Ei n.: 1.a. 'Vogelei', bes. 'Hühnerei'; Hauptformen:
Aai, Pl.
Aajeʳ (āi, ājəʳ) [NWPf einschl. westl. NPf Kaislt Südteil der mittl. VPf],
(i, jəʳ) [östl. NPf KU-Albb Adb Hüffl Ehw KL-Nord KL-Ramst verbr. Sick PS-Nord PS-Kröpp Trulb Erlb HB-Kirrbg verbr. nördl. u. mittl. VPf bis zur Linie Neustdt—LU-Hochd—Altr— SP-Schiffstdt GH-Berg Scheibhdt Gal-Dornf Josbg Bagbg Obl],
Ooi, Pl.
Oojeʳ (i, jəʳ und
jÄʳ) [mancherorts, bes. östl. NPf nördl. u. mittl. VPf Sick],
Ei, Pl.
Eieʳ (ai, ajəʳ) [ZW HB IB, in anderen Gebieten z. T.
bei der jüngeren Gener.],
Ää (untermischt mit
Ääʳ), Pl.
Ääeʳ (E bzw.
Eʳ,
EÄʳ, Pl.
Eʳ,
EÄʳ) [um Land von LA-Nußd Knöring GH-O'lustdt im N bis GH-Freckf Kand im S]; Sonderformen:
Oi, Ojeʳ (ǫi, ǫjəʳ) [NW-Elmst],
Ääi, Ääjeʳ (Ei, Ejəʳ) [KU-Schmittw/O WD-Niedkch LA-Altd],
Aaich, Aajeʳ (iχ, jəʳ) [BZ-Dörrb],
Ääich, Ääicheʳ (Eiχ, Eiχəʳ) [BZ-Kapswey Rechtb BZ-Schweighf],
Ääg, Äächeʳ (Eg, Eχəʳ) [BZ-Steinf],
Aaig, Aaicheʳ (āig, āiχəʳ) [NW-Iggb (ältere Gener.; die jüngere Gener.:
Aai, Aajeʳ) Don-Tscherwk]. — Zs. (nach den Vogelarten): Pfau-, -Püllen-, Tauben-, Enten-, Fasanen-, Gack(el)-, Gänse-, Häher-, Hünkels-, Kiebitzen-, Kuckucks-, Schwalben-, Spatzen-, Strauß-, Vogelsei; (nach der Zeit des Legens): August-, Frühjahrs-, Maiei; (nach der Beschaffenheit): Pfuhl-, Kalk-, Schalchens-, Schal-, Schalings-, Schalks-, Schallos-, Windei; (nach der Aufbewahrungsart): Gesiede-, Korn-, Spreu-, Wasserglas-, Weizenei. Andere Zs.:
Bauern-,
Kasten-,
Kauf-,
Kisten-,
Landei;
Nestei. — Teile des Eies:
die Schal (
vgl. Ei-,
Eierschale),
die Haut (
vgl. Eihaut),
's Weiße (
vgl. Eiweiß),
de Dodder (
vgl. Eidotter); das dicke Ende ist
de Aarsch (
s. Arsch 2 b
α), das dünne
die Spitz (
s. Spitze). Ein Ei ohne Kalkschale ist ein
schallos Aai (
vgl. Schallosei) [KL-Siegb, allg.]. Ein unbefruchtetes Ei ist ein
dääwes (taubes)
Aai, das nach der Brütezeit zum
faul Aai wird [LA-Kl'fischl, verbr.].
Die Eieʳ gehn aus, vom Schlüpfen der Küken [HB-Kirrbg, verbr.]. Das Ei als Nahrungsmittel:
e wääch (weich),
hart gekochtes Aai [NW-Wachh, verbr.];
e gesottenes Ei [HB-Kirrbg];
gebackene Aajeʳ [Neustdt, verbr.];
Aajeʳ un Speck [NW-Deidh, verbr.];
Spinat un Aajeʳ [NW-Geinsh, verbr.];
rohe Oojeʳ in Woiⁿ verkleppert, ein beliebtes Stärkungsmittel [NW-Ellstdt, verbr.]. Zs.
Rühr-,
Spiegelei. RA.: Wer empfindlich ist,
is wie e roh Ääi [KU-Schmittw/O, verbr.],
wie e schallos Ei [HB-Limb (PfId. 11)]. Wer gut gekleidet ist,
kommt doher wie aus'm Aai geschält [Kus, verbr.].
Die zwää gleiche sich wie ää Aai 'm annere [KU-Hundh Schmittw/O KL-Stelzbg GH-Schwegh]. Die flachbusige Frau
hat e Paar (Brischt) wie zwää Aajeʳ,
awwer gebackene [Kaislt]. Einem, der heftig auf das Gesäß gefallen ist, sagt man:
Wann deiⁿ Aarsch e Aai gewescht wär, dann o weh! [KU-Kaulb].
Mer määnt, er gängt uf Aajeʳ, wer allzu vorsichtig geht [KL-Nanzdzw, verbr.].
Mer ment, du hättscht e Aai im Aarsch, von einem unruhig hin und her Laufenden [PS-Vinn, verbr.,
auch Gal].
Mer määnt, der wollt e Ooj leeje, dass. [KL-Lind, verbr.].
Bis du kummscht, hat die Katz e Ei geleet, zu einem, auf den man lange warten mußte [HB-Kirrbg, SP-Heiligst].
Geh hääm un leg e Aai!, zu einem, der bei einem Spiel, bei einer Arbeit nicht mitmachen will [BZ-Albw, verbr.].
Viel Gegacker un wenich Aajeʳ 'Viel Lärm um nichts' [KB-Bubh].
Mer leje aach Aajer, mer gackern nor net so laut [PfMHk. 1925, S. 179].
Er hot 's Aai neweʳ 's Nescht geleet, wer
z. B. bei der Heirat nicht die rechte Wahl getroffen hat [verbr. WPf].
Er glääbt, seiⁿ Ääeʳ hätten zwää Dodder, vom Prahlhans [Land].
's Aai will gescheiter seiⁿ wie 's Hinkel [Gal-Dornf Bagbg].
Er hot der Atzel (Elster)
's Aai gestohl, von einem Neunmalklugen [Don-Gertianosch Alexanderhs verbr. Gal Buch-Altfratautz].
Kimmer dich net um ungeleete Aajeʳ [RO-Obd, WD-Niedkch Kaislt verbr. Gal].
Ich wollt, ich wär e Hinkel; morjens dät ich meiⁿ Ai lehe un ging dann de ganze Dag met'm Gockel spazeere [NPfGV 1926, S. 18].
Du kriescht die Eieʳ geback!, Androhung von Schlä
gen. [IB-Herbitzh, KU-O'staufb KL-Wörsb PS-Windsbg]. Vgl. auch die RA.:
Bohne, die dun mich krone; Aajer mit Speck un Weißbrod sin mei sicherer Tod, so sagte angeblich ein Mann, dem die häufigen Bohnengerichte seiner Frau zuwider waren [verbr. Gal]. Einen Neckspr.
s. bei
Batzen (I 608,
Z. 34). SprW.:
Wann de Butter uf de Speicher geht, gehn die Aajer in de Keller 'Wenn der Butterpreis steigt, fällt der Eierpreis' [Gal-Dornf].
Eier un Speck —
do flieht's eweg 'Verschwenderisches Essen macht einen arm' [Krieger 37].
Aus gebackene Oier kumme ken Biebelcher 'Küken', dass. [PennsDeitschEck 18. 5. 1935].
Wem de Deiwel a Aai in d' Wertschaft leche will, dem git er e schääⁿ Dochter oder e schääⁿ Frää [LA-Impfl]. Rätsel: Weiß wirft man es aufs Dach und gelb kommt es herunter [Hebel 117].
In der Hand isch's weiß, uf'm Bode geel [Rußl-Worms].
Wie kenne drei (Mensche) drei Oier mitnanner dääle, un 's bleibt noch äns in der Schissel leie? —
Wann der letscht die Schissel mit'm Oi nemmt [Horne Penns 107]. Ein weiteres Rätsel
s. bei
Blume (I 1031
Z. 24). Volksgl.: Ein mißgestaltetes Hühnerei bringt Unglück [RO-Imsw Dörnb KL-H'spey Mehlb Lind]; man soll es darum über das Dach werfen [KU-Lauteck Miesau KL-Steinwd RO-Semb]. Von faulen Eiern träumen, bedeutet Unglück [PS-Erfw].
's gitt Streit, ich hab heint vun Ääʳ geträämt [LA-Gommh, verbr., auch Fogel Beliefs Penns Nr. 256]. Von Eiern träumen, kündigt einen Todesfall an [KU-Bedb]. Wenn man von Läusen, von
Eyern, von gelbem Obste, von vielem Gewässer und von Blumen träumt, so bedeutet es Unglück [Journ. 1790, S. 142-44]. Eine Ehe wird kinderreich, wenn die Braut von Eiern träumt [LU-Opp]. Wer ein weich gesottenes
Ey ißt und die Schalen nicht zusammendrückt, der ist den nachteiligen Folgen der Hexerei ausgesetzt [Journ. 1790, S. 142-44].
Mer hot ken Glick, wammer ziegt (umzieht)
un nemmt Oier mit [Fogel Beliefs Penns Nr. 687].
Uf Kärfreidag eßt mer drei härtgekochte Oier, noh kriegt mer ken Fiewer [
ebd., Nr. 1462]. Am Karfreitag gelegte Eier soll man nicht verkaufen, auch sonst nicht für den allgemeinen Verbrauch nehmen; Männern, die sie essen, geben sie Kraft [BZ-Stein]. Aus den am Karfreitag gelegten Eiern gibt es Küken mit besonders schönem Gefieder [ZW-Battw RO-Obd]. Zs.
Gründonnerstags-,
Karfreitags-,
Unglücksei. Volksmed.:
E Schluck Wasser uf Salat spart em Dokter en Dukat; e Schluck Wasser uf e Ei spart zwei [Spey]; Var.
s. bei
Doktor (II 318
Z. 44). VR.:
Roter Fuchs im Hinkelsstall freßt die rote Eier all, die weiße läßt'r leie, morje geht'r freie [ZW-Battw];
vgl. Var. bei Peter (I 742
Z. 20).
Ich will der emol ebbes verzähle: Die Grumbeere kann mer schäle, die Eier kann mer backe, ich schlahn der uf de Backe [Der Trifels, 24. 12. 1933]. Weitere Reime bei backen 1 b,
Pfingstenquack 1,
Bib 1, Eierbacker,
lulu,
Sommertag. Kinderspiel: Ein Mädchen ist die Eierfrau und bietet den anderen Kindern Eier zum Verkauf an:
Frääche, kaafschde Eier? Was koschten sie? Zehⁿ Pennich 's Stick. Na, sie sein mer zu deier! Schließlich kauft die Kundin doch, und die Eierfrau fragt:
Wann krieg ich mei Geld? Wann der Wind geht, wann der Gickel kräht, kriegschde dei Geld. Nachdem die Eierfrau bei den anderen Kindern alle Eier losgeworden ist, kommt sie zur ersten Kundin zurück und verlangt das Geld:
Der Wind hat geweht, der Gickel hat gekräht, Frääche, ich will mei Geld. Jetzt wird ihr von allen das Geld gegeben [Hoffmann, Chronik von Kriegsfeld, S. 63]. Ein ähnliches Frage- und Antwortspiel
s. bei
Dreier. Brauchtum: Am Karsamstag sammeln die Meßdiener nach dem Gottesdienst Geldspenden und Eier, die der Geistliche dann unter sie verteilt [KB-Kriegsf].
Iwwer Nacht legt de Oschterhas Aajeʳ: rore, griene, gääle [PS-Erfw]. Dazu der Reim:
Ich waaß, was ich waaß: 's Hinkel is de Has; die Mutter färbt die Aajeʳ,
de Vatter leet se ens Gras [KB-Biedh, verbr., auch Gal].
Am Oschtermorche gehn die Kinner Aajeʳ suche [LU-Muttstdt, allg.]. In Gal legte man den Kindern die gefärbten Eier in die Ostergärtchen. In KU-Bedb KB-Mauchh Bennhs NW-Esth gehen die Kinder zu ihren Paten die
Aajeʳ hole. Kinderspiele mit Ostereiern
s. bei
Eierdrillern, -gacksen, -kegeln, -picken, -rollen, -schanzen, -schaukeln, -scheibeln, -schieben, -schmeißen, -schucken, -tupfen, -werfen. Zum Brauchtum des Eiersammelns an Pfingsten
s. Pfingstenquack 1; dazu ein weiterer Heischevers:
Quack, quack, quack, die Aajeʳ sin geback; Aajeʳ orer Speck eraus, sunscht treiwe mer och (euch)
zum Haus enaus [KU-Körbn]. Zs.
Palm-,
Puck-,
Guck-, Johannis-,
Osterei. a. 1354:
einem apt uf den ostermontag zu bringen ein bock und hundert eier [Grimm Weist. V 685 (ZW-Hornb)]. a. 1590:
Keeß, Buetter, Ayer [Zweibr-Urkb. 161]. a. 1621:
zum kleinen Zehender liffern Von 1 Zickhen (Zicklein)
2 ayer oder 2 Pf. [WerschwSchR. 71]. — b. von Eiern sonstiger Tiere. α.
s. Zs.
Bienen-, Fisch-, Frosch-, Herings-, Krotten-,
Spinnenei(er). WR.:
Legt der Frosch sei Oier nidder, fehlt's an Rege un Gewidder [PennsDeitschEck 3. 4. 1937]. — β. Irrtümlich werden die Puppen der Ameisen Eier genannt,
s. Ameisenei. Wenn rote Ameisen in die Nähe der ihre Puppen sonnenden schwarzen Ameisen kommen, rufen die Kinder:
Ämendse, holt eier Aajeʳ,
die Russe kumme! [LU-Altr]. — 2. übertr. a. krumme Eier 'Kot des Hahns'.
Der Hohⁿ leet krumme Ääjeʳ [KU-Schmittw/O, verbr., auch Gal, Heeger Tiere II 6]. — b. 'Hode bei Mensch und Tier' [allg.].
Die Aajer sin'm geschwoll [Gal-Dornf]. — c.
Garschemer Aajeʳ, Uzname für die Bewohner von KB-Gauh. Als Schimpfw. in
Pferds-,
Elefantenei. —
d. Zs.
Tee-,
Stopfei. —
F.: Diminutivendung in WPf (ohne PS-Ost) NPf u. nördl. VPf:
-χə, -šə, Pl.
-χəʳ,
-šəʳ (seltener:
-əʳχəʳ,
-əʳšəʳ); mittl. u. südl. VPf
-lə (Sing. u. Pl.); Pl. um Landau:
-liχ, -liš; hierzu
vgl. K. 27 Bäumchen. — Südhess. II 26 ff.;
Rhein. II 27 ff.; Saarbr. 55;
Lothr. 118;
Els. I 2/3; Bad. I 633/34.