Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
edele Adj.
1.1 in der Anrede, auch übergehend zur höflichen Floskel
1.2 bezogen auf die legitime, eheliche Abstammung (vgl. auch adelkint )
1.3 typische Kollokationen sind vrî und rîche sowie hêr , das mit e. in allen Verwendungen kombiniert wird
2 von idealtypischer Beschaffenheit
3 bezogen auf Seelen- und Verstandeskräfte ‘edelmütig, untadelig, feinsinnig’ (s.a. TPMA 1,34-38)
3.1 ‘von edler, von ethischen Werten geleiteter, innere Haltung’
3.2 ~ sêle
3.3 ~ muot
3.4 ~ hërze , programmatische Wendung im Tr
1 ‘adelig, von hoher Abstammung’ (auch von der göttlichen Abstammung Christi); übergehend zu ‘von hohem Rang, hoch angesehen’ (vgl. auch DRW 2,1190-93 und WMU 1,416f.; Lit. s. Ehrismann, Ehre und Mut, S. 64): ouch nante her in [er ihnen] daz sin lant / vnd sagete in daz sin geslechte: / daz was edile vnd mechtec Ägidius 604; einem edelme manne, hern Chvͦnen von Rv́milingen, eim rittere UrkCorp (WMU) 1783,45; daz sú nach edeler lúten sitte vnd reht lehen suln enpfahen vnd haben vnd ander belehennen nach lehens reht ebd. 2596,33 u.ö.; Parz 419,17; NibB 28,2. 103,2. 1806,2; also tet únser herre, do er wider siner edelen art in eime vihestalle also herte gebettet wart Mechth 5: 23,62; Galilea daz ist ein teil des lantes, da waren diu edeln geslæcht diu von Juda geborn waren PrOberalt 156,30; der in [den Amethyst] treit, der wirt geminnet von den edelen vrowen unte wirdet fersmahet von den diuwen [Mägden] PrüllS 12,3; dem erwærn vnd dem edeln herren, meinem liben herren dem apt von Alderspach UrkCorp (WMU) N267,39; dô was ze den selben stunden / ze Rôme ein vil rîcher man, / dâ von ich wol gesagen kan, / ein edel burgære Eracl 167; NibB 1036,4. – daz er [der Adler] der edelst vogel sei und sei ain küng aller vogel BdN 166,7. – wir wellen, liebiu swester [sagt Gunther] , tragen guot gewant. / daz sol helfen prüeven iuwer edeliu hant NibB 357,2 1.1 in der Anrede, auch übergehend zur höflichen Floskel: dir, edeler got, sich nie kein ding entseite SM: JvR 1: 3,13; o wol du keiser edele Rol 733; ir sult in lân genesen, / edeliu küneginne NibB 2355,2; nu zieren helde, edelen rittere von tivtscheme lande, gedenkent, dc vch der sige behalten ist UrkCorp (WMU) 93,19; edeler schribere ReinFu K,2203; waz nv, Agomennon, / vil edel richtere Herb 7731. 11533; ach edel vatter, heißet dißen ritter nit dot slagen! Lanc 399,1. – ich gebiute dir, edeliu wurz verbena, in nomine patris et filii et spiritus sancti [...], daz dû neheine tugende in dirre erde verlâzest Barth 150,17 1.2 bezogen auf die legitime, eheliche Abstammung (vgl. auch adelkint ): bi miner devwe [Magd] ich in [Ismael] han / ich han lange gegert / [...] daz mir min wip Sâra / einen edelen sun gebare VMos 18,14; die bruder alle gemeine, / groz vnd kleine, / ez were der basthart / oder von der edeln art Herb 6730 1.3 typische Kollokationen sind vrî und rîche sowie hêr, das mit e. in allen Verwendungen kombiniert wird: – (vgl. edelvrîe ): vnd waͤz da gegenwertj der eͤdele vrige herre Walther von Esschi UrkCorp (WMU) 295,1; der ritter edel unde frî KvWWelt 242; vröw dich, vrowe, rein Marie, / edel vrowe, maget vrie MarlbRh 47,14; Gen 767; VMos 14,27; Mechth 2: 19,22. – ein kvnic, der hiez Peleas, / edel vnde riche Herb 101; vil edel unde rîche / was er ie bî sînen tagen RvEBarl 5500; PrOberalt 83,32; UvZLanz 1392; Iw 3170. 3357. – der ritter edel unde hêr KvWSchwanr 1590; er hiz werdin viurin eingili, / geisti heri joch vil edili SuTheol 38; martirære / edil unde here Hochz 1057; fröide ist also tiure / und als edel und so hêre SM:KvL 17: 4,2 2 von idealtypischer Beschaffenheit: lavf nach mir, ich laz dich sehen / edele [besonders hohe] sprvnge ReinFu K,347; Libanus der edil berch [der erhabene Berg] der bezêchenôt got TrudHL 88,22; uz dem vischære der nie von menschen lere puchstab gelerent, auz dem machet er [der Hl. Geist] einen edeln predigær PrOberalt 113,20. – ‘erlesen, kostbar’, oft von wertvollen Dingen und Tieren zur Repräsentation adeligen Reichtums: sie brâhten im [...] einen mantel alsô edele, / sô chunich under dieseme himele / von phelel noch von gimme / nie neheinen mohte gewinnen VAlex 629; im was sîn edel kocher vil guoter strâle vol NibB 956,2; der esterich der muose sîn / lûter von cristallen / und von edelen kôrallen UvZLanz 4122. 3896; Parz 790,19. – ein hac, / des man mit edelen boumen pflac. / vîgen boum, grânât, / öle, wîn und ander rât, / des wuohs dâ ganziu rîcheit Parz 508,10. 483,17; SAlex 5250; eins edelen valken ougen brûn SM:Wi 9: 6,1; Eracl 4971; im Sprichw. (?): ie edeler hunt ie vester halsbant! Mechth 3: 1,173. – ‘von besonders hochwertiger Qualität’ vil der edelen spîse si von ir müede sciet NibB 37,2; merke daz boum ole, win, vnde honic, also uil si edeler sint, also uil sint si bezzer zu der ercenie SalArz 27,37; BdN 284,14; Barth 146,9; Iw 3475. – übertr.: ein hohes Gut bezeichnend ‘hochgeachtet, kostbar’ si gap ir edelen magetuom / und ir magtuomlîchen ruom / dem wîsen wîgande RvEAlex 18449; daz Cristus dye marter hat geleden [...] und gegossen sin edele blut vil tuͤre MarSp 462. – ‘hervorgehoben, außergewöhnlich’ ich vroͤwe mich des, das du komen wilt in also edeler wise, das ein magt din muͦter wesen sol Mechth 5: 23,16; der slange wart verwandelôt / in eine gerte, [...] / daz was ein zeichen edele Exod 718. – vnde mugent ir [der Edelsteine] die swin doch deheinen nuz haben, wen si wissent der edelen tugent [besonderen Eigenschaften] niht, die an den steinen ligent Lucid 76,3; der stern hât aht edel aigenchait BdN 62,26. – in Reihung mit anderen Adj. (oder Komposita ?): edil groze pfert MarcoPolo 12,5; nu zogt ûz, ritter edel guot UvLFrd 82,11; edel rîch gesteine KLD:WvB 3:2,12; ein edel süeze wîp Er 4176 3 bezogen auf Seelen- und Verstandeskräfte ‘edelmütig, untadelig, feinsinnig’ (s.a. TPMA 1,34-38) 3.1 ‘von edler, von ethischen Werten geleiteter, innere Haltung’ – in Bezug gesetzt zu adeliger Abstammung: er sî eigen oder vrî / der von geburt niht edel sî / der sol sich edel machen / mit tugentlîchen sachen Freid 54,9; hie bî möht ir merken wol / daz niemen edel heizen sol / niwan der der rehte tuot WälGa 3902. 3924; ûf disem huse [...] ein brûdir was / [...] / edil an geburt irkant, / noch edilre an mûte NvJer 13184; Helmbr 501; RvZw 81,8; Mechth 3: 24,14. – in Bezug auf tugent: sol ich den edel heizen / der niender tugende pfligt? KLD:Kzl 1: 2,11; ein Hademar / an tvgenden auh edel gar StiftZwettl 11; Herb 166. – ‘feinsinnig’ (s.u. 3.4): der edele senedære / der minnet senediu mære Tr 121; swem ist mit edlem [s.o. 2 ] sange wol, / des herze ist vol gar edler sinne SM: Had 8: 3,1 3.2 ~ sêle: die mit in selben fehtent daz si sich unrehtes geloubent, / daz sint chunige an der sêle edele Gen 2901; also er da ze Ierusalem die êdelin herren sluͦch, sâm derbit ubirâzze unde ubirtrunchenheit ûnser edele sêle Spec 40,14; Will 103,6; Eckh 5: 119,5; Mechth 1: 22,47. 5: 23,71 3.3 ~ muot: an der an gebornen wât, / diu von des herzen kamere gât, / die si dâ heizent edelen muot Tr 4995. 201; milte zieret edeln muot KvWLd 18,1; KvWTurn 80. 69; KvWHerzm 558; KvWHvK 96 3.4 ~ hërze, programmatische Wendung im Tr : ich hân mir eine unmüezekeit / der werlt ze liebe vür geleit / und edelen herzen zeiner hage, / den herzen, den ich herze trage Tr 47; ir triuwe, ir triuwen reinekeit, / ir herzeliep, ir herzeleit, / deist aller edelen herzen brôt ebd. 233. 1074 u.ö. – wîplîch güete, schœne und êre, / dâ bî reinen muot, / diz gewant treit diu vil hêre; / daz ir edelem herzen sanfte tuot KLD:GvN 38: 1,8; der junge reine gotes kneht, / begie dô sîner zühte reht, / als ie diu edeln herzen tuont RvEBarl 13381; KvWHerzm 588; Mügeln 55,10. 55,14; Lanc 488,15
MWB 1 1488,10; Bearbeiterin: Baumgarte