Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Ur
Ur
Auerochse m. ausgestorbenes europäisches Wildrind von beträchtlicher Größe, Kraft und Schnelligkeit, ahd. ūro (um 900), mhd. ūr, ūre, aengl. ūr, anord. ūrr, daneben die verdeutlichenden Zusammensetzungen ahd. ūrohso (um 1100) und ūr(h)rind (10. Jh.). Die Herkunft von germ. *ūr- ist nicht mit Sicherheit anzugeben. Wahrscheinlichkeit ist von einer ursprünglichen Bedeutung ‘Befeuchter, Besamer’ auszugehen und Verwandtschaft mit anord. ūr ‘Feuchtigkeit, Regen’, lat. ūrīna ‘Harn’, aind. várṣati ‘regnet’ (und wohl auch ‘stößt Samen aus’), vṛ́ṣā ‘Mann, männliches Tier (Stier, Roß u. a.)’, vṛṣabhá- ‘Mann, Stier, Besamer’ anzunehmen. Die zugrundeliegende Wurzelerweiterung mit Liquida ie. *aur-, *u̯ē̌r-, *ūr- ‘Wasser, Regen, Fluß’ führt auf die gleiche Wurzel ie. *au- ‘benetzen, befeuchten, fließen’ wie die unter Wasser (s. d.) dargestellte Dentalerweiterung ie. *aud-, *u̯ed-, *ū̌d-. Im 18. Jh. wird Ur m. neben Auerochse wieder ins Nhd. aufgenommen, erscheint zunächst in poetischer Sprache (Klopstock) und geht im 19. Jh. in den allgemeinen Sprachgebrauch über.