uralt,
adj. adv. ,
durch ur- C 4 a
gesteigertes alt.
ags. oreald;
vgl. an. ørgamall
im namen ørgemlir;
ahd. uralt
valde senex, decrepitus, grandaevus, cariosus, longaevus, veteranus Graff 1, 196
f.; im ältern mhd. wird u.
nur einmal (
kaiserchronik 9692
Schr.)
bezeugt und scheint sonst fast auszer gebrauch gekommen; erst nhd. breitet sich das wort in reicher entwicklung wieder aus. im schweizerischen haben andere verstärkungen u.
verdrängt, z. b. gufer-, hunds-, stein-, horn-, duralt (Staub-Tobler 1, 205
f.);
vgl. mhd. nhd. wunderalt;
nhd. greis-, kreuz- (kreuz 3 c), stock-, über-, ururalt, weltalt;
engl. overold;
nl. al-, over-, eeuwenoud.
ausnahmsweise erscheint und fehlt der umlaut; z. b. seines ... urälten geschlechts Albertinus
hirnschleifer (1664) 495; von urälten Anzengruber 4, 339; das uralteste Prätorius
glückstopf 457.
der gebrauch des adv. ist schwach entwickelt (III).
von den steigerungsformen fehlt der comparativ, der superlativ ist häufig. II.
von personen oder persönlich gedachtem; durchweg alt 1
als gs. zu jung
entsprechend. I@11)
sehr alt, hochbetagt. in ä. spr. gern substantiviert: sam tâten die uralten
kaiserchronik 9692
Schr.; und rat den uralten und graen, das sie uns nit zwirent enpfaen
fastnachtssp. 1, 390, 24
K.; es ist zu vermeiden den kalten und uralten
M. Herr
schachtafeln d. gesuntheit (1533) f 2
a; 'mit eurer erlaubnis, ihr herren', sagte der uralte (
der 80
jährige senne) zu den alten (
den 7
aufrechten) G. Keller 6, 330.
als adj.: du hast mir gebn ein mann uralt, runtzelt, heszlich, und ungestalt H. Sachs 17, 52, 16
G.; 3, 306, 19
K.; 21, 23, 32
G.; mich uhralten, verlebten mann J. Ayrer
dramen 1, 168, 13
K.; Nestor, der uhralte greisz Spreng
Ilias 45
b; die heiligen drei könige, nunmehr u., hören von ihm Göthe 41, 1,
[] 175
W.; so ein junger herr, was soll er neben einer uralten frau? Iffland 5, 16; meiner uralten person W. v. Humboldt
an Varnhagen 91; Holtei
erz. schr. 1, 139; Gutzkow
ritter vom geiste 1, 26; die urältesten greise unseres hauses waren auf dem steine gesessen Stifter 5, 1, 19.
von meerweibern: uralt werden sie, wie sonn und mond am himmel, doch unsterblich sind sie nicht Hebbel 5, 165
W.; vgl. c; Seidel
Hühnchen 31. uralt und gelähmt lag er ... in einem kleinen häuschen Herm. Grimm
Michelangelo 1, 38. I@22)
menschen und völker einer grauen vorzeit, die vorfahren: auch hat die hart woll ... groszen werdt, dann die uralten haben die gebraucht, wie Homerus schreibt Eppendorf
Plinius (1543) 83; der brauch bei den uralten Ryff
spiegel d. gesundtheit (1544) 73
a; unser vätter und uralten Nas
eins u. hundert 1, 47
b; Sebiz
feldbau 115; der allerersten und bekandtisten einer bey allen uhr- und alten Guarinonius
greuel (1610) 1049; wer die uhralte in ihrer tracht nachäffen wolte ... Moscherosch
gesichte 2, 289; Prätorius
winterflucht vorr. b 8
a; die uralten sangen ihre rechte in gedichten Görres
ges. schr. 1, 441; es lebten wie ihr des geschlechts urälteste väter Platen 1, 262
R.; aussprüche jener uralten weisen Körte
sprichw. vi.
der urzeit, grauen vorzeit an- oder zugehörig: die alle gedenken Mosis als des uralten fürstehers der Juden Hedio
chron. germ. (1530) 297
b; des uralten poeten Homeri Heyden
Plinius (1565) 249; vorfahren Fischart
ritter v. Staufenberg 745
H., völker Birken
ostl. lorbeerhayn 210, Deutsche Butschky
Pathmos 105, landvolk (
zigeuner) Hagedorn 3, 55, helden Herder 18, 30
S., den urältesten herren Göthe 17, 101
W., Hiob Fr. H. Jacobi 1, 71. das deutsche volk ist in der geschichte u. E.
M. Arndt (1845) 1, 231. uralt freund
von jeher befreundete Fischart
glückhaft schiff 135
H. die uhralten (
dem uradel angehörenden) graffen El. Charl. v. Orleans 1, 37
M. übertreibend: sogar hat ein uralter Lateiner einen Philoktet geschrieben Göthe IV 41, 39
W. den einen uralten (
immer dagewesenen), zahllosen, unverwüstlichen schafskopf Büchner
nachgel. schr. 143. I@33)
von gott, geistern, mythologischen personen, denen ein von ewigkeit dauerndes dasein zugeschrieben wird (
vgl.ur- C 4 c): die uhralte geister
volksb. v. dr. Faust 75
Br.; wenn der uralte heilige vater mit gelassener hand aus rollenden wolken segnende blitze über die erde sät Göthe 2, 81
W. (
grenzen der menschheit); der nacht uralte töchter
Iphigenie 1054; den uralten Kronos Stolberg 15, 15; Priapus ... als uralter genius der natur J. H. Vosz
antisymb. 1, 4; H. Heine 1, 136
E. der uralte
gott: es musz dem uralten wohlgefallen, wenn sein lob ... wiederhallt Gleim
briefw. 2, 65
K.; Heinse 10, 75
Sch.; denn du bist der allwaltende, uralte, niemals altende Rückert 11, 225. IIII.
von nichtpersönlichem. II@11)
von thieren, pflanzen, steinen, wasser: ein wolf uralt H. Sachs 9, 235, 23
K.; ein uralter hulman Brehm
thierl. (1890) 1, 396; unter einer uralten, weitschattenden eiche Herder 22, 236
S.; Göthe 24, 174
W.; wälder A. W. Schlegel
Athenäum 1, 11; wie sind wir drei dann so ganz allein, du, luft, und ich der uralte stein! A. v. Droste-Hülshoff 1, 119; uralter Rhein! Lenz
ged. 157
W.; uralte wasser steigen verjüngt um deine hüften, kind! Mörike 1, 87. II@22)
von concretis anderer art: seines fürstenthumbs fürnemste und uralte statt S. Münster
cosmographey 97; ein beltz uralt H. Sachs 17, 379, 20
G., königreich 8, 477,
[] 5
K., bücher Keszler
sabbata 84, closter Kirchhof
wendunm. 2, 47
Ö., lieder Zesen
verm. Helikon 1, 186, kinderspeisz Dannhauer
catechismusmilch 1, 14, getränke
allg. haushaltungslex. 3, 660, münze Lessing 3, 6
M., inschrift Herder 15, 620, metallspiegel, schäferwelt, gebirge, thiergeschlechter, bette der Tiber, meeresgrund, pult Göthe II 5, 1, 266
W.; I 21, 86
W.; IV 19, 173
W.; IV 41, 137
W.; IV 8, 146
W.; IV 5, 2, 1
W.; I 21, 57
W.; muttergottesbild Schiller 13, 214
G., mauer Holtei
erz. schr. 24, 63, wildnis G. Keller 7, 357, flasche Rheinwein 5, 79, wohnsitz Allmers
marschenb. 1, 2, 130, gesangbuch G. Hauptmann
bahnwärter Thiel 2; ein uralter (
ewiger) ... schnee Schwabe
belustigungen 1, 50; die uralte (
von jeher erhobenen) kaiserlichen zölle
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 94. ich bekenne aufrichtig, dasz ... etwas uhralt und unvernünftig und etwas anders heutig und vernünftig seyn kan
disc. d. mahlern 2, 51; ich bin in der stadt herumgegangen, die u. ist Göthe III 1, 178
W. II@33)
von abstractis: namen, bündnus, historia, sprichwort, gewonheit Scheit
Grobianus 10
ndr.; Achatius
chron. Sleidani 387
b; Montanus 638
B.; Wickram 4, 260
B.; notariatb. 62
a; zu ehren der uralten ... teutischen sprach Fischart
Garg. 53
ndr. und so oft im 17.
jh., z. b. die ächte wissenschaft unserer uhralten helden- und muttersprache Neumark
lustwald zuschr. 13; gebrauch, kunst, glauben, tracht, ordnung, freiheit, herkommen, regel, wissenschaft, ruhm, religion, verfassung, vorurtheil, weisheit, ansprüche, manier, einsamkeit, überlieferung, zustand, bulerei, kräfte, symbol, sitte, märchen, wunder, wünsche, bibelvorstellung, zwist, vorrecht, gesetz, beziehungen, verbreitung, verbindung, erfindung, wandlung, berechtigung, cultur
u. s. f. Schütz
hist. rer. prussic. 1, d 4
c; Sutorius
fechtb. (1612) x 2
a;
acta publ. 7, 166
P.; Moscherosch
ges. 219; Treuer
Dädalus 1, 760; Lohenstein
Arm. 1, 25
b; Hohberg
georg. 3, 40
b; Heinichen
generalbasz 9; v. Fleming
soldat (1726) 34; Gottsched
neueste ged. 3; Zimmermann
nationalstolz 281; Winckelmann 7, 59; Wieland
Agathon 1, 258; Herder 6, 510
S.; 12, 128
S.; Göthe 46, 79
W.; 25, 249
W.; 7, 103
W.; gespr. 2, 352
B.; Schiller 3, 80
G.; Schenkendorf
ged. 65; J. H. Vosz
antisymb. 2, 225; Kotzebue 7, 105; H. Heine 1, 164
E.; Tieck (1828
ff.) 1, 333; 1, 344; Jung-Stilling 6, 385; Hegel 1, 315; Gentz 2, 84
Schl.; Alexis
Roland 1, 72; Jac. Grimm
Reinhart fuchs 242; Justi
Winckelmann 2, 2, 393; G. Freytag 14, 87; Peschel
völkerk. 389; Scherer
literaturgesch. 11; R. Wagner 2, 134; Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 1; es will vielleicht betäuben die nacht den uralten schmerz? G. Keller 9, 19; im urältesten stil Göthe 7, 197
W. dieser ... brauch ... ist u. Guarinonius
greuel (1610) 190; Schleiermacher
Platon 6, 4; Ranke
s. w. 31/32, 116; es is alles u. (
schon immer dagewesen), nur in anderer gestalt Nestroy 2, 219.
insbesondere von der zeit längstvergangen, gs. gegenwärtig: in den vorigen und besonders uralten zeiten
Noel Chomel 8, 173; Göthe II 8, 244
W.; der Ausoner geschichte und grösze gehört uralten jahren an Niebuhr
röm. gesch. 1, 49; erinnerungen aus uralter vorzeit Fr. Schlegel 1, 11; sitz uralter vergangenheit Ritter
erdk. 1, 10. vor uralten zeiten hero Grimmelshausen 4, 581
Keller; für uhralter zeit Lohenstein
Arm. 1, 88
b; vor uhralten zeiten Chemnitz
schwed. krieg 1,
widmung 3; Hohberg
georg. 1, 76; Castelli 14, 126; von uhralten zeiten her Abr. a
s. Clara
merks Wien 9; von uralten zeiten an Herder 15, 556
S.; von, aus, in uralten zeiten Schiller 11, 358
G.; Göthe IV 29, 21
W.; Geibel 2, 153; seit uralten zeiten
Shakespeare 1, 37; Stolberg 10, 7; seit uralter zeit Mommsen
röm. gesch. 2, 75; von uralten ewigkeiten A. Hartmann
volksschauspiele 198, 38; von den urältesten zeiten her Klinger 9, 137.
von geschlecht, abstammung, stamm u. dgl., wobei abstracte und concrete vorstellung sich mischen: es war ein groszer herr, des geschlecht sehr u. und edel war Lindener
rastbüchl. 6
L.; dasz ich aus uraltem ... stamme geboren ... bin Schweinichen
[] denkwürdigk. 11
Ö.; aus uhraltem bluhte, hausz, fürstenstamm Zesen
rosenmând 69; Zinkgref-Weidner 3, 5; Göthe 49, 157
W.; abkunft, stammbaum Körte
sprichw. 4; G. Freytag 17, 38; von dem urältesten geschlecht Leibnitz
d. schr. 1, 325.
substantiviert: es verhält sich mit dem genanten urtheile über die römische kunst wie mit denjenigen, die das uralte mit werken der späteren kunst verwechseln Winckelmann 5, 265; Herder 5, 213
S.; etwas eigentlich uraltes Schelling I 2, 16; W. v. Humboldt
an Welcker 88. IIIIII.
das adv. ist undeutlich in verbindungen wie: eine löbliche und u. deutsche ... einrichtung E.
M. Arndt (1845) 1, 245; durch u. heiligen zauber Mommsen
röm. gesch. 3
1, 91; Fontane I 1, 60; nach u. traulicher sitte Allmers
marschenb. 1, 2, 221; der uralt-schlechte Immermann 15, 70
B.; das uralt alte schlummerlied, sie achtets nicht, sie ist es müd Mörike 1, 116; vom uralt heilgen stuhl der amphiktyonen Grillparzer 5, 169
S.; aus uralt dunkeln tagen Geibel 3, 84.
oft werden solche verbindungen als ein wort gefühlt und zusammengeschrieben; z. b. uraltadlig Harsdörfer
schauplatz (1651) a 5
b; K. Fr. Cramer
Neseggab 4, 358; uraltangestammt Rosegger
nixnutzig volk 352, -angewöhnt J. v. Müller 6, 319, -baierisch Zschokke 31, 50, -bebaut Ritter
erdk. 11, 889, -bestehend Zchokke 36, 265, -bischöflich Zschokke 30, 91, -cultivirt A. v. Humboldt
kosmos 2, 186, -deutsch Butschky
Pathmos 553; Jac. Grimm
an Benecke 101
M.; Scherer
lit.-gesch. 194, -erlaucht Zschokke 36, 114, -edel Winkelmann
oldenburg. friedenshandlungen (1671) 17
b; Herder 5, 448
S., -ehrwürdig Hamerling 8, 41, -einheimisch K. O. Müller
Dorier 1, 430, -ewig Hebbel I 1, 157
W.; Gutzkow
zauberer 1, 240, -frei Zschokke 8, 112, -fröhlich 29, 130, -geschichtlich Göthe II 11, 60
W., -gesetzlich Ranke 15
2, 216, -gewohnt Zschokke 2, 52, -heidnisch 25, 348, -heilig 39, 245; Hebbel I 3, 73
W.; O. Ludwig 4, 363, -herrlich Zschokke 34, 360, -herrschend Baggesen 1, 255, -mythologisch Scherer
kl. schr. 1, 142, -nordisch Fouqué
alts. bildersaal 2, 276, -stämmig Rosegger III 1, 31.
zum charakter solcher verbindungen s. Wilmanns
d. gramm. 2, § 402, 5. —