dich nit notdurft, sonder den schleck treiben Keisersberg
sieben scheiden (1510) e e 5
b; die bös begird treibt mich zum sündigen
rapit me transversum ad ea, quae non probo Alberus
dict. c 4
a; es engstiget zwar vil ir eigen gewissen, und treibt sie doch ir blinde vernunft, das sie tantzen on sünde sein verfechten Ambach
von tantzen (1543) c 4
b; die noth treibet und zwinget heraus zu sagen, was einem umb das hertze ligt Moscherosch
cura parent. 12
ndr.; denke selbst, ich bin getrieben. ich will, soll, und musz dich lieben Neukirch
ged. (1744) 27; er dient ihnen (
den scheinbaren freunden) auch, aus ehrgeiz, aus menschenliebe, aber nicht aus dem triebe, der ihn zum dienst seiner eigentlichen freunde treibt Lichtenberg
verm. schr. 1, 5; die natur trieb sie (
die sänger der alten) zum singen wie den vogel in der luft Göthe 37, 217
W.; er behauptete ... man könne nichts thun, ohne die anlage dazu zu haben, ohne den instinct, der uns dazu treibe
das. 23, 167; seh ich dich, bester mann, nur an, weisz nicht was mich nach deinem willen treibt 1, 177; vermöge eines seltsamen widerspruches in der menschlichen natur werde ich jetzt, wo ich ... politisch aufgeregt bin, durch unabweisbaren zwang zur märchendichtung getrieben Storm
br. in die heimat 211;
die wirkung ist unberechenbar (
vgl. bei C 3): ich richte meine reise weiter ein, wie mir eure stimmen zurufen und wie der geist treibt Göthe IV 8, 162
W.; atzen sie, waschen und frisieren sie ganz ruhig das unthier, wie ihr freundliches herz sie treibt Raabe
Horacker (1876) 182. I@A@4@bb) jemand treiben zu etwas
geht als geläufige verbindung auch auf treiben
in der bedeutung '
antreiben' (
s. u.C 1)
und '
im wachstum fördern' (
s. II C 3)
über, wobei diese bedeutungen mit '
veranlassen, bringen zu'
sich mischen. I@A@4@b@aα) so er (
der gefangene) dann seumig und erlegen ist, und gar vermüdet, treibt man ihn als ein esel mit knüttel zu der arbeit S. Franck
Turkey (1530) c 2
b; ... wann ihr sie (
tiere) schon mit gewalt zu ewerm dienst treibt und anhalt, kosten euch doch ir streich und wunden ... vil mehr, dann euch ihr dienst ist nutz Sebiz
feldbau (1579) 22; wo in schwarzer tiefe gähnte ein schlund ... trieb er die rosse zum sprung Blüse
wandl. d. seele (1925) 61. I@A@4@b@bβ) das wohlthätige licht, das ... die saat des feldes zur reife trieb Klinger
w. 5, 29;
bildlich: ein warmer tropfe vermag das harte samenkorn der kindheit zum schwellen und grünen zu treiben Jean Paul
sämtl. w. (1828) 54, 16; so muszte es ihr entzücken zur höchsten blüte treiben, als selbst Klopstock sich als gleicher unter gleiche aufnehmen liesz Gervinus
gesch. d. dt. dichtg. (1853) 5, 24. I@A@4@cc)
ohne ein bestimmtes ziel; jemand '
in seinem handeln beherrschen', '
im willen lenken'. I@A@4@c@aα)
zufrühst für das stetige wirken einer höheren geistigen macht auf den menschen: (
es) wurt der innewendige mensche getriben von gotte und von dem natürlichen neigende daz er zu gotte het Tauler
pred. 43, 21
Vetter;
und in dieser anwendung sich weiter fortsetzend: sihe da ist gott, also das alle creaturen in ihrem wesen und wercken on unterlas getrieben und gehandhabt wërden durch das wort Luther 24, 38
W.; welche der geist gottes treibt, die sind gottes kinder
Röm. 8, 14; als denn wird uns der heilig geist ... besitzen, treiben, leiten S. Franck
Turkey (1530) m 3
b,
ebenso paradoxa (1558) 275
b (
nr. 218); was aber die andern belanget, so da nach art ihres geistes, der sie treibet, auf mich knastern Ringwalt
lauter warh. a 7
a; und wer denn solchen mann zu den verläumbdern schreibt, der wisse, dasz ihn selbst der erzverläumbder treibt (1664) Rachel
sat. ged. 124
ndr.; dichter, die der himmel treibt, lieben nur des himmels kinder Gottsched
ged. 1 (1750) 267; welch ein böser geist besitzt und treibt dich? Göthe 23, 92
W.; glaubte er, ... von einem höhern göttlichen geist getrieben zu sein? Ranke 4, 32. I@A@4@c@bβ)
in gleicher weise, seit dem 16.
jh. belegbar, für das herrschen einer inneren kraft (
vgl. hierzu bes. trieb,
m.): dergleichen wen die spielsucht treibt, das im kein gelt im seckel bleibt ... der für ins narrenbad dahin Hans Sachs 5, 308
K.; ehrgeiz sie treibet fru und spat (
narren)
narrenfresser (1552) a 2
a; die rächerin der zeit mein hand wird nicht getrieben von solcher falschen lust Opitz
poemata 224
ndr.; durch liebe werde ich getrieben, von liebe rede ich Zesen
rosenmand a 3
b; ... wen die wollust zieht, der ist des geldes feind, und wen die ehre treibt, ist nicht ein kastenfreund Neukirch
ged. (1744) 126; die idee, die in ihm liegt, die ihn treibt und beseligt Herder 22, 105
S.; herrlich wirst du, wenn du reifer, denn dich treibet hoher trieb Brentano
ges. schr. 3, 292; mehr als eine heilige jener tage war von dem verlangen getrieben, sich vom herkommen des hauses und der gesellschaft zu befreien G. Keller 7 (1907) 345. I@A@4@c@gγ)
aus dem unter α und β behandelten gebrauch übertragen erscheint die anwendung bei persönlichem subject; spät und spärlich: geduld hat manchen sieg, macht aber auch viel krieg: ein jeder wil sich reiben an dem, der sich liesz treiben Logau 352
Eitner; die Deutschen sind memmen und lassen sich von ihren fürsten treiben Laukhard
leben 4, 428; pöbel, so arg wie der von den demagogen getriebene atheniensische Niebuhr
röm. gesch. 1, 375; der Appenzeller läszt sich führen aber nicht treiben Kirchhofer
schweiz. sprichw. 51;
in diesem sinne auch ohne object: bald bemerkten sie, dasz er (
der kaiser) nicht treibe, sondern getrieben werde Ranke 3, 180; ... so dasz die ehrsüchtige Gerlind in jeder richtung als die treibende macht erscheint Scherer
lit.-gesch.7 140. I@BB.
vieh treiben, agere pecus, '
mit zuruf oder schlägen vorwärts-, fortbringen'.
im altnordischen nur in einem urkundenbeleg: varo swa atta kyr drifnar heim after (1435)
diplomaticum Norvegicum 9, 250;
dafür sonst reka,
s. Cleasby-Vigfusson 492
a.
im westgerm. dagegen einheitlich, ags. ic drîfe sceáp mîne to heora lease
bei Bosworth-Toller 212
b,
s. auch Wright-Wülcker
vocabularies 1, 444, 9;
as. pecus in templum induxerunt dríuun
bei Steinmeyer-Sievers
ahd. gl. 4, 291, 2,
auch 301, 9;
ahd. liuzil chind dribit auur dhiu alliu
Isidor 42
Hench; (
grex iumentorum)
minata, id est kitribin
lex Alam. in mon. Germ. hist., leg. nat. 5, 1, 135, 21. I@B@11)
in beziehung auf hausvieh (a),
sonstige zahme tiere (b)
und auf menschen (c). I@B@1@aa)
alles vieh wird auf längeren wegen (
besonders zur weide, s. 2 a) getrieben: unde trenchot daz vihe, daz si dar het getriben
genesis 55, 13
Diemer; item 1½
m. dren knechten, ochsen zu triben uf di reyse in das Nedirland
Marienburger tresslerbuch 27, 24
Joachim; er traib das viech hin in dem thau, die gaisz, die küe und auch die sau
pfarrer v. Kalenberg 98
ndr.; ir ochsen, küe und rosz alles sie selbes ausz iren heusern triben in die schönen felder Arigo
decam. 8, 3
K.; und treib die schafe enhinder in die wüsten
2. Mose 3, 1; da sah er nun bald mit seinen eigenen augen, wie die gänsemagd und der gänsejunge die herde getrieben brachte
kinder- u. hausmärchen 2 (1815) 23; das treiben solcher thiere (
schweine u. ochsen), die höchst eigensinnig sind ..., ist eine kunst Laube
ges. schr. 1, 23;
in der mod. amtssprache: das fahren, reiten, vieh treiben ist auf diesem wege verboten
häufiges warnungsschild. gern im bilde: (
Napoleon) hoffte, die herde würde sich desto leichter treiben lassen, wenn man ihr den hirten genommen hätte E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 238. I@B@1@bb)
überhaupt von zahmen tieren: man fehet die elephanten in India also, das der meister des elephanten ein zamen elephanten vor im treibet Eppendorf
Plinius 45; Abdallah treibt die kamele, der derwisch leitet den zug Chamisso
w. (1836) 3, 313; ein fünfter (
mann) treibt zwei grosze büffel Ritter
erdk. 1, 649.
besonders in bildl. redensarten: den bären treiben, '
kuppeln' (
vgl. th. 1, 1123
u. th. 7, 1632 pfauentreiber): wann ich hab zwischen beiden lieben den beren ie treulich getrieben Hans Sachs 17, 13
K.; doch den beren in solcher masz treiben kundt, das weder der frauen mann, noch die nachbarschaft sein nie wahrnam Lindener
rastbüchlein 47
lit. ver. frösche, schnecken treiben, '
etwas langweiliges und unnützes tun': die männer hätten eine heillose angst vor ihrem bösen mund und schneidigem wesen, und sie werde also ganz gewisz, wie man sagt, die frösche nach Jerusalem treiben (
unverheiratet bleiben) Speck
zwei seelen (1904) 58,
so auch bei Wander 1, 1232, 81
f. u. 94; schnecke uf Paris tribe
nichts tun, herumlungern Martin-Lienhart 2, 738
a;
im wortspiel mit treiben '
tun': was traipš? — snekə iwas proochfelt
schnecken übers brachfeld Meisinger
Rappenauer ma. 204;
vgl. dazu u. IV C 1. I@B@1@cc)
auf menschen bezogen; in umkehrung des tätigkeitsverhältnisses: dasz sein tugendlob bekliebe bis ein schaf den schäfer triebe Knittel
poet. sinnenfrüchte 25; nein, ihr herrschet nicht, von der herde getriebene hirten seid ihr, nichts mehr! Klopstock
oden 2, 89;
oder im spiel: du aber triebest gar artig, auch im gesicht bemalt, triebst du mich mit einer langen gerte vor dir her maler Müller 1, 117.
meist aber mit dem sinn 'treiben
wie ein stück vieh': vihe unde hîen (
uxores) hiezzen si danne trîben
genesis 69, 33
Diemer; die Türcken treiben die leute zu markt, keufen und verkeufen Luther 26, 229
W.; (
sie hat) eins jungs meitli über das Raffzer feld mit einer tapfern ruten bosshaftigs gemüets vor iren anhin triben unz gan Eglissow, damit si ... den zoll nit geben müesste (1535) Staub-Tobler 6, 1825; einen gebunden vor sich her treiben Steinbach 2, 853;
sehr frei: der neu mönch musz dann auch gedencken und sich mit einem sack behencken (den sack nennt man bei uns ein hur), als dann darf er mit gehn zu chur; da musz ein jeder offentlich ein hürlein treiben neben sich Alberus
fabeln 167
ndr. I@B@22)
im bereich der viehwirtschaft hat sich eine anzahl besonderer anwendungsarten von treiben
ausgebildet und gefestigt, vor allem in der rechtssprache. I@B@2@aa)
das vieh wird zum futter, zum markt getrieben
u. s. w.; in allgemeingültigen verordnungen wird als subject der verantwortliche besitzer der tiere genannt, vgl. auch unten 3
d. I@B@2@a@aα) wer viehe für den hirten treibt ..., der soll das verpfründen
weisth. 6, 45; als die magd die kühe malcke, sang sie darzu, dasz ich davon erwachte, und als sie selbige vor den hirten triebe, machte ich mich auf den weg Grimmelshausen 3, 399
K.; s. a. vortreiben. an
oder auf die weide, zur weide treiben: er treip sîn vihe an di guoten weide
genesis 34, 28
Diemer; an die weydt
noch bei Kirchhof
disc. milit. (1602) 23; er starb gantz schnell auff gröner heid, da er das viech trieb auff die weid Scheit
frölich heimf. f 2
a;
noch heute üblich: kein vieh darf ohne ... hutgeld gezahlt zu haben auf die gemeinweide getrieben werden Niebuhr
röm. gesch. 2, 399; treibt er die schaaf zur waiden, zum grünen erdgemüsz? Spee
trutznachtigall (1649) 42;
im bilde: drei ... seelen ..., die er auf verschiedene ländereien zur weide treiben muszte Jean Paul
w. 7 -10, 103
H. andere verbindungen mit auf, in, zu: der sîn vihe trîbet ûf eins andern mannes korn oder gras, er sol im gelten den schaden zwivalt
Schwabenspiegel 282
Wack.; wenn ich einen bösen nachbarn hätte, der mir sein vieh auf die jungen bäumgen triebe und liesze mir die lohden (
triebe) wegfressen Weise
erznarren 53
ndr.; (
die schafe der gemeine) werden auf stoppeln und brache getrieben Göthe III 2, 94
W.; ein iglich man, der in der gewalt siczet, der mag seine schwein ... wol in die aicheln treiben (1294)
weisth. 6, 98; die schweine in die stoppeln, in die eicheln treiben Kramer 2, 1123
c; wollt wohl euern hengst ein wenig ins gras treiben? maler Müller 1, 185; sommers trieb er schaf und ziege ins gebirg, ins grüne futter
F. W. Weber
Dreizehnlinden136 58; behalte sie (
die schweine) zu hause, und treibe sie nicht zu felde
viehbüchlein (1667) 79; zu der trencke treyben Frisius 106
a; die schwein zum trog oder fressen treiben Hulsius (1618) 2, 67
b;
im bilde: (
gott) treibt sie (
die gottlosen) als reiche säu zur schwemme, dasz ihr keiner widerkompt Mathesius
Sarepta 11
b. I@B@2@a@bβ)
markt- und schlachtvieh: (
Clawert) kauffte doselbst zweyhundert ziegen vnd böcke, triebe dieselben auff Laurenti gen Jüterbock, auff den marcket Barth. Krüger
Hans Clawert 20
ndr.; eine junge bauerndirn ..., die ein schweinlin zu marck triebe Grimmelshausen 3, 454
K.; im bilde: izt fehlte nur noch, dasz wir weiber und kupplerinnen würden, oder gar unsere jungferschaft zu markte trieben Schiller 2, 42
Göd.; ähnlich 3, 360.
das eintreiben von schlachtvieh dient zum bilde für '
zum nutzen einbringen': das seyn die beste bey hoff, die kuhe und kälber in die kuche treiben Lehmann
flor. polit. (1662) 1, 88; (
andere nutzlose experimente) befehlen wir den arzten, die ihre frewdaffen damit in die kuchen treiben Paracelsus
op. (1616) 1, 858
H. I@B@2@bb)
infolge der häufigkeit der anwendung und der eindeutigkeit des sinnes in bestimmter umgebung bleibt das object die herde
oder das vieh
u. dergl. häufig ungenannt (
s. a. unten 3): treib her, treib überher, du trautes Bärbelein das mein, zu mier ruck mit den schäfflin dein Oswald v. Wolkenstein 115
Schatz; wo der hirt durch unweg tribet, so fallend die schaff in schäden (15.
jh.) Öheim
Reichenauer chr. 96
lit. ver.; der schuchmacher sagt, schneid (
das leder) zu grosz und klein, wie der schweinhirt us dem dorff treibet
Eulenspiegel 68
ndr.; die alte alltägliche beschwerde, dasz nehmlich euere hirten nicht in unsre trifften treiben ... sollen Wieland
Lucian 4, 58; wir treiben übermorgen zur alm, hilf mit Pichler
gesch. a. Tirol 1, 46; gesetzt, ich wollte einen acker selbst bestellen, so müszte ich darauf achten, dasz ... mir durch treiben, fahren oder treten kein schade zugefügt würde Möser
s. w. 2, 117. I@B@2@cc)
in der älteren rechtssprache unterschied man durch die verwendung von treiben
ausdrücklich das lebende (treibbare)
vom toten inventar und vom liegenden
gut (
vgl. rechtsaltert.4 1, xx
u. 2, 98);
über ganz Deutschland verbreitet: (
wir) bekennen offentlichen mit diesem briefe, dasz wir unserm lieben getreuen Alexio Racköwen ... verlihen haben das halbe dorf ... mit acker, getriben und ungetriben (1428)
urkdb. z. gesch. d. markgrafent. Niederlausitz 1, 1172;
das part. präs. adjectivisch mit passivischer bedeutung (
dasselbe bei II A 3 b
und IV A 4 a): (
er soll als pfand) rinder, küen oder kelber und (
in?) den linden kreben (
gerichtsplatz) disz orts treyben unnd dieselbigen ... fail bietten ...; wa aber nit treibende pfandt vorhanden, sondern allein liegende güetter ... (1552)
bei Reyscher
altwürtt. statuarrechte 327;
weitere belege im folg. absatz. mit der formel treiben und führen
bezeichnet man das '
fortbringen'
beweglicher habe: und ist das phand, das man es triben als füren musz, so sol der gebüttel davon nemen 2 den. (14.
jh.)
oberschwäb. stadtrechte 1, 41; lute die gute fürten oder triben (
Eschau i. Spessart, 15.
jh.)
weisth. 6, 40; unde mach de pande driven, voren unde vloten (1470)
urkdl. gesch. d. geschlechts von Örtzen 2, 230; pande, drivende edder vorende
urkd. ... d. geschlechts Behr 4, 134.
häufiger, vom 12.-17.
jh. belegt, ist das allitterierende treiben und
tragen: si stifften raub und prant, si triben und trugen, si viengen und slugen Heinrich von Neustadt
Apollonius 7863
Singer; wirt einem manne gesatzit kistin pfant (
vgl. th. 5, 859) oder allirhande varnde habe, di man getriben unde getragen mac ... in daz dritte dinc (
gericht) sal he si triben oder tragen und sal sprechen also ... (
Freiberg)
bei Schott
slg. z. deutschen land- u. stadtr. 3, 143; sin have, di man draigen off dryven mach (
Duisburg)
bei P. Wigand
Wetzlar. beitr. 3, 302; auch mügen sy den benannten hamer ligen lassen, und davon treyben und tragen, was si und di irn darauf haben (1464)
bei Lori
baier. bergr. 91; sollen die missthäter (
wegeräuber) ... gestrafft werden, damit sich andere daran stossen, auch uns sicher zuführen, tragen und treiben können Reutter v. Speir
kriegsordn. (1595) 33;
jüngster beleg: alle pfant ... sollen getrieben und getragen werden zu ainem perkmaister (1673)
österr. weisth. 4, 21,
s. ebenda 631
reg.; vgl. auch: sine drivende have of dragende guet
ostfr. landr. 1, 23
Wicht; tha drivanda and tha dregenda Richthoven
afries. 693. I@B@33)
im bäuerlichen, dichterischen und juristischen sprachbrauch erwachsen verschiedene abwandelungen der bedeutung, vorwiegend in beziehung auf den weidebetrieb. I@B@3@aa)
einschränkung der bedeutung von treiben
auf das '
austreiben'
zur weide: wöllt ihr uns nur behülflich sein, die frucht zu schneiden morgen früh, ehe dann getrieben sind die küh' Alberus
fabeln 78
ndr.; die hirten treiben zu dieser zeit das vieh nicht, ... die herden werden im stall getränkt W. Grimm
sagen 1, 115; wenn die hirten treiben, sein vieh erkennt man aus der ganzen herde (
aus der Zips)
zs. f. dt. maa. 1911, 65.
noch enger begrenzt: ti kèis tríwe
die ziegen zur herde treiben Martin-Lienhart 2, 965
a,
vgl. vor den hirten treiben,
oben 2 a
α; eene koe drijven
zum bullen treiben de Bo
westvlaamsch id. 234
a. I@B@3@bb) mit dem vieh treiben '
dahinziehen': als Clawert nach etlichen tagen mit dem viehe zurück treibe Barth. Krüger
Hans Clawert 39
ndr.; bauern betriegen, wenn sie über gehegte stücke und besamte felder ohnvermerckt mit ihren wägen fahren oder mit dem viehe darüber treiben Hönn
betrugslex. (1721) 36;
so auch in der schäferdichtung: ich treibe zwar mit meinen schafen sehr oft hinaus ins grüne feld Schwiger
feldrosen (1655) f 9
a u. ö.; (
Damöt) will abwärts mit der herde treiben und treibt nur mehr ans ufer hin Gellert
schr. (1789) 1, 256. I@B@3@cc)
mit dem vorhergehenden nahe verwandt ist das poetische treiben
für '
weiden': es sei denn das wir glauben wollen, Theocritus habe schafe getriben Opitz
poeterei 12
ndr.; ein schäfer aus der goldnen zeit ... trieb öfters an des meeres strande Gellert
schriften 1, 243
Klee; schuldlos trieb ich meine lämmer auf des stillen berges höh Schiller 13, 286
Göd.; ein solches war im lande nie erlebt, solang ein hirte trieb auf diesen bergen
ebd. 14, 297; jagt kein jäger dort und treibt kein hirte Geibel
ges. w. 2, 179. I@B@3@dd) treiben
als '
halten, unterhalten',
wo ein bestimmter besitzstand an weidevieh zu bezeichnen ist (
vgl. o. bei 2 a): den forstern zum heine iglichem gonnen, 4 swine darinne zu triben K. Bücher
Frankf. berufswb. 46
b; vierzehn schweine treibe ich alle tage unter dem hürten
ollapatrida 142; das ganze herzogthum trieb jener zeit 164083 schnucken H. Burckhardt
aus dem walde 6, 20; de kann'n paar ween'ger driwen Schütze
holst. id. 1, 254; Mensing 1, 858. I@B@3@ee) ochsen treiben
in der bedeutung '
mit ochsen handeln': (
dem armen weinhändler rühmte einer) wie so ein mercklichen gewin im das jar der viehkauf mit polischen ochsen ertragen. dieses nam er zu herzen, ... begab sich gentzlich auffs ochsen treiben Kirchhof
wendunmut 1, 214
lit. ver.; vgl. bei treiber 2 a. I@B@3@ff)
in schwäb. urkunden erscheint treiben und tratten '
weg und weide benutzen',
gebildet nach trieb und tratt (
s. d.): '
unter Hertenstein im ried ... sollen die von Sigmaringen und Jungnau ... gemeinsam triben und tratten' (1494)
fürstenb. urkdb. 7, 312; mit inen lassen treiben, tretten und holz hauen (1541)
bei Fischer
schwäb. 2, 354; weder zu treiben noch zu tretten (1536)
ebenda 372. I@B@44) getriebener weg (
s. auch th. 4, 1, 3, 4537)
ist obd. vom 13.-17.
jh. gebräuchlich, überwiegend für eine grosze, breite, ebene strasze, einen ausgetretenen, gebahnten weg; möglicherweise zurückgehend auf die vorstellung eines durch häufige viehtrift entstandenen weges. bemerkenswert ist die obd. kurzform triben (
s. auch th. 4
a. a. o.)
: via trita humano pede mit gon vast braucht und triben gemacht Frisius 1304
a;
via celebris ein tribne oder emsige, breuchliche strasz, ein gänger oder tribner weg
ebd. 206
a;
ohne endung (
in anlehnung an gäng):
aperire viam wägen, das ist einen wäg machen, oder ein straesz aufthun, einen wäg widerumb trib und gäng machen
ebda 1374
a.
besonders in anlehnung an Matth. 7, 13. 14: der weg zu der ewigen verdamnusz ist weit und wol getriben, wann ir seind vil, die in gend Keisersberg
granatapfel a 6
d; darumb ist er (
der enge weg) nit getriben, daz in wenig gont Pauli
narrenschiff (1520) 200
d; getriben ist der schanden pfat, der treuen strasz vermieset (
bemoost) gar Suchenwirt 21, 126
Primisser; sie (
d. i. frümbkeit) fürt dich ungeband holtzsteg. ich (
d. i. schalkheit) für dich ein getriebnen weg, den jetzund geht fast alle welt Hans Sachs 3, 172, 30
K.; (
von der fresserei und trunkenheit) ein getribne strasz ist zur unlauterkeit Hätzer
der prophet Maleachi (1526) h 3
b.
auszerhalb dieses zusammenhangs: wie möcht der ungeübt wegk eins herten verschmechten lebens getriben werden, den so er von got selb selber getriben würdt
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 7
a; bald kame der prack auf einen guten gebanten und getribnen weg Wickram 2, 311
Bolte; da selb her was mehr ein geschickterer und getriebnerer weg in Epirum aus Macedonia Joh. Pinicianus
Georg Castrio (1561) 20
a; (
sie) vermaintend, die aidgenoszen wurdend des ruchen wetters ... sich der tribnesten strasz behelffen J. v. Watt
dt. schr. 2, 258; kein tribnen hufschlag oder ban das wild und rauch ort ihnen gab, muszten von pferden steigen ab Spreng
Äneis 202
b; ein fuszsteig ist ein getriebener landstrich von einer statt zu der andern W. Büttner
dialectica teutsch (1588) 72
a;
noch im 17.
jh.: dars nun auch grosse landstrasz und tribnen weg hat Bürster
schwed. krieg 116;
übertragen: es vermeinen auch die bauren, was in leib gang, das gang auch wol, es werd daraus was es woll. was da woll gehn soll, das musz ein getrieben weg haben und fast wol bekant Paracelsus
chir. (1618) 525
H.; via trita laudis getribner wäg des lobs, das ist, ein von vielen erlangt lob Frisius 1304
a.
vgl. auch das Bernerdeutsche treiben
viam pandere per nivem, s. u. 2treiben 3, treib
sp. 1
und treibe
sp. 2. I@CC.
unter zurücktreten der sonst herrschenden bewegungsvorstellung bezeichnet treiben
ein bloszes anreizen, antreiben. diese bedeutung erfaszt einerseits ausgehend vom anschaulichen vorgang das '
spornen'
in der bewegung (1, 2),
andererseits das finale wirken eines geistigen einflusses, ausgehend von dem bei A 2, 3, 4
behandelten gebrauch (3);
nur schwach entwickelt ist treiben
als eine von jeder bewegungs- und zielvorstellung gelöste einwirkung, '
vexare' (4). I@C@11) '
anstacheln',
insbesondere reit- und zugtiere, mit sporn, peitsche oder zuruf (a,
vgl. auch A 4 b),
schon ahd., s. u. 2.
daraus abgeleitet die bedeutung '
lenken'
mit verschiedenen abwandlungen (b-d). I@C@1@aa)
mhd. geläufig, auch mit angabe eines räumlichen ziels (
vgl. dazu u. VI 5): er wolt daz ors niht ûf enthaben, mit sporn treip erz an den graben Wolfram von Eschenbach
Parzival 611, 12;
ohne solchen zusatz: sîn ors mit sporn er vaste treip Ulrich v. Lichtenstein 207, 3
Bechst.; (
sie sahen) dasz Galaor schon ferr von in, und noch stets sein pferdt tribe und nötigt
Amadis 366
K.; geiszlen, die ochsen mit dem gart treyben, damit sy dester redlicher ziehind
admonere flagello Frisius 39
a; (
man ruft) hoj, wan man an die türe klopfet, und huj, wan man das vieh treibet Zesen
rosen-mând (1651) 141; treibend schwang sie die geiszel Voss
Odyssee (1781) 6, 82
u. ö.; Arnd, du triebst den schecken müde! Fr. W. Weber
Dreizehnlinden136 354.
das part. präs. steht adjectiviert auch bei dem mittel des treibens: wie wenn auf ebener bahn vier gleichgespannete hengste alle zugleich hinstürzen, umschwirrt von der treibenden geiszel Voss
Odyssee 236
Bernays; bildlich: (
der vers ist dem dichter häufig) ein treibender sporn Bielschowsky
Göthe 1, 444.
in der schweizer. urkundensprache erscheint vom 14.-16.
jh. der ausdruck mit treibender
oder verkehrend mit getriebener, tribener ruten: dessglichen mögen wir mit tribender ruten von alter har so wit mit kleinem und grossem vieh weiden (1505); das nieman dem anderen nütt sölle intuon (
kein vieh pfänden), ob eitweders von einem zwing in den andern gieng als ferr, das man es nütt mit willen darin tribe mit tribner ruten (1513) Staub-Tobler 6, 1825 (
weitere belege s. d.). I@C@1@bb)
von der bedeutung '
spornen'
aus wird treiben
zur bezeichnung der gesamttätigkeit dessen, der die peitsche führt; '
antreiben und lenken', '
regieren': esel sollten sie (
die bischöfe) treiben und hund leiten Luther 11, 413
W.; wolln lieber pferd und ochsen treiben, dann beten, singen, lesen, schreiben (1605) Hollonius
somnium 64
ndr.; so auch in den sprichwörtern: die pferde den furman zeumen und treiben Luther 18, 539
W.; es ist besser den esel treiben als selbst säcke tragen Lehmann
flor. polit. (1662) 1, 211.
in auffallender verbindung: im pflug werden getrieben die hauszmaid, welch sind uberblieben, die fasznacht nit hand mender gnumen Hans Sachs 5, 179
K.; wenn er (
kaiser Josef II.) sich nach Laxenburg, Schönbrunn
u. a. ... begiebt, pflegt er zwei pferde in einer offenen chaise zu treiben
J. Moore abrisz d. gesellsch. lebens (1779) 453.
gewöhnlich ohne object; '
fahren',
auch mit zielbezeichnung; bes. nd.: up einen wagen, dar sat mede up de hertoch mit sinen hulperen und leit hastigen driven na Wulfenbuttel (1440)
chron. d. dt. städte 7, 407;
anders: die jungkfrau ... uberwindt den knecht und ... er muste aufsitzen und treiben (
um 1500) S. Grunau
preusz. chron. 2, 310;
im dialekt erhalten: '
in der Husumer gegend wird drieben
auch für fahren
gesprochen' Schütze
holst. 1, 254; se drift sulvst
sie fährt selbst brem.-ndsächs. wb. 6, 43; du schaszt vundaag drieben
die pferde leiten Mensing 1, 858.
in weiterer verbreitung für '
regieren der pflugtiere' (
s. auch u. c
und treiber 1 c Schambach): neben (
dem pflug) her auch ein ander trieb und mit der gaysel umb sich hieb und schrey, als ob er wer nit klug Hans Sachs 5, 179
K.; (
die kinder) müssen auch treiben, das heiszt, vor dem pfluge die vorderen ochsen regieren
oberschles. monathschr. 1 (1788), 72;
in gleicher bedeutung bei Blumer
nordwestböhm. 31
b; Hofmann
niederhess. 241; Martin-Lienhart 2, 737; Hunziker
Aargau. 59. I@C@1@cc)
in gleicher bedeutung mit verschiebung des objects den wagen
und den pflug treiben.
beides ist vorwiegend ndd. belegt, vgl. auch eeghden dryven ...
erpicare v.
d. Schueren 96
a Verdam; pflugtreiben, pflugtreiber
th. 7, 1784. den pflug treiben
schon mhd., bildlich: swer aber wird also kluk, daz her rechte sinen pfluk in diser werlde tribet Hesler
apok. v. 7691
Helm; als '
den pflug führen, pflügen',
oder bildlich für '
landwirtschaft treiben'
bis ins 18.
jh. literarisch verbreitet: wiltu nicht führn das zimmerbeil, oder nicht arbeiten mit dem keil, darzu den pflug auch nicht treiben ... (1545)
M. Agricola
musica instrum. 143
Eitner; (
der pfarrer im dorf) musz eben so wohl den pflug treiben und den flegel brauchen als wir
alamod. techn. interim (1675) 341; nun soll der pflug getrieben, handel und wandel fortgesetzet, und die handwerke vor die hand genommen werden Ziegler
Banise (1689) 788; für ihn (
den fürsten) treibt man den pflug, für ihn zieht man den degen v. Haller
gedichte 48
Hirzel; der ... mensch, der so oft nur den pflug der bildung mit schweisz und pein treibt Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 1, 246.
als tätigkeit eines besonderen '
treibers' (
s. auch o. bei b): 'plogdrieben
sagt man von dem jungen, der die pferde vor dem pfluge führt, er mag nun draufsitzen oder nebenher gehen' Schütze
holst. id. 3, 219; Mensing 3, 1063; deswegen trieb er gern den pflug, weil er sich da nach herzenslust satt reiten konnte J. H. Müller
die herren von Waldheim (1787) 1, 31.
vereinzelt in mischung mit b: zwar könnt ich meinen pflug mit fremden kälbern treiben und ein geborgtes wort auf diese fluren schreiben Stoppe
ged. (1728) 3.
seltener den wagen treiben
u. ä.: Usa aber und sein bruder trieben den wagen
1. chron. 14, 7;
mit dem nebensinn der eile: seine anhenger und diener trieben die wegen mit höchstem fleisz (
ἤπειγον) Hieron. Boner
Herodian (1532) 47
a;
bildlich: den hurenwagen treiben (
sich mit hurerei abgeben) Schottel
haubtspr. (1663) 1116
a;
später nur noch vereinzelt: des hauffens polterwerck ... der hämmer klapperschall, was vieh und karren treibt ... Heräus
ged. u. inschr. (1721) 250; (
ein) fuhrmann, der auf der strasze seine karre trieb Immermann 2, 122
Boxb. I@C@1@dd)
verallgemeinert; ein zum ziehen taugliches tier treiben
heiszt es '
im geschirr gebrauchen': drumb schaffe man immer alte pferde ab und kaufe oder zeuge ihm junge; die kan einer ein jahr oder etliche treiben und darnach gleichwol noch sein geld wieder davor bekommen Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 16,
u. ö.; (
wenn zugochsen ihren stall gewechselt haben) musz man sie alsdann eine woche drei oder vier nicht so hart treiben
viehbüchlein (1667) 7,
u. ö.; ich selber trieb am bahnbau ein paar pferde Schröer
Murmanbahn (1917) 115;
mundartlich: dat falen ward nog nich drewen
das füllen wird noch nicht vorgespannt Dähnert
pomm. 88
b; en perd driwen
als frachtfuhrmann damit fahren Schambach
Gött. 49
a.
im sprichwort: die pferde, die man den winter über füttert, wil man den sommer gern treiben Petri
der Teutschen weisheit 2, r 1
b; ein gut pferd treibt man so lang, bis mans dem schinder gibt Lehmann
flor. polit. (1662) 1, 320; wer zu hofe tüglich ist, den treibt man zu tod
zuerst Tappius
adag. (1545) r 4
b. I@C@22)
das '
antreiben'
des tieres wird auf den menschen übertragen; stimulare, accelerare. schon im 10.
jh.: impellere tripan (
mansuetum stimulo impellere nititur, iracundum freno moderatur)
gl. 2, 190, 34
Steinm.-Siev. I@C@2@aa) '
anspornen, zum fleisz anhalten'
; häufig in bildern: calcar currenti addere einem laufenden rosz die sporen geben, ein selbswilligen und fleiszigen treiben und nötigen Frisius 177
b; ein willig pferd soll man nicht zu sehr treiben Petri
der Teutschen weisheit (1604) 2, O o o 7
a; ein esel geht sein gang, wann er getrieben wird Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 30;
freier: darumb mus man (
als prediger die gemeinde) immer treiben und anhalten, wie ein hausvater das hausgesind treibt, das es nicht faul werde Luther 14, 25
W.; die vögte trieben sie und sprachen: erfüllet euer tagewerk
2. Mose 5, 13; ...
hortator remigum der da denen, so rudern, zuspricht und treibt Alberus
dict. z 2
b; fronvogt (mit dem stabe, treibt die arbeiter) Schiller 14, 288
Göd.; denn das treiben ist vonnöthen, knurrt er; Gerd, bei dir vor allen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden136 214;
ebenso: (
es war) gewisz wohlthätig für ihn, wenn er im häuslichen verkehr ein theilnehmendes verständnis fand, das eher mildernd als treibend einwirkte O. Jahn
Mozart 3, 169. sich selbst treiben: under mein schulern allensamen weisz ich kein, so mir gfallet basz ... an im ich nicht vil treibens darf, dann er sich selb treibt ganz geflissen Wickram
werke 6, 244
Bolte; sich selbsten treiben ist halb gethan Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 30; ich weisz dasz du dich selber treibst, nicht gern auf einer stufe bleibst Göthe 16, 152
W. an jemand treiben: man musz an ihm treiben wie an einem esel; an einem immer zu treiben haben Kramer 2 (1702) 1124
a;
s. auch unten b
und 3 d
α. I@C@2@bb)
seit dem 18.
jh. als '
zu besonderer eile mahnen': nun musz er (
Mozart) auf einmal mit ernst daran (
an die Figaro-partitur), weil er vom grafen Rosenberg getrieben wird
brief bei O. Jahn
Mozart 4, 186; fahren sie fort die handwerker zu treiben, die sich durch tod und leben gar gern retardieren lassen Göthe IV 29, 229
W.; ich habe es ja erlebt, dasz du zu einem balle fuhrst, und mich und meine gesellschaft so über die gebühr triebst, dasz wir anlangten, als ... kein einziges licht angezündet war Tieck
schr. (1828) 4, 53.
gern ohne object: hier ist was ihr befahlt, ihr habt nicht mehr getrieben als ich mich selber trieb Göthe 11, 200
W.; ich will das meine thun, nur müssen sie nicht treiben Müllner
dramat. w.2 156
b; Mozart hat den ersten satz mit allegro con spirito, den letzten mit presto bezeichnet und schrieb dem vater, jener müsse recht feurig, dieser so geschwind als möglich gehen. damals war es wohl nöthig zu treiben O. Jahn
Mozart 4, 124; treib nicht so
sagt der, der anmahnung zur eile ablehnt Heyne 3, 1029. an jemand
oder an etwas treiben (
s. o. bei a)
gebraucht in diesem sinne Göthe: an dem buchbinder will ich treiben was ich kann IV 11, 222
W.; auch an dem neuen hause treibt er was er kann; es soll zu Ottiliens geburtstag gerichtet werden I 20, 142
W. I@C@33) treiben
bezeichnet das einwirken auf einen fremden willen, das eine fortbewegung (a, b)
oder eine bestimmte handlung (c-e)
des objects zum ziel hat; jemand '
bearbeiten, mahnen',
instare. die bedeutung ist schon mhd. belegt, bis in das 17.
jh. aber fast durchweg durch verbindung mit synonymen besonders gestützt; wo das nicht der fall ist, ist die trennung von der ausgangsbedeutung (
s.A 2-4)
häufig schwer. I@C@3@aa) treiben
als '
zu gehen mahnen'
mit concretem bewegungsziel; vgl. o. A 2.
selten bei persönlichem subject: dem bâbest wart ungemach, do er gehôrte und ersach, daz diser man so sêre treip hin an Ottokar
reimchr. v. 53524; es ist ouch gesetzt und verbotten, daz enkain burger den andern ... ûf kein frömd gericht laden noch trîben sol (14.
jh.)
mitt. d. St. Gall. hist. ver. 4, 120;
sehr intensiv: wie möhte er sie (
Christus die Phönikerin, Marc. 7, 27) me versucht und bekort (
angefochten) han, und sie naher (
mehr zurück, vgl. th. 7, 286) gejaget und getriben haben Tauler
pred. 44, 16
Vetter; ehe ich nach Pyrmont abgehe, wohin mich die ärzte treiben Göthe IV 15, 236
W. seit dem 16.
jh. für die wirkung psychischer kräfte (
vgl.A 2 c
γ),
seit Göthe
besonders von einer unbestimmten psychischen regung: ich sagt: vatter all deinen willen will ich mit ghorsam gern erfüllen allein das du mir helfst dahin, dar mich treibt all mein gemüt und sinn Fischart
flöhatz 23
ndr.; wie ihn seine gedanken vor her gejaget hatten, also trieben sie ihn widerumb hin zu seiner frauwen
buch der liebe (1587) 383
c; ich ... will ... erwarten, wohin es mich zieht, oder wohl treibt Göthe IV 28, 63
W.; kaum hatten wir uns getrocknet und geletzt, als es in mir schon wieder zu treiben anfing und ich fortzueilen begehrte Göthe 33, 175
W.; hinaus trieb es mich in die freie natur, ich begab mich daher aufs dach E. T. A. Hoffmann 10, 44
Gris.; plötzlich treibt ein wildes sehnen nach den bergen mich, zu ihr Lenau
sämtl. w. 12
Barthel; es ist die richtung auf die sinnliche erkenntnis ..., die ihn ... nach land und leuten des südens trieb Justi
Winckelmann 1, 99; ja, wenn es ahnungen gäbe, hätte es mich wohl ... nach hause treiben müssen Schnitzler
kakadu (1899) 83. I@C@3@bb)
in unsinnlichem gebrauch nur selten mit anknüpfung an eine räumliche vorstellung (
vgl.A 3); '
jemandes sinn auf etwas richten', '
auf etwas hindrängen'.
öfters in mystischen und reformatorischen schriften: der indewendige mensche gerne zu gotte were, do sin eigen stat ist, und tribet und jaget den uszewendigen menschen Tauler
pred. 42, 29
Vetter; hett der mensch kein ander musz oder soll sein, denn darzu in got und die warheit weiset und treibet, er het etwan mehr zu schicken und zu tun denn nu
theologia deutsch 42
Mandel; ich wil niemand zu meinen buchern treiben noch laden Luther 7, 290
W.; das hab ich erfaren, wie alle, die wider mich schreiben und treiben, bringen mit sich ein blodis herz und verzaget gewissen
ebenda 7, 638; (
der papst) wiet ietzo über mich, und durch brennende anreizung seiner begir wirt er ungestümiglich gegen mir gehetzt und getriben Hutten 1, 415
Böck.; das ist wol hüpscher, das der bapst Innocenz sein ernstliche satzung widerruft, verbeut sein aigne regel und treibt widerumb zu der ersten Eberlin v. Günzburg 3, 74
ndr.; später nur vereinzelt bei Göthe: ich fing nicht an, ich fuhr nur fort zu lieben sie, die ich früh im herzen schon getragen, dann wieder weislich aus dem sinn geschlagen, der ich nun wieder bin ans herz getrieben Göthe 2, 18
W.; im barock gelegentlich als verstärktes '
bitten um'
bzw. '
mahnen an etwas': ein jeder nur den könig trieb um seinen abschied
Reinicke fuchs (1650) 144; mich verlangt recht nach dem abrisz von Schwetzingen, bitt, doch die frau Degenfelt dran zu treiben (1718) Elis. Charlotte v. Orleans
briefe 4, 446
Holl. für lange zeit usuell ist allein die verbindung treiben auf,
jemand '
bearbeiten in richtung auf etwas'.
schon mhd.: den herren wart des wol ze muot, daz si vil sêre darûf triben, swaz noch des guotes was beliben, daz man daz teilt endriu Ottokar
reimchr. v. 1259;
besonders häufig und mannigfaltig von Luther
gebraucht: die vermanung, die
s. Petrus thut, uns, die wir gleuben, zu reizen und zu treiben auf die werk Luther 14, 22
W.; weil denn nu
d. Carlstad ... auf euszerliche werk dringet und treibet
ders. 18, 64; also, mein bruder, treibt auf Christum alleine und strafe den aberglauben
ders. 10, 2, 166;
seitdem nur objectlos, formelhaft für '
gewicht, nachdruck auf etwas legen',
heute nur auf etwas dringen (
s. th. 2, 1415): (
das evangelium) treibet hart darauf, das man den verdienst Christi hoch und theuer achte
augsb. confess. 2, 5
Ranke; peto vel premo iugulum ich dring oder treib hart auf den grund oder haupthandel Alberus
dict. h
b; darumb meint ich man liesz es bleiben, man dörfte auf den eid nit treiben Israel
Susanna (1607) e 3
a; (
Weigel in seinem buch) allwo er darauf treibet, dasz die jugend ... nicht nur zu wissenschaften, sondern auch zu tugenden geführet werden möchte Leibniz
dt. schr. 2, 473; wenn er nun von dem buszkampf reden hörte, worauf man damals stark zu treiben pflegte, ... so bekannte der graf ganz frei: das habe er nicht erfahren A. G. Spangenberg
Zinzendorf (1772) 401;
seit dem ende des 18.
jhs. nur noch '
auf eine handlung dringen' (
s. u.c),
mit dem von treiben '
stimulare' (
s. o. 2)
entlehnten nebenbegriff der beschleunigung: er hat darum sofort an ihn geschrieben, auf übersendung der gedachten schrift getrieben, und der sandte dann auch des documents original ihm nach Schönhain eilends Kortum
Jobsiade 3, 139; (
er) treibt in weiser vorsicht auf die heirath, um ihrer thränen ströme zu vertrocknen ... jetzt wiszt ihr um die ursach dieser eil
Shakespeare 1, 125; so drängten und trieben sie mit aller ungeduld der habsucht auf ungesäumte anerkennung ihres eigenthums Häusser
dt. gesch. (1854) 3, 195 (
letzter beleg). I@C@3@cc)
insistere fleiszig anhalten und treiben, dasz ein ding aufgerichtet werde Frisius 709
a; '
mahnen'
zu einer tätigkeit. I@C@3@c@aα)
bei pers. subject im 16.
und 17.
jh. besonders häufig durch verbindung mit synonymen (mahnen, reizen
u. a.)
von treiben '
adducere' (
s.A 4)
unterschieden. syntaktisch vom lat. monere, ut beeinfluszt (
vgl. a. A 4);
schon mhd.: die (
büchsen-) meister er treip, ouch er sie bat, daz sie nicht lazzen solden und stête werfen wolden
Ludwigs kreuzfahrt 5010
Naum. an menig orten des beschriben ewangeli werden wir mit strengen gepoten und hailsamen räten gewisen und getriben zu guten wercken Berth. v. Chiemsee
theologei 91
Reithm.; alsbald treib Jesus seine jünger, das sie in das schiff tratten und fur im herüber füren
Matth. 14, 22; es ist ohn noth, dasz ich die zeit euch treib und mahne zu dem streit (
ὀτρύνεμεν) Psreng
Ilias 45
a; (
da) haben sie mich gleich getrieben und ermant solches ... von neuwem in den druck zu verfertigen Fronsperger
kriegsb. 1, a 3
a; wann du einen treibest und verursachest dasz er einen eid schwere, und weist gleichwol dasz er falsch schweren würde, so bist du ärger als ein mörder Schupp
schr. (1663) 621; er trieb ihn zur bezahlung
ad solutionem eum urgebat Steinbach
vollst. dt. wb. (1734) 2, 853; ihr seid doch allein schuld daran, die ihr mich sporntet und triebt und quältet, mich in einen posten zu begeben, der nicht nach meinem sinne war (1774) Göthe 19, 101
W.; da dictirte Göthe, jeder solle, wie er es am besten könne, Henke einladen und treiben den wein zu kosten
Göthes gespräche 2, 16
Biederm.; und treiben sie dich, gegen mich zu ziehn, so sagst du ja, und bleibst gefesselt stehn Schiller 12, 237
Göd.; dasz du Tieck treiben mögest die büsten zu vollenden, dazu brauche ich dich wohl nicht zu treiben Brentano
briefwechsel mit S. Mereau 1, 134; Gudrun treibt ihren gemahl, sich an Kiartan zu rächen, und wider willen tödtet Bolli seinen jugendfreund J. Grimm
kleine schr. 5, 98.
auch ohne object: der apostel ... treibt und stösst mit den sporen, dasz sie in dieser lere fortfahren Luther 32, 210
W.; häufig seit Göthe: treiben sie brav, dasz der 'Westindier' gelernt wird, ich will auch lernen (1776) IV 3, 18; Philine ... trieb zu einer schnellen rückfahrt I 21, 150
W.; Botho, der keine begegnungen wünschte, trieb deshalb etwas zur eile Fontane
ges. w. I 5, 279. I@C@3@c@bβ)
das '
reizen, mahnen'
psychischer kräfte wird in dem masze seltener durch treiben
ausgedrückt, wie die bedeutung '
veranlassen'
häufig ist (
s.A 4 a
γ);
die grenze zwischen beiden bedeutungen ist bei der ungreifbarkeit der wirkenden kräfte besonders unscharf: sihe wie fleiszig warnet er, das wir ja nit bösis mit bös vorgelten, wie die natur pflegt zu treiben Luther 8, 217
W.; (
im grab vergeht) wollust, begierd, fleischlicher sinn und darzu auch die eigen lieb, welches vor alls den menschen trieb und reizt zu sünden immerdar Hans Sachs 15, 404
K.; ein widerspenstigkeit ... streitet und strebet wider das neue bild oder geist, der ihn (
den menschen) in seinem gemüte zu allem gutem treibt Mathesius
Sarepta (1571) 183
b; der böse unsauber geist ... besitzet die hertzen, ... treibet und reitzet sie alle zur schande und laster, helt sie abe von gott
engl. com. u. trag. (1620) g 7
b; ich fühle keine lust, die mich zum versen treibt Weise
überfl. ged. 21
ndr.; es trieb mich die natur, die rechte zu studieren, doch armuth hindert mich, den vorsatz zu vollführen Chr. Fr. Henrici
ged. (1727) 1, 1; ich fühle, wenn du sprichst, des vaters loos, dein loos mir auf der seele wüthend brennen; dann treibt es mich zu jeder kühnen that v. Collin
Regulus (1802) 23; einen augenblick trieb sie die angst, nach ihrem geliebten zu rufen Storm
werke (1899) 2, 235; ich wollte ja so gerne das treiben wozu es mich trieb; aber wozu trieb es mich? Binding
erlebtes leben (1928) 89. I@C@3@dd) treiben
als bezeichnung eines '
mahnens'
ohne ausdrückliche bezeichnung des gedachten ziels. I@C@3@d@aα) einen treiben
oder an einem treiben
jemandem '
zusetzen'
in verschiedener beziehung: von den narren will ich ouch sagen, die in einer jeden sach went tagen ... do mit die sach sich lang verziech ... lont sie sich bitten, triben, manen, echten, verlüten und verbannen Brant
narrenschiff 71, 7
Z.; Moses aber in seinen büchern treibet, dringet, dreuet, schlegt und strafet greulich, denn er ist ein gesetzschreiber und treiber Luther in der
vorrede aufs N. T. 7, 428
Bindseil; da gott ... so freundlich die leute locket und treibet, bis sie gleuben
ders. 16, 56
W.; da sie in aber treib mit iren worten alle tag ... (
sagte er) ihr sein ganzes herz
richter 16, 16 (
im rev. text drängte); darob triben wir einander. ich sprach: drink du, du muszt söügen; so sprach min frow: drink du, du muszt studieren Platter 68
Boos; weil man jhne aber hart und scharpf triebe, ... hat er versprochen, seine leut zu liefern H. Lewenklaw
chron. türk. nation (1590) 100; gunst will nicht sein getrieben Opitz
ged. (1690) 1, 6; Gehasi: o ja das hab ich wol gesehen, dasz mancher ein galan und bauer zugleich ist. dörft ich nur alle jungfern da drunten (
im theater) aufs gewissen treiben, sie würden mir mit etlichen exempeln aushelfen Chr. Weise
ebenbild gehors. glaubens (1682) 65; doch warte nur, wenn mich die laune treibt, ... so schreib ich dir noch manchen brief wie diesen Göthe 5, 62
W.; Lenz hat so lange an einem alten werkmeister getrieben, bis dieser versprochen hat seine kostbare sammlung herzugeben Göthe IV 29, 42
W.; dann habe sie an ihrem vater getrieben, sie müszten nach hause
M. Meyr
erz. a. d. Ries 1, 260;
s. a. oben bei 2 a. I@C@3@d@bβ) durch, aus, auf treiben
etwas tun, d. h. durch das '
zureden, anmahnen'
eines anderen (
vgl. bei trieb): er thut das nit durch mein anweisen oder treiben Boltz
Terenz (1539) 56
a; nach dem als sie die (
frauen) genummen haben usz üwerem tryben (
impulsu vostro), usz üwerm tryben eben die selben sie usztryben
Terenz deutsch (1499) 139
b; lassen euch hoffart, neid, hasz oder geitikeit nit also uberwinden, daz ir usz treiben semlicher boszheit etwaz newerung in dem glauben understanden zu machen H. Gebweiler
lob Mariae (1523) b 4
a; Nestorius, uff treiben on zweiffel des bösen finds hat zu dem ersten dise yrrung und ketzery uff bracht
ebenda b 3
a;
auch in der neuzeit: jetzt trinkt sie, auf Fenks treiben, den brunnen in Lilienbad Jean Paul
w. 1/2, 315
H. I@C@3@d@gγ)
das fühlbare '
innere drängen'
findet in der mystik seinen ausdruck durch treiben: wanne der mensche hie inne stet und wurt dis tribens in ime gewar ... Tauler
pred. 43, 9
V.; wenne er (
der mensch) usget unvernünftiklichen nach bewegunge der sinne und der ussewendigen zuvelle und nüt von eime göttlichen tribende noch manende
ebenda 36, 10; in der volgung ires eigenen natürlichen tribens und neiglicheit
ebenda 189, 5; der diener habe ein triben in siner inwendekeit, daz er möhti komen zu gutem fride sines herzen Seuse
dt. schr. 37
Bi.; vil wunderbarer zuge und dryben (
tot mirabiles ... tractus)
hs. d. Rastatt. lyceums K 198, 58
b (
vgl. 50
a,
auch 77
a),
als glosse bei Mone
anz. 5, 85 (
dort fälschlich als subst. drib);
noch bei Eberlin v. Günzburg: etlich thun guts ausz gewonheit, ... haben kein innerlich treyben
s. w. 2, 164
ndr. u. ö. durch die lebhafte entwicklung von trieb (
s. d.)
im 16.
jh. wird dieser gebrauch unterdrückt, lebt aber im 18.
jh., und vor allem in der romantik wieder auf: ein blinder eifer gibt ihnen (
d. priestern) kraft, das innre treiben der menschlichkeit zu übertäuben Blumauer
ged. (1782) 151; o schweige, liebesbrünstge nachtigall, es reiszt mich fort, in allen meinen sinnen fühl ich ein treiben, innerliches wühlen Tieck
schr. (1828) 2, 71; ein innerliches, wunderbares treiben liesz mich an keiner stelle lange bleiben Brentano
ges. schr. 2, 292. I@C@3@ee) treiben
im besonderen als '
zur schuldzahlung mahnen'
; obd. seit dem 16.
jh. erkennbar und in der Schweiz und in Tirol erhalten: gunst und gelt machts alles schlecht: schinden, schaben, kratzen, riszen, wocheren, driven, gitzen, biszen 1575
bei Husemann
spruchsamml. b
v. 148
Weinkauff; der schuldvogt thut mich also treiben (1613) Fröreisen
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 170
lit. ver.; meine schuldglaubere treiben mich, sie treiben auf die zahlung Kramer 2 (1702) 1124
a; 'treiben
eine schuld von einem andern gerichtlich fordern lassen: er hat mich getrieben
oder treiben lassen' Stalder
Schweiz 1 (1806) 301; diejenigen, welche ihm mit treiben am unerbittlichsten zugesetzt hatten Bräker
s. schr. (1789) 1, 51; treiben und pfänden war jetzt seine arbeit Pestalozzi
sämtl. w. 4 (1929) 114.
in Tirol mit objectsverschiebung: betreffent obberirten gottsheiser gefell, zins und einkomben, ist ... gebrauch gewest, dasz dieselben ain ieder kirchprobst allain ersucht, triben, eingenomben und verrait hat (1716)
tirol. weisth. 3, 52; geld treiben
eintreiben Schöpf 753. I@C@44)
gesteigertes '
bearbeiten'
ohne erkennbare richtung auf ein bestimmtes ziel; jemand '
schelten, plagen, quälen',
vexare; s. a. tribulieren. I@C@4@aa)
bei persönlichem subject fast ausschlieszlich in mehrgliedrigen ausdrücken im 16.
und 17.
jh. (
vgl. a. u. V 3 sich treiben):
calefacere, ad animum transfertur ut: calefacere aliquem eim heisz machen, das ist treiben, vexieren, angst machen Frisius 176
b;
maledictis certare cum aliquo mit eim schelcken, haderen, mit bösen worten an einander faren, einanderen stumpfieren, fatzen und treiben
ders. 211
b;
s. a. 67
b actus 640
a jactare, 1412
a urgere; was man verbeut, das thun erst die leut, darumb man sie treibet und trübet, dasselb inen geliebet Fischart
Garg. 452
ndr.; wer die bauern treibt, den schmieren sie und hofieren ihm Petri
d. Teutschen weish. 2 (1605) P pp 6
b; ich hab gleichwol verschuldet, dasz ich tribuliret, getrieben und beschweret werde J. Arnd
Thomas a Kempis übers. (1631) 105; er treibet (tribulirt) die leute erbärmlich (dasz zu erbarmen) Kramer 2 (1702) 1124
a. I@C@4@bb)
bei inconcretem subject, vorwiegend poetisch: wanne also der mensche ... ouch vil wol von eigem schaden getriben ist und dan von gotte gewarnet wurt Tauler
pred. 40, 7
Vetter; sag mir, wie oft dichs fieber treib, obs dritt- oder viertegig sei Hans Sachs 14, 43
K.; jedoch so treibe in die strenge liebe so stark und hart, dasz er sein schwester umb ir liebe ansprach (1559) Schumann
nachtbüchl. 204
Bolte; drumb lasz ich keine sorg mich treiben Ayrer 1002
K.; ach, wer wollte dann nicht gerne sterben und den himmel vor die welt ererben? wer wolt hie bleiben, sich den jammer länger lassen treiben? S. Dach 96
Österl.; ich bin schon satt, und sage, dasz mich der hunger treibt Chr. Weise
überfl. ged. 25
ndr.; vielleicht noch hierhin: bin nur jetzt von sorgen getrieben, wie es drinne steht mit meiner lieben Göthe 16, 63
W. IIII.
einen körper treiben,
d. h. '
in bewegung versetzen oder halten',
als mechanischer vorgang, mit der vorstellung einer von hinten angreifenden kraft wie bei schieben
oder stoszen. II@AA.
einen körper durch sinnfällige einwirkung fortbewegen, unmittelbar oder mit hilfe eines werkzeugs, in gleichmäsziger oder intermittierender tätigkeit. II@A@11)
vom wind; schon früh, auch ags. und an. belegt (
s. Bosworth-Toller
dict. suppl. 157
b; Cleasby-Vigfusson 106
b). II@A@1@aa)
der wind treibt alles fort, was in der luft frei beweglich ist: treip (
nubila ventus)
agebat (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 630, 21
St.-S.; von dem trib des windts werden die wolcken hin und wider getriben Ryff
anatomi (1541) a 2
b; wolcken, die nur fliegen vom windwerbel getrieben Luther 10, 2, 117
W.; das beste wasser (
für den gärtner) ... ist das regenwasser. insonderheit aber wann solcher regen vom nordwind getriben und gewäht ist worden Sebiz
feldbau 173; die schnepfe ... mit dem winde kömmt, und sich denselben treiben und gerne fortwehen lässet v. Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 84; seine asche mag der sturmwind treiben, seine liebe dauert ewig aus! Schiller 1, 183
Göd.; das getriebene luftmeer zog durch enge Äolharfen Jean Paul
sämtl. w. 11 (1826) 174; der goldne glühende wiederschein (
des abendrots) gleitete spielend über den wiesenplan ..., wie getrieben von dem abendwinde, der sich säuselnd erhoben E. T. A. Hoffmann
sämtl. w. 10, 146
Griseb.; in freierer syntax: der wind trieb das zimmer voll blüthen A. v. Arnim 7, 86
Grimm; die letzten stunden, wo es feinen regen im winde trieb Göthe IV 5, 68
W.; schmeizete (
nennt mans) wa's vom wind den rägen triibd, dasz's nen under alli tächer zuehi schmeizd Friedli
Bärndütsch 2, 93. II@A@1@bb)
der wind treibt wasser: (
des sees) wasser ... wird oft von den winden angewät und getriben C. Lautenbach
Egesipp (1574) 63
b; wie die meerwellen, so zur stund von der fortun werden getrieben W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dram. 2, 82
lit. ver.; wenn eine zeitlang ein anhaltender westwind weht, der grosze wassermassen in den kanal trieb Allmers
marschenbuch 32.
das object bezeichnet zugleich die wirkung: dein eiferssturm mag noch so hohe wellen treiben Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 43; der wind trieb wellen durch das ährenmeer Freytag
verl. handschr. 1, 68; der wind ... trieb leise wellen den waldrand hinunter und in die ferne hinein Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 26. II@A@1@cc)
sprachlich reich entwickelt ist die vorstellung '
der wind treibt das schiff' (
im bilde häufig das lebensschiff). II@A@1@c@aα) das schiff musz treiben nur der wind ich (
der schiffmann) kans nicht zwingen wie ich wil Ayrer 2308, 26
lit. ver.; und wenn des creutzes ungestüm mein schifflein treibet ümb und ümb, so bistu denn mein ancker Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 308; ein sturm ..., welcher die meisten schiffe ... verschlug, viele auf den strand trieb Niebuhr
röm. gesch. 3, 553. II@A@1@c@bβ)
sehr häufig mit verschiebung des objects: '
der wind treibt den seefahrer': also treibt mich der wint, ich swimme dahin durch des wilden meres flut, ... mein anker haftet niergent
der ackermann aus Böhmen 8
Bernt; so hat crafft des winds mich und min biwoner über unser willen und streng weer har getriben Riederer
rhetoric (1493) e 2
b; ich liesz mich dahin bringen, wohin mich wind und wasser zu treiben beliebten Hafner
lustspiele (1812) 1, 15.
mit subjectswechsel: die götter wandten den sturm und trieben ihn heimwärts Voss
Odyssee 71
Bernays; mit anderen verschiebungen von object und subject: der wind treibt die sägel
animae impellunt lintea Frisius 93
a; nach dem ein guter wind aufstund die zwei schieff richten ir segel auf und trieben sie mit schnellem lauf auf Bonent wertz Hans Sachs 8, 632
K.; herab mit dem bramsteng! ... macht, dasz nur das schönfahrsegel treibt
Shakespeare sturm 1, 6
Eschenburg. II@A@1@c@gγ)
ohne object (
vgl. u. VI 1 a): als sie den sieg der Illyrier ersahen, haben sie sich irs schnellens schiffens getröst, seind gewichen, und mit treibendem wind der heimat zu gefaren Xylander
Polybius (1574) 75; ein schiffmann kan nit allzeit fahren wo er hinwill, sondern da der wind hintreibt Lehmann
flor. polit. (1662) 1, 90; indem soeben ein günstiger wind vom lande trieb Eichendorff
sämtl. w. (1864) 2, 351; wo die jugend ... das planvolle segel eines leichten kahnes weltensuchend den treibenden winden des himmels übergibt Cl. Brentano
ges. schr. 5, 408. II@A@1@dd)
bei nicht frei beweglichem object, wie blume, haar
u. ä. (
meist poetisch): (
der wind) thut sie (
die ähren) all durcheinander treiben, das keine aufrecht mag beleiben Spreng
Ilias 16
a; des Ossa auch der tannen voll, welche der wind so treiben soll, das ihr knascheln, rausch und krachen thut gleich als ein donner machen Rebmann
naturae magnalia (1620) 396; die rose von dem warmen westen getrieben, bückt sich mit gefahr zu ihres dornes wilden ästen Stieler
geharnschte Venus 31
ndr.; ich bin kein rohr, das leichte winde treiben Neukirch
anfangsgründe (1724) 63; wenn des nordes hauch des eichenrumpfes flamme seitwärts treibt Denis
lieder (1772) 11; die krausen haare ... lieszen von der luft sich treiben maler Müller
werke 1, 88. II@A@22)
vom wasser (
s. a. u. VI). II@A@2@aa)
das strömende wasser stöszt oder (
blasser)
führt mit sich fort, was in ihm beweglich ist: nu treib daz ors ein werve (
strudel) her Wolfram von Eschenbach
Parzival 603, 5; nun lig ich auf des ufers sand, nachdem mich die wellen zuhand auf dem meer hin und her getrieben W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 1, 192
lit. ver.; die waldwasser furt das erdtrich im väld hinweg ... und treib grosze stein Stumpf
Schweizerchronik (1606) 529
a; also das der schiffmeister theur sich stürtzet mit dem kopf hinausz, welchen dreimal des würbels strausz hinunder trib und uber sich Spreng
Äneis 5
a; (
es wurden) allerhand wahren und kasten, nebst zerbrochenen mastbäumen und andern schiffgeräthe ans land getrieben A. U. v. Braunschweig
Octavia 5 (1704) 394; treibeis, welches vom nordpol, von Spitzbergen usf. ohnaufhörlich herunter kömmt und durch den strom und wind gegen diese küste getrieben ... wird Anderson
nachr. v. Island (1747) 175; prob es doch mal, durch den übergetretenen waldstrom zu setzen ... du würdest zerschellt werden von den blitzschnell getriebenen stämmen und steinen Fouqué
Undine (1814) 47; der Rhein trieb eis Freiligrath
ges. dicht. 2, 141. II@A@2@bb)
in engem zusammenhang mit 1 c
steht '
wasser treibt ein schiff (
bzw. den menschen im schiff)': das ungestüme meer ihn führt und seine schiff trib hindersich in Africam gewaltiglich Spreng
Äneis 1
a; der schiffer, von den kalten südströmungen des meeres getrieben A. v. Humboldt
kosmos 3, 144.
seit dem 19.
jh. häufig sich treiben lassen: ... weil wir gleich sahen, dasz es mit seiner ganzen steuerei nicht weit her sei. zuletzt aber vergaszen wirs wieder und lieszen uns treiben Fontane
ges. w. I 5, 130; zwingen klippen ... den schiffer, ... das ... sorglose treibenlassen aufzugeben Ritter
erdkunde 3, 172;
besonders gerne bildlich: sollen wir dumpf und stumpf uns vom zeitstrome treiben lassen? Fr. L. Jahn
werke 2, 260; wie bisher liesz sich Preuszen von den ereignissen treiben Prutz
preusz. gesch. 3, 335; man verlor die hoffnung auf den sieg und liesz sich treiben Ludendorff
kriegserinnerungen (1919) 4. II@A@2@cc)
besonders im 18.
jh. kommt in poetischer diction die vorstellung '
der flusz treibt sein wasser'
zum ausdruck, die auf dem nacheinanderdrängen der wassermengen beruht (
s. a. u. 9): und jenes baches fall, der durch den grünen grund die schwachen wellen murmelnd treibt Haller
ged. 120
Hirzel; plötzlich fängt er an zu schwellen, schäumend treibt er seine wellen
theater der Deutschen 13, 335; doch fällt ein regengusz, so schwillt die kleine fluth, und treibt den feuchten zoll nach ländern, dörfern, städten Gottsched
neueste ged. 60; an einem mächtigen strohme, der seine fluthen in das weltmeer trieb Kretschmann
sämtl. w. 6 (1799) 58;
so auch: wenn der Rhein keine fluten mehr zu tale treibt H. Lersch
in Pantheon 169;
ähnlich: wie ein flusz ins meer schieszt, weit hinaus durch die grünen wogen seine eigne farbe treibt maler Müller
werke 1, 47. II@A@2@dd)
anders mit object der wirkung (
s. a. o. 1 b): dar an ain grôzez wazzer vlôz, daz traip von sînen snellen flûzzen grôze wellen, der er dâ vil ûf lainen sach Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Öst. v. 3549; der see war noch immer unruhig und trieb starke wellen Auerbach
auf der höhe 2, 174;
bildlich: der gluthstrom seiner begeisterung trieb seine kühnsten, prächtigsten wogen Ebner-Eschenbach
ges. schr. 2, 83. II@A@33)
von menschlicher tätigkeit. etwas '
vor sich her bewegen'. II@A@3@aa)
ein rad, eine kugel, einen reifen vor sich her rollen: ein rad ze berge trieben Notker 1, 224, 2
Piper; mhd. von der scheibe (
kugel)
des glückes (
vgl. Wackernagel
in zs. f. dtsches altert. 6, 146
ff.): sô sold er die schîben alles für sich trîben, die wîl si gieng sô eben Ottokar
reimchr. v. 52487,
auch 60910; si lachoten paid on masse .. (
dasz) ... also des glückes rad und ir selden scheiben sich also lieszent treiben
bei v.
d. Hagen
gesamtabenteuer 3, 747; ewer, Manheit, schyben trybent si (
die jungen) uf alle velt
bei Matthäi
minnereden 1, 8, 288;
hierhin vielleicht die redensart: nach dem gemeinen reimen: für die lange weile treiben wir die scheibe (
treiben possen) Lindener
katzipori 65
und rastbüchlein 163
lit. ver.; ein anderes scheibe treiben
s. u. bei 5 a; ein rad treiben '
drehen'
s. u.D 2. den reifen treiben: die kind, die die reiff treiben, die schlahen für und für uff den reiff mit dem stecklin Keisersberg
brösaml. 2, 37
c; es sei nun, dasz sie ball werfen und schlagen, ... den reif treiben ... Göthe IV 42, 108
W.; die buben, welche einen reifen trieben A. v. Arnim
w. 1, 134
Grimm. ähnlich einen fuszball treiben,
d. h. mit wiederholten stöszen allein über das feld bringen. das treiben
des kreisels (
s. u.D 2 c)
ist nur in einer ahd. glosse eindeutig als '
fortbewegen'
zu verstehen: turbo, quem pueri magno in gyro vacua atria circum ... exercent driuent
gl. 2, 711, 5
St.-S. II@A@3@bb)
eine last, ein schweres fahrzeug o. ä. '
fortschieben'
; nur bis ins 17.
jh. belegt: (
das bauholz) fesseln sie zugleich den andern auch an und bringens mit heben, lüften, schieben, treiben, stoszen ... den berg hinauf
grillenvertr. (1670) 25;
ein schiff flott machen: daz scheff sy in den wag triben H. v. Neustadt
Apollonius v. 7075
Singer; lasz in das meer die schiff nit treiben, sonder an dem gestatt beleiben Spreng
Ilias 16
b.
besonders von belagerungsmaschinen: dô hiez er starc gewerke machen ûffe schîben unde zô der stat trîben Lamprecht
Straszb. Alexander v. 1208
Kinzel; Ludwigs kreuzfahrt 2912; 5339
Naum.; eyn katz dryven sy (
die feinde) dar an (
an das tor) Chr. Wierstraet
beleeg van Nuys v. 647
Meisen; auch im part. präs. (
vgl. bei I B 2 c): man machet treibende schirme und mechtige bolwerke mit schislochern (1454)
acten d. ständetage Preuszens 6, 264; carre ...
bunga, carracucium, eyn carre mit seer hogen raderen als eyn dryvende werck vur steden of slaeten v.
d. Schueren 172
a Verdam; drivende wark Joh. Renner
Brem. chron. (16.
jh.)
in brem.-nied.-sächs. wb. 1, 250. einen wagen, einen pflug treiben
s. o. I C 1 c. II@A@44)
etwas heftig, ruckartig bewegen; meist gegen einen widerstand, in oder durch etwas '
stoszen'
; besonders von waffen: Abis hete grôze kraft unt fuort einen sô starken schaft ... daz ern durch den bischof niht entreip, diz fuogte got Stricker
Karl v. 6608; sein spiesz Achilles scharpf und rauch Rhigmo trib mitten in den bauch Spreng
Ilias 287
b; ... der mag der stärkste bleiben, der durch die gurgel wird sein schwerdt dem kaiser treiben Gryphius
trauerspiele 100
lit. ver.; (
er gab) den neugebornen, dem er durch die sohlen ein spitzig eisen trieb, den hirten Schiller 4, 122
Göd.; von derselben vorstellung ausgehend: ein dornenkrantz umgiebt den welcken schlaf, der rund herum ins fleisch die spitzen stacheln treibt v. Besser
schr. (1732) 2, 817; '
schlagen gegen etwas': zwei kalte zusammen getriebene stein geben feuer in der mühl Lehmann
flor. polit. (1662) 1, 171,
vgl. 1, 500; nicht gegen felswand treib dein gutes schwert Fouqué
held d. nordens 2, 134.
fast redensartlich zu boden treiben: Pleuronius Ancäus eben ... mit ringen under mir belib, sein cörper ich zu boden trib Spreng
Ilias 330
a;
dasselbe im bilde: wie nun zuvor die scholastica theologia oder schulsophisterei schon mit gottes wort zu boden getriben, also beginnet sich auch des bapsts primat ... zu verdrucken und abzuschneiden Mathesius
Luther (1583) 15
b.
anders: (
die weltliche gewalt darf die übeltäter nicht schonen) neyn es musz das schwerth getrieben seyn Luther 32, 160
W.; (
sie sagen) Luther hab kain anders schwert aus der schaiden triben, dann das wort gottes Nas
antipap. (1567) 1, 209
b. II@A@55) '
in die luft stoszen, schleudern': II@A@5@aa) ... als vil ein schâchzabelbret iemen zwispilden mac ..., und tribe einn turn durch den luft, daz er stôze unz an den eter Reinbot v. Durne 758
Kraus; auch bei unpers. subject: warumb Vesuvius kan steine von sich treiben Opitz
opera (1690) 1, 22; einen ball treiben (
schon mhd., s. Konrad v. Würzburg
Engelhard v. 780
H.); mancher mensch ist wie ein ball aufm boden, und wenn das glück lustig ist zu spielen, so treibt es den ballen so hoch, dasz sich zu verwundern Lehmann
flor. polit. (1662) 1, 369; die bälle ..., welche sie mit dem spiel ihrer hände in die luft trieben Heinse
sämtl. w. 2, 67. scheiben treiben
glühend gemachte holzringe mittels stecken durch die luft schleudern, als volksbrauch belegt bei Schmeller-Fr. 2, 356 (
s. d.).
ein wurfgeschosz '
schleudern': der halbentblöszte mohr treibt mit verbrannten händen den wurfspiesz durch die luft Pietsch
gebundene schr. (1740) 9; wohl, da hatte Peterli zeit zu gehen, ... weithin trieb dem flüchtling das ertaubete Eisi einen besenstiel nach Gotthelf
käserei (1850) 352. II@A@5@bb)
ein geschosz mit einem schieszzeug '
schieszen'
; zunächst, und weiterhin vorwiegend vom schieszen mit bogen und pfeil: nervo pulsante tripentero
ahd. gl. 2, 644, 49
St.-S.; daz der phil daz zil triffit, daz inist fon siner craft nicht, sunder fon der craft der fornunft di in tribit
paradisus animae 89, 36
Strauch; gleich wie man den schutzen ein ziel oder schieszmal steckt, das alle bogen und buchsen, pfeil und stein drauf gericht und getrieben werden Luther 10, 1, 1, 399
W.; die andere art scharfsinnige fragen nachdenklich zu beantworten, ist, wann man dieselben widerumb umbzuwenden und also den vermeinten pfeil gegen den schützen zu treiben kündig ist Harsdörfer
frauenz. gespr. 1 (1641) o 1
a; da trieben die flächsenen sennen von jedem geschosse den pfeil Denis
lieder Sineds (1772) 76; denn dieser, dem könige zürnend, trieb vergiftende pest in das heer Bürger 185
Bohtz (
Ilias).
vom 16.
bis 18.
jh. auch auf feuerwaffen übertragen: nun ist ... war, das salpeter, schwebel, koln und das lot, welches getrieben werden sol, des schieszens rechte anfäng seyen Fronsperger
kriegsbuch 1 (1578) z 5
a; es ist gut, wenn sie (
kurze stücke) ... ihre kugeln nicht mehr als 120 schritte treiben H. v. Fleming
soldat (1726) 451
a.
als ausdruck des leistungsvermögens eines geschützes (
vgl.tragen VI A 2): die halbe colubrina oder veldschlange treibet 16 pf. eisen de Bry
archelei (1614) 9; so eine flinte oder büchse scharf schieszet, heiszet es: das gewehr hat einen guten trieb, oder es treibet wohl Heppe
jäger (1763) 297
b;
mundartlich noch: '
eine feuerspritze, ein gewehr tribt wit' Martin-Lienhart 2, 738
a. II@A@66)
etwas durch einen stosz oder einen schlag in bewegung versetzen. II@A@6@aa) '
stoszen',
nur vereinzelt occasionell: impellere praecipitantes die fallend treiben, inen einen schupf oder stosz gäben Frisius 1034
a;
etwas anders: der stein fiehl einwertz mit gewalt entzwei die beide läden trib, kein schlosz und rigel gantz belib Spreng
Ilias 166
b; auff beiden seiten machten sie zwey breite ruder, die gleich wie der gänse füsse hurtiglich das wasser trieben hinder sich W. Spangenberg
ausg. dicht. 93;
elliptisch, für geläufigeres stoszen: (
der gondoliere) löste die kette vom pfahle und trieb ... mit mächtigem fusztritt von der Riva v. Gaudy
sämtl. w. 13, 20. II@A@6@bb) '
schlagen': treibe ihm hiemit zugleich mit deiner stangen die seine ubersich Sutorius
fechtb. (1612) 97; weshalb er ihm, von rascher wut entglommen, ... einen faustschlag gab, der so vollkommen, dasz er zwei zähn' ihm in die gurgel trieb Gries
Ariosts Roland 2, 188;
bergmännisch: treiben under den klotz
ferramento exposita Ph. Bech
Agricola bergwerkbuch (1580) 497
b; (
sehr edle) massen, welche ... mit schlägel und eisen in einen untergehaltenen bergtrog getrieben werden Serlo
leitfaden z. bergbaukunde (1878) 1, 398;
ähnlich: wir wollen sehen, ob wir euch wasser aus dem felsen kunden treiben Luther 17, 1, 447
W.; unter den büchsenmachern (
ging) der erfindungsreiche geselle Hans Danner, der schon dazumal von den metallen späne trieb, als hätte er weiches holz unter den händen G. Keller
ges. w. 2, 179.
mit innerem object: in dem zufechten treib diesen streich im übergehen also Sutorius
fechtb. (1612) 95. II@A@77)
durch gleichmäszig wiederholtes schlagen fortbewegen, '
hämmern, klopfen'. II@A@7@aa) treib oben umb den randt umbher mit einer hültzernen gedräten kugel die aschen auff dem test glat nider Ercker
mineral. ertzt (1598) 30
b;
am häufigsten '
in etwas hinein treiben' (
vgl. o. 4): viele pflöcke waren in den grund (
des wassers) getrieben Stifter
sämtl. w. 3, 344; (
er) schüttet pulver, drückt darauf das pflaster, und in den lauf treibt er die kugel Lenau
s. w. (1880) 1, 156;
von werkzeugarbeit (
s. a. unten b): schlägel, ein eiserner ... hammer, der zum treiben aller meiszelarten für harte gesteine dient Lueger
lex. d. ges. techn. 7, 232.
meist einen nagel, einen keil treiben;
schon mhd. geläufig: mit hemmern, die waren groz, starke negle sie triben
Daniel v. 5245
Hübner; disen nagel wil ich hin in triben, das kein fleisch alda mss beliben
bei Mone
schausp. d. ma. 2, 318; einen nagel in den balcken treiben Kramer 2, 1123
c; soll nun der wiederholte schlag der nägel stumpfen stahl in sein ... geäder treiben Pietsch
gebundene schr. (1740) 394; und er, auf dasz er seine bosheit zeige, treibt nächtlich einen nagel in die eiche Brentano
ges. schr. 6, 146;
in der gewöhnlichen sprache nicht mehr geläufig, vgl. 'treiben, einen nagel
s. eintreiben' Mothes
baulex. (1882) 4, 366. den keil treiben
adigere cuneum Faber
thes. 35
b; ritzeisen, ... mit welchem ritze ins gestein geschlagen, darnach keile hinein getrieben werden, das ertz loszusprengen Herttwig
bergbuch (1734) 325
b;
im bilde: zu derselben zeit, wo Sachsen und Hannover durch ausländische kronen anhängsel fremder staaten wurden und von zwei seiten her neue keile in den bau des reiches trieben Prutz
preuss. gesch. 2, 319;
ein dribenkil (
d. i. treib den keil)
heiszt nd. ein rücksichtsloser, ungehobelter mensch, s. Schütze
holst. id. 1, 254; Schambach
Gött.-Grubenh. 48
a; ein keil treibt den andern
s. u. nr. 9. II@A@7@bb)
besonders im handwerk. bergmännisch: stempel sind starke hölzer, ... so zwischen die wand-ruthen und anfälle getrieben werden Herttwig
bergbuch (1734) 372
b; hölzer bei der zimmerung fest treiben, insbesondere die pfähle bei der abtreibezimmerung eintreiben, abtreiben Veit
bergwb. 500; der stempel musz noch getrieben werden er musz noch fester gerammt werden Gerhard
Siegerl. bergmannsspr. (1923) 168.
in der böttcherei: wenn das fasz rinnet, so musz man die reifen treiben Petri
d. Teutschen weisheit 2, A a a 6
a; einen reif ans fasz treiben Kramer 2, 1123
c;
andere belege s. th. 1, 505
s. v. antreiben
und th. 8, 620
s. v. reif 3 a.
in der stellmacherei: auf das gestämme ein rad treiben
to make a wheel firm by driving-up the spokes and shortening the fellies, to cut a joint Hoyer-Kreuter 775
b.
in der bauzimmerei: was man nicht ausdrücklich bedungen, das will hernachmals der zimmermann, noch besonders bezahlt haben, daher das latten des daches, item das treiben derer böden
etc. nicht zu vergessen ist
allg. haush.-lex. (1749) 1, 93
a;
vgl. eenen zolder drijven, de planken drijven de Bo
westvlaamsch id. 234
a; einen spalt treiben
durch zusammentreiben der bretter beseitigen Fischer
schwäb. wb. 2, 355.
im schiffbau: das werg in die nähte treiben
to drive oakum into the seams Hoyer-Kreuter 776
a;
vgl. nl. een schip driven Kramer
hoch-nidert. dict. 1, 73
a;
stipare, ferruminare navem Kilian 97
b. II@A@88)
fortbewegung einer materie durch intensives rühren oder reiben: nimb lauter gut werckpulfer, stosz es gar klein und treibe es durch ein enges sieb Reutter von Speir
kriegsordnung (1594) 117; eau de clairette zu machen nimmt man ... kirschen, ... hindbeeren, ... johannesbeeren, zerknirschet alles ... und treibets durch ein sieb Marperger
kaufmann - magazin (1708) 1368;
nicht selten. anders: der papierer sprach behende: ... mir kleben so ser die hende wol von dem leimen zart, das ich jetzt hab getrieben auf das papier so gut Uhland
volkslieder (1881) 1, 534; die farben mit einem strich hinsetzen, ist die rechte art; denn wenn man sie lange mit dem pinsel hin und her treibt, so werden sie schmutzig und matt Tischbein
in Göthes gespr. 1, 52
Biederm.; s. a. vertreiben II 2,
teil 12, 1, 1975
f. II@A@99)
ein lebhaftes nacheinanderfolgen, bei dem ein ding das andere verdrängt und ablöst, wird gern mit treiben
zum ausdruck gebracht. kräftig in der redensart: wein musz man mit wein löschen; ein nagel treibt den andern Lehmann
flor. polit. (1662) 2, 780;
ebenso: ein keil treibt den andern
clavus clavum pellit Spanutius (1720) 513; do mit ein keil mit dem andern getrieben mocht werden (1527)
acten u. briefe ... Georgs v. Sachsen 2, 781; der divan kommt auch in gang, und so treibt ein keil den andern Göthe IV 29, 37
W. blasser '
unmittelbar folgen, ablösen': ein flut die ander trib so gschwind, das sie eim underm gsicht verschwind Fischart
glückh. schiff 13
ndr.; teilnehmen müssen wir; wir stehen im strome der zeit, wo eine welle die andre treibet Herder 16, 42; es gehen alle ding in einem circkel umb, eins treibt das ander ... Lehmann
flor. polit. (1662) 2, 828; sein gerechtes recht wird bleiben, weil sich tag und nächte treiben S. Dach 166
Österl.; ein segen wird den andern treiben Neukirch
ged. (1744) 96; auch heute schreibe ich einige worte, damit ein brief den andern treibe Göthe 31, 46
W. II@BB.
in weitem umfange wird treiben
als verbum movendi verwandt, wo das object nicht durch unmittelbare mechanische kraftübertragung fortbewegt erscheint. II@B@11)
in verschiedener anwendung dient treiben
ohne eine präcise bedeutung zur allgemeinen bezeichnung einer bewegungswirkung, wo eine deutliche vorstellung von der art der wirkung nicht vorhanden ist; schon ahd.: diu ding ..., tiu si (
fatum) tribet unde ordenot (
movet atque disponit) Notker 1, 275, 6
Piper; diu maninne welzet umbe ... unte wichet von deme sunnen, ... sam si die himele triben, unze si wirt zeiner alben sciben Arnold
siebenzahl bei Diemer 342; ich mich minder von meinem fürnemen wenden lasz, dann sich das wasser zu berg laszt treiben Wickram 1, 196
Bolte; nun ist es erst am bösten und künstlichesten, die hörner ausz der hirenschalen zu treiben (
sagt der wunderarzt)
Fortunatus 127
ndr.; wann er (
der mercurius) auf gemeldete arth und weise (
durch schmieren oder durch räuchern) in den körper getrieben wird Ettner u. Eiteritz
med. maulaffe (1719) 43;
redensartlich: dise werden ja ... den schimmel wol vom gelt treiben (
gespartes geld ausgeben) Fischart
praktik 15
ndr., vgl. dazu th. 1, 142 Kirchhof
wendunmut 180
b.
hier und da klingt mehr oder weniger deutlich die vorstellung eines drückens, schiebens an: so (
der schwefel) durch den sutt übersich getriben wird Thurneyszer
alchymia (1583) 6; sie treibt (
die quelle) es (
das wasser) durch verborgne röhren Gottsched
neueste ged. 34; (
manche behaupteten) mächtige ... gebilde seien mittelst unwiderstehlich elastischer gewalten durch die erdrinde hindurch in die höhe getrieben ... worden Göthe 25, 1, 27
W. in dieser unbestimmten anwendung gern bei gewissen physikalischen bewegungserscheinungen: kraft, welche die planeten nach der sonne treibet Kästner
verm. schr. (1755) 1, 10; wird ein körper von der schwere gegen die erde getrieben ... Liebig
handb. d. chemie (1843) 1, 18;
anders, mit der nicht ganz deutlich werdenden vorstellung des hervortreibens vom blasen treibenden wasser;
gewöhnlich in übertragung: das leichte schneiderblut trieb wieder blasen W. Speck
zwei seelen 87; ich bekenne mit stolz: mein geist treibt höhere wünsche Herder 27, 113
S.; die hand wollte nur die gedanken ebnen, die wilden, unruhigen, die schon entschlüsse in ihr zu treiben begannen Gutzkow
zauberer v. Rom 3, 365;
vgl.blasen auftreiben
th. 2, 67.
für sich stehen einige ältere belege mit der bedeutung '
erzielen': er hatt auch vill zwiträchtigkait zwischen den eeleuten gemacht und sich darnach understanden, die zu verainen, daraus er auch mercklich schanckung und gellt getriben (1478)
chron. d. dt. städte 22, 370; (
die drucker) lesendt als usz minem schriben darusz si pfennig mögen triben Murner
gäuchmatt 194
Uhl; vergleichbar: geld treibet allerley medicamenta von den artzten Schupp
schr. (1663) 709. II@B@22)
etwas fortbewegen durch besondere technische masznahmen verschiedener art (
vgl. bei A 5-8 '
durch einwirkung mit einem werkzeug fortbewegen'). II@B@2@aa) ein schiff treiben (
vgl. a. o. A 1 c
u. VI 2 b);
auch schon ags. sundwudu drífan Bosworth-Toller 212
b;
mit stange oder ruder ein schiff fortbewegen: skef sint cnuegiu ane ruoder, tiu man dribet mit scalton
i. conto subiguntur Notker 1, 429
Piper; zwentzig (
schiffe) so mit drei ordnungen der ruder getrieben wurden Xylander
Polybius (1574) 13; die galeere, die matter sclaven arm an nahen ufern treibt Kästner
verm. schr. 2 (1772) 179; die schiffe gleiten segelnd, oder durch die kraft der ruder getrieben, über seine (
des sees) fläche hin Göthe 25, 234
W.; der braune fischer treibt den kahn J. C. Heer
ged. (1913) 52.
weniger concret '
durch nautische masznahmen fortbringen'
; d. h. dann '
leiten, regieren': ein ufer, da hinan wollten sie das schiff treiben (
ἐξῶσαι)
ap. gesch. 27, 39; wie man ein schiff durch strengen nord in seine sicherheit und port itzt glücklich hat getrieben S. Dach 121
Österl.; der nicht ein schiffer ist, der unternimmt sich nicht ein schiff zu treiben und regieren Faber
thes. (1655) 33
a;
bildlich: wie sich der ... einer langen gewohnheit täglicher anstrengungen dienstbare jüngling gegen die kurze meerstille, worin er keine schiffe trieb, sträubte Jean Paul (1827) 22, 129.
eigentümlich ist bair. ein schiff treiben '
stromauf treideln',
vgl. treibwerk: (
die schifftreiber sollen) das treiben von Ditmaning aus bis gegen Lauffen, und dann von dannen gegen Salzburg und Hällein ... fleiszig verrichten (1581) v. Lori
bair. bergrecht 318
b; (
es sollen) auf zwey rosz über drey schif nicht angehenkt und getriben (
werden) 319
a. II@B@2@bb)
obd. ist treiben
für '
flöszen' (
s. triften): item auch sullen si (
die schmiede) ir cholholz treiben und prennen auszerhalben der purger trift und chasten (
Sterzing um 1400)
österr. weisth. 5, 428; 'treiben
als kunstausdruck: holzflöszen' Unger-Khull
steir. 168,
vgl. auch treiber 2 h. II@B@2@cc) treiben
im bergbau '
berg und erz vermittelst des von pferden gezogenen göpels aus der grube ziehen' Voigtel
wb. (1793) 3, 420;
bezieht sich vielleicht treiben
ursprünglich auf die hebemaschine, nicht auf das förderobject (
vgl. bei D 3 b)?
belegbar seit dem 16.
jh.: er spannet ein rosz an der leut stat, und lesset ... wasser und berg ausz den tiefsten mit schönen künsten heben und treiben Mathesius
Sarepta (1578) 145
a; göpel ist ein ... gebäude, darinnen die pferde ... vor regen ... bewahret werden, wenn sie ertz ... aus der grube treiben v. Schönberg
berginform. (1693) 2, 45; '
man sagt statt im schachte fördern
auch treiben' Lueger
lex. d. ges. techn. (1899) 7, 146.
s. a. treiben,
subst. 2. II@B@2@dd)
im hüttenwesen des silberbergbaus bezeichnet treiben
den vorgang, bei dem das edelmetall von den beigemischten fremden bestandteilen, besonders blei, befreit wird (
s. a. u. VI 3 b; treiben,
subst. 2
und abtreiben): wes bli erst in de hutten kumpt, deme scal me to rechte erst driven (
Goslar, 14.
jh.)
bei Schiller-Lübben 1, 577; ainem smelczer der da smelczt und treibt, ain ducat; der da aber nicht treibt, drew pfundt perner (1427) v. Wolfstrigl-Wolfskron
Tiroler erzbergbau (1903) 430; (
klage, dasz) unschleunig und nochlessig gefordert und getrieben wurde (1529)
cod. dipl. Silesiae 21, 5.
der ursprung der verwendung von treiben
in dieser bedeutung dürfte in dem entfernen der beim erhitzen des werks entstehenden bleiglätte durch zugluft (
s. treibblasebalg)
zu suchen sein; so erklärt schon Mathesius: also treibt man auch das plei vom silber im feuer, da es im rauch weggehet
Sarepta 92
b;
ebenso Frisch: treiben bei dem schmelzwesen, ... das blei vom silber abscheiden 2, 384
a;
im gewöhnlichen sprachgebrauch wird das treiben
jedoch auf die gesamte zu bearbeitende werkmasse bezogen: diesen metallkönig magstu auff dem treibscherben under der muffel in deinem probierofen allein treiben so lang bisz das metall gar fein und von allen seinen schlacken gescheiden wirdt Paracelsus
op. (1616) 1, 904
H.; (
der abtreiber soll) die wercke mit guten bedacht treiben v. Schönberg
berginform. (1693) 1; in diesen treiböfen werden 25, 30, auch wohl 40 und mehr centner auf einmahl getrieben v. Rohr
Oberharz (1739) 559;
im bilde: gott hat durch diesen mann ... die selige lehre zu Wittenberg seigern, treiben, rein und superrein brennen und durchfeuern lassen Mathesius
Luther (1576) 193
b.
anders ist silber, silberblicke treiben,
d. h. durch den treibvorgang gewinnen: Hansel Panczman hette (
heimlich) ein silber getrieben (
Iglau, 14.
jh.) Jelinek
mhd. wb. 722; keinen blick silber treiben (1566) Diefenbach-Wülcker 876; got wolte ... der leviten und geistlichen vermengte lehre und pagament durchs feuer oder ofen gehen und wider reine plick treiben und brennen lassen Mathesius
Luther (1583) 3
a. II@B@2@ee) durch eine retorte treiben
durch verdampfung: ... welche durch den retorten getrieben soll werden ohn all caput mortuum und geführt in das dritt cohob Paracelsus
op. (1616) 1, 861
Huser; wie wein von einem chemicus durch die retort getrieben, zum teufel ist der spiritus, das flegma ist geblieben Schiller 1, 269
Göd. II@B@33)
aus dem medicinischen bereich. II@B@3@aa)
etwas durch medicamente aus dem körper entfernen: das kind von einer treiben
abigere partum vel foetum Frisius 6
a; wann sie aber purgieren und die galle von inen haben treiben wöllen Sebiz
feldbau (1579) 114; die artzet ... woltend ... durch träncker das gift wider us im triben Tschudi
chron. Helv. 1, 263.
häufiger treiben
als '
austreiben'
in bestimmten fällen: den stulgang treiben
deicere alvum Frisius 79
b; den harn treiben ...
urinam concitare Frisius 278
a; griesz treiben und stein brechen Wirsung
arzneibuch (1588) 489; brandtwein, den stein zu treiben v. Hohberg
georg. curiosa 3, 193
a. II@B@3@bb)
meist steht das treibmittel als subject: ein pestilentzische drüsz oder beulen, da nichts hindersich treibends, sonder nur ziehende mittel zugehören Gäbelkover
artzneibuch (1595) 1, 354; des weins ... hitzige dampff ... die adern eröffnen und das blut treiben Guarinonius
greuel (1610) 890;
besonders bei treiben
in der bedeutung '
austreiben, hervortreiben': alles öl schadet den augen und treibt die augträhen oder zähern Ryff
spiegel u. regiment (1544) 58
b; der honig ... treibet ... und bewegt den harn kreftiglich Ryff
confectbuch (1548) 2
b; ein artznei die purgiert oder den stulgang treibt
catharticum medicamentum Frisius 198
a; mespeln ... sollen den niren und auch den blaterstein prechen und treiben Sebiz
feldbau (1579) 354; nim safran ... mit beifuszwasser oder süszem wein, das treibt was zu treiben ist (
geburt) Wirsung
artzneibuch (1588) 556
a; die bewegung oder übung des leibs erwecket die natürliche hitze, treibet die unreinigkeit, besteifet die gedechtnis Harsdörffer
secretarius (1656) 1, 106; die arzney treibt den schweisz Stieler 1987; sie (
brennesseln) thun einen gänsestuhlgang treiben Göthe 39, 232
W.; dieses werk ist durchaus nicht in gesellschaft zu lesen, da es, wie recensent rühmet, die blähungen treibt
xenien bei Schiller 11, 116
Göd.; ungewöhnlich: (
die blase des schweins) treibt zum harn Messerschmidt
esels adel (1617) 126. II@B@3@cc)
am geläufigsten ist treiben
prägnant als '
den stuhlgang'
oder '
den harn befördern': darnach kam und treib die purgatz scharpf, schnel und stark
Eulenspiegel 22
ndr.; das bier treibt (den harn) Kramer 2, 1124
a; der wein ist gut; er treibt J. P. Hebel
werke 2, 276
Beh.; meist als adjectivisches participium: das sie etwan laxierende oder treibende kräuter gessen haben Sebiz
feldbau (1579) 103; du bist kein medicus, sonst nähmst du in der pein ein treibendes clystir für deine würmer ein Neukirch
ged. (1744) 204; treibende artznei
medicamentum pellens Steinbach 2, 855.
ähnlich: grosze und treibende not desz stulgangs mit wenig würckung, das tringen oder das trucken
tenasmus Frisius 1297
a;
auffallend daneben: das trücken oder triebene noth des stulgangs mit wenig wirckung
tenasmus Corvinus
fons lat. (1646) 876. II@B@3@dd) '
namentlich bei rindern findet sich letztere (
onanie)
und wird hier auch als treiben
bezeichnet ... die üble angewohnheit des treibens
oder onanierens ... L. Hoffmann
allg. tierzucht 259. II@B@44)
erst seit dem 18.
jh. häufiger belegt ist treiben
als bezeichnung einer bewegung durch psychische einwirkung; eigentlich und bildlich: besser ists, das blut eines menschen ihm ins gesicht zu treiben, als es ihm mit dem leben zu rauben Chr. Bode
Montaigne 1 (1793) 377; sie suchte den mädchen mit ... spukgeschichten die haare zu berge zu treiben Meyer-Merian
Mareili (1892) 39;
meist mit unpersönlichem —
von auszen oder innen wirkendem —
subject: der grausen oder das schaudern hat im die haar zu berg triben
horror comas erexit Frisius 253
b; die ungemeine röthe ihrer wangen verriethen den starcken brand ihrer seelen, welcher in dem geblüte steckte und die sichtbaren adern auff stirn und brust in die höhe triebe Ziegler
Banise (1689) 166; treibt dir mein anblick schon die scham ins angesicht?
bei Gottsched
dt. schaubühne 4, 58; heilsame leidenschaften ... treiben das blut in frischeren wallungen Schiller 3, 524
Göd.; das hauptbrett zu deines vaters sarg ist von dir! — ein wort, das mir ins herz sägte und noch im kerker blut aus den augen trieb Schubart
leben u. ges. 2, 91; unmut und bekümmernis wurden jetzt so stark, dasz sie ihm das wasser in die augen trieben G. Keller
ges. w. 6, 21. II@B@55)
mit beziehung auf das organische wachstum der pflanze (
vgl.C 3)
ist treiben
schon in einer glosse des 11.
jhs. belegt: dum se laetus ad auras palmes agit tripit
gl. 2, 634, 45
St.-S.; aber anscheinend erst im 16.
jh. bahnt sich die usuelle verwendung an (
vgl. frz. pousser).
man bezeichnet mit treiben
die tätigkeit der pflanze, die aus sich heraus schaft, blätter, blüten usw. nach oben und die wurzel nach unten schiebt. II@B@5@aa)
zuerst vorwiegend mit präpositionalen bestimmungen (
s. auch th. 10, 1, 1570 Mathesius): so ein sahm in die erden geseet wirdt, ... so treibt die natur desselbigen sahmens heimligkeit auff die erden, also dasz ein jeglicher sicht, wasz sahmen an dem orth gelegen war. also ist das hertz der sahm desz menschen, und die natur treibt ausz demselben sahmen den leib, das ein jeglicher sicht, was da für ein hertz gewesen ist Paracelsus
opera (1616) 2, 494
H., s. a. 411; die auffgethane knospe treibet die blüte herfür, die blüte die unzeitige frucht Comenius
ian. iv
ling. (1643) 35; die wurtzel unter sich treiben, einwurtzeln
radices agere Corvinus
fons lat. (1646) 694; rosenstok, der viel junge reiser und ausspröslinge zimlich hoch in die höhe treibet Zesen
helikon. rosenth. (1669) 114; jeder busch, wie sie (
morgenwinde) ihn streifen, wird zum bunten blüthenstrausz und die wurzeln, die noch steifen, treiben erstes grün heraus Hebbel
w. (1891) 7, 87;
im bilde: dasz er nur deszwegen wurzeln schlagen soll, um seinen stamm in die höhe zu treiben Schiller 10, 518
Göd.; II@B@5@bb)
dann aber in reicher verwendung ohne solche bestimmung: kein baum ..., der nicht neue zweige treibe Harsdörffer
gesprächsp. (1646) 6, 327; ich gestehe gerne, dasz ... die aloë in einer nacht einen höhern stengel treibe, als andere bäume in etlichen jahren wachsen Lohenstein
lobschr. (1679) e 7
a; sommerlatten ... sind, wenn in laubhölzern die abgehauene stöcke wiederum frisches holz treiben Heppe
jäger (1763) 279
b; (
ein same, der) sogleich aufschwillt, seine hülle abwirft und wurzel treibt Göthe IV 39, 111
W.; das auge der letzten varietät eines obstbaumes treibt einen zweig II 6, 11
W.; ich pfropfte selbst den braven ast, der diese pfirschen mir getrieben Lenau
sämtl. w. 399
Barthel; blüten treibts und blätter, dasz mans sehen kann J. H. Voss
sämtl. ged. 5, 228; zeuge dies zepter! so wahr das nie mehr blätter und zweige treiben, noch knospen wird Bürger 188
Bohtz; gelegentlich auch vom erdboden: der boden wurde ..., dasz er schönes gras treibe, mit eisernen rechen gerechet Stifter
sämtl. w. 2, 280;
ohne object: dieser wechselnde erdboden, bald dürr, bald südlich treibend Laube
ges. schr. 4, 19. II@B@5@cc)
ungemein beliebt in bildlicher verwendung: ihr meint, ich könnte nichts mehr machen ... bons dies! meine wurzel ist noch nicht abgehauen, treibt noch herrliche sprossen und wird ihrer noch viele treiben Bürger
briefe 1, 132
Str.; pflegt diesen baum der überlieferung, auf dasz er immer frische blüthen treibt Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 5, 323;
im bilde des stammbaums: die alten familien ... trieben junge sprossen und zweige Herder 23, 158
S.; freier schon von Chr. Thomasius
gebraucht: dasz die wahrheit ihre zweige nicht weit treiben könne, wo die gelehrsamkeit als ein geschlossenes handwerk ... traktirt werde
bei Justi
Winckelmann 1, 52; ein zarter sinn hat vor dem laster sich gesträubt, eh noch ein Solon das gesetz geschrieben, das matte blüthen langsam treibt Schiller 6, 266
Göd.; die unermüdliche arbeit, mit der die oft so rohen und einfachen nationalen bildungen wurzel, blätter und früchte treiben Nitzsch
dt. studien (1879) 157. II@B@5@dd)
gelegentlich ins zoologische übertragen: gleichso wie kahlgeschoren ein baum von neuem treibet seine glieder, ein vogel treibt von neuem sein gefieder, so auch ein volk kann werden neugeboren Rückert
w. 1, 4; denn sie (
die natur) hat nicht masse genug, die reihen der zähne völlig zu pflanzen und auch geweih und hörner zu treiben Göthe 3, 90
W.; causativ: (
der krakenzahn) soll, wenn man bisweilen das zahnfleisch damit ritzet, den weisheitszahn noch vor dem schwabenalter treiben Mörike
ges. schr. (1905) 2, 148. II@B@66)
die vorstellung des '
vorschiebens'
durch intensive arbeit herrscht in dem ausdruck einen stollen treiben
u. ä.: 'treiben
einen grubenbau, insbesondere einen solchen, der in mehr horizontaler richtung geführt werden soll, herstellen' Veith
bergwb. 500;
belegt seit dem 15.
jh.: wann auch die veng und gruben also triben werden, als vorgeschrieben ist (1465)
bei Lori
bayer. bergr. 352
a;
auch ohne object: das 4. jahr soll man dann treiben und arbeiten unz auf das ärzt
ebenda; im gegensatz zum stollen treiben
steht einen schacht senken: so man aber nach erz bauet, stoln treibt, schecht sinckt, auslenget und was das ist, das verdinget man nach dem lachter (1509)
cod. dipl. Silesiae 20, 159;
entsprechend ist dagegen: roschen (
gräben) treiben und bereithen lassen (1583) H. Hake
bergchron. 86.
im gewöhnlichen gebrauch meist mit örtlicher bestimmung: und di sollen auch den stollen mit irme gelde immer me vor sich triben (
Freiberg, 14.
jh.) Ermisch
sächs. bergw. 44; einen stollen czu treiben in unser dertrunken gepirge czu dem Czukmantel (
Iglau, 14.
jh.) Jelinek
mhd. wb. 722; so dann der erbstoll mit dem orth fort in ein frei felt getriben und gebauet wurde (1506)
cod. dipl. Silesiae 20, 154; nun müssen wir wider zu rück ansitzen und ein querschlag durch das Steirische und Wellische gebirge treiben Mathesius
Sarepta (1571) 16
a; ... von dem neu eröffneten felsenkeller. er ist in das todtliegende getrieben Göthe III 11, 168
W.; übertragen: ich bewegte mich auf einem durch dichten wald getriebenen wege T. Kröger
wohnung des glücks 75. II@CC. treiben
bezeichnet nicht das fortbewegen eines dinges, sondern die mechanische oder organische einwirkung, die nur an dem object eine bewegung hervorruft. II@C@11)
eine materie, meist mit einem werkzeug '
bearbeiten',
in entwickelter bedeutung '
formen'. II@C@1@aa)
metalle treiben,
mit dem hammer bearbeiten, schmieden, caelare. belegt seit dem 13.
jh. (
vgl. ags. ádrifene fatu
caelata vasa Bosworth-Toller 7
b). II@C@1@a@aα) 'treiben
nennt man die arbeit, durch welche man metalle mittelst des hammers ausdehnt und ihnen eine bestimmte gestalt gibt' Helfft
wb. d. landbaukunst 368: alse der smit daz isen nimet uzer dem vure und sleit ez und dribet ez mit dem hamere nach sinen willen
heil. regel 27, 20
Priebsch; gold lat sich treiben und schlahen Keisersberg
brösaml. 1, 8
a; das eisen daran einer spann lang dermaszen aufs dinnest getrieben und zugespitzt Xylander
Polybius (1574) 334; wissen, dasz ein goldkorn so künstlich kann getrieben sein, dasz der werth der form den werth der materie bei weitem übersteigt Lessing 10, 96
L.-M.; in engerem sinne: '
punzen'; auf blei oder kütte treiben Adelung 4
2, 664; drijven, doppen,
caelare Kilian 97
b.
meist im part. prät.: ihm schmecken schlechte speisen aus thon so gut als aus getriebnem gold Wieland
w. (1794) 9, 24
Göschen; das (
schmuckkästchen) war von getriebenem silber Scheffel
ges. w. 1, 110. II@C@1@a@bβ)
als object steht das durch treiben
hergestellte kunstwerk: die getriebenen (
orgelkrücken) brechen leichtlich, wenn man sie aufbeuget Bendeler
organopoeia (1690) 21; ir wappen ist ein getreibter schwartzer weinkopf in einem gelben feldt Herolt
chron. d. st. Hall (1541) 176; köstliche kleinat, schön und zierlich, darein artlich mit kunst visierlich waren wappen und alt histori getriben Hans Sachs 2, 390
K.; kein glockenspiel kann also klingen, ob es die kunst aus silber treibt Triller
poet. betr. (1750) 1, 31; eine schöne von metall getriebene figur
bei Gottsched
anm. gelehrsamk. 4, 602; bilder in metall zu treiben, ... setzt schon mancherlei mittel voraus H. Meyer
gesch. d. bild. künste (1824) 2, 4; brust und hals (
eines Antäusbildes) scheinen so hart, als wenn der erzarbeiter sie mit hämmern getrieben hätte Göthe 49, 121
W.; hierher gehört auch, seit dem 16.
jh. belegt, getriebene arbeit, getriebenes werk,
s. th. 4, 1, 3, 4538. II@C@1@bb)
ähnlich ist das seltene treiben
für '
im mörser stampfen': thue es (
das medicamentengemisch) in einen bleiernen mörser, treib und reib es zwölf gantzer stunden, bisz es zusammen gehet v. Hohberg
georg. curiosa (1682) 1, 277; für den stein in der blasen ist eine sondere gute artzenei, ... das man die kern von nespeln zu pulfer treibe Sebiz
feldbau (1579) 83. II@C@1@cc)
ebenfalls ähnlich das treiben
von knetbaren massen. backteig '
auswalzen': treibet den teig auf das dünneste als ir könnet in form oder länge v. Hohberg
georg. curiosa (1715) 3, 169
b; den teig mit einer walze plätten, in die länge und breite treiben Knothe
Nordböhm. 185;
vgl. auch Staub-Tobler 2, 1263
s. v. trölholz; Schöpf 754
s. v. austreiben.
in der töpferei ton '
formen': herstellung des gefäszes aus einem einzigen klumpen durch treiben Ebert
reallex. d. vorgesch. 13, 329
b;
so: du willst ein grosz gefäsz aus deinem tone treiben, und dennoch kömmt zuletzt ein töpflein von der scheiben
bei Gottsched
crit. dichtk. 12.
anders: erhabene ornamente werden erzeugt durch ... treiben von innen heraus Ebert
a. a. o. 333
a.
vereinzelt: von wachs, gar dünn getrieben, seind alle maur und wänd (
im bienenhause) Spee
trutzn. 98; ein dunkelbraunes haar, mit puder vorn bestäubt, das ein durchglühter stal in runde locken treibt Zachariä
poet. schr. 1 (1763) 38. II@C@22)
an einem körper eine von innen ausgehende bewegung hervorrufen. II@C@2@aa) '
blähen, schwellen' (
vgl. u. VI 3 a);
im ältesten beleg bildlich: wenn nu einer dis alles wolt unglimpflich treiben und auffmutzen (
odiose exaggerare)
confess. August. 108
Ranke; ebenfalls bildlich: denn ehr' und reichthum treibt und bläht, hat mancherlei gefahren Claudius
sämtl. w. (1775) 3, 82.
in eigentlicher bedeutung vornehmlich in wirtschaftlichen ausdrücken, den obd. maa. besonders geläufig: das kohlensaure ammonium hat ... in der bäckerei zum treiben des teiges verwendung gefunden Muspratt
chemie (1888) 1, 900; d' hebi tribt —
nämlich den teig Hunziker
Aargau 59; der kölch (kohl) treibt
bläht Jakob
Wien. 195; treibende oder triebige milch
blähende gärung im käs verursachende milch (
Schweiz) Martiny
wb. d. milchwirtschaft (1907) 129.
adjectivisches part. prät. getrieben '
gebläht': der bühel unterschied sich durch seine eigenthümliche wulstige und getriebene gestalt von allen höhen die ich sah Stifter 4, 1, 127; triben säu (triben
heiszt auch ein übernährter mensch) Friedli
Bärndütsch 1, 292. II@C@2@bb)
ähnlich in der bedeutung '
auseinander pressen', '
sprengen': mit gewalt von einanderen triben oder gespalten werden
per vim cuneari Frisius 352
b; man versucht ... durch mechanische hülfsmittel den kopf auseinander zu treiben, und was sich alsdann separiert, nimmt man als theile an Göthe II 8, 36
W.; das eisen ... dehnt sich im sommer aus und treibt mit groszer kraft das holz und den stein aus einander Liebig
chem. briefe (1844) 37;
in bildlichem gebrauch: jetzt rangen hugenotten und katholiken in gleich zweifelhaftem kampf; wüthende parteien trieben die ganze monarchie aus ihren fugen Schiller 7, 107
Göd.; freilich! der einfall ist auch drollig genug, so eine durchlauchtige hirnschale auseinander zu treiben
ebenda 3, 469. II@C@33)
eine pflanze durch geeignete einwirkung im wachsthum fördern (
vgl. o. B 5
und I A 4 b
β). II@C@3@aa) treiben
ohne object, das fördernde wirken auf eine pflanze bezeichnend; schon früh mit einem auffallenden vergleich: wann der samen frülings zeit in das erdtrich geseet (
wird), und nun herfür wechst und grünet, folget die werm und hitz des sommers, die da treibt, gleich wie das feuer die spiritus in einem alembico (
retorte) Nic. Winckler
kreuterchron. (1577) b 3
b (
vgl. dazu: das himmlische feuer, welches alle erdgewächse distilliret Harsdörffer
dt. secret. 2, 617;
u. o. B 2 e);
erst im 19.
jh. erscheint aber die bedeutung ganz geläufig: die sonne treibt in diesen thälern ... so stark, dasz das feinste obst in guten sommern gedeiht Dahlmann
gesch. v. Dänemark 2, 79; dasz ... das ammoniak wirklich das 'treibende' im guano und anderen düngemitteln ausmache, davon kann sich der landwirth selbst sehr leicht ... überzeugen Stöckhardt
chem. feldpr. 1, 46.
bildlich: durch die reise wurde der tag seines lebens jetzt zu warm und treibend Jean Paul
sämtl. w. (1827) 21, 30; (
die) motive werden einer ... behandlung unterworfen, welche, indem sie aus den im früheren liegenden keimen mit lebendig treibender kraft blüthe und frucht heranwachsen läszt, das interesse steigert O. Jahn
Mozart 4, 22. II@C@3@bb)
als fachausdruck der gärtnerei, seit dem 18.
jh. belegt. gewächse
u. ähnl. treiben,
in besonderen anlagen hochzüchten: treibhaus, ein gebäude, worin gewächse durch künstliche wärme getrieben werden Voigt
handwb. f. d. geschäftsf. (1807) 2, 511; gemüse wird in besonderen häusern bzw. mistbeeten getrieben Hampel-Kunert
handb. der gemüsetreiberei3 (1911) 6; ein reizendes zwiebelgewächs, sowohl zum treiben, als auch fürs freie land Schlechtendal
flora v. Deutschl.5 4, 34.
in der literatur nicht selten: die rosen auf ihren wangen ... hatten, wie alle blumen, die, durch kunst getrieben, zur unrechten zeit blühen, nicht den lebendigen frischen glanz, womit die natur zu rechter zeit ihre eigenen kinder schmückt Chr. Bode
Thomas Jones (1786) 5, 129;
im bilde: der humaniora edles reis das treiben sie mit eifer und fleisz v. Gaudy
sämtl. w. 1, 119.
mit object der wirkung; früchte treiben,
d. h. im treibhaus erzeugen: nicht weit ... liegen die glashäuser, worinn ... weintrauben getrieben werden Hirschfeld
theorie d. gartenkunst (1779) 4, 213;
bildlich: wer etwas von diesen dingen versteht, wird ermessen, was für gedanken ... dadurch in meinem kopfe 'getrieben' wurden, das wort im sinne der gärtnerei verstanden A. v. Berger
ges. schr. (1913) 1, 101. II@C@44) ein feuer treiben;
nur vereinzelt im 16.
jh.: so yemand zu hellen, lautern oder grossen kolfeurn, die man mit grossen blaszpelgen treiben musz, newe schmid oder feweresz ... pawen wolt
Nürnb. reformat. (1564) 152
b (
nicht in der fassung von 1484); deszgleichen sol ... spacium hinden im ofen sein, damit der wind dardurch in ofen hinauff gehen und das feuer treiben kann Ercker
mineral. ertzt (1580) 6
b;
bildlich bei Luther: da sthen sie, das treiben und blasen sie cum omnibus follibus 29, 164
W.; vgl. u. III C. II@C@55)
ohne bewegungselement, einen acker treiben, '
bearbeiten, bestellen': min acker hebben si gedreven met gewalt (1392)
bei Fidicin
beitr. z. gesch. Berlins 2, 114; vir hufen, di itzunt ackert unde drivet di meiger van der heren wegen (1466)
cod. dipl. Brandenb. I 10, 342; beinahe in halber huffen ackers, die ein joch treibet (
arare consuevit)
1. Sam. 14, 14; der acker (
ist) auch nicht so genieszlich, dasz ein pfarrer den selber treiben ... möcht Luther
briefe 5, 301
de Wette; ein brachacker ... ist trag und fruchtbahrer dann der acker so alle jahr getrieben wirdt (
requietus ager feracior ... restibili) Comenius
ian. IV ling. (1643) 136; gut getrieben land kann man höchstens zwei jahre schmal halten Gotthelf
schuldenbauer (1854) 70. II@DD. treiben
zur bezeichnung eines steten, gleichmäszigen bewegens ohne eine ortsveränderung; agitare, versare. II@D@11)
eine materie oder einen körper '
hin und her bewegen', '
rühren', '
schwenken', '
schütteln'
u. ähnl.: nimm blî unde brenne ez in einer phannun unde trîb ez mit ênir schinun unze ez verbrinne (12.
jh.)
arzneib. 122
Pfeiffer; der sand zu wäschen wird in das haupt (
des herdes) geworffen und mit einer höltzernen schaufflen getrieben Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. (1580) 269; nimb baumöhle, leinöhle, bleiweisz ... dieses alles in einem tiegel kalt durcheinander getrieben wird zu harter schwulst gebrauchet
M. Böhme
roszartznei (1618) 71; 'treiben
die butter rühren (
s. treibet)' Schöpf 753; (
an dem schwengel) ist ein schwer donholtz angeschlagen, aber kurtz, das es allso hinausz gschlossen, zwüschen zweien seulen getriben, hin und wider ghen möge Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. (1580) 143; si solten nun die bächer üben, gleich wie sie heut die ruder triben Fischart
glückh. schiff 25
ndr.; sie griffen zu der arbeit grosz, triben die ruder mit gewalt Spreng
Äneis 88
a; so treibendt sie und troffteren in (
den korb) im vasz (
agitant et succutiunt) Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. (1580) 235;
fachsprachlich: die papiermacher treiben den geschöpften zeug, wenn sie ihn in der form schütteln, damit die bogen überall gleich dick werden Adelung 4, 664;
vgl. zeuge-drijven de Bo
westvlaamsch id. 234
a; die lohgerber treiben die rindshäute, wenn sie selbige in die farbe oder beitze legen (
mit hilfe des treibbretts) Adelung 4, 664. II@D@22)
eine bedeutende entwicklung nahm treiben
als bezeichnung für die tätigkeit des '
stetigen drehens'. II@D@2@aa) ein rad treiben, '
drehen'
durch vitale oder mechanische kraft: peitest tu dih kehaben daz sueibonta rad, taz si tribet Notker 1, 57, 8
Piper; mit sinuuelbemo rade spilon ih, taz tribo ih
ebenda 60, 26; das wasser tribt grosse mülreder mit seiner sterck
Eulenspiegel 31
ndr.; sintemal die feldarbeit wie ein urwerck, da je ein rad das ander treibt, im gang gehn musz Sebiz
feldbau (1579) 559;
von den rädern in einem werk, die auf mechanischen umwegen ihre bewegung erhalten; im bilde: freude freude treibt die räder in der groszen weltenuhr Schiller 4, 2
Göd.; antiquiert erscheint heute zu gunsten von drehen: er (
Taillefer) treibt mein (
brunnen-) rad und schüret mein feuer gut Uhland (1864)
ged. 349;
für die wirkung mechanischer kräfte dagegen ist treiben
noch geläufig; so im bilde: bald scheint mir die stadt wieder ein groszes mühlrad von der Donau getrieben S.
Brunner erz. u. schr. 2, 38.
vgl. das andere ein rad treiben, '
schieben, rollen',
bei A 3 a. II@D@2@bb)
verbreitet war die redensart das rad, das rädlein treiben.
zur bedeutung vgl. den jüngsten beleg: wenn einer hülff und vorschub zu etwas thut, pflegt man zu sagen: er hat am wagen geschoben, das rad getrieben, ... butter und schmaltz zur suppe geben ... Lehmann
flor. polit. (1662) 409;
der ausdruck scheint vom spinnrad hergenommen zu sein, das durch treten mit dem fusz seinen antritt erhält (
s. a. rädleintreiber,
th. 8, 53),
zumal meist eine heimliche hilfe bei unredlichen sachen gemeint ist: der Hanns Imhof treib selbs das rad, als man die armen notet (1468) Liliencron
hist. volksl. 1, 564
b; Judas, seinr junger ainer, ist guet man. ... dem will ich iecz auch einspeibm (
einreden), das er mir mues das redl treibm
altd. passionssp. a. Tirol 283
Wack.; wil wol glauben, das der teuffel solches thu und helffe also das redlin treiben Luther 23, 368
W.; auch 8, 683; 10, 2, 57
u. ö.; Hans Sachs 13, 43
K.; die auch die scheiben heimlich treiben mit practiken und briefflin schreiben B. Waldis
streitged. 36
ndr.; s. a. ebda 12;
Esopus 1, 411
Kurz. II@D@2@cc)
auch sonst bezeichnet treiben
die bewegung des drehens (kurbel, kreisel
u. ä.): ein bruoder begund zem brunnen gan; er treip die kurben vaste und zoch an dem laste
Reinhardt fuchs v. 961
Grimm; es müssendt aber alle hespeler, sie treiben ein haspell wie sie wöllen, starcke leut sein Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. (1580) 124; der katze, die den bratspiesz treibt, vertrau den braten nicht Körte
sprichw. 241; wir rücken nicht vom fleck, wir treiben eine schraube ohne ende Mörike 3, 50
Göschen. auch das treiben
des kreisels bedeutet vorwiegend das 'drehen',
nicht die fortbewegung (
vgl. aber bei A 3 a
am ende): hie helt diu geisel, dort der topf: lâtz kint in umbe trîben Wolfram v. Eschenbach
Parzival 150, 17; den kreuschel treiben
turbinem agere B. Faber
thes. (1655) 32
b; mein kreuschel hüpfet froh umher, wenn ich ihn fleiszig treibe Chr.
F. Weisze
lieder f. kinder (1767) 60; wie ein getriebener topf herumhaspeln und wirbeln
F. M. Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 109.
menschen auf einem rad herumdrehen: soll dich nicht der triller treiben, lasz die narrenspossen bleiben Schiller 1, 214
Göd.; das glück, das glatt und schlüpfrig rollt, ... ist heute dir, mir morgen hold, und treibt die narren rund im rade E.
M. Arndt
ged. 175. II@D@2@dd)
einzelne technische besonderheiten: das rad treiben
spinnen Müller-Fraureuth 1, 246
a erklärt die stelle bei Fischart: wie kein kunst ist, ... ausz gutem flachsz gut garn treiben
Garg. (1594) 181
b.
allgemein verbreitet scheint treiben
als fachausdruck in der weberei: 'treiben
nennt der weber, wenn das garn auf die pfeiffen gewunden wird' Jacobsson 8, 9;
dazu spulen drîwen
spulen machen, spulen Schambach
Götting. 49
a. II@D@33)
vom rad wird treiben
übertragen auf räderwerk, die maschine. II@D@3@aa) eine mühle treiben.
meist steht als subject die kraftquelle der bewegung, aber auch der die betätigung des werks einrichtende mensch: item 3
m. dem olesleger vor di mole, ... mit sinen pferden zu triben (1409)
Marienb. tresslerbuch 587, 16
Joachim; die mühln getrieben mit der hand in dieser mesz man erstmals fand Mangold
marckschiff (1596) d 3; (
der esel) tribt auch die mülinen, wo man nit wassermülinen hat Herold-Forer
Geszners thierbuch (1563) 42
b; (
man konnte) auch die Ohlau, so auch etliche mühlen in der stadt treibt, ohne sonderbahre mühe abstechen v. Chemnitz
schwed. krieg 1, 453; das wasserrad treibt die mühle Kramer 2, 1123
c; diese mühle ... ging immer mit gegenwind unter den anderen umstehenden natürlich getriebenen mühlen W. Grimm
dt. sagen 1, 105.
in sprichwörtern und redensarten wird die grosze kraft hervorgehoben, die zum treiben
eines mühlwerkes nötig ist: man kan kein windmühl mit eim blaszbalg treiben Lehmann
flor. polit. (1662) 2, 789; ein rad treibt keine mühle Wander 3, 1455, 17; wasser ist das stärkste getränk: es treibt mühlen und trägt schiffe Lüpkes
seemannsspr. 130, 142; viel wasser treibt die mühle Schiller 11, 66
Göd.; und im gleichen sinne die schöne redensart, die schon im 13.
jh. erscheint: wirt, durh mich ein strâze gât ... wînes der wol tribe ein rat hœret ûf der strâze pfat Steinmar
bei Bartsch
Schweiz. minnes. 172; schenck ein, dasz ein müle treib Fischart
Garg. 141
ndr.; nur wein her, dasz er mülen treibt Kirchhof
wendunmuth 1, 236
lit. ver. II@D@3@bb)
ebenso von anderen werken verschiedenster art: wintmüln vier ... uz mangem wilden velle si blaspalge triben Johann v. Würzburg 11857; blasebalg treiben
noch bei Göthe 27, 335
W.; E. Zahn
helden d. alltags 220; instrument, die sich mit wind oder luft lassen treiben und bewegen
organa pneumatica Faber
thes. (1587) 628
a; das gleiche wasser treibt auch die springbrunnen v. Haller
tgb. 56
H.; etliche (
göpelwerke) werden mit 4, etliche auch nur mit 2 pferden getrieben Herttwig
bergbuch (1734) 189
b; ein herrlicher künstler von Nürnberg, ... welcher eine wiege, so durch ein uhrwerck getrieben würde, machen solle
alamod. technol. interim. (1675) 96;
im 18.
jh. besonders gern im bilde vom uhrwerk (
vgl. auch bei triebfeder): sie trieb ohn unterlasz das uhrwerk seiner sinnen Günther
ged. 1135; ihr erquickender brief läszt mich ins innre sehen, wo keine stahlfeder treibt, sondern ein lebendiger geist anregt Göthe IV 17, 109
W.; alle kräfte weben und wirken ..., die treibende gewalt ermattet nie, ... und so geht das grosze werk den allmächtigen gang Tieck
schr. 8, 14;
später von der dampfmaschine: eine, wie es schien, mit dampf getriebene ungeheure maschine Eichendorf
sämtl. w. 3, 171.
ebenso heute von jeder maschinell erzeugten kraft als subject. II@D@44)
ein besonderer anwendungsbereich ergibt sich bei dem subject kraft.
hier spielen verschiedene vorstellungen ineinander, von denen eine auch die von 3
ist. im wesentlichen datiert der gebrauch erst seit dem 19.
jh.: alle kräfte, die sein bisheriges leben trieben, wirkten mit vereinigtem stosz auf diesen punkt zusammen Justi
Winckelmann 1, 186; der reiz des gewinnes treibt jenen kreislauf W. H. Riehl
dt. arbeit 240;
vor allem mit dem part. treibend: die treibende kraft im staate geht durch eine natur der dinge, die sich nicht spotten läszt, nun einmal vom volke aus Dahlmann
frz. rev. (1845) 49; (
zu zeiten) täuschen sich die mutigen und hochherzigen oft vollständig über die treibenden kräfte des zeitalters Treitschke
dt. gesch. (1927) 2, 3;
mehr organisch empfunden wird die gleiche verwendung von subjecten wie seele, gedanke
u. ä.: aus dem jahre 1813 hassen die Franzosen ... mit vorliebe den Preuszen, seit sie erkannten und erkennen, dasz in ihm die treibende seele der alliirten wohnte H. Laube
ges. schr. 16, 46; (
den menschen) frei zu stellen, ... ist seit Sokrates der treibende gedanke, der lebensnerv aller philosophischen schulen Ivo Bruns
vorträge 319;
substantivisch: offenbar wird dieses treibende bedeutsamer in solchen stücken hervortreten, bei denen der hauptspieler die erste hälfte willenskräftig beherrscht Freytag
ges. w. 14, 107.
gelegentliche ältere belege auf anderer linie: etliche natürliche wesen ... seindt ... inanimatae, das ist, sie werden von keiner lebendigen krafft noch beweglichkeit bewegt und getrieben W. Büttner
dialectica teutsch (1588) 71
a. IIIIII.
mit abstractem object. III@AA.
in unmittelbarer vorstellungsabhängigkeit von bedeutungen, die an concreten objecten entwickelt sind. III@A@11) '
von der stelle bringen', '
jagen',
in anlehnung an I A
und B: III@A@1@aa)
nur vereinzelt mit zielangabe: o appel lebendige mausz, wie starcke angst treibst meim hertzen ein Fischart
geschichtkl. (1594) 122
b;
wohl nach dem lat. in lucem proferre: viel herlichs müst im finstern bleibn, wanns nit die kunst ans liecht thet treibn Gilhusius
gramm. (1597) 19;
ähnlich: kommt ein solcher in eine gesellschaft, so ist er ein krümchen sauerteig, ... er schüttelt, er bewegt, bringt lob und tadel zur sprache, treibt die wahrheit hervor Göthe 6, 21
W.; sonst durchaus im sinne von '
fortjagen',
mehr oder weniger stark bildhaft: nun bitt ich dich, jag in die flucht und treib hinweg die böse sucht Spreng
Ilias 10
a; so bald der mammon ... für ein gott gehalten wirt, treibt und verjagt er alle tugent hinwegk und besetzt die statt mit lastern und unbilligkeit Scheit
Grobianus 4
ndr.; falschheit ist bey hof erlaubt, warheit treibt man auff die seite Logau 307
Eitner; der Aunsorg und sin sün Stephan und Jos triben den krieg endlich ab Wellenpurg
chron. d. dt. städte 4, 102;
poetisch auch ohne nähere bestimmung des ortes im sinne von '
vertreiben': ach minnenclichiu Minne, gib helf, kunst ze stiur, ... wie ich im wider schribe daz im den jamer tribe Joh. v. Würzburg 7502; wie kan dein wort so krefftig sein, das es den todt solt treiben Ringwaldt
evangelia n 2
b; die sorgen treibt dein lächeln, machst weste süszer fächeln und gibst mir holde ruh Novalis
schr. 1, 185
Minor. III@A@1@bb)
in älterer zeit treiben von: sie mac wol fröuden triben von mir vil sendem manne Hadamar v. Laber 205; man sol laim mit essich anfeuchten, den solt du dem pferbt uberschlagen, ob und underhalb des brandts, das treibt die hitz vom schaden Seutter
hippiatria (1599) 67; treib deinen schlummer ab, treib von uns diese straff, erhalt uns noch auff erden Weckherlin
ged. 1, 338
lit. ver. besonders in der bedeutung repellere (
vgl. bei I A 1 a): siniu reht netreib fone mir
non repuli a me Notker
ps. 17, 23; treib, herr von mir und verhüte solchen unbeständgen sinn Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 419
a; wo sollen sie vor regen, sturm und wind, vor jedem ungemach des wetters sicher bleiben, und wie des winters frost fünf monden von sich treiben? Wieland
werke 5, 117
H.; ähnlich auch: talisman in carneol ... alles übel treibt er fort, schützet dich und schützt den ort Göthe 6, 7
W. III@A@1@cc) treiben aus: wer alle liebe nicht aus dem herzen treiben wil, der musz gegenwurtiges leit allzeit tragen
ackermann aus Böhmen 51
Burdach-Bernt; ... es treibet die ruth mit schmertzen die thorheit aus des kindes herzen Hans Sachs 10, 261
K.; wie vil sehlen hat deine wöhr ausz den stoltzen cörpern getriben Weckherlin
ged. 1, 129
lit. ver.; wenn nur durch diese verdrüszliche inoculation alles böse auf einmal aus dem körper getrieben worden ist Göthe IV 8, 347
W.; so wollte er ihm den narren schon aus dem kopfe treiben I 43, 342
W. III@A@1@dd) ein wort treiben (
vgl. auch 2 a),
bei Luther
vielleicht versinnlichung der unten IV B 1 a
verzeichneten redensart; nach I B 1: das wort weiden lessit sich nit szo melken und treiben Luther 7, 417
W.; wohl zu I A 1: weis nit, wie durch gotes geschick ich ins spil kumme, das ettlich tzur freuntschafft, ettlich auch tzur feintschafft mein wort fahen und treiben
ebenda 2, 80; thut deinen worten nicht das haar im nacken weh? du denest, du verwirfst, du stümmelst, zärrest, treibest Richey
bei Weichmann
poesie d. Nieders. 1, 247;
abstracter: der ganze nervus der schwürigkeit nun stehet darinne, dasz
m. h. herr sagt, man möchte localem praesentiam, kraft welcher corpus Christi ori corporis nostri
ἀδιαστάτως gegenwärtig sei, nicht zu sehr treiben Leibniz
dt. schr. 2, 88; III@A@22)
in anknüpfung an die vorstellung eines mechanischen vorganges. III@A@2@aa)
ausgehend von der vorstellung eines stoszens oder werfens: dîn lob ûf trîb an den got den schônen
passional 692, 22
K.; wer hatt ihe lesterlicher ... wort gehört, denn hie Emsser ausz seinem giftigen hellrachen in den himel treibt und stinckt? Luther 7, 668
W.; dein ruhm weisz auszer dem fast nichts von gräntz und schrancken, weil ihn der zeiten ruff bisz an die wolcken treibt Lohenstein
Arminius 1, f
a.
besonders treiben auf jem.,
zumeist in der bedeutung '
jemandem etwas anwerfen',
blasser '
zuweisen': swer dar zu mer rede nimt wan hi inne stent beschriben, uf den werde getriben der plage serde di dort hie inne si und ouch vort Hesler
apok. 23236; an alle beschwerunge irkeiner unrechtin, das si of die undirthone setzin ader treiben woldin (1496)
lehnsurk. Schlesiens 1, 466;
so noch 1618
in acta publica, verhandlungen d. schles. fürsten u. stände 1, 40
Palm.; oft bei Luther: widder den bösen geist, der nach uns scheusst (wie er hie sagt [
d. i. Eph. 6, 16]) mit feurigen pfeilen und auff unser gewissen treibt gottes gericht 34, 2, 402
W.; die gegenwärtige schmach, so bose mäuler auf das evangelium treiben
briefe 2, 380
de Wette; alle, die so viel lob und ehre auff sie (
Maria) treiben, ... sindt nit weit davon, das sie ein abtgot ausz ihr machen 7, 568
W.; '
beziehen': wer S. Peters wort (1.
Petr. 2) treibet auff die geweiheten priester Luther
u. Emser 2, 56;
etwas anders: heng dich nit an die losen gselln, dasz sie dich nit in unglück felln und zwifeltig straff auff dich treiben Hans Sachs 19, 27
K.; auch später nicht einheitlich: invidia hasz und ungunst so man auff einen treibt, wenn man etwas thut oder sagt, das man einen in ungunst bringe und verhaszt mache Frisius 730
a; ists nicht der teuffel, ist sein sach, das man auff mich solch ungemach thut treiben? Hayneccius
Hans Pfriem 50
ndr.; tela in aliquem undique intendere allerlei klagen und aufflagen auff einen treiben, einen nothdringen Corvinus
fons lat. (1646) 872; eine übelthat
etc. auf einen treiben wollen Kramer 2 (1702) 1123
c; es schmerzte ihn so sehr, da er die auf diese stille gestalt getriebenen leiden ansah Jean Paul
sämtl. w. (1827) 23, 50. III@A@2@bb)
bis ins 18.
jh. öfter in geldsachen; eine summe '
aufschlagen, auflegen': darzu so gibt mancher darumb nicht inn deine kästen, weil ihr darausz so wuchert, widder gottes gepot, und treibt einen pfenning auff den andern Wicelius
vom beten (1535) r 4
b;
meistens kosten treiben,
auf eine geldsumme: ir uwer botschafft mermaln ilend zu mir gesandt haben von eins par guldin wegen, und daruff vier guldin costen getriben Riederer
spiegel d. w. rhetoric (1493) r 5
a; so tribt ir kosten uff die sum, das ich darusz ietz nimmer kumm Murner
narrenbeschw. 76
ndr., oder auf ein liegendes gut: und sollent ouch hinnanthin eweklichen die fünfmanne ... keinen kosten uf das vorgenante antwerk triben (1400)
bei Schmoller
Straszburger weberzunft 18;
ebenso: wie weit die geistligkeit solchen ihren zuegeschriebenen rest auff die strittigen privatanlagen zue treiben ... haben werde
acta publ., verhandl. d. schles. fürsten u. stände 1, 45
Palm; am längsten erhalten in der bergwerkssprache: kosten auf die grube treiben ist so viel, als wenn einer in den tag hinein bauet und keinen überschlag der kosten wegen machet Herttwig
bergb. (1734) 247
b. III@A@2@cc) Luther
gebraucht treiben
im sinne des modernen '
einhämmern'
durch eifrige predigt: (
Luthers) sinn ist, die lehre der schrift den menschen, wie er sagt, ins herz zu treiben, gegenwärtige und künftige generationen damit zu erfüllen Ranke
sämtl. w. 2, 311; o was irthumb, boszer tuck und stuck sein durch solch kauckelspiel unter dem heiligen namen der christlichen kirchen ... insz arm volck trieben Luther 6, 615
W. u. ö.; danach: bis man diesen artickel wol in die zuhörer treibe, darff man vil zeit und vleisz dazu Eberlin v. Günzburg 3, 214
ndr. u. ö.; o hätte sein verstand mein innres wort gehört, ... wie hätt ich diesen satz in seine brust getrieben Schwabe
belustigungen 1 (1741), 33. III@BB.
mit räumlicher vorstellung, jedoch ohne directe anlehnung an eine bedeutung des concreten gebrauchs. III@B@11)
meist findet die räumliche vorstellung nur in einem ortsadverb oder einer ähnlichen allgemeinen bestimmung ihren ausdruck. III@B@1@aa) hinter sich treiben
u. ä. '
rückgängig machen', '(
ver)—
hindern'; '
zunichte machen'
; nur in älterer zeit gebraucht, vgl. hintertreiben: (
man setzte fest) ... swes die (
schiedsleute) über ein kæmen, daz daz stæt belib und niemen under sich trib Ottokar
reimchron. 70243; welcher es (
das fasten) aber thut williglich, dem wöllen wir es nit hindersich triben Eberlin v. Günzburg 1, 21
ndr., ebenso 2, 97; künden sie schon die sach nit wenden und hinder sich treiben Wickram 2, 155
Bolte, auch 1, 105; ... treib den häurat hinder sich, der schon im werck ist kräfftigklich Spreng
Äneis 139
a; anschlag die nicht gut sind, musz man mit geschickligkait zu ruck treiben G. Mayr
sprüchw. d 4
a; nun wolan, liebs meitlin, die weil es ie geschehen ist, so kan es nicht wider zuruck getriben werden Montanus
gartenges. 265, 23
Bolte. III@B@1@bb)
geläufig geblieben ist dagegen die vorstellung des vorwärtstreibens im sinne des '
förderns': mit allim vlîze (
er) darûf gînc, wî er des geloubin dinc vor getribe nutzeberlîch Nicolaus von Jeroschin 3689
Strehlke; der Reuszen abgesandt ist hiermit selbst bemüht und treibt das werk vor sich Gryphius
trauersp. 26, 157
Palm; daz dinc getriben was sô verre, unz daz ein grôzer werre zwischen in wart an getragen Ottokar
reimchron. 6274. III@B@1@cc)
am häufigsten etwas hoch, weit, aufs äuszerste treiben
u. ä.; dazu gehört auch: die herren selbs kerbreder werden, die dir versigelen und verschriben (
versprechen), das all deyn frindt nit naher (
höher) triben Murner
schelmenz. 16
ndr. (
vgl. th. 7, 286, 2). III@B@1@c@aα) etwas hoch treiben (
im werte),
magni aestimare, bei Luther: weil wir des glaubens lere so hoch treiben, das wir nichts predigen noch halten von guten wercken (
Jena 1567) 6, 53
b;
danach auch: weil sie unsern lehrgrund wegen des gewissen ewigen erbes, das wir so hoch trieben, altlutherisch ... fanden ... Zinzendorf
περὶ ἑαυτοῦ (1746) 240;
sonst etwas hoch, höher, aufs höchste treiben
u. ä., in seiner bedeutung '
es erhöhen, steigern'
; zuerst in geldsachen: die liute ... hânt geben von alter unde von gesatzter stiure niht mêr danne 21 pfunt Züricher. diu selben 21 pfunt sint inen hocher getriben so verre, das si hânt geben ... 40 pfunt Züricher (14.
jh.)
habsb.-österr. urbarbuch 81, 13; werde ich meine einkünfte nicht noch höher treiben? Göthe 23, 19
W.; andere zeitereignisse trieben die preise ... zu einer ungewöhnlichen höhe E.
M. Arndt
sämtl. w. 1, 60;
ähnlich: ferner ... solten die gesandte ... die anzahl zu rosz und fus, sambt deroselben unterhaltung und richtige bezahlung so hoch immer möglich treiben v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 180;
freier: weil eine iede sprach höher nicht kan getriben, oder tiefer ergründet werden, als eben durch mittel der durchleüchtigen poësie Rompler v. Löwenhalt 1.
gebüsch (1647)
vorred 000 3;
so sehr häufig gebraucht im 18.
jh.: man musz aber auch die lächerlichen charactere nicht zu hoch treiben Gottsched
crit. dichtk. 649; derjenige unter den schriftstellern ... ist gewisz der gröszere, der es am besten versteht, durch die magie der sprache unsere gesunkenen empfindungen auf ihre erste höhe zu treiben v. Thümmel
reise 7, 350; wenn ich deiner freunde schmerz gleich aufs höchste wollte treiben Neukirch
ged. 24; es ist gewisz in der welt nie ein solches ensemble gewesen und man kann den schein, die representation nicht höher treiben Göthe IV 8, 367
W.; später seltener: dieses ist ein zeichen hoch getriebener bildung Schopenhauer
werke 1, 87
Gris. III@B@1@c@bβ) etwas weit, weiter, zu weit treiben
u. ä.; schon bei Luther: es darff auch wol ein masz, das man nit zu weit treibe den namen, das man sie ein konigin der himel nennet 7, 573
W.; sonst reichlich seit dem 18.
jh.: ich bin auch dabei, die sache zu untersuchen, sie dürfte aber schwerlich weiter zu treiben sein Lessing 18, 465
M.; ich will diesen einwurf fahren lassen, ob er gleich weiter getrieben werden kann Wieland
Agathon (1766) 2, 62; es war mir sehr angenehm zu hören, dasz die gestrige aufführung um vieles besser als die erste gegangen ist; es läszt sich nun überlegen was man thut, um nach einer pause die dritte noch weiter zu treiben Göthe IV 14, 18
W.; weiter läszt sich nun die kennerschaft in dieser richtung nicht treiben W. Schlegel im
Athenäum 1, 2, 85; dann schlug ich aus ungenügen in den realismus um und trieb diesen, soweit es möglich ist Ludwig
ges. schr. 5, 84; eine vielleicht zu weit getriebene sorge für die interessen des allerhöchsten dienstes Bismarck
ged. u. erinn. 2, 32
volksausg. III@B@1@c@gγ) etwas aufs äuszerste, auf die spitze treiben
u. ä., nicht vor dem 18.
jh.: eine sache aufs äuszerst treiben
sollecitare, premere una cosa all' estremo Kramer 2 (1702) 1124
a; seine eulenspiegelei aufs äuszerste treibend, bestieg er auch den wagen G. Keller
w. 5, 19; mit gar manchen dingen bin ich auf dem rechten weg und musz sie nur auf die spitze treiben Göthe IV 9, 116
W.; das geschraubte und überreizende ist so auf die spitze getrieben worden, dasz der umschwung nothwendig ganz nahe sein musz Droste-Hülshoff
br. 305
Schück.; epigramme treiben den gedanken auf die spitze und übertreiben W. H. Riehl
freie vortr. 1, 7; so möchte ich davor warnen, ... die consequenzen gleich auf die spitze der doctrin zu treiben Bismarck
pol. reden 4, 69;
anderes ist occasionell: seit dem der weise von Stagyr dem denken regeln vorgeschrieben, und unsre forschende begier bis auf den höchsten punct getrieben Gottsched
ged. (1751) 1, 168; die indiscretion ihres bruders ist unverzeihlich, sie treibt mein unglück auf den höchsten grad Göthe 23, 305
W.; auch II 2, 183; IV 8, 315
u. ö.; das sind leute, die ihr leben bis auf den gipfel treiben v. Hippel
lebensläufe 3, 1, 97. III@B@1@dd)
mit unbestimmtem object, es weit treiben
u. ä. (
vgl. u. IV A 3): wie es dann eines die h. Maria Aegniacensis dem laidigen satan ... so weit getriben, dasz er in gantz trutziger gestalt vor ir erschinen Abr. a
s. Clara
Judas 1 (1686) 8; gewisz, guter, theurer schwager, sie können es in der deutschen prosa zu einer vorzüglichen höhe treiben Schubart
briefe in D. Fr. Strausz
werke 8, 53; ich werde mich eigends ihm zu liebe mal herausputzen,
d. h. mein schwarzseidnes kleid anziehen, denn höher kann ich es nicht treiben Droste-Hülshoff
briefe 306; vaterrecht ist ein weites wort, ... er kann es weit damit treiben — weit! — doch aufs äuszerste treibts nur die liebe Schiller 3, 413
Göd. III@B@22)
die räumliche vorstellung kann auch in einer bestimmteren angabe, die meist einen endzweck oder endeffect bezeichnet, ihren ausdruck finden; meist in individuell gestalteter sprache. III@B@2@aa)
mit der vorstellung des hoch treibens (
s. o. 1 b
α): und vermaint, man hette denselben zol gestaigt und uf ainen schilling triben J. v. Watt
dt. hist. schr. 2, 300
Götzinger; wie etliche geitzige Polasen thun, die auff benante tage zinse auff heben, und frisch widerumb dasselb auch auff zinse treiben Luther 6, 53
W.; nichtsdestoweniger hatte es nicht die concurrenz eines anderen, ebenfalls auf die höhe des jahrhunderts getriebenen hotels aushalten können Gutzkow
ges. w. 7, 475;
häufiger im sinne eines weit treibens: ... weil die kaiser sich schreiben mehrer desz reichs, so müssens treiben ihre herrschafft in die gantze welt Ayrer 1009
K.; nein, gott bewahre mich! in jene welt hinaus will ichs nicht treiben Schiller 3, 501
Göd.; insbesondere zu einem gewissen ziel oder ende: dat wart so tzom end gedreven (1476) Wierstraet
beleeg v. Nuys 1271
Meisen; das project war schon gemacht, denen, so die reichsverfassung zu triplischem end treiben wollten, sich entgegen zu setzen Leibniz
dt. schr. 1, 167
Guhrauer; fieng an zu reden von des reichs not und schweren sachen, treib aber die gantze rede dahin, das der könige schuld gewest were Luther 26, 548
W.; bis auf das fieber müssen sie die sache nicht treiben Gellert
sämtl. schr. 3, 307; könnten und möchten sie das werk bis zur aufführung treiben, ohne dasz ich eine probe sähe, ... so bliebe ich noch eine woche hier Göthe IV 16, 79
W.; könnte man die nachahmung des naiven in den sitten bis zur höchsten illusion treiben ... Schiller 10, 426
Göd.; Sulla hatte die wahl mit Cinna, vielleicht mit Strabo es zum bruche zu treiben Mommsen
röm. gesch. 2, 262; wir treiben den hof zum konkurs Frenssen
Jörn Uhl (1902) 299;
dazu auch die ursprünglich bergmännische redensart zu sumpf treiben: 'grube zu sumpff treiben
ist alles in der gruben weg hauen und nicht bergmännisch bauen' Junghans
gräublein ertz (1680) c 3
a;
vgl. auch Veith
bergwb. 6; wenn das thor zu nahe beim rathausz stehet, so wird ein regiment gemeiniglich zu sumpff getrieben Petri
d. Teutschen weiszh. 2, A a a 7
a; es dürffte wenig fehlen, dasz nicht das gantze corpus endlich zu sumpff getrieben wurde v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 150. III@B@2@bb)
zuweilen ist das endziel eine veränderung der qualität oder quantität der getriebenen
sache: es war eben so natürlich, dasz sich ein mensch von seiner denkungsart durch diese achtung verleiten liesz, sie zu etwas höherem zu treiben. er hatte geschicklichkeit genug gehabt, sie in liebe zu verwandeln Lessing 2, 299
L-.M.; wenn der blick lange auf der tafel verweilt, so wird das geforderte blau das fordernde gelb wieder gegenseitig fordernd steigern und ins gelbrothe treiben Göthe II 1, 36
W.; soll ich nun zur that das, was mein herz beschlosz, gleich morgen treiben? Göckingk
ged. (1780) 2, 207; dieses vorurtheil bis zu überzeugung zu treiben, erforderte es vielleicht weniger, als das edle äuszere des fürsten Klinger 3, 126; denn mein schweigend herz liebt gott so innig, dasz ich alles gern zu tönen triebe Cl. Brentano
ges. schr. 2, 498;
quantitativ: ein fehler, wenn er zu einer ungewöhnlichen grösze getrieben worden, ist doch ein merkwürdiges ding Lessing
in briefe d. n. literatur betr. 3, 92; man kann sagen, dasz in seiner unabhängigkeit er diese eigenschaft ... bis zum übermasz treibe Göthe 41, 2, 180
W.; der könig hielt dieses staunenswerthe ereignisz für erfunden, oder wenigstens von den neidern und feinden seines lieblings ins grosze getrieben C.
F. Meyer
der heilige6 140. III@CC. treiben
im sinne eines '
förderns'
ohne erkennbare räumliche hilfsvorstellung. diese art des gebrauchs ist schon seit dem 18.
jh. in allen zweigen abgestorben. s. a. das Luther
eigentümliche treiben '
fördernd behandeln'
bei IV C 3. III@C@11)
meist '
im fortgang fördern': der kunic bat in trîben gegen den herren sîne sach Ottokar
reimchr. 2092; (
eine) substantz, welche das gedeien des wachsthumbs treibt Thurneysser
alchymia (1583) 5; ich hab es angefangen mit meinen listen und will es treiben mit meinem schaden Albrecht von Eyb
spiegel d. sitten (1511) d d 1
a; was du dann erlesen, das treibst du, starker held Paul Gerhardt
ged. 185
Göd.; die stände und städte aber erinnere er, ... das sie ... das vom könige wol angefangene ... werck anitzo ... also treueiferig treiben und fortsetzen helfen wolten v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 11;
so auch einmal spät: der lebendige glaube treibt nicht nur sein werk direkt durch beweisung des geistes und der kraft Lange
gesch. d. materialismus (1866) xi.
insbesondere eine sache (vor gericht) treiben:
advocato advocat, der einem seine sachen vorm gericht fürdert, oder treibt Hulsius (1618) 2, 49
a;
offenbar ein alter ausdruck: ist doch biszher verschwigen blieben, bisz Claudius die sach hat trieben Hans Sachs 2, 12
K.; zuletzt gebucht von Kramer: seine sache bei der obrigkeit, bei dem richter treiben 2 (1702) 1124
a. III@C@22)
auf eine sache hinwirken, etwas zu erreichen suchen, vgl. betreiben 2.
schon ahd. in der übersetzung von id agere: ih treib taz unz hara
id vero hactenus egimus Notker 1, 261
Piper; so bis ins 18.
jh.: (
Mätzel) sprach: daz tät ich alles gern, wolt er mich der e gewern. der mäister sprach: lasz mich es treiben H. v. Wittenweiler
ring 60
Bechst.; ich weisz wol, das diser miszbrauch leider tieff ist eingerissen; darumb müessen wirs wol treiben, das wir den irthumb uszrotten Luther 12, 483
W.; on mein treiben und suchen
ebenda 7, 280; solche und viel andere mittel braucht der teuffel, damit er die menschen ins hurennetz bringe, und solches treibet er mit aller gewalt B. Schupp
schr. (1663) 509; wil man nun leben recht und wol, ja stets in Christo bleiben, so mus auch Christus libe vol dis selber in uns treiben J. Rist
seelenparadis 2, 132; auch war er nicht gekommen, das letzte wort zu behalten, ... sondern die künstler seelig zu machen; und das treiben alle seine handlungen und reden Claudius
sämtl. w. (1782) 4, 142; lauer indesz trieb mans, der homerischen götterlehre einen tieferen sinn einzuwürgen J. H. Voss
antisymbolik 1, 3.
ebenso mit bestimmtem object: er aber liesz sich darumb von der arbeit und gefahren nicht abwendig machen, sondern trieb die stürmung der stadt zu allen theilen noch hefftiger Wurstisen
historien (1572) 2, 333;
beliebt im 17.
jh.: was mögen doch meine herren oheimbe vor ursache haben, meine verheirathung so stark zu treiben? Buchholtz
Herkuliskus (1665) 418; in selbiger nacht ... kommt Sextus Papirius von Rom mit schreiben vom Tiberius, in welchen er ... die reise des Germanicus hefftig treibt Lohenstein
Arminius 2, 1310
a; iren frommen treiben und iren schaden wenden v. Brandis
landeshauptleute v. Tirol 67;
später seltener: (
die freier) treiben die hochzeit, und ich ersinne verzögrung Voss
Odyssee 351
Bernays; als ... bald jede heirath und andere sachen der vornehmen häuser durch beginen getrieben wurden Joh. v. Müller
sämtl. w. 21, 114. IVIV.
mit einer tätigkeitsbezeichnung als object; '
eine beschäftigung ausüben', '
etwas üben, pflegen',
agere. in allen germ. sprachen mit ausnahme des got. belegt, vgl. vanda dr. Cleasby-Vigfusson 106
b; sprǽce dr. Bosworth-Toller 212
b; wald dr. Richthofen 693; wehsal, mên, gewin dr.
bei Sehrt
Heliand 83; Verwijs-Verdam 2, 414. IV@AA. treiben
ist in dieser verwendung synonym mit tun
und machen,
entwickelt aber auf grund seines durativen charakters eigentümliche anwendungsmöglichkeiten. IV@A@11)
etwas in längerer arbeit '
ausführen, vollziehen',
gerere. IV@A@1@aa)
in allgemeiner anwendung; bis ins 17.
jh. unbeschränkt lebenskräftig. IV@A@1@a@aα)
oft mit verbalem substantiv oder substantiviertem infinitiv, seltener anders: ir tribent handegen uuig mit saldolichero
proelium cum omni fortuna nimis acre conseritis Notker 1, 297, 5
Piper; der (
Tarquinius) wird sein krieg (
gegen Rom) nicht lenger treiben Ayrer 426
lit. ver.; er schickte den knaben schnelle hin zuo den seitenspilern fin, das sie tribent ir seitenspil Hans v. Bühel
königstochter 5649
Merzd.; der knecht wurd ungetultig, vermaint der abt wolt ain betrug mit im treiben Knebel
chron. v. Kaisheim 367; fragt der knecht: sag mir edler weidman, wie vil hat der edle hirsch heut widergäng gethan? antwort der jäger: sechs oder sieben hat der edle hirsch heut widergäng getriben Sebiz
feldbau (1579) 566; billich, wer grewlichheit thut üben an dem wirt grewlichheit getrieben Fischart
flöhatz 35
ndr.; d' sach, die ietz albreit von uns getriben, bleibt ewiglich alzeit verschwigen
Endinger judenspiel 41
ndr.; der streit ... wurde ... mit einer auszerordentlichen hitze getrieben Wieland
gesch. d. gelehrtheit 75
Hirzel; ihr habt nur meine (
gestickten) bilder nicht gesehn, sonst triebt ihr nicht mit solchem tand ein rühmen Fouqué
held d. nordens (1810) 2, 17.
die ausdehnung des vorgangs ist häufig besonders ausgedrückt: als er das geigen ein weile trib, hub die frau ein wenig ein fusz zu regen
V. Schumann
nachtbüchl. 20
Bolte; treib mit dem messer klepperns vil Scheit
Grobian. v. 3070
ndr.; grosz seuffzen manche stunde ohn aufhörlich er trieb Zinkgref
auserl. ged. 49
ndr.; der kleine windfang wil grosz pralens damit treiben Weise
klügst. leute (1675) 49.
zuweilen erhält in dieser verbindung mit treiben
das object complexen gehalt und das verb frequentative färbung: (
ich) wil iu sagen ... die nôt, die die phaffen triben mit des riches teil Ottokar
reimchr. 2707; Jeremias muszte auch unter dem fromen könige Sedechia allen jamer sehen, so das hofgesinde treib Luther (
Jena 1567) 6, 145
b; denselben lustplatz der künig mit einer mauren umbfahen liesz, seinem hoffgesind darauff alle freund erlaubt zu treiben Wickram 1, 206
Bolte; (
vor dem lager) triben die feind etwan vil trutz Aventinus
bayer. chr. 4, 569
Lexer. anders freude
oder leid treiben,
sie eindringlich äuszern: mässiget ewer betrübnusz, dann leydt zutreiben bringt unserm geschefft keyn forderung
Aymont (1535) s 6
b; nu hoirt doch, wat groïzer noit Maria die reine juncfrouwe dreif
bei Schade
geistl. ged. 220;
ähnliche ausdrücke sind in älterer zeit sehr häufig; wer mit worten möcht je nun zeichnen ab, wasz jubel mancher sorten alsdan sie trieben hab Spee
trutzn. (1649) 72. IV@A@1@a@bβ)
mit ausgesprochenen collectivbildungen: von wegen des kläglichen gebarens, so die zwei mit einander triben Wickram 1, 105
Bolte; da fand er sie bei zweien knechten sitzen, essen und gelächter treiben
buch d. liebe (1587) 286
a; es ist ihr steter brauch, sie treibet ihr gehöne Weise
überfl. ged. 55
ndr.; sind viele, die allerhand regelgeschwätz treiben über das, was dem dichter obliege Klopstock
gelehrtenrepubl. 166; ein wüstes gesänge, welches diese leute bei ihrer arbeit trieben Weber
veränd. Ruszland bei Herder 25, 391
Suph.; welch getöse der föhn heut wieder treibt Zach. Werner (1819) 24.
febr. 26. — die schiltbürger wahren handtlich daran mit ihrer narrei und trieben solche so viel, das sie es in gewonheit brachten
schiltbürger (1598) 146; also möcht einer auch solche geisterei treiben und sagen ... Luther 26, 282
W.; stümpelei treiben, sich mit stümpelei (mit stümpeln) behelfen Kramer 2 (1702) 1025; es ist ein postjunge, der ... viel trompeterei treibt Lichtenberg
Hogarth. kupferst. 3, 196; was zum henker treibst du für mummerei? Göthe 8, 9
W.; man weisz ja, was junge mädchen für schriftstellerei treiben Bauernfeld
ges. schr. 1, 141. IV@A@1@a@gγ)
im nachsatz zur wiederaufnahme einer vorhergehenden aussage: (
es) mecht ein ieder weber und tucher in acht tagen lernen kuttenieren, dennoch dürfte er das nit triben, er müst das umb tuchscherer koufen (1516)
Straszburger weber 125
Schmoller; meist mit bezeichnung der häufigkeit oder dauer der tätigkeit: hub derhalben an zu schreien: kuck kuck! suche mich! das tribe sie oft und vil Lindener
katzipori 71
lit. ver.; trink den dritten theil (
der medizin), wann du wilt schlaffen gehen, das treib 3 tag Wirsung
arzneib. 541
b; bald ging es mit dem sehen ganz vortrefflich, als habe ich es mehrere zeit hintereinander getrieben E. T. A. Hoffmann 10, 18
Grisebach. verschiedene tätigkeiten zusammenfassend: Riczardo ... anhube ir zu hoffirn, zu stechen und prechen und alles das thet, daz er umb frawen Catella getun het ... daz treibe er also lange, das sich sein iederman wunder nam Arigo
decam. 195
K.; ich werde (
beim Faust) nur vorerst die groszen erfundenen und halb bearbeiteten massen zu enden und mit dem was gedruckt ist zusammen zu stellen suchen, und das so lange treiben, bis sich der kreis selbst erschöpft Göthe IV 12, 169
W.; bisweilen wird das vorausgegangene in einem wort noch einmal zusammenfassend bezeichnet: allso stach man zwu oder drei stund, und denn so tantzet man, denn so asz man. das wesen und freydenspil tryb man viertzehen tag (1509)
Fortunatus 73
ndr.; ... diese lebensart trieb ich mehrere monate Schiller 4, 71
G. IV@A@1@bb)
tadelnd mit meist pluralischen objecten abschätziger bedeutung, die auf treiben
selbst übergreift: er ward vast hochfertig und traib unzimliche ding Füetrer
bair. chron. 158
Spiller; (
die gaukler) sein gern bei den fürsten, uff den stuben, da sie ir abenthür treiben Keisersberg
brösaml. 1, 40
d; als Clawert das schlosserhandwerck bei seinem meister auszgelernet, auch viel seltzamer schwenck daselbst getrieben ... Krüger
Clawert 8
ndr.; ob auch einer oder mehr weren, die verrätherei oder andere böse stück trieben Fronsperger
kriegsbuch 1, d 2
a; (
ich) werde nicht mehr lose händel treiben Chr. Weise
überfl. ged. 104
ndr.; ein böses weib, das stündlich lärm und zank im hause trieb Ramler
fabellese 3, 226; wenn er seine späsze getrieben hat, ists ihm gut Klinger
bei Sauer
stürmer und dränger 1, 73; (
Philine) trieb voll übermuth allerhand ungezogenheiten Göthe 21, 212
W.; geschichten erzählen oder geschichten treiben, wie wir es nannten E.
M. Arndt
sämtl. w. 1, 47; (
madam B. soll) nicht wieder aufs theater haben herausgehen wollen, ... (
worauf Mozart) der sängerin gesagt habe: madam, was treiben sie für zeug? O. Jahn
Mozart 3, 122; wir sahen im theater 'nacht und morgen'; es wurde ziemlich gut gespielt, aber wir trieben lauter unsinn und lachten, statt zu weinen Moltke
ges. schr. 6, 77. IV@A@1@cc)
farblos mit indefinitem object; oft mit tun
oder ähnlichen verben verbunden: die jungen neuen liebhaber ... alles das triben, das edel leuten zustet Arigo
decam. 269, 4
K.; du aber halt dich in gutem fried und lasse jenen werben und treiben was er wil J. Arnd
Thomas a Kempis (1631) 100; wir trieben (
in der familie Breitkopf) manches gemeinschaftlich, und der älteste componierte einige meiner lieder Göthe 27, 178
W.; die neuere welt ist den worten hingegeben, das mag sie denn so weiter treiben und haben IV 40, 141
W. vereinzelt auch ohne object als '
allerlei verschiedenes thun': komme noch dir gute nacht zu sagen. hab getrieben und geschwärmt bis jetzt IV 2, 294
W.; der bettler, der schiffer, die nachbarinn, der advocate und sein gegner. alles lebt und treibt und läszt sichs angelegen sein III 1, 260; gebietend dem weibe: du bleibe, weib, bleibe! befehlend dem manne: mann, trachte und treibe! Stelzhamer
ausgew. dicht. 3, 347
Rosegger. so besonders häufig im relativ- und fragesatz: si lieber, was gestu treiben? wir wellen heint hie pei einander pleiben
altdt. passionssp. a. Tirol 478
Wackernell; auch was sich endt und uns entweicht, ... davon nit mer dem menschen bleibt, dann wes er guts auf erden treibt Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 151
c;
hierbei sehr oft tun und treiben: (
ich soll) beschreiben, waz er (
Ulenspiegel) getriben und gethon hat in welschen und tütschen landen (1515)
Eulenspiegel 3
ndr.; (
ich) wuszte nicht mehr was ich treiben, was ich lassen, woran ich mich halten sollte Bräker
sämtl. schr. 1, 237; dich führt alles, was du sinnst und treibst, tief in dich selbst Göthe 10, 229
W.; (
er) klettert auf den schroffen bergen, wandelt zwischen klipp' und brandung ... was er sonst treibt? — 's ist ein Deutscher, und wer weisz, was diese treiben? Scheffel
ges. werke 5, 7; so hatte doch diese andacht ... keinen anteil an dem, was ich des tages that und trieb Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 7, 4;
unpersönlich: zu dieser dämmerstunde wars, als ich einsam hinaus mit meinen sorgen schlich und wenig dachte, was es drauszen treibe A. v. Droste-Hülshoff 1, 80;
eine veraltete art der verbindung: was gefährts treibst du hinter dem ofen? W. Grimm
deutsche sagen (1891) 2, 127.
auch mit der präposition mit: was übrigens hier mit dem kunsthandel getrieben und gewonnen wird, ist unaussprechlich Göthe IV 8, 85
W.; was jetzt die dienstmädchen mit uns treiben, das ist schon nicht mehr schön
zs. f. dtsche mundarten 6 (1911) 66. IV@A@22) '
etwas dauernd tun, üben, pflegen',
assiduare; im 16.
und 17.
jh. gern mit üben
verbunden: fortuna tribet so unrehten wehsal
versat ... tantas vices Notker 1, 39, 20
Piper; wieo lango wellent ir daz triben, daz ir unreht irteilent fure reht
usque quo iudicatis iniquitatem Notker
ps. 81, 2; entlich lont die untreu selbs dem der sie übet und treibet Agricola 750
sprichw. (1534) c 1
a; daz zutringken ist nichts wert, aber iderman treibts Schwarzenberg
Cicero (1535) 81
b; der sagt so greulich ding von dem bapst, das er von jugent auf getriben, das inen die hare entpor stigen Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 120
b; wir loben wol die alten, aber wir treiben unsere weis Stumpf
Schweizerchron. (1606) 359
b; ... darmit wir unsere liebe ungehindert treiben und pflegen möchten
bei Creizenach
schausp. engl. com. 221, 30; dasselbe, was die herrschende gewonheit der welt als gültig zulesset ..., übt und treibt man Schottel
friedens sieg 10
ndr.; delikatesse und wohlanständigkeit wurden bei keinem volk des alterthums so getrieben, als bei diesen (
den Athenern) Schiller 9, 178
Göd.; auffallend: (
der name ehrenfreuderin,) welchen man zu gemeinlich gibt der musa, die sie (
die laute) treibt und übt Fischart
lob d. lauten 357
Hauffen. in dieser bedeutung besonders von beruflicher tätigkeit (
s.B 2): ein jeder aber, der recht schreiben und rechnen kan, findet seine stelle noch wol in dieser welt, und wann er solches treiben mag, wird er nicht hungers sterben Harsdörffer
secretarius (1656) 1, 16; ein jeder treibt das seine, ... nur musz er es mit ganzer seele treiben Hölderlin 2, 198
Litzm.; menschen, die ein durchaus gefährlich metier treiben Göthe 33, 123
W.; sie sollen ... sehen und hören, was die chemie ist, was sie treibt Stöckhardt
chem. feldpred. 1, viii. IV@A@33) es treiben,
von einem handeln, das nicht näher bezeichnet werden kann oder soll. IV@A@3@aa)
es schwebt eine bestimmte tätigkeit vor: ich magz niht lenger trîben. ob man dem singer niht gât wîn, sô wil erz lâzen blîben (
anf. 14. jh.)
Herzog Ernst 205
b Bartsch; damit ichs nicht lenger treibe (
ne plura) Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. (1621) 17; die kleinen sitzen beim mahle und treibens in dem saale Mörike
werke 1, 65;
es soll etwas verhüllt werden: dem Demosthene ward es für ein unehr nachgesagt, dasz er ... mehr bei dem liechtschein schrib, als es bei dem weine trieb Fischart
Garg. 28
ndr.; und wenn dir mein wackerer jäger gefällt, so lasz ichs mir kosten ein gutes stück geld, dann können wirs ferner noch treiben Bürger 61
Bohtz; ihr mann hatte ihr den S. Troilo Orsino zur hütung hinterlassen, aber dieser triebs selbst mit ihr, und man glaubte, dasz Virginio und Virginia von ihm herstammten Heinse
sämtl. w. 7, 175.
sonst heiszt es mit jemand treiben
nur '
mit jemandem umgehen': ich hab es mit dir getriben manig jar und tag
Christus u. d. minn. seele 106; seht! mit zöllnern und mit sündern treibt ers, — speist mit ihnen gar Cl. Brentano
ges. schr. 1, 321. IV@A@3@bb)
mit bestimmung der art und weise, '
sein handeln, sein leben einrichten; handeln': auch haben wir gehört, wie ... die gottfürchtigen und gottlosen ... in der welt gelebet, gewachsen und es getrieben haben Luther 16, 1, 30
W.; wie es einer treibet, so gehets ihm
M. Pfuntelius
magnificat (1598) 121
b; willst du dich selber erkennen, so sieh, wie die andern es treiben Schiller 11, 170
Göd.; ihr nennt auch oft etwas unbesonnen, was nur nicht so ist, wie ihr es alle tage treibt Tieck
schr. 5, 41;
vorwurfsvoll: ja, es ist ohne beispiel, wie sies treiben Schiller 14, 297
Göd. so sind auch es arg, bunt, toll treiben (
vgl. zu 1 b
und B 1)
fest geworden: es kann und mag ie nit erger werden, den es der romische stuel treibt Luther 6, 454
W.; treibt es nur nicht zu bunt, damit es euch nicht reue Leberecht Blaustrumpf
vier ged. (1746) 9; ich treibs hier freilich toll genug Göthe IV 3, 15
W.; anderes occasionell: gröber, denst juden theten treiben H. Sachs 1, 229
K.; zu Altdorf, im studentenkragen, trieb ers, mit permisz zu sagen, ein wenig locker und purschikos Schiller 12, 33
Göd. IV@A@3@cc)
ganz blasz in der euphemistischen redensart es nicht lange mehr treiben, '
bald sterben': er lies sich bald im anfang seiner kranckheit mercken, das er es nicht lange mehr treiben würde
wie Melanthon sein leben beschlossen hat (
Wittenberg 1560) 10
a;
so in umgangssprache und dichtung bis heute; vereinzelt: mich däucht, ich treib es nicht mehr weit maler Müller
w. 3, 320;
auch übertragen: (
Adelheid:) schach dem könig. (
Bamberg:) es ist noch auskunft. (
Adelheid:) lang werdet ihrs nicht mehr treiben Göthe 39, 52
W. gelegentlich auch positiv: wenn ichs länger auf erden treiben sollte Bräker
sämtl. schr. 1, 57;
redensart: 'es treiben bis Martini
bis Martini ausreichen, sich durchbringen mit der lebensnotdurft' Birlinger
wb. z. volkstüml. 26. IV@A@44)
anzumerken ist eine besondere anwendung des part. präs. act. und des part. prät. pass. IV@A@4@aa) treibend
in passivischer bedeutung (
dass. s. bei I B 2 c
und II A 3 b),
zu treiben IV A 1 '
ausführen': ein parenthesis ... soll stehendt zwischen den jetzt treibenden vorreden und den fünff büchern des beschlusz Paracelsus
opera (1616) 1, 2
H.; welchen (
zweck) ewre königl. majestet nunmehr ... durch die beharrlichkeit dero siegreichen waffen, und darunter fort und fort treibende mühesame friedenstractaten erreichet und erhalten v. Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 6. IV@A@4@bb) getrieben
in der bedeutung von exercitatus, '
geübt': ich habete dir wol mere gescriben, niuwan daz du bist also wole getriben,
quod scis colligere multa de paucis (
Tegernseer brief, 12.
jh.)
bei Vogt
minnesangs frühl.3 224; das ungetribenen liuten ist ein griuse, das ist dem getribenen ein herzen froede meister Eckhart
bei Wackernagel
leseb. (1839) 889, 32;
mit dem gen. der ergänzenden bestimmung: er waisz all historien und ist der poetrye getryben (
peritus)
N. v. Wyle
transl. 17
K.; von der liebe verner zuschreiben, ist nit mein ... meinung gewest, auch pin ich des nit getriben und geubet A. v. Eyb
dt. schr. 1, 11
Herrm.; vgl. a. bedreven
brem.-nieders. wb. 1 (1767), 251. IV@BB.
feste verbindungen und redensarten. IV@B@11)
aus dem allgemeinen bereich von A 1 a
u. b: IV@B@1@aa) wort, rede, gespräch treiben;
vom 14.-18.
jh. häufig, heute nicht mehr im gebrauch; (
anders ein sprichwort treiben
s. u.C 4;
vgl. auch III A 1 d, 2 a): mensch der vil wort kan und tribt, claffig
multiloquax Diefenbach 370
c; du wilt allweg der gschicktist sin und tribst da wort, ich schisz dir drin H. R. Manuel
weinspiel v. 1900
Odinga; also wurden vil freundtlicher wort von Leufriden ... und den andren junckfrauen getriben Wickram 2, 314
Bolte; hat hievor zu Schaffhausen ... etwas wort getrieben, die den eidgnossen zu hertzen giengen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 748
a; Frantzosen tragen schuld, dasz so sie, wie sie schreiben, nicht reden auch; dazu so, wie sie worte treiben, gar selten sind gesinnt Logau 71
lit. ver.; anders bei Herder,
s. u. bei 2 e. sölich bös rede treib man von ime Seuse
dt. schr. 67
Bihlm.; als nun die götter an dem ort triben dergleichen red und wort Spreng
Ilias 60
a; gedenckt und sinnt ein wenig nach den reden, die er triebe Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 341; gleisznerei treibt und macht übel geschrei, frömmigkeit wenige rede treibt W. Wille
denksprüche (1781) 8; ein gespräch, welches der trunckene Coridon mit der hönischen Rosilis getrieben Weise
überfl. ged. 147
ndr. IV@B@1@bb) spiel, kurzweil, possen treiben (
s. a. C 2 den narren treiben).
nicht gerade oft bei spiel
in engerem sinne: got gebe, dasz mer das spiel so triben, dasz mer got da midde eren
Alsfelder passionssp. 3, 76
Grein; heil sey euch allen in gemein! beruffen kummen wir herein, ein tragedi bey euch zu treiben Hans Sachs 12, 432
K.; danach elliptisch zu verstehen: entzwischen den essen tribend sy aber von unsser frowen, von den dry küngen, von Herodes und vast vil köstlicher dann vor (1431) v. Richental
chron. d. Const. conzils 99
lit. ver.; (
der narr von Bamberg) wölcher stehts den einzug, marter und aufferstehung getriben Nas
antipap. (1569) 2, c 1
a.
weiterhin: eins mals setzet er im fur, ritterspill zu treiben in der stadt Neaples
Magelone 30
Bolte; meist als '
unterhaltung' (
collectives, oft pluralisches obj.): (
die mönche) sind guter ding und treiben spill Alberus
fabeln 166
ndr.; wolt lieber spielen und kurtzweil treiben, dann lernen lesen oder schreiben Gilhusius
gramm. (1597)
prol. 11; der macht uns guter bossen vil und treibt visierlich affenspil Scheit
Grobianus v. 2562
ndr.; da treiben die weste manch fröhliches spiel Th.
Z. Becker
mildenb. liedb. (1799) 63; in dieser blumengesellschaft also wurden allerlei spiele des geistes getrieben Herder 15, 194
S.; Mozart, der gern tanzte und possen trieb, pflegte sich auf maskeraden auszuzeichnen O. Jahn
Mozart 2, 15;
auch sein spiel treiben: (
Cupido) treibt sein gewohntes spiel, so er schon längst getrieben v. Hoffmannswaldau
auserl. ged. 2, 139; ihm träumte nicht, dasz gar die heuchelei ihr loses spiel in Nettchens herzen triebe v. Göckingh
ged. (1780) 2, 213.
der meist passive partner ist besonders angeführt; spiel, sein spiel
oder kurzweil treiben mit jemand
oder etwas: der minneklich got mit diner minnenden sele tribet sin minnespiel Seuse
dt. schriften 20
Bihlm.; ich bit euch all, faszt hie kein zorn, dasz ich mein bossen mit euch treib Scheit
Grobianus v. 92
ndr.; das ir Rom wöllen lassen bliben kurtzwil mit disem büchlin triben Hutten 4, 265
Böck.; ich fürchte, oberst Buttler, man hat mit euch ein schändlich spiel getrieben Schiller 12, 259
Göd.; (
im walzer von Strausz) wird mit nachschlagenden noten oder mit einer auftaktnote, der nichts weiter folgt, ein neckisches spiel getrieben
F. M. Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 272. IV@B@1@cc) scherz, spasz, spott treiben
u. ä.: mercket auf, ich treib kein schertz Spreng
Ilias 3
b; weg vorwitz, weg! treib hier nicht spott, du alles unheilz zunder (17.
jh.) J. P. Titz
bei Fischer-Tümpel 3, 139;
etwas anders bei pluralischem object: Reinke sprach: oheim laszet doch bleiben solche beschimpfte spötte zu treiben
Reinicke fuchs (1650) 64; so war die opera buffa dort (
in Wien) damals weit besser zusammengesetzt und trieb ihre echten kunstspäsze weit ernstlicher und ganzer als irgend eine truppe derart in Italien (1783) Reinhardt
bei O. Jahn
Mozart 4, 159. spott treiben
usw. mit einem (
s. oben teil 10, 1, 2692): die jungen man von erst meinten die frauen triben ir abeisz (
ineptia, s. abweis teil 1, 150) mit in Arigo
decam. 13, 4
K.; Hans Sachs 2, 45
K.; also wollen sie mit einem ehrlichen manne ihren spasz treiben C.
F. Weisze
lustsp. 2, 251; treibe niemand mit der wahrheit scherz Herder 23, 88
S. bis ins 17.
jh. ist aus
an der stelle von mit
geläufig (
vgl. teil 10, 1, 2692): die sich selber nanten got, aus den so trieb er seinen spot Seifrid
Alexander v. 78
Gereke; Arigo
decam. 384, 30
K.; bei Luther
und Hans Sachs
häufig; die juden aber trieben ihr gelächter drausz Fr. Spee
güld. tugendb. (1649) 50.
mit anderen präpositionen: aber euren spott, den ihr jetzt an uns treibet, thue ich doch weniger denn nichts achten
bei Creizenach
engl. com. 27, 4; dasz, wer an ihn nur gläubt, von dir jetzt ein gespötte treibt Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 339
a; diese lose gäste aber, die über seine pralerei nur ihren spott trieben Abr. a
s. Clara
etw. f. alle 2, 7. IV@B@1@dd)
von '
unerlaubten fertigkeiten und neigungen' ( Adelung),
wie unzucht, böser geldwirtschaft, religiösen verfehlungen; die zahl der gebräuchlichen verbindungen ist in der neuzeit stark zurückgegangen: sieh wie er wollust treibt und pracht Hutten
opera 3, 458
Böck.; dasz ich aber mit euer mutter bulerei getrieben
bei Creizenach
engl. com. 41; seitdem Thalia und Melpomene durch vermittelung einer französischen kupplerin mit dem nonsens unzucht treiben Göthe 37, 229
W.; absolution für jede nonne, die hurerei treibt Klinger
werke 3, 239. — do hat in der bapst gen Rom citiert, im schuld geben, er treib simonei Hutten
opera 5, 368
Böck.; ein hauptman soll ... nicht ... seinen wucher oder finantzerei mit dem gelt treiben Reutter v. Speir 2; das recht, wucher zu treiben,
d. h. geld gegen zinsen auszuleihen Eichhorn
rechtsgesch. (1821) 2, 524. — der weisze teuffel ist ärger als der schwartze; der weisze treibt geistliche laster, der schwartz treibt sünden, welche auch heiden vor sünden halten Lehmann
flor. polit. (1662) 767; daraus denn folget, wie frum erber leutt der bapst und ihr papisten seyt, die ihr nit mehr thut, denn solchen aberglauben treibt Luther 7, 670
W.; abgotterei treiben Luther 6, 210
W.; dasselbe in anderm sinn: eine sehr lebhafte tante, die früher abgötterei mit mir getrieben hatte Göthe 26, 53
W.; wer kann fliegen, als wer zauberei treibt Alexis
Roland v. Berlin 1, 25. IV@B@1@ee)
eine reihe von ähnlichen verbindungen ist seit dem 19.
jh. abgestorben: dis alles sieht man täglich an ir groszen hoffart und unkeuschait und in unrechtem gewalt und in mancherhant boszheit die si stifften und treiben haimlich und offentlich Tauler
pred. (1508) 159
b; was treibstu erd und aschen stoltz und hochmut?
Züricher bibel (1531) 273
b; hastu hochfart getriben mit schönem har, schir es ab Berth. v. Chiemsee
theologei 522
Reithm.; die völcker Scythe treiben den pracht mit reiten und mit rossen Eppendorff
Plinius (1543) 75; zwen burger von Loden ... klagtend sich groszes übermuts und gwalts, so die von Meiland mit inen tribtend Tschudi
chron. Helv. 1, 75; der schlucker! und doch treibet er gleich reichen prunk und pracht Ramler
fabellese 3, 111; komm Sara, lasz uns muthwillen treiben, hier ist der weg dazu Klinger
werke 1, 198; mit ihm kann man nur witz und übermuth treiben Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz 132.
bis heute gebraucht ist unfug treiben: (
Manfreds fiedler) triben solhen unfuoc, daz im die stete wurden gram Ottokar
reimchr. v. 354; den alten unfug, der bis auf Kant mit einem dinge an sich getrieben worden ist Fichte
sämtl. w. 1, 19.
neu an die stelle von pracht, prunk
trat luxus treiben: nachts wurde, wenn wir luxus treiben wollten, auf den kirchenschwellen kampiert v. Gaudy
sämtl. w. 2, 90. IV@B@22)
in der anwendung von A 2
etwas '
gewohnheitsmäszig betreiben'
als dauernde beschäftigung oder beruf. IV@B@2@aa) werk, geschäft, gewerbe
u. ä. treiben: wir konnen nicht alle einerlei werck thun, sondern ein iglicher musz eins für sich treiben; ein man ein anders, denn ein weib, der knecht ein anders, denn der herr Luther 12, 348
W.; treib dein erbeit und handel wie vorhin 8, 215;
nicht mehr üblich: ein ieder ist besorgt, was er für nahrung treibe Logau 315, 20
Eitner; im duncklen treibet er (
der dieb) seine nahrung G. Cober
cabinetsprediger (1783) 1, 7;
bis heute gebräuchlich dagegen: aus denen geschäfften, so die menschen ihnen zu treiben fürnehmen Butschky
Pathmos (1677) 11; ich arbeitete in meiner werkstatt und trieb mein geschäft Göthe 43, 179; der wie ich zugleich den acker bauen und andere niederträchtige hantierung treiben musz Hebbel
sämtl. w. (1891) 6, 260.
besonders fest ist gewerbe treiben (
vgl. auch oben teil 4, 1, 3, 5509
ff.): weltlich gewerb treiben an geweichten stetten ist todsünd Keisersberg
brösaml. 1, 88
a; so oft ain namb im burger- und steuerregister gelesen wierdet, so beschicht ain umbfrag was er von seinem getribnen gwerb oder hantierung geben sol
österr. weisth. 10, 57, 24; der mit der wohltat nicht gewerb und handel treibt Rachel
satir. ged. 85
ndr.; will er genieszen den vatersegen, kinder und enkelein um sich pflegen, treib er ein ehrlich gewerb in ruh Schiller 12, 53
Göd.; alles dichtet, man treibt poesie als freies gewerbe; jeder als meister sich dünkt, eh er geselle noch ward
Weimar. jahrb. 5 (1856) 15. IV@B@2@bb) kauf, wechsel, kaufmannschaft
u. ä. treiben
sind vor dem 18.
jh. ausgestorben: anderen chouf nemugen uuir mit imo nieht triben Notker 1, 322, 12
Piper; das ... auch andere underkeuffer an anderem gewande underkauf, wechsel und stiche triben und machen mogen (15.
jh.)
Frankf. amtsurk. 212, 32
Bücher; swer ... choufschatz tribet in der stat (1322)
bischöfl. satzungen ... in Zeitz 1, 44
Bech; da einer kaufmanschatz treibt usz gitickait Keisersberg
brösaml. 1, 90
a; dae kumpt man off einen kleinen platz, ... dae sii iere kouffmenschaff driiven Arnold von Harff
pilgerfahrt 41
Groote; viel treiben kauffmanschaft auch mit der töchter ehen v. Besser
schriften (1732) 1, 73;
im 17.
jh. nicht selten: solten sie beiderseits die commercien frei, sicher und ohn einige molestation exerciren, üben und treiben v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 220.
am verbreitetsten und bis heute lebendig ist handel treiben: doch iren handel (
sie) in Engelant nicht lieszen, den stäcz triben Arigo
decam. 67, 2
K.; wenn einer jetzunder ein weib genommen ..., will seinen handel treiben und sich erneren, so musz er zuvor ... ein ampt 3 jar lang tragen Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 292; diese zeit über kroch ich so immer zwischen furcht und hofnung unter meiner schuldenlast fort, trieb mein händelchen und arbeitet U. Bräker
sämtl. schr. (1789) 1, 204; der handel wurde ... durch compagnien getrieben Möser
sämtl. w. 3, 172; die Phönizier, die zuerst anfiengen, den handel ins grosze zu treiben Fr. Fischer
gesch. d. dt. handels 1 (1785) 113,
vgl. teil 4, 1, 6, 496 f; Ruszland fing an, sich in der reihe der handel treibenden seemächte zu zeigen Forster
sämtl. schr. 4, 96; er trieb jetzt mehl- und getreidehandel Timm Kröger
wohnung d. glücks 158.
daneben in gleicher bedeutung handlung
und handelschaft treiben,
im 17.
u. 18.
jh. nicht ungewöhnlich (
vgl. teil 4, 2, 406): kurtz hierauff entschlosse sich mein ältester bruder ... in fremde länder zu reisen und daselbst handlung zu treiben. in diesem vorhaben nun verkauffte er alle seine güther, erhandelte sich davor solche kauffmannswaaren, damit er seine handelschaft ... füglich treiben möchte Bohse 1001
nacht (1711) 87; ... von lauter Türken bewohnt, die eine gute handlung mit seide und baumwolle treiben Stilling
werke 3, 32
Grollm.; handelschaft treiben
auch im 19.
jh.: doch treib ich auch eine handelschaft Rückert
werke 1, 136; Stifter
sämtl. w. 5, 1, 106. handel und wandel zu treiben Micrälius
altes Pommerland (1641) 2, 142; sonst können sie handel und wandel treiben, womit und mit wem sie wollen Lenz
ges. schr. 3, 310
Tieck. IV@B@2@cc)
ein handwerk oder andere bestimmte geschäfte treiben: do nam ich mier vir das seilerhandwerck zu triben Platter 59
Boos; all ir burger, die da handwerck tribend v. Richental
Constanzer conzil 33
lit. ver.; bildlich: man sagt: es könne den charakter verderben, wenn man verstellung als handwerk treibt Göthe 16, 10
W.; was mich betrifft, so sehe ich nur immer mehr ein, dasz jeder nur sein handwerk ernsthaft treiben und das übrige alles lustig nehmen soll Göthe IV 12, 224
W. bergwerk, bergbau treiben: (
es sollen die besitzer) adir wer sulchs bergwerck mit irem willen treiben wirt, uns und unsern nochkomen bischoffen zu Breszlau alsovil als bergwercks recht ist ... geben (1477)
cod. dipl. Silesiae 20, 96;
ähnlich v. j. 1680
ebenda 21, 238; bergwerck triben
minerare (
Augsb. 1512) Diefenbach 362
a; der bergbau ist daselbst bald von einer gesellschaft, ... bald wider von der gemeinde und bald abgesondert getrieben ... worden v. Lori
baier. bergr. (1764) xxxiii; dasz, so viel auch (
von dem Cölestin bei Dornburg) noch in der flötzlage verborgen sein möchte, man doch keinen bergbau darauf treiben könne Göthe IV 28, 127
W. ackerbau, viehzucht, schiffahrt, jagd treiben
erscheint nur in jüngeren belegen: wie solten denn leute, die den ackerbau treiben und der see nicht gewohnt sind, etwas sonderliches ausrichten J. D. Heilmann
peloponn. krieg (1760) 166; die leute (
im tal Valorbe) sind gut gebildet und gesittet. neben dem holzverkauf treiben sie die viehzucht Göthe 19, 234
W.; eine ackerbau und viehzucht treibende neolithische bevölkerung ... in mitteleuropa Hoops
waldbäume (1905) 103; sie selber treiben nicht schiffahrt Bürger
w. 202
Bohtz; wie stark die jagd bei den Deutschen getrieben worden, sieht man aus der groszen sorgfalt, die sie für die sicherheit der hunde und habichte trugen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 355; lasz mich hier beim vater bleiben und mit ihm das weidwerk treiben durch das bergige revier Müllner
dram. w.2 16.
früher auch: werder ritter, spür: wilt du die wappen triben, so must du allen wiben dienstlich underthenig sin Matthäi
minnereden 1, 8, 515; ritterschaft treiben
ist bis in das 16.
jh. nicht selten: wer treybet ritterschaft ye mit seynem soldt?
erste dt. bibel 2, 82
la.; nieman schuldig ist ze triben und ze volbringen ritterschaft ane gebung sunderlichs soldes Stretlinger
chron. 94
Bächtold; mein vetter Hugo hat ein grosz hertz, nach hohen sachen tracht auffwertz, ritterschafft ztreiben und darbey schlemmen, spilen und bulerey Hans Sachs 13, 6
K.; ähnlich: seyt ich barfuser orden treib, ghe ich stets parfuss wie ein ganns Hans Sachs 9, 414
K. IV@B@2@dd)
ausgestorben ist ein recht
oder amt treiben: dasz kain person in dises closters dorfern ... kain gerechtigkait der vogtei da treiben oder sich understen soll ... Knebel
Kaisheim 200
lit. ver.; daz keinir meistir recht treibin sal, her habe denne ein elich getrauit weip (1454)
Neumarkter rechtsb. 274; welcher weder burger noch maister sei und sich doch understehe ... aigne werckstat zu halten, maisterrecht zu treiben, gesellen zu furdern (
Nürnberg 1581)
in anz. f. kunde d. dt. vorzeit n. f. 24, 256; ein amt treiben
auffallend häufig vom pfarramt, vorgebildet in: mit peten, singen und mit lesen hat er getriben bisz an sein endt die pfar zu Prücklens vorgenendt
pfarrer v. Kalenberg 102
ndr.; häufig bei Luther: das ampt füren und treiben Luther 12, 309
W.; weil es denn gott selbs wolgefellet ... solt ein herr ja mit lust und liebe sein ampt treiben, obs gleich voller mühe und erbeit ist
bibelübers. 7, 362
Bindseil (
vorr. üb. d. proph. Daniel); (
der weihbischof v. Konstanz schreibt gegen Luthers lehre) dann wa die selbig (als yetz angefangen) fürgang, hette er nit lang weichbisofflich ampt zu treiben Philadelphus Regius
von luth. wunderzeichen (1524) a 2
a; so bald ein prediger darnach trachtet, wie er reich werde, so treibt er sein ambt nicht mehr recht J. A. Quensted
ethica (1678) 231; ich höre so viel guts von euch, als man von einem geistlichen sagen kann, das heiszt: ihr treibt euer amt still und mit nicht mehr eifer als nöthig ist Göthe 37, 155
W. IV@B@2@ee) kunst
und wissenschaft treiben,
sich damit beschäftigen (
s. a. u. C 3 Luther): wöllet solches meinem unverstand zurechnen und das ich die hohe kunst der poeterei noch nit vil hab getriben
V. Schumann
nachtbüchl. 2
Bolte; sämtliche künste lernt und treibet der Deutsche; ... eine kunst nur treibt er und will sie nicht lernen, die dichtkunst Göthe 1, 314
W.; es ist gut, dasz Berlin keine capitale ist wie Paris und dasz man ... die wissenschaften treiben kann, ohne erst die Berliner akademie um erlaubnisz zu fragen Görres
ges. br. 3, 139; ich treibe nur musik, nicht politik, ästhetik, litteratur, noch weniger intrigue H. v. Bülow
br. u. schr. 5, 259;
auffallend: virtuosen ... die dies herrliche instrument (
klavier) mit feuer treiben Schubart 5, 197. wissenschaften, studien, ein fach
u. dgl. treiben
ist in verschiedenen variationen geläufig: vnd fürnemlich die grammatic, als das nötigste stück, für und für treiben und uben, damit die knaben gute und gewisse grammatici werden
kirchenordn. f. Braunschweig (1569) 346; und wenn der catechismus ein mahl geendiget, so soll er widerumb angefangen und für und für also getrieben werden
ebenda 39; dasz die mathematischen wissenschaften auf schulen getrieben werden, lasse ich gelten Rabener
sämtl. w. 2, 8; die ordnung, ... nach welcher die verschiedenen disciplinen und studien mit der jugend getrieben werden sollen Lessing 8, 23
L.-M.; ob er philosophie treibt oder alte sprachen oder physik und chemie ...: mir völlig gleich! wenn er nur etwas besseres thut, als die elegante masse privilegirter tagediebe Holtei
erz. schr. 7, 43;
so heute vor allem: latein, griechisch, spanisch
usf. treiben.
auch: nachdem er vor einigen jahren viel Göthe gelesen hatte, wendet er sich nun mehr zu Schiller und treibt daneben Spinoza J. Grimm im
briefw. m. Gervinus 2, 105;
eigenartig: treiben sie nicht worte, als ob keine sachen dazu in der welt vorhanden wären Herder 10, 315
S. IV@B@2@ff) politik treiben
ist eine junge verbindung: auszer den jesuiten, die eine politica de dios noch lange trieben Herder 17, 326
S.; ich erwiderte: wir hätten nicht eines richteramts zu walten, sondern deutsche politik zu treiben Bismarck
ged. u. erinn. 2, 65
volksausg.; wir können politik nur mit dem Frankreich treiben, welches vorhanden ist
ebenda 1, 179; er treibt diplomatie, nicht politik Fontane
ges. w. I 1, 208. IV@B@2@gg)
auszerhalb einer beruflichen tätigkeit vom allgemeinen gewohnheitsmäszigen handeln u. verhalten; nicht mehr gebräuchlich: künclichen siten mit richen wirden zu aller zit traip si (
die königin) Johann v. Würzburg
Wilhelm v. 15738; ich hab dich droben gnug gelert, was dir für zucht zum tisch gehört, und was du solt für mores treiben Scheit
Grobianus v. 1512
ndr.; fest aber bis heute ist: ein wesen, sein wesen
oder unwesen treiben: treiben ein wesen ut heiden et tamen volunt esse christiani Luther 34, 1, 165
W.; die schaf treiben nit vil wesens, haben aber vil woll S. Franck
sprichw. (1541) 1, 116
a; über das lithographische wesen wie es jetzt in Dresden getrieben wird Göthe III 3, 320
W.; Emilie Berlepsch hat ein ungeheures unwesen mit vorlesen in Göttingen getrieben Caroline 1, 93
Waitz. sein wesen treiben
ist seit dem 18.
jh. ungemein häufig, von menschen und tieren, besonders auch von inconcretem, wie: der satz bleibt unbewegt: dasz unsre seele nicht verwese, sondern treibe ihr wesen immerfort Triller
poet. betr. (1750) 1, 61; wie im traum erinnerung und phantasie ihr wesen gegen einander treiben Göthe 25, 228
W.; ein dogmatismus, der noch heute sein wesen treibt Lange
materialismus (1866) 10; beide waren in jener stimmung, wo ... das trunkene auge in den menschen umher nur schattengestalten erblickt, die wie in einer andern welt ihr wesen treiben
M. Meyr
erz. a. d. Ries 1, 23; (
die reiher) treiben ihr wesen gern im stillen Naumann
vögel 9, 7.
vom tun der menschen sehr oft bei und seit Göthe: nun geht es wieder gut und ich treibe mein wesen wieder fort IV 29, 218
W.; ich ... wunderte mich, Philinen ... so frisch und munter ihr wesen treibend mir abermals begegnen zu sehen I 33, 4
W.; Enoch heiszt die stadt, in welcher die menschen ihr unruhiges wesen treiben Klinger
werke 6, 88; der tisch, an welchem herr Jacques sein wesen trieb G. Keller 6, 120; jetzt treibt er wieder sein wesen mit dem Bonapartisten Frantz Bismarck
ged. u. erinn. 1, 155
volksausg. IV@CC.
auszergewöhnliche anwendungen. IV@C@11) treiben
in der bedeutung '
tun'
verwendet man gern im wortspiel mit der bedeutung '
forttreiben': ... dasz ich in meiner jugend auch die malerei trieb. ich trieb sie mit solcher gewalt, dasz sie immer weiter, weiter und eiliger vor mir hinweg floh Tieck
ges. nov. 10 (1839) 130;
in sprichwörtlichen redensarten: treibt einer seine nahrung nicht, so treibt und jagt die nahrung gewiszlich den wirt Weidner
apophth. (1653) 200; ik wet wol bat ik driwe, wann'k en iəsel vör mi hewwe Wöste
westf. 58
b;
s. a. Mensing 1, 858; de hat schon alles gedri, äss nur kän schlacken (
schnecken) of Metz Follmann
lothr. 105
a,
vgl. o. I B 1 b.
altverbreitet ist der spruch: treibs, so gehets S. Franck
sprichw. (1545) 1, 12
b; es gehet nicht den ersten ruck; treibs, so gehts Lehmann
flor. polit. (1662) 1, 29;
noch geläufiger: wie man die arbeit treibt, so gehet sie
ebenda 46; nur lasz die felder nicht aus faulheit brache liegen, denn wie mans treibt, so gehts Günther
ged. 423; 'denn wie mans treibt, so gehts!' meinte ich, sei auch in der geschichte glücklicher weise kein gemeinplatz, sondern eine eiserne wahrheit G. Keller
ges. w. 3, 27;
auch mundartlich in allen teilen Deutschlands: as man't drifft, so geit' Mensing 1, 858; wi mer et drift zo giet et Leihener
Cronenberg. 24. IV@C@22)
als wortspielerei mit narretei treiben
darf auch die vorwiegend alem. redensart den narren, den gauch, den schalk treiben
gelten (
s. a. th. 4, 1, 1, 1529
u. th. 7, 361):
dulce est desipere in loco es ist lieblich und angenäm ... zu seiner zeyt und gelägenheit narrächtig seyn, oder den narren treyben Frisius 399
a; vor dem tisch was ein heid, der treib den narren (1530)
Morgant bei Staub-Tobler 4, 780; der geist treibt sein narren Paracelsus
op. (1616) 2, 110
H.; kanst du den schalck noch so wol treiben, ich wil dir auch ein bossen reiszen Hans Sachs 14, 93
K.; es rührete uns alle, wie die pilger so herzlich redeten, und wir konnten einmahl jetzt nicht den narren treiben Pestalozzi
Lienh. u. Gertrud 1 (1781) 43;
auch den narren treiben mit jemand:
pro ridiculo ac delectamento putare aliquem ... mit einem kurtzweylen und den narren treiben Frisius 1060
a; (
Horaz) habe so ganz erträglich geschrieben und meistens mit witz und laune, oft scharf, doch ziemlich fein, (die schnaken abgerechnet) den narren mit narren getrieben Wieland
sämtl. w. 15 (1855), 241; (
gedruckte verhandlungen von groszräten) mit denen man ... höchstens den narren treiben kann wie mit einer jungen katze Gotthelf
geld u. geist (1852) 179. IV@C@33) Luther
gebraucht treiben
in der bedeutung '
sich mit etwas beschäftigen'
mit stark activem element: (
mit bez. auf Röm. 15, 1-3) diese weiszheit haben die apostel und Christus selbs seer triben, und nach disen weisz ich keyn buch mer, darynn es triben sey. es ist wol zuweylen gerurt, aber nyrgent getriben, aber das eynig buch des newen testaments treibt es ymmer dar und gehet allenthalben damit umb, das es den leutten wol einbild den schwachen und starcken Christum 12, 513
W.; besonders vom predigen: die, szo das evangelion recht predigen und treyben 12, 537;
ganz eigen: darinne stimmen alle rechtschaffene heilige bücher über eins, das sie alle sampt Christum predigen und treiben
bei Bindseil 7, 465;
im gleichen sinne treiben und üben: drumb mus man verbum imer treiben und uben 23, 726
W.; ebenso: den glauben treiben und darinn unterrichten 32, 353; darumb mus man das gesetz hart treiben und die sunde wol ausstreichen 26, 221.
die häufigkeit dieser anwendungsart bei Luther
verursachte ihr fortleben, meist in theologischen schriften, bis in das 18.
jh.: das euangelium zwinget, das man die leere vom glauben sol und müsse jnn der kirchen treiben (
urgere doctrinam)
augsb. conf. 104
Ranke; der dienst aber des geists ... ist den heiligen geist predigen, die kraft des lebendigen worts treiben S. Franck
parad. (1558) 277
b; der Gentianus offentlich bekent, dasz es wol war sey, das allezeit je und allwegen leut geweszt seien, so ... eben dieselbige lehr geführt haben, welche nun die Lutherischen und Hugenotten treiben Fischart
bienenk. (1588) 2
b; die heiligen propheten und apostel haben beydes miteinander fleissig getrieben Joh. Arnd
Thomas a Kempis (1631) a 3
b;
noch bei Kramer: eine lehre treiben
insegnare assiduamente, instantemente una dottrina teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1124
b;
zuletzt: da wird sonderlich das wort von der versöhnung in unserer gemeine sehr starck getrieben (
gepredigt)
beschreibung von Herrnhut (1735) 16. IV@C@44) ein sprichwort treiben, '
es häufig gebrauchen'
: tritum sermone proverbium ein allgemein breüchlich sprüchwort, das yederman vil treybt und sagt Frisius 1304
a; ... ein alt sprichwort wird getrieben: grosz herrn haben an allem endt grosz orn Hans Sachs 11, 68
K.; desshalb treybet das sprichwort ir allhie in Israel dem land ...
ders. 15, 235; die drey sprüch, die der lacedemonische Chilo zu treiben pflegte, wurden ... zu Delphis geschriben Heyden
Plinius (1565) 48. VV.
reflexiver gebrauch von treiben
ist nicht häufig. V@11) sich treiben
als '
sich rasch bewegen' (
vgl. I A);
schon mhd.: da mitt der held sich von traib (
fugit et evasit) K. v. Helmsdorf
spiegel v. 2514;
in der neuzeit offenbar aus dem schwäb.-al. wieder in die literatur gedrungen; meist mit der vorstellung einer ziellosen bewegung (
heute nur noch sich herumtreiben): der taumel reiszt sie (
Almansaris) fort, sich mitten in den schwarm der walzenden mit ihm hinein zu treiben (1780) Wieland
werke 5, 190
H.; beliebt und mannigfach bei Göthe,
aber nicht vor der Weimarer zeit: auch in wüsten treibt sie (
die rache) sich, zu suchen, ob nicht da und dort in letzten höhlen ein verruchter sich verberge (1781/3) 11, 27
W.; ach, was soll der mensch verlangen? ist es besser, ruhig bleiben? klammernd fest sich anzuhangen? ist es besser, sich zu treiben? 1, 65
W.; ungebeten und ungewarnt nimmt sie (
die natur) uns in den kreislauf ihres tanzes auf und treibt sich mit uns fort II 11, 5
W.; doch dasz das geschriebne bleiben sollte, sich durch länder treiben, ... kam ihm, in der engen schule ... wahrlich niemals in den sinn 4, 22
W.; auch 4, 97; 29, 52
W. und öfter. von den späteren belegen mögen mehrere auf das vorbild Göthes zurückgehen, doch bleibt das schwäb.-alem. deutlich im vordergrund: auch trieb sich ein hausirer durch die straszen (1791) Matthisson
schr. 2, 291; ... hier ist keine heimat — jeder treibt sich an dem andern rasch und fremd vorüber Schiller 14, 390
Göd.; ich trieb wohl durch die gassen zwei lange jahre mich Brentano
ges. schr. 2, 161; er trieb sich allerwegen gebirg und wald entlang Uhland
ged. (1864) 370; er trieb sich mit Änneli noch kühner durch das getümmel (
im tanz) Gotthelf
käserei (1850) 338; hier bin ich nun seit einigen tagen und treibe mich durch die bewegte, geschäftige stadt hin und her Immermann 10, 20
Boxb.; (
dort) treibt sich der fische gewühl Freiligrath
ged. (1838) 88; es trieb sich im walde ein mädchen, die schafe zu hüten
bei Frischbier
ostpr. volksl. 18;
eigentümlich: '
sich vorwärtsschieben': und als, mit angestrengtem fleisz, sich immer näher treibt der greis, was knistert überm steingerippe? Droste-Hülshoff
werke 2, 34. V@22)
nur md. erscheint sich treiben
als '
geschehen, sich ereignen',
oder mit bezeichnung der art und weise '
sich verhalten'
; die bei IV
behandelte bedeutung '
tun'
erhält durch das reflexivum mediopass. sinn. Behaghel
dt. syntax 2, 170
erklärt diese erscheinung als nachbildung des frz. zufrühst belegt in der Deutschordens-dichtung: wand im was unkunde, waz sich tribe darunder
passional 10, 41
Köpke; so vil des volkes (
tot) niderviel, daz manic hus da wuste bleib durch die not, die sich treib
ebenda 196, 66; ein wîle sich diz treib
väterbuch 18499; vil wort man glîche schrîbit, der luit (
laut) unglîch sich trîbit Nic. v. Jeroschin 244
Strehlke; später nur es treibt sich: Mose schreibt, wie sichs treibt Luther
vorr. aufs alte test. bei Bindseil-N. 7, 308; wie alles in dieser zeit seinen anfang genommen, und wie sichs jetzo treibet und endlich wieder werden wird J. Böhme
drei principien (1682)
titel; die handeln und die dichten, das ist der lebenslauf. der eine macht geschichten, der andre schreibt sie auf, und der will beide richten; so schreibt und treibt sichs fort Eichendorff
sämtl. w. 1, 579. V@33)
eine andere verwendung, sich mit etwas treiben
in der bedeutung '
sich mühevoll abgeben, sich plagen' (
vgl. I C 4),
ist Luther
eigentümlich: wissentlich ists, das in klostern ... gottis wort teglich nicht gehet, ... sondern sich nur bleuen und treiben mit menschen gesetzen und wercken 11, 397
W.; 29, 403;
ebenso sich mit wercken treiben und engsten 14, 38, treiben und mühen 7, 25; es klagt
n. n., pfarrherr zu Waltershausen, wie er sich mit den leuten treiben müsse, so ihm sollen zinsen
briefe 3, 160
de Wette; die geistliche hoffart und stoltz treibt sich 25, 444
W. danach: der Faust, der sich mit forschen trieb und der dem teufel sich verschrieb Lenau
sämtl. w. 2, 122
Castle. V@44)
vereinzelt, nach II B 5 (
vgl. a. VI 4): der tag kommt nach dem wenigen regen unendlich schön, das grün wird satter, und die gegend treibt sich in die fülle Göthe IV 4, 28
W.; die junge welt treibt sich und schieszt empor Schiller 4, 281
Göd. V@55) sich treiben
in gefolg von etwas treiben und üben (
s. IV A)
erscheint vereinzelt in der verbindung sich treiben und üben: ich bezeug mich aber vor gott ... das mich ... (
zur abfassung meines buches) kein ehrgirigkeit oder falscher rum getriben hat, dann nur allein das sich die armen schulerlein, so nit allwegen mögen interpretes haben, darinn selbs treiben und üben mögen Boltz
Terenz deutsch (1539) a 2
b. VIVI.
intransitiv mit der bedeutung '
sich bewegen'
; in allen germanischen sprachen mit ausnahme des gotischen, am frühsten und weitesten entwickelt im nord. und engl., im ahd. nur ein beleg, s. u. 1 a.
nach dem späten auftreten im deutschen läszt sich vermuten, dasz es sich hier um secundäre entstehung des intransitiven aus transitivem gebrauch handelt, vgl. o. '
herkunft u. form'
und Behaghel
dt. syntax 2, 116. VI@11) treiben
im sinne des gebrauchs von II A 1, 2
ohne object gebraucht, wobei die eigenbewegung des subjects hervortritt (
vgl. a. trieb
impetus). VI@1@aa)
vom wind (
vgl. II A 1 c
γ),
vereinzelt: vom pole her stürmend bedeckt er (
der winter) die wälder mit reif, die flüsse mit eis, ein stöbernder wirbel treibt um den hohen giebel Göthe 40, 264
W.; im bilde: aber am ufer trieb und wühlte das lüftchen weiter im aufgelockerten sande Alexis
ruhe 1, 49.
öfter von der strömung des wassers; dahin der einzige beleg für intrans. gebrauch im ahd.: longique urgent ad litora fluctus tripunt
gloss. 2, 638, 11
St.-S.; disz wasser (
der Styx) ausz der hell thut treiben Wickram 7, 20
Bolte; die Tiber trieb voll eis Niebuhr
röm. gesch. 2, 568;
gern in bildern: die lieb ist eben wie das meer geschaffen, heut ists still, morgen thuet es ungestimb treiben Chr. v. Schallenberg 160
Kurd; die weiszheit ist ein qual, je mehr man ausz ihr trinkt, ja mehr und mächtiger sie wider treibt und springt Scheffler
cherub. wandersm. 84
ndr.; ihr leben ist kein mächtig nach einer richtung treibender strom Ludwig
ges. schr. 5, 180; die für sich dahin treibenden (
cultur-) strömungen Nitzsch
dt. studien 158. VI@1@bb)
bei neueren schriftstellern gern übertragen, besonders auf eine sich bewegende menge; meist in verbindung mit anderen verben (
bes. wogen),
mit der nebenvorstellung eines durcheinanders (
vgl. treiben,
subst. 3 c): wohin auch das getümmel der dinge wogt und treibt Tiedge
werke 2, 33;
öfter unpersönlich: da fängt es an, auf der strasze unruhig zu werden, zu treiben und zu summen C.
F. Meyer
der heilige6 37; die liebe nur schläft süsz und träumt, hört nicht, wie's (
drauszen) wogt und treibt und schäumt Schneckenburger
dt. lieder 65;
abstract: dies war (1812
in Berlin) ein leben und weben, ein wogen und treiben der kräfte E.
M. Arndt
w. 1, 109. VI@22)
für eine passivische bewegung tritt ein intransitives treiben '
sich bewegen'
ein; vgl.: thô he drîBen gisah thene wêg mid windu
Heliand 2943; drijven
agi, agitari, pelli Kilian 97
b.
am häufigsten von dingen, die in einer strömung schwimmen (a-c,
anders d). VI@2@aa)
von gegenständen, die von der strömung eines flusses oder des meeres fortgeschwemmt werden: idt (
das holz) drifft in des waters vlit (1404)
hartebok bei Schiller-Lübben 1, 577
a; zwen töpff bei einem wasser waren, ... die risz hinweg des wassers flut; der erden sprach: es ist nit gut, das wir also zusammen treiben B. Waldis
Esopus 1, 145
K.; in verschobener construction: dazumahl kamen zween bähren auff einer eiszschollen treiben Capell
norden (1678) 112;
auch mit räumlicher bestimmung: es trieb ein wrack an das ufer Chamisso
werke 3, 273; im Rhein trieb noch immer viel eis Hoffmann v. Fallersleben
leben 5, 232; mancher treibende baumstamm streifte an den bord G. Freytag
ges. w. 9, 225; verbot der netze, welche mit der strömung treiben
handwb. d. staatswiss.2 3, 1064;
auszergewöhnlich: die uferwiesen selbst, aus einer art marsch bestehend, treiben nicht in die höhe (
wie die schwimmende wiese) und werden überschwemmt, wenn der flusz austritt Allmers
marschenb. 1/2, 81;
auch von einer activen bewegung, die dem passiven treiben
gleichkommt: wenn es im ersten häringfang ist, so treiben sie mit einander in solcher menge daher, dasz sie ... nicht mögen gefangen werden Heyden
Plinius (1565) 361; ein weiszer schwan trieb den flusz abwärts W. Grimm
sagen (1891) 2, 163.
bildlich: nur die natur ist redlich! sie allein liegt an dem ewgen ankergrunde fest, wenn alles andre auf den sturmbewegten wellen des lebens unstät treibt Schiller 14, 29
Göd.; nd. ist die redensart hij laat het maar drijven
er läszt es gehen wie es geht Lüpkes
seemannsspr. 41, 60.
rheinisch (
zwischen Mainz und Köln): treiben gehen
verloren, zu grunde gehen Kehrein
nassau. 1, 409; Wegeler
Coblenz2 78; Hönig
Köln. 37;
aus Mainz: eich hätt dran (
an der arznei) treiwe kenne giehn Fr. Lennig
etw. z. lachen (1890) 55;
mit anspielung auf den ursprung der ra. (
aus Bonn): wenn im frühjahre hoch wasser kommt ..., geht ihm 's haus treiben Kinkel
erz. (1849) 94.
ohne deutliches bewegungselement in der bedeutung '
an der oberfläche schwimmen': fett drifft haben; he dreef in sweet vör wut Mensing 1, 858. VI@2@bb)
insbesondere vom schiff. VI@2@b@aα)
zunächst nd.: dat schip leten se thor szeewart dryven (
um 1526) Hans v. Göttingen
in zs. f. Hamb. gesch. 2, 145;
bald in der reiseliteratur und später allgemein: diesen abend haben wir die schiff mit der meerflut lassen treiben A. Decker
diurnal (1629) 3; (
wir) namen alle segel ein und trieben vor winde gleichwol alle stunden 2 meilen Olearius
neue orient. reise (1647) 267; treiben heiszt wegen der windstille nicht fort können, indem die gestrichene oder herunter gelassene segel auf den masten liegen. ist insgemein was sehr langweiliges; doch geschiehts auch zuweilen mit fleisz, um ein ander schiff einzuwarten. die Frantzosen nennens mettre à la cape
Robinson (1720) 1,
anh. erklärg; es kam ein schiff getrieben ohne menschen Kramer 2 (1702) 1124
c; greift frisch an, oder wir treiben auf den strand
Shakespeare 3, 7; sie lieszen das boot mit dem winde langsam treiben Klinger
werke 4, 183; der knabe liegt im kahne, läszt alles rudern sein, und treibet weiter, weiter bis in die see hinein Cl. Brentano
ges. schr. 2, 102; des Marcus ... angabe, dasz Jesus ... das schiff in der mitte des sees treibend gesehen, ist ... nicht gerade unhaltbar D. Fr. Strausz
ges. w. 4, 220. VI@2@b@bβ)
in verschiedenen seemännischen redensarten: mit der gezeit gegen den wind treiben Hoyer-Kreuter 776; vor topp und takel treiben
ebenda 775; vor anker treiben Kluge
seemannsspr. 792; auf der ladung treiben
ebenda 793;
auch für '
vor dem winde segeln': wir trieben nun mit immer flauer werdendem winde eine zeitlang allein vor dem groszen segel Biernatzki
tagebuch 87; als ich die Elbe bereits mit günstigem winde hinauf trieb Hebbel
sämtl. w. (1891) 8, 220; nur ein kleiner, mit heu beladener ewer versuchte vor dem winde zu treiben Timm Kröger
wohnung d. glücks (1906) 22. VI@2@b@gγ)
in bildern vom lebensschiff oder vom staatsschiff: ich trieb lange ohne mast und segel in der welt umher Wieland
sämtl. w. (1794) 8, 94; noch mehr (
als in den äuszeren) liesz man in den inneren angelegenheiten das schiff vor dem winde treiben Mommsen
röm. gesch. 2, 70; so bist du schon im hafen alter mann? ich nicht. es treibt der ungeschwächte muth noch frisch und herrlich auf der lebenswoge Schiller 12, 380
Göd. VI@2@cc) treiben
für ein passivisches '
sich bewegen'
im winde; von den wolken, schon as.: nu hier hwîlum wind kumit westan efto ôstan sûðan efto norðan giswerek upp drîbit
gen. 16;
nhd. erst spät: früh trieben die wolcken vom abend aus gegen die Furka Göthe III 1, 103
W.; der halbe mond ... war meist von treibendem wolkendunkel überzogen Storm
werke (1899) 7, 148;
im bilde: gleichsam auf einer berghöhe, zu deren füszen die irrthümer wie nebel treiben Ranke
werke 15, 94;
vom schnee: der schnee trieb und kräuselte sich heftig im gezweig der alten tannen Fouqué
bildersaal 4, 4; der general ... sah bald auf das feuer, bald auf die schneeflocken, die durch das fenster trieben, um zum theil zur thür wieder hinauszufliegen Alexis
Isegrimm 206;
und vom flugsand: der sand treibet
la sabbia cola, muove Kramer 2 (1702) 1124
a;
danach von der sich fortbewegenden düne: die furchtbare wüste Arianas ... mit dem wellenhaften wechsel stets treibender dünen Droysen
Alexander 466;
anders übertragen: aufs neu der ton herüber treibt, doch schwach nur unterm winde bleibt Droste-Hülshoff
werke 2, 52. VI@2@dd)
vereinzelt erscheint treiben
in der intrans. bedeutung '
sich drehen',
im kreise bewegen (
vgl. II D): er läszt den abgegriffnen hut im kreis um seinen daumen treiben Wieland
sämtl. w. (1853) 12, 9; manch histörchen hat sie (
Venus) aufgespulet seit die welt um ihre spindel treibt Schiller 1, 187
Göd.; ebenso 5, 37; 5, 175
und der Philipp, dessen feste seele wie der angelstern am himmel unverändert und ewig um sich selber treibt
ebenda 5, 443; (
ein) weizenkorn; das sah mit leide zwei mühlensteine, die sich rieben; da sprangs als mittler zwischen beide: sie trieben fort, wie stets sie trieben, das korn doch ist zu staub zerrieben A. Grün 2, 166. VI@33)
die selbstbewegung von flüssigkeiten, die durch nicht unmittelbar kenntliche wirkung hervorgerufen ist (
vgl. bei II B 1)
kann mit treiben
bezeichnet werden. VI@3@aa)
mit stark activem element '
sich ausdehnen'
im kochen, gären o. ä. (
vgl. o. II C 2 a): sublimir dieses (
chem. gemenge) mit groszem fleis, dann es treibt hefftig Thurneysser
alchymia (1583) 60;
dialektisch im bair.-österr.: des biər hat gar et tribm Schmeller-Fr. 1, 640; s'proat, die pâsse, der wein treip'
geräth in gärung Lexer
kärnt. 68;
s. auch Knothe
Nordböhmen 185; Schöpf
tirol. 753;
in die technische sprache übergegangen: treiben
im brauwesen, treiben
des weines Hoyer-Kreuter 775
f.; etwas anders: der wein trieb in blauen feuerflammen aus den flaschen Klinger
werke 3, 80.
in der bautechnik: der mit dem namen treiben bezeichnete fehler ist die folge einer zu groszen volumenvermehrung bei der erhärtung (
des zements) Karmarsch-Heeren 2, 285;
ebenso vom gips Muspratt
chemie 2, 371; Mothes
baulex. 4, 366.
literarisch auch bildlich, '
gärend drängen': weil die stoffe zur entwickelung und gestaltung ganz neuer weltverhältnisse in treibender und zischender gärung noch über und untereinander liegen E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 4, 61; damals kocht' es und trieb (
in mir). jetzt schlepp ich mich an den augen des mädchens so hin Göthe 8, 200
W.; was treibt und tobt mein tolles blut? Heine 1, 17
Elster. VI@3@bb) treiben
des metalles in geschmolzenem zustande. engl. circulation. frz. rotation Hoyer-Kreuter 776
a (
vgl. hierzu II B 2 d): schmeltz diese matery Solis et Saturni wieder, so sieht es wie ein glockenspeisz ... und lasz es nicht lang treiben, sonder geusz es geschwind ausz und behalts Paracelsus
op. 2 (1606) 547; blasz ihm zu bisz das silber fleust und wol treibt Ercker
mineral. ertzt (1598) 35
a u. ö.; 'treiben —
auf dem herd, dem test oder der capelle im flusz stehen. so sagt man das werk treibet'
bergm. wb. (1778) 560; '
man sagt ... vom blei es treibt,
wenn es anfängt zu rauchen und gleichsam zu kochen' Lichtenstein
entd. geheimn. (1778) 217. VI@44)
vegetatives treiben (
s. II B 5)
intransitiv. VI@4@aa)
von pflanzen in der bedeutung '
sprossen, hervortreiben',
unter aufgabe des objects; '
ausschlagen': '
wenn junge hölzer gut schossen oder wachsen, sagt man auch die hölzer treiben stark' Heppe
wohlred. jäger (1763) 297
b; der versuch ist noch angehenkt, dasz eine zwiebel in freier luft schwebend getrieben, und vom 26 sten jan. bis zum 16ten maj gewachsen
bei Gottsched
d. neueste a. d. anmut. gelehrsamk. 3, 123; unter dem uralten, ganz ausgehöhlten und doch wieder neu treibenden nuszbaum Scheffel
ges. w. 3, 237;
auch im bilde: wenn aber der kaiser statt des unkrauts die treibenden zweige abhaut Raumer
gesch. d. Hohenst. 4, 179.
schon vorher unpersönlich: germen novellum ein junger sprosz, so weit es ein jahr (
in einem jahr) treibt Corvinus
fons lat. (1653) 652
a; gestern war es ein schöner anblick als ich mit der herrschaft ausfuhr auf einmahl die ganze gegend grün zu sehn. es hatte in einer nacht sehr stark getrieben Göthe IV 5, 329
W.; ich sah im frühling ohne zahl blüthen und knospen durch berg und thal, wie alles drängt und alles treibt, kein blättlein ohne keimlein bleibt Göthe 16, 77
W.; übertragen: was ist dem menschen wichtiger, als die glücklichste verfassung der gesellschaft, in der alle unsre kräfte zum treiben gebracht werden sollen? Schiller
br. 2, 170
Jonas; das ursprüngliche object in präpositionaler verbindung: (
die weiszbuchen, linden u. a.) treiben zu stark in die wurzel v. Heppe
aufr. lehrprinz (1751) 213; die gelehrsamkeit kann auch ins laub treiben, ohne früchte zu tragen Lichtenberg
verm. schr. 1, 149.
von kleineren pflanzen ohne bleibenden stamm '
empordrängend aufwachsen': der rosenstock wird wieder grün, der liljenstengel treibt schon kühn Kretschmann
sämtl. w. (1784) 5, 19; wie im winter die saat nur langsam keimet, im sommer lebhaft treibet und schwillt, so war die neigung zu dir Göthe 1, 348
W.; an den blättern dieses gewächses, das immer mastiger treibt IV 9, 112
W.; wie aus einem treibenden keim die pflanze hervorwächst, so gestaltet sich das musikalische kunstwerk aus einer grundempfindung O. Jahn
Mozart 1, 436;
übertragen: seine treibende seele, die in die erde und in den himmel hineinwachsen wollte Jean Paul
sämtl. w. (1872) 22, 224;
nach dem frz. (
Béranger: pousser): die kinder treiben und gedeihen Chamisso
werke (1836) 3, 180;
feiner: da lieszen sie sie (
Maria) gehn und schweben und treiben mit dem jungen jahr Rilke
stundenbuch (1928) 23. VI@4@bb)
von pflanzenteilen oder kleinen gewächsen, die eigentlich hervorgetrieben werden, '
hervorwachsen, entstehen': etliche theils der (
tulpen-) zwifel wie auch des daraus treibenden käumleins (
sind) dicker oder dünner Harsdörffer
secretarius (1661) 2, 613; da es diesen winter viel geregnet, so treibt das grün gar lebhaft Göthe IV 20, 42
W.; die blume verblüht, die frucht musz treiben Schiller 11, 308
Göd.; bildlich: in dem grunde solcher (
politischer) entgegensetzungen sehe ich oft wilde pflanzen treiben J. Grimm
kl. schr. 1, 29; der leiseste zugwind tödtet diesen treibenden frühling in meiner brust Hebbel
br. 1, 299
Werner; die wahrheit treibt ans licht Wander
sprichw. 4, 1750. VI@4@cc) treiben
im sinne des schwellenden aufsteigens wird übertragen auf hoch emporquellende flüssigkeit: siehe diesen mann voll kraft und gefühl gottes, aber so innig und ruhig fühlend, als hier der saft im baume treibt Herder 5, 480
S.; als wenn ich berauscht wäre, so treibt mirs nach dem kopfe
ebenda 8; der hain bewegte sich mit den süszesten tönen, und ein wunderbares leben schien in seinen heiszen stämmen und blättern, in seinen funkelnden blumen und früchten zu quellen und zu treiben Novalis 4, 209
Minor. VI@55) treiben
als '
sich fortbewegen'
von menschen und tieren. VI@5@aa)
mhd. trîben
in der bedeutung '
galoppieren'
ist durch ellipse entstanden aus daz ros trîben (
s. o. I C 1 a): si triben alle drî dan wider ûf den einen man swaz diu ors mohten gevarn Hartmann
Iwein 198; do er daz wort volgesprach, die vînt man dô trîben sach Jansen Enikel
fürstenbuch 3014;
von einem kriegszug: der meister treib her unde dar mit sîner ritterlîchen schar
livl. reimchr. 3433;
später nur noch im turnierwesen: driven
spel dat men mit wapen of harnesch drijft, armilustrius v.
d. Schueren 87
b Verdam. VI@5@bb)
intr. treiben, '
gehen'
; vielleicht durch ellipse entstanden aus vieh treiben (
s. o. I B 2 b): die glatten antlütz lieben den weiben, darümb ich hinden nach musz treiben
fastnachtsp. 703, 5
Keller, vgl. 703, 9; drum bitt David ... dasz in gott leite, uf sim weg z' bliben und nienen neben us lasz triben
N. Manuel 155
Bächt.; unsicher (
vgl. I B 2 b Oswald v. Wolkenstein): treib einher braunsz meydlein, lasz umher gan herio poperi, herio poperi
bei Forster
fr. t. liedlein 87
u. 101
ndr. VI@5@cc) '
stürmen',
mit stark activem element (
wie oben bei a
und bei 1 a): es ist ein treiben wie das treiben Jehu des sons Nimsi, denn er treibet wie er unsinnig were (
praeceps enim graditur vulg.; denn er jagt, als ob er rasend wäre Kautzsch
textbibel)
2. kön. 9, 20; man konnte ..., wo an der sache selbst kein zweifel war, und der h. gesandte mit dem treiben Jehu des sohnes Nimsi durcheilte, nicht allzu genau sein Göthe IV 30, 38
W.; der wilde jäger, sagt sie, treibe um mitternacht durch die stube Cl. Brentano
ges. schr. 4, 249; ein anderer liesz sein heil dem edlen pferde, das mit windesflug in die wüste trieb Stifter
sämtl. w. 3, 21; die knaben trieben spielend um die laube Freytag
handschr. (1864) 1, 98.
von seefahrern: (
eine kohorte Usipier) verliesz die legion, ... stürzte sich in drei nachen, warf die treulosen schiffer ins meer, trieb um Britannien, ... strandete am ufer des vaterlands Klopstock
gelehrtenrep. (1774) 243; kühnere banden (
von Normannen), denen die ausgeraubte küste keine beute mehr darbot, trieben in die mündung der ströme Schiller 9, 247
Göd. eine ähnliche vorstellung ist in der von Klinger
öfter angewandten verbindung zum ziele treiben: unser unglück war miszverständnis, dasz wir nach einem ziele trieben, unsere interessen sich an einander stieszen
bei Sauer
stürmer u. dr. 1, 123; es ist wahr, Grimaldi, du triebst damals so kühn und rasch nach dem ziele, dasz ich dir mit verwunderung zusah
werke 1, 31.
vgl. auch den intr. gebrauch von engl. drive
bei Murray
engl. dict. 3, 672
f. VI@5@dd) treiben
als eine ziellose bewegung. VI@5@d@aα)
von menschen, an 2 a (
im wasser treiben)
erinnernd, bes. nd.; noch deutlich bildhaft: er sehe jn lieber sinken, als drifen Schottel 1116
a; driwen gaan
nichts thun Dähnert
pomm. 88
b; he drifft den gansen dag in kroog rüm Mensing 1, 859; ich treibe von strasze zu strasze J. J. Engel
schr. (1801) 6, 128; dann trieben die beiden weiter durch die wimmelnde menschenfluth der groszen stadt Storm
werke (1899) 4, 132;
ähnlich 2, 146; der alte Wulf treibt trauernd am weiszen strand im norden: 'jetzt hab ich keine söhne mehr, die sich können morden' Fr. Rückert
werke 3, 38. VI@5@d@bβ)
von tieren (
in zusammenhang mit I B?): sein saumthier treibt auf allen straszen Lessing 3, 54
L.-M.; bildlich: ich danke für ihre fabel; sie ist sehr gut, und so lange sie nicht mehrere machen, soll sie mit bei meiner herde treiben
ebenda 17, 118;
von der herde öfter: treibt nicht die wollenherde auf deiner weiten alp? Uhland
ged. (1864) 88; sie könne sich wieder eines (
ferkel) aussuchen, wenn seine schweine trieben ... hiemit, sagte mein ackersknecht, wären auch schon die schweine getrieben und eines in den garten geloffen Meinhold
bernsteinhexe (1908) 159; vierhundert schâpe drîwet an'n trope Schambach
Gött. 49
a. VIIVII.
in zusammensetzungen erscheint treiben
als erstes glied in der form treib-,
und, besonders im buchdeutsch des 18.
jhs., auch als treibe- (
vgl. die bem. über das '
nicht entbehrliche euphonische e'
vor einem consonanten bei Adelung 4, 666).
verschiedentlich wechselt treib-
mit trieb-,
s. bei treibgarn, -gasse, -haus, -herd, -sand, -ursache
u. a., besonders in worten der maschinentechnik, z. b. in treibkraft, -rad, -werk;
ein teil der trieb-
formen kann aus mundartl. gebundenheit herrühren, in der techn. sprache dürften antrieb, betrieb
und getriebe
eine analogiewirkung ausgeübt haben; in vereinzelten anomalen belegen musz auch mit druckfehlern gerechnet werden. nur ganz selten ist die zusammensetzung mit einem adjectivum: ob ein werkblei treibewürdig ist,
d. h. ob dessen gewinnbarer silbergehalt die kosten des abtreibens lohnt, hängt hauptsächlich von den localverhältnissen ... ab Muspratt
chemie 7, 1524
u. ö. sonst dienen als zweites compositionsglied nur substantive, vorwiegend bezeichnungen von gegenständen, welche treiben,
zum treiben
dienen, oder sonst mit einem treiben
zusammenhängen. die hauptmasse dieser verbindungen gehört seit alters zu den fachsprachen, besonders den technischen, unter welchen in der neueren zeit die sprache der maschinentechnik einen gröszeren raum gewonnen hat. VII@11)
aus der jägersprache, vgl. o. I A 1 d;
sehr alt ist treibhund,
jünger treibjagd, treibjagen, treibwehr,
s. an alphab. stelle. treibort: man ... gehet dann allgemächlich nach dem abgemalten und bestelten treibeorth zu Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 24;