Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
ei stN.
2 i.d.R. das Hühnerei
2.1 als Nahrungsmittel (auch als Abgabe und Ware)
2.2 als Bestandteil von Heilmitteln
2.3 als Vergleichsgröße aus der Alltagserfahrung
3 in Wendungen (weitere Belege vgl. Friedrich, Phraseolog. WB, S. 141-143)
3.1 etw./sich als ein (gebraten) ~ spalten/ teilen/ klieben ‘etw. (mühelos) in zwei Hälften teilen’
3.2 als Gegenstand von geringem Wert
3.2.1 jmdm. als ein ~ sîn als Ausdruck der Geringschätzung
3.2.2 eines (halben) eies wërt
3.2.3 als ein ~ wëgen (?)
3.2.4 ein halbeʒ ~ vür etw. nëmen
3.3 zur Verstärkung einer Verneinung
3.3.1 niht ein (halbeʒ) ~ (vgl. das gleiche Verneinungsmuster bei anderen Wörtern, die Geringfügigkeit ausdrücken können, z.B. bône , hâr , strô )
3.3.2 niht umbe ein (halbeʒ) ~
4 in Sprichwörtern oder in Anspielung darauf (vgl. TPMA 2,374. 375. 377; 6,208. 210; 7,34)
1 das Ei verschiedener Tierarten: der vogel [der Rabe] hât die art, [...], wen diu si ir air prüet, sô pringt ir der er ze ezzen BdN 176,26; JPhys 23,7; SalArz 18,28; daz mêrer tail der vischair verderbent, wenn der rognær diu air læzt BdN 243,21; Plinius spricht, daz diu egdehs niht prüet ob irn airn oder ob irm gesmaiz ebd. 274,16. 249,4. 263,23. 294,34 2 i.d.R. das Hühnerei 2.1 als Nahrungsmittel (auch als Abgabe und Ware): so mache ein groz blat von eiern, daz die pfannen alle begrife BvgSp 51. 82. 52 u.ö.; Himmelr 9,17; StatDtOrd 40,25; siben schilling vnde czwey schock eyer zcu ostern ebiges zcinsis gibit der kirchner czu Waltkirchin von seynem ampte UrkCorp (WMU) 222BA 2,9 u.ö.; UrbBayÄ 120; umb den furkauf uber kese und eyer WüP 26,2; StRAugsb 49,7 2.2 als Bestandteil von Heilmitteln: se [die Heilpflanze Wegebreit] heilet ouch das gebrante gestosen mit dem wissen des eies Macer 6,7 u.ö.; SalArz 36,49 u.ö.; nim daz eie daz an den heiligen ze wihennahten geleit werde. vnde brenne ez ze pulvere Ipocr 336 u.ö. 2.3 als Vergleichsgröße aus der Alltagserfahrung: einen stein als gross als ein hennen ey SchwSp 160b; Wig 6585; er sluog in daz diu scheitel / im zerclahte sam ein ei KvWHvK 147; Mechth 4: 23,13; dise welt ist sinewel vnde ist vnbeslozen mit dem wendelmer. da inne suebet die erde alse der duter in dem wisem des eiges Lucid 17,9; ebenso: MNat 1,23; BdN 74,3 3 in Wendungen (weitere Belege vgl. Friedrich, Phraseolog. WB, S. 141-143) 3.1 etw./sich als ein (gebraten) ~ spalten/ teilen/ klieben ‘etw. (mühelos) in zwei Hälften teilen’ sich selben teilet er inzwei / gelîche und ebene alse ein ei Tr 5688; swer dô gespalten hæte enzwei, / ir beider herzen als ein ei / ez wære bî den stunden / in iegelichem funden / des anderen figûre KvWEngelh 3460. 557; er spielt ÿm in dem libe daz hertze so glich en zwe, / reht als ein biderman ein wol gebroten eÿ WolfdD 1235,4; Krone 15169. – die minne, diu undr in was / noch vester danne ein adamas, / die schriet si [Frau Minne] mit kraft enzwei, / daz si sich kloup [spaltete] als ein ei GFrau 317 3.2 als Gegenstand von geringem Wert 3.2.1 jmdm. als ein ~ sîn als Ausdruck der Geringschätzung: im was sin tot als ein ei Pass III 246,88; HvNstAp 14472. – mit bœse verstärkt: ob tôt her Tristan wære, / daz wære mir [Isolde] als ein bœsez ei UvTürhTr 1959 3.2.2 eines (halben) eies wërt: daz er iu sî / schuldic eines eies wert StrAmis 2387; StrDan 7117 3.2.3 als ein ~ wëgen (?): habt ir an castelan / verloren, daz wegend als ain ay: / für daz ain gib ich üch zway GTroj 4375 3.2.4 ein halbeʒ ~ vür etw. nëmen: des wart im von dem sahsen / ein slag gemezzen und gegeben / daz man für sîn erweltez leben / genomen hæte ein halbez ei KvWSchwanr 1167; JTit 2888,3 3.3 zur Verstärkung einer Verneinung 3.3.1 niht ein (halbeʒ) ~ (vgl. das gleiche Verneinungsmuster bei anderen Wörtern, die Geringfügigkeit ausdrücken können, z.B. bône , hâr , strô ): dîn rede hilfet niht ein ei KvWTroj 2025; Pass III 129,84; ich ahte ûf mundes minne niht ein ei SM: WvT 5: 1,4; Pass III 164,11; die in den ersten iaren / ir holt mit dienste waren, / die traten nu von ir enzwei / und achten sie nicht ein ei ebd. 625,46; armbrust und huͤrninbogen / toͤhte niht ein halbez ei KgvOdenw 3268 3.3.2 niht umbe ein (halbeʒ) ~ : ir wüefen und ir geschrei / frumte sie niht umb ein ei KvHeimUrst 1602; KvWSchwanr 1553; er wirfet ûz fiur unde gift, / daz schadet iu niht umb ein ei KvWTroj 9283; wand er [die (weltliche) êre ] nie als um ein ei / an sime herzen entpfant Pass III 598,76; [diejenigen] , die freude niht in selben kouften umbe ein halbez ei Neidh WL 21:1,4; KvWTroj 9155 4 in Sprichwörtern oder in Anspielung darauf (vgl. TPMA 2,374. 375. 377; 6,208. 210; 7,34): der man hat daz ei in siner hant und versicht sich des hunes der von dez er dennoch nicht sicht PrOberalt 104,32; nach dem ayͤ ain trunch, / oder dem arczt ain phunt Freid (Sch) 248; swenne ir [...] fremden göuchen ir eier brüetet Renner 7612; daz kan uns bezeichen ein huͦn: / wanne daz ein kleines ey geleit, / so bringtz mit sinr getzen klaffen dick eyn wijtes huͦß in not Marner (W) ML 20:1,9; Dina tet sam diu getelôse henne / diu in dorf gêt lekcen dei eier dei si spâte scol ernecchin [vgl. Gn 34] Gen 1595; der im [einem Kind] ein eî biutet, / ez git den phenninch umbe ein eî StrKD 86,104; BdN 193,22
MWB 1 1508,16; Bearbeiterin: Baumgarte