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ur

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ur m.

Bd. 24, Sp. 2353
ur, m., bos primigenius. ahd. ûr, ûro; mhd. ûr, ûre; mnd. in ûrosse; mnl. in ooros, nl. in oeros; ags. ûr, engl. veraltet owre; an. ûrr; schwed. dialectisch ure stösziger stier. aus dem germanischen stammen lat. urus, byzant. οὖρος. zu grunde liegt wahrscheinlich eine idg. wurzel uer 'feucht'; »in den idg. sprachen werden namen männlicher thiere verschiedentlich mittels einer wz. 'befeuchten, besprengen' gebildet« Kluge-Götze etym. wb.11 27b. vgl.auer, auerochs, urochs, urstier. auszer den vorwaltenden starken formen erscheinen schwache (auch im mhd.); z. b. nom. plur. die uren Tschudi, Stumpf, H. v. Kleist; gen. plur. der uren H. v. Kleist 2, 445 Schm.; acc. sing. den uren H. v. Kleist 2, 422 Schm. (Hermannsschlacht 2029). ur schwindet im 17. jh. aus der literatursprache und wird erst von Klopstock als kennzeichen altgermanischen jagdlebens und wilder kraft erneuert, zunächst vorwiegend poetisches wort. Gotthelf ersetzt das (1850) in den erzählungen und bildern 1, 12 gebrauchte ur 1856 1, 270 durch stier. Staub-Tobler 1, 419; Fischer schwäb. wb. 6, 289. im 19. jh. wird das wort allgemein üblich: es sind ouch die wilden uren nit glych gemäsz der gestalt des wappens des lands Uren, so eines stierkopfs form hat Tschudi bei Staub-Tobler a. a. o.; es werden noch diser zeyt im Sibental ... die stier uren genent Stumpf Schweizerchron. 508b (nach Tschudi bei Staub-Tobler a. a. o.). leer war sein köcher, er jagte nach unseren rehen herauf den pfeilevollen uhr! Klopstock Hermannsschlacht (1769) werke 8, 201; um mitternacht halten wir mahl und rath! und die barden singen uns siegsgesang! die krieger singen ihn nach, dann wandelt das horn des uhrs umher 8, 204; den waldtyrannen, den uhr! 9, 194; 9, 318; 333; tief im hain erscholl das kampfgeschrei der männer und des uhrs Herder 28, 201 S.; ich sah ... den Altpreuszen mit seinem elenn, den Altdeutschen mit seinem uhr 24, 55 S.; Stolberg 5, 243; und als das bild vollendet war, erwähl ich mir ein dockenpaar, gewaltig, schnell, von flinken läufen, gewohnt den wilden uhr zu greifen Schiller 11, 277 (kampf m. d. drachen); J. H. Vosz ged. 6, 81; Fouqué held d. nordens 1, 194; in Klopstocks spuren wandelt H. v. Kleist, wenn er häufig den u. in der Hermannsschlacht verwendet; z. b. dem kühnen sieger des gehörnten urs H. v. Kleist 2, 326 Schm.; 2, 328; 330; 422; 445 Schm.; der brummende uhr maler Müller 1, 24; Fr. Kind ged. 3, 210; ich möchte ... die noth und angst schildern, in der diese jammerbilder sich die saure last aufgeladen haben, ure, einhörner ... zu weiden Görres br. 2, 593; wenn auf verwachsnem pfad ... des sees gewohntem bad ein uhr mit wilder lust entgegenbrauste Matthison 1, 79; Droysen Äschylus 428; Rückert 11, 491; 1, 239; als wie ein eber und ein ur, wenn sie zum kampf in unsern wäldern sich begegnen 9, 349; einst ... verfolgte er (Karl d. grosze) einen trupp ure G. Freytag 17, 344; Peschel völkerk. 12; schwerlich war ... der riesenhafte ur ein so gefährlicher feind ... wie dieses ... wilde geschöpf (d. wisent) Vischer auch einer 1, 237; Hebbel I 1, 249 W.; K. E. v. Bär reden u. aufs. 1, 215; Schwerz prakt. ackerbau 689; Schwappach forst- u. jagdgeschichte 1, 32; Allmers marschenb. 1, 2, 97; dazu (zu den ausgestorbenen thieren) gehören vor allem zwei wildstiere, der ur und das wisent Wimmer gesch. d. d. bodens 318; Brehm thierl. (1890 ff.) 3, 258. übertragen: manchen ur belegt ein heilger mit dem sanften joch des glaubens Herder in Wackernagels leseb. 4, 947; die deutschen uren! H. v. Kleist 2, 365 Schm. (Hermannsschlacht 937); der fürst der uren 2, 445 Schm. (Hermannsschlacht 2473); den edlen ur (Varus) G. Kinkel ged. 65. zusammensetzungen: uresblut, -horn, -kopf Fouqué alts. bildersaal 1, 318; 2, 15; 1, 319.
3789 Zeichen · 134 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    urPräf.

    Köbler As. Wörterbuch

    ur , Präf. nhd. aus, heraus ne. out (Präf.) Vw.: s. -dêli*, -fūr*, -hêtian*, *-hêto, -kundio*, -lagi, -lôf*, -slaht, -th…

  2. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    ur

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +1 Parallelbeleg

    lectorAWB, lectar-arAWB, lectur-urAWB m. a/i-St., n. a-St., in B, GB, in Gl. 2,50,10 (2. Viertel des 9. Jh.s). 86,27 (Mi…

  3. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ÛRstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +6 Parallelbelege

    ÛR stm. aurochse, waldstier. lat. urus ; Graff 1,459. der ûre Reinh. 1353. im was sîn houbet grœʒer danne eim ûre Iw. 25…

  4. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ur

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther)

    ur-, s. or-; z. B. ur-sale.

  5. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ur

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Ur , ein sehr altes Wort, nicht allein in der Deutschen, sondern fast in allen Sprachen, welches indessen im Deutschen n…

  6. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Ur

    Goethe-Wörterbuch

    Ur [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  7. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Ur

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Ur , soviel als Auerochs.

  8. modern
    Dialekt
    ur

    Schweizerisches Idiotikon · +6 Parallelbelege

    ur Band 1, Spalte 420 ur 1,420

  9. Spezial
    ur

    Ladinisch-Deutsch (Mischí)

    ur [ūr] m. (urs) 1 Rand m. 2 Kante f., Brettkante f. (→ fos) 3 (pro na peza) Saum m., Bord n., Einschlag m., Einfassung …

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Cotta, M. (2026). „ur". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ur/dwb?formid=U13492
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Cotta, Marcel. „ur". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ur/dwb?formid=U13492. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „ur". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ur/dwb?formid=U13492.
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