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wagen

nhd. bis nhd. · erste Belege seit 8./9. Jh. · 24 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
58 in 24 Wb.
Verweise rein
492
Verweise raus
330
Treffer Präfix
1.223 in 29 Wb.
Knoten 1-Hop
822
Komposita
0+
Sprachstufen
7

Hauptquelle · Grimm (DWB, 1854–1961)

wagen m.

Bd. 27, Sp. 379

wagen , m. currus. I I. formelles. I@1 1) das wort ist gemeingermanisch: mhd. wagen ( md. auch zusammengezogen wain, wān, die erste form noch im 15. jahrh. bei Rothe und Stolle ), ahd. wagan, plaustrum, carpentum, vehiculum, carra, carrum Graff 1, 666 , and. wagon ( in reidiwagon), mnd. ndl. wagen, afries. wain, wein, ags. wægn, mengl. wain Stratman-Bradley 664 , nengl. wain ( daneben waggon aus dem ndl. ), anord. vagn (' jedes beförderungsmittel auf einem wege mit hilfe von thieren ' Fritzner 3, 840 ), dän. vogn, schwed. vagn, im got. nicht belegt. es ist abgeleitet von der wurzel, zu der ahd…

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    WAGEN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +12 Parallelbelege

    BMZ WAGE WÂGE WÆGE WAGEN s. BMZ ich WIGE .

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    wagensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +11 Parallelbelege

    wagen , sw. V. nhd. bewegen, schwanken (Rohr), wackeln, lose sitzen (Zähne), wogen (Wasser), wandern, gehen, in Bewegung…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wagen

    Adelung (1793–1801) · +11 Parallelbelege

    Der Wagen , des -es, plur. ut nom. sing. oft auch die Wägen, ein Gerüst auf drey oder noch gewöhnlicher vier Rädern, Per…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wagen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    wagen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wagen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Wagen , Fuhrwerke um Lasten auf Rädern fortzuschaffen, nach ihrem Zwecke verschieden. Bei den Acker- u. Fracht-W. ist da…

  6. modern
    Dialekt
    Wagen

    Elsässisches Wb. · +11 Parallelbelege

    PfWB LothWB RhWB Wage n [Wâkə S. bis Obhergh. M. ; Wâjə Logelnh. bis Bf. ; Wjə Barr K. Z. Betschd. ; Wáùə Str. ; Wáwə L…

  7. Spezial
    wagen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    wa|gen vb.tr. 1 (sich getrauen) la vaghé , se infidé, alsé (alsa), ciodé (-da) 2 (riskieren, aufs Spiel setzen) risćé (-…

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Wortbildung

Komposita mit wagen

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Lesefassung · zusammengeführt aus DWB + Pfeifer

Was wagen war, ist und bedeutet hat

Eine Bekleidung, die mit den Jahrhunderten an den Beinen hochgewandert ist — von der Wade über das Knie bis zur Hüfte. Der Name aber blieb derselbe, seit dem 9. Jahrhundert.

Im Althochdeutschen, im 9. und 10. Jahrhundert erstmals belegt, bezeichnet hosa noch nicht die Hose, wie wir sie kennen. Glossen geben das lateinische tibialia wieder — eine Bedeckung des Unterschenkels — und ocrea, einen Beinschiener oder Stiefelschaft. Was wir heute Hose nennen, hieß noch bruoch: das pruoh, das die Schamteile bedeckte und kürzer oder länger zum Oberschenkel hinabreichte.

„hose, f., meist plur. hosen, femoralia. vom ahd. pruoh, mhd. bruoch unterschieden, welches die um die schamtheile gehende, nach art unserer schwimmhosen verfertigte und kürzer oder länger zum oberschenkel hinabreichende beinbekleidung bezeichnet, drückt hose allgemein die bedeckung des unterschenkels aus." — Grimm, DWB Bd. 10, Sp. 1837

Das Mittelhochdeutsche kennt die hose bereits paarweise — die Lexer-Belege zeigen, dass „hosen" als Plural die Regel ist, nicht der Singular. Und sie wandert schon: bei Notker bedeckt sie noch den Fuß und die Wade, bei Konrad von Würzburg reicht sie schon zum Knie. Im Mittelniederdeutschen mit dem typischen Längezeichen hōse, ergänzt um Komposita, die das Stück Stoff in seine handwerkliche Welt einbetten: hosenmaker, hosenbant, hosenstrick.

Der etymologische Befund verbindet hose mit Wörtern, die zunächst weit weg scheinen. Die indoeuropäische Wurzel ist *(s)keu- „bedecken, umhüllen" — und sie steckt auch in Haus, Haut, Hort, Hütte, Scheune, Schuh. Pfeifer rekonstruiert eine s-Erweiterung *(s)keus-, aus der germanisches *husōn- wird, und daraus althochdeutsches hosa.

„Hose f. ‚Beinkleid', ahd. hosa (9./10. Jh.), mhd. hose, asächs. hosa, mnd. mnl. hōse, aengl. hosa, anord. hosa führen auf ie. *(s)keus-, eine s-Erweiterung der mehrfach weitergebildeten und verbreiteten Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‚bedecken, umhüllen'." — Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Die entscheidende Wanderung passiert im 16. Jahrhundert. Bis dahin teilte sich die Beinbekleidung in zwei Stücke: bruoch für oben, hose für unten. Ende des Mittelalters verschmelzen sie — und der Name bruoch verschwindet mit dem Stück. Die hose bedeckt jetzt das, was sie vorher nicht bedeckte. Das Wort bleibt, das Ding wandert. Adelung und Campe schreiben im 18. Jahrhundert nur noch von der Hose, plur. die -n als „enge Bekleidung der Beine und der Geschlechtstheile" — als wäre das schon immer so gewesen.

In den modernen Mundarten überlebt der Plural als Norm. Das Pfälzische Wörterbuch verzeichnet die Hose ausdrücklich als f. Pl.: in pfälzischer Mundart heißt es „die Hose anziehe", auch wenn nur ein Stück gemeint ist. Im Norden — Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch — konkurriert das Wort mit dem niederdeutschen Büx, im Rheinischen mit Buks. Aber überall: dasselbe alte ie. *(s)keu-, dasselbe „bedecken".

Zwei Quellen nebeneinander

DWB ↔ Pfeifer

Der historische Voll-Eintrag (Grimm) und die etymologische Komprimierung (Pfeifer) im direkten Vergleich.

Grimm DWB

Bd. 10, Sp. 1837 · 1854–1961

wagen , m. currus. I I. formelles. I@1 1) das wort ist gemeingermanisch: mhd. wagen ( md. auch zusammengezogen wain, wān, die erste form noch im 15. jahrh. bei Rothe und Stolle ), ahd. wagan, plaustrum, carpentum, vehiculum, carra, carrum Graff 1, 666 , and. wagon ( in reidiwagon), mnd. ndl. wagen, afries. wain, wein, ags. wægn, mengl. wain Stratman-Bradley 664 , nengl. wain ( daneben waggon aus dem ndl. ), anord. vagn (' jedes beförderungsmittel auf einem wege mit hilfe von thieren ' Fritzner 3, 840 ), dän. vogn, schwed. vagn, im got. nicht belegt. es ist abgeleitet von der wurzel, zu der ahd. wegan, got. gawigan ' bewegen ' gehört, aber in der bedeutung ' sich fortbewegen, fahren ' ( vgl. DWB weg ), dazu lat. vehere fahren, vehiculum fahrzeug, gr. ὄχος wagen, ὀχεῖσθαι fahren, reiten, skr…

Pfeifer etym.

Etym. Wb. d. Deutschen

wagen Vb. ‘kühn unternehmen, etw. auf gut Glück riskieren, aufs Spiel setzen’, mhd. wāgen ‘in die Waagschale legen, aufs Geratewohl daransetzen oder tun, einem ungewissen Ausgang anheimgeben’, mnd. wāgen, mnl. wāghen, nl. wagen, abgeleitet von dem unter Waage (s. d.) dargestellten Substantiv. Vgl. Wendungen wie mhd. den līp ūf die wāge lān ‘sein Leben riskieren, es aufs Spiel setzen’, er gap sich in wāge ‘überließ sich dem ungewissen Ausgang’. – Wagnis n. ‘Risiko, kühnes Unterfangen’ (16. Jh.), wohl in der obd. Kanzleisprache entstanden und erst nach 1800 allgemein gebräuchlich. Wagehals m. ‘Draufgänger, kühner, mutiger Mensch’ (15. Jh.), in der Art imperativischer Satznamen gebildet nach den Hals (‘das Leben’) wagen. Älter ist der urkundlich bezeugte Name Johan Waginhals (14. Jh.). wag(e)…