In, ein Verhältnißwort, welches auf sehr mannichfaltige Art gebraucht wird. Diese verschiedenen Arten des Gebrauches, lassen sich, wenn auch hier nicht alle kleinen Nebenbegriffe, die oft noch damit verbunden sind angeführt werden können, auf die verschiednen Fälle der beiden Hauptbedeutungen zurückführen, die überhaupt ein Sein, einen Zustand um die Mitte oder in dem Inern eines Dinges, wo es immer den dritten Fall zu sich nimmt, und ein Bestreben nach diesem Inen, wo es immer den vierten Fall zu sich nimmt, ausdrucken. Es bezeichnet demnach in 1. mit dem dritten Falle, ein Sein, eine Ruhe, einen Zustand oder eine Handlung in dem Inern eines Dinges und zwar eigentlich, wenn dieses Ding ein Ort, ein eingeschlossener Raum oder etwas dem Ähnliches ist, welches ein andres Ding umgiebt, einschließt, enthält. I dem Garten sein. I der Laube sitzen. I der Stadt, in dem Dorfe wohnen. O könnte ich doch immer in eurer Mitte leben, unter euch, bei euch. I dem Bette liegen. Die Pfeife im Munde, den Stock in der Hand. I diesem Buche fehlt viel Nützliches. Er hat oder steht schon mit einem Fuße in dem Grabe, bildlich, er ist dem Grabe, dem Tode nahe. I sich halten, enthalten, fassen, begreifen. Er hat es in sich. Das ist noch in weitem Felde, das ist noch weit entfernt, noch sehr ungewiß. Es befindet sich in guten Händen. Etwas in der Hand haben, halten, sowol so, daß das Ganze von der Hand bedeckt und versteckt ist, wie wenn man Geld in der Hand hat, als auch so, daß nur ein Theil davon von der Hand umschlossen und bedeckt ist. I Schilde führen,
s. Schild. Mit im Rathe sitzen, einer der Rathsherren oder der Räthe sein, mit ihnen Sitzung halten. I der Stube auf und ab gehen, in der Stube sein und auf und ab gehen. I fremden Ländern herum reisen, in fremden Ländern sein und darin umherreisen. I der Erde suchen, etwas, das in der Erde ist oder sein soll. I diesen Schuhen gehet sich's gut, in welchen die Füße stecken. Es gehet mir im Kopfe herum, die Gedanken, deren Sitz der Kopf gleichsam ist, beschäftigen mich sehr, beunruhigen mich. Ih lese die Antwort in Iren Augen, die sich in Iren Augen ausdruckt, oder, die Sie durch Ire Augen ausdrucken. Sich im Spiegel besehen, sich,
d. h. sein Bild, welches gleichsam im Spiegel ist, sich darstellt. I mehrern Redensarten hat in seine eigentliche Bedeutung, aber die Redensarten selbst sind uneigentlich. Einem im Wege sein oder stehen, ihm hinderlich sein. Sich in den Haaren liegen, sich raufen, balgen, zanken. Etwas im Sinne haben, daran denken, es thun wollen. Eine Härte ist es das bestimmte Deutwort bei Grundwörtern, wo es nicht mit in ein Wort (im) zusammengezogen werden kann, oder wo man nicht einem, einer zu in setzen kann, wegzulassen.
Z. B. »I Augen ist ihr ganzer Geist.« Lessing, wo es in den Augen heißen muß. Hieher gehört auch die Bedeutung des Wortes in bei den Ländern, welche große Herren in ihren Titeln führen, und wo es bedeutet, daß sie nur einen Theil dieser Länder besitzen. Die Herzoge in Sachsen, für in in dieser Hauptbedeutung ist in manchen Fällen
An üblich, besonders vor den Wörtern Ort, Stelle, Platz. An diesem Orte, an meiner Stelle, an seinem Platze. S.
An. Uneigentlich stehet in 1) wenn statt des Wortes ein Zustand gedacht werden muß, bei welchem oder während dessen etwas ist oder geschieht. I Besitze einer Sache sein. Sich in guten, schlechten Umständen befinden. I Bereitschaft stehen. I den letzten Zügen liegen. Mit jemand in gutem Vernehmen stehen. Mit einem in Freundschaft, Feindschaft leben. I Eid und Pflicht stehen. I gemeinen Leben, in den gewöhnlichen gemeinen Verhältnissen des Lebens. I Gedanken sein, seinen Gedanken nachhangen und an nichts Anders denken. I Traume nämlich kam es mir vor, daß in demjenigen Traume, welchen ich hatte. Nur in Träumen glücklich sein,
d. h. dann, wenn man träumend glücklich zu sein glaubt, wenn man sich glücklich träumt, was aber nicht in allen Träumen, die man hat, der Fall zu sein braucht, und auch wol bei keinem der Fall ist; daher man nicht sagen kann, in den Träumen, weil das bedeuten würde, überhaupt in den Träumen, welche man hat, in allen Träumen. I folgender Stelle heißt es also auch richtig, in Traum. — — dann will ich mir Hütten Nicht in Traume nur baun — Klopstock. I großem Ansehen stehen. I hohen Ehren halten. I einem öffentlichen Amte stehen. Ein Haus in baulichem Stande erhalten. I Fall, daß dies geschehen sollte. I Fall er käme, in dem Falle, oder falls, daß er käme. Besonders, wenn jener Zustand ein Zustand des Gemüthes ist. Es entfuhr ihm die Drohung in der Hitze. Es geschah im Zorne, in der Wut. Ih bin deßhalb in großen Sorgen, in Furcht, in Angst. Es bestehet dies Übel nur in der Einbildung. I gespannter Erwartung sein. 2) Wenn das Wort, bei welchem es stehet, einen Gegenstand bezeichnet, in dessen Inerm gleichsam etwas ist, Statt findet oder geschiehet. I der Arbeit begriffen sein. I Gespräche auf etwas kommen. I Singen und Spielen viel Fertigkeit besitzen. I Wissenschaften und Künsten erfahren sein. I dieser Sache kann ich nichts thun. I seinen Nachforschungen fortfahren. I diesem Stücke hat er nicht Unrecht. I Spiele unglücklich sein. I Herzen zufrieden sein. I Gott vergnügt. Ih habe in ihm mein ganzes Glück verloren. Schlecht und verächtlich sind die Ausdrücke, im Brett und in der Karte spielen, für, ein Brettspiel spielen und Karte spielen. 3) Häufig druckt in die Art und Weise aus, wie etwas ist, geschieht oder gethan wird. Sich etwas in Gedanken, im Geiste vorstellen. I seinen Gedanken über Andre erhaben sein. I deutlichen Ausdrücken sich erklären. I Bildern sprechen. I Gleichnissen reden. I eigentlichen Verstande, Sinne, in demjenigen Verstande oder Sinne, welchen das Wort eigentlich hat, oder nach dem eigentlichen Verstande. Sich in Bier, in Wein betrinken. I eines Namen handeln. I Gottes Namen! Lieben Brüder, lieben Freunde in Kristo, im Herrn. I aller Gegenwart. I höchsten Grade. I einem befehlenden Tone sprechen. I einem Zuge fort reden, ohne inne zu halten, ohne aufzuhören. Ein Buch in Bogenform, in Viertelform, in Achtelform. Besonders, die Art und Weise des Daseins einer Sache. Sein Vermögen besteht in Grundstücken. Hundert Thaler in Gold,
d. h. in goldenen Münzstücken, oder durch goldene Münzen dargestellt. Das Haus hält vierzig Ellen in der Länge und zwanzig Ellen in der Breite. Hieher gehören mehrere umstandwörtliche Redensarten, welche in mit manchen andern besonders Grundwörtern macht. I Absicht, in Ansehung, in Betrachtung, in Erwägung, in Ermangelung, in Erwartung, in der That, in Wahrheit, in Betracht, in Betreff, in Ernst, in Scherz, in Gegensatz, in Grunde, in allgemeinen, in großen, in kleinen, in kurzen, in voraus Zuweilen ist diese Art und Weise zugleich eine Ursache. Das habe ich in guter Meinung, in der besten Absicht gethan. I der Hoffnung, daß du dich bessern wirst, will ich dir dies Mahl verzeihen. I seinen Angelegenheiten reisen. 4) Bezeichnet es eine Zeit, besonders eine Zeit, wenn etwas geschieht oder geschehen ist, sowol eine gegenwärtige, als vergangene. I dieser Stunde. I gegenwärtigen Monate. I vorigen Jahre. I der Nacht, in der dritten Stunde starb er. I Frühjahr, in der Ernte. I der Frühe, früh. I Anfange. Sie starb in der Blüte der Jugend oder des Lebens. Bei dem Worte Tag, wie auch bei den Namen der Wochentage und Feste ist in nicht gewöhnlich, sondern
an. S.
An. Ungewöhnlich sind daher die biblischen Ausdrücke: »in den Ostern.« Joh. 2, 23. I diesen Tagen, in den letzten Tagen, pflegt man jedoch zu sagen. Sowol in als an wird aber auch oft weggelassen und das Grundwort dann in den vierten, zuweilen auch zweiten Fall gesetzt. Vorige Woche geschah es, in der vorigen Woche. Noch diesen Augenblick war er da, noch in diesem Augenblicke. Oft bezeichnet in einen Zeitraum, während dessen eine Sache geschehen ist, geschehen kann, oder während dessen etwas geschehen wird, geschehen soll. I langer Zeit habe ich ihn nicht gesehen. I wenigen Tagen war er damit fertig. I einer Stunde war die Sache abgethan. »I einer Stunde ist verwüstet solcher Reichthum.« Apostelg. 18, 17. I einer Stunde muß es fertig sein, von jetzt an, bis nach Verlauf einer Stunde. I Jahr und Tag kann sich vieles ändern. I kurzen, in kurzer Zeit, in der Kürze. Das glaube ich in aller Ewigkeit nicht, zu keiner Zeit, nie. Will man diese Redensart in alle Ewigkeit schreiben, so gehört sie unter die zweite Hauptbedeutung und bezeichnet das Ziel in Ansehung der Zeit, bis zu welchem nicht geglaubt werden wird. Auch hier wird in im gemeinen Leben oft weggelassen. Künftigen Monat will er uns besuchen, im künftigen Monat. Ih komme den Augenblick wieder, im Augenblicke. 2. Mit dem vierten Falle bezeichnet in die Richtung einer Bewegung oder eines Zustandes, ein Bestreben nach dem Inern einer Sache und zwar wieder eigentlich, wenn diese Sache ein Ort, ein eingeschlossener Raum oder etwas dem Ähnliches ist. I den Garten gehen. I das Haus laufen. Etwas in die Mitte hinlegen. I Gesellschaft gehen. I den Rath kommen. Den Stock in die Hand, einen Bissen in den Mund nehmen. Ein Loch in den Kopf fallen. Einen ins Gesicht schlagen. I die Erde vergraben. Sich in den Mantel hüllen. Sich in die Höhe richten. I die Höhe werfen, schießen Etwas in Gold einfassen. I Papier einwickeln. Die Arme in einander schlagen, sie verschränken. Sich in den Finger schneiden. Den Feind in die Flucht schlagen. Sich etwas ins Ohr sagen. Die Thränen kommen mir in die Augen. — Kuß fesselte Lippe in Lippe. Sonnenberg; wo besser an stehen würde. So auch in den uneigentlichen Redensarten. Etwas ins Auge fassen, es genau und unverwandt ansehen. Es sticht ihm in die Augen, es reizt seine Begierde. Das fällt in die Augen. Einem die Worte in den Mund legen, ihm sagen, wie er reden soll. Einem etwas in den Weg legen. Sich ins Mittel legen, etwas vermitteln. Is Gedränge kommen. I den Tag hinein leben, ohne Überlegung, leichtsinnig. Ih folge dir in den Tod, ich sterbe mit dir. Is Werk stellen oder richten,
d. h. bewerkstelligen. I seinen Schutz nehmen. Einen in die Grube bringen, seinen Tod verursachen. Ha! fallet in sie: ihre Fahnen Erzittern furchtsam! trennen sie! G. R. Wekhrlin;
d. h. fallet ein, drängt ein in ihre Reihen. Uneigentlich stehet in mit dem vierten Falle 1) wenn statt eines Ortes von einem Zustande die Rede ist, welcher sich an einem Dinge entwickelt oder doch der Entwickelung nahe ist. I Armuth, in Verdacht, in Verachtung gerathen. I Verlegenheit kommen. I Klagen, in Thränen ausbrechen. Sich in sein Schicksal finden, ergeben. Sich in die Leute schicken. Sich in eine Person verlieben. I sein Unglück, in sein Verderben rennen. Eine Sache in Gang bringen. Es ist in Vergessenheit gerathen. Einen in Erstaunen, in Verwunderung setzen. Die Freude verwandelt sich oft in Traurigkeit. I tiefe Gedanken verfallen. I Entzücken versunken. — in profetische Stille Sanft verloren — Klopstock. I Erfüllung gehen. I viele Stücke zerschlagen. Ein Buch in vier Bände binden. Is Gewehr treten, bei den Soldaten, sich in Reih' und Glied neben das Gewehr, oder mit dem Gewehr beim Fuß hinstellen. 2) Bezeichnet in den Gegenstand einer Handlung und zugleich den Stoff des Gegenstandes. I Gold, in Silber, in Horn, in Holz arbeiten. I Holz schneiden. I Kupfer stechen. 3) Bezeichnet in eine Art und Weise, die Anordnung, welche bei einer Handlung Statt findet. Das Reisig in Bündel zusammenbinden. Blumen in Sträuße binden. Die Haare in einen Zopf flechten. Die Bühne verwandelt sich zuletzt in eine ländliche Gegend. Das Maul in die Länge ziehen. Den Hut in die Quere setzen, auch zuweilen ohne in. »Und rückt den spitzen Hut die Quere.« Gellert. △ I das Saitenspiel, in die Leier fingen, in die Töne,
d. h. zu den Tönen des Saitenspieles, der Leier, sie mit Gesang begleiten. Dann, auf Cyprias Gebot, Sang ich des Adonis Tod Und Gedächtnißfeier, Traurig in die Leier. Simon Dach. 4) Bezeichnet in eine Zeit, bis zu welcher eine Handlung, ein Zustand sich erstreckt, in welchem Falle gewöhnlich bis hinzugesetzt wird. Bis in den Tod getreu bleiben. Bis in die Nacht spielen. Das kann ich in den Tod nicht leiden, bis zum Tode nicht, niemahls, durchaus nicht. Х Das thut in die Länge kein gut, wenn es lange so fortdauert. »Dein ist die Herrlichkeit in Ewigkeit.« Matth. 6, 13. »Sie graben in die Nacht.« Lichtwer. I gemeinen Leben bezeichnet in auch einen gewissen Zeitraum, durch oder in welchen sich eine Handlung, ein Zustand erstreckt. Er handelt nun schon in das dreißigste Jahr, es ist nun schon das dreißigste Jahr, daß er handelt. Es gehet ins vierte Jahr, daß ich von ihnen bin, es ist schon über drei oder bald vier Jahr. »Ih würde Inen zur Ehe rathen, da ich weiß, daß Sie in die sechzig sind?« Gellert. Veraltet ist der Gebrauch, in statt an für eine nicht genau zu bestimmende Zeit zu setzen. »Judas brachte ihrer in die dreißig Tausend um.« 2 Macc. 12, 4. Wie groß der Unterschied der Bedeutung ist, welchen das Wort in hat, je nachdem es mit dem dritten oder vierten Falle eines und desselben Wortes gefügt wird, kann man aus der Vergleichung der obigen Beispiele leicht ersehen. So hat es ganz verschiednen Sinn, wenn man sagt, in dem Garten gehen, in dem Garten sein und gehen, und, in den Garten gehen, nach dem Garten gehen, um in demselben zu sein; wenn man sagt, in der Grube graben, sich selbst in der Grube befinden und graben, und, in die Grube graben, durch Graben, Eingraben in die Grube bringen. Dieser großen Verschiedenheit des Sinnes ungeachtet, wird doch häufig eins mit dem andern verwechselt. Eben so häufig und noch häufiger wird im, das mit dem Deuteworte dem zusammengezogene in, und in, wenn es mit einem Grundworte oder andern Worte eine umstandwörtliche Redensart bildet, verwechselt. So sagt und schreibt man sehr häufig, im Ernst, im Scherz, im Ganzen, im Guten, im Kurzen (wofür Andre nicht richtiger, in kurzem sagen), im voraus für, in Ernst, in Scherz, in ganzen, in guten, in kurzen, in voraus Auf dieselbe Art verwechselt man auch an und am, bei und beim, von und vom, zu und zum. Ein Mehrers darüber sehe man in den Zusätzen zu C. Verdeutsch. Wörterb. zu dem Worte, Abandonniren. — Unrichtig und ungewöhnlich wird in gebraucht: für
an. »I jedesmahliger Mittwoche.« Schulze. — Für auf. »Ih hoffe wenigstens in der Durchreise, euch zu besuchen.« Bahrdt. — Für aus. »Eine Quelle, in welcher ich geschöpft habe.« Frank. — Für mit in manchen Kanzeleien. Man hat daraus in mehrern ersehen. — Für nach. »Wenn ich reisen werde in Hispanien.« Rö
m. 15, 24. — Für unter. »Ih kann unter dem Schutze, worin ich stehe, alle Drohungen verachten.« Wieland. — Für wider, bei einigen Gottesgelehrten in dem Ausdrucke: die Sünde in den heiligen Geist. — Für zu. »Daß man jederzeit ein gutes Vertrauen in die Kinder blicken lasse.« Hirzel. Obgleich an, in, inne, innen, binnen, inner, ein, ursprünglich ein und dasselbe Wort sind und ehemahls ohne Unterschied gebraucht wurden, so haben sie doch jetzt ihre bestimmten Grenzen und eingeschränkten Bedeutungen, welche an den gehörigen Orten nachzusehen sind. I einigen Zusammensetzungen wird das n in dem Worte in vor einem m des Wohlklangs wegen in ein m verwandelt; immaßen, immittelst.