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Denken

ahd. bis spez. · 32 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
54 in 32 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Denken

Bd. 4, Sp. 640
Denken, die geistige Tätigkeit, durch welche Vorstellungsobjekte in Beziehung zueinander gesetzt werden. Von den auf unwillkürlichen psychischen Prozessen (z. B. Ideenassoziation) beruhenden Vorstellungsverbindungen unterscheidet sich die durch D. bewirkte dadurch, daß in jenem Falle die einzelnen Bestandteile auf Grund äußerer Umstände in Beziehung zueinander treten (zwei Dinge, die häufig zusammen wahrgenommen wurden, werden auch später, in der Erinnerung, meist in Verbindung miteinander vorgestellt), während für das D. die Beschaffenheit des Vorgestellten maßgebend ist, so daß die Beziehung, in welche Vorstellungsobjekte durch das D. gesetzt werden, jederzeit als in der eignen Natur der letztern begründet erscheint. Nur im uneigentlichen Sinne nennt man wohl bisweilen auch das freie Spiel der Vorstellungen, dem wir uns passiv überlassen, ein D. Das D. im eigentlichen Sinne setzt voraus, daß unter der Menge der sich jederzeit aufdrängenden Vorstellungen eine Auswahl getroffen wird und nur diejenigen festgehalten werden, die ihrem Inhalt nach mit einer gegebenen Vorstellung (dem Gegenstand unsers Nachdenkens) zusammenhängen. Unter den sämtlichen Erscheinungen des Seelenlebens ist daher das Wollen am nächsten mit dem D. verwandt, ja man kann das letztere geradezu als eine Art von Willenstätigkeit (die in diesem Falle Vorstellungen zum Gegenstande hat) betrachten. Dem entspricht auch die Tatsache, daß, wie das Wollen sich in der doppelten Form des Begehrens und Widerstrebens äußert, so auch das D. sich zwischen den Gegensätzen der Bejahung (Affirmation) und der Verneinung (Negation, s. d.) bewegt. Insofern nun die Verknüpfungen des Denkens den Inhalt des Vorgestellten betreffen, tritt alles D. von vornherein mit dem Anspruch auf objektive Gültigkeit auf. Mit jedem Denkakt oder Urteil (s. d.) ist das Bewußtsein verbunden, daß derselbe unabhängig von der augenblicklichen Verfassung des Subjekts und allen sonstigen äußern Umständen lediglich durch die Beschaffenheit der Objekte selbst bestimmt sei und also zu jeder andern Zeit und von jedem andern Subjekt ebenso vollzogen werden müßte. Freilich ist das D. nicht unfehlbar, aber die Berichtigung eines Denkaktes erfolgt immer wieder durch einen andern Denkakt; das D. kann nicht aus sich selbst heraustreten, und wenn man deshalb verlangt, daß dasselbe sich nach dem außer ihm liegenden Sein richten müsse, um gültig zu sein, so stellt man eine unerfüllbare Bedingung. Richtig ist, daß das D. sich nach dem Inhalte des Vorgestellten richten muß, der durch Anschauung (z. B. sinnliche Wahrnehmung) gegeben ist. Die Entwickelung der Denktätigkeit kann daher immer (z. B. beim Kinde) erst beginnen, nachdem die sinnliche Anschauung dem Geiste ein gewisses Material zur Verfügung gestellt hat, und fortwährend bleibt das D. an die Anschauung gebunden. Ein sogen. reines D., das, ohne daß ihm ein Stoff gegeben wäre, Erkenntnisse erzeugte, ist ein Unding. Während man hierüber allgemein einig ist, gehen jedoch die Ansichten darüber auseinander, wie weit das D. von der Anschauung abhängig ist; während der Empirismus (s. d.) annimmt, daß die sinnliche Anschauung schon alles das enthält, was in der denkenden Auffassung zum Ausdruck kommt (z. B. den Zusammenhang einer Ursache und ihrer Wirkung), behauptet der Apriorismus (s. a priori), daß die Begriffsformen im D. selbst entspringen und von ihm hinzugebracht werden (die Auffassung zweier Erscheinungen als Ursachen und Wirkung beruht, nach Kant, auf der Unterordnung derselben unter den nicht aus der sinnlichen Anschauung geschöpften Begriff der Kausalität). Dem reinen Empirismus gegenüber ist zunächst zu bemerken, daß das D. eine ihm eigentümliche, nicht von außen ihm aufgezwungene Gesetzmäßigkeit besitzt (vgl. Denkgesetze), der gemäß es Urteile, Begriffe und Schlüsse (s. diese Artikel) als eigenartige Erzeugnisse hervorbringt. Ferner geht das wissenschaftliche D. sicher insofern über die Erfahrung hinaus, als es einen durchgängigen Zusammenhang der Erfahrungstatsachen voraussetzt, von dem die sinnliche Auffassung nichts weiß. Noch weiter aber zeigt sich die selbständige Bedeutung des Denkens darin, daß es überhaupt nicht bei dem in der Erfahrung Gegebenen stehen bleibt, sondern an Stelle des sinnlichen Scheines eine nur begrifflich aufzufassende Realität setzt. Während der sinnlichen Wahrnehmung Farben, Töne, Wärme, Kälte etc. als Zustände der Dinge erscheinen, sieht das (wissenschaftliche) D. in ihnen nur subjektive Wirkungen und betrachtet als objektiv-real die unwahrnehmbaren Moleküle, Atome und ihre Bewegungen, weil sich nur so ein widerspruchsfreier Zusammenhang der Tatsachen gewinnen läßt. Die wissenschaftliche Weltansicht ist also jedenfalls außer durch die Tatsachen der Erfahrung auch durch die Forderungen des Denkens bestimmt. Spekulativ (vgl. Spekulation) nennt man das letztere dann, wenn es, wie in der Metaphysik (s. d.), sich ausschließlich durch das Bedürfnis nach Einheit und Zusammenhang leiten läßt und Begriffe (Ideen) erzeugt, die (wie die »Monaden« des Leibniz, die »absolute Substanz« des Spinoza etc.) sich aus der Erfahrung weder erweisen noch widerlegen lassen.
5149 Zeichen · 59 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    denken

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +12 Parallelbelege

    denkenAWB sw. I: ‚denken, erwägen, aussinnen, überlegen, cogitare, meditari, deliberare‘ 〈Var.: thenken, tenken, denchen…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    denkenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    denken stn. done wolt in Gahmuretes art denkens niht erlâʒen nâch der schœnen Liâʒen daß er nicht stets nach ihr hin dac…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    denkensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    denken , sw. V. nhd. denken, denken an, denken auf etwas, gedenken, sich erinnern, erinnerlich sein (V.), vergelten, nac…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Dênken

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Dênken , verb. irreg. act. et neutr. im letzten Falle mit haben. Imperf. ich dáchte; Conj. daechte; Mittelwort gedácht. …

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    denken

    Goethe-Wörterbuch

    denken von üb 6000 Belegen ca je ein Viertel in A u E; subst meist in A (selten ‘das Gedachte’), öfter auch ‘der D-de’ (…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Denken

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Denken , lat. cogitare , ital. pensare , franz. penser , engl. think , heißt allgemein 1. sich geistig mit etwas beschäf…

  7. modern
    Dialekt
    denken

    Bayerisches Wörterbuch · +8 Parallelbelege

    denken Band 3, Spalte 3,1543f.

  8. Sprichwörter
    Denken

    Wander (Sprichwörter)

    Denken 1. As ik denk' un do, mät ik annern to. ( Süderdithmarschen. ) Wie ich denk' und thu', mess' ich andern zu. 2. Da…

  9. Spezial
    Denkenn

    Dt.-Russ. phil. Termini · +5 Parallelbelege

    Denken , n мышление , ср

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit denken

148 Bildungen · 10 Erstglied · 130 Zweitglied · 8 Ableitungen

Zerlegung von denken 2 Komponenten

den+ken

denken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

denken‑ als Erstglied (10 von 10)

denkendempfindend

GWB

denkend-empfindend zu denken A 2 b das .. denkend-empfindende Publicum B47,340,20 Varnhagen 11.5.30 K Horst Fleig H. F.

Denkendorf

Meyers

denken·dorf

Denkendorf , Flecken im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Eßlingen, an der Kersch, hat eine Klosterkirche, treibt Fabrikation von Senf, Scho…

denkendpraktisch

GWB

denkend-praktisch zu denken A 3 c α B29,123,18 CarlAug [3.4.18] K → ausdenken bedenken durchdnken durchdenken eindenken erdenken fortdenken…

denkenisse

KöblerMnd

denke·nisse

denkenisse , F. nhd. Gedächtnis, Memorie, Gedenkfeier Vw.: s. ge- Hw.: vgl. mhd. *denknisse?, mnl. denkenesse E.: s. denken (1), nisse W.: s…

Denkenstit

MeckWB

denken·stit

Denkenstit f. die Zeit, deren man sich erinnern kann: bi min Denkenstit Schö Grev ; Wa GFlot .

Denkensweise

GWB

denken·s·weise

Denkensweise 1 jds theoret bzw ästhet Position, Betrachtungsweise B10,205,2 Schiller 28.10.94 2 wie Denkweise 2: idVbdg ‘Denkens- und Bestre…

denkenti

KöblerAhd

denk·enti

denkenti , (Part. Präs. subst.=)M. Vw.: s. fir- Hw.: s. denken*

denkento

KöblerAhd

denkento , (Part. Präs.=)Adv. Hw.: s. denken

denken als Zweitglied (30 von 130)

archdenken?

KöblerMnd

*archdenken? , V. nhd. „argdenken“, argwöhnen, Böses denken Hw.: s. archdenken (2) E.: s. arch, denken

ingedenken

KöblerMnd

*ingedenken , sw. V. nhd. eingedenken, gedenken Hw.: s. ingedenkich, indenken, vgl. mhd. īngedenken W.: s. nhd. eingedenken, sw. V., eingede…

mitegedenken?

KöblerMhd

*mitegedenken? , V. nhd. „mitgedenken“, mitdenken E.: s. mite, gedenken W.: nhd. DW-

nidardenken

KöblerAhd

*nidardenken , sw. V. (1a) Vw.: s. hera-

nādenken?

KöblerMnd

*nāden·ken

*nādenken? , sw. V. nhd. nachdenken, Verdacht haben Hw.: s. nādenken (2) E.: s. nā (1), denken (1) W.: s. nhd. nachdenken, sw. V., nachdenke…

untardenken?

KöblerAhd

*untardenken? , sw. V. (1a) Hw.: vgl. as. undarthenkian

updenken

KöblerMnd

*updenken , sw. V. nhd. vorher erwähnen Hw.: s. upgedacht E.: s. up (4), denken (1)

ümmebedenken?

KöblerMnd

*ümmebedenken? , sw. V. nhd. umdenken Hw.: s. ümmebedenken (2) E.: s. ümme (1), bedenken

ūfdenken?

KöblerAhd

*ūfdenken? , sw. V. (1a) Vw.: s. hina-

Andenken

RDWB1

Andenken n память zum ~ an j-n - в память о ком-л. напоминание, сувенир (в память о чём-л.) dies ist ein kleines ~ an unsere Zusammenarbeit …

Bedenken

RDWB1

Bedenken Pl. (kein Bezug zu "думать") сомнения ich habe da gewisse ~ - у меня есть некоторые сомнения ich habe keine ~ - не возражаю, соглас…

Wunschdenken

RDWB1

Wunschdenken n Das ist reines ~. - Это означает выдавать желаемое за действительное.; Размечтался! разг.

anadenken

KöblerAhd

ana·denken

anadenken , sw. V. (1a) nhd. beachten, beabsichtigen, aufmerken, aufmerksam sein (V.), eingedenk sein (V.), seinen Sinn richten ne. pay atte…

anbedenken

MNWB

anbeden·ken

anbedenken , swv. , bedenken, in Betrachtung ziehen. Refl.: sik a. dasselbe.

andenken

DWB

anden·ken

andenken , n. memoria, recordatio, nnl. aandenken, wozu sich nochmals die praep. an oder der gen. fügen läszt, das andenken an Göthe, das an…

ane denken

MWB

ane denken swV. ‘an etw. denken, etw. beachten’ (mit Akk.d.S.): erhore herro reht min! ane denche dige, flege, bete mine! [interl. zu intend…

anebedenken

KöblerMnd

anebeden·ken

anebedenken , sw. V. nhd. „anbedenken“, bedenken, in Betrachtung ziehen E.: s. ane (2), bedenken L.: MndHwb 1, 75 (anbedenken)

anedenken

KöblerMhd

ane·denken

anedenken , st. N. nhd. „Andenken“, Erinnerung, Wissen Hw.: vgl. mnd. anedenken (2) Q.: EckhV (z. T. vor 1298) (FB andenken) E.: s. anedenke…

ane gedenken

Lexer

ane·gedenken

ane gedenken an etw. denken ob got die sælde mîn angedenket unde mîniu leit Dietr. 8723 ;

angedenken

DWB

ange·denken

angedenken , n. memoria, gleichviel mit andenken: lasz sich dein herz nicht mehr bekränken von deiner eltern angedenken. Weckherlin 352 ; nu…

ausdenken

DWB

aus·denken

ausdenken , excogitare, nnl. uitdenken: wein, den die bosheit ausgedacht, des wassers ruhm empor zu bringen. Hagedorn 3, 46 ; laszt uns eine…

bedenken

DWB

beden·ken

bedenken , considerare, cogitare, ahd. pidenchan, mhd. bedenken, praet. bedachte, nnl. bedenken. 1 1) etwas bedenken, erwägen, überlegen, et…

bidenken

KöblerAhd

bidenken , sw. V. (1a) nhd. erwägen, bedenken, überlegen (V.), nachdenken, einschätzen, beurteilen, ermessen (V.), überdenken, zur Einsicht …

daradenken

KöblerAhd

dara·denken

daradenken , sw. V. (1a) nhd. daran denken, überlegen (V.) ne. think at ÜG.: lat. attendere N Q.: N, O (863-871) E.: s. dara, denken L.: ChW…

Ableitungen von denken (8 von 8)

bedenken

DWB

bedenken , considerare, cogitare, ahd. pidenchan, mhd. bedenken, praet. bedachte, nnl. bedenken. 1 1) etwas bedenken, erwägen, überlegen, et…

entdenken

DWB

entdenken , 1 1) sich bedenken: sie sollen sich dan entdenken, ob der müller also gethan habe, als es sich gebüret und der scheffen das weis…

erdenken

DWB

erdenken , excogitare, erdachte, ahd. irdenchan, irdâhta, mhd. erdenken, erdâhte, ausdenken, ersinnen: mhd. swaʒ man ouch hôher witze kan er…

gedenken

DWB

gedenken , n. der inf. als subst., wie bei bedenken. 1 1) zu gedenken gleich denken überhaupt: gedenken ist zollfrei. Frisius 241 b ( vgl. s…

Mißdenken

Campe

✱ Mißdenken , v. intrs . unregelm. ( s. Denken ), Mittelw. d. verg. Z. mißgedacht , falsch, unrichtig denken, irren. Stieler. Ih wane (wähne…

urdenken

DWB

urdenken , n. , ursprüngliches denken: alles u. geschieht in bildern Schopenhauer 2, 83 Gr.; von diesem religiösen u. ist alles philosophisc…

verdenken

DWB

verdenken , verb. reminisci, contemnere, mhd. verdenken, ahd. fardankjan, fardenkjan, ags. forþencan. prät. nhd. verdachte, verdacht, mhd. v…

zerdenken

DWB

zerdenken , verb. , 1) trans. durch denken zergliedern: der durchschneidende denker Herbart, der die sinnlichen erscheinungen so oft zerdenk…