licht,
adj. lucidus. 11)
ahd. lioht
mit dem adv. liohto;
mhd. lieht
mit liehte;
alts. lioht, liaht,
ags. leóht,
fries. liacht;
im gothischen und altnordischen fehlt die bildung, doch hat das gothische verbum liuhtjan
sie zur voraussetzung. das ältere nhd. bis ins 17.
jahrh. schreibt hier, wie bei dem folgenden subst., liecht,
welcher schreibung noch heute diphthongische aussprache im alemannischen dialekte sowol, wie im bairischen (Schm. 1, 1430
Fromm.)
entspricht. in nördlichen quellen aber hat in jener schreibung ie
nur den wert eines längezeichens; und es fragt sich, ob selbst noch im 16.
jh. das wort durchaus lang gesprochen ward. in niederdeutschen und ans niederdeutsche anrührenden quellen ist das wort schon früh kurzvocalisch, liht
Annolied 20. 40
gegen lieht 572,
mnl. und mnd. verläuft die form licht sogar zu lecht (
mnl. lecht : echt
Reinaert 1641;
mnd. lecht : echt
Reinecke fuchs 1577; licht : knecht
v. d. holte des hill. cruzes 317),
und diese aussprache dringt im 16.
jh. sicher auch in der hochdeutschen schriftsprache vor, wie sowol die theilweise schon aufgekommene schreibung licht,
der sich aber Luther
noch enthält, als auch der umstand erweist, dasz das wort, selbst wenn liecht
geschrieben, fast nur noch im reim auf kurzvocalische formen verwendet wird (liecht : sicht Waldis
Esop 1, 85, 33; :nicht 2, 37, 18; licht : gedicht Fischart
dicht. 2, 115, 1
Kurz; gschicht : liecht 188, 336
gegen licht : kricht =
kriecht 43, 1553;
im 17.
jahrh. durchaus: abendliecht : nicht Opitz 2, 92. gesichte : liechte 121; licht : spricht Fleming 64. tichten : liechten Logau 3, 102; früchte : lichte 3, 244, 147
u. ö.).
im 17.
jahrh. hat die schreibung liecht,
auszer bei oberdeutschen schriftstellern, wo sie durch die mundart gestützt wird, nur historische berechtigung; zu ende des genannten jahrh. verschwindet sie bis auf vereinzelte ausnahmen ganz. 22) licht
gehört einer weitverbreiteten wortfamilie an, der eine wurzel sanskr. ruć,
griech. lat. slav. luk,
deutsch luh
zu grunde liegt: sanskr. rôcatê
er leuchtet, strahlt, rući
licht, glanz, blitz, griech. λύχνος leuchte, λευκός licht, weisz, lat. lucere
leuchten, lumen, luna
für luc-men, luc-na,
slav. luna
mond, lučĭ
licht, luča
strahl; goth. liuh-aþ
licht, lauhmuni
blitz, lauhatjan
leuchten, ahd. lôhazan
blitzen, louc
flamme, ags. lêg
lohe u. a., eine wurzel die auch in einer weiterbildung mit s
erscheint, wovon lat. illustris
für inluxtris,
altnord. liós
für liohs
licht, ags. liexan, lŷxan, lîxan
entstammen. lioh-t
licht ist der form nach passives particip, das von der bedeutung mit glanz versehen, durchleuchtet ausgehend sich zu dem heutigen gebrauche entfaltet. 33) licht
daher zunächst von den himmelskörpern und ihren strahlen: alts. allan langan dag,antthat thiu liohta giwêt sunna te sedle.
Heliand 4234;
ags. gelîc wäs he þâm leóhtum steorrum.
genesis 256;
mhd. ein teil schein ûʒ den wolken des liehten mânen prehen.
Nib. 1560, 1; alsam der liehten sunnen glanz.
minnes. 1, 336
a Hagen; diu sunne schînet nie sô lieht (
in der hölle), der mâne hilfet in nieht, noch der liehte sterne.
minnes. frühl. 28, 22; sît diu sunne ir liehten schîn gegen der kelte hât geneiget. 59, 11;
nnd. in dichterischer sprache noch häufig: mancher get zu seim bulen, bei liechtes monen schein. Uhland
volksl. 183; o heller tag! o liebe sonn! sprachen sie, nun dein schein uns gonn, zeig uns dein liechtes rotes haupt. Fischart
glückh. schiff 199; denn die sternen, gleich den freiern, prangen in den liechten schleiern. Fleming 507; von welcher sonne lichtem strahle weicht meine finsternisz! Uz 1, 210; seht, wie in ungemeszner ferne Orion und sein heer, ein heer bewohnter sterne, vor seinem schöpfer sich in lichter ordnung drängt. 212; der die lichten himmelskerzen entzündet. Arndt
ged. (1840) 503; mit gespielen von den lichten sternen. 569; doch an des himmels lichter zier seh ich den widerschein von ihr (
der geliebten). Rückert
liebesfrühl. 2, 31,
s. 72;
in formelhafter wendung, der unten 9,
b aufgeführten nahe stehend: das er bei deinen weibern schlafen sol, an der liechten sonnen. 2
Sam. 12, 11. 44)
vom feuer, der glut und ihrem scheine; namentlich ist hier die allitterierende formel der lichten lohe
häufig und altbezeugt: ags. þät on sume tîde Troia burg ofertogen häfde lêga leóhtost.
Alfreds metra 9, 17;
mhd. und began mit vil grôʒer kraft ze hant brinnen der schaft von sô liehtem louge, daʒ nie dehein ouge keines liehtern enpfant.
krone 19214;
nhd. sein odem ist wie liechte lohe, und aus seinem munde gehen flammen.
Hiob 41, 12; wie etwan von den winden, wann ihr ergrimmter sturm den wald zusammen treibt, ein baum so oft und viel desz andern äste reibt, dasz durch erhitzung sich der liechte loh empöret. Opitz 1, 41;
bildlich: die, für die sein herz in lichter lohe brennt. Wieland 11, 216;
gern im absoluten genitive lichter lohe (brennen),
der auch zu lichterlohe, lichterloh (
s. d)
zusammengerückt wird: ja solch fewr göttlichs zorns, sehen wir an den Jüden, wie es brennet liechter lohe und heller glut, grewlicher den Sodoma und Gomorra. Luther 8, 91
a; des morgens brennet er (
der backofen) liechter lohe.
Hos. 7, 6; das gewaltige feuer in der erden, das .. die wildbäder erhitzet und oft zu tag heraus wittert, und laub und gras verdörret, und gar liechter lohe heraus lauscht. Mathes.
Sar. 33
b; ein kobelt der lest sich anzünden und brennt liechter loh. 100
b; blaset, wie ihr thut bei mir auf bei ihr die liebes-flammen, dasz sie, wenn sie sieht auf mich, liechter lohe brenn, als ich. P. Fleming 495.
in andern verbindungen: indessen kannte ich diese leute allzugut, und sahe bei der lichtesten flamme den rauch mit ziemlicher gewisheit vorher.
M. Mendelssohn
bei Lessing 13, 261; ein lichtes feuer brannte. Göthe 17, 332; er schlug gleich wie wohl getrocknet holz in lichte flammen. 29, 76; jetzt brennet schon daher die helle liechte flamme. J. G. Zinkgref
bei Opitz (1624) 216; man sieht zu iedermahlen bei nachte heller sein desz feuers liechte strahlen, als bei der sonne schein. Opitz 2, 88; ein heilig feuer, das in dir ruht, schlag aus in hohe lichte gluth! Göthe 13, 130; herzen, weht in lichten flammen! Arndt
ged. 505;
vom blitz: der himmel schwärze sich, vom lichten blitz zerrissen. Uz 2, 139. 55) licht
von dem, was durch die sonne, durch feuer oder in innerer klarheit erglänzt: leoht uuolcan biscatauuita siê (
nubes lucida obumbravit eos).
Tatian 91, 3; da uberschattet sie eine liechte wolken.
Matth. 17, 5; sein harnisch und sein schwert gibt blück-weisz hällen glanz, als wie der sonnenschein auf liechten wasserwällen. Rompler 105; den lichten schnee. Zachariä 1, 52; gleich einer lichten wolke mit goldnem saum. Klopstock 2, 25; der mond durch lichte wolken wallt. Stolberg 1, 79; o schlaf, der du auf lichten wolken fliegest. Tieck
Octavian s. 330.
die ältere sprache braucht das adjectiv mit groszer vorliebe für glänzende waffen und rüstungen, funkelnde edelsteine, die im sonnenglanze strahlende flur u. ähnl.: ags. ic him þâ mâðmas,þe he me sealde, geald ät gûðe,swa me gifeðe wäs, leóhtan sweorde.
Beowulf 2493; habbað leóht speru, lange sceaftas.
Salomo u. Saturn 120;
mhd. ir tragent die liehten helme und manegen herten rinc. Walther 125, 2; der sî vil die dar ûf iezuo haben gedingen daʒs ir guot verdienen umb daʒ rîche in liehten ringen. 11, 5; kunden wir gesingen beide, deich mit ir müeste brechen bluomen an der liehten heide! 119, 16; enmitten ûʒ dem schilte sîn gleiʒ ein lieht karfunkelstein. Konr. v. Würzburg
turnei v. Nantheiʒ 577; man sach des Missenæres schilt von golde lieht dâ glîʒen wol. 1003;
erst die neueren dichter, unter dem eindrucke solches gebrauches, verwenden licht
wieder in ähnlicher weise: ach augen, seid ihr jene lichten bronnen, die mir vordem geleuchtet? Tieck
kaiser Octavian s. 100; ihre lichten haare schweben aufgebunden.
s. 238 (
nachher 'ein zart gespinnst von golde'); an quellen, unter lichten rosenwänden, im waldesgrün, durch das gespalten bricht der glanz der sonne. 330; und aus des todten schild hernach Roland das lichte kleinod brach und freute sich am glanze. Uhland
ged. 342; er (
der glaube) fand geheimes wort in baum und blüthe, geheimes wort in lichter steine glanz. Körner
werke 2, 154; lichte augen,
von strahlender schönheit (
verschieden von unten 15): si zeigete im die maget clâr, 'diu den rôten munt, daʒ prûne hâr dort treit bî liehten ougen'.
Parz. 631, 13;
noch nachklingend bei Weckherlin: so ist jedoch in euch (
augen) vermischet das braun und liecht mit solchem schein. 588 ('
von überschönen augen'). 66) licht
auch vom leibe der engel, verklärter menschen: ahd. oba thîn ougâ wirdit lûttar, thanne ist al thîn lîhhamo liohter.
Tatian 36, 3 (
totum corpus tuum lucidum erit, goth. allata leik þein liuhadein vaírþiþ,
Luther so wird dein ganzer leib liecht sein
Matth. 6, 22);
mhd. ein engel liehter in erschein. Wernher
Maria, fundgr. 2, 206, 17;
nhd. da ich komen werde in den wolken, mit allen engeln, mit groszer kraft und herrligkeit, mit einem mechtigen fewer, davon alle creatur wird zuschmelzen und verzeret, und alles new und eitel liecht werden, und unser leib aufs allerschönste verkleret. Luther 5, 536
a; wenn nu dein leib ganz liechte (
φωτεινόν) ist, das er kein stück vom finsternis hat, so wird er ganz liecht (
φωτεινόν) sein, und wird dich erleuchten, wie ein heller blitz.
Luc. 11, 36; und (
der teufel) wurde also ein liechter teufel, der sich verstellet, das er gliesze wie ein himlischer engel. Luther 6, 478
b; herr, o wende mir die grausen (
geister) weg! die dunkeln und die schlimmen! lasz die lichten mit mir hausen süszer augen, süszer stimmen! Arndt
ged. 417.
auch auszerhalb religiöser vorstellungen, von einer strahlenden schönheit: dar zuo diu âventiure gieht, diu herzoginne wær so lieht, wære der kerzen keiniu brâht, dâ wær doch ninder bî ir naht: ir blic wol selbe kunde tagn.
Parz. 638, 16; Clara starret, tod im antlitz, kaltumflirret, nachtumwoben; ohnmacht hat das lichte bildnis in ihr dunkles reich gezogen. H. Heine 15, 62. 77) licht,
vom glanze, scheine, strahle solcher glänzender körper selbst: der lantgrâv ûʒ Düringen kam dar in liehtem schîne (
im glanze seiner rüstung). Konr. v. Würzb.
turnei v. Nantheiʒ 475; der schilt der heide zaller stunt gap liehten unde tiuren schî
n. 645;
in bildern: der liechte glanz weltlicher hoheit. Brandt
bericht vom leben Taubmanns s. 69; ich habe nichts gelernet, das grosz von weiten steht, und nur alleine fernet; bin lichtem scheine feind; ich bin von jugend her der wissenschaft befreund. Fleming 201; bald hebt er es (
das bild der geliebten) in lichter glorie zum sternenhimmel auf. Göthe 9, 108; holde treue! weisz und engelrein! gleich des himmels bläue bleibt dein lichter schein. Arndt
ged. 114. 88)
neuere brauchen licht,
von der bedeutung des glänzenden aus, in freierer art, in bezug auf handlungen glänzend gedachter wesen oder personificationen: morgen kommt mit lichtem grusze und natur beginnt ein fest. J. Kerner
lyr. ged. (1847) 171; o, ihr himmelsaugen droben! weint euch aus in meine seele, dasz von lichten sternenthränen überflieszet meine seele. H. Heine 15, 230; die schlanke wasserlilje schaut träumend emper aus dem see, da grüszt der mond herunter mit lichtem liebesweh. 16, 148. 99) licht,
in bezug auf den himmel und den tag geht von der verwendung oben 3
aus; die vorstellung des durchleuchteten, glänzenden aber verliert sich in die des blosz erleuchteten, hellen. 9@aa) lichter himmel (
wozu aber unten 11
zu vergleichen), lichtes wetter: auf trübes folgt lichtes wetter,
nube solet pulsa candidus ire dies. Steinbach 1, 1065; zu einer liechten und heitern zeit. Cyrillus 49; dem lichten himmel über der schwarzen, tiefen erde. J. Paul
Tit. 3, 115; beim lichten himmel! Freytag
ahnen 3, 143; wie durchglühte von dem lichten himmel sinkend der strahl! Klopstock 2, 51; den blauen lichten sonnenraum, das bunte blumenfeld. Arndt
ged. 495. 9@bb) lichter morgen, lichter tag: ich minnet ie von mîner maht den liehten tac vür die naht.
Iwein 7382; dort muost er alleʒ hangendie naht unz an den tac, unz der liehte morgendurch diu venster schein.
Nib. 639, 3
Bartsch; des herrn tag wird ja finster und nicht liecht sein, tunkel und nicht helle.
Amos 5, 20; ich sach den liechten morgen, darzuo sein werden schein. Uhland
volksl. 161; und wan der liechte schein des tags kommt her gegangen. Rompler 189; Splendula, dein roth und weisz, hat es oft gemacht dasz es wurde lichter tag, mitten in der nacht. Logau 2, 57, 16;
häufig in den formeln bis an den lichten morgen, am
oder beim lichten tage: so were dem Nabal nicht uberblieben auf diesen liechten morgen einer der an die wand pisset.
1 Sam. 25, 34; sie aber sagt jm nichts .. bis an den liechten morgen. 36; da hat oft der hofprediger bisz an den liechten morgen sitzen müssen. Schuppius 105; wie ein blinder am liechten tage jrr gehet. Luther 6, 254
a; zeuch am liechten tage davon fur jren augen.
Hes. 12, 3; und ich .. trug mein gerete er aus, wie wandergerete, bei liechtem tage. 7; eine grosze verkündigung, die wir am lichten tage ... hören. Freytag
ahnen 1, 414;
verstärkt am hellen lichten tage: also entschlief sie, und lag also bisz in den hellen liechten tag schlafende.
buch d. liebe 205
c; man soll tapfer fressen und saufen, so kan man den dieben eine schalkheit thun, dasz sie bei hellem liechtem tag nichts im hause finden können. Sandrub
kurzweil (1618) 128; da lagen die zwai die langen nacht pisz an den liechten tag. Uhland
volksl. 188. 9@cc) es ist licht, es wird licht: zuhand gebot Raguel seinen knechten, das sie fülten die grub, die sie hetten gemacht, ee das es liecht würde.
bibel von 1483 235
a (
Tob. 8, 19;
priusquam elucesceret vulg., ehe es tag würde
Luther); es ward seer liecht auf der erden von seiner herrligkeit.
Hes. 43, 2; weh denen, die schaden zu thun trachten, und gehen mit bösen tücken umb auf jrem lager, das sie es früe, wens liecht wird, volbringen.
Micha 2, 1; da es anfieng liecht zu werden (
ἄχρι δὲ οὗ ἔμελλεν ἡμέρα γίνεσθαι).
ap. gesch. 27, 33; jedoch so trüb es ist, so ist es noch zu lichte, dasz dein erhitztes blut den streit bei tage schlichte. Günther 789; die sonne macht alles lichte,
sol omnia sua luce collusirat. Steinbach 1, 1065;
bildlich: seufzte nach dem verhüllten vater, der ihm bisher mit sonnenkraft, wie hinter einer nebelbank, den tag des lebens warm und licht gemacht. J. Paul
Titan 1, 6. 1010) licht
steht so im gegensatze zu dunkel: weh! auch dies dichte dunkel ist zu licht, diese feuersbrunst zu bergen, die das geständnis auf meinen wangen macht. Schiller
Fiesko 4, 12; der erste auftrag ihrer farben war licht, welchen sie immer mit dunkeln durchsichtigen tinten zudeckten. Göthe 38, 224;
und wird gebraucht wie hell 4,
theil 4
2, 963,
selbst von der nacht, die nicht lichtlos ist: eine lichte nacht,
sublustris lux Steinbach 1, 1065; der nordschein macht die nacht licht,
aurora borealis noctem illuminat. Frisch 1, 611
c;
sonst aber von gebäulichkeiten, die licht einlassen oder erleuchtet sind: die kirchen seind jetzt gar liecht und hell worden, und die herzen tunkel: vorzeiten warn die kirchen tunkel und der menschen herzen liecht. Fischart
bienk. 139
a,
nach S.
Frank: vor zeiten waren finster kirchen, aber liechte herzen, hülzin kelch, aber guldin pfaffen.
sprichw. 1, 39
b; da wallte und wogte alles im sonntagsputze in der warmen luft zwischen den lichten häusern und wandernden leierkasten schwärmend hin und her. Eichendorff
taugenichts (1874)
s. 11; lichte stube, kammer,
conclave perspicuum, clarum Stieler 1153; welch ungethüm stört meine ruh? läst denn der mittag auch dergleichen unding zu? was für ein poltergeist handtieret durch die lichten zimmer? Günther 969;
von gegenständen in beleuchtung: um durch ihren schatten die lichte hauptfigur der Andromacha zu heben. Sturz 1, 36;
von orten, die licht zulassen, wäldern die nicht dicht bestanden sind (
vgl. dazu lichten): sie wachsen an wüsten, sandechten und liechten orten. Tabernaem. 1212; lichtes holz
ist im forstwesen ein hochstämmiger wald, der so licht stehet, dasz man durchsehen kann. dem ist ein dickicht
entgegengesetzt. Jacobsson 6, 457
a: ich schritt rascher fort, der wald wurde immer lichter und lichter, und bald darauf sah ich zwischen den letzten bäumen hindurch einen schönen grünen platz. Eichendorff
taugenichts (1874) 41; die wasser .. führten den rothen schlamm über das lichte gehölz und den wiesengrund. Freytag
ahnen 2, 163; sie ruckten durch den walt hinein, wol durch den lichten than. Soltau
volksl. 177 (
von 1502); sie ruckten in den walt hinein, woll in den lichten walt. 179; schnell lenkt er tief in den forst hinein, und zwischen den zweigen wirds helle, und er sprengt zu der lichteren stelle. Körner
werke 2, 179;
auf anderes übertragen: die reihen der tapfern wurden lichter und lichter in der mörderischen schlacht; lichte maschen
bei fischern und jägern, weitläufig gestrickte. Adelung;
bei den jägern ist der lichte zeug
garn- und netzwerk überhaupt; in den begriff leer übergehend: volle flaschen werden machen läre taschen, böse kleider und liecht kuchen und häuser. Fischart
groszm. 123. 1111) licht,
mit dem begriffe der helle zugleich den der klarheit umfassend: lichte luft,
aer serenus Stieler 1153; es ist im lichten raum, wo in bestimmter bahn die ungezählten sonnen glänzen, der ordnung alles unterthan. Uz 1, 157; fielst von sternen du, ein engeltraum, dasz wir sehnsucht lernen nach dem lichten raum? Arndt
ged. 267; lichte höhen
des himmels, der berge: in der heimath ist es schön, auf der berge lichten höhn.
Hoffmann von Fallerslebens volksthüml. lieder no. 560; droben in der lichten höh stehn die englein weisz wie schnee. Arndt
ged. s. 336; (
die mutter gottes) hat mich eingehüllt in ihren schleier, und hergetragen in die lichte höh. H. Heine 16, 88;
bildlich: ihr schwarzes haar gescheitelt auf der stirne lichter höh. Freiligrath
dicht. 5, 126; das lichte reich
eines gottes, einer priesterin: es scheint ihr (
der Iphigenie) lichtes reich verlor die kraft durch des verbrechers nähe, den der fluch wie eine breite nacht verfolgt und deckt. Göthe 9, 36; der ehre lichtes heiligthum. Uz 1, 241; lichte sphären
des geistes (
vgl. dazu unten 17): wenn dieser hohe geist durch die gesetzten schranken gewaltsam brechen will, der dunkelheit entsagt, und unberufen sich zur lichtern sphäre wagt. 2, 103. 1212)
in weiterer bildlicher verwendung, mit substantiven einer that, eines glücks oder geschicks: obgleich der einzele frei ist, zur schwärzesten, wie zur lichtesten that. J. Paul
dämmer. s. 5; die erscheinung irgend eines lichten glücks selber blitzet ihr auf einmal über alle traurige tage hin.
uns. loge 1, 168; es ist so grosz, so weit, was vor dir liegt; und hoffnungsvolle jugend lockt dich wieder in unbekannte, lichte zukunft hin! Göthe 9, 150; mein schicksal wird nur angefangen, hier, wo das leben mir in dämmrung aufgegangen: mein geist bereitet sich zu lichtern tagen vor. Uz 1, 218; kommt alle, die ihr lieft verloren in freudenloser finsternis! denn Jesus Christus ist geboren, es scheint das lichte heil gewis. Arndt
ged. 585. 1313)
in der technischen sprache der baugewerke ist die lichte höhe, die lichte breite, lichte weite,
die höhe, breite oder weite eines raumes, die derselbe am tageslichte, also mit ausschlusz der mauerdicke, hat, vgl. nachher im lichten
unten 18,
c: die lichte höhe (
der kirche) beträgt 64 fusz im kreuzungsquadrat.
Frankf. journal vom 12.
märz 1871. 1414) licht,
in den sinn des offenen, öffentlichen übergreifend, was im lichte des tages steht oder geschieht. so besonders in der formel der lichte galgen,
mit bezug auf den rechtsbrauch, dasz die strafe des henkens am morgen, nachdem es heller tag geworden, vollzogen ward: pack dich hin an liechten galgen! Bolz
Terenz (1544) 16
b (
abin' hinc in malam rem); so aber nun die steiger des betrugs überzeugt, werden sie mit ruten ausgehauen, wo aber diebstals, an den lichten galgen gehenket. Bechius
Agricola (1557) 19; Gotfridus, der könig von Jütland liesze Godolaibum am lichten galgen erwürgen. Hahns
histor. 1 (1721), 52; die festung konte Henrich nicht bezwingen, ob er gleich Reinoldum auf den fall einer längern gegenwehr am lichten galgen erwürgen zu lassen drohete. 3 (1723), 136; muth genug, mich unterm lichten galgen mit dem leibhaftiger teufel um einen armen sünder zu balgen. Schiller
räub. 1, 2; dasz, falls ich mich unterstehn würde, wieder einen fusz in sein land zu setzen, er mich an den lichten galgen wolle henken lassen. Tieck 9, 318; hengt jn an den liechten galgen. H. Sachs 3, 2, 256
d; ich wolt sie wern am liechten galgen. 3, 3, 75
a.
in andern formeln abgeblaszter, mehr im blosz verstärkenden sinne: der helle lichte haufen,
vergl. der helle haufen
theil 4
2, 965; auf einmal kommt ein heller lichter haufen von jungen herren und damen ... auf mich los. Eichendorff
taugenichts (1874)
s. 12; ich musz dirs vertrauen: aber schau, du must mir zusagen, dasz du es keinem menschen auf der lichten welt gottes entdecken wollest. A. Gryphius 1698 1, 875; er bekam die hände voller lichter blasen. Jung Stilling 175. 1515) licht,
vom auge, das klar sieht: wiltu in machen die augen liecht und klar, die den übeln tropfen habent, so soltu nemen atramentum .. und treuf das .. in die augen, so gewinnt er schir liechte augen und wirt gesundt. Ortolf
arzneipuch (1477) 41
b; unser auge war licht, sah zu der göttin auf. Klopstock 2, 87. 1616) licht (
wie hell 8,
theil 4
2, 965)
von farben, die freundlich scheinen und sich dem weisz nähern: der stoff zu diesem kleide ist sehr licht, ich wünschte ihn etwas dunkler; liebte (
in kleidern) die lichtesten und buntesten farben.
ehe eines weibes 269; lichte farbe
color floridus Steinbach 1, 1065; lichte haare, eine lichte haarfarbe,
die sehr blond ist; vgl. dazu unten folgende zusammensetzungen lichtgelb, lichtgrün, lichtroth
u. a. 1717) licht,
in bezug auf erkenntnis und verstehen (
wie hell 10,
theil 4
2, 966,
vgl. auch klar 11,
theil 5, 995). 17@aa)
von den gedanken: aber ein lichter gedanke zertheilte den dunkeln staubregen der natur und der seele in einen weiszen nebel. J. Paul
Siebenk. 1, 120;
es heiszt der mann hat einen lichten kopf, einen lichten verstand; der kranke hat lichte augenblicke,
in denen er im gegensatz zu seiner bewustlosigkeit erkennt und klar denkt; die freiheit, die das heiligthum gewährt, ist, wie der letzte lichte lebensblick des schwer erkrankten, todesbote. Göthe 9, 43; einem ist, wird licht: mitten in dem schwärzesten dunkel der schlacht war es licht in seinem geiste. Schiller 922
a; wenn er lebhaft denkt, dasz gott die welt regieret, und seine herrschaft gut und allzeit weise führet, wirds in der seele licht: wie, wann in dunkler nacht der aufgegangne mond mit vollem antlitz lacht. Uz 2, 119; bin ich ein gott? mir wird so licht! ich schau in diesen reinen zügen die wirkende natur vor meiner seele liegen. Göthe 12, 32. 17@bb)
von sprache und ausdruck: frag ich sie widerumb, wer hat jnen gesagt, das die veter liechter denn die schrift, und nicht auch finsterer sind? wie, wenn ich spreche, sie verstünden die veter so wenig als die schrift? Luther 1, 373
b; diese sätze sind für mich nicht licht genug. Kant 1, 54. 1818) das lichte,
in substantiver verwendung. 18@aa)
in bezug auf die tageshelle (
vgl. licht 10),
in mehrfachen formelhaften wendungen: ins lichte gehen,
aus dem dunkeln in den erleuchteten theil eines hauses, einer stube; nun so gehet doch herein ins liechte (
aus der dunkeln hausflur), sagte Vulpia, die wirthin, nahm Eckarthen bei dem arm, und zog ihn in die stube.
unwürd. doct. 333; einem im lichten stehen,
so dasz er am guten sehen gehindert ist, in Düringen heiszt es du stehst mir im lichten, geh mir aus dem lichten, dasz ich sehen kann; geh mir aus dem lichten,
absis mihi a luce! Stieler 1153;
übertragen (
vgl. auch im lichte, vor dem lichte stehen
unten unter dem subst. licht): wenn ihr euch nun zu solchen wegen nicht wollet finden lassen, so dünket uns das ihr euch selbst im lichten stehet. Schütz
Preuszen (1599) 166; so sie ihnen nit selbsten im liechten stehen (
sich nicht selbst schaden), hoffe ich bald mit gewünschter antwort erfreuet zu werden.
engl. komöd. 1, Y 6
b; manche jungfer steht sich selbst im lichten, die oft einen ehrlichen kauf- oder handwerksmann ... über achsel ansieht, und einen buntbändrichten monsieur ihm zu trotze mit vortrefflichen liebkosungen bedienet, darüber sie endlich zur alten magd wird. Chr. Weise
erzn. 161
Braune. 18@bb)
mit dem nebensinn der klarheit (licht 11): das lichte, das du dort (
im heiligthume) gesehen, umglänzt dich mild auf finstern wegen. Uhland
ged. 3;
in bezug auf thaten (
vgl. licht 12): böse bücher tügen auch guten zu der gegenprobe; finstres macht, dasz desto mehr jederman das lichte lobe. Logau 2, 157, 95. 18@cc)
in der technischen sprache der baugewerke (
vgl. licht 13): diese (
steinernen) brücken seind gemeiniglich breit im liechten 25 bisz 30 schuhe. Böckler
kriegsschule (1668) 803; der ofen im lichten 7 ellen lang.
Pierot 2, 315; 4 ellen im lichten. 328.
der kleinuhrmacher nennt im lichten
die inwendige höhe oder den raum zwischen den beiden platten oder boden, worin das räderwerk einer taschenuhr befindlich ist: die uhr ist ¼ zoll hoch in lichten. Jacobsson 2, 607
b;
in der wasserbaukunst wird im lichten
gebraucht, die öffnung einer röhre, worin das wasser geleitet wird, anzuzeigen. 608
a. 18@dd) im lichten bleiben,
offenbar, gekannt, in bezug auf geschehenes: was wär von klugem rathen der nachwelt kündig blieben, wann diese (
die poeten) nicht geschrieben? es macht poetisch tichten dasz alles bleibt im liechten, sonst fiel in lauter nächte, was herz und witz verbrächte. Logau 3, 102. 18@ee) das lichte,
im forstwesen ein abgetriebener schlag, oder auch ein freier platz im walde. Adelung. 1919)
in substantiver stellung, auch ohne artikel: das gold ist bleich aus furcht; es merket ganz aṙmeen, die seiner farbe nach, durch licht durch finster gehen. Logau 1, 78, 13. 2020) licht,
adverbial; im sinne von glänzend: jeder stern schien licht und nah, und der hohe himmel war an das fenster herabgerückt. J. Paul
dämmerungen 23; zwei goldne strahlen schieszen aus Mosis haupte licht. Freiligrath
dicht. 1, 124; er wars (
ein Indianer), dessen wange glühte, licht bemalt mit scharlachstreifen. 6, 20;
hell, klar: da schwebt so licht dein liebes bild, dein süszes bild mir vor. Göthe 1, 110;
bildlich, nach oben 12: und Apollo ging, und lichter ging er nun der ehre bahn. Herder
z. litt. 3, 212;
in bezug auf die sehkraft (
vgl. oben 15): weil er so viel bei nacht thät reiten, so gieng die sage bei den leuten, er säh in tiefer nacht so licht, als mancher wohl am tage nicht. Uhland
ged. 414;
verstärkend zu helle
tretend: ich sahe, das von seinen lenden herunter werts war gleich wie fewr, aber oben uber seinen lenden, war es liecht helle.
Hes. 8, 2;
zu morgen: und giengen uber den Jordan bis liecht morgen ward.
2 Sam. 17, 22; wo wir das verschweigen und harren, bis das liecht morgen wird, wird unser missethat funden werden.
2 kön. 7, 9.
Forstmännisch ein baum stellt sich licht,
wenn er andere ihn hindernde um sich unterdrückt (
vgl. lichtes holz
oben unter 10): sie (
die eiche) stellt sich, forstmännisch zu reden, dann licht, wenn sie in solchen (
reinen beständen) vorkommt, eine eigenschaft, die sie mit allen lichtbedürftigen holzarten gemein hat.
didaskalia vom 5.
aug. 1871;
im hüttenwesen heiszt es den ofen zu lichte gehen lassen,
wenn derselbe sich zu sehr erhitzt, dasz die flamme zum ofen heraus brennt. mineral. lex. 405
a; denn gehet der ofen zu lichte, so verbleset sich ... der schlich. Mathesius
Sar. 148
b.