leiten,
verb. ducere. ahd. leittan (
aus leitjan), leitan,
mhd. leiten;
alts. lêdian,
niederd. niederl. leiden;
ags. lædan,
engl. lead;
fries. lêda;
altnord. leiða,
schwed. leda,
dän. lede.
im goth. ist das wort nicht bezeugt. es wird als causativbildung zu dem oben sp. 658
aufgeführten leiden
in seiner ursprünglichen bedeutung gehen, reisen aufgefaszt, also mit dem eigentlichen sinne gehen machen, reisen machen, obschon die verschiedenheit der dentalis in beiden wörtern, hochdeutsch wie in den andern dialekten, ein auffälliger und nicht erklärter umstand bleibt. als beweis für die richtigkeit der erklärung darf aber der begriff von leiten
hingestellt werden, wie er unter führen 4
1,
sp. 458
entwickelt ist: immer tritt bei ihm das bestimmen einer richtung und eines zieles für einen weg hervor, wobei dieses gewöhnlicher durch persönliche führung als durch bestimmung aus der ferne, durch befehl oder beschreibung gedacht wird. leiten
steht in eigentlichem wie in übertragenem sinne. 11)
mit persönlichem subject und object, jemand einen weg, dessen ziele entgegen, weisen, wobei gemeiniglich zugleich die persönliche führerschaft verstanden ist: ahd. sênu ih leitu inan iu ûʒ (
ecce adduco vobis eum foras).
Tat. 197, 2; sô uuieo got unsere forderen leitti ûʒʒer Egypto. Notker
ps. 43 (2, 153
b Hattemer);
mhd. hêrre, wer bin ich oder wie stêt iʒ umbe mich, daʒ ich .. muge leiten sô chreftige diete mit allem ir vande von des chuniges lande?
exodus in den fundgr. 2, 91, 39; dô schieten si die reisegen dem Möune dan, ûf durch Ostervranken,die Guntheres man. dar leitete sie Hagen:dem was eʒ wol bekant.
Nib. 1464, 3;
nhd., zunächst ohne angabe eines zieles: lasset sie faren, sie sind blind, und blindeleiter. wenn aber ein blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die gruben.
Matth. 15, 14; der herr allein leitet jn.
5 Mos. 32, 12; er leitet die elenden recht, und leret die elenden seinen weg.
ps. 25, 9; und er leitet sie sicher, das sie sich nicht furchten, aber jre feinde bedeckt das meer. 78, 53; der weg zum höllenhausz ist grosz gebahnt und weit, es findet jhn auch wol ein blinder ungeleit. Greflinger
weltl. lieder (1651) 8; immer, immer nach west! dort musz die küste sich zeigen, liegt sie doch deutlich und liegt schimmernd vor deinem verstand. traue dem leitenden gott und folge dem schweigenden weltmeer. Schiller
Columbus. das subject ist ein als person gedachtes abstractum: sieht eine gartenthür halb offen vor sich stehen, und, ohne viel sich umzusehen, dankt ers der liebe die ihn leitet, und — verirrt (
verläuft sich). Wieland 21, 252.
mit adverbialen oder präpositionalen zusätzen, die weg oder ziel zeichnen: aber die blinden wil ich auf dem wege leiten, den sie nicht wissen.
Jes. 42, 14; und gedenkest alle des wegs, durch den dich der herr dein gott geleitet hat, diese vierzig jar in der wüsten.
5 Mos. 8, 2; und hat dich geleitet durch die grosze und grawsame wüsten. 15; sie (
die weisheit) füret sie durchs rotemeer, und leitet sie durch grosze wasser.
weish. Sal. 10, 18; sie hatten keinen durst, da er sie leitet in der wüsten.
Jes. 48, 21; leiten zu den lebendigen wasserbrunnen.
offenb. 7, 17; aufs eis leiten (
sprichwörtlich). Schottel 1117
b; sie (
die musen) schweben ihr in ihren einsamkeiten, wenn sie im morgenthau die pfade der natur besuchet, ungesehn zur seiten, und leiten sie auf ihre schönste spur. Wieland 9, 163; laszt euch zum hain der milden göttinn leiten! Gotter 2, 499; sagt mir, vater, ihr seid gewis der richter von diesen flüchtigen männern, der ihr sogleich die gemüther beruhigt? ja, ihr erscheint mir heut als einer der ältesten führer, die durch wüsten und irren vertriebene völker geleitet. Göthe 40, 287.
mit dergleichen zusätzen, welche art oder mittel des leitens bezeichnen: Simson aber sprach zu dem knaben der jn bei der hand leitet.
richter 16, 26; als ich aber fur klarheit dieses liechtes nicht sehen kund, ward ich bei der hand geleitet von denen die mit mir waren.
ap. gesch. 22, 11; er leitet sie des tages mit einer wolken, und des nachts mit einem hellen fewr.
ps. 78, 14; ich wil .. dir den weg zeigen, den du wandeln solt, ich wil dich mit meinen augen leiten. 32, 8;
und das mittel oder werkzeug kann auch als subject stehen: des herrn liecht leitet jn.
Sir. 50, 31; wir folgen blind, wohin die göttliche uns führt! ihr seherauge soll uns leiten. Schiller
jungfrau 1, 10; dort an der leitenden hand des jünglings hüpfte die jungfrau furchtsam über die steine. Voss
Luise 1, 130. leiten
mit führen
formelhaft verbunden (
vergl. th. 4
1,
sp. 458): doct. Faustus nimpt jm .. ein reisz oder pilgramfahrt für, und befihlt also seinem geist Mephostophili, dasz er jn, wohin er begerte, leite und führe.
volksb. v. dr. Faust s. 57
Braune; mit bringen: sende dein liecht und deine warheit, das sie mich leiten und brengen zu deinem heiligen berg, und zu deiner wonunge.
ps. 43, 3. 22)
dieses leiten
in mancherlei bildern, die auf den weg des lebens, der erkenntnis, der sittlichen führung, des ewigen heils u. ähnl. deuten: herr, leite mich in deiner gerechtigkeit.
ps. 5, 9; leite mich in deiner wahrheit. 25, 5; herr, weise mir deinen weg, und leite mich auf richtiger ban. 27, 11; leite mich auf ewigem wege. 139, 24; ich wil dich den weg der weisheit füren, ich wil dich auf rechter bahn leiten.
spr. Sal. 4, 11; wenn aber jener, der geist der warheit kommen wird, der wird euch in alle warheit leiten.
Joh. 16, 13; weiszest du nicht, das dich gottes güte zur busze leitet?
Röm. 2, 4; du (
gott) leitest mich mit deiner hand. P. Gerhard 192, 82
Gödeke; gott leitet seine knechte in dem rechtschaffnen rechte, das sich zum leben neigt. 197, 38; wer hat mit langmuth mich geleitet? er, dessen rath ich oft verwarf. Gellert 2, 122; pfaffen, die in (
einen menschen) zuo allen guoten dingen laitent. Megenberg 214, 27;
d. Faustus gedacht jhme hin und wider nach, wie aller gottlosen herzen nichts guts gründen können, und der teufel dieselbigen leitet und führet.
volksb. v. dr. Faust s. 26
Braune; weisz wie ein engel des himmels, gebildet aus unschuld und liebe, leitet sie mein herz zur ruhe und glückseligkeit. Göthe 8, 51; weit besser ists sie einzuengen, dasz man sie wie kinder halten, wie kinder zu ihrem besten leiten kann. 261; ich bin seinem, obwohl kurzen umgange sehr viel schuldig geworden, indem er mich auf mancherlei weise zu leiten verstand und mich aufmerksam machte, wohin ich mich gerade gegenwärtig zu richten hätte. 25, 187; (
die männer haben) mich gelehrt was ich dem könig antworte, wenn er sendet und das opfer mir dringender gebietet. ach! ich sehe wohl, ich musz mich leiten lassen, wie ein kind. 9, 63; du solltest mit ihm nicht zürnen; ihn zu leiten stünde dir besser
an. 168.
das subject ist ein personificiert gedachtes abstractum: so vereinigte man sich auch darüber, dasz man dem zufall im roman gar wol sein spiel erlauben könne; dasz er aber immer durch die gesinnungen der personen gelenkt und geleitet werden müsse. Göthe 19, 181; wie pflegt sie (
die welt) dann zum todte hin zu leiten den menschen der ihr folgt, und plagt ihn für und für? Opitz 1, 423; wir sehn der tugend bahn; wir wollen sie beschreiten, und lassen uns doch selbst von den begierden leiten. Cronegk 2, 123; in stille thale wird sie (
die ruhe) mich leiten, wenn der sturmwind raset. Stolberg 1, 3; wollst oft, o sanfte mutter der weisheit, mich auf ernste pfade leiten. 21; süsze, heilige natur, lasz mich gehn auf deiner spur, leite mich an deiner hand, wie ein kind am gängelband.
ders; denn was verstand und vernunft nicht immer vermögen, vermag oft solch ein glücklicher hang, der unwiderstehlich uns leitet. Göthe 40, 237; er zeigte mir, dasz grübelnde vernunft den menschen ewig in der irre leitet. Schiller
M. Stuart 1, 6; liebe, liebe leitet nur zu dem vater der natur, liebe nur die geister.
triumph der liebe v. 163. 33)
hierher auch das part. leitend
der neueren sprache, in verbindung mit substantiven die personen oder persönlich gedachte dinge ausdrücken: ein empirisches herumtappen ohne ein leitendes princip. Kant 10, 69; das leitende haupt verbündeter staaten. Schlosser
weltgesch. 1, 393; Ellak war der leitende verstand des haufens. Scheffel
Ekkeh. s. 167; es gehört mit zu den privilegien so ausgestatteter naturen, dasz sie an eine besondere providentielle begünstigung ihres persönlichen thuns und treibens glauben, und nicht am wenigsten durch dieses bewustsein des leitenden genius in ihren bestrebungen gefördert werden.
allg. zeitung 1869
no. 269,
s. 4158
b. 44) leiten (
vgl. 1)
auch in bezug auf thiere, einst ein gewöhnliches wort, wie unser führen: leitet gifuotrit calb inti arslahet (
adducite vitulum saginatum et occidite).
Tat. 97, 5; lîchezerâ, einerô giuuelîh iuuar in sambuʒtag ni lôsit sînan ohson odo esil fon crippu inti leitit inan ze trenku (
et ducit adaquare)? 103, 4;
jetzt in der anwendung auf die gehobene sprache beschränkt und auch hier noch selten, weil andere (
in bezug auf rosse lenken,
in bezug auf andere thiere führen
und treiben)
der poetischen rede gleich angemessen erscheinen: wir schwebten selbander im flammenwagen der jugend; hielten in straffen zügeln die brausenden rosse nicht; unsichtbar leitete sie bald dein genius und der meine bald. Stolberg 1, 321; majestätsche sonnenrosse durch des lichtes weiten raum leitet Phöbus goldner zaum. Schiller
triumph der liebe v. 77; ein treuer hund hilft sie (
die schafe) ihm leiten, ein muntrer widder geht voran.
parabeln u. rätsel (
vorher er treibt sie aus);
anderswo wird leiten
zusammenfassend für die thätigkeit des lenkens und treibens gesetzt: fiel mir ein wagen ins auge, von tüchtigen bäumen gefüget, von zwei ochsen gezogen, den gröszten und stärksten des auslands, neben her aber ging, mit starken schritten ein mädchen, lenkte mit langem stabe die beiden gewaltigen thiere, trieb sie an und hielt sie zurück, sie leitete klüglich. Göthe 40, 245;
ein thier selbst ist das leitende (
vergl. leitesel, leithammel): einzeln weidende rosse, und blöckende heerden von schafen, halb im moore watende kühe, vom stiere geleitet, alles mischt sich untereinander in froher verwirrung. Zachariä
tageszeiten s. 75. 55) leiten,
mit persönlichem subject und sächlichem object, in mehrfacher anwendung. 5@aa)
in bezug auf flüssigkeiten, kräfte u. ähnl., denen die phantasie eine selbständige bewegung zuschreibt, solchen einen bestimmten weg mit bestimmtem ziel anweisen: wasser in die häuser leiten; den strom in ein andres bett leiten; gas in ein neues stadtviertel leiten; der elektrische strom wird in diesen körper geleitet; daʒ waʒʒer, daʒ man in kupfer laitet, ist gar pœs und schad, und daʒ man in plei laitet, ist peʒʒer; daʒ in hülzeinn rœrn von vörhem holz gelaitet wirt, ist aller pest, wan daʒ holz ist gar luftig. Megenberg 104, 2; die wasserrhören, damit er wasser in die stadt geleitet hat.
2 kön. 20, 20; dasz einer berechtiget, durch und uber eines andern gut und grundt zu gehen, biszweilen auch zu fahren, oder wasser laiten.
Frankf. reform. 9, 6 § 1; das wasser aus den flüssen leiten,
aquam de fluvio derivare Steinbach 1, 1032; hauen und schaufeln, durch welche wir .. das meer in gruben laiteten, da es sich .. in salz verwandelte.
Simpl. 2, 235
Kurz; reb und engel was darzuo bereitet, daʒ wint dar în verholne mit listen groʒ von balgen was geleitet.
j. Tit. 383; mäsziger leitet sie (
die natur) nun den saft (
in der pflanze), verengt die gefäsze. Göthe 1, 327; kühner, als Franklin, leitete Luther aus ihr (
der wolke) zückenden blitz und labenden thau! Stolberg 2, 83;
bildlich: ihre weiche seele, .. die ihre thränen nur in fremde leitet und vor trocknen herzen verdeckt. J. Paul
Hesp. 1, 261; ob ich gleich keine kinder zu ernähren habe, so musz ich doch darauf denken, etwas in den beutel zu leiten, da so viel hinaus geleitet wird. Göthe
in Böttigers lit. zuständen 2, 152;
in bezug auf fortführung eines geschlechts: ich zürnte mit dem schicksal, dasz mirs den sohn versagt, der meines namens und meines glückes erbe könnte sein, in einer stolzen linie von fürsten mein schnell verlöschtes dasein weiter leiten. Schiller
Piccol. 2, 3;
der beamtenstil unserer tage wagt selbst ein gesuch, eine beschwerde an die höhere stelle leiten; das diesbezügliche gesuch wurde an die polizeidirektion geleitet.
zeitungsnachricht. 5@bb)
weniger häufig von dingen, die als mittel zur bewegung von solchen dingen oder auch von wesen dienen; so gräben leiten (
sonst gräben führen, ziehen): da bau ich, leite gräben, bepflanze rings die höhn. Matthisson
ged. (1794) 53; einen weg leiten (
statt einen weg führen): wir haben diesen boden uns erschaffen, ... den harten fels gesprengt, über den abgrund dem wandersmann den sichern steg geleitet. Schiller
Tell 2, 2;
bildlich: zu der tugend steilem hügel leitet sie (
die freude) des dulders bahn.
lied an die freude; einen wagen leiten, wagen laiten
aurigare. onomast. von 1735
bei Schm. 1, 1527
Fromm.; täglich rollte der wagen, geleitet von mir, das hallende thor durch. Göthe 40, 304 (
vorher gewohnt den wagen zu lenken); also leit ich hie mein schifflein an das gestat.
d. städtechr. 3, 178, 5;
volksmäszig noch im bair.: laiten
etwas mit zugvieh auf wagen, schlitten u. s. w. führen, und (
neutr.)
fahren. Schm.
a. a. o. 5@cc)
in bezug auf ereignisse, verhandlungen, maszregeln, die ihren gang
nehmen: der feldherr leitete das treffen vom nahen hügel aus; die verhandlungen des reichstags wurden heute vom vicepräsidenten geleitet; den festzug leitete der vorsteher einer groszen gesellschaft; ein heerzeüg fren und leiten,
ductare exercitum. Maaler 268
a; eines wärbung leiten, fren und anweisen,
gubernare petitionem alicujus. ebenda; wer zeuge seiner klugkeit war, wie er die armee aus Italien hierher brachte, der hat etwas gesehen. wie er ... die strengste mannszucht hielt, und einen zug, den man so gefährlich achtete, leicht und ohne anstosz zu leiten wuszte! Göthe 8, 248; hofrath Reifenstein weisz diese sitzungen durch seine einsicht und autorität zu ordnen und zu leiten. 27, 220; verkehrt geleitete erziehung.
allgem. lit. zeitung 1840
s. 272; welch stück unter Mozarts kompositionen ist in Deutschland öfter aufgeführt worden, als die zauberflöte? geschah diesz ohne ursache, ohne die doch nichts geschiehet? nichts minder. so übel geleitet die fabel, so übel gewählt die worte sein mögen, dem unverständigsten schimmert der inhalt der fabel vor: licht ist im kampfe mit der nacht. Herder
z. lit. 17, 181;
ebenso in bezug auf ein staats- oder hauswesen, ein geschäft, ein institut u. ähnl.: der minister
N. leitete die auswärtige politik des reiches; die hausfrau leitet das hauswesen; die schule wird vom rector geleitet; studien, bälle, concerte, ein theater leiten; nach dem tode des principals ward das geschäft von seinem ältesten sohne geleitet;
und sonst, in bezug auf fühlen, denken, thun: den verstand, das denken, das herz jemandes leiten; nur müszte, was durch uns geschehn, das glück zum guten ende leiten. Schiller
Dido v. 19; das leben jemandes leiten: es glaubt der mensch sein leben zu leiten, sich selbst zu führen; und sein innerstes wird unwiderstehlich nach seinem schicksale gezogen. Göthe 8, 294;
in anderm sinne als leben leiten, lîp leiten
im mhd., wo das verbum, entsprechend der häufigeren verwendung in alltäglicher rede, hier abgeblaszt wie führen, zubringen steht: du muost mit arbeiten allen dînen lîp leiten.
genes. in den fundgr. 2, 22, 11; niwan daʒ ich mit sêre müeʒe leiten mîn leben. Hartmann 1.
büchl. 1429. 5@dd)
die ältere rechtssprache braucht auch kundschaft leiten,
mhd. geziuc leiten,
zeugnis beibringen, was ganz auf sinnlicher vorstellung beruht, vgl. unter kundschaft
th. 5,
sp. 2643: eʒ ist zu wissen umb daʒ wasser, daʒ auf di Glesmul gin sol, .. daʒ ich und der mulner zu sant Katreyn dar umb ein kuntschaft laiten mit dem Markus mulner zu Werd.
d. städtechr. 1, 83, 15; wa man von der stat oder von des rates wegen ein kuntschaft hinleitet.
Nürnb. pol.-ordn. s. 18. 66) leiten,
mit dem sächlichen subject des weges, der irgend wohin führt: du gelêrtôst unsih, uuieo ferro unser weg ist, den uuir uuolton gan, fon dînemo, den du unsih uuile gâ
n. unserer leitet ad mortem (ze tôde), dîner leitet ad vitam (ze lêbe). Notker
ps. 43,
Hattemer 2, 154
a; dô reit ûʒ dem walde Segremors der stolze man, und volgete der strâʒe dan, alsô si in leite.
Haupts zeitschr. 11, 494, 59; am abgrund leitet der schwindlichte steg, er führt zwischen leben und sterben. Schiller
berglied. 77)
am farblosesten ist der sinn von leiten
geworden, wenn es sich nur auf das geistige erkennen und erwägen bezieht: diese wahrnehmung leitete auf die spur des verbrechers; man wird
dazu geleitet, anzunehmen, dasz hier nicht alles in ordnung sei; das leitete auf einen bestimmten schlusz; eine schuldigkeit aus dem grunde leiten,
officium ab hoc fonte ducere. Steinbach 1, 1032; was das sendschreiben desz Ambrosii Mellilambii anlanget, bekenne ich, dasz ich desselben autor sei, und bin darzu geleitet worden durch einen weltberühmten cavallier. Schuppius 625; alles aus einem grundsatz leiten. Klinger 12, 63; jede erscheinung, deren letzter grund aus der sinnenwelt nicht kann geleitet werden, ist eine indirecte darstellung des übersinnlichen. Schiller 1128
b; ein so begabter geist blickt, nach eigentlichst orientalischer weise, munter und kühn in seiner welt umher, erschafft die seltsamsten bezüge, verknüpft das unverträgliche, jedoch dergestalt, dasz ein geheimer ethischer faden sich mitschlinge, wodurch das ganze zu einer gewissen einheit geleitet wird. Göthe 6, 114; das erkennt der pöbel nicht, der so gierig er auf neuigkeiten ist, das neue höchst verabscheuet, das ihn aus seinem gleise leiten will. 8, 37.
vgl. dazu ableiten, anleiten, herleiten, hinleiten, einleiten. — leiten
geradezu für anleiten, anweisung geben: nach und nach leitete ich (
deine mutter) dich zum gehen. Klinger
theater 3, 350;
wobei manchmal die anknüpfung an die bedeutung 1
noch recht fühlbar ist: hast du (
sagt der knabe lenker) mir nicht die windesbraut des viergespannes anvertraut? lenk ich nicht glücklich wie du leitest? bin ich nicht da wohin du deutest? Göthe 41, 46. 88) leiten,
für geleit geben bei Frisch 1, 605
a (
aus Scheplitz
consuetudines marchicae 153);
ein part. geleitet
bei Luther: auf meines gnedigsten herrn beger, ist meine unterricht diese, das sich
d. Carlstad meinem gnedigsten herrn ergeben, und zugesagt, stille zu sein, nichts zu schreiben .. solches hat er oft aufs newe für uns allen auch geredt, und ist auch darauf im land zu bleiben geleitet (
mit geleit versehen). 4, 374
a,
wird vielmehr zu geleiten
fallen. 99) leiten,
bei den jägern: wenn der habicht ein feld-huhn hinweg führet, heiszet es geleitet. Nehring
hist.-pol. lex. (1736)
anh. s. 94
b.