weiderich ,
m. nnl. wederik Franck (1912) 779
b,
zu 1weide
wie felberich (
z. b. Kanngiesser
etym. d. phanerog. 109)
zu gleichbed. felber.
auch hederich
und wegerich
können vorbild gewesen sein, s. Kluge et. wb. 7 486
b; Wilmanns
wortbild. 2§ 285. 11)
name mehrerer pflanzen, deren blätter denen der weide ähneln, wobei seit alters angehörige versch. familien vermengt werden, z. b. von H. Bock
kreuterb. (1551) 69
b und Chomel
öcon. lex. 2285.
auch bei dichterstellen ist bisweilen keine entscheidung möglich: dictam, spargen und weidereich,
auch schwalbenwurtz. stabwurtz deszgleich Rebmann
nat. magn. (
Bern 1620) 149; holde quelle! wandle langsam, höre deinem lobe zu ... o wie deine münzen duften! wie dein weidrich dich umblüht Denis
lieder Sineds (1772) 198. 1@aa)
die gelbblühende primulacee lysimachia heiszt seit beginn des 16.
jahrh. oft weiderich: Alberus
dict. EE 3
a; Bock
contraf. aller kreuter 67; Frischlin
nomencl. (1586) 47
b.
gern durch attr. verdeutlicht: der gäl weyderich Maaler 491
a; der gelb weyderich Rauwolf
raisz (1582) 56.
der sinn des namens ist bewuszt: weiderich, weil die blätter den weiden blättern fast ähnlich Pancovius (1673) 245;
entspr. Hohberg
georg. cur. 1, 675.
damit paszt der name am besten auf l. vulgaris L., die Hirschfeld
theorie d. gartenk. 4, 52; Adelung 4, 1450; Holl
wb. d. pflanzenn. 234
b; Pritzel-Jessen 227
ausdrücklich nennen und die wol auch Reyher
thes. o 4
b; Blancard
lex. med. (1748) 429
meinen, daneben auf l. thyrsiflora (
s. wasserweiderich),
weniger auf l. nemorum,
die gleichwol von Dietrich
vollst. lex. d. gärtn. 5 (1805) 669
und Campe 5, 639
b einbezogen wird. die pflanze galt als mittel gegen blutsturz und ruhr: Hübner (1717) 1751;
allg. d. biblioth., anh. zu bd. 25/37, 2932.
s. auch wald(gilb)weiderich. 1@bb)
die myrtiflore lythrum wird seit ende des 16.
jahrh. weiderich
genannt, zunächst durch übersetzungsfehler: weyderich heiszet griechisch und lateinisch lysimachium, oder lysimachia litrum, und bey den kräutlern salicaria Wirsung
arzneib. (1588)
reg.; entspr. Thurneisser
v. wassern (1612) 259.
begünstigt wird die verwechslung dadurch, dasz man lythrum dieselbe heilkraft zuschreibt, wie lysimachia: Hübner (1776) 2457
f. mitte des 18.
jahrh. lebt der name neu auf: allg. haush.-lex. 3, 678,
fortan gern verdeutlicht: brauner weiderich Adelung 4, 1450; brauner oder rother weiderich Schkuhr
bot. handb. 2 (1805) 3;
entspr. Campe 5, 639
b; Holl
wb. d. pflanzenn. 48
a,
und damit auf die einzige häufige lythracee, l. salicaria L., eingeschränkt, die Röhling
Deutschlands flora 3, 370; Schlechtendal
flora 522, 234
ausdrücklich nennen. botaniker beziehen die andern arten mit ein: Dietrich
vollst. lex. d. gärtn. 5 (1805) 673;
nachtr. 4, 513.
hier ist dann auch ein plur. in der bed. weidericharten (
s. u.)
möglich: Röhling 1, 240; Oken
allg. nat.-gesch. 3 iii 21.
s. purpurweiderich. 1@cc)
als name der myrtiflore epilobium ist weiderich
gleich alt und fast gleich häufig mit weidenrose
u. s. deminutiven (
s. o.).
an der übertragung ist wider gelehrtes miszverständnis schuld: weidrich oder ... weidenröslein ... im
lat. waren sie ehemalen unter dem namen chamänerion und lysimachia bekannt; in neuern zeiten aber hat der zwar nicht neue, sondern schon von Gesnero gebrauchte name epilobium den vorzug erhalten Ehrhart
pflanzenhist. 7 (1753) 60.
gleichwol nehmen Adelung 4, 1450; Schkuhr
bot. handb. 1 (1808) 327; Holl
wb. d. pflanzenn. 406
a die neue bed. auf. später sucht man dem doppelsinn durch die verdeutlichung schotenweiderich (
auszer th. 9, 1609
auch: Dietrich 3, 770; Adelung 3, 1638; Campe 4, 263
a. 5, 639
b; Holl 406
b ; Rossmässler
d. mensch im spiegel d. natur 1, 119)
zu begegnen. am besten stimmen die blätter von epilobium angustifolium L. zu denen der weide. diese häufigste art, sonst auch waldweiderich (
s. o.)
wird ausdrücklich weiderich
genannt Ritter
erdk. 2, 690; Holl 406
b; Rossmässler 1, 119,
sie ist meist wol auch bei mangel näherer angaben gemeint: Oken 3 iii 1875; Köne
pflanzenn. 21; Heufler
bot. beitr. z. d. sprachsch. 30; der ganze damm war mit königskerzen und hohem, rotem weiderich bestanden Kahlenberg
Eva Sehring 21.
seltener werden andere epilobiumarten weiderich
genannt: e. hirsutum Dietrich 3, 772;
montanum und palustre Campe 5, 639
b;
grandiflorum Holl 406
b. 1@dd)
veronica maritima heiszt blauer weiderich Frege
bot. handwb. 2 (1808) 138; Schkuhr
bot. handb. 1, 9; Campe 5, 640
a.
sie ist wol gemeint: indes am fusz, in buntgemischter reihe der schwarzbeer' dunkle frucht und helles kraut, hoch überragt von weidrichs veilchenbläue dir einen thron, sich eine freistatt baut Grillparzer 1, 143
Cotta. 1@ee)
die nachtkerze, oenothera biennis L., eine 1614
aus Virginien eingeführte myrtiflore, nennen Campe 5, 639
b und Pritzel-Jessen 250 gelber weiderich.
die farbe der blüthen stimmt zu a). 22)
name eines vogels, der sylvia palustris Bechst. oder motacilla salicaria L., ist weiderich
nur bei Naumann
nat.-gesch. d. vögel 2, 630.
sie heiszt sonst sumpfsänger, weidenpfeifer, -schlüpferchen, -zeisig. 33)
zus.-setzungen ergeben und erläutern sich aus dem vorigen: weiderichart Dietrich
nachtr. 4, 513; -blättrig Dietrich 10, 351; -blutkraut Holl 48
a; -gewächs Meigen
pflanzenn. 64; -röschen
allg. d. biblioth. 107, 492; Hübner
zeitungslex. 4 (1828) 893
b; -röslein Neumark
neuspr. t. palmb. 327; Schwan
n. dict. 3 (1787) 1020
b; Schkuhr 1, 327; Campe 5, 639
f.; Fechner
erkl. volksth. pflanzenn. 21.