BEIFUSZ m. ahd. bîbôz,
mhd. bîbôz, bîvuoz,
mnd. bîbôt, bîvôt.
weit verbreiteter, in der volksheilkunde u. in der küche verwendeter korbblütler (artemisia vulgaris L.). zusammensetzung aus bei-
(s. d.) u. dem verbalabstraktum bôz
eines ahd. verbs bôzen ‘
schlagen, stampfen, stoßen’,
das heute noch, formal identisch, in amboß
(vgl. 1DWB 1,1371) erkennbar ist. welche eigenschaft oder verwendungsweise der pflanze zu ihrer benennung führte etwa als zutat zu speisen ‘
beigestoßen’,
wie J. Grimm (dt. gramm. 3,372) vermutet hat, ist letztlich unsicher (vgl. dazu Lloyd/S.
et. wb. ahd. 2,16 u. Marzell
wb. pflanzennamen 1,434 f.). die heute nur noch in md. maa. (vgl. Marzell
wb. pflanzennamen 1,435 f.) zu findende form mit anlautendem -b-
der zweiten silbe wird spätestens seit d. 13. jh. volksetymol umgedeutet, wahrscheinlich aufgrund der weit verbreiteten frikativen aussprache von inlautendem -b-
(vgl. Lloyd/S.
et. wb. ahd. a. a. o. u. Marzell
wb. pflanzennamen 1,435); hochsprl. spätestens seit d. 17. jh. nur noch beifuß.
vielleicht besteht ein zusammenhang mit dem verschwinden des verbs bôzen, bossen
im frnhd.; ob neben der lautlichen entwicklung ein sachlicher grund zur volksetymol. verbindung mit fuß
führt, ist dagegen zweifelhaft (überzeugend dazu Lloyd/S.
et. wb. ahd. a. a. o.): hs.u800 pipoz
basler rezepte 8 S. 10.jh.
artemesia biboz
ahd. gl. 3,513,35 S./S. 10.jh.
artemisia biuoz
ebd. 5,42,25. hs.u1150 biboz ist goͮt. ze dem waganten zane
prüler kräuterb. 12,16 W. 13.jh.
artemisia biuuͦz
ahd. gl. 3,387,28 S./S. 13.jh.
artemisia ualeriana biuot
(westf.), ebd. 719,34. 14.jh.
artemesia byboz
ebd. 546,5. 14.jh.
de arthemesya bivuz
ebd. 591,11. 1489
arthimesia beyfuß Brack
voc. rer. i 5b. 1564 so nim wolgemuth vnd wegwart wurtzeln, beybos genant Wolfgang
II.
1. roßarzneib. 69 S. 1569 beyfuß ist zu vielen gebrechen nuͤtzlich
theatrvm diabolorum 206b. ⟨1682⟩ beyfuß .. wächst an ungebauten rauhen orten Hohberg
georgica (1687) 1,703a. 1713 es haben auch etliche denen gewächsen ihren eignen nahmen zugeleget, als die königin Artemisia, dem beyfuß Carlowitz
baum-zucht 125. 1853 den beifuß .. ließ sie sich von dem gehülfen in der apotheke geben Stöber
Sabina 184. 1973 thymian und beifuß dufteten Kruschel
Schneidereits 340. 2000 heute wird der beifuß kaum noch in der medizin, dafür aber als gewürz .. verwandt
frankf. rundschau (31.8.), DWDS-arch.Solf