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fastnacht

nhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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16 in 15 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

fastnacht f.

Bd. 3, Sp. 1353
fastnacht, f. quadragesima, it. carnovale, fr. carneval. verknüpfung der faste mit dem worte nacht scheint nur bei uns vorzukommen, es ist eigentlich vigilia quadragesimae, veille du carême, die letzte derb ausgenossene freszzeit vor dem beginn der faste, vgl. fastelabend. zwar läszt sich ahd. neben fastatac (dies jejunii) kein fastanaht (das wäre nox antecedens jejunium) aufweisen, mhd. aber begegnet vastnaht Jeroschin 23337. myst. 3, 6. 149, 26. in des Frid. Ködiz verdeutschung des Berlt 34, 17 und in noch späteren, mhd. wb. 2, 302 angeführten stellen. nhd. bleibt die volle schreibung aufrecht erhalten von Henisch 1015, 5. Stieler 1322. Frisch 1, 251. Adelung, unter den früheren schriftstellern z. b. von Ickelsamer. doch tritt schon mhd. vasnaht für vastnaht ein Parz. 409, 9. LS. 3, 387, und in den von Keller herausgegebnen fasnachtspielen stöszt man allerwärts auf vasnacht, fasnacht, fasenacht, woraus allmälich die schlechtere form fasznacht erwuchs, wie sie sich bei Serranus synon. 65a, diction. c 2a, bei Frisius 150b. Maaler 132b, bei Luther und H. Sachs findet. dies fasnacht darf nur nicht verleiten, das wort auf eine andere wurzel als fasten zurückzuführen, wie schon Zarnke mhd. wb. 2, 301b mit recht rügt, während es Müller 3, 330a unter vise gebracht hat. vas für vast ist keine andere abstumpfung als die auch in runs, kuns, guns, fris für runst, kunst, gunst, frist, ja im nd. is für ist erscheinende, wogegen anderemal ein ungehöriges t hinzutrat, habicht für habich u. s. w. in der Schweiz, in Schwaben, im Elsasz herscht noch heute fasznacht, wie in Östreich und Baiern fasching vor, selbst das lit. pasninkas gilt für pastninkas. ohne gefahr dürfen die folgenden belege fastnacht, fastennacht, fasnacht und fasznacht mischen. die fastnachtzeit war eine der fröhlichsten im jahr, spielleute, schwerttänzer und fechter zogen durch das land in die wirtshäuser und trugen den gästen ihre belustigenden spiele vor: die vasnacht machet vil lappen. fastn. 91, 19; die vasnacht kan vil narren machen und das man irs schimpfs mug lachen. 92, 2; 329, 10; wir sein euch kumen zu eren, ob wir eur freud hie mochten meren und euch machen einen guten mut, als man dan in der vasnacht tut. 97, 17; herr wirt, wir wollen urlaup han, wan wir muszen noch ferrer gan, und nemt den schimpf von uns vergut, der vasnacht man doch ir recht tut. 108, 1; herr wirt, ir tugenthafter man, ir sult uns nicht verubel han, das wir herkumen ungeladen, es sol euch bringen keinen schaden. wir wollen ein kleine weil harren so wert ir horen von den narren, das euch mocht machen guten mut, als man dann in der vasnacht tut. 121, 11; das kündt ir euch selbs wol bedeuten, das iez die vasnacht ist inn leuten. 137, 2; 319, 23; mit guter nacht! ir sitzt leicht lenger, ob euch die fasten wurd dest strenger, dan euch die fasnacht ist gewesen. 198, 13; ir herren, habt unsern schimpf vergut und seit die vasnacht wolgemut. ob wir zu grop gehobelt han, so mugt ir selber wol verstan, das man die vasnacht fester tobt dan in der karwochen, so man got lobt. 223, 3; vgl. 329, 13. 773, 3; darumb so halt euch all bescheiden, und lebt die vasnacht mit freiden. 246, 21; her der wirt, ir solt uns gute nacht geben und sult die fasnacht frölichen leben. 312, 25. in einem merkwürdigen stück no 51 tritt die angeklagte fastnacht in person auf, vertheidigt sich und wird losgesprochen, sie sagt: man vastet die tag, der abent ich pin. 389, 10, d. h. sie bringt die sechswöchige faste mit fröhlichkeit ein, der richter ruft: nach klag und antwort aller teil seit fort all fasnacht frisch und geil, lat sie der fasten abent sein, bringt sie die sechs wochen wider ein, wann darumb ist es fürgenumen und ist das alt und lank herkumen; und der gesegner (der das spiel gesegnet, entläszt): wir wolten die fasnacht han erschreckt, so hab wirs erst recht aufgeweckt. 390, 14. aus den übrigen stücken, aus den gedichten von Folz, H. Sachs und Ayrer lassen sich ähnliche stellen in menge heben und daraus lebendige bilder von den unter dem volk üblichen gebräuchen entwerfen. man musz dabei nur nicht von den Bacchanalien ausgehen, die bald unsern Berchtentag zu eingang des jahrs, bald unsere fastnacht deuten sollen. dem Dasypodius (1, 1215) und nach ihm dem Serranus war Bächtetag oder Bechtag geradezu Bacchusfest und auch fasznacht; Ickelsamer gramm. D 4b drückt sich so aus: wenn dann die Teutschen auch verstünden den namen fastnacht, was er hiesze und wie er etwan von den christen aufgesetzt und gehalten wäre worden, wurden sie auf solche zeit nit so toll und unsinnig sein und ein fest halten, wie die unglaubigen heiden vor zeiten irem Bacho und andern iren teufelischen abgötern thäten. dasz diese erklärungsweise fortherschte, erhellt aus einer unter fatzerei mitgetheilten stelle Philanders, wie auch Opitz 1, 428 die faste mit Bacchus verbindet. mögen bacchanalien oder dionysien im allgemeinen, da wo sich fast alle volksfeste berühren, unsern fastnachtsgebräuchen gleichen, diesen fehlt gerade zu alle beziehung auf den weinbau und des weingottes verherlichung. hier sind noch weitere stellen über fastnacht und was während ihrer feier bis in spätere zeit hinab geschah, wozu man halte was die nachfolgenden zusammensetzungen ausdrücken: ich wil Hans Schanzen letzte wort, da er zeter über gewalt geschrien und darauf gestorben, das er solchen tod nicht verdienet, mitnemen und e. c. f. ein fasznacht bringen, so ich lebe und gesund bin, die sol lustig und gut sein. Luther 6, 361b; zuletzt kam auch die gute Lent, die hatt den rock gar umbgewendt, und hat die har nicht aufgemacht und gieng gleichwie ein fassennacht. Alberus 128; er maint leicht es sei fassennacht, die alle welt zuo narren macht, da lotterbuoben und schalksnarrn den platz haben und stehn daforn. Nasus nasenesel 36a; im hornung, die sonn hat fisch gekauft, darob jederman zum narren wird und fasznacht hält. Fischart groszm. 99; mein gnädigste frau fasznacht wird ihren rechtshandel stattlich gewinnen. 40; um dieselbige zeit fällt Martini ein, da fängt bei uns Teutschen das fressen und saufen an und währet bei theils bis in die fasznacht. Simpl. K. 483; ich freu mich diser fasenacht. Uhland 643; ich sih ein fasznacht schon, die thut sich dort hernehen, hat ein narrenkappen an. Ayrer fastn. 159a; weil die welt jetzt fasznacht laufet. Logau 3, 201, 61; voller fastnacht ist die welt, thorheit klebet jedem an, dort wird blosz stehn jeder sinn, der sich hier vermummen kan. 2, 201, 32; der maskerade göttin, die in der fastennacht die dicken nasen zierlich, die kleinen scheuszlich macht. Dusch verm. werke 156; der hornung kommet nun mit fastennacht gegangen, nun lindert sich die kält, nunmehr die tage langen. dessen kalenderreime; magen und kehle feiern heute bei mir fastnachten. Lessing 3, 50; wir waren gestern nachts auf dem ball, meine Eve und ich, unser herr leutenant hier oben liesz uns die leibliche ruh nicht, die ganze fasznachten über hat er uns alle sonntag sehr inständig gebeten, ihm die ehr anzuthun. H. L. Wagner kindermörderin 26; da trägt der fastnachtsnarr zum tanz und spiel sein geld, und lacht, wenn hier im haus der teufel fastnacht hält. Göthe 7, 59; heut gilt es, wer den andern niedertrinkt, denn euer regiment will uns bewirthen. wir wollen eine lustge fastnacht halten, die nacht sei einmal tag, bei vollen gläsern erwarten wir die schwedsche avantgarde. Schiller 391a, doch liest die erste ausg. des Wallenstein von 1800 2, 176 fasznacht, was zu des dichters schwäbischer mundart stimmt, die folgenden ausgaben besserten fastnacht und da wo Schiller in der ersten ausg. 2, 213 gedichtet hatte: es ist heut fasznacht, und ein essen wird gegeben auf dem schlosz, heiszt es später fastnacht. 398a; da im kriege doch immer sommer und winter, fasten und übergenusz, fasttag und fastnacht wechseln. J. P. friedenspr. 6. man sagt, grüne fastnacht, weisze ostern; halt fastnacht, so hast du gute ostern; mehr zu thun haben als die pfanne vor fastnacht = allzu geschäftig sein. die folgenden zusammensetzungen schwanken zwischen fastnacht und fastnachts, deren ersteres hier aufgestellt wird:
8145 Zeichen · 106 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Fastnacht

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Fastnacht , plur. inus. 1) Eigentlich, die Nacht vor Aschermittwoch, als an welchem Tage sich die Fasten anfänget, u…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Fastnacht

    Goethe-Wörterbuch

    Fastnacht mehrf, bevorzugt in der Frühzeit, -ass(e)n, -aßn-; in der gen Konstruktion ‘der F. Spiel’ 1) (nach Versehen in…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Fastnacht

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Fastnacht , s. Carneval .

  4. modern
    Dialekt
    Fastnacht

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Fas t nacht [Fàsnàt Roppenzw. Heidw. ; Fâsnàt Hi. Banzenh. ; Fâsənàχt Pfast. Ensish. Ruf. Su. Hattst. Wh. ; Fâsənâχt L…

  5. Sprichwörter
    Fastnacht

    Wander (Sprichwörter)

    Fastnacht 1. An Fastnacht braucht jeder seine Pfanne selber. Frz. : A carême-prenant chacun a besoin de sa poële. ( Bohn…

  6. Spezial
    Fastnacht

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Fast|nacht f. (-) carlascé (-sciá) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit fastnacht

160 Bildungen · 157 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von fastnacht 2 Komponenten

fast+nacht

fastnacht setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

fastnacht‑ als Erstglied (30 von 157)

Fastnacht(s)umzug

Idiotikon

Fastnacht(s)umzug Band 17, Spalte 513 Fastnacht(s)umzug 17,513

fastnachtaufzug

DWB

fastnacht·aufzug

fastnachtaufzug , m. was will die trommel? gebet acht! 'was für ein fastnachtaufzug und was soll der hut?' Schiller 521 a , in der ersten au…

Fastnachtbuch

Wander

fastnacht·buch

Fastnachtbuch Sie wie ein Fastnachtbuch stellen. Zur Erklärung vgl. Sprichwörter von Sanders, 125.

fastnachtbutz

DWB

fastnacht·butz

fastnachtbutz , butze , m. larva, morio larvatus, vgl. 2, 588. Maaler 132 b setzt fasznachtböck und butz. Stieler 206, 264 . wan on zwifel, …

fastnachtbutzisch

DWB

fastnachtbutz·isch

fastnachtbutzisch , larvatus: mit solcher zucht man fasznacht helt, also behelt man das feld in der fasznachtbutzischen welt. Garg. 51 a .

Fastnachtdāge

WWB

Fast-nacht-dāge Pl. Fastnachtstage, Tage vor Aschermittwoch. — Bauernregel: Gudde Fastnachtsdage, gut Heuwiäder ( Sos Kö).

Fastnachtgek

WWB

fastnacht·gek

Fast-nacht-gek m. [verstr. Mark] jmd., der sich zu Fastnacht verkleidet und um Gaben bittend umherzieht.

fastnachtgesicht

DWB

fastnacht·gesicht

fastnachtgesicht , n. larva: man musz solches fasnachtgesichte unsern feinden abziehen und von den augen des gemeinen mannes die schuppen fä…

fastnachtheer

DWB

fastnacht·heer

fastnachtheer , n. das wütende heer, weil es zu fastnachten ausfahren soll: ich hab neben andern gehört von Johan Kennerer pfarher zu Mansfe…

fastnachthuhn

DWB

fastnacht·huhn

fastnachthuhn , n. wie pfingsthuhn, herbsthuhn: der rittmeister, dem solche scherze lieber waren als fastnachthühner. J. P. uns. loge 1, 117…

fastnachtig

PfWB

fast·n·achtig

fast-nachtig Adj. : sich faßnachdich aⁿzieh 'sich auffallend kleiden' [ GH-Kuhdt ].

fastnacht als Zweitglied (3 von 3)

Bauernfastnacht

Wander

bauern·fastnacht

Bauernfastnacht Wenn's a der Burefastnecht 1 de Bättlere g'rothet, so g'rothet im Sommer de Bure d' Ern. ( Solothurn. ) – Schild, 104, 43. 1…

herrenfastnacht

DWB

herren·fastnacht

herrenfastnacht , f. der dritte sonntag vor den fasten, oder der sonntag esto mihi; auch pfaffenfastnacht: uf sontag der herrenvasnacht, war…

pfaffenfastnacht

DWB

pfaffen·fastnacht

pfaffenfastnacht , f. was herrenfastnacht, spätmhd. pfaffenvasnacht Mone zeitschr. 6, 339 ( vom j. 1346): uff sonnentag der pfaffenfasznacht…