fassen,
praet. fassete
und faszte,
ahd. faʒʒôn, faʒʒôta,
mhd. vaʒʒen vaʒʒete,
ags. fatian fatode,
nnl. vatten vattede,
altn. fata fataði,
schw. fatta fattade,
dän. fatte fattede. Ihre 1, 441
und nach ihm Adelung
halten fatta, fassen
für ein frequentativ von f, fahen
und die vorherschende bedeutung capere, prehendere, amplecti stimmt. darin aber weichen beide von einander ab, dasz Ihre
das subst. fat (
dolium)
aus dem lat. vas
leitet, also gar nicht mit fatta
verbindet, Adelung fasz
und fassen
zusammenstellt. in der that sind auch beide nicht zu trennen, nur wie sollte die form fasz
aus fahen
folgen? das frequentativelement könnte von dem verbum nur durch ein ableitendes i
auf das nomen übergehen, aus fahatjan,
wenn man dies zugeben wollte, ein fahati,
kein fahat, fat
entspringen. gothische frequentativa sind kaupatjan, lauhatjan, svôgatjan,
für ahd. faʒʒôn
müste aber goth. fatôn,
nicht fahatjan, fatjan
gefordert werden. Ulfilas
überliefert uns kein fatôn fatôda,
wol aber ein starkes verbum, worin dessen wurzel enthalten sein dürfte, die bedeutung jedoch absteht. fitan
drückt Gal. 4, 19. 27
parturire, ὠδίνειν aus und gestattet ein volles fita fat fêtum
anzusetzen, obschon auch fita fitaida
möglich wäre, die starke form würde ahd. fëʒʒan faʒ fâʒum
lauten, in der that findet sich ein merkwürdiges gifaʒ
excidit, gifâʒun
reciderunt (Graff 3, 727).
die fitandei,
ὠδίνουσα ist eine recidens, excidens, eine niederfallende, liegende, wie wir noch heute niederkommen, im kindbett liegen
für gebären
sagen und eine gefallene
das mädchen heiszt, welches geboren hat. wie nun liesze sich aus gebären
die vorstellung des fassens
herleiten? parere
heiszt nicht nur zur welt bringen, sondern überhaupt bringen, vortheil bringen, zu stande bringen, verschaffen; aus parere
entspringt parare,
wie aus fitan fatôn,
bereiten, zurüsten, zeugen; aus fitan fêtjan
ornare, aus fëʒʒan gifâʒi,
gefäsz; das subst. fat, faʒ
bezeichnet mancherlei apparat, zeug, werkzeug, utensile, vas, vestis, pera, poculum. für das verbum fassen
sind zwei hauptvorstellungen, die des bereitens, ausstattens und die des empfangens, fangens, greifens festgesetzt, ohne dasz ein gedanke an förmlichen zusammenhang mit fahen
oder fangen
festzuhalten wäre. die wurzel fitan, fëʒʒan
schwände sonst dahin. sie wird aber noch von einem neuen standpunct aus befestigt, es besteht auch ein altn. fëta fat fâtu,
dessen wir nunmehr erst aus Egilsson 167
b. 168
a volle gewisheit haben. dies fëta
zeigt zwar seine ursprüngliche sinnliche bedeutung nicht mehr auf, hat aber geradezu die abstracte und fast auxiliare des erreichens, findens, erlangens, fangens, des schw. n,
dän. naae: ëk fat yrkja
ist soviel als orta, ëk fët smîða,
ich kann schmieden (
verse machen), ëk fat illa braut,
ich konnte den weg schwer finden, fëta leið,
viam invenire, gerade was unser den weg fangen
oder fassen
ausdrücken könnte. dies nord. fëta
hat demnach schon den transitiven sinn unseres fassen
und unterscheidet sich von dem intransitiven, der für das goth. fitan,
ahd. fëzan
angenommen werden musz. die starke form bleibt dieselbe. skr. wurzeln pat
cadere, paṭ
ligare, path
vestire seien hingestellt. AA)
bereiten, rüsten, sowol activisch als medial mit sich
gebraucht, meistens folgt die praep. mit,
früher also ein instrumentalis. A@11)
parare se, instruere se, sich bereit, fertig machen, aufmachen: ahd. bigondun sie sih faʒʒôn mit iro liohtfaʒʒon, mit fakolôn managên joh wafanon garawê
n. O. IV. 16, 15;
N. im Mart. Cap. 108. 109
verdeutscht den oft wiederkehrenden vers scande caeli templa virgo!
erst 'far hina ûf tierna in himeliska selda',
dann 'faʒô dih tierna ûf hina in himela!'
beidemal mit dem gleichen sinn von auf, dirne, in die himmlische wohnung, mache dich auf, dirne, hin in den himmel! A@22) fassen,
kleiden, binden, altn. ist fata
vestire: sô var hann hrumr, at hann gat ei fatað sig,
adeo debilis erat, ut se ipse vestire non posset, vgl. fat
vestis und fatlaus,
investis, nudus. [] mhd. dô vaʒete daʒ scône wîp mit micheler cierde ir lîp. Diemer 161, 21; dô vaʒte si sich mit êren unde gie fur Holofernen. 169, 19; dô vaʒʒeten si den guoten in ein phellil rôten.
fundgr. 1, 175; daʒ ich âne nîden al eine wol verdiene, daʒ man mich lieplîche âne haʒ behaldet ungehaʒʒet, unde mich ze riter vaʒʒet unde gift mir ros unde pert. 1, 239; die uns minnint, spîsent unde vaʒʒent. 2, 236, die andern hërren dâten sam, vil wol vaʒʒetens ire man.
Rother 157; wamit suln wir uns vaʒʒen? Grieshaber 1, 105; dô er von ime sîne chrône und andir kuniclîch gewâte warf und sich mit harînim gewâte vaʒʒôte.
spec. eccl. 71; ein man dër ne was sô niht gevaʒʒet als zu brûtloufte rëht was. Leyser
pred. 73, 18; mit diseme gewande hat mich Martinus gevaʒʒet. Schm. 1, 569; swër vaʒʒet oder maʒet einen durftigen in êre sant Erasmen, sîniu dinc ergênt im wol in dirre wërlt. Haupt 8, 115; hête ir dinc dâ gesazt und sich mit cleidern ûʒ gevazt, mit rîchin rockin wol gesnitin nâch den franzischin sitin.
Athis C
*, 60; lât mich si vaʒʒen baʒ.
Er. 639; daʒ ër si müeste vaʒʒen baʒ. 1407; gevaʒʒet mit gewande.
Eracl. 626; und hieʒ Eraclium den knaben vaʒʒen unde wol haben, als ër sîn bruoder wære. 1214; ir zopf und ir goltvarweʒ hâr daʒ het ër an den stunden gevaʒʒet und gebunden in ein gesticket hüetelî
n. tr. kr. 7494; daʒ ër mich vaʒʒe schône und ër mir noch ze lône rîchiu swërtlêhen gëbe.
Engelh. 315.
diese bedeutung ist nhd. beinahe untergegangen, im artikelsbrief der reichsvölker von 1672
und 1734
heiszt es noch art. 11: soll ein jeder mit seinem oberrock oder mantel gefaszt sein. Schmeller 1, 569. A@33)
laden, auf schif und wagen, thiere beladen, wobei die last aufgebunden wurde, in das seil fassen,
altn. ist fataz
ligari: ër vaʒʒôte sîne olbenten mit sînen gwanten.
fundgr. 2, 45, 24; dër setze sînen ambtman uber iegelich gou, uber chorn iouch hou, den in disen siben jâren daʒ nieht versmâhe, si ne heiʒen mannegelîch faʒʒen an sîn seil sînes chornes daʒ finfte teil, trage iʒ zuo frôneme stadile oder fuor iʒ ûf sîneme wagene. 60, 34; diu ros man uns faʒʒôte mit weiʒ iouch mit prôte. 64, 20; si vaʒʒôten die esile, chêrten heim widere. 67, 43; sam manigen (esil) faʒʒet ër mit wiste ze dërre heimverte friste. 71, 11; Jacob faʒʒôte alʒ daʒ er het ûf ros und esile, chint unde wîb ûf wagene. 71, 41; goldes hatten sie die macht, dës vûrte si mit in die kraft, alleʒ sie daʒ vaʒʒen hieʒ. Bonifait dës niht ne lieʒ her ne gewunne soumære.
gr. Rudolf K 3; die kiele wâren gevaʒʒôt.
Roth. 164; diu vrouwe vil wîse diu vaʒʒete ir wîb mit spîse. Diemer 161, 28; so sul wir vaʒʒen wol unser schif diu guoten mit edelem gesteine.
Gudr. 1131, 2; ich sol ouch dir ûf dînen wagen nimmêre mist gevaʒʒen.
Helmb. 266,
was auch heiszen dürfte den wagen mit miste vaʒʒen,
anderes ist den mist vân,
auffangen und wegräumen. bildlich: ir habet allen ungerëht an iuwer seil gevaʒʒet.
Trist. 249, 5.
nhd. man fasset auch nicht most in alte schleuche,
vulg. neque mittunt vinum novum in utres veteres,
goth. niþþan giutand vein niujata in balgins fairnjans,
ags. ne dôð nive vîn on ealde bytta.
Matth. 9, 17.
Marc. 2, 22.
Luc. 5, 37; den guten (
wein) er selbs faszt.
Garg. 99
b; das bier fassen (
in fässer thun).
pfründeordn. 432; wann du nun bier fassen wilt, so thue in jeden ahmen vier guter hand voll der weizenahern. Tabernaem. 604;
[] so oft ein sud im brauhause geschiehet und das bier gefaszt ist. Hohberg 3, 1, 55
b; die waaren auf das schif fassen,
bringen; gsell, ich han do innen etlich lagel Veltliner win, deren hüt mir, do drink du als vil du wilt, lasz mir aber sunst niemants drüber, gab mir ein rörlin und furt mich zu den lagellen und gieng er gan essen. do asz ich das grosz stuk fleisch und brot und drank darzu gnug, wust des wins art nit. do der man kam, sprach er, hastu wol gehütet? ich sagt, jo. glich kam der schifman ouch und sprach: woluf gsell, wellen wir uber see? do schwanket ich zum schiflin zu, lacheten dlüt minen (
meiner). do ich in das schif wolt dretten, dratt ich darneben und fiel höuptligen in das schif. der schifman lachet und des der win was, sagtend, der schifman weri wol gfaszt mit eim guten gferten. Plater 43. 44; frucht, korn, haber in säcke fassen. Keisersb.
omeis 74
b; sage es sei habern (
für haber), den habst du in dem schlosz gefaszt. Wickram
rollw. 7; ein fuder heu fassen,
aufladen. Schmeller 1, 569 = den wagen mit heu fassen. A@44)
überziehen mit metall oder farbe: zwelif schilde gevaʒʒet wol mit golde.
Gudr. 303, 4; einen edelstein fassen,
in gold oder silber; und solt zween onicherstein nemen ... also, das sie mit gold umbher gefasset werden.
2 Mos. 28, 11; ein türkis, onich, jaspis, in gold sollen sie gefasset sein in allen rigen,
vulg. inclusi auro erunt per ordines suos. 28, 20; einen altar fassen,
schmücken, mit geräth versehen; hölzerne figuren, spielsachen fassen,
bemahlen, zubereiten; mhd. die steine wurden in gesast, alle in ein hiuslein gevast.
Apollonius 18265.
ähnlich das einfassen des gewandes mit schnüren,
das einschnüren: mit borten was alle ir wât wol bestalt und umbenât gevaʒʒet mit spæhen snüeren. Heinr.
Trist. 1533; da hiengen weisze, rote und gele tücher, mit leinen und scharlaken seilen gefasset in silbern ringen.
Esther 1, 6. A@55) einen garten fassen,
mit kräutern, blumen zieren, bepflanzen: ein beet mit buchsbaum fassen,
einfassen; mhd. bî dem hûs was ein garte mit bluomen wol gevaʒʒet, dër vil sëlten naʒʒet von keinem argen wëter.
Ls. 3, 11. A@66) ein wasser, einen bach, brunnen fassen,
mit steinen, holz einfassen, einschlieszen, in die steine fassen: da durch sein gebot das wasser stund wie mauren, und durch sein wort die wasser stunden, als weren sie gefasset.
Sir. 39, 22; zu seiner zeit war der brunnen verfallen, den fasset er mit kupfer. 50, 3; ein sauber gefaszter brunnen. Göthe 21, 73; ich war ein bächlein, junggesell, sie haben mich so gefaszt, damit ich schnell im graben zur müle dort hinunter soll. 1, 207; stieg man die stufen hinab, so zeigten sich steinerne bänke, rings um die quelle gesetzt, die immer lebendig hervorquoll, reinlich, mit niedriger mauer gefaszt, zu schöpfen bequemlich. 40, 284;
man dürfte sagen, im winter wird der bach mit eis gefaszt; der agstein, drein ein wurm verschlossen, hat viel preis, die welt liegt alle jahr gefasset in das eis. Logau 2, 132, 67.
bergmännisch, einen stollen fassen,
inwendig mit holz zimmern. schweiz. ein buch fassen,
einbinden. Stalder 1, 356.
vgl. ahd. poahfaʒ. Graff 3, 730. A@77) fassen,
einrichten, verfassen, versehen, ausstatten, componere, instruere: demnach lesen wir diese schriften des ehrw. herrn doct.
M. L. zusamen und geben sie in eine richtige ordnung gefaszt durch den druck an tag. Luther 1, 2
b; bücher haben auch ihr glücke, wann sie nicht gesalzen sein, faszt man dennoch gute würze, pfeffer oder safran drein. Logau 2, 157, 96, (
macht man duten aus ihnen, wo fassen
sowol laden als hinein thun, capere nach B ist); Venus wuste was ihr diente, sehnte sich nach andren dingen, als ein albres mensch gemeinet.ihr Vulcanus war gefasset mit gezeug und hausgeräthe, so ihr auch lieb. 3, 241, 128; es gehet diesem wol, der so sein haus kan fassen, dasz jedes drinnen weisz was thulich, was zu lassen. 1, 54, 18; ihr jungfern hört mir zu, doch fasset die geberden, und meint durch meinen ruhm nicht stölzer wo zu werden. 2, 64, 58; denn die gottlosen haben ir wesen warlich auch ins regiment gefasset, strafen böses, loben gutes. Luther 3, 308
b;
[] das die juden also ein gefaszt regiment gehabt haben, gleich wie andere reich ire ordnungen und gesetze. 3, 434
a; das volk war in feinem ordentlichen regiment gefasset. 4, 404
a; denn also hat gott das volk gefasset, gleichwie ein vater sein hausregiment ordentlich fasset. 8, 293
b; gebt ihnen kirchen, faszt sie in die bürgerliche ordnung, schränkt sie ein. Göthe 8, 182.
es heiszt auch etwas in die feder fassen, schriftlich fassen,
abfassen, verfassen; es ist leichtlich geschehen, das sie aufzeichnen und aufs papier fassen (
niederschreiben), worin und warumb ich geirret habe. Luther 1, 132
b. A@88)
in dergleichen anwendung begegnet besonders oft das part. gefasset, gefaszt,
paratus, praeparatus, compositus: wer mit text wol gefasset (
gerüstet) ist, der ist ein rechter pastor. Luthers
tischr. 2
a; da musz man mit gottes wort wol gefasset und gerüstet sein. 8
a; ihr (
der dichter) thun ist so gefasset (
beschaffen, eingerichtet), dasz ihre süsze sachen viel buler ihnen machen. Logau 3, 103; das wol gefaszte werk wil bald volführet sein. Fleming 83; die mägdgen, die du nechst so grob gestriegelt hast, stehn jetzt mit nadeln, zwirn und ruthen schon gefaszt. Günther 488; die herliche universität, den wol gefaszten rath, die hochansehnliche rechtscollegia. Weise
erzn. 437; eine geschwinde entschlieszung möchte nöthig sein, versetzte der abbé. dazu bin ich jetzt nicht gefaszt. Göthe 20, 24; so dasz zuletzt auch ein vorbereitetes gefasztes auge in verwirrung gerieth. 24, 301; ein gefasztes betragen, eine abgemessene rede. 25, 292; durch eine so genaue schätzung der worte, durch den bestimmten gebrauch derselben entsteht eine gefaszte sprache. 33, 161; sie war gefaszt auf liebe und empfieng ein diadem. Schiller 273
a; muth ist uns noth und ein gefaszter geist. 380
a; alsdann mache dich auf ein gut glas Rheinwein gefaszt. Winkelmanns
br. 137; heute morgen zu meiner überraschung erhielt ich deinen brief. ich war gar nicht mehr gefaszt darauf. Bettine
br. 2, 67; man war aber auf so viele pferde und wagen, als zum fortschaffen der reisenden erfordert wurden, nicht gefaszt (
vgl. 2). Campe
kinderschr. 18, 9. A@99)
die schlesischen dichter verwenden die medialbedeutung 'sich mit etwas fassen'
im sinne von befassen, sich versehen, rüsten, behelfen, decken: wann Epimetheus nicht ein fasz hätt aufgethan und an das sonnenliecht viel übel das uns kränkt mit haufen ausgelassen. der arme wollte sich zwar mit dem deckel fassen zu stopfen dis geschirr, doch leider gar zu spat. Opitz 1, 54; wie lange wirstu dann die sonne schlafen lassen? ei sprich, sie solle doch sich mit dem zügel fassen, die rosse stünden da, es sei schon hohe zeit. 2, 153; komm fasse dich mit tartsch und schilde!
ps. 35; von jedem liesz ein einzles fahren, was an ihr Spurca hat zu paaren, wann ihr nur würde zugelassen mit zweien männern sich zu fassen. Logau 1, 237, 97; fassete (
belud) sich der eine alsbald mit dem vater, der andere nahm die mutter, sie also aus der glut zu retten.
Argenis 2, 328.
hierher gehört das bekanntere sich mit geduld fassen, in geduld fassen,
gleichsam hüllen, kleiden, wo man das mit, in geduld
nicht für ein adverb nehme: er faszte sich dennoch in allem mit gedult und schlief ein.
pol. colica 349; sich in geduld fassen. Gotter 1, 168;
vgl.fasset ewre seele mit gedult.
Luc. 21, 19.
aber auch ohne mit
bedeutet allgemein sich fassen
se colligere, componere: sie vergeben mir, dasz ich über das besondere glück, dieselben allhier vergnügt anzutreffen, ganz aus mir selbst gesetzt bin und mich nicht sogleich fassen kann.
Felsenb. 3, 138; der knabe faszt sich (
lernt) gut. Günther 496; fassen sie sich, Valer! Lessing 1, 283; sei heiter, sei gefaszt! 2, 354; ich weisz du thusts nicht mehr, du wirst dich besser fassen. Gellert 3, 406; er wird sich mit der zeit schon fassen. 1, 92; was hilfts, dasz sie sich dort auf seinen anblick faszt, wenn er indessen hier vor ungeduld erblaszt? Gotter 3, 191; das alter musz doch einen vorzug haben, dasz, wenn es auch dem irrthum nicht entgeht, es doch sich auf der stelle fassen kann. Göthe 9, 191; fasz dich, fasz dich! 14, 81; 'wenn sie sich nur kurz faszt!' das ist gar ihre art nicht. wenn so eine nachtigall einmal ins schlagen kommt, da musz man ihr den hals umdrehen, wenn sie aufhören soll. 14, 92;
[] und er faszte sich schnell und sagte traulich zum mädchen. 40, 307; kann ich im krieg mich doch menschlich fassen, aber nicht auf mir trommeln lassen. Schiller 329
a; wie ihr euch selbst zu fassen angefangen im rohen handwerk. 381
b. A@1010)
eigenthümlich ist ein mhd. vaʒʒen vür
und vür sich
oder auch vor sich vaʒʒen =
vor sich her treiben, vor sich bringen, nehmen: dës hât ër in gevaʒʒet vür.
krone 16537; die ritter vaʒte ër sich vür mit dem swërte, daʒ ër truoc. 17959; si begunden mit slegen an einander vür vaʒʒen.
Rab. 677, ër slûc drî hirtin, die daʒ vî bewirtin, vaʒʒinde vur sich die hert. Jeroschin 13575; wan ër si ot gevaʒʒit vor zurucke hatte in den gart. 12972; hie von ër (
der teufel) ouch sie vaʒʒete vor sich durch ungelucke.
pass. K. 32, 46; hie von ër vur ouch vaʒʒete den munch durch kunftic ungemach. 321, 28;
und wahrscheinlich in diesem gedicht noch öfter. in der späteren sprache entspricht nur bei Frisius 108
a: alles das ich in der red einfuort, sturzt er mir um, was ich fur mich fassen mocht, reisz er mir aus den henden,
sed ut quidque ego apprehenderam, statim accusator extorquebat e manibus, und danach bei Maaler 132
b; als der getauft jud für sich gefaszt (
sich vorgenommen) hat. Reuchlin
augensp. 1
b.
hier finden wir einen unmittelbaren übergang in die andere hauptbedeutung. BB)
fassen, tenere, capere, prehendere, amplecti, nehmen, greifen, packen, fangen. B@11) die hand, den arm fassen: er faszte seine hand und schüttelte sie; er faszte sie an den arm, sie faszten sich bei der hand, an den armen, in die arme; er faszt mit der hand, der bär mit der tatze; da aber Joseph sahe, das sein vater die rechte hand auf Ephranims heubt legt, gefiel es im ubel und fasset seines vaters hand, das er sie von Ephraims heubt auf Manasses heubt wendet.
1 Mos. 48, 17; wer sie (
ein zänkisch weib) auf helt, der helt den wind und wil das ole mit der hand fassen.
spr. Sal. 27, 16; wer fasset den wind in seine hende? 30, 4; eilig faszte darauf der gute verständige pfarrherr erst des vaters hand. Göthe 40, 334.
mhd. scheint hier vaʒʒen
ungebräuchlich, man sagte die hant nëmen, ëʒ in die hant nëmen, eines hende vâhen (
Iw. 1342. 1482),
ahd. fieng ira hant,
tenens manum ejus. T. 60, 5,
nicht vaʒʒen. in seiner (
gottes) hand ists alles gefasset (
begriffen, befangen). Luther 5, 2
a.
ebenso, seine starke hand, sein arm erfaszt ihn; ihre finger fassen die spindel.
spr. Sal. 31, 19.
zuruf an hunde: bäri fasz! Gotthelf
erz. 1, 139. B@22) zu ohren fassen,
auribus percipere: wirstu zu ohren fassen seine (
des herrn) gebot.
2 Mos. 15, 26; die fraw fasset diese wort in ihr öhrlin. Wickram
rollw. 90
b; in seine örli fassen, ze oren lassen. Maaler 132
b; einen ins auge fassen,
rectis oculis intueri, fixieren; die zukunft fest ins auge fassen. Klinger 1, 468; ich breche diese vorrede ab, um sogleich den gegenstand selbst ins auge zu fassen. Brandes
naturlehre 1, 2; lassen sie mich doch ja den edlen mann recht ins gesicht fassen. Klinger 9, 50; das auge, der blick faszt seinen gegenstand; der fassende,
durchschauende blick. B@33) einen um den hals fassen,
früher fangen, fahen, umfahen; um den leib fassen; er faszte sie mitten um den leib; aber die mutter ergrif mit beiden armen das mädchen, um den leib sie fassend. Göthe 40, 331; eines bart
oder haar fassen, ihn beim bart, haar fassen; und Joab fasset mit seiner rechten hand Amasa bei dem bart, das er in küsset.
2 Sam. 20, 9,
wo die mnd. version bei Merzdorf
s. 109
hat: grêp ene umme unde kussede ene vor sînen munt. B@44) den schild fassen,
mhd. si begunde vaʒʒen den schilt an dër hant.
Nib. 427, 2; Etzel was dër küene, ër vaʒte sînen schilt. 1958, 2; do diu spër wurden geneiget und die schilde gevaʒʒet.
krone 7470; nu siht ër wâ ein riter habet mit gevaʒʒetem schilde.
Lanz. 5148.
ahd. nam ër scilt inti spër;
mhd. vienc den schilt
habe ich nicht gelesen, obwol es möglich wäre; ër bürte schilt unde swërt.
Iw. 5373,
wie nhd. schild und schwert erheben, ergreifen.
warum nicht daʒ swërt vaʒʒen?
nhd. das er stark werden und ein schwert
[] fassen könne.
Ez. 30, 21; das schwert ist schon gefaszt und gezückt. 32, 20;
verschieden ist an das schwert fassen,
mit dem schwerte hauen: (Herodes hat) die dem feur entrannen, an die schwerter gefasset. Frank
chron. 34
a. den bogen fassen,
ergreifen: aber Jehu fasset den bogen und schosz Joram zwischen den armen, das der pfeil durch sein herz ausfur. 2
kön. 9, 24; der räuber greift nach seinem bogen, er zielt und faszt den pilger wol. Gellert 1, 99,
nimmt ihn aufs korn; das messer fassen: und recket seine hand aus und fasset das messer, das er seinen son schlachtet. 1
Mos. 22, 10. einen stein fassen und werfen; und er faszte den anderen krug und beugte sich über. Göthe 40, 307.
in fassen
scheint zwar ergreifen und nehmen, oft aber auch festhalten, festnehmen tenere gelegen, was wir packen
nennen. B@55)
ebenso einen fassen,
ohne dasz das wobei
ausgedrückt ist: da fasset der mann sein kebsweib und bracht sie zu inen hinaus.
richt. 19, 25; als er nun heim kam, nam er ein messer und fasset sein kebsweib und stücket sie mit bein und mit alle in zwelf stück. 19, 29; da fasset ich mein kebsweib und zerstücket sie. 20, 6; die hunde fassen den bären; gott hat den patriarchen hin und her geworfen wie ein ballen, auch wol zwischen die sporn gefasset. Luther 4, 146
b;
unpersönlich, es faszt (
packt) mich; es hat ihn hart, an seiner schwachen seite gefaszt; das fieber, der schauder, die furcht faszte ihn; unaussprechliche angst faszte mich; mich faszt ein grausen, da ich mit dir rede. Schiller 551
b; Tell faszt ihn heftig. Schiller 535
b; doch bringt dir einer jene kette, die schwerer drückt und ernster faszt, verdenk ich es dir nicht, Lisette, wenn du ein klein bedenken hast. Göthe 1, 83; wer sie am höchsten verehrt, den weisz er am besten zu fassen. 1, 290. B@66) da fasset David seine kleider und zureisz sie (
vulg. apprehendens sua vestimenta scidit).
2 Sam. 1, 11; und Ahia fasset den newen mantel, den er an hatte und reisz in in zwelf stück (
vulg. apprehendens pallium scidit).
1 kön. 11, 30; einen am zipfel des mantels fassen; er faszte (
nahm, ergrif) hut und stock und gieng hinaus; nam auch weder hemd noch einig schuo und harnasch, allein fasset er zuo henden einen stecken, darmit er sich der hund erweren mocht.
Aimon F 1
a; Hermann faszte die peitsche. Göthe 40, 283. B@77) und er fasset die zwo mittelseulen, auf welchen das haus gesetzt war und drauf sich hielt, eine in seine rechte und die ander in seine linke hand (
vulg. apprehendens ambas columnas, alteram dextera, alteram laeva tenens).
richt. 16, 29,
wo Luther
mit dem fassen
sowol das ergreifen als halten ausdrückt; der schifbrüchige sucht ein bret zu fassen; dort ragt ein fels beim eintritt ins gebirg hervor, ein alter eichbaum faszt ihn mit den starken ästen und aus den seiten flieszt ein klarer quell. Göthe 10, 19. B@88) er (
Münzer) wolt alle schüsse in die ermel fassen (
auffangen). Luther 3, 130
b,
vgl. sp. 914 in die ermeln empfangen; nötigt ihn (
den ehmann, wenn er sich klagt) auf die federn, beredt ihn hinder den umhang, faszt den harn, schickt zum doctor.
Garg. 71
b,
was sonst den harn fangen
heiszt. imen fassen (
bienen in die körbe). Brant 110
b, 34; grillen fassen.
unw. doct. 638,
wie sonst fangen (
sp. 1312); wasser fassen,
schöpfen, einnehmen. Heberer 2, 51. 233; feuer fassen,
wie fangen,
ἅπτειν.
Od. 9, 379. B@99) fassen, in sich fassen,
enthalten, raum für etwas haben, capere: der krug faszt zwölf gläser; die tonne faszt hundert krüge; er trinkt mehr wein als er fassen (
vertragen) kann; wer zu vil fasset, vil fallen lasset.
Garg. 260
b; der magen konnte nicht mehr speise fassen (
in sich fassen, aufnehmen, excipere); der missethäter sind so viele, dasz sie der kerker nicht fassen kann; sein gedächtnis faszt eine menge wörter; der sal faszt nicht mehr als hundert männer; die schmale thüre faszt immer nur éinen,
läszt nur éinen zugleich durch: denn éinen nur faszte die öfnung,
μία δ' οἴη γίγνετ' ἐφορμή
. Od. 22, 130; fasset uns,
capite nos, d. i. nehmt uns auf unter euch. 2 Cor. 7, 2
dreht Ulfilas
passend um, gamôteima in izvis,
finden wir platz unter euch; den vater und den sohn faszt dasselbe grab; und ihr glück und ihre liebe faszte selig éine wohnung, éin bett und éin grab. Göthe 10, 191; die fabel faszt zwei lehren.
[] B@1010) einen trunk fassen,
thun, einnehmen: gestern hatt ich ein bosen trunk gefasset, da must ich singen. trink ich nicht wol, das ist mir leid. Luthers
br. 4, 553; er konnte nur einen löffel arznei fassen. die hunde faszten gierig die hingeworfnen knochen. B@1111) athem fassen,
luft schöpfen, fangen: meine liebe vettern, erholent euch und fassent wider athum.
Aimon o 2
a;
mhd. ûʒ an die wîte, ër hielt sich ûʒ dem strîte, die luft wolde dô vâhen ër.
Ludwig 6776; ein rôre in daʒ schiffelîn gienc damit ër wider âtem vienc.
Morolt 1824. und da er seine kreft wider gefaszt (
aus der ohnmacht kam), er zerzerret sein har, rauft aus seinen bart.
Aimon F 1
b. B@1212) ein herz, mut fassen,
audere, animum recipere: darumb mustet ir ein herz und trotz fassen. Luthers
br. 4, 416; von disem trost kriegt das volk wider ein herz und fasset einen mut. 1
Macc. 13, 7; fasset nur mut!; fassete ein besonders frisch herze.
Felsenb. 1, 263; diesen morgen hat man sich ein herz gefaszt zu beichten. Gotter 3, 22; ein mannheit fassen. Luther 4, 3
a.
auch zu herzen, zu gemüthe fassen,
zu herzen, zu sinne nehmen, erwägen, überlegen: so fasset nu dise wort zu herzen.
5 Mos. 11, 18; solchs alles haben wir zu herzen gefaszt. Luther 1, 458
b; obschon der eine weise und der andere unweise ist, so hab ich doch beider worte zu herzen gefasset.
pers. baumg. 4, 4; zu wünschen wäre, dasz alle jugend die gute lehre ihrer treumeinenden unterweiser zu gemüth fassen thäte.
Simpl. K. 88. in das herz fassen: du hast sie noch gesehn, den letzen blick, den sehnsuchtsvollen, dîr ins herz gefaszt. Göthe 9, 315; kommt zu euch, königin! faszt euren mut zusammen.das ist die entscheidungsvolle stunde. Schiller 426
a. ein gelübde fassen,
vovere. vgl. fangen 15. B@1313) fassen,
animo comprehendere, intelligere, begreifen: die knaben fassen schnell zahllose dinge; er konnte es lange nicht fassen; wer es fassen mag, der fasse es,
vulg. qui potest capere capiat.
Matth. 19, 12,
ahd. thër mugi bifâhan bifâhê; faszt ihr nun, dasz wir auf euch voll mitleid sehn? Klopstock 2, 36; von gott verlassen hiengst du da, von gott verlassen, im schweisz, im blut, dem tode nah! herr, wir fassen, jauchzen, beben, fassens nicht. 7, 109; noch faszt sie nicht wie ihr geschehen. Wieland 9, 296; wärt ihr, schwärmer, im stande die ideale zu fassen. Göthe 1, 399; mein dienst, aus irrthum schmähst du ihn, lern ihn von nun an besser fassen. Gotter 1, 461. B@1414) fassen,
tenere, retinere, discere: durch die lere der demut nur eitel hoffart fassen. Luther 3, 142
b; wenn aber der glaube kompt, welcher das wort fasset. 3, 157
b; ich fasse dich beim worte; bei dem worte fassen. Lessing 2, 288; wenn du viel weisheit und kunst gefasset hast.
pers. rosenth. 8, 6; latinam linguam lernen und fassen. Mich. Neander
bed. 21
b; eine lehre aus etwas fassen. 2, 16; o jugend, fasz doch diese lehren, itzt ist dein herz geschickt dazu. Gellert 1, 171. B@1515) lust
und neigung, hasz
und widerwillen, verdacht, groll, vertrauen, mistrauen fassen: sie konnte keine liebe zu ihm fassen; eine neigung, welche sie gegen Wilhelm Meister gefaszt, wollen wir ihr nicht verargen. Göthe 33, 238; der junge mann faszte die heftigste leidenschaft für sie. Wieland 3, 210; da aber Tryphon sahe, das das kriegsvolk einen hasz wider den könig gefasset hatte. 1
Macc. 11, 39; ein grimmen, bitteren zorn fassen. Maaler 132
a; ein neid fassen. Spreng
Aen. 126
a; sie seh ich oben schweben und gröszer sein als ich, die mich, weisz nicht warümm aus selbstgefasztem hasz und grammsein rennen ümm. Fleming 20; sie faszten Mosen ihren pfleger und trewen diener selbst in neid. Opitz
ps. s. 102. B@1616) fassen,
locum occupare, consistere: fusz fassen, posto fassen; der feind hat in den Rheinländern fusz gefaszt; fassen sie wieder fusz auf der erde! man lebt nur einmal. Göthe
bei Schöll 168; enge schrittchen fassen,
kleine schritte machen, wie frauen thun. pol. stockf. vorr.; es gelang ihm festen sitz zu fassen. wurzel fassen,
radices agere, gestalt fassen: ich sah sie keimen diese liebe, sah der leidenschaften unglückseligste in seinem herzen wurzel fassen. Schiller 295
a;
[] nu kan ja das jene, so ein eitel oder nichts ist, freilich keine gestalt fassen. Luther 3, 368
b. B@1717) zusammen, zu hauf fassen: wenn mans nu abmisset nach dem, wie es hie beschlossen ist, und fassets in haufen, so ist es sechsmal lenger denn breit. Luther 4, 47
a; welches alles zu hauf gefasset ist in dem spruch. 4, 392
b. B@1818) in, an, bei etwas fassen: fasse meine threnen in deinen sack, on zweivel du zelest si.
ps. 56, 9; sehet, wie sich dieser könig damit tröstet, das er gewis ist, das seine flucht, seine threnen seien für gott alle gezelet, und alle threnen in gottes sack gefasset, das nicht eine solt beifallen. Luther 6, 1
b; unden an dem bauch hat es (
das beutelthier, känguru) noch ein bauch, den thet es auf und zu, und so es die jungen ausschüttet und geseugt hett, fasset sis wider darein. Frank
weltb. 224
b; in ein summ, in ein zal fassen,
comprehendere numero. Maaler 132
b; urtheil in schrift fassen,
verfassen. Carolina 92; in ein buch fassen (
s. verfassen); in reime fassen; im fall sie (
die liebe) schon einmal uns an ihr joch gefaszt. Opitz 1, 136. B@1919)
mhd. irre vaʒʒen, irre grîfen,
fehl greifen, irre gehen. Berth. 318. B@2020)
refl. sich fassen,
amplecti se, zu unterscheiden von A, 9
se componere. die tanzenden fassen sich; immer wilder drängts heran, die elemente fassen sich die tobenden. Göthe 11, 258. B@2121)
intr. fassen: es faszt schon, es faszt nicht; die wurzel faszt im boden; das feuer faszt, schon brennts an sieben ecken. Körner; die neue lehre hat unter den leuten gefaszt; falsche vorwürfe treffen flach, aber wahre fassen tief. Möser
patr. ph. 1, 214.
Vergleicht man die beiden vorstellungen, so vermitteln sie sich in dem begriffe capere, nehmen.
der fassende
nimmt als ladender, rüstender und greifender, der kleidende deckt und beladet, der schmückende umfängt, legt ein, faszt ein, verfaszt; der greifende faszt an,
fängt, umfängt, nimmt gefangen, begreift, nimmt ein, nimmt platz. fassen,
laden A, 3
reicht an fassen,
einnehmen B, 8. 9.
glaublich aber scheint, dasz aus intransitivem liegen
allmälich ein transitives empfangen, bringen, erlangen
und nehmen
hervorgegangen sei, wie uns die starke und schwache form fëʒʒan faʒ
und faʒʒôn faʒʒôta
darlegt. man sehe auch das subst. fasz.
s.abfassen, anfassen, auffassen, befassen, erfassen, einfassen, gefassen, umfassen, verfassen, zusammenfassen.