urlicht,
n. (ur- C 4 c),
in der literaturspr. des ausgehenden 18.
jh. aufgekommen. syn. ur- oder alllicht Herder 7, 187
S. 11)
eigenlicht verbreitender körper und das von ihm gespendete licht. vgl. licht II 1
ff.: so wendet sich der verfasser an die rechte quelle, zur sonne nämlich, als demjenigen lichte, das wir gern für ein u. annehmen Göthe II 2, 47
W.; das höchste energische u. II 1, 139
W.; L. Seeger
ges. dicht. 1, 36; in dem urlichte der sonne Gutzkow (1872
ff.) 5, 215.
vom eigenlicht des diamanten (licht II 9): der eine (
thautropfen) borget seine helle von einem fremden strahle blosz, der andre (
diamant) trägt an dessen stelle sein urlicht in selbsteignem schoosz Bürger 110
b B.; übertragen auf eine person, von der gleichsam ursprünglich das licht ausgeht: o sieh, wie schön du bist, den wiederschein von deiner schönheit kannst du nicht ertragen; wie kann mein geist dem urlicht widerstehn? Raupach
dram. w. ernster g. 1, 33. 22)
nach biblisch-kirchlichen vorstellungen das zuerst geschaffene licht (
1. Mos. 1, 3),
getrennt von der sonne (1, 14
ff.): am ersten tag erschuf der herr das licht, ein andres wars, als das die sonne spendet, das sengt und glüht, mit heiszem strahle sticht. doch jenes urlicht milden glanz entsendet Mich. Sachs
stimmen v. Jordan u. Euphrat (1868) 2, 130.
übertragen auf gott und göttlich-himmlische herrlichkeit: des hohen sternes bewohner haben schon vorempfindung von ihrem schwunge zum urlicht Klopstock
Messias 16, 475; ganz mit herrlichkeit überkleidet, mit strahlen des urlichts 17, 138; kronen aus u. 18, 719; 20, 1058; einen atom des urlichts
oden 2, 114, 7
M.-P.; ihr frommen regungen! ihr reinen triebe! ... euch schafft im heiligsten der heiligthümer der geister geist, das urlicht aller lichter, im herzen, gott Lavater
handbibl. f. freunde (1790) 1, 44; Franklins seele flog empor ins urlicht Schubart
s. ged. 3, 105; im urlicht flammt sein geist 2, 182; 1, 138; wenn ... das ganze all entsündigt ... im urlichte der gegenwärtigen gottheit schwimmt
leben u. gesinnungen 2, 274; J. H. Voss
s. ged. 5, 38; J. G. Jacobi 4, 14; so im kleinen ewig wie im groszen wirkt natur, wirkt menschengeist, und beide sind ein abglanz jenes urlichts droben Göthe 13, 1, 30 (
vorspiel 140)
W.; feiert dem urlicht! heilig, heilig ist er! Jung-Stilling 2, 118. urlichtsschleier der engel Sonnenberg
Donatoa (1807) 2, 2, 138; urlichtssonnen 1, 1, 53. 33)
im sinne der philosophie und mythologie: im ursprunge, urgrunde, urlichte (
αρχη) wohnet gott Herder 7, 534
S.; nach Philos lehrbegriff ist gott das unanschaubare u. 19, 282
S.; Phanes wars, das erste u. 6, 349
S.; J. G. Forster 9, 343; Creuzer
symbolik 1, 311;
in der kosmogonie der Parsen wird vom berge Albordj erzählt, dasz er in jedesmal 200
jahren wuchs bis zum sternhimmel, ... bis zum mondhimmel, ... bis zum sonnenlichte, ... bis zum urlichte Ritter
erdk. 8, 45; bei der schöpfung ... setzte Ormuzd auf die erde in sein unbegreifliches lichtreich das feste gewölbe des himmels, das oberhalb noch allenthalben mit dem ersten urlichte umgeben ist Hegel 13, 101. 44)
naturwissenschaftlich. '
in der naturlehre das in der natur verbreitete und alles belebende licht' Krünitz 202, 296. urlichtnebel Schopenhauer 5, 147
Gr. 55) licht II 14
entsprechend, höchste erkenntnis, güte: das u. der gedanken und kräfte sind in ihm Herder 9, 282
S.; abglanz von der gottheit urlicht, menschlichkeit J. H. Voss
s. ged. 3, 42; der wahrheit u. Kosegarten
s. u. urgut; doch in dir hell erglühte das urlicht und erblühte ein grünes urwaldreis G. Keller 10, 55 (
am sarg eines neunzigjährigen landmannes).
etwa im sinne einer klaren kenntnis der urzeit. 66)
bildlich: die abstraction führt sie (
d. poesie) in einen Tartarus gestaltloser schatten oder in ein empyräum des urlichts, unumschriebner, flammender ideale Herder 18, 517
S.; absurder pfaffe! (
Chr. H. Pfaff) wärst du nicht in unnatur verschlämmet, wer hätte dir eignes augenlicht vom urlicht abgedämmet? Göthe 5, 199
W.; Schubart
br. 2, 143
Str.; am krystallenen born des urlichts J. H. Voss
s. ged. 3, 94; Seume
ged. 250; das meer des urlichts Körner 2, 126
H.; von der bewuszten reflexion (licht II 14) dieses eine ewige u. schien ewig fort in den finsternissen Fichte 5, 482; u. göttlicher offenbarung Fouqué
gefühle 1, 184; die sünde würde ... mit des urlichts (
regenbogens) sieben farben spielen Müllner 4, 197; H. Heine 1, 365
E.