Wossidia
Fastelabend meist vereinfacht Fasselabend, lautlich fasslåbm, im Spruch fasslum
m. Fastnacht, der Vorabend,
d. h. der letzte Tag vor der Fastenzeit; Versuche,
den Ursprung des Namens mit fasen oder faseln zu verbinden, sind mit unseren Belegen nicht vereinbar, auch spricht der zweite Teil des Wortes (
s. Abend 1, 28) gegen diese Annahme, wie schon Schmidt Fast. 38 bemerkt: 'Und folglich hat es nicht anders seyn können, als daß eben der vor diesem Aschermittwoch allernechst eintreffende Dingstag die Vorfasten, der Vorabend, der fördere Tag, der heilige
Abend und insonderheit Faßnacht (Druckfehler für sonst gebrauchtes Fastnacht 44; 47 u. öft.), Fastelabend oder Fastenanfang müßen bezeichnet werden'; über die Bildungssilbe el im ersten Gliede einer Zs.
s. Sar. Nd. Forsch. 2, 70. I. Zeitliche Bestimmung: Fastelabend eigentlich nur der Dienstag vor Aschermitwoch, im weiteren Sinne die letzten Tage vor der Fastenzeit, vom Donnerstag vor Estomihi ab, welcher Donnerstag in ä. Zeit 'lutke vastelavend' hieß, während der Sonntag selbst den Namen 'groten vastelavend, ... vastelavendesdag' führte; vielfach war die Bezeichnung auf die Zeit vom 6. Januar bis zum Sonntag Invocavit ausgedehnt: 'ihre ... Fastelabende, so gleich nach dem heiligen Drey Königefest anheben' Schmidt Fast. 41; Monh. 3, 145
a; 'auch dem Sonntag Estomihi, zu samt allen folgenden Tagen, biß auf den Sonntag Invocavit, der Nahmen von Fastnacht und Fastelabend gegeben, und solche ganze Woche durch Fastelabende gehalten werden' Schmidt Fast. 44; Monh. 4, 151
a. II. Belege 1. ä. Quellen. a. Datierung, Zeitangabe, wann etwas geschehen ist: 'des sundaghes vor vastelavende' (Estomihi; Gü 1353) UB. 13, 262; 'des dinghesdaghes vor vastelavende' (Dienstag nach Estomihi; WiWismar@SternbergSternb 1356) 14, 25; 'in dem vastelavende' (Schw 1400) 24, 32; 'des vrydages in dem vastelavende' 28; 'des donredaghes tho lutteken vastelavende' (Donnerstag vor Estomihi; RoRostock@DoberanDob 1387) 21, 93; 20, 17; 'in dem vastelavende' Slagg. 84; 122; 127; 'des mandages im vastelavende' Grab. Lohgerb. 2, 62; 63; 'des sundaghes am groten vastelavende unse gnedighe froychen domina Ursula, vicaria, heft den susteren unde ock den vederen unde broderen ghedan eyne werscop an etende unde drinkende myt gantzer froude unde frolicheyt' Slagg. 167. b. Termin, Zeitpunkt, an dem etwas geschehen soll,
z. B. Zahlungen: 'van unsen vifhundert marken schole we dy helft bereyden tů vastellavende' (1306) UB. 5, 301; 'des sondaghes to vastelavende, de nu negest tokomende is, scole wi ... bereden soshundert lodige mark' (1366) 16, 49; Pacht, Zinsen und Abgaben sollen erlegt werden 'twischen wynachten unde vastelavende' (1356) 14, 33; (1400) 24, 33; 'daß dieser modus capitationis anderthalbemal erhöhet und auf einmal gegen Vastelabend eingebracht werden sollte' (Schw 1650) Spald. Land. 3, 42;
s. Fastelabendbede; 'die Pfarre erhält zu Fastnacht jeden Jahres 296 Eier, die Küsterei 148 Eier' (MaMalchin@Groß LunowGLun) Ostmeckl. Heim. 4, 31
a; in MaMalchin@GielowGiel mußte jeder Hauswirt an diesem Tage 20 Eier an den Pastor liefern (1836)
Arch. Landesk. 17, 505; fürstliche Eheschließungen wurden mit Vorliebe in diese festliche Zeit gelegt: 'des scal me uns ... desse iuncvrowen Eufemien ... gheven to der ee ... nu to vastelavende, de neghest tokumpt' (Ro 1366) UB. 16, 117; weiterhin: 'wegen der nien schafferen, de alle jhaer up fastelavende gekharen werden' Grab. Lohgerb. 2, 180; 'so sollen die Inlieger, welche bey anderen einliegen, ... wöchentlich von Fastabend bis St. Dionysii einen Tag ... zu dienen schuldig seyn' (1699) Bär. Ges. 3, 1, 23. 2. Redewendungen: Heildreikönig würd' de Fastelabend tausnäden,
d. h. es wurde festgelegt, wann und bei wem das Fest gefeiert werden sollte Schö,
vgl. Monh. 3, 145
a; SchwSchwerin@RosenbergRoss; von Martini bet Fastelabend is dat fett Vierteljohr Schö Schönberg@SchlagsdorfSchlagsd; wennihr is din Krischan geburen? Oh, so bi Fastelabend rüm Ro; Vergleich: 'Gelyck als de Semmeln im Vastelaven' Laur. Schg. 2, 505; nach einem reichlichen Mahl heißt es häufig: so, nu hett de Mund Fierabend un de Noors Fastelabend; eine Witwe, die trotz der Trauerkleidung ein lustiges Leben führt, wird verspottet: dee truert mit 'n Kopp, un mit 'n Noors geiht s' Fastelabend Wa; Bauernregel: Fastelabend väl Natt, Gifft dat wat in Schün un Fatt, Fastelabend väl Ies, Ward de ganze Oorn man mis SchwSchwerin@BanzkowBanzk; WiWismar@KirchdorfKirchd;
vgl. Arch. Landesk. 14, 553. III. Zeugnisse für alte Festbräuche wie Gastmähler, Trinkgelage, Vermummungen, tolles Treiben und Bittgänge liegen seit dem 16. Jahrh. vor, diese werden wiederholt von der Obrigkeit untersagt, so bereits 1516: 'dat henvör nenerley ... Vastelavendes edder ander Gilden in keinen Steden noch Oerden geholden ... werden schölen' Bär. Ges. 4, 1, 31; (1562) 112; 1661 besagt ein herzoglicher Erlaß, 'daß niemand in der Fasten bei 10 Rthlr. Strafe sollte Fress- und Saufereyen anstellen, sondern dieses alte heidnische Wesen (Bachanalia) einmahl gantz abgeschaffet seyn' Franck Meckl. 14, 148; Horn Selmsd. 2, 82 ff.; in der Rostocker Bursprake von 1567 heißt es: 'vortmer bede wi, dat keimant mith unwantliken klederen oder vordeckedem angesichte schal vastelavent gan' Beitr. Rost. 4, 2, 57; 1582 faßt der Rat in Ro bei Gelegenheit einer Neuwahl den Beschluß, 'daß zur Einschränkung der Unkosten das bisher übliche Fastelabend-Laufen und die großen Gastereien aufhören und statt dessen von den neuerwählten Ratsherren ... ein Geschenk an die Stadt gegeben werden sollte' 4, 3, 9; 1631 wird bestimmt: 'die Schopenbrauer sollen ... nicht den Fastelabend begehren' Arch. Landesk. 6, 85; nur einigen Berufen waren solche Forderungen erlaubt: 'außer der herkömmlich den Ratsdienern gestatteten Sammlung zu einem Fastnachtsschmause ist das Gratulieren zu Fastnacht einzig und allein erlaubt dem Wassersteller' Wi 1840; 'wie denn auch die Müllergesellen auf Fastnacht nicht weiter, als nach altem Herkommen, nur blos bei den Bäckern und Brauern herumzugehen Erlaubniß haben' (Schw 1789) Monschr. 2, 949; Jb. 20, 200;
s. stüpen unt. IV D 3; auf die Bittgänge der Knechte (IV D 1) spielt an: 'Ick lOeve nicht dat gy Fastelavendt gahn, Gy scholde habben eine gaffel mede Namen, So hadde gy upm wege welcke worste bekamen' Schlue 67; sehr verbreitet war die Sitte, Freunden und Gönnern an diesem Tage Gebinde von Hüls (Ilex), Buchsbaum oder Tannen zu verehren: 'solchemnach pflegte man sich untereinander mit grünen Sträußen zu beschenken, ... und also, welches noch bis auf den heutigen Tag übergeblieben ist, sich einen grünen Fastelabend zu bringen' Schmidt Fast. 136; in RoRostock@WarnemündeWarn ging der Nachtwächter mit einem kleinen Tannenbaum umher, um Gaben zu erbitten Wo.
V. 4, S. 272;
s. Fastelabendlopen der Kinder unt. IV D 2; 'it. 1
s. den bueknechte, de den vastelavent brachte' (Wi 1531) Schill.-Lübb. 5, 211
a; seit 1532 war es beim Fastelabendbier der Bruchfischer üblich, daß 'die Träger, die ohnehin einen freien Trunk taten, wenn sie das Bier lieferten, zugleich einen Kranz oder Strauß oder Busch von Hüls brachten, wofür ihnen ein Trinkgeld von 2 Schillingen zuteil wurde' Beitr. Rost. 1, 3, 101; diesem Brauch verdankt wohl die bei Paulli 522 angeführte Bezeichnung 'Fastelabend' für ilex aquifolium ihre Entstehung; einige alte Bräuche des 17. Jahrh., deren Quelle nicht zu ermitteln war, werden Monh. 4, 152
b mitgeteilt: 'allgemein üblich war es auch in Mecklenburg, daß die Fleischerknechte eine viele Meter lange Wurst durch die Straßen trugen ... Sie wurde den Bäckern verehrt ..., und diese bereiteten dann große Fastnachtswecken. Bäcker und Schlächter hielten bei Wurst und Wecken in brüderlicher Einigkeit ihren Fastnachtsschmaus'; an der gleichen Stelle wird berichtet: 'in Mecklenburg war es üblich, daß die Bauern den Predigern Mettwürste und den Küstern Bratwürste als Geschenke darbrachten'; weiterhin: 'in Ro schleuderte man brennende Holzscheiben unter Singen und Gepolter in die Luft, um das Wiedererwachen der Sonne nach ihrem langen Winterschlaf anzudeuten, oder man bewickelte ein altes Wagenrad mit Stroh und ließ es in vollem Lauf den Beginenberg herunterrollen' ebda. IV. Die Fastelabendsfeier, wie sie noch bis in die ersten zwei Jahrzehnte unseres Jahrh. in allen Teilen Mecklenburgs, namentlich in Schö@ üblich war;
vgl. hierzu Bey. Lp. 57 ff.; Horn Selmsd. 2, 84 ff.; Jb. 2, 152; Meckl. 5, 9 ff.; 6, 22
f.; 7, 10
f.; 24, 111; Mecklenburg Heimatbuch 202; Monh. 3, 145 ff.; 12, 56 ff.; Ostmeckl. Heim. 3, 35 ff.; Pld. Heim. 2, 89
f. A. Dauer, Ort und Vorbereitungen: noch bis in unser Jahrh. hinein währte die Festlichkeit auf dem Lande zwei bis drei Tage, in den bei Ro gelegenen Dörfern 4 Tage, in Schö@ acht volle Tage lang, sie begann dort meist am Sonnabend oder Sonntag vor Lichtmeß (2. Februar), man band sich aber nicht an die Lichtmeßwoche, sondern sagte den Fastelabend an, wenn schönes,
d. h. recht rusiges, kaltes Wetter war, weil an solchen Tagen jo doch nicks maakt warden künn; alle Arbeit ruhte, nur das Vieh wurde versorgt und die Ställe mittwochs und sonnabends abgedüngt. Da die Abhaltung der Festlichkeit in den Bauernhäusern umging, versammelte man sich einige Zeit vorher, zuweilen schon am Dreikönigstag (6. Januar), im Schulzenhause, um festzusetzen, welcher Hauswirt an der Reihe war, denn nur wirkliche Hauswirte,
d. h. Vollbauern, waren berechtigt, eine öffentliche Tanzmusik zu halten Horn Selmsd. 2, 86; nachdem die Dorfgenossen Mehl zum Backen und Malz für das Bier im Festhause abgeliefert hatten, wurde der Fastelabend von dem Grotknecht oder der Grotdiern anseggt, welche die Dorfbewohner mit den Worten einzuladen pflegten: ick sall grüßen von Vader un Mauder, un wat Ji nich taum Fastelabend 'n bäten rümkamen un uns Kœm un Beir vertehren helpen wullt; stellenweise geschah diese Einladung durch eine Person, die ähnlich wie der Hochtidenbidder einen mit Rauschgold, Blumen und Bändern gezierten Zylinder, einen langen Schlippenrock und hohe Sporenstiefel trug, nur mit dem Unterschied, daß zu beiden Seiten des hohen Hutes Salzheringe herabhingen. In der Gegend von MaMalchin@StavenhagenStav steckten die Knechte am Vorabend den Mägden, die sie gern hatten, einen Fastelabendstruz ans Fenster. B. Fastelabendschmaus und -speisen: die Mädchen, denen der Schmuck der Festdiele mit bunten Tüchern und Bändern und wohl auch die Bereitung des Festmahls aus den am zweiten Tage erbetenen Gaben (
s. IV D 1) oblag, hatten beim Essen und dem darauf folgenden Tanz das Kommando, zum Zeichen ihres Regiments hing unter der bändergeschmückten Krone, welche an der Decke angebracht war, ein buntgestickter Pantoffel. Im SW mußten sie für diese Ehrung die Kosten des Festes bestreiten,
s. Fastelabendsdaler. Auf dem Tisch der Festdiele standen Feinbrot (Schwarzbrot gab es in diesen Tagen nicht) und Stuten (sehr große eigengebackene Weizenbrotlaibe) bereit. Die Söhne und Töchter des Hauses aßen dort mit dem Gesinde und der geladenen Dorfjugend die gestefften Fastelabendwürste, die kürzlich bei der Hausschlächterei zuletzt gestopften, besonders großen und starken, ringförmig gebogenen Mettwürste, die nur leicht angeräuchert waren, weil sie zum Fastelabendschmaus gekocht wurden; daneben gab es stellenweise Schweineschinken und geräuchertes Rindfleisch. Bauer und Bäuerin tafelten mit den älteren Ehrengästen und Nachbarn in der Döns bei Rotscher, Grün kohl mit Kartoffeln und Schweinskopf oder Knakenpeiter (
s. d.). Zu diesem leckeren Mahl wurde von allen Teilnehmern Eierbier getrunken, das mit sehr viel Zucker gekocht, mit den zahllosen gestefften Eiern bereitet, zuweilen auch mit einigen Stangen Zimt vermischt wurde. Schon Schmidt gibt als gebräuchliche Fastelabendspeisen an: 'Heetweggen, Schinken, Mettwurst und geräuchert Ochsenfleisch' 85. Über das erstgenannte Gebäck sagt er: 'Heetweggen ... sind aus feinem Mehl und Milch in Gestalt eines Kreutzes gebackene Brödte welche, entweder trucken oder mit Butter beschmieret oder aber in siedender Milch abgekochet, mit Eyern, Butter und Gewürtz wohl zugerichtet, zur Vorkost auf den Fastelabendschmausen verspeiset werden' 90; die Heetweggen sind Fastelabendsgebäck bis weit ins 20. Jahrh. geblieben, sie wurden jedoch nur am wirklichen Fastelabend, dem Dienstag vor Aschermittwoch, gereicht; auch die Insassen des St. Jakobhospitals in Wi erhielten 'im Vastelavende tho ehren Hetweggen söte melck und Kese' (1552) D. Schrö
d. Kirchenhist. 2, 43; ein anderes, wohl nur in den Städten übliches Fastnachtsgebäck waren die 'cropele' (Krapfen), welche die 'Garbrader' in dieser Zeit herstellen mußten (Wi 1435) Burm. Altert. 74. Bei ärmeren Leuten wurden einige der zu Weihnachten von der Semmelfrau gekauften Has'poppen, die aus Weizenmehl und Wasser bestanden, bunt bemalt waren und biblische Gestalten darstellten, bet Fastelabend uphäägt un denn in Melk brockt. C. Tanz, Spiel und Mummenschanz: abends kündeten die Musikanten den Beginn des Tanzes mit einem Tusch vor dem Festhause an: ierst einen vör 't Heck blasen. Wegen der grimmigen Kälte, die auf der großen Diele herrschte, saßen sie häufig bis zum Nabel in vollgestopften Häckselsäcken um das umgestülpte Bräuhküben herum, im Mauerkessel wurden ungeheure Mengen Grog bereitet, die in den Tanzpausen von jung und alt vertilgt wurden, so ging es bis zum hellen Morgen, und nachdem man sich am Tage ein wenig ausgeruht hatte, begann man am Abend von neuem. Die Alten saßen derweilen in der Döns mit der Kips auf dem Kopf und spielten Solo, Boston, Whist oder Fett und Mager; weitere übliche Kartenspiele, zu denen meist 32 Karten gehörten und an denen zwei oder vier, manchmal aber auch eine beliebige Anzahl von Personen teilnehmen konnte, waren: Fettmul, Dreikoort, '66 zu 4', Zick, Muskat, Breitpuckel, ut 'n Katen jagen, Näs'faten oder Tung'utstäken, Schaapskopp, Schwarten Peter Horn Selmsd. 2, 86; zuweilen zogen die Feiernden in anderen Häusern umher, in denen die eigentliche Fastnachtsfeier nicht war und ließen dort ihrem Übermut freien Lauf; über diese unbändige Lebensfreude und unermüdliche Tanzlust unserer Landbevölkerung ereifert sich der Pastor in Ro@Böhlendorf mit folgenden Worten: 'Ich hatte nun etliche Jahre durch wider das barbarische Wesen gepredigt, im Hause und auf der Kanzel herzlich gebeten, sich solchen ungöttlichen Wesens zu enthalten. Im vorigen Jahre Dominica Septuagesimae bat ich abermahlen einen jeden öffentlich, man möchte doch einmahl solches heidnische Wesen einstellen. Aber ich mußte leyder erfahren, daß es die gottlosen WeltKinder noch ärger alß zuvor machten ..., sonderlich die Knechte, unter welchen einer mit einem grünen Weiber-Rock behangen war, gingen in zweyen Partheyen mit einem Dudelsack durchs Dorff von Hauß zu Hauß, sangen, soffen, tantzeten und raseten in den Häusern alß Unsinnige, nachhin taten sie sich zusammen, soffen, tantzten, lermeten etliche Nächte durch und durch, daß man kaum davor schlaffen kunnte. Bey solchem gottlosen Nachttantze funden sich auch einige leichtfertige Mägde und wohnten dem verfluchten Handel bei' Bey. Lp. 57. In HaHagenow@KraakKraak mußten sich die neuzugezogenen Leute, wenn die erste Tanzlust befriedigt war, in de Snutenlad', die der Dorfschmied in Verwahrung hatte, einkaufen, wobei sich der Preis nach der Länge der Nase richtete; nach einem anderen Bericht wurde der Besitzer der größten Nase in der dortigen Gegend bei dieser Gelegenheit auf ein Jahr zum Snutenkönig gewählt; nachdem er für diese Ehrung eine Runde Kœm ausgegeben hatte, hängte man ihm einen Reis'rock um, dessen rote Futterseite nach außen gekehrt war, schmückte sein Haupt mit einer Krone von Erbsstroh, setzte ihn auf eine Biertonne, die auf einer Meßböhr stand, und trug ihn durch das ganze Dorf. Am letzten Abend erschien fast regelmäßig der Schimmelreiter, der häufig von einem ganzen Gefolge, in dem der Schmied und der sprichwörtlich gewordene Doktor Eisenbart die hervorragendste Rolle spielten, umgeben war; er pflegte zum Schluß die ganze Gesellschaft mit Wasser zu besprengen. Das Verbrennen von Strohpuppen, das, zumeist von Kindern ausgeübt, häufig am Aschermittwoch geschah, wurde späterhin vom Amt wegen der damit verbundenen Feuersgefahr verboten. D. Umzüge. 1. Das Steffen,
d. h. das Erbitten von Zuschüssen für den Fastelabendschmaus, wurde gemeinhin am Morgen nach der ersten durchtanzten Nacht vorgenommen; unter Musikbegleitung zogen die Knechte, mit Gaffeln für die zu erbeutenden Würste und Buttkipen für die Eier und sonstigen Lebensmittel ausgerüstet, von Haus zu Haus. Einer von ihnen, der häufig eine große, reichbebänderte Flasche trug, trat als Sprecher auf und nahm Geldspenden entgegen, die späterhin in Kœm und Bier umgesetzt wurden. Den Beschluß machten zwei Knechte, welche unaufhörlich mit Peitschen knallten. In jedem Hause wurde den Bittenden Schnaps und Bier gereicht. Früher erschien ein Teil der Knechte in Frauenkleidern oder mit umgekehrten Kleidungsstücken und Flachsperücken angetan; in SchöSchönberg@SamkowSamkow und andernorts begleitete ein Spaßmacher in Gestalt eines Bären, der in Erbsstroh gehüllt war (
s. Bor 1, 1027), den Zug, in SchöSchönberg@CarlowCarl machte der Ansegger in seinem vorerwähnten, possenhaften Aufputz den Sprecher, diesmal aber hoch zu Roß. Häufig gaben die Bittenden vor dem Hersagen ihres Spruches einen grünen Buchsbaumstrauß ab. 2. Umzüge der Kinder. a. Sonderbrauch: in PaParchim@SpornitzSporn 'gingen die Knaben und Mädchen, jeder Teil für sich allein, von Haus zu Haus und sangen, indem sie beim Pfarrhause anfingen. Sie erhielten dafür Geld, Eier oder Wurst. Nach Schluß der Sammlung brachten sie alles ins Küsterhaus und verzehrten es, der Küster und seine Leute aßen natürlich aus Leibeskräften mit. Hin und wieder kam Streit, indem etliche Bauern stolz waren und wollten ihre Kinder nicht mehr gregorius (precarie) gehen lassen. Ein ander Mal schimpfte man, daß der Küster mitäße, da er doch nicht mitsänge' Bey. Lp. 58. b. ä. Belege: 'sonderlich aber armer Leute Kinder denen reicheren einen grünen Strauß ins Hauß bringen, dabey der Redensarten sich bedienen: ich bringe hier einen grünen Fastelabendsbusch oder auch: Ich bring zum Fastelabend einen grünen Busch, Habt ihr nicht Eyer, so gebet nur Wurst' Schmidt Fast. 137; der schon mehr erwähnte Pfarrer aus Ro@Böhlendorf berichtet: 'da gingen ... die Kinder, lange mit grünem Laub bewundene Stecken tragend, ... in den Häusern herumb und sungen allerhand liederliche Poßen' Bey. Lp. 57. c. Das Fastelabendlopen der Kinder, das einstmals im ganzen Lande üblich war, hat sich an der Ostseeküste am längsten gehalten, hier gingen die Kinder in dieser Zeit mit dem Rummelpott (
s. d.) um, sie trugen bei diesen Gängen große Stöcke, in welche Zweige hineingesteckt waren, worauf die Gaben gehängt wurden; wi hadden 'n afschäälten Stock von ne Wid' mit drei, vier oder fif Twälen Wo.
V. 4, S. 272; auch ein mehrfach verzweigter Dornbusch, auf dem 10 bis 12 Semmeln Platz hatten, wurde zu diesem Zweck hergerichtet WiWismar@KirchdorfKirchd; dort wurde dieser Brauch noch vor kurzem ausgeübt, der Tag war ehemals sogar schulfrei; Mandaags wir de Kinner ehr Löperdag, ganz Päul (die Insel Poel) würd' aflopen, so berichten die Alten; in jedem Hause standen Duwwelsemmeln und Kringel für die Kinder bereit; wo die Twälen nicht ausreichten, wurde die Bäukertasch (Schulranzen) oder ein Sack zu Hilfe genommen. 3. Rest eines alten Fruchtbarkeitszaubers war das Stüpen oder Quitschen, von dem der Betroffene sich durch eine Heißweckenspende auslösen mußte, daher auch Heitweggenafkloppen genannt; es beschränkte sich auf den Dienstag vor Aschermittwoch oder auf den Aschermittwoch selbst. Alle Kinder und jungen Leute nahmen daran teil. Es galt Freunde und Bekannte, Eltern und Verwandte in der Frühe aus dem Schlaf zu wecken, indem man mit einer Birkenrute, die mit einem roten Band umwunden war, auf die Bettdecke schlug. Die Rute blieb auf dem Bett des Überrumpelten liegen und diente beim abendlichen Heißweckenessen als Strafinstrument, indem derjenige, dem ein unnützes Wort entschlüpfte, damit einen Schlag auf die Finger bekam. Auch abgeschälte Haselruten und Vogelbeerzweige mußten bei Knechten und Mägden herhalten. Nach Schmidt Fast. war die Rute bei Leuten vom Stande zierlich und aus Silberdraht geflochten 138; als beliebte Ausschmückung dieser Ruten nennt er tadelnd Bündelkinder, Tauben, die sich schnäbeln, oder einen Storch, der ein Kind im Schnabel trägt 139; voll sittlicher Entrüstung schildert er den Brauch des Stüpens, wie er beim Volk allgemein üblich war und bei dem es zuweilen wohl recht derb herging: 'da kommen die jungen Kerls denen Mägden am Fastelabendsmorgen gantz frühe vor dem Bett und streichen dieselbe ... so lange ... mit Ruthen, biß sich diese verbindlich machen ..., sothane Streiche mit einem Heetweggenschmauß ... zu vergüten' 139. In der Gegend von StaStargard@NeubrandenburgNBrand und anderswo schlugen früher auch die Müllergesellen die Hausfrauen, denen sie Mehl zu liefern pflegten, mit Sträußen von Myrten und Lorbeer. E. Örtliche Sonderfeiern: in den Dörfern des Fischlandes sowie in RoRostock@MüritzMür und Graal, wo die Bevölkerung vorwiegend aus Seeleuten bestand, nahm das Fest einen anderen Verlauf. Für Mür liegt eine eingehende Schilderung vor. Hier wurden nach Festsetzung der Festwoche, welche sich nach der Abkömmlichkeit der Musikanten richtete, am voraufgehenden Sonnabend die beiden Schenken, zwei junge Dorfinsassen, denen die Festvorbereitungen oblagen, mit noch einigen jungen Leuten auf einem Wagen nach Ro geschickt, um dort Bier, Zucker, Kaffee und andere außergewöhnliche Genußmittel einzukaufen. Am Sonntag wurde das nötige Geschirr aus den Haushaltungen herbeigeschafft. Am Montagabend wurde Holz zerkleinert, am Dienstag Zucker geklopft, am Mittwoch Kaffee gebrannt und gemahlen. Am Donnerstagvormittag wurde der Saal geschmückt, nachmittags um 1 Uhr begann das Fest, indem jede Familie durch einen Dorfbewohner, der auf einem bändergeschmückten Pferd in die Diele hineinritt, besonders geladen wurde. Ihm folgten die Musikanten und die Schenken, welche zum Zeichen ihrer Würde an der linken Hutseite einen großen Blumenstrauß trugen und jedem auf Wunsch ein Glas Bier oder Schnaps verabreichten. Die Geladenen schlossen sich nach dem feierlichen Umritt dem Zuge an, und so bewegte man sich in stets wachsender Zahl durch das ganze Dorf, um, beim Kruge angelangt, eine gemeinsame Kaffeetafel abzuhalten. Das Abendbrot nahm jeder zu Hause ein, dann fand man sich wieder im Krug zu Punsch und Tanz zusammen. Bis Freitag mittag pflegte man sich von den vorhergegangenen Anstrengungen zu erholen, um sich dann mit erneuten Kräften weiter zu vergnü
gen. Sonnabend herrschte Ruhe. Am Sonntag war Nahklapp. Montag vormittag gingen die Schenken bei den Familien des Dorfes umher, um Geld für ihre Auslagen und für zerbrochenes Geschirr zu sammeln. Als Lohn für ihre nicht geringe Mühe während der Festwoche hatten sie das Recht, sich dabei eine Spende von Wurst und Eiern zu erbitten, welche sie gemeinsam mit der übrigen Dorfjugend verzehrten. Dieser Schmaus bildete den Beschluß der dortigen Fastnacht;
s. F. Barn. Warn. 268
f.; Dolb. Küst. 96
f.; Wo. Seem. 2, 78.
F. Die Fastelabendreime, welche bei den oben geschilderten Umzügen und Bittgängen von Kindern und Erwachsenen hergesagt wurden, haben uns manchen heute vergessenen Brauch bewahrt. Auf das Überbringen eines grünen Busches (III) weist hin: Fasslum, Fasslum raschelt in 'n Busch, Gäw mi 'n Ei oder gäw mi ne Wust Wo.
V. 4, 779; Fasselam is up den. Busch, Up den Busch is luter Wust, Ick will nah den Busch rupstigen Un will mi all' de Wust runkrigen 780; der Dornbusch, auf den die Kinder die erhaltenen Gaben zu hängen pflegten, klingt an: Goden Abend, Fastelabend hinner 'n Duurnbusch, Ick gah hüt abend von Hus to Hus, Wäsen S' so got un gäben S' mi 'n Ei, Wenn dat nich is, gäben S' mi 'n Stück Schinken, Wenn 't wider nicks is, eenen to drinken 782; Übermut und Lust zu Schelmereien äußern sich: Fastelabend heidik, Alle Schelmstück weit ick, Dei 'ck nich weit, dei will 'ck mi lihren, Will minen Vadder sin rug' Hüll ümkihren 797; Fastelabend heidi, Morgen is Kommeidi, Ick will minen Vadder sin rug' Klott ümkihren Un dormit spazieren führen 798; Fastelabend hick un schrick 799; ... hüppe den schrügge 800; der Schimmelrider erscheint: Fasselabend is gekamen mit eenen witten Pierd, Fruken, maken S' de Dör apen, is 'n Herrenkönig vör, Wull so giern eens danzen Mit de Rosenkranzen, Mit de Maagd woll üm den Hierd, Fru, Ehr Däl is ihrenwiert, Fru, Ehr Däl is holl un boll, Föfteihn Eier gäben Se woll, Fif in mine Kip, Ward de Fru selig un rik, Fru, sniden S' rum(-ū-), Sniden S' sick nich in 'n Dum, Sniden S' 'n grot Stück, Hebben S' väl Glück 792; wenn die Bittenden nichts oder zu wenig erhielten, riefen sie: Fastelabend buten, In de Spis'kamer sünd noch Stuten, In Wismar hängt noch Speck 804; oder sie drohten: Goden Abend, Fastelabend woll unner den Busch, Ick bidd' Se mit Lust, Gäben S' mi ne Wust, Gäben S' mi kein Wust, so gäben S' mi 'n Stück Speck, Süs smit ick dat ganze Fastelabend (die ganze Fastnachtsbescherung) in 'n Dreck 781; derb: Fastelabend hüll, Dei mi nicks gifft, denn' schit ick up 'n Süll 805; nur von Erwachsenen wurden die Verse gesprochen: Fastelabend hitel up 'n Stripp, Mauring is ehr de Bussen noch witt? Ach ne, ach ne, min gaude Gast, Dei is so swart as 'n Teerquast S. 274;
s. Titt; beim Stüpen hieß es: Stüp stüp Fastelabend, Heetwecken ut 'n Aben 807; 806; Weiteres Baud' (1, 666), Brutwust (2, 48), Ei 3, Eierpott, Emer, Fastnacht, Gast, quitschen, Stuten, sowie Wo.
V. 4, 779 ff.; Horn Selmsd. 2, 85; Meckl. 5, 9; 12; Dolb. Küst. 97.
V. Aberglaube: Fastelabend gilt stellenweise als Termin der Blocksbergfahrt Wo. Sag. 2, 367; 368; daher muß an diesem Tage auf dem Herde gebacken werden, sonst tanzen die Hexen darauf Bartsch 2, 255; nach einer anderen Lesart muß die Asche an diesem Tage aus dem Herd genommen werden, sonst gibt es einen Todesfall im Hause HaHagenow@LoosenLoos. Das obenerwähnte Stüpen mit der Fastnachtsrute bürgt für ein gutes Flachsjahr ebda. VI. FN. Fastelabendsborn. Zss.: Buer-, Katen-,
Seefastelabend; die Zss. mit
Fastelabend als Bestimmungswort werden teils flektionslos, teils mit dem Gen. gebildet. — Mnd. vastelâvent. — Br. Wb. 1, 359; Dä. 114
a; Kü. 1, 441; Me. 2, 25; Schu. 28; Teu. 1, 75.