Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
bant stN.
1.1 ‘Band’ (aus verschiedensten Materialien)
1.2 ‘Fessel’ , übertr. auch ‘Haft’
1.3 ‘Halsband’
1.4 ‘Binde, Verband’
2 ‘Muskelstrang, Sehne’
3 als Maßeinheit, Gebinde
4 übertr. ‘Bindung’
4.1 ‘rechtl. Gebundenheit, Verpflichtung’
4.2 ‘Verbindung’
4.3 ‘vorgegebene Stellung, Ordnung, Beschaffenheit’
4.4 ‘(zwingendes) Argument’
5 Einzelnes
5.1 ‘Zaun’
5.2 Bed. unklar ‘Quer-, Verbindungsbalken’ oder bildl. für ‘Haus’ (vgl. FrlWB)
1 etw. zum Binden 1.1 ‘Band’ (aus verschiedensten Materialien): der smit sol si [die Stange] vaste / beslahen mit starken banden Wh 196,29; bint beyde teyl czu samen mit bandin Pelzb 131,1; und schluͦgend zuͦ die tor zehant / und beschlussend die mit festem band KvHelmsd 2820; den bogen hapt diu winster hant, / diu zesewe ziuht daz senewen bant LvRegSyon 3673. – als Teil von Kleidung und Rüstung: da waren bant sidin / geworcht zu einem borten GrRud Ab 23; [er] zv schriet im die bant, / die den helm bunden Herb 6738; er sloz die hend in swertes bant WhvÖst 8565; si truogen ûf ir houbte von golde liehtiu bant / (daz wâren schapel rîche), daz in ir schœne hâr / zefuorten niht die winde NibB 1654,2; Suchenw 24,183 1.2 ‘Fessel’, übertr. auch ‘Haft’ zwei jar lag er in panden AvaLJ 34,2; in kerchere oder in benden SüklU 64; âne sloz und âne bant Iw 505; dô lôst er im diu bant / von fuoze und ouch von munde NibB 958,1; sô hiez er zwei kint zehant / ledic lâzen ûz dem bant EnikWchr 28074; och [Weh!] der unmilder hende, / diͤ diͤ iserne bende / dir hant angelacht MarlbRh 25,39; Wh 457,29. – bildl. für einen Zwang, dem man unterliegt: löse mir des todes pandt! HvNstAp 7043; sît ich bin gebunden mit den banden daz die senden heizent minnebant KLD:GvN 2: 5,1; dâ lâ mit dînen hulden / brechen sîner sünden bant RvEBarl 14417; den sit man oft in lasters banden siechen Mügeln 338,12. 138,12 – phras. (?): daz sie des vor gut bilde tragen / und selben sich in banden [unter Kontrolle] haben HeslApk 8179 1.3 ‘Halsband’ vreche rüden, den meisters hant / abe stroufet ir bant Parz 281,4; swer einen hasen drizech iar / an einem bande behabe / und ziehe er im daz selbe abe, / er werde dannoch wilde StrKD 44II,3. 44I,3; BdN 131,12 1.4 ‘Binde, Verband’ vor ungedolt er sich sô want / daz brast etslîch sîn wunden bant Parz 587,24; sie machten im sin wunden und bundens im zusamen mit starcken banden Lanc 68,34; ErzIII 75,31; PrGeorg 9,35; dor no bewind is mit eyme tuche [...]. vnd loz den ast an dem boume, bis das her eyn huyt vndir dem bande gewinne Pelzb 122,10; BdN 346,6 2 ‘Muskelstrang, Sehne’ sy lïss uff sines ruggen band / die vinger schlichen hin ze tall / an den lib über all, / ob der fürst ichtt were wund GTroj 1284; ain mäuslein [...] ist gesamnet auz flaisch und auz âdern und auz nâtürleichen panden BdN 20,14. 15,10 u.ö. 3 als Maßeinheit, Gebinde: zvei vischlehen diu geltent: 160 bant vische, und islich bant hat 9 vische UrbTirol 30; UrkCorp (WMU) 584,46. – bei Salz (Fass einer bestimmten Weite): daz furbaz nieman dhein saltz in vassen oder in andern banden hinnan fur die Tuͤnawe herauffuͤr StRMünch 144,2; ain pfundt salz weites bandts vnd vier pfund enges bandts UrkEnns 6,504 (a. 1345); UrkCorp (WMU) 641,37 4 übertr. ‘Bindung’ 4.1 ‘rechtl. Gebundenheit, Verpflichtung’ mit eiden oder mit gelubden oder mit brieuen oder mit widerwette, oder swie die bant heizzen, die von ieman auf ein einunge ergangen sein UrkCorp (WMU) 467,16; da dich dú dienstlichen bant / bunden mit eigenschaft gebote RvEWchr 11641; bi dem bande unsers ordens und bi der satzunge unser jargezit UrkBern 6,728 (a. 1343); mit ungefueger stewr pant Teichn 207,13 4.2 ‘Verbindung’ daz naturliche bant, daz da ist schussin [zwischen] deme geiste und deme libe Parad 45,7; daz du in mir und ich in dir mit vestem band der minne vereinbert eweclichen beliben Seuse 537,15; was ist verainunge denne da zwai ains werdent. vnd die ainunge ist ain band vnd ain schlosse zwaier Gnadenl 1,342 4.3 ‘vorgegebene Stellung, Ordnung, Beschaffenheit’ und wel mensche sich mit willen und mit beratenem muͦte in dise ordenunge gebent: bricht es dis bant, des nimet sich die heilige kilche an ze richtende Tauler 242,26; dennoch hiet dw werlt iren schein / und stund in dem alten pant Teichn 322,23; da wirt dez menschen sel bechant / daz sew ist von anderm pant / denn dw sel der andern chunder ebd. 324,154. 53,72. 320,128 4.4 ‘(zwingendes) Argument’ in disir predigade dispitirit brudir Gisilher [...] widir di barfuzin [...] und brichit di bant der barfuzin id est argumenta meisterliche Parad 5,5 5 Einzelnes 5.1 ‘Zaun’ das wir sun rumen vnd abeslan, es sin boͮme, bender, stude alde hêge UrkCorp (WMU) 1151,1 5.2 Bed. unklar ‘Quer-, Verbindungsbalken’ oder bildl. für ‘Haus’ (vgl. FrlWB): san ist enbrant / des wirtes want. / man leschet, e daz ganze bant / verbrinnet Frl 5:78,17
MWB 1 430,5; Bearbeiter: Diehl