Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
freidîg
9. Jh.) und Notker, Bo. 196, 4:
‚abtrünnig,(die Glosse freidiu [f.?] übersetzt lat.
flüchtig‘
apostatea, das ein Femininum von einem sonst
nicht belegten Adj. *apostateus zu sein scheint
– oder fehlerhaft für apostata
‚der Abtrünnige‘,
das der Glossator für ein Fem. hielt?); wahr-
scheinlich auch hierher uréden : profanum
Notker, Bo. 12, 16
‚nicht eingeweiht, außen-(nach Luginbühl, Stud. z. Notkers
stehend‘
Übers.kunst 49 ist es eher für frémede ver-
schrieben [→ fremidi], was aber schon aus pa-
läographischen Gründen unwahrscheinlich ist;
vgl. T. Starck, AfdA. 53 [1934], 144). – freid(e)ofrei
d(e)oAWB m. jan-St., subst. Adj., nur in Gl. seit
dem 9. Jh. u. Steinmeyer, Spr.denkm. 399 (Wi-
der den Teufel):
‚Abtrünniger, Flüchtling, apo-. – freidîgAWB, freidagagAWB
stata, defuga, perfuga, profugus‘
adj., mehrmals in Gl. seit dem 8./9. Jh. und
Bened.regel:
‚abtrünnig, flüchtig, (subst.) Ab-〈Var.: u-; -ai-,
trünniger, Flüchtling, apostata, apostaticus,
apostatrix, perfuga, profugus‘
-æ-; -e-; -ic, -ak-〉. – Mhd. vreide adj.
‚ab-(zur Bed.ent-
trünnig, flüchtig, mutig, kühn‘
wicklung vgl. ahd. recko
‚Recke‘[s. d.]), vrei-
dec, -ic adj.
‚abtrünnig, flüchtig, übermütig,. Nhd. ist freidig nur mdartl. be-
munter, kühn‘
S543freidi – freisa 544
legt: Schweiz. Id. I, 1273 f.
‚mutig, kühn, wild‘;
Fischer, Schwäb. Wb. II, 1722 f. (veraltet)
‚ver-; Jutz, Vorarlberg. Wb.
brecherisch, verdammt‘
I, 992 f.
‚kühn, herausfordernd‘; Schmeller,
Bayer. Wb.2 I, 806 f. (fraidig)
‚unverdrossen,; Lexer, Kärnt. Wb. 101
kühn, mutwillig, frech‘
(frâdig)
‚munter, frisch, lebhaft‘; Schöpf, Tirol.
Id. 149 (fraidig, froadig)
‚zornig, unwillig‘;
Schatz, Wb. d. tirol. Mdaa. I, 187 (froadig,
-ik)
‚mutig, frisch, zornig‘; mit anderer Bed.
Martin-Lienhart, Wb. d. els. Mdaa. I, 178
‚we-(?).
nig Brot enthaltend (von einer Suppe)‘