freidig ,
profugus, audax. ahd. freidac, freidîc (Graff 3, 793),
mhd. freidec,
nhd. freidig,
in den vocabularen bei Dasypodius 72
d, Maaler 142
b, freydig,
bei Henisch 1215
vermischt mit freudig, frewdig.
das wort mangelt den schweizerischen idiotiken, lebt aber in der bairischen, tirolischen, kärntnischen volksprache bis auf heute fort, bei Schmeller 1, 600 fraedig, freidig,
bei Schöpf 149 fraidig, froadig,
bei Lexer 101 frâdig,
sodann schles. freidig
bei Weinhold 23
a.
es galt aber weiter im mittlern Deutschland, namentlich in Thüringen. Luther
braucht es oft, belege aus der bibel folgen unter freudig.
nd. idiotika liefern kein fredig,
woher rührt das dän. freidig? 11)
flüchtig: swer fraidigen fuoʒ setzet seinen geltern.
Münchner stadtrecht (
um 1350)
art. 263; ob jener, des das werk ist, seinen geltern fraidigen fuoʒ gesetzet hat.
art. 347. 22)
wie frech,
wild, von thieren: der bër, der vor frêdig was.
Reinhart s. 440; und swie si (
die katze) wære freidic.
s. 365; frêdig also ein lewe. Joh. Rothe
cap. 86; siben dinc sol ein kluoger man merken an eime hunde, daʒ êrste, daʒ ër vreidic ist.
MSH. 3, 106
b; stillen sol man fraidigen hund, das er nit grein zuo aller stund. Wolkenstein
s. 86; als ein saw sahe ein schönes ros, jung, welig, freidig, stark und grosz. Waldis
Es. II, 78; und was vor futter musz ich geben mein hengsten und mein besten pferden, das sie feiszt, glat und freidig werden? III. 94, 276; frewdige pfawen,
pavones exsultantes bei Henisch,
eher freidige
als freudige.
nach Lexer
wird frâdig
besonders von pferden gebraucht. 33)
von menschen, in gutem sinn, kühn, mutig, tapfer: ob einer gërne vreidic wær, dën heiʒ wir einen tokzær. Helbl. 15, 41,
vgl.tokzen 15, 235. 329. 410
und Wh. 398, 13; der winter sprach, ich bin auch gar ein fraidig man, und welcher wel, der leg sich da in harnasch
an. Germania 5, 286; lobistu en her si gesunt und starg und freidig an deme libe, eʒ mag mit eme wol werdin arg wel her vele unfur tribe. lobistu danne sin ritin und stechin und sin freidigis torniren. Joh. Rothe
ritterspiegel 2029—34; der frêdiger, starker Hercules. Joh. Rothe
chronik cap. 29; Friedrich der freidige,
mit der gebissenen wange; mancher der will gar freidig sin, wagt sich an löwen, beren, schwin. Brant 74, 19; der gtar allein wol vier bestan und usz der fläschen freidig sin. 87, 16; (
viele haben gedacht) es were nie kein schedlicher lere auf erden komen (
als die lutherische) und würde nimermehr so freidig sein, das sie für dem keiser und reich sich türste darstellen und lassen ansehen. Luther 5, 202
b; Christus sterke euch mit seinem freidigen geist. 5, 264
b; der mit seinem freidigen geiste dem antinomo Eisleben und andern widersprochen. Joh. Wigand
die neuen Wittenberger 16
b; gott nam inen bald das freidig herz. Frank
chronik 218
b und oft; Alexander bezwang als ein junger und freidiger held mit wenig volks fast alle reich auf erden. Mathesius 85
a; wo sein nu eure kriegsleute? seid ihr freidig, so thut es noch. Stenzel
script. rer. siles. 4, 51.
man könnte leicht an unser heutiges freudig
laetus denken, wie man ein freudiges herz, ein freudiger held
sagt, da aber weder ahd. aus frouwida
ein frouwedîc,
noch mhd. aus fröude
ein fröudec
gebildet wird, so scheint umgekehrt freudig
aus freidig
entstellt, wie denn auch die folgende üble bedeutung nicht recht mit der vorstellung von froh
und freude
besteht, wenn schon ein trotzig herz
vorkommt. mehr noch unter freudig. 44)
für trotzig, frech, unverschämt: sîn volc ist gar ze freidic.
tr. kr. 24740; sît daʒ got unde dër künec nu gescheiden sint, sô wil dër sëlbe künec dën tiuvel ûʒ dër helle twingen, dâ hebt sich ein gemürde von, daʒ ist niht ein wint, sô sint si beide freidig, hërre, wëm sol dâ gelingen?
MS. 2, 93
b; vreidic sam die Beier sî wir mit gevræʒe. Helbl. 14, 40; und secht, wie freidig ist der man, als da der Berner Ecken erschlug.
mörin 19
b; und werden so stolze freidige geister draus, die niemand weichen, noch einen meister leiden, auch gott selbs nicht. Luther 6, 44
b; freidig und framstreck (
in der sp. 59
angezognen stelle Franks); fraidig im maul (
maulfrech).
loszbuch ed. Zingerle
no 374; fraidiges (
schnippisches) mädchen.
es hat nun freilich sein bedenken, dies adj. aus der unter freide
dargelegten vorstellung herzuleiten, doch gibt die unter 1
enthaltne bedeutung den übergang. schwieriger wäre das goth. freidjan
parcere, friþôn
reconciliare und fridu
pax, oder das altn. frîðr
heranzuziehen, welches zwar fortis, aber auch formosus ausdrückt. die begriffe der abtrünnigkeit und des trotzes bleiben von diesen wörtern unberührt, man müste sie denn durch frei
vermitteln, das auszer liber auch formosus bedeutet.