gönnen,
vb. ,
tribuere, favere. herkunft und form. zu grunde liegt gemeingerm. präterito-präsens an(n), unnan,
dem die verstärkende vorsilbe gi-, ge-
hinzugetreten ist. das simplex unnan
ist in den älteren (
mit ausnahme der gotischen)
und z. t. auch in den jüngeren germ. sprachen verbreitet. ags. unnan,
as. unnan,
ahd. unnen,
mnl. onnen,
an. unna,
schwed. unna,
dän. unde.
die substantiva got. ansts
mit dessen gemeingerm. entsprechungen und ahd. unst
sind als verbalabstrakta von unnan
abgeleitet, vgl. s. v. gunst
teil 4, 1, 6,
sp. 1104.
das simplex ist im deutschen sprachgebiet nach Notker (
mit ausnahme Veldeke
s, s. zs. f. dt. alt. 56, 281
ff.)
nicht mehr belegbar, s. mhd. wb. 1, 31
b.
die etymologie des wortes ist unsicher. am meisten anklang hat Fick
s in Bezzenbergers beiträgen 1, 242
gegebene zusammenstellung mit gr. προσηνής '
freundlich, milde' (
ἀπηνής '
unfreundlich, hart')
gefunden, sei es, dasz man ans
als wurzel ansetzt (Walde-Pokorny 1, 68),
sei es dasz man wie Bechtel
lexilogus zu Homer 1914, 49 ansts
usw. auf einen neutralen es-
stamm zurückführt. schon früh wird das einfache verbum unnen
mit dem präfix ge-
oder —
in negierendem sinne, bes. mhd. —
mit den doppelpräfixen en-b-,
er-b-, ver-b-
zusammengesetzt; wegen abanst, abunst '
invidia' =
as. aBunst,
ags. æfest (
vgl. an. fund)
ist das b
von arbunnan '
invidere, aemulari'
reduzierte form des praefixes ab (
s. Braune ahd. gr. § 77
anm. 3),
vgl. as. afunnan,
ags. ofunnan;
ahd. giunnan,
spätahd. gunnan, gunnen,
mhd. gunnen
entspricht as. giunnan,
mnd. gunnen,
mnl. gonnen,
nl. gunnen,
ags. giunnan.
im nord. fallen die verbalpräfixe bis auf wenige reste, daher nur an. unna '
lieben, gönnen' =
schwed. unna '
gönnen' (
aschw. '
vergönnen'),
dän. unde '
gönnen' (
ädän. auch '
lieben');
schwed. gynna,
dän. gynde
sind aus dem nd. entlehnt, s. Hellquist
3315.
die formgeschichte des wortes, die nur teilweise mit derjenigen von können
zusammengeht, zeigt eine fülle variierender und miteinander konkurrierender formen, namentlich durch den übertritt des verbums aus der konjugationsweise der präterito-präsentien in die der schwachen verba und durch die wandlungsfähigkeit seines stammvokals. einheitliche flexion aller formen in der art eines schwachen verbums mit -ö-
als festem stammvokal wird schriftsprachlich erst um 1700
erreicht. noch über den endlichen literarischen ausgleich aller varianten hinaus halten die lexikographen des 18.
jhs. z. t. an älteren formen fest, so Dentzler
clavis (1716) 142
b mit gunnen, (
er) gunt
als einzigen formen, Kramer
hoch- u. niderteutsch. dict. (1719) 100 gönnen
vid. günnen, Rädlein
sprachsch. (1711) 1, 416
a günnen
vid. gönnen, Aler
dict. (1727) 1, 993
b günnen, Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 618 ich gonne (gönne), vergonnt,
und noch Adelung
vers. 2 (1775) 749, Campe 2 (1808) 424
a führen, letzterer mit dem hinweis '
oberdeutsch',
als präteritale nebenformen ich gonnte, gegonnt
bzw. gegonnen
auf. zu den einzelnen flexionsformen: 11)
in der 1.
und 3.
sg. präs. ind. ist die alte präteritalform gan
ahd. und mhd. allein gültig, im 15.
und 16.
jh. gehört sie noch zu den meistgebrauchten formen und ist auch Luther
durchaus geläufig: ich gan
ep. u. evang. v. christag (1522) e 4
a; 23, 34
W.; 30, 3, 219; (
er) gann
tischr. 3, 196
W.; 30, 2, 368
u. ö.; (
er) gan Hayneccius
Hans Pfriem 2117
ndr. (
neben er günt
ebda 2112).
vereinzelt hält sie sich bis in den beginn des 17.
jhs.: (
er) gan Eyering
prov. copia (1601) 2, 40; Petri
weiszh. (1605) n 2
a.
ein freilich auch als ind. prät. deutbares (
er) gann (: mann)
bei Zinkgref
dt. apophthegm. (1653) 1, 58 (
s. auch Paul
dt. gr. 2, § 192
anm. 2)
ist zitat aus dem 16.
jh. in älteren md. quellen, für die mehr oder minder nd. einflusz anzunehmen ist, begegnen auf dehnung deutende schreibungen: (
er) gahn (: mann) B. Waldis
Esopus 1, 30
Kurz; er gahn (: man) Hayneccius
Hans Pfriem 2194
ndr.; hierher auch ein vereinzeltes (
doch s. auch unt. 8) ich gahn
in einem frühen druck bei Luther 7, 6, 20
W. (
Wittenberger druck v. j. 1520).
daneben singulär in der schreibung (
ich) gain (
nördl. Mfrk. 1367)
privatbr. d. mittelalt. 1, 5
Steinhausen, dazu der inf. goinen
ebda (
s. unt. 2).
gelegentlich wird in der 3.
sg. das hier unorganische flexivische -t
aus dem präs. der normalen st. und schw. verba angehängt, wenn es sich hier nicht um euphonisches -t
handelt, vgl. Weinhold al. gr. § 380: er gant (
um 1500)
bei K. Krieger
d. spr. d. Ravensburger kaufleute 26.
zu vereinzeltem (
ich) gegan
mit doppeltem präfix vgl. anm. zu Iwein 2492
B.-L. —
die ahd. nicht belegte 2.
sg. präs. ind. lautet mhd. mit nicht stammhaftem -s- (
gegen PBB 9, 155) du ganst (
wie du kanst),
vgl. auch ähnliche -s-
erweiterungen unter den formen des prät. und part. prät. und die erklärungsversuche bei Wilmanns
dt. gr. 3, 1, § 53, 4; 55, 2,
wo weitere literatur. im reim mhd. gelegentlich abfall des -t: du gans (:Urjâns)
Parzival 524, 20; (: Vivîans)
Willehalm 62, 24.
frühnhd. in der alten form, aber mit -e-
erweiterung, noch vereinzelt: du gannest
theol. deutsch 62
Mandel. —
im 16.
jh. nicht mehr nachweisbar. in der 2.
hälfte des 15.
jhs. beginnen die versuche, die alten bildungen des sg. durch anlehnung an die pluralformen zu ersetzen (
s. unt. 2). 22)
für den gesamten formenbereich des präsens ist in der übergangszeit vom 14.
bis 16.
jh. und z. t. noch darüber hinaus infolge der variabilität des stammvokals ein nebeneinander verschiedener bildungen und vielfacher promiscue-gebrauch bei einunddemselben schriftsteller bezeichnend (
bei Luther
z. b. begegnen alle wesentlichen formen).
der infinitiv gewährt dank häufiger bezeugung den sichersten überblick, doch scheinen bei den übrigen formen die verhältnisse entsprechend zu liegen. vom ahd. und mhd. her herrschen zunächst die nicht umgelauteten -u-
formen vor, noch im 15., 16.
jh. haben sie ihren festen platz, im 17.
sind sie ausnahmen. ind. pl.: ir gunnent
Lancelot 137, 16
Kluge; sie gunnen Pauli
Keisersbergs narrensch. (1520) 141
b; Luther
tischr. 5, 127
W. ind. sg. nach analogie des pl.: (
er) gunt
Terenz (1499) 23
a; (
er) gundt Schumann
nachtbüchl. 22; (
er) gunt Luther 27, 265
W.; (
ich) gunn
derselbe tischr. 5, 417
b; du gunst Forster
fr. teutsche liedl. 116
ndr. infinitiv: gunnen Stolle
thür. chr. 7
lit. ver.; Luther 33, 650
W.; 34, 2, 180; Murner
v. d. 4 ketzern 45
Fuchs; gunen Spreng
Ilias (1610) 4
b;
Äneis 37
b; gunnen Schönsleder
prompt. (1618) x 5
a.
konj.: (
er) gunne Stolle
thür. chr. 31
lit. ver.; Boner
Herodot (1535) 8
a.
imper.: gunne
Theophilus 2, 2, 29
Petsch; gunn Wickram
w. 7, 154
B. —
die zunächst dem konj. und dem nach ihm gebildeten imper. zukommenden umgelauteten -ü-
formen dringen schon mhd. auch in den übrigen formbestand ein, sind hier aber infolge der vielfach umlauthindernden wirkung der doppelnasalis und der mangelhaften umlautbezeichnung schwer zu fassen (
s. Weinhold
mhd. gr. § 412;
al. gr. § 380; Wilmanns
dt. gr. 3, 1, § 53, 5; Paul-Gierach
mhd. gr. § 172
anm. 7).
seit dem 14.
jh. greifen sie rasch um sich, im 16.
jh. stellen sie (
anders als im prät., s. u.)
die gängigste form dar, trotz Luther
s relativer zurückhaltung, und noch das 17.
jh. hält zäh an ihnen fest. ind. pl.: wir günnen (1334)
oberrhein. stadtr. 2, 3, 24; (
schwäb. 1418)
bei Lexer 1, 119; Luther 16, 100
W.; (
sie) günnen
bergreihen 86
ndr.; Logau
sinnged. (1654) 39.
ind. sg.: (
er) günt (1464-75) Tucher
baumeisterb. 73
lit. ver.; (
er) günnet
sprichw. schöne weise klugr. (1548) 958; (
er) günnt Treuer
Dädalus (1675) 1, 763; du günnest
buch d. liebe (1587) 263
c.
inf.: günnen (
Straszburg um 1400)
städtechr. 8, 332; (
md. 1414) Diefenbach
gl. 36
b; Luther 7, 669
W.; Scheit
Grobian. 794
ndr.; Birken
lorbeerhayn (1657) 89; Logau
sinnged. 49
lit. ver. konj.: (
er) gúnne
Lancelot 134, 4
Kluge; (
er) günn Hayneccius
Hans Pfriem 13
ndr. imper.: günd
N. v. Wyle
translat. 132
Keller; günne Keisersberg
pred. (1508) 39
b.
hierher auch entrundete formen des 15.-16.
jhs. wie (
inf.) gynnen (15.
jh.) Diefenbach
gl. 227
c; (
md. 15.
jh.)
ebda 144
a; ginnen H. Sachs 23, 286
lit. ver.; ginden
ref.-flugschr. 3, 303
Clemen; (
ich) gyn Murner
dt. schr. 4, 67; (
er) gindt (:findt) Wickram
w. 4, 134
B.; (
wir, sie) gynnen Eberlin v. Günzburg 1, 140; 3, 54
ndr.; (
konj.) (
er) gyn Murner
dt. schr. 7, 7. —
der durch den doppelnasal unter mitwirkung des präteritums gonde (
s. u.)
hervorgerufene wandel des stammvokals -u-
zu -o- (
s. V. Moser
frühnhd. gr. 1, 1, § 74
und anm. 5)
ist, in unserm fall übrigens ohne deutliche landschaftliche bindung, vereinzelt schon im 14.
jh., bei andern formen im 15.
oder erst im 16.
jh. nachzuweisen, für den konj. nicht belegbar. bei Luther
zeigt er sich häufig, im 17.
und frühen 18.
jh. noch gelegentlich. ind. plur.: (
wir) gonnden (1325)
in: schweiz. id. 2, 332; wir gonnen Luther
tischr. 4, 397
W.; (
sie) gonnen
derselbe w. 45, 7
W.; 49, 262; Fischart
w. 1, 403
H.; (
sie) gonneten (
Bern 1626)
in: PBB 45, 178.
ind. sg.: ich gon Hermann v. Sachsenheim
mörin 966; ich gonne Luther 10, 1, 1, 672
W.; du gonnest 47, 357; (
er) gonnet 10, 1, 2, 71; 52, 633; (
er) gont Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 26
a;
und noch: ich gonn J. Chr. Günther
s. w. 3, 75
Kr. inf.: gonnen (
Klosterneuburg 14.
jh.)
bei Weinhold
bair. gr. § 328; (
fränk. 1449 [?])
weisth. 6, 32; (
alem. 1460)
ebda 1, 436;
Zimmer. chr. 21, 123
B.; Luther 1, 194
W.; 9, 154; 18, 314; 34, 2, 180; (17.
jh.) Weglin
in: Fischer-Tümpel 3, 234.
vereinzelt md.-nd. gedehnter inf. goinen (1367)
privatbr. d. mittelalt. 1, 5
Steinhausen (
s. auch ob. 1).
imper.: gonne Luther 47, 96
W.; gonn Fischart
w. 1, 198
H. —
die formen mit umgelautetem -ö-
als stammvokal, deren vorherrschaft im 17.
und deren alleinige geltung noch vor der mitte des 18.
jhs. literarisch gesichert ist, sind für den inf. alem. vereinzelt schon im 14.,
für den ind. pl. seit dem 15.,
im übrigen erst seit dem 16.
jh. nachweisbar. Luther,
in dessen bibel sie einzig zu gelten scheinen, zieht sie auch sonst allen übrigen bereits vor und sichert damit zu seinem teil ihre spätere herrschaft. ind. pl.: (
wir) gönden (1463)
bei Weinhold
al. gr. § 380; gönnen (1480)
bair. gr. § 328; wir gönnen Luther 46, 7
W.; sie gönnen 24, 462; 53, 518;
ps. 40, 15; Mathesius 2, 97
Loesche. ind. sing.: er gönd Keisersberg
bilgersch. (1512) b 6
a; ich gönne Luther 30, 2, 412
W.; 54, 391; (
er) gönnet 9, 154; 52, 748;
spr. Sal. 21, 10; 2.
Makk. 15, 21; du gönnest Ringwaldt
evang. (1581) m 2
b.
inf.: gönnen (: können)
liedersaal 3, 433
Laszberg; (
Augsburg 15.
jh.)
städtechr. 22, 43; Luther 16, 359
W.; 18, 52; 52, 172; 53, 518;
Jer. 49, 11; Fischart
binenk. (1588) 10
a (
ausg. von 1586: gonnen).
konj.: (
er) gönne Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 23
b; Gödelmann
tract. de magis (1591) 3, 71.
imper.: gönne
Philem. 20; gönnet
richt. 21, 22.
ganz vereinzelt dringt entrundung des -ö-
ins schriftbild: inf. gennen (
Oberelsasz 1438)
weisth. 1, 650.
zu vereinzelten -a-
formen im konj. gane, gahne,
imper. gan
s. u. 8. 33)
im ganzen formenbereich des präs. begegnen bildungen mit eingeschobenem -d- (
s. Weinhold
al. gr. § 182; 380;
V. Moser
frühnhd. gr. 3, 3, 28)
vom 14.
bis ins 16.
jh.; am häufigsten im inf.: gunden Hermann v. Sachsenheim
mörin 965; gynden (15.
jh. md.) Diefenbach
gl. 36
b; 227
c; günden (
Augsburg 1416)
städtechr. 5, 347; (1477)
weisth. 1, 390; Carbach
Livius (1551) 9
a; gönden (1537)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 158
u. ö. im sg. und pl. ind.: er gondet Carlstadt
v. bepstl. heylickeit (1520) d 2
a; (
wir) gonnden (1325)
in: schweiz. id. 2, 332; wir günden (
schwäb. 1418)
bei Lexer 1, 1119; (
wir) gönden (1463)
bei Weinhold
al. gr. § 380.
vereinzelt und früh im konj.: (
er) gunde
Alexiuslegende A 1144
Eis (
hs. 14.
jh.)
und imper.: gunde
ebda 858. 44)
das neu gebildete schw. prät. zeigt im indikativ ahd., wohl in analogie zu dorfta, scolta, mohta, torsta,
häufigeres onda
neben lautgesetzlich richtigem unda (
z. b. Otfrid II 7, 2; Notker 1, 798, 28
P. neben Otfrid I 27, 31
hs. F.; Notker 3, 199, 28
P.).
im mhd. herrschen, wohl in anlehnung an den inf. und ind. präs. pl., die -u-
formen neben selteneren -o-
formen (
wie etwa [
sie] gonde
Nibelungenl. 1696, 3
B.; [
sie] gonden [:konden]
passional 171, 42
K.),
s. Weinhold
mhd. gr. § 412.
für die folgende übergangszeit gilt im stammvokal annähernd die gleiche variationsbreite wie in den formen des präs., doch behaupten sich im ind. prät. (
ähnlich wie beim part.)
die -u-
formen noch bis ins 16.
jh. deutlich an erster stelle ([
sie] gunten
Eulensp. 55
ndr.; [
er] gundt
herzog Aymont [1535] d 4
a; er gunnte Luther 10, 1, 1, 265
W.; [
er] gundt Ringwaldt
christl. warnung [1588] f 4
a u. ö.).
daneben vor allem die -o-
formen: (
er) gonde (
Magdeburg um 1360)
städtechron. 7, 64; (
sie) ghonden (
Braunschw. 1418)
ebda 16, 40; (
er) gond (
Chur 1446) Fründ
chron. 146; (
wir) gonnten (1521) Planitz
br. 32; (
sie) gonten
Zimmer. chron. 23, 19
B.; spät (
er) gonnte, (
sie) gonnten J. Chr. Günther
s. w. 3, 107
Kr.; 2, 279.
die umgelauteten, unter analogischem zwang der präs.-bildungen stehenden formen treten relativ spärlicher und jünger auf, vereinzelt im 15.
jh., wenn ein (
er) gent (
Augsburg um 1460)
städtechr. 5, 15
als entrundete -ö-
form aufzufassen ist. sonst erst seit dem 16.
jh.: (
er) gündte Boner
Herodot (1535) xxxviii
b; (
er) günt Aventin
s. w. 4, 450
bayr. akad.; (
er) gönte Montanus
schwankb. 426
lit. ver.; (
sie) göntten Münster
kosmogr. (1550) 66.
für das 17.
jh. gelten durchweg die gleichen verhältnisse wie im präs. —
die alte dentalerweichung ist seit dem 16.
jh. durchweg aufgegeben, und häufig treten nun auch bildungen mit mittelvokal auf: (
er) günet Füetrer
bayr. chron. 220
Spiller (
fortsetzer W. [1511-14],
gegen er vergund
ebda 93
bei Füetrer
selbst); (
sie) gönnetens
Hes. 31, 16; ich gonnet Luther 15, 339
W.; (
er) günnete Kirchhof
wendunm. 2, 72
lit. ver.; Moscherosch
ges. (1646) 56. —
mhd. steht vereinzelt die 2.
sg. mit der endung der starken prät.-flexion in du gunde Ottokar
reimchron. 94 748. —
doppelt präfigiertes (
er) gegunde
Tristan 2372
R. —
vereinzeltes (
er) gan
s. u. 8. 55)
im konj. prät. herrscht ahd. das gleiche nebeneinander von häufigerem -o-
und seltenerem -u-
als stammvokal wie im ind., vgl. er gionsti Otfrid V 25, 101
neben gunsti
ebda hs. F und er ondi Notker 1, 6, 1
P.; si neondi
ebda 88, 18.
im mhd. stehen gunde
bzw. günde
neben nur gelegentlichem gönde
Nibelungenl. 1339, 2
L. die wenigen nachweisbaren formen der übergangszeit bevorzugen auch im konj. die umlautlose -u-
form, vereinzelt begegnet si günde Oswald v. Wolkenstein 5, 31
Schatz (
neben si gunde
ebda 37, 98);
mit mittelvokal und beseitigter dentalerweichung er günnete Tschudi
chron. Helv. 2, 351 (
neben gunneti
ebda 2, 221). —
mhd. vereinzelt assimilation des -nd-
zu -nn-
in sie gunnen Ottokar
reimchron. 25 895
anm. v. 17; (
er) engunne 85 944. —
singuläres gande
s. u. 8. 66)
das part. prät. ist vormhd. nicht belegt (
zu dem unsicheren glossenbeleg erbunnen
vgl. Franck
altfrk. gr. § 209, 3).
das mhd. scheint zunächst (
s. Lachmann
anmerk. z. d. Nibel. 279)
die starke form zu bilden (
mit stammvokal -o-
als gegonnen
bei Veldeke
Eneide 1078; 2194; 3601; 4161
B. wohl unter nfrk. einflusz, sonst gegunnen
Nibelungenl. 1811, 4
L.; Konrad v. Würzburg
troj. kr. 21 669),
noch im 13.
jh. aber daneben, wie entsprechend auch bei anderen präterito-präsentien, schw. gegunnet
Nibelungenl. hs. c 5413
Laszberg (= 96, 2, 2
Zarncke), Mone
s zeitschr. 7, 318.
gerade die frühe bezeugung weist überall doppelpräfix auf, weil das präfix in g-unnen
als solches nicht mehr gefühlt wurde. dasz ein vereinzeltes, scheinbar '
richtig' (
so zs. f. dt. wortf. 1, 298)
gebildetes geunet (
Mainz 1452)
städtechr. 17, 303 (
vgl. auch singuläres gegeünnet [1522]
in: zs. f. dt. wortf. 1, 298)
den ursprünglich vorauszusetzenden stand wiederherstellt, erscheint um so fraglicher, als im gleichen satz auch die form gegunt
erscheint. die spät- und nachmhd. formentwicklung bietet folgendes bild (
ohne besondere berücksichtigung des stammvokals, dessen wechsel im ganzen den verhältnissen der präs.-formen entspricht, der aber das gleiche zähe festhalten der -u-
formen wie beim ind. prät. erkennen läszt): 6@aa)
das st. part. scheint sich, nach ausweis der greifbaren literarischen belege, bereits seit dem 14.
jh. durchaus auf schweizer. boden zurückzuziehen, wo es neben selteneren schw. formen im 16.
und 17.
jh. reich, vereinzelt auch jünger noch bezeugt ist. zuerst vornehmlich ohne vorgesetztes ge-
als gunnen, gönnen,
vgl. die nachweise aus dem 15.-16.
jh. bei Weinhold
al. gr. § 380
und im schweiz. id. 2, 332
f., wo es als gunnen
noch für das jahr 1666
bezeugt ist, während die doppelt präfigierten formen gegunnen
N. Manuel 235
Bächtold, Tschudi
chron. Helv. 1, 130
und gegonnen Kessler in:
schweiz. id. 2, 332 (1644), (1770)
ebda 333
vornehmlich der jüngeren bezeugungsschicht angehören und ein g'gonne
n ebda 332
noch heute in teilen des schweizer. gilt (
s. auch unt. 9). 6@bb)
das in allen varianten des stammvokals begegnende schw. part. gilt seit dem spätmhd. für das gesamte übrige sprachgebiet literarisch anscheinend ausnahmslos. früh schon und bis zur wende des 16.-17.
jhs. auch in formen ohne vorgesetztes ge-,
so gunt Ottokar
reimchron. 59 168; Schiller-Lübben 2, 166; Sandrub
kurzweil 10
ndr., günnet (1516)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft 117; Murner
dt. schr. 1, 2, 63, gindt (
entrundet)
ebda 2, 299, gon(n)t (
Braunschw. 1488)
städtechr. 16, 111; Schaidenreisser
Odyssea (1537) 40
und als gönnet
einmal bei Luther 52, 238
W. häufiger jedoch sind die doppelt präfigierten formen: gegun(n)(e)t (
Wien 1395)
bei Stolz
deutscht. in Südtirol 2, 242; (15.
jh.)
Straszb. zunft- u. polizeiverordn. 105
Brucker; Boner
Herodot (1535) 83
a; Murner
dt. schr. 9, 125; (1673)
in: schweiz. id. 2, 332, gegün(n)(e)t (
Straszb. um 1400)
städtechr. 9, 587; 677; (
Nürnberg 1401)
ebda 1, 199; Zwingli
dt. schr. 1, 92
Sch.-Sch.; Luther 18, 29
W.; Wickram
w. 4, 234
B.; Logau
sinnged. (1654) 2, 35, geginnet (
entrundet) Murner
kl. schr. 8, 28
Pfeiffer-Belli, gegon(n)(e)t (
Braunschw. 1514)
städtechron. 16, 370; Fischart
Garg. 96
ndr.; Spangenberg-Fröreisen
gr. dram. 1, 255
Dähnhardt, nach zs. f. dt. wortf. 1, 298
noch bei Olearius
reisebeschr., endlich das heute gültige gegön(n)(e)t
N. v. Wyle
translat. 64
Keller; Amadis 359
Keller; Luther 47, 606
W.; tischr. 4, 188
W. —
das in den präs.-formen nicht seltene -d-
infix dringt vereinzelt ins part. prät. ein: gegündet
mon. Zoller. 1, 585; gegundet (1510)
bei Fischer
schwäb. 2, 749. —
zur partizipialform gegant
s. u. 8. 77)
im formbereich des prät. begegnet gelegentlich eingeschobenes -s-
wie regelmäszig in der 2.
sg. präs. ind. (
s. ob. 2
und die dort verzeichnete literatur)
sowie in konsta
O. und bigunsta
Is.: (
er) gionsta Otfrid III 22, 29; (
sie) gionsti (
konj.)
ebda V 25, 101,
var. hs. F: gunsti;
jünger anscheinend vornehmlich md.: sie gunsten (1520)
archiv f. ref.-gesch. 1, 79; Luther 23, 582
W.; gegunst
bei Lexer 1, 1119;
bei Knauth
stifftskloster Alten-Zella 8 (1722) 85; gegonst
bei Weinhold
mhd. gr. § 412. 88)
anomalien. auszerhalb des alten sg. präs. ind. (
s. ob. 1)
zeigen ein -a-
im stamm auch andere ältere formen, die, zeitlich und regional verstreut, kaum in gegenseitige beziehung zu bringen sind. offenbar unorganisch ist der imper. gan (:man)
bei meister Altswert 69, 13 (
neben gun
ebda 112, 11; günn 112, 27).
ein (
er) gane (
konj. präs.) (:ane) Folz
meisterl. 15
Mayer ist durch reimzwang kaum, eher durch einflusz des präs. gan
zu erklären wie wohl auch ein gedehntes (
er) gahn (
konj. präs.) Luther 7, 5, 2
W. neben indikativ. ich gahn 7, 6, 20
W. des gleichen Wittenberger druckes v. j. 1520
und ein md. konj. prät. gande (1402)
cod. dipl. Sax. II 6, 64
neben salde
ebda. ein im schweizer. bezeugter ind. prät. (
er) gan (:man) (1549) Aal
trag. Joh. d. täuf. 4208
ndr. mag in analogie zu dem ganz unverwandten st. vb. beginnen
gebildet sein, das ja seinerseits auch ein schw. prät. begunde
entwickelte. dies prät. gan
steht zu singulär, als dasz es berechtigte, das im schweizer. des 15.-17.
jhs. häufig bezeugte st. part. gunnen
auf ein st. vb. ginnen
zurückzuführen. eher deuten auf die möglichkeit solchen ansatzes ostdt. formen des 17. u. 18. jhs. wie ein (
er) ganne (: [
sie] sanne)
des Leipzigers M. Schirmer
eigentl. abrisz (1648) 48,
ein er gann
in: etw. üb. d. leiden d. jungen Werthers (
in einem Leipz. sammelbd. 1775) 21,
vgl. dazu den ansatz ich ginne,
prät. ich gann
bei Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 618.
ein schw. part. prät. gegant
ist nur mnd. belegbar: geganth (
urkundl. 1503)
bei Pratje
d. herzogthüm. Bremen u. Verden 5 (1757) 429;
vgl. 431;
der nachweis in brem.-nds. wb. 2, 557
aus einem lat. glossar erscheint unsicher. bei A. Lasch
mnd. gr. § 442, 2 (ge)gant
als nebenform neben (ge)gunt
ohne nachweis. 99)
in den heutigen mundarten ist der formenbestand des wortes kaum minder verwirrend als in der älteren schriftsprachlichen überlieferung, bei aer ohnehin mit mundartlichen einflüssen zu rechnen sein wird. das betrifft vor allem den wechsel des stammvokals, doch ist auch hier das bild im einzelnen keineswegs eindeutig. im allgemeinen zeigen das obd. und teile des rhfrk. vorwiegend die unumgelautete -u-
form gunnen,
das nd. umgelautetes günnen,
während das omd. entrundetes ginnen
zu bevorzugen scheint. wenig eindeutig ist die verteilung der -o-
formen, die namentlich mfrk., nfrk. und schwäb. (
im norden),
neben -u-
formen auch schweizer. und rhfrk. begegnen. bei den vor allem ripuar. und moselfrk., aber in nebenformen vielfach auch sonst bezeugten -ö-
und (
entrundet) -e-
formen ist schwer zu entscheiden, wieweit jüngere anpassung an die schriftsprachlich gültig gewordene form vorliegt. —
im mundartlich häufig präfixlosen part. prät. sind starke bildungen, wie sie literarisch für das ältere nhd. im schweizer. bezeugt sind (
s. ob. 6a),
gelegentlich auch sonst möglich, so im angrenzenden elsäss., aber auch im fries. und samländ. —
im einzelnen und für die nachweise sind überall die maa.-wbb. zu vergleichen. bedeutung und gebrauch. die grundbedeutung des wortes ist mit '
zugestehen, tribuere'
am besten zu fassen. gönnen
ist die handlung einer person aus machtvollkommenheit, rechtsbefugnis, gerechtigkeitsgefühl oder freundschaftlichem wohlwollen heraus, gerichtet auf eine andere person (
dativobjekt).
der gegenstand des gönnens (
akkusativobjekt)
ist ein gut, das für den anderen wertvoll ist und das ihm durch ein gönnen
äuszerlich '
zugeeignet' (I)
oder nur innerlich '
zugestanden' (II)
wird. von der episodischen verwendung in der form jemandem gönnen '
jemandem wohlgesinnt sein'
abgesehen (
s. u. IV),
hat sich diese grundstruktur und grundbedeutung des wortes seit seinem ersten auftreten in der ahd. literatur durch die jahrhunderte hindurch bis zur gegenwart unverändert gehalten. bedeutungsmäszig freilich überwiegt in den ersten jahrhunderten jener gebrauch, in dem gönnen
die nach auszen wirksame zueignung miteinschlieszt. die einschränkung der bedeutung auf die rein innere stellungnahme und zubilligung geht vom verneinten gebrauch aus (nicht gönnen).
sie ist zuerst bei Notker
belegt (II A 1 b
α; II A 1 b
δ).
positiv gewendet finden wir sie erst im mhd. seit dem spätmittelalter und der reformationszeit wird gönnen
dann immer häufiger auf die innere zubilligung beschränkt. seit dem 19.
jh. ist die äuszere zueignung nur noch in bestimmten festen wendungen in die bedeutung einbeschlossen (
vgl. z. b. III B 1 c
α ββ).
von einem eigentlichen bedeutungswandel kann man nach den schriftlichen zeugnissen daher nicht sprechen, eher von einer gewichtsverlagerung aus dem '
äuszeren'
ins '
innere'
moment, genauer gesagt von einer einengung auf das '
innere'
moment, das ja auch in der neuzeitlich ungebräuchlich gewordenen verwendung als '
äuszere'
zueignung immer vorhanden ist. das substantiv, das den gegenstand des gönnens
bezeichnet, steht vornhd. im genitiv. sichere beispiele für den später gültigen akkusativ begegnen seit dem 14.
jh.: Hadlaub in:
minnes. 2, 285
a v. d. Hagen; Tauler 76, 24
V.; (
Straszburg 1362)
städtechr. 8, 47; Wernher
Marienl. 2, 12
P.-H.; (
Straszburg um 1400)
städtechr. 9, 817.
von den bei Lexer 1, 1119
gegebenen nachweisen für das 12.
und 13.
jh. ist der beleg aus genesis 41, 9
Diemer falsch, derjenige aus Albrecht v. Halberstadt 10, 304
als erschlossener text unsicher, der akkusativ mîne minne
troj. kr. 21 797
möglicherweise jüngerer handschriftlicher stand, und nur der im reim stehende akkusativ heil (:teil)
bei Heinrich v.
d. Türlin
krone 10 889
darf eine gewisse, durch die hss. freilich eingeschränkte wahrscheinlichkeit beanspruchen. bereits im 15.
jh. scheint der gebrauch des akkusativs demjenigen des genitivs die waage zu halten, im 16.
jh. überwiegt er deutlich, bei Luther
schon so sehr, dasz die wenigen fälle genitivischen gebrauchs (
so 15, 339
W.; 24, 462; 30, 2, 145; 30, 3, 219)
als ausnahmen zu gelten haben. ein später fall für genitivobjekt noch im beginnenden 17.
jh.: (
sie) günt ... ihr ... der ehren (1607) W. Spangenberg
ausgew. dicht. 90
Martin. bei Zinkgref
dt. apophthegm. (1653) 1, 58: dasz mir gott der ehren gann
handelt es sich nicht um einen echten spätfall, sondern um die zitierung einer sentenz des 16.
jhs. (
s. ob. herkunft u. form unter 1).
oft wird als gegenstand des gönnens
nicht ein durch ein substantiv bezeichnetes gut genannt, sondern ein sachverhalt, ein vorgang oder eine handlung, ausgedrückt durch einen abhängigen infinitiv mit zu
oder durch einen objektsatz mit dasz.
auch dieser sachverhalt kann dem anderen als ein gut zuteil werden (I A 3 e; I A 3 f);
häufiger aber wird ihm nur das recht, die erlaubnis zuerkannt, eine handlung auszuführen (IB);
oder man ist innerlich mit einem dem anderen begegnenden vorgang bzw. mit seiner handlungsweise einverstanden (II A 1 a
δ; II A 1 a
ε; II A 1 b
δ; II B 1 c).
die reiche verwendung des wortes in der gesprochenen und geschriebenen sprache hat zu vielen besonderheiten des gebrauchs geführt (III):
zu festen verbindungen mit bestimmten objekten, adverbialen bestimmungen und andern verben (III A);
aber auch zu veränderungen der grundstruktur jemandem etwas gönnen
durch einfügung eines akkusativs der person (III B 1 a)
oder eines dativs der sache (III B 1 b),
durch den reflexiven gebrauch (III B 1 c),
durch passivische konstruktionen (III B 2),
durch ellipse eines oder beider objekte (III C)
und durch den seltenen absoluten gebrauch des wortes (III D).
für sich steht eine zwar deutlich zu verfolgende, aber auf älteren und nicht sehr häufigen gebrauch beschränkte intransitive verwendung des wortes mit persönlichem dativobjekt in der bedeutung '
jemandem wohlwollen, günstig gesinnt, geneigt sein' (IV). II.
jmd. etwas durch persönliche einflusznahme gern —
aus gnade, recht oder billigkeit —
zuteil werden lassen, zusprechen, zugestehen, ihn mit etwas auszeichnen, begünstigen. das kann sich auf ein gut oder einen sachverhalt beziehen, dessen besitz oder nutznieszung man dem andern zuspricht (A),
oder lediglich auf die erlaubnis, die man jmd. erteilt, etwas auszuführen oder in anspruch zu nehmen (B). I@AA.
jmd. etwas handelnd oder gewährend zusprechen, zugestehen, zukommen lassen, in der überzeugung, dasz der betreffende es verdient habe: gunnen
verleihen, largiri, concedere Dentzler
clav. ling. lat. (1716) 142
b;
concedere ex favore brem.-niedersächs. wb. 2 (1767) 557.
je nach der art des gegenstandes, der gegönnt
wird, ergeben sich feinere unterschiede der wortbedeutung. I@A@11)
gegenstand des gönnens
ist etwas reales, das man selbst besitzt oder über das man verfügt und das man nun dem andern zum besitz oder zur nutznieszung zuspricht, zukommen läszt, überreicht, schenkt, dessen besitz damit also wechselt. I@A@1@aa)
ein gut allgemein. in älterer zeit erscheinen vor allem gott oder höhere mächte als die gönnenden.
der besitzwechsel wird hier nicht so deutlich, da ja gott der gegönnten güter mächtig bleibt: thes fáter min mir giónsta, theist álles guates fúrista (
pater meus quod dedit mihi, majus omnibus est Joh. 10, 29) Otfrid III 22, 29; (
Fortuna beweist) mit tien defensionibus ... daz si imo des sines nieht nehabe infuoret unde si iro guotes muosi imo unnen, so lango si uuolti Notker 1, 99, 4
P.; uuaz mahti danne dero gebon iomer iuuer uuerden, ube si (
sc. Fortuna) iro (
gebono) iu neondi
ebda 88, 18.
auch später: den ehret billich jederman, dem gott viel guter gaben gan Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) N 2
a; (
Venus sagt:) darumb wer liebt der ehre tugend, so sieget er mit mier: ich siege mit der muntern jugend, und gönn ihr meine zier Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 132; in symbolischer und mythischer form hat uns das schicksal durch glaubhafte zeugen ... manche dogmen dieser orphischen religion gegönnt Creuzer
symbolik u. mythol. (1810) 1, 210.
der mensch als gönnender,
erst seit dem 16.
jh. belegt: (
der küersner) wer mir thuet seines geltes ginnen, der sol mich alzeit willig finnen
Hans Sachs 23, 286
lit. ver.; er (
ein reicher) gönnet seinen überflusz denen handwerkern und arbeitsleuten; er hat eine freude, ihnen etwas verdienen zu lassen v. Loen
ges. kl. schr. (1749) 1, 17.
tiere oder dinge werden personhaft als gönnende
vorgestellt: das schaff die woll dem herren gOent, wenns nur die haut behalten kOend Petri
d. Teutschen weiszheit (1605) m 6
a.
selten aber geistige gröszen: und der allgemeine, philosophische, menschenfreundliche ton unsres jahrhunderts gönnet jeder entfernten nation, jedem ältesten zeitalter der welt, an tugend und glückseligkeit so gern unser eigen ideal? Herder 5, 511
S. bei der verneinung liegt der ton mehr auf der inneren einstellung, aber die äuszere konsequenz des '
nichtgewährens'
ist oft damit verbunden: dis stuck des sacraments (
den kelch) haben sie alleyn für sich behalten, und uns leyen nicht gegünnet, wie wol doch der text sagt 'trinckt alle draus' Luther 18, 29
W.; vnd ein recht mammons diener war, der nur versorget seinen mundt vnd andern leuten nichtes gundt Ringwaldt
christl. warnung (1588) F 4
a; von einem vertrunckenen weib, die jhrem manne kein trunck gnnete (
überschrift) Sandrub
hist. und poet. kurzweil 78
ndr.; was ich lieb' und was ich bitte, gönnen mir die menschen nicht Mörike
w. 1, 272
Maync. I@A@1@bb)
gegenstand des gönnens
ist ein erbe, das einem nachfolger zugesprochen, zugestanden wird (
besonders im 14.-16.
jh.): si sprâchen: 'herr, uns dûht gefüege, sît ir niht habt kint, die iwer næhste erben sint, daz ir den gunnet iwers guotes' Ottokar
reimchron. 22 006
Seem.; ob aber der egenant herczog zu Österreich ... an leibpleich erben abgient, so süllen si freihait haben, das si des selben herczogtum mügen günnen, wem si wellen Andreas v. Regensburg
s. w. 634
Leidinger; (
Saul hat nicht nur zusehen müssen, wie) alles volck ihme dem David vorgezogen und lobgesäng gemacht, sondern deme auch das königreich gönnen, und sich endlich selbsten entleiben müssen Londorp
acta publica 1 (1668) 224
b.
wohl mit bedeutungseinschlag von II
her: und als er kam zu sterben, zählt er seine städt im reich, gönnt alles seinem erben, den becher nicht zugleich Göthe I 14, 136
W. I@A@1@cc)
gegenstand des gönnens
ist ein geistiges oder künstlerisches erzeugnis, das man einem andern, einer gemeinschaft oder der welt schlechthin zuteil werden läszt; nur in jüngerem gebrauch: so gOenn uns noch einmal ein lied von deinen hAenden Neukirch
ged. (1744) 227; sie haben sich lezthin beklagt, dass ich ihnen keine feder voll tinte für alle ihre mühe gönnte (1786) Caroline 1, 32
Waitz; denn wie schlau sich der schreiber (
Freytag selber), als er die artikel dem publicum zuerst gönnte, auch vorgekommen sein mag (1886) G. Freytag
br. a. s. gattin (1912) 39; (
bitte an die nachtigall:) komm, gOenn' uns deine lieder, mit all' der süszen zauberey R.
Z. Becker
Mildheim. liederb. (1799) 23. I@A@22)
der gegenstand des gönnens
gehört zum äuszeren oder inneren besitz des gönnenden.
er wird dem andern nur zur nutznieszung zugänglich gemacht, eingeräumt, zugestanden. I@A@2@aa)
im eigentlichen sinne von äuszeren gütern, die dem andern zu voller nutznieszung oder zum teilhaben an der nutznieszung überlassen werden: (
die Juden gegenüber Jesus:) sie mo ínnouuo ni óndun joh sélidôno irbóndun Otfrid IV 4, 70 (ir-b-unnan
als genau gegensinnige '
verweigerung der nutznieszung'
vgl. ebda V 21, 7); ein scheur, ein stall wer unss für guet, wies man den armen gunen thuet
Endinger judenspiel 36
ndr.; vast weit her kum geflogen ich, und brist mir herberg und gemach. die gün mir unter deinem tach Wickram
w. 7, 198
Bolte; dem wegmüden gast gönne hold des hauses herd R. Wagner
ges. schr. u. dicht. (1897) 6, 100; um die verlassenen hütten nicht den Germanen zu gönnen ..., hatten die Helvetier ihre städte ... niedergebrannt Mommsen
röm. gesch. 3 (1866) 237; nehmt nochmals meinen dank, liebe leute, dass ihr dem alten mann mit seinen söhnen eine zuflucht und ein obdach gönnen wolltet Bauernfeld
ges. schr. (1871) 6, 41; o heller tag, o liebe sonn, sprachen sie, nun dein schein vns gonn, zeig vns dein liechtes rotes haupt des vns hast dise nacht beraubt Fischart
glückh. schiff 8
ndr.; seinen schatten hat er (
der baum) denen gegönnt, die kommen und kommen werden, um an seinem majestätischen thron zu ruhen (
il a prêté son ombre à ceux qui ...) Göthe I 45, 18
W. I@A@2@bb)
gegenstand des gönnens
sind leib oder herz des gönnenden,
an denen man dem andern aus zuneigung oder hingabe anteil gewährt. neben gönnen
ist hier unter leichter verschiebung des sinnes das wort schenken
gebräuchlich (
vgl. auch in demselben sinne die reflexive wendung sich jmd. gönnen
unt. III B 1 c
β): (
Laudine sagt über Iwein:) mirn tete daz weter nie sô wê ichn woltez hân geliten ê danne ich ze langer stunde mînes lîbes gunde deheinem sô gemuoten man der nie kein ahte ûf mich gewan Hartmann v. Aue
Iwein 8086; in nyemandt find ich ruo dann allain in dir (
gott), nyemand günn ich mein hertz basz dann dir herr Keisersberg
granatapfel (1510) a 3
c.
meist in erotischer hinsicht, als liebesversprechen oder liebesgewährung: kum, liebster man! meins leibs ich dir wol gan an abelan Oswald v. Wolkenstein 73, 2
Schatz; du willst nun endlich meine wünsche krönen, du gönnst dem jüngling deinen süszen leib, willst nicht mehr fürstin sein, nur liebend weib! Tieck
schr. (1828) 1, 66; dasz sie (
die geliebte) mir nicht manches stündchen ... gönn' ihr zartes wollen-mündchen sonder schelten und gefahr Schwieger
geharnschte Venus 129
ndr.; die gemahlin Belsazars, Nitokris, hat sein (
Darius') herz gerührt, er brennt für sie mit der stärksten leidenschaft und fürchtet, dasz sie dem mörder ihres gemahles ihr herz und ihre hand nie gönnen werde Göthe I 51, 242
W. I@A@2@cc)
gegenstand des gönnens
sind die der gegenseitigen menschlichen verständigung dienenden sinnesorgane bzw. deren funktion (
seit dem 16.
jh.).
für die bedeutung ergeben sich nuancen, insofern ohr
und gehör
mehr zur nutznieszung '
zugestanden, eingeräumt, überlassen'
werden (
vgl. I A 2 a
und b),
während bei auge, blick, mund, wort
der gesichtspunkt der zuneigung mehr hervortritt. I@A@2@c@aα) ohr, gehör gönnen: dieweil sy sollichen schandtlichn lugen meülern der oren günnendt Phil. Regius
von lutherischen wunderzaychenn (1524) A 3
a; gönne (
gott) mir dein ohr, lasz mein gebet vor dir erscheinen und mich nicht so vergebens weinen Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 484; der schmakkhafte gönnet ihm ein sehr wohlgeneigtes ohr Neumark
fortgepfl. lustw. (1657) ):( ):( ):( 3
a (
ehrenverse); der beweis, dasz sie den deutschen musen manchmal auch noch ein ohr gönnen, hat mich als einen, der nichts anders als deutsch seyn kann, herzlich gefreut Göthe IV 18, 73
W.; er wird (
der kaiser), wie ich vermein, dir stracks verhöre (
gehör) gönnen Gryphius
trauersp. 29, 252
lit. ver.; laszen sie sich diese nachricht nicht bestürzen, liebste freundin, und gönnen sie mir ein ruhiges gehör (1783) Schiller
br. 1, 104
Jonas. I@A@2@c@bβ) augen, blick gönnen,
meist verneint in der umschreibung von abneigung, grimm, hasz, hochmut; häufig in den wörterbüchern des 16./17.
jhs.: einem der augen nit gunnen, gsicht von einem abwenden
hominem oculis fugere J. Maaler
teutsch spr. (1561) 198
c; Frisius
dict. (1556) 312
a;
ebda 1379
a; Corvinus
fons lat. (1646) 959; Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 138; das ist ein euserlich zeichen irae, das man eim sauer sihet, gunt yhm nicht die oculos Luther 27, 265, 10
W.; seindt so verbittert und foll neid, das sy mir nicht der augen günnen Thurneysser
archidoxa (1575) 69; derowegen wird der hochgeehrte und rein affectionirte leser ... diesem buche ... dennoch seine gemths augen ein wenig gOennen Riemer
polit. maulaffe (1679)
vorr.; er (
eine aufgeblasene mannsperson) ginge so richt vnd strack als ein boltz ... sahe saur vnnd gOennete keinem wohl das gesicht Moscherosch
gesichte (1646) 56; dein angesicht wolstu (
gott) mir gönnen Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 483; sie schweigen, Mellefont? sie gönnen der unschuldigen keinen blick? Lessing 2, 289
L.-M.; Eros zog weiter, ohne Ginnistan, die auf ihn zueilte, einen zärtlichen blick zu gönnen Novalis
schr. 4, 200
Minor; niemand, weder mann noch frau, gönnte Grazia einen blick Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 139. I@A@2@c@gγ) mund gönnen (
anders s. u. I B 2 c
γ): drumb wil der herr auch sagen: was fraget ihr mich? unnd wil den mundt ihnen (
den fragenden pharisäern) nicht gonnen, wendet ihn anders wohin unnd wil sie auch nicht ahnsehen noch ihnen antwortten Luther 33, 498
W.; der jenigen sauertöpffe und störrigen maulfrancken, die für ihrem nächsten fürübergehen, und ihme den mund nicht mögen gönnen Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 438; scheen worsch awer net von der, dasz de mer desz maul net emol gegunnt host =
keine ansprache gegönnt hast (1830)
bei Askenasy
Frankf. ma. 28; Bauer-Collitz 72
a; Jer. Gotthelf
erlebn. e. schuldenbauers (1854) 186;
ebda 237.
jemandem ein wort
oder worte gönnen
ist erst seit etwa 1800
bezeugt, sehr oft bei Grillparzer: und der bruder ... gönnt dem vater
vorher das wort, eh' er der witwe seine anträge macht J. J. Engel
s. schr. 12 (1806) 313; und so komm her und gönn uns nur ein wort Grillparzer
s. w. 7, 39
Sauer; sie liebt ihn nicht! und doch geht jedes wort, das sie ihm gönnt, wie neid und hasz durch meine trübe seele
ebda 8, 93; 6, 81; 4, 160; des tages wuszte er sich nicht zu erinnern, an dem der 'wohlthäter' ihm ein gutes wort gegönnt ... hätte
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 10.
diesen wendungen nahestehend: bis ihr mich anhört und mir antwort gönnt Grillparzer
s. w. 6, 75
Sauer; sie redeten alle mit jenem besonderen ton von ihm, den sie nur den übergeordneten gönnten, den führenden Aug. Supper
auf alten wegen (1928) 23. I@A@2@dd)
gegenstand des gönnens
sind innere güter des gönnenden,
seine haltung oder innere einstellung im hinblick auf einen andern menschen. I@A@2@d@aα)
in mhd. zeit güter, die durch gott uns zuteil werden, für uns und in uns wirksam werden; vgl. die naheliegenden und doch anders gearteten fälle unter I A 1 a: vater, du hâst veterlîchen mir gerâten als ein wîser man. ich wil vil gerne volgen dir, ob mir got sîner helfe gan, der alliu dinc volenden kan der Winsbeke
v. 57, 4
Leitzmann; wem got dâ des heiles gan Ottokar
reimchron. 15015
Seem.; aber wissest: ob dir got der gnaden gan das dir rúwe wirt an dinem ende Tauler
pred. 138, 17
Vetter. andere mächte als gönnende: die da ze hove der gabe pflegent (
Apollo und die Musen), ir genade teilent unde wegent, als si ir der werlde gunnen, die gebent ir sinne brunnen so vollecliche manegem man Gottfried v. Straszburg
Tristan 4875
Ranke; später: der on snde war geborn, truog fr vns gottes zorn, hat vns versOenet, das vns got der herr sein hlde gnnet
bei Wackernagel
dt. kirchenlied 3, 11
a; wende von mir den falschen weg, vnd gOenne mir dein gesetze (
var.: vnd gnade mir dein gesetz)
ps. 119, 29.
modern selten: horch, das ist kein grusz, den die natur dem wanderer gönnt, sagte er lauschend G. Freytag
ges. w. (1886) 6, 47. I@A@2@d@bβ)
auch der mensch in diesem sinne als gönnender: (
Helena zu Paris) und wæret ir geswinde komen ... ich hæte iu mîne minne wol für tüsent man gegunnen Konrad v. Würzburg
troj. kr. 21797; (
das mädchen zum liebhaber) ich danck dir vast du werder gast der trewen dein die du mir gunst von hertzen Forster
frische teutsche liedlein 116
ndr.; das wirt er für ein freundtschafft haben, vnd sich mit lust daruon erlaben, das du ... ... jm souil freundtschafft thuost günnen Scheit
Grobianus v. 798
ndr.; ich bitte euch mir ferner eure gewogenheit zu gönnen
je vous prie de vouloir bien me continuer vos bonnes graces Schwan
nouv. dict. (1783) 778 (
vgl. vorher im nouv. dict. [
Straszb. 1774,
ohne verf.]
und Mozin-Biber
dt.-frz. wb. [1823] 424
dasselbe beispiel mit der bedeutungsangabe: mitteilen, widerfahren lassen); wer die menschen prüft, ehe er ihnen sein ... zutrauen gönnt, wird nicht zu klagen haben
allg. dt. bibl. anh. z. bd. 53-86 (1771) 2021; wenn du ... miszbrauchtest das vertraun, das mensch dem menschen gönnt, mit lügen meinen Atalus befreitest Grillparzer
s. w. 8, 21
Sauer; gönnet immer fort und fort Bakis eure gnade: des propheten tiefstes wort oft ist's nur charade Göthe I 3, 268
W.; (
der neue Amadis zu den mädchen:) willfahret jedem, gönnet eure gunst dem ersten besten haushahn auf zwey beinen Lenz
ged. 101
Weinhold; (
Arbaces:) du würdest uns gewisz ein starkes mitleid gönnen Hafner
ges. schr. (1812) 2, 26; Börne
ges. schr. (1829) 2, 130; jeder mann schlug den weg dazu ein, der ihm durch den mann, dem er am meisten beifall gönnte, vorgezeichnet war Jung-Stilling
s. schr. (1835) 6, 38; gönnen sie mir nur für ein paar minuten ihre aufmerksamkeit J. v. Müller
s. w. (1810) 8, 251.
in verwandter anwendung: sie werden doch nicht abgeschreckt seyn, mir ihre gesellschaft zu gönnen Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 4, 38
lit.-denkm.; indem er ihn zugleich mit freundlicher höflichkeit ersuchte, ihm ... seinen besuch zu gönnen Tieck
schr. (1828) 19, 446; wenn ich alle nennete, die mir gemeinschaft unbeschadet schon gegönnt Droysen
Äschylus (
21842) 174.
vereinzelt mit sachlichem dativobjekt in der stellvertretung eines persönlichen (
s. dazu im übrigen III B 1 b): ich gönne der tapferkeit deines sohnes die gebührende achtung
neue samml. v. schausp. (1764) 1
Samson 23.
in dichterischer sprache erscheint die innere einstellung selbst als gönnende: ich kann unmöglich wieder gehn, ich musz euch noch mein stammbuch überreichen. gönn' eure gunst mir dieses zeichen! Göthe I 14, 95
W. (
s. auch Shakespeare unt. γ). I@A@2@d@gγ)
in poetischer sprache wird gelegentlich auch eine negative, ablehnende innere einstellung zum inhalt des gönnens: ein andrer würd es wünschen können, ich aber bin nicht aufgelegt, den feinden meinen zorn zu gönnen J. Chr. Günther
s. w. 1, 173
Krämer; hör, Romeo! der hasz, den ich dir schwor, gönnt diesen grusz dir nur: du bist ein schurke!
Shakespeare 1 (1797) 84. I@A@33)
in anderer anwendung drückt das objekt aus, was dem andern durch mein handeln an wert, vor allem an geistigseelischem wert, erwächst. I@A@3@aa)
im bereich der ehre, des ansehens, der geltung. I@A@3@a@aα)
speziell ehre gönnen,
meist von einer bestimmten, durch den zusammenhang näher bezeichneten ehre. mit gott als subjekt: alsô solt noch geschehen einem biderben man: swie vil dem got êren gan, der sol er sich dunken wert Ottokar
reimchron. 42 224
Seem.; er (
der teufel) vexirt allein mit kleinen boslein. gott gonnet im die ehr nicht, das er vns mit rechten sunden plagen solt Luther
tischr. 1, 555
W.; wie dan auch kaiser Sigmunds reim gewesen ist: ich pin nichts mêr dan ein ander man, dan das mir got der êren gan Aventin
s. w. 4, 370
bayer. akad.; J. W. Zinkgref
dt. apophthegmata (1653) 1, 58.
andere mächte als gönnende: (
in diesem land regierte die königin Tyro,) welcher der Neptunus als seiner bulschafft nach jhrem abscheid diese ehr vnd herligkeit gegünnet Rollenhagen
indian. reysen (1603) 112.
in zwischenmenschlichen beziehungen: ich hab euch (
Karlstadt) ja zu Leyptzig gestrafft, do ir so hochmütig waret unnd woltet vor mir disputirn, nue ich gonnet euch der eren und liesz geschehen Luther 15, 339
W.; wenn er (
ein fremder kavalier) mir die ehre gönnen wolte, und ein wenig bey mir einsprechen, solte mirs von hertzen lieb seyn Chr. Reuter
d. ehrl. frau 21
ndr.; ja, sie trieb endlich ihre gefälligkeit so hoch, dasz sie ihn ersuchte ihr zu mittage die ehre seiner gesellschaft zu gönnen
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 253
Gottsched; ihre frau schwester, welche mir die ehre ihrer freundschaft gönnt Rabener
s. schr. (1777) 3, 199; gönnen sie mir die ehre ihres besuches, das glück ihrer freundschaft
faites-moi l'honneur de venir me voir, honorez-moi de votre amitié (
unter der bedeutungsangabe: mittheilen, widerfahren lassen) Mozin-Biber
vollst. dt.-frz. wb. (1823) 424. I@A@3@a@bβ)
von anderen werten des ansehens: dasz er mir rache gönnet, und zwinget unter mich die völcker weit und breit Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 720; es ist nit vngewissers, dann wem die gOett des siegs in streiten gunden Carbach
Livius (1551) 191
b; ir woltent mir vor nüt ein wenig gewaltes günnen (
Straszb. um 1400)
städtechron. 8, 332; dahero ich dem pferd, als einem adelichen thier, billich den vorgang gegOennet Hohberg
georg. cur. (1682) 2,
vorr. a 5
a; den vorzug gönnen Ziegler
asiat. Banise (1689) 87; scheinherrschaft doch wolle dem hausherrn gönnen die hausfrau J. H. Voss
Luise (1827) 1, 147; den triumph ..., den oberfeldherrn Roms als gefangenen Roms zur schau zu stellen, gönnte er einem solchen feinde nicht Mommsen
röm. gesch. (1865) 2, 55. I@A@3@bb) recht, erlaubnis, befugnis
u. ä. gönnen: (
die boten Kriemhilds wollen zurück ins Hunnenland) sie gerten tägelîche urloubes von dan. des engonde in niht Hagene: daz was durch liste getân
Nibelungenlied 1479, 4
B.; wir setczen: alle perkleute, di unser mechtikeit czu richten hat, das si halten unser gebot dicz rechten, das sie erberlich leben sullen, keiner den andern schedigen und idemmanne seines rechten gunnen (
lat. vorlage: jus suum unicuique tribuere. eine spätere dt. version hat: ... und einem jeglichen thun und beweisen, was billich, gleich und recht ist)
qu. a. d. 14.
jh. bei Zycha
böhm. bergrecht d. mittelalt. 2 (1900) 43 (
vgl. dieselbe wendung anders unter I B 2a); (
Drusus) wolte auch dem Vasaces keinen fernern verschub gOennen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 44; (
ich ging mit einigen herren auf dem wall spazieren) und hatte se. excellence der herr general Röbel die gnade vor mich gehabt, mir nicht nur die permission dahin zu gehen auff beständig zu gönnen, sondern auch mit gewehrpräsentiren serviren zu laszen Zinzendorf
tageb. (1717)
in: zs. f. brüdergesch. 4 (1910) 40; (
Lothario:) ich sehe aber auch, dasz andere befugnisse mir zwar vortheilhaft, aber nicht ganz unentbehrlich sind, so dasz ich davon meinen leuten auch was gönnen kann Göthe I 23, 19
W. von hier aus mit konkretisiertem objekt: die juden ..., den dan wol billichen genug sin solte, dass man in handlung gönnete
cod. jur. munic. Germ. 1 (1863) 89
b Gengler; e.
f. durchl. wolle gnädigst geruhen, mir das verledigte pfarrdienst zu NN. vor andern zu gönnen Weise
erznarren 185
ndr. I@A@3@cc)
von seelischen werten. im mhd. auch von negativ gefüllten: (
klage über den toten Vivianz) 'ouwê,' sprach er Vivîans, waz du nu stæter sorgen gans Gyburge der künegîn Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 62, 24; waz weiz mir got, daz er mir swære gunde
minnesinger 2, 62
v. d. Hagen. sonst durchweg von erfreulichen gemütswerten, die durch gott, höhere mächte oder menschen uns bereitet, geschenkt werden: ir ist sæliclîch geschehen, swelch wîp hât einn sô reinen man, der ir wol wunne mit im gan, daz si in vindet sô gemuot daz er durch liebe ir willen tuot Ulrich v. Lichtenstein
frauendienst 606, 10
L.; ich enmak getriuwen leider des niht ir, daz si mir noch günne heiles vunt
minnesinger 2, 285
a v. d. Hagen. I@A@3@c@aα) freude gönnen,
sehr häufig: wol leben wirt nit iederman, allein der sich recht halten kan und dem dort got der frOeden gan Murner
Badenfahrt 103
Michels; die freude, die der freudenquell (
Jesus) uns diesen abend über gönnet, hat dann erst ihre rechte stell, wenn sie auf herzaltären brennet Zinzendorf
teutsche ged. (1766) 147; aber ach, um mich ist's trübe; winter trauret um mich her. deine qual, o falsche liebe, gönnt mir keine freuden mehr J.
M. Miller
ged. (1783) 215; aber es wird nun zeit, dasz wir dem leser selbst etwas zutrauen, dasz wir ihm die freude gönnen, jene verworrenheiten selbst zu entwickeln Göthe II 2, 121
W.; ehren sie meine zeitschrift durch ihren beytritt, und gönnen sie mir dadurch eine freude Karl Winkler (1819)
in: jahrb. d. Grillparzerges. 1 (1890) 207; da Henriette eintrat, bat er: 'gönnen sie mir die freude und führen sie mich in den garten' G. Freytag
ges. w. 13 (1887) 39.
in zahlreichen synonymen wendungen: næm ich ir gunstlich gunnen ... ob si mir lieb und lustes mit ir gunde
bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 920; das frauenzimmer bath mich unvergleichlich, ich möchte ihnen doch noch ein biszgen von der süszen wollust gönnen (
dem geigenspiel) und mich nur mit einem einzigen stückgen noch hören lassen J. Kuhnau
d. music. quacksalber 47
lit.-denkm.; auch gönnst du (
die besoldung) mir ... wohl manchen lieblichen genusz Hebel
w. 2, 17
Behaghel; Ali Bei, der held des glaubens, liegt beglückt in mädchenarmen. vorgeschmack des paradieses gönnt ihm Allah schon auf erden H. Heine
s. w. 1, 278
Elster; verschaffen sie mir
dagegen meine förmliche entlassung ... ja, gönnen sie mir recht bald das heitere gefühl, ein miszverhältnis loszuwerden, in das ich mit den reinsten gesinnungen von der welt gerathen bin Göthe I 23, 233
W.; anmutig tal! du immergrüner hain! ... ihr seid mir hold, ihr gönnt mir diese träume
ebda 2, 142. I@A@3@c@bβ)
auch glück
ist als inhalt des gönnens
vornehmlich als innerer wert aufzufassen: (
die liebenden:) dieweil aber got gan souil gelücks vns baiden
liederbuch d. Hätzlerin 117
Haltaus; ich danke meinem gott, dasz er mir das glück gegönnt hat, mir die gelegenheit ... zu verschaffen, ihn als den schlüssel zu unserer wahren glückseeligkeit kennen zu lernen (1787) W. A. Mozart
br. 2, 277
Sch.; (
sie) versprach ihr die höchste sorgfalt für ihre tochter; und bat sie rührend, dasz sie ihr das unschätzbare glück gönnen möchte, nur die kurze zeit, sechs monate lang, die gesellschaft derselben genieszen zu dürfen Heinse
s. w. 6, 93
Schüddek. ähnlich: diesz geschick, gönnt das glück dem allein, welcher verdienet sein liebling zu seyn J. El. Schlegel
w. (1761) 4, 270. I@A@3@c@gγ)
in dem ausdruck jmd. (die) ruhe gönnen
kann das verb verschiedene bedeutungen haben (
s. u. 4 c; B 2 c
δ; II A 1 a
α; III B 1 c
α γγ).
hierher, als '
verschaffen, schenken, geben',
vor allem dann, wenn ruhe
durch ein attribut näher bezeichnet wird: ach gönt die letzte ruh so hoch-gebohrnem blut (
der verurteilten prinzessin) ... vergönt, dass sie von uns zu guter nacht beklagt, erlang ein schlechtes grab! Gryphius
trauerspiele 239
Palm; dieser weitberühmte fürste wird durch einen gnadenblikk endlich mir die ruhe gönnen. denn hierauf besteht das glükk (
d. h. ein auskommen verschaffen) Neumark
neuspross. palmb. (1668) 349; ihr habt der euren vorteil stets gewollt; gönnt ihnen ruh, ihr könnt nichts beszres geben! Grillparzer
s. w. 6, 95
Sauer. gern mit sachlichem subjekt: der schlaff trit wald' und städten zu, gönnt vieh vnd menschen jhre ruh
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. (1903) 3, 75; angenehmer wald, du gönnest meinem gemüthe die stille ruhe
neue slg. v. schausp. (1764) 1, 54; die langen nächte, die ... dem sterblichen die süsze ruhe gönnen
M. Beer
s. w. (1835) 3; in der einsamkeit des klosters fand der wilde krieger, der ränkevolle politiker eine heilige ruhe, welche ihm sein leben nicht gönnte G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 359.
ähnlich: (
ein urlaubsgesuch Grillparzers befürwortend) es vereinigen sich alle rücksichten, dem verfasser des ... trauerspieles 'Sappho' die nöthige erhohlung von seinen anstrengungen zu gönnen
jahrb. d. Grillparzerges. 2 (1892) 270. I@A@3@c@dδ)
auch in der wendung das leben gönnen (
s. noch unt. 4 b; II A 1 a
α ende)
kann leben,
obwohl eigentlich ein vitalwert, mehr als ein geistig-seelischer wert aufgefaszt werden, der von gott mit der '
beseelung'
geschenkt wird: so ein mensch würd allhie geboren, vff das die sel nit werd verloren, wenn die matery geschickt ist vnd ir zum leben nicht gebrist, so gündt ir got das edel leben vnd thuot ir bald ein sele geben (1513) E. Rösslin
d. frawen rosegarten 8
Klein. I@A@3@dd)
von äuszerlich feststellbaren werten, die dem andern '
vermittelt, verschafft'
werden (
nicht nur zu haben oder zu betätigen '
eingeräumt'
werden wie unter I B 2;
auch nicht von gegenständen, die überreicht und damit im eigentlichen wortsinn '
geschenkt'
werden wie unter I A 1). I@A@3@d@aα)
meist als '
gewähren'
durch gott oder höhere mächte; doch schwankt hier der wortsinn zwischen dem äuszeren '
verschaffen'
und dem inneren nur '
einverstanden sein',
das ja bei einem göttlichen wesen die äuszere wirksamkeit mit einschlieszt. auf das innere zugestehen wird der sinn von gönnen
in den fällen beschränkt, in denen das wort von geben
unterschieden wird. so oft in sprichwörtern, vgl. wems gott günnet, dem gibt ers schlaffend
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 958 (
sieh unter II A 1 a
γ);
dagegen liegt in dem fast gleichlautenden sprichwort wems got gont, der würt schlaffend reich S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 26
a die bedeutung '
gnädig gewähren, zukommen lassen'
näher: darum gibt unser herr gott gemeiniglich reichthum den groben eseln, denen er sonst nichts gönnet (1542) Luther
tischr. 5, 241
W.; derhalben sind wir nit gesinnt vnserm meyereiherrn ... dasselbige was jm gott gonnet abzustricken Sebiz
feldbau (1579) 560; was mir gott gönnt, wird mir st.
Peter nicht nehmen Kern
sprichw. (1718) 54; und (
ich) ez (
das buch) mit gotis helfe wil fúrsih tihten uf das zil, ob mir got der jare gan Rudolf v. Ems
weltchron. 21661
Ehr.; und gönnt mir gott die zeit, so will ich anderweit mein besser glücke suchen Chr. Weise
d. grünenden jugend überfl. gedanken 139
ndr.; und am ende müsse sie dankbar bekennen, dasz der liebe gott es immer gut mit ihr gemeint und für ihr brot gesorgt, auch ihr noch jederzeit eine fröhliche stunde gegönnt habe G. Keller
ges. w. (1889) 1, 357.
von der gewährung durch andere höhere mächte: sihestu dasz zuo hof die gaben nit sein der verdienten, sonder dero dens das glück gnnet S. Franck
sprichw. (1541) 2, 91
b; da warffen sie (
die Holländer) dieses joch (
der Spanier) mit gewalt von ihren schultern, thäten die augen auff und sahen was ihnen die natur für beneficia gegOennet habe (
und förderten deshalb handwerk und handel) Schupp
schr. (1663) 384; was uns die lufft, das meer, die erde köstlichs gönnt, war schmackhaft zugericht König
ged. (1745) 239; das glück hat euch das grosze loos gegönnet
la fortune vous a favorisé du gros lot nouv. dict. 1 (1762) 351; so weis ich, dasz ein schönres licht einst meinen schlummer unterbricht, und einen tag mir gönnet, der keinen abend kennet Chr.
F. Weisze
lieder f. kinder (1767) 24; gut — schon dank ich euch, götter; ihr habt den glücklichsten menschen ehstens fertig: denn ihr gönntet das meiste mir schon Göthe I 1, 315
W.; schreiben sie (
Schiller) mir, was ihnen indessen die muse gegönnt hat
ders. IV 12, 5
W.; schlafen nicht und sterben nicht gönnt dein schicksal dir, du wicht (
nor to slumber, nor to die, shall be in thy destiny) H. Heine
s. w. 2, 231
Elster. I@A@3@d@bβ)
seltener als gewährung durch einen menschen oder eine sache: wie sich die lieb als umb mich wünde, freuden gründe ich da fünde, ob si mir günde sölcher pünde, ich spräch ir ablass für ir sünde Oswald v. Wolkenstein 5, 31
Schatz; die hat Pompeius gantz gütig und freundtlich angesehen, und damit alle empörunge gestillt, damit man den abziehenden leichtlich weg gegünnt (
d. h. den weg freigemacht) Xylander
Plutarch (1580) 282
b; Boner
Herodot (1535) 47
a; will Flora, für mein haar, mir holde rosen gönnen; was geht der fürsten pracht mich an? Uz
s. poet. w. 33
Sauer; er bleibt vielleicht acht tage in Dresden, wo er die merkwürdigkeiten gern in unserer gesellschaft sehen möchte, und ich bin gewisz, dasz du ihm gern einige stunden gönnen wirst (1792) Schiller
br. 3, 198
Jonas; (
vorne im schlitten) lag ein häckselsack, gerade breit genug, um zwei personen platz zu gönnen (
vgl.platz gönnen
anders unter I B 2 c
α) Fontane
ges. w. (1905) I 1, 4; ich hatte ... den vollen eindruck von dem anheimelnden des lokals, ... ein langer weiszgedeckter tisch, dessen plätze so gelegt waren, dasz sie den gästen einen freien blick auf die Spree gönnten
ders. ges. romane u. nov. (1890) 7, 75. I@A@3@ee)
der gegönnte
wert ist ein vorgang, ein geschehen, das man einem andern als ein gut zuteil werden läszt. I@A@3@e@aα)
in ahd. und mhd. zeit besonders durch gott oder höhere mächte: cuius petitioni iustissime deorum senatus attribuit ... tô ónda man íro dés pítentero Notker 1, 845, 29
P.; si (
Sara) sprach zuo ire manne, nu ire got des negunde daz si bern solte
genesis 1689
Dollm.; ähnlich Heinrich v. Veldeke
Eneide 2194
Behaghel; Ottokar
reimchron. 85 943
Seem.; (
die königin macht dem könig vorwürfe:) ouwî, koninc verlorne, hertelôse Lâtîn, nu soldestu dôt sîn, hedde dir es got gegonnen, want du eines dinges hâs begonnen, dat dir vel ovele sal ergân Heinrich v. Veldeke
Eneide 4161; daz die ringe erkuolen uns sturmmüeden man. jâ wæn uns got langer niht ze lebene hie engan
Nibelungenl. 2226, 4
B.; Tristan als mönch 2541
Paul; got uns des gunde, daz wir teilhaft werden im himelrîche und ûf der erden des gebetes der heiligen (14.
jh.)
Alexiuslegende A
bei Gerh. Eis
beitr. z. mhd. legende u. mystik 302; ob ime got des gan das er ane totsúnden funden wurt Tauler
pred. 126, 15
Vetter; das uns dis allen geschehe, des gúnne uns got
ebda 114, 7; Seuse
dt. schr. 528, 25
Bihlm.; (1492)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 272; (
Menelaus wollte Ulysses, wenn sie beide gesund von Troja heimkämen, eine stadt schenken) damit wir also bei einannder wonen vnnd vnser lebtag beschliessen mOechten. aber gott hat jhme sollichs nit gonnt Schaidenreisser
Odyssea (1537) 40; gönne (
gott) mir, fröhlich stets zu seyn in dir Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 410
a; Eolus hât hen gegonnen, dat sî sint over sê Heinrich v. Veldeke
Eneide 1078
Behaghel; ze leste iedoch gunde vrou Sælde an diesem ringen, daz Gawein muost gelingen, und den ritter zuo der erde brâht Heinrich v.
d. Türlin
krone 12 132, es sey dann sach, das dem selbigen, der also grosz guot besitzt, das glück auch gunne, das er ein guot end seins lebens nemen müge Boner
Herodot (1535) 8
a; gebet (
ihr nymphen) jeglichem gern, was er im stillen begehrt ... und dem liebenden gönnt, dasz ihm begegne sein glück Göthe I 2, 126
W. I@A@3@e@bβ)
von menschlichem gewähren: si (
Kriemhilt) dâhte z' allen zîten: 'ich wil den künec piten', daz er ir des gönde mit güetlîchen siten, daz man ir friwende bræhte in der Hiunen lant
Nibelungenlied 1399, 2
B.; da man diebe und mördter sonst in der stadt gerichtet, so hat man ihm (
Christus) solches nicht gegönnet, sondern ehr ist mit zweien schechern hinaus als ein dieb und mörder gefhuret worden Luther 47, 606
W.; (
Zwingli bittet um die eheerlaubnis für die priester:) günnend uns, dasz wir von diser schand der unkünschheit erlöst, auch eerlich by üch leben mögind Zwingli
dt. schr. 1, 49
Schuler-Sch.; einen wunden kannst du heilen, gönnst du uns, von deinem wissen mir ein kleines mitzutheilen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 204. I@A@3@ff)
der gegönnte
wert ist eine handlung, die auszuführen man dem andern nicht nur einfach '
erlaubt' (
dazu vgl. I B),
sondern dadurch, dasz man die voraussetzung zur ausführung der handlung helfend schafft, als ein gut wirklich '
zuteil werden läszt'
; sprachlich durch den infinitiv mit zu,
durch einen objektsatz mit dasz
oder durch ein entsprechendes substantiv ausgedrückt, bzw. durch das neutrale es,
das auf eine handlung zusammenfassend hinweist. I@A@3@f@aα)
wiederum in älterer zeit besonders ein gönnen
durch gott oder höhere mächte: sî gúallîchî thera énsti, thiu mir thés ió giónstî (
das evangelienbuch zu vollenden) Otfrid V 25, 101; in gotes namen vuor er dan und kam in kurzer stunde, als es im got gegunde, wider heim und seite mære Gottfried v. Straszburg
Tristan 2372
Ranke; vater, hailger gaist, mit deinem sun uns gnad vollaist und nicht den veinden gun, das si uns verlaiten in we Oswald v. Wolkenstein 51, 16
Schatz; (
Maria bittet um gnade für Theophilus) gunne my, dat ik one mote stillen unde lat my delghen syne trene
Theophilus 2, 2, 29
Petsch; (
meine dichtkunst schwingt sich nicht bis zum himmel, und ich wage dich, den fürsten, nicht zu besingen:) indessen tuh ich doch, was mier der himmel gönnt, weil ja der schwache sinn denselben kaum erkennt Ph. Zesen
verm. Helikon (1656) 1, A 5
a; (
zu Juno:) únnîst mír bítentero ze geéisconne, uuáz lîbhaftero dîngo diu uuîta lúft fûore (
da nosse poscenti) Notker 1, 816, 2
P.; ebda 798, 28; und ist daz mirs mîn sælde gan deich abe ir redendem munde ein küssen mac versteln Reinmar
in: minnesangs frühling 159, 37; (
er) starb ritterlich vor der ihm anvertrauten vestung, weiln in derselben zu seines keysers diensten zu leben, das glück ihme nicht gönnen wollen S. v. Birken
verm. Donaustrand (1684) 76. I@A@3@f@bβ)
von menschlichem gewähren: zue ir rucken, freuntlich smucken, lieplich drucken, piegen, pucken, ob si mir des gunde, so wär quit, was ich lit Oswald v. Wolkenstein 37, 98
Schatz; ja lieber bruder, gönne mir (
durch dein verhalten), das ich mich an dir ergetze in dem herrn, erquicke mein hertz in dem herrn
Philem. 20; daz wir von û kumen niht, ezn sî um uns alsô beriht, daz ir uns gunnet der abevart
kreuzf. Ludwigs d. frommen 5259
Naumann; laszt los die männer hier, gönnt ihnen heimkehr Grillparzer
s. w. 8, 98
Sauer; man hatte ihm (
Knecht) einblick in die innern bezirke gegönnt Herm. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 116.
negierend: du, der du stets der ruhe nachgetrachtet, die jeder preist, und die kaum einer kennt, und jeden stand und jedes glück verachtet, das den gebrauch des lebens dir nicht gönnt Giseke
poet. w. (1767) 132. I@A@44)
parallel zu 3
ergibt sich eine sonderbedeutung dadurch, dasz dem andern ein wert nicht erst durch mich erwächst, sondern dasz ich ihm einen wert, den er besitzt, weiterhin belasse. es überwiegt dabei stark das moment des inneren einverständnisses, aber es ist gleichzeitig mitausgedrückt, dasz der dem andern gegönnte
wert von meiner macht, meinem willen und einflusz abhängt, dasz meine innere einstellung mit einer entsprechend nach auszen wirksamen übereinstimmt. I@A@4@aa)
zufrühest in einer sondernuance, indem jemandem etwas als wert von einem andern erst '
anerkannt, nachträglich gutgeheiszen und bekräftigt wird'
; wohl schon bei Notker: ín getûo fólgên dînen uuórten, únde er mír únne dés íh pegínne
illum contribuas favere iussis et caeptis sacra fulserit voluntas 1, 718, 30
P.; ze jungst er überkam der burgær sumelich, daz si im heimlich ir gunst darzuo gâben, möht er die stat behaben, daz si im des gunnen Ottokar
reimchron. 25 895
anm. 17
Seem. I@A@4@bb) jmd. das leben gönnen,
vor allem von gott als gönnendem
ausgesagt, bedeutet '
jmd. das leben noch weiterhin zuteil werden lassen, es ihm belassen' (
vgl. dieselbe wendung anders unter I A 3 c
δ).
vor allem älternhd.: doch was vbrig bleibt von deinen waisen, den wil ich das leben gönnen, vnd deine widwen werden auff mich hoffen
Jeremia 49, 11; (
manchem, der mit seinen kindern zu hoch hinaus will, läszt gott die hälfte wegsterben und die andere hälfte untauglich sein. aber:) hett er syn kinder kunst gelert, für das er in das gtlin mert, so hett im gott syn lieben kindt hie vff erdt das leben gindt Murner
narrenbeschwörung 299
Spanier; wenn unser herrgott ihm as leben gunnt, wird er scho wissen, wie er'n auszibringt (
den ins eis eingebrochenen) Karl Stieler
ged. 4, 11
Reclam. oft formelhaft: du muest groszer laster von mir han, ob mir got mein leben gan
fastnachtspiele 414, 7
Keller; vnd ander heidnischen gottlosen vnd wüsten wesen ... daruon jr auff ein andere zeit, so mir gott mein leben gönnet, nach der lenge hören sollet Mathesius
Sarepta (1571) 6
b; die weil mir gott mein leben gindt, will ich dir sein im hertzen findt Wickram
w. 4, 134
Bolte. der mensch als gönnender: (
er) ward angeklagt, vnd auch zum todt verurtheilt, aber keyser Carlen gönnete jhm das leben noch länger, vnd thet jhn gen Lorsch in das closter S. Münster
cosmogr. (1628) 876;
vgl. Gryphius
trauersp. 122, 316
Palm.; Lehman
floril. polit. (1640) 1, 362. I@A@4@cc)
von anderen werten, die man jmd. gönnt,
d. h. '
beläszt': dan sie (
die histori,
d. h. mein buch) trifft ewrer königl. majst. herrn vatern ... haubtsächlich an; vnd hette demselben, wan die göttliche allmacht diesen schatz vns irrdischen menschen länger gegönnet, solche dedication gebühren wollen Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648)
widm. (+) 2
b; (
Hans Pfriem:) auff meins herrn Christi gt vnd gnad, wol ich getrost hereiner tratt (
in den himmel) ... dem weis ichs danck, das er mich hat eingelassen, vnd günt mir noch die stat Hayneccius
Hans Pfriem 68
ndr.; kein kühlein hat man vns (
den ausgeplünderten bauern) gegündt, gar kein gestütte man noch findt
lieder a. d. winterkönig 8, 3
Wolkan; vnterdessen zog der hertzog alle regimenter ... zusammen ... vmb dem feinde die ruhe nicht zugönnen, sondern ihn fein bey der gewonheit ... zubehalten Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 97; o, gönnt ihm (
dem schlafenden) ruhe, vater! Grillparzer
s. w. 4, 63
Sauer; (
Louise zu lady Milford:) so gönnen sie mir doch eine blindheit, die mich allein noch mit meinem barbarischen loos versöhnt Schiller 3, 464
G.; ach Omar, warum hast du die freundliche binde von meinen augen genommen? ich war so glücklich, als ich nicht daran dachte, warum gönntest du mir nicht diesen lieblichen betrug? Tieck
schr. (1828) 8, 56. I@BB.
jmd. die ermächtigung zu einer handlung oder zur nutznieszung einer sache zuteil werden lassen. I@B@11)
jmd. —
als ein geschenk, als eine besondere gnade oder auch aus recht und billigkeit —
die erlaubnis geben, eine handlung auszuführen. der betreffende ist vor die eigene entscheidung gestellt, die ihm gegönnte
handlung auszuführen oder nicht. darin liegt der bedeutungsunterschied zu I A 3 f,
wo die handlung selbst als ein gut zuteil wurde. wie unter I A 3 f,
so wird auch hier die handlung durch den infinitiv mit zu,
durch einen objektsatz mit dasz,
durch ein auf eine handlung zusammenfassend hinweisendes es
oder —
selten —
auch durch ein entsprechendes substantiv ausgedrückt: consentire gemma gemm. (1508) f 4
b;
permittere, concedere, dar licenza Kramer
t.-ital. 1 (1700) 547
c;
accorder, permettre Mozin-Biber
vollst. dt.-frz. wb. (1823) 423. I@B@1@aa)
als erlaubnis, die persönlich von mensch zu mensch für einen einzelfall gegeben wird, meist in dem besonderen sinn einer ermächtigung, die ein höhergestellter oder eine irdische macht aus eigener machtvollkommenheit erteilen, ohne durch recht oder satzung dazu verpflichtet zu sein. selten von gott zum menschen: nne er (
gott) dir (
Christus) nah tînemo uuillen únsih zeirlôsenne (
tribuat tibi secundum cor tuum) Notker 2, 61, 20
P.; gottis urlaub ist grösser, denn aller menschen gepott, was myr der gönnet, soll myr
s. Peter nicht weren Luther 12, 102
W.; gott (
würde) nicht so hartt seyn, das er yhnen tantz und jaget und rennen nicht sollt günnen
ebda 11, 274.
für die erlaubnis von mensch zu mensch ergibt sich aus dem inhalt der handlung und aus der art ihrer sprachlichen formulierung (zu ..., dasz ..., es)
kein weiterer aufschlusz für den wortgehalt von gönnen: únz er (
Theoderich) ín dés bíten stûont, táz er ímo óndi mít Ôtachere zeuéhtenne ... táz ûrlub kab imo Zeno Notker 1, 6, 1
P.; den (
kranken ritter) wil ich uns fristen mit alsô schœnen listen dâ mite wir alle sîn genesen. nu gunnet mirs, wan ez muoz wesen Hartmann v. Aue
d. arme Heinrich 628
Gierach; si wolden kurzewîle mit den Burgonden hâ
n. het er's in gegunnen, si heten'z gerne getâ
n. .... daz spil er in verbôt
Nibelungenlied 1873, 4
B.; ob dir ein wîp durch wîpheit mit ir wol ze redenne gan Reinmar v. Zweter 52, 5
Roethe; alsus rett och der wîgant 'gund mirz mîn œhein Hiltebrant, sô wolt ich dem von Beren des allerêrsten rîten nâch (
in etwas jüngeren hss.: herlaubt mirs ...; liesz mich ...)
d. jüngere Sigenot 124, 2
Schoener; herre ... ir hant mich ritter gemacht mit uwern gnaden. ich bitt uch eyner gaben, das ir mir des gunnent das ich fare der frauwen helffen
Lanzelot 137, 16
Kluge; vrouwe und herre! bat er, ich han muoter und vater. gunnet mir, daz ich var hein Kistener
Jakobsbrüder 663
Euling; man günnet vnss auch nit, das wir gelert lüt vsserhalb des klosters dar vmb fragen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 95
ndr.; doch waren itzt der Perser könige yhn gnedig und günstig, ... das sie yhn gunsten, widderumb die stad Jerusalem zubawen Luther 23, 582
W.; es würt weiters hoch beriemet für das edlest kleinot der christenheit, das Constantinus der grosz ein keyser, der christenheit geginnet hat sich in concilien zu versamlen Murner
kl. schr. 8, 28
Pfeiffer-Belli; so gün' es gnädigst mir, dasz ich das licht der helden (dich mein ich, wehrter printz) müg aller welt vermelden Rist
Parnasz (1652) A 10
b; aber ich bin jung, gönne mir, dasz ich mich in den gesetzen ... unterweisen lasse A. v. Haller
Usong (1771) 23; der könig gönnte das den weibern (
von Weinsberg; sie baten, so viel aus der eroberten stadt tragen zu dürfen, als sie auf ihren schultern könnten) br. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 105; gönn' ihr zu sprechen, vater! Grillparzer
s. w. 5, 98
Sauer. die handlung kann durch ein substantiv ausgedrückt werden: do pat hertzog Kuenradt von Schwaben den künig von Franckreich, das er im das erst schlahen gen den haiden gunde (
hs. B: vergunte), des er auch da gewert ward Füetrer
bayr. chron. 56
Spiller; sie wöllen iren frauwen gemeine freud nit günnen, vnd wöllen inen selber fleischlich freund machen Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 77
b; gebt mir ein schwert und laszt mich's ziehen, und gönnt mir einen einz'gen schlag, und seht ihr mich vom felde fliehen so sei's mein letzter lebenstag Strachwitz
ged. (1850) 41; besser wäre es, wenn du ... mir einflusz in deine bildung gönntest Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 232. I@B@1@bb)
im 14.-16.
jh. als rechtskräftige verordnung oder satzung, besonders der gerichte, der städte, zünfte usw.: so sol er sprechen: her schulteisze, gunnet ir mir, daz ich syn wort spreche, und sol den nennen mit syme namen? des spricht de schulteisze, ja; er gynne is ime wol (
um 1350)
weisth. 2, 213; herr richter, nu günt uns der andern sprach
österr. weist. 7, 730; alle di wile vnsre herren vns sulches gönnen, die ehgenante vihtrifft zu haben vnd zu gebrauchen. auch haben wir ehgenanten burgere zu Russewin vnsre ehgenanten herren von der Cellen gebeten, dasz sie uns gegunst habin, zu setzen ein gericht by des Timels grunde, wan wir von der stadt wegen kein gerichten habin. desz haben si vns gegunst, vnde gunnen vns das also bescheidentlich Knauth
d. stifftsklosters Alten-Zella hist. vorst. 8 (1722) 85; käme dann ein nachtbar oder frembder, der dieselbigen (
hofstatt) bauen wolt, solches soll man ihnen günnen, esz wäre wer esz wäre (1494
Rotenfels a. Main)
weisth. 6, 45; unser herren meister und rat hant den brotbeckern gegunnet die verher und swin von ostern untz zuo sant Michels dag an dem oben ze triben (15.
jh.)
Straszb. zunft- u. polizeiverordn. 105
Brucker; das die weber den duochern gnnet haben webstuole in ire hüser zuo setzen und weberknecht zuo halten (1516)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft (1879) 117. I@B@22)
jmd. etwas einräumen, zugestehen, zulassen; ihn ermächtigen, etwas zu haben, zu gebrauchen oder zu betätigen, eine seit dem 15.
jh. gebräuchliche verwendung von gönnen,
die als eine elliptische verkürzung mit der bedeutung '
erlauben'
anzusehen ist. so faszt sie z. b. auch Stieler
auf, der die wendung wann er mir nur die stätte gönnen möchte
umschreibt: si modo usum et habitationem domus mihi permitteret stammb. (1691) 684 (
vgl. auch die häufige reflexive verwendung unter III B 1 c
α ββ.) I@B@2@aa)
zunächst bes. von geistig-seelischen werten, die zu haben oder zu erwerben dem andern freigestellt, eingeräumt wird: (
der rat sagt auf das gesuch einiger abgesandter:) ... des gonden se one wol, wente se eynem jowelken synes rechtes wol gonden (
hier weist die wendung mehr nach I A 3 b,
s. dort) (
Braunschweig 1418)
städtechron. 16, 22; (
die Ungarn wollten die ehre des vorfechtens gegen die Türken für sich haben) da wolt der hertzog von Burguni und die Frantzosen in der eeren nit gönnen und wolt vorfechten darumb (
Augsburg 15.
jh.)
städtechron. 22, 43; Schiltberger
reisebuch 3
lit. ver.; wier (
markgraf Ludwig) sollen auch die ambtleith die darzue gehören, vnd darzue belehnet seint, bei iren rechten behalten. vnd in der gunen (1569-1629) Brandis
landeshauptl. v. Tirol (1850) 55. I@B@2@bb)
dann auch auf reale dinge bezogen: (
der ritter, dem man vorgeworfen hat, das wild verwüste die felder:) den hirten ich der hund nit gan, er henck jn dann grosz prügel an, vnd für das wild leid ich kein zaun Schwartzenberg
d. teütsch Cicero (1535) 138
b; (
ein älterer Sachse spricht gegen die neubauern, die knechte bleiben sollen:) gönnet man ihnen auch ein stück vieh auf der gemeinen weide, so widerspricht ihr stand allemal ihrer befugnisz J. Möser
s. w. (1842) 1, 333; hier gönnt man ihr (
der selbstmörderin Ophelia) doch ihren mädchenkranz, und das bestreun mit jungfräulichen blumen, geläut und grabstätt (
yet here she is allow'd her virgin crants, her maiden strewments and the bringing home of bell and burial)
Shakespeare 3 (1798) 335.
vergleichbar: obendrein haben wir (
in einer voraufgehenden liste, welche die culturpflanzen der alten und neuen welt gegenüberstellt) die igname der neuen welt ebenfalls gut geschrieben, obgleich wahrscheinlicher Hinterindien ihr vaterland ist, und ebenso gönnten wir ihr die wichtige banane (
deren altweltlicher ursprung wahrscheinlicher ist) Peschel
völkerkde (1874) 441. I@B@2@cc)
seit dem 16.-17.
jh. bilden sich geläufige wendungen heraus: I@B@2@c@aα) platz gönnen
u. ä.: wenn man ein handbreit gönnt, der nimpt ein elen lang Henisch (1616) 1682; es belibe meinem freunde ihm unter seinen dinern eine stelle zu gönnen, und zu glauben, das er, so wohl als ich, verbleiben wird, sein verbundener diner Butschky
hochdt. kanzelley (1659) 87; so werde ich dem herrn hinführo den ersten platz unter meinen freunden gönnen Stranitzky
ollapatrida 312
ndr.; immer vorausgesetzt, dasz sie geneigt sind, mir einen platz an ihrem kaffeetische zu gönnen Fontane
ges. w. (1905) I 4, 40. I@B@2@c@bβ) zeit gönnen
u. ä. (
häufig auch reflexiv, s. unten III B 1 c
α ββ): welcher ein thier treibt zu sehr zur arbeit, und jm nimmer mehr kein feirtag günt, den selben man solt mann billch selbst ann wagen spann Er. Alberus
praecepta vitae (1548) 121
c; dasz wir uns ja nicht übereilen sollen; gönne mir noch einige tage (
der überlegung), entscheide nicht Göthe I 20, 13
W.; doch gönnst du ihnen frist, sie werden unvermerkt die gute meynung, worauf du jetzo fuszest, untergraben Schiller 12, 212
G.; so kamen wir ..., indem wir den pferden nur wenig zeit zum fressen gönnten, rasch vorwärts A. v. Arnim
s. w. 2 (1839) 186; beruhigen sie sich, antwortete sie hastig, — gönnen sie mir zeit — wir haben vieles zu bedenken — bald sehe ich sie wieder Mörike
ges. schr. (1905) 3, 83; doch gönne mir nur eine nacht der ruh, des sinnens, der erholung, und, mein ohm, du wirst mich finden, die du sonst gekannt Grillparzer
s. w. 7, 47
Sauer. I@B@2@c@gγ) maul, wort gönnen: gönnen,
in der hanauischen redensart: einem das maul gönnen,
d. i. ihm gelegenheit geben, sich über etwas zu äuszern; ob solcher vielleicht gegen die sache einwendung zu machen habe Pfister
Hessen nachtr. 81; höret mich und gönnet mir ein ruhig wort, junker! Storm
s. w. (1899) 3, 254; Bauernfeld
ges. schr. (1871) 6, 167. I@B@2@c@dδ) ruhe gönnen;
vgl. auch hier (
ähnlich wie oben bei Stieler
im kopf von I B 2)
die bezeichnende umschreibung bei Mozin-Biber: gönnen sie mir einige ruhe
accordezmoi, permettez que je prenne q. repos vollst. dt.-frz. wb. (1823) 423; 424; (
Götz zu Lerse und Georg:) arme jungen, ich darf euch keine rast gönnen. jagt geschwind herum Göthe I 8, 104
W. (
vgl. auch die häufige reflexive verwendung unter III B 1 c
αββ). IIII.
jemandem in persönlicher innerer stellungnahme etwas zubilligen, an dessen herbeiführung man äuszerlich nicht beteiligt war oder ist; aus dem gefühl der gerechtigkeit, billigkeit oder freude gern einverstanden sein, dasz jmd. etwas hat oder haben soll. vom inhalt des gönnens
her ergibt sich eine enge berührung mit der gruppe I A 3,
mit dem unterschied aber, dasz dort durch das handeln des gönnenden
dem andern ein wert erwächst, während hier nur zu einem wertbesitz des andern innerlich stellung genommen wird. das gut wird meist, auch wenn es erst verwirklicht werden soll, als gegenwärtig vorgestellt (A);
doch kann gönnen
bei dem gedanken an ein künftiges gut über die bedeutung '
einverstanden sein'
hinaus fast die bedeutung '
von herzen wünschen'
annehmen (B). II@AA.
jmd. etwas, das er gegenwärtig hat oder haben soll, gern innerlich zubilligen, in der überzeugung, dasz er es verdient habe. II@A@11)
gegenstand des gönnens
ist etwas für den andern wertvolles. darin, d. h. besonders in den abhängigen sachobjekten, berührt sich diese gruppe eng mit der gruppe I A 3.
dort aber ergeben sich von der art des gegenstandes her feinere bedeutungsnuancen für gönnen;
anders hier, wo die innere stellungnahme gegenüber den seelischen oder sachwerten im wesentlichen die gleiche bleibt. dagegen tritt hier ein stärkerer bedeutungsunterschied in den positiven (a)
oder negativen (b)
wendungen mit gönnen
hervor. II@A@1@aa)
jmd. etwas neidlos als verdient zubilligen, obwohl es ebenso für einen selbst oder für einen andern wertvoll sein könnte; oft in dem sinn '
einem etwas nicht entziehen wollen',
vgl. die entsprechenden umschreibungen in den wbb.: favoriser, n'envier pas, favere, non invidere Widerhold (1669) 149
a;
favorire, esser favorevole, non invidiare Kramer
t.-ital. 1 (1700) 21
a; man gönnt es mir
abest invidia Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 618.
auch Campe
bevorzugt negierende umschreibungen: '
den bssitz oder die erlangung des besitzes einer sache durch einen andern ohne unzufriedenheit und miszvergnügen bemerken, einen andern nicht ungern im besitz einer sache sehen' 2 (1808) 424;
être bien aise (
se réjouir)
de ce qui arrive aux autres Rondeau
neues dt.-frz. wb. (1740) Pp 1
b; ich gönne ... es ihm
ich sehe ihn gern im besitz davon, freue mich, dasz er es bekommt sprach-Brockhaus (
61951) 258
a. II@A@1@a@aα)
vom zubilligen seelischer werte. im ahd. und mhd. ganz vereinzelt und nur verneint, zum ausdruck des neides (
s. unt. b
α).
bejahend, als ausdruck der neidlosen billigung: zwar si ist hübsch und wolgetan, das erbt si von dem maien an, des glückes ich ir zeitlich gan, darnach und si mich freuen tuet Oswald v. Wolkenstein 2, 19
Schatz; (
der verstorbene ruft den wehklagenden hinterbliebenen zu:) so gönnet mir doch dieses glücke, das gröszer ist, denn ihr gedenkt Zach. Herrmann
in dem kirchenlied: 'wie kurz ist doch der menschen leben' (
um 1700); ich gönne ihm sein glück
je ne lui envie pas son bonheur, je ne suis point jaloux de son bonheur nouv. dict. 1 (1762) 351; gut ist besser als grosz sein, sieh ohne murren jüngere, als du bist, zum ziel kommen und gönne ihnen, freue dich ihres glücks Meinecke
Boyen (1896) 1, 140; bisz du todt? so gönn ich dir dort die höchst vergnügten freuden Chr. Reuter
Schelmuffsky 44
ndr.; gönnen sie mir die freude, dasz meine blätter (
ein gedicht auf die kaiserin) einer schrift ähnlich sehen, die ein Gottsched ... könnte gemacht haben (
man hatte gesagt, die verse stammten von Gottsched) Gottschedin
br. 1, 57
Runkel; süszes, liebes kind, lach mich nicht aus — wenn du wüsztest, wie viel vergnügen mir dies zusammenrechnen (
des einkommens) macht, du gönntest mir den spasz (1843) Schücking
br. 143
Muschler; auch ihnen, der sie soviel gelitten, gönne ich von herzen diesen aus eigner thätigkeit hervorquillenden trost Göthe IV 33, 76
W.; (
zu einem in stein gemeiszelten greis, unter dessen rechter hand die quelle der Pegnitz entspringt:) wir gönnen dir die ruh, du mosbewachsner greis, wir gönnen dir die lust in schilfbewonten sümpfen: giesz ferner, wie du thust, den felsgeschmoltznen schweisz S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 82; (
der allzu früh verstorbene Georg Büchner hätte uns ein leitstern sein sollen) er hätte — aber gönnt ihm seine ruh! die augen fielen einem müden zu Herwegh
ged. eines lebendigen (1841) 192; und der seligen frau groszmama gönne ich auch ihre ruhe, dasz sie dieses nicht erlebt hat W. Raabe
s. w. II 5, 86;
auch das leben gönnen (
vgl. I A 3 c
δ; 4 b): im januar 1829 starb Völkel, dem ich ein längeres leben zugetraut und sicher von herzen gegönnt hätte Jac. Grimm
kl. schr. (1864) 1, 15. II@A@1@a@bβ) ehre, ruhm, recht
u. ä. gönnen,
mehr im bereich äuszerer anerkennung (
vgl. dagegen I A 3 a).
mhd. noch nicht immer eindeutig auf die innere stellungnahme beschränkt: ez swachet manec bœse man den biderben swâ er iemer kan ... nû seht, des entuon ich niht, wan ich eim iegelîchen man sîner êren wol gan: ich prîs in swâ er rehte tuot, und verswîg sîn laster. daz ist guot Hartmann v. Aue
Iwein 2492; 7457; vor disen sunewenden sol er und sîne man sehen hie vil manigen, der im vil grôzer êren gan
Nibelungenlied 735, 4
Bartsch; ich (
ein ritter) dâht hie ist manc biderb man, den ich wol aller êren gan, und doch der êren daz dâ bî mîn êre iht deste minner sî Ulrich v. Lichtenstein
frauendienst 201, 10
L. erst im 16.
jh. eindeutiger und ziemlich häufig: (
wir menschen) negligimus deum etproximum. gunnen yhn die eher, thun adder nichts darzw Luther 34, 2, 172
W.; das es mich gröszlich wunder nam, wie er (
der esel) zuo solchen eren kam. für wor ich gyn im wol der eren für fürsten, graffen vnd den herren Murner
mühle v. schwindelsheim 67
Beberm.; (
wenn ein andrer mensch vorzüge hat,) deren du nitt hast. nit beneid jn darumb. günn jm die von hertzen woll Keisersberg
pred. teütsch (1508) 110
b; ja, lieben herren (
papst u. bischöfe), den namen (
christen) gönnen wir euch wol, aber lasset uns darnach sehen, ob jr auch seiet und thuet, was jr von euch rhumet, denn so heissen oder genennet werden und so sein ist zweyerley Luther 46, 7
W.; 52, 512; jetzt sollen die zeugen abtretten, und einer nach dem andern gefragt werden. erstlich ... woher er sey ... item ... ob er zur widerparthey kein ungunst hab, ob er (
der zeuge) jedem theil seins rechten günne Fronsperger
kriegsb. 1 (1573) D 1
b; jedermann gönnet ihm seine beförderung
tout le monde est bien-aise de son avancement Rondeau
neues dt.-frz. wb. (1740) Pp 1
b; und je mehr lorbeern er sich selbst in diesem feldzuge versprach, desto weniger konnte Christian IV. (
v. Dänemark) es von sich erhalten, sie seinem beneideten nachbar (
Gustav Adolf) zu gönnen Schiller 8, 118
G.; die alten ritter erklärten ihn als sieger. jedermann gönnte dem pfalzgrafen den sieg A. v. Arnim
s. w. 9 (1841) 28; diesen ruhm (
die Spanienexpedition durchgesetzt zu haben), wenn es einer ist, würde man ihm gönnen, wenn nur dabei nicht das wahre selbst in falsches licht gebracht ... würde Fr. v. Gentz
schr. 1, 359
Schlesier. II@A@1@a@gγ)
von realgütern und anderem, das für jmd. wertvoll ist: (
er) bat on (
den bischof) dat he mi nicht mer hinderen scholde, wente he mi des altares (
des vorher verweigerten priesteramtes) wol gunde (
Magdeb. 1360)
städtechron. 7, 222; ich sehe, das fursten gut ist nit deren, den man es gonnet, sondern den es bescheret ist Luther
tischr. 1, 14
W.; Cardenio, zeuch fort! du müssest anderswo weit angenehmer leben; nur gönne mir den port, den nach dem rauhen sturm die liebe mir gegeben! Gryphius
trauersp. 305
Palm; aber ich bin versichert, dasz alle diejenige, die es thun (
die moral befolgen), diesem guten lehrmeister das salarium, das er selbst genommen hat, von hertzen gönnen werden
discourse d. mahlern (1721) 2, 23; der landmann rühme sich des pflugs, und gönne dem könig, der nicht landmann ist, die krone Schiller 6, 44
G.; gönnet einander den platz auf fremdem boden und theilet was ihr habet, zusammen, damit ihr barmherzigkeit findet Göthe I 50, 230
W.; sie (
frl. v. Bornstedt) würde mir eher eine million gönnen, als einen bestimmten vorzug in literarischer hinsicht (1839) A. v. Droste-Hülshoff
br. 1, 359
Schulte-K.; wie menschen, die sich lieben und ein geschenk hin und her geben, das jeder dem andern gönnt und keiner vor dem andern annehmen will
qu. a. d. j. 1937.
in dem besonderen sinn '
bereitwillig zum kauf zubilligen, anbieten': dieselben stecken soll er ... auf dem gemain platz vail haben unz auf gueten mitten tag und die den nachpaurn daselbs günnen und zu chaufen geben
österr. weist. 5, 309, 14.
in sprichwörtlichen wendungen. wenn hier gott der gönnende
ist, wird seinem geben (
als äuszerem handeln)
sein gönnen (
als innerlich wohlwollende einstellung)
vorausgedacht (
vgl. I A 3 d
α): denn er wuste wol, das der sieg nicht keme durch harnisch, sondern gott gebe jn, wem ers gönnet 2.
Macc. 15, 21; es sei des grossen gottes gab, wem ers gönne, dem gebe ers S. Franck
Germ. chron. (1538) 23
b;
ders. sprüchw. (1541) 1, 150
b;
sprichwörter, schöne weise klugr. (1548) 93
a; wem der herr gent sein speise, geit ers schlaffender weisse Hans Sachs
s. fab. u. schwänke 3, 213
ndr.; du solt einem yeden günnen, was yhm gott gan, und darümb nicht scheel sehen
mon. germ. päd. 21, 294, 29; 330, 31; aber, lieber, gönne es (
die guten tage) jenen (
dem papst und seinen bischöfen), so lang es jnen gott gönnet Luther 52, 748
W.; 9, 154; ein sprichwort sagt: ... was mit gott gönnet, kann mir niemand nehmen Gottsched
beob. (1758) 207.
der mensch als der gönnende: in seiner (
des papstes) hand die seligkeit stund gebs welchen ers ausz gnaden gund. wem ers nit gan, dem schleüszt ers zuo wirfft jn zur hell in einem nuo B. Waldis
d. päpstisch reych (1556) A 4
b; lebe wohl! und habe, was du mir gönnest Casp. Stieler
geharnschte Venus (1660)
vorr. 4
ndr.; alle, de mi kenne, gebe got, was se mi gönne (1650)
bei Flaskamp
hausinschr. d. st. Wiedenbrück 18; wie man's einem gönnt, so gibt man's ihm Binder
sprichwörtersch. 78; Fischer
schwäb. 3, 749. II@A@1@a@dδ)
seltener ist hier der inhalt des gönnens
ein geschehen; dann, namentlich im mhd., auch über das moment '
neidlos nicht entziehen wollen'
hinaus geradezu '
sich freuen, gern sehen': (
Laudine hat beschlossen, Iwein doch zu heiraten) sî (
ihre zofe) sprach 'ez dunket mich guot und gan iu wol daz ir den muot sô schône hât verkêret' Hartmann v. Aue
Iwein 2102; ich bin als unschedelîche frô, daz man mir wol ze lebenne gan Walther v.
d. Vogelweide 41, 14; dô sprach von Tronege Hagene: 'daz mære ist ungelogen, wie wol ich iu des gunde, het iuch der bote betrogen, durch Rüedegêres liebe, daz lebte noch sîn lîp, den immer mugen weinen beide man unde wîp!'
Nibelungenlied 2256, 2
Bartsch; ich gan es auch
s. Peter, das er eyn edler gelied sey denn ich Luther
ep. u. evang. v. christag (1522) e 4
a; Scipioni mocht ich wol gunnen, das er in himel kehm, der kunde regiren
ders. tischr. 5, 225
W.; wil dir aber mein herr gnade thun, das gönne ich dir wol vnnd ist mir lieb. ich bitte jhn aber nicht darumb
buch d. liebe (1587) 89
a; ihr werdet mir doch gönnen, dasz ich im herzen des kranzes so gut logirt bin (1790) Schiller
br. 3, 52
Jonas; unserm berlinischen kleeblatt gönne ich deine ankunft in Lauchstädt Göthe IV 19, 372
W.; du freust dich wohl, weil du nun ledig? nu, ich gönn' es dir. du hast mich nicht geliebt, je, ich dich auch nicht! Grillparzer
s. w. 6, 112
Sauer. II@A@1@a@eε)
wird dem andern eine handlung gegönnt,
die er ausführt oder ausführen möchte, so bedeutet das innere einverständnis soviel wie '
erlauben, anheimstellen',
auch '
sich damit abfinden' (
vgl. die '
äuszere'
entsprechung unter I B): (
Iwein will das abenteuer des brunnens allein bestehen) des müezen sî mir gunnen daz ich in eine begieze, ich ingeltes oder genieze Hartmann v. Aue
Iwein 938; leert dich der geist dines gloubens, so fast, günn aber daby dim nächsten dasz er sich möge christlicher fryheit gebruchen Zwingli (1522)
dt. schr. 1, 13
Schuler-Sch.; ja! besingt im gras die veilchen und am bach die alten weiden, aber gönnt mirs noch ein weilchen, mich in rauhern stoff zu kleiden Strachwitz
ged. (1850) 168; wir Deutschen gönnen jeglichem volke die erringung einer vernünftigen freiheit Fr. L. Jahn
w. 2, 585
Euler; nun war dieser brave lehrer von dem taback ein verehrer, was man ohne alle frage nach des tages müh und plage einem guten alten mann auch von herzen gönnen kann W. Busch
Max u. Moritz (1865) 24. II@A@1@bb)
nicht gönnen '
neidisch auf das gut eines andern sehen'
; oft weil man es lieber für sich selbst oder für einen dritten haben möchte, vgl. entgunnen, engunden,
nit gunnen
inuidere Diefenbach
gloss. 306
c; nicht gönnen
invidere Stieler
stammb. (1691) 684;
non favorire, cioè invidiare, disgratiare qualche cosa ad uno; non volergliela, non desiderare che' glil' habbis Kramer
t.-ital. 1 (1700) 547
c;
envier, être jaloux de nouv. dict. 1 (1762) 351.
vgl. auch III B 2 b
δ ungegönnt. II@A@1@b@aα)
mit bezug auf seelische werte. im ahd. und mhd. erst vereinzelt: forhta unde hérzeslagod ánafálloe diê die réhtên dero hímelferte neunnîn Notker 2, 619, 2
P.; darn gan ich nieman heiles, swenne ez mich vergât Reinmar
in: minnesangs frühling 157, 27; dasz aber ein bösz geschrey von im erschollen, könne er nit kehren, denn es werde im von andern seinen miszgünstigen, die im seins glücks nicht günnen, also angestifftet Kirchhof
wendunmuth 1, 359
Ö.; wir sehen, dasz du glücklich bist; wie kann man dir den stand nicht gönnen? Gottsched
ged. (1751) 1, 280; (
Polo war am sieg über die Türken nicht beteiligt) nun kommt ein neid mir an, ich gönne keinem dieses glück, und möchte jedem es verkleinern A. v. Arnim
s. w. 15 (1857) 387; doch die welt — bald streut sie ihre leiden auch auf die zufrieden heitre bahn: weil sie dem, der tugendfreuden kennet, sein zufrieden herz nicht gönnet Hölderlin
s. w. 1, 8
v. Hell.; pfui den buben, die der welt nicht freude gönnen! Zach. Werner
Martin Luther (1807) 334. II@A@1@b@bβ)
speziell ehre, ruhm, ansehen
u. ä. nicht gönnen: noch dennoch was der neid als grosz under inen, das kainer dem andern der êr nit günt, kriegten selbs durcheinander Aventin
s. w. 4, 450
bayr. akad.; gut wort arg tck vil grüsz bösz blick das ist der sit auff erden es günd keiner mer dem andern eer was wil noch darausz werden? Forster
fr. teutsche liedlein 19
ndr.; Wilhelmus Vallaceus (
als statthalter in Schottland) ein kriegbar mann, der vil schlachten in Engelland gethan hat, vnd künig Edwarden etwan in die fluchtt getriben vnd als jm die seinen soliche eer nit göntten vnd verliessen jn, hat künig Edward grosse krieg gefürt wider die Schotten S. Münster
cosmogr. (1550) 66; pfüh dich, du schandtlich bOese art, das du Marie schon vnd zart nit wol gunnen magst diser eeren (
ohne erbsünde empfangen zu sein) Murner
von den fier ketzeren 45
Fuchs; der (
teufel) weder gott seine ehr bey den menschen, noch den menschen gottes huldt vnnd seligkeit günnet
volksb. v. dr. Faust 7
ndr.; (
der aufklärungsphilosoph de Pauw) wollte weder Chinesen noch Ägyptern die ehre gönnen, die ein vieljähriges vorurtheil auf sie gehäuft hatte Göthe I 33, 194
W.; (
der teufel) gönnet uns den rhuomb nicht, das wir sagen können: mein fleysch und bluot (
d. i. Christus) ist gott Luther 52, 633
W.; dasz er den ruhm den krieg beendigt zu haben seinem bald zu erwartenden nachfolger nicht gönnte Mommsen
röm. gesch. 2 (1865) 7; sie wollte ihm gleichwohl nicht den triumph gönnen, über ihren scharfsinn gesiegt zu haben Musäus
volksmärchen 1, 71
Hempel; er sahe, ... das die beyde jungen herren glück vnd segen von gott, vnd bey jederman gunst vnd hulde hatten, welches er jnen denn gar nicht gönnete Binhardus
thür. chron. (1613) 209; meinen widerwärtigen zu trotz, die mir solche stelle nicht gönnten Schweinichen
denkw. 349
Österley; also gönnen sie (
die juden) auch der lieben mutter Maria, der tochter Davids, die jnen kein leid gethan hat, auch jren rechten namen nicht, wie solten sie jr denn das leben, gut oder ehre gönnen Luther 53, 518
W. II@A@1@b@gγ)
mit bezug auf äuszere güter und anderes, das für jmd. wertvoll ist: (
sein vieles trinken) geschehe nit von durst oder notturft wegen, sondern damit dem würt der wein nit plib, dann er gonte in im nit
Zimmer. chron. 24, 39
Bar.; nun günet, wie vor geredt ist, hertzog Jörg dem hertzog Albrechten nit seins guets und des landts nit Füetrer
bayr. chron. 220
Spiller; ausz dieser historia sehen unnd lernen wir, wie feind der teuffel dem wort gottes sey, also dasz er demselben das geringste örthlein nicht günnet, darinnen es möchte gelehrt und gepredigt werden Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 55
ndr.; (
alle zwietracht auf erden kommt aus hoffart und neid) den all dieweil ein solcher mann, eim andern nicht das seine gan, noch jm wil geben was er wol, aus pflichten von sich geben sol ... Ringwaldt
lauter warheit (1597) 372; da der bawr den fliegen die stette nicht günte, vnd wolt sie mit eine in strohwisch verbrennen, steckt er das gantze hausz an Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) L 6
a; und wenn man auch den tyrannen ersticht. ist immer noch viel zu verlieren. sie gönnten Cäsarn das reich nicht und wusztens nicht zu regieren Göthe I 3, 295
W.; anfangs lagen sich dort (
in Chemnitz) konservative und nationalliberale in den haaren und beide parteien wollten einen kandidaten aufstellen, weil keine der andern das feld gönnte Bebel
a. m. leben (1946) 2, 303; keiner von euch allen gönnt dem andern die gnade des königs A. Sperl
Budiwoj (1927) 455.
in redensarten und allgemeineren wendungen, die abneigung und hasz umschreiben. es handelt sich hier nicht um ein bestimmtes gut, das man dem andern nicht zubilligt und um das man ihn beneidet, sondern um ein gut, das für den andern wichtig, ja lebensnotwendig ist. dem entspricht die häufige milderung des nicht
zu kaum: (
der teufel und wer ihm anhängt) kann ... seinem nähsten an leib und leben keinen schaden thun, mit der faust nicht ermorden, so hasset und neidet er ihn doch, zörnet mit ihm, ist ihm von herzen feind, gönnet ihm das leben nicht Luther
tischr. 1, 510
W.; unter schön gewachsnen bäumen stand ein niedrer krummer baum: sie in ihrer hoheit träumen, gönnten ihm das leben kaum Chr.
F. Weisze
lieder f. kinder (1767) 36; so war es nicht genug zu fressen unser gut; man gunt uns in dem leib auch kaum das letzte blut Logau
sinnged. 74
lit. ver.; de gnnt enen nig de ogen im kopp
der ist auf alles neidisch Dähnert
plattdt. 164
b; Stieler
stammb. (1691) 684; Kramer
t.-ital. 1 (1700) 547
c; dem Alexander Humboldt geben sie heut ein groszes essen — er möge doch ihrer beim sultan in gnaden gedenken — und gönnen ihm nicht das weisze im auge Zelter in:
briefw. zw. Goethe u. Zelter 2, 198
Hecker. auch mundartlich, vgl. hê günnt ên nich dat witt in't ôg, der neidhammel Danneil
altmärk. 72
a;
brem.-niedersächs. 2 (1767) 557 (
vgl. auch unter weisz D 1 a); hei gnt
en
em dat šwārt
e un
er
em nāg
el nit Bauer-Collitz
Waldeck 42
a; Rother
schles. sprichw. 423; die wellt wirdt euch lestern, schenden und auch tödten umb meinet willen und nicht gunnen den biszen brodts, so jhr gesset Luther 33, 650
W.; kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 125; gönnen mir die brosamen nit Luther 52, 370
W.; dem yederman feind ist und nicht die brodrinde gnnet
ebda 24, 450; (
ein sohn) hat jhr (
seiner mutter) nit gunt das trucken brot Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 10, 105
ndr.; de (
miszgünstige) gönnt enem de botter om brut net, net et salt op de botter
rhein. wb. 2, 1491; a ginnt ehme weders kalte nochs warme Rother
schles. sprichw. 423; er gönnt seinen pferden den haber nicht Schwan
nouv. dict. (1783) 1, 777
b; so mus Isaac nu widder verfolgung und neid leiden, werden (
die Philister) yhm so feind, das sie yhm des wassers nicht gönnen und alle seine brünne verstopffen Luther 24, 462
W.; (
ein judenmädchen erzählt:) und sie (
die nichtjüdischen einwohner) gönnten uns die reine luft nicht (
auszerhalb des ghettos) W. Raabe
s. w. I 5, 613.
auch mundartlich, vgl. Rother
schles. sprichw. 423; der gonnt kei
nem mensche
n de
n helle
n tag Fischer
schwäb. 3, 749; de (
miszgünstige) gönnt enem net et hemb am lif
rhein. wb. 2, 1491
mit zahlreichen ähnlichen wendungen. allgemeine wendungen wie es, etwas, nichts gönnen,
parallel zu den positiven wendungen unter II A 1 a
γ ende: er (
der papst) hatt das gestolen gut zu sich gerissen; wir mussens also wiederumb eraus reissen, ut fiat, quod Job dicit: er mus dem geben, dem ers nicht gann Luther
tischr. 3, 196
W.; bat se ęm nitt günnt, dat dait ęm am besten guəd Woeste
westf. 87
b; 'schang' sage s' 'die bauern san wie d'hund, weil koaner was dem andern gunnt!' Karl Stieler
ged. 2, 8
Reclam; er kam in ein dorf, darin wohnte ein schmied, der war ein geitzmann, gönnte keinem menschen etwas und wollte alles haben
kinder- und hausmärchen 2 (1813) 29; was hin ist hin, sehn mich nit nach, thu gar gemach, auff das nit lach, der mir nichts gund, villeicht kumbt vnuerhoffte stund Forster
fr. teutsche liedlein 33
ndr.; glaube nichts den falschen zungen, die mir und dir nichts gönnen Fr. K. v. Erlach
volkslieder d. Deutschen (1834) 3, 107; ich gönnte sonst keinem nichts als ihr; jede marque that mir weh, die sie ausgeben muszte (
er sieht dem tarokspiel zu, an dem die geliebte teilnimmt) J.
M. Miller
briefw. dreier akad. freunde 1 (1778) 146; de mer nicks gönnt un och nicks geve, müsse doch ligge (
leiden), dat ich leve
rhein. wb. 2, 1491. II@A@1@b@dδ)
auch von einem geschehen oder einer handlung, auf die man neidisch oder sonst ablehnend sieht, schon bei Notker: er gab, daz sine scalcha dihen begundon so uerro daz in is ene negundon Notker 3, 199, 28
P. öfter dann im 16.
jh.: und seinem nechsten nit gundt, das in die sonn anscheint Schumann
nachtbüchlein 22
Bolte; Aventin
s. w. 4, 18
bayer. akad.; also ghünnet er (
der teufel) dir, ja allen eheleuten nit, das sie ein stunde unter einander eins seien Er. Alberus
ehbüchl (1565) b 3
b; Wilhelm, der sehr eifrig dafür sprach, weil er dem menschen, den er geringschätzte, die rückkehr auf das theater nicht gönnte, und überzeugt war, dasz er eines solchen glückes nicht werth sei Göthe I 21, 83
W.; wie nun auch viele waren, die's den Rathenows nicht gönnten, in die reiche familie zu heirathen, und andere, die's den Schumms nicht gönnten, dasz sie mit den Rathenows eins würden, die meisten freuten sich doch auf die hochzeit Alexis
Roland (1840) 1, 56. II@A@22)
gegenstand des gönnens
kann etwas für den andern unangenehmes, nachteiliges sein. unter I
bleibt auch bei einem negativen objekt die bedeutung von gönnen
als '
gewähren, zuteil werden lassen'
gleich (
s. ob. I A 2 d
γ; I A 3 c).
als lediglich innere stellungnahme dagegen, in der dem andern sein unglück als verdient zugebilligt wird, erhält gönnen
den beiklang der schadenfreude (a),
in der verneinung den unterton des bedauerns (b). II@A@2@aa)
in positiver, nicht verneinter aussage. II@A@2@a@aα)
jemandem etwas nachteiliges, schlechtes schadenfroh als verdient zubilligen; sich freuen, dasz es ihm begegnet oder begegnet ist (
s. auch die beiden letzten belege unt. III A 2 b
β).
in den wbb. wird auf diese bedeutung erst bei Mozin-Biber
ausdrücklich hingewiesen: (
jedermann) gönnet ihm
s. unglück, diese demüthigung
se réjouit de son malheur, de la mortification qu'il essuie vollst. dt.-frz. wb. (1823) 423.
sie kommt aber schon in mhd. zeit, häufiger seit dem 16.
jh. vor: sô mag ich âne nôt leben hinfür mê. wan ich von sînen (
Tristans) schulden ê hân leides vil gewunnen. des tôdes wil ich im gunnen und lobe es got, ob ez wâr ist
Tristan als mönch 1753
Paul; wann wenn einer fliegen wil eb (
ehe) er federen hat usz dem nest, wer wil ym nit günnen vnnd lachen wann er felt Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 104
b; zwar ich gan yhm (
dem sünder) solcher staupe (
züchtigung) des rewels (
reue) wol, hats auch wol verdienet, auff das er ein exempel sey andern, zu lernen, nicht widder das gewissen zu sundigen Luther 30, 3, 219
W.; demnach gan ichs zwar dem könige zu Engelland, dazu dem teuffel auch fast wol, das sie solche arme elende betler uber mir werden, und sich so flicken müssen
ebda 23, 28; in kurzen zeiten thet ich und mich vil unglücks reiten, desz mir doch wol günnt iedermann, lachet und spottet mein daran Hans Sachs 17, 428
lit. ver.; ich mochte dem alten esel (
dem feldwebel) nicht mehr zuhören, sondern gönnete ihm, was er klagte (
dasz der adel den soldaten die karriere verschliesze), weil er offt die arme soldaten prügelte wie die hund Grimmelshausen
Simpl. 50
Scholte; Herder wollte seinen pfalzgräflichen adel hier geltend machen, wurde aber damit abgewiesen und obendrein ausgelacht, weil ihm jedermann diese kränkung gönnte Schiller
br. 6, 432
Jonas; dem grafen Christian (
Stolberg) gönne ich also die abfertigung (
durch J. H. Voss) (1820) Jac. Grimm
briefw. 1, 213
Leitzmann; gönnte er (
Metternich) vielleicht dem galizischen adel die blutige lection? Bauernfeld
tageb. in: jb. d. Grillparzerges. 5 (1895) 124; 'es sind amtsbrüder von mir', erwiderte Seidentopf, dem errötenden Lewin die kleine verlegenheit gönnend Fontane
ges. w. I 1, 108; Aristoteles geht davon aus, dasz es auch hierin zwei arten der kakia gibt: die eine, die dem menschen sein glück nicht gönnt, die andere, die ihm das unglück gönnt
N. Hartmann
ethik (
21935) 406.
auch mundartlich: i
ch ha
b e schwëri krank
he
it durchgmacht, un
d s sin lit do, öb d
u s glaübs
t oder nit, wu m
ir s
gegunnt (
oder gegunne
n) han Martin-Lienhart
elsäss. 1, 222
a. II@A@2@a@bβ)
daneben findet sich gelegentlich als gegönntes
ein von dem andern zwar begehrtes, aber nur scheinbares gut, das in wirklichkeit den besitzer schädigt oder lächerlich macht. gönnen
bedeutet hier soviel wie '
getrost zubilligen'
im sinne des ironischen zugestehens: weyl er szo mechtig ist die wort tzu verendern, wollen wyrs yhm (
könig Heinrich von England) gern gonnen, das er messe kalbskopff odder eselskopff heysse, wie er wil Luther 10, 2, 252
W.; ein kerl, der reime quält und noch der pritsche miszt, kommt an und sticht mich ab, nicht wegen netter proben, nein, sondern weil er nur ein beszrer hofnarr ist. ich gonn ihm auch den ruhm J. Chr. Günther
s. w. 3, 75
Krämer; wir wollen der verleumdung gönnen, uns ein vertraulich paar zu nennen, der himmel band ja dich und mich Schwabe
belustig. (1742) 1, 26; diesen eingeschränkten geistern kann man ihre einbildung gern gönnen; und diesz werk wird dennoch seinen ewigen werth behalten
anmuth. gelehrsamk. (1751) 3, 431
Gottsched. II@A@2@bb)
bei der verneinung nicht gönnen
ergeben sich hier zwei verschiedene bedeutungen, je nachdem der gegenstand des gönnens
eine schlechte einstellung bzw. handlung des andern ist (
α)
oder etwas, das für den andern selbst nachteilig ist (
β). II@A@2@b@aα)
jmd. etwas gegen recht, sitte, ordnung verstoszendes tadelnd nicht zugestehen: ich ensach nie wîp sô stæte, (des ich ir doch niht engan) diu sô harte missetæte sô si tuot an einem man Reinmar
in: minnesangs frühling 202, 20; (
Ottokar zwingt herzogin Gertrud, Steiermark zu verlassen) unlange si dâ beleip, daz er si ouch von dannen treip. der untugent ich im niht gan Ottokar
reimchron. 6556
Seem.; wie sich dein man, das Christus walt, vergriffen hat nur alzu bald, seis gott geklagt, ich günn es jhm nicht Hayneccius
Hans Pfriem 42
ndr. II@A@2@b@bβ)
nicht einverstanden sein, dasz jemandem etwas nachteiliges, schlechtes begegnet oder begegnet ist, in der meinung, er habe es nicht verdient, dasz man ihm übel mitgespielt hat; jmd. wegen eines unglücks bedauern; vgl. dazu die mhd. wendung einem eines dinges ubel gunnen
unter III A 2 a
β: lasters ich in (
den frauen) niene gan
minnesangs frühling s. 86, 23; wir wollen ihn (
den kaiser Ferdinand) nicht richten, gonnen ihm auch sein vngluck nicht Luther
tischr. 4, 379
W.; Stieler
stammb. (1691) 684; ich bin wirklich manchmal so unzufrieden mit mir selbst ..., dass ich die schwarzen stunden ... meinem feinde nicht gönnen will Th. Abbt
verm. w. (1768) 3, 117. II@BB.
jmd. etwas von herzen wünschen, in der überzeugung, dasz er es verdient habe (
auch in der verbindung von gönnen
mit wollen, mögen, gern
u. ä. tritt die bedeutung '
wünschen'
öfter hervor, vgl. III A 3 a, III A 3 b, III A 2 b):
vouloir (
souhaiter)
du bien Rondeau
dt.-frz. wb. (1740) Pp 1
b;
vouloir ou souhaiter du bien ou du mal à qqn nouv. dict. 1 (1762) 351; gunne
n einem gutes oder schlechtes wünschen Follmann
lothr. 220
b; günnen
wünschen, desiderare, augurare Schmeller
cimbr. 189
a; ich jönt
ich wünschte, möchte Rovenhagen
Aachen 46. II@B@11)
gegenstand des gönnens
ist etwas für den andern wertvolles (
für die verneinung mit nicht
kommt die bedeutung '
wünschen'
kaum zur geltung, da dann der ton neidischer miszbilligung überwiegt, s. ob. A 1 b;
zu nichts gutes gönnen
vgl. unter III A 1 a
β ende und III A 1 b
α,
zum reflexiven gebrauch dieser bedeutung vgl. III B 1 c
αββ). II@B@1@aa)
von geistig-seelischen gütern: dein nechsten hastu lieb als dich selber. zuo dem ersten wan du im günnest ewigs leben vnd ewige selikeit. zum andren wann du im günnest daz im got der herr seine sünd verzeihen vnd im geben vnd verleihen wöl die mittel, damit er selig mög werden Keisersberg
brösamlin (1517) 74
c; vnd hiemit sey euch gute nacht von ewrem sohn gegönnet Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 321; wenn dir das glücke wird ... brennen, so glaube, dass wir dir noch weit ein mehrers gönnen Neukirch
ged. (1744) 220; ich gönne ihm und euch ein fröhliches zusammenseyn (1809) Göthe IV 21, 74
W. II@B@1@bb)
von äuszeren gütern: ich gönne den städten auch bessere einnahmen, nachdem ein groszer theil derselben ihr früheres schönes besitzthum ... aufgetheilt hat. aber ich fürchte, an den offizieren werden sie sich (
durch erhöhte steuern) nicht erholen Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 84. II@B@1@cc)
von vorgängen, handlungen: zwâre ich gan iu beiden wol daz ir in gesunden vindet Hartmann v. Aue
Iwein 5914; darumb wolt ich (
Luther) yhm (
Hieronymus) gonnen, das er ein weyb het gehabt; sol vil ding anders geschriben haben
ders. tischr. 1, 194
W. II@B@22)
gegenstand des gönnens
ist etwas für den andern unangenehmes, nachteiliges. II@B@2@aa)
als '
wünschen aus abneigung oder neid'
nur lexikalisch vereinzelt verzeichnet: einem alles unglück gönnen
souhaiter de mal à quelcun Rondeau
dt.-frz. wb. (1740) Pp 1
b.
umgangssprachlich geläufig: dem gönne ich mal eine tüchtige tracht prügel, einen ordentlichen reinfall
u. ä. zu übles gönnen, böses gönnen
u. a. (
seit Notker)
vgl. III A 1
d. gern wird als inhalt des gönnens
ironisch ein scheinbares gut genannt, das in wirklichkeit dem andern zum nachteil gereicht: auff einen ehrgeitzigen. alle menschen günnen dir, dasz du möchtest Caesar werden, doch mit drey vnd zwantzig wunden nieder liegend auff der erden Logau
sinnged. (1654) 39; (
Lichtenberg schreibt an Kaltenhofer über die polypen:) allein nun habe ich zwey dumme eigenschafften an ihnen entdeckt, dabey ich wohl dem teufel die polypschafft gönne. sie sterben augenblicklich vom wein und paaren sich nicht Lichtenberg
br. (1901) 1, 59.
auch mundartlich: a günnt em oalles, woas de hinner leen, og (
nur) de eere nich Rother
schles. sprichw. 423. II@B@2@bb) nicht gönnen '
aus wohlwollen nicht wünschen, dasz dem andern etwas schlechtes, nachteiliges begegne' (
zu nichts ubelsz gunnen, nichts boses gunnen, keins argen günnen
vgl. III A 1 d
α,
γ,
δ): also schied der helt von ir und sprach 'diser not gan ich nit dir' (
ihr magdtum zu verlieren) Heinrich v. Neustadt
Apollonius v. 15 733
Singer; es ist eu. l. (saget sie) niemals mit meinem willen args widerfahren, vnnd (
ich) were gantz vbel zu frieden, eu. l. in solchem (
leben) nachgestelt oder selbiges (
arges) gegöndt zuhaben
Amadis 359
Keller; die (
schmerzen) gönn ech kene koə (
bösem) hongk
u. ä. rhein. wb. 2, 1492. IIIIII.
besonderheiten des gebrauchs. III@AA.
feste verbindungen von gönnen
mit bestimmten objekten (1),
adverbien (2),
verben (3)
und synonymen (4). III@A@11)
neben halbfesten verbindungen von gönnen
mit bestimmten objekten wie augen, mund, wort
u. ä., ehre, ruhe, leben
u. ä. (
unter I
und II)
stehen unbestimmte objektsverbindungen mit substantiviertem adjektiv als wirklich feste wendungen und prägungen schon seit ahd. zeit. III@A@1@aa)
gutes gönnen. III@A@1@a@aα)
selten steht die wendung in der bedeutung I A 3 '
gutes zukommen lassen, gewähren'
bzw. '
gutes zu verschaffen suchen': gúates er in ónda, sôs er uuóla konda, bî thiu gáb er mit giuuúrti suazaz ántuuurti Otfrid I 27, 31
Piper; es seint die die nit die sach ansehen, aber die secher (
die prozeszführenden) nach dem als sie inen geneigt seint, nach dem geben sie vrteil, günnen sie inen guts Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 73
a; ach, dasz ich's vergelten könnte, jedem der mir gutes gönnte Lavater
christl. lieder (1788) 2, 26. III@A@1@a@bβ)
meist steht bei dem ausdruck gutes gönnen
das II B 1 a
entsprechende moment des herzlichen wunsches und der gewogenheit für den andern im vordergrunde, obwohl eine sichere abgrenzung gegen α oft nicht möglich ist: mir hete wilent z'einer stunde so wol gedienet ein man, daz ich im wol guotes gunde, des ich im nu niht gan Heinrich v. Veldeke
in: minnesinger 1, 35
b v. d. Hagen; (
nachdem Siegfried aufgebahrt wurde) Kriemhilt diu armez'ir kameræren sprach: si suln durch mîne liebelîden ungemach, die im iht guotes günnenund mir wesen holt
Nibelungenlied 1053, 3
Bartsch; besent alle ure deinstman unde allet dat uch guedes gan unde treckit mit eime starken her her vur Colne (
Köln 13.
jh.)
städtechron. 12, 99; ist dan iemans seiner sachen oder personen verwandter der im guots gyn, der mag im ... ein beistant thuon zuo dem rechten Murner
kl. schr. 7, 7
Pfeiffer-Belli; cupere alicui einem wol wOellen, guots gunnen, günstig seyn Frisius
dict. (1556) 353
a; Maaler
teutsch spraach (1561) 198
c; darzu kein mensch recht wissen kan, wer jm von hertzen gutes gan, vnangesehn, das mancher scheint als wer er ein getrewer freund Ringwaldt
lauter warheit (1597) 115.
selten als einstellung einer sache gegenüber: ach gott, wie hat zu vnser zeit, das predigampt, so grossen neid, es wird gehasst von jderman, ich weis nicht wer jm gutes gan
ebda 321.
die verneinung der wendung ist entsprechend ausdruck der abneigung und des übelwollens: so ingan ir eyn dem andirn nieht guotis Türk
d. wortschatz d. predigtslg. Dietrichs v. Gotha 44; ich petracht ... das kainer dem andern nicht guetes gund
alldt. passionsspiele aus Tirol 262
Wackernell; keyn jud den christen nye guots gan, wie solchs dein art thuot zeygen
an. Wickram
w. 5, 113
Bolte; conspici infestis oculis omnium es gundt jm niemants guots Frisius
dict. (1556) 312
a; 143
a. III@A@1@bb)
daneben stehen variierende wendungen. III@A@1@b@aα) alles gute gönnen
bzw. nichts gutes gönnen,
durchweg in der bedeutung '
wünschen',
entsprechend II B: Petrus, dua mih uuîsioba ih thir líob filu sî, mit mínnu thînes múatesmir únnis alles gúates? (
Joh. 21, 15:
Simon Johannis, diligis me plus his?) Otfrid V 15, 14
Piper; nû was ir lutzel iemen wider, si gunden ir alles guoten wol Ottokar
reimchron. 1175
Seem.; ich kans ia nicht lassen, ich ms auch sorgen für das arm, elend, verlassen, veracht, verrathen und verkaufft Deutschland, dem ich ia kein arges, sondern alles gtes gOenne, als ich schuldig bin meinem lieben vatterlande Luther 30, 2, 412
W.; einem alles gutes gönnen
souhaiter toute sorte de bien à quelcun Rondeau
dt.-frz. wb. (1740) Pp 1
b; Schwan
nouv. dict. (1783) 1, 777
b; Mozin-Biber
vollst. dt.-frz. wb. (1823) 423; es wäre sehr egoistisch von mir, wenn ich ihnen nicht alles gute sowol für arbeit als erholung gönnte, deren sie doch gewisz sehr bedürfen (1884) Rodenberg in:
briefw. C. F. Meyer u. Jul. Rodenberg 194
Langm.; und es ist wahr, sprach doctor Martinus Luther, die juden gönnen uns nichts guts, wir sind ihnen als der tod oder als ein gebrannt leid Luther
tischr. 6, 352
W.; ebda 5, 127. III@A@1@b@bβ) viel gutes gönnen: wann sy ist wolgetan. der ich vil guotes gan, sy ist mir eingefallen vnd mag nicht abgelan
liederb. d. Hätzlerin 73
b Haltaus; mein hertz hat eüch lieb vnd günnet eüch vil guots Elis. v. Nassau-Saarbrücken
Hugh Schappel (1537) 23
a; aber meinem fründ zelieb, wann ich meinem mitbrüder sol als vil guots guonnen, als ich wolte das er mir guonte Keisersberg
brösamlin (1517) 68
b; es ist ye gott so klug alls der bapst und gunnet uns allen alls vill guts alls der bapst Luther 9, 542
W.; III@A@1@b@gγ) etwas gutes gönnen: den tag, da man seinem nächsten ein für alle mal aufs ganze jahr was gutes gönnt! (1781) Lessing 18, 363
L.-M.; Kramer
t.-ital. 1 (1700) 547
c. III@A@1@b@dδ) mehr gutes gönnen als ...: so sie (
die richter) aber sehen das es gat wider den teil dem sie me gutz gunnen, dan dem anderen, so verziehen sie das vrtel Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 141
b. III@A@1@b@eε) das beste, das allerbeste gönnen: so wil ich und beger und gan dir des aller pesten
theolog. deutsch 62
Mandel; (
der liebhaber sagt von Magelone:) jedoch die weyl sie die creatur jst auff erden, deren ich das aller beste gonne in diser welt Warbeck
schöne Magelone 16
Bolte; Stieler
stammb. (1691) 684; Henisch (1616) 1682; hat jemand einen sohn, hat jemand einen freund, dem er das beste gönnt und recht mit treuen meint Rachel
satyr. ged. 78
ndr.; ich verdiene ..., dass du mir das beste gönnst Bettine
Goethes briefw. m. e. kinde (1836) 2, 218. III@A@1@b@zζ)
zu reflexivem sich gutes, das beste gönnen
u. ä. s. unt. III B 1 c
αββ. III@A@1@cc)
wendungen mit zweigliedrigem objekt. vom mhd. bis ins 16.
jh. formelhaft gutes und ehren gönnen: und ob ir mir gunnet guotes unde êren, sô lâzent mich kêren ze unserm herren Jêsu Krist Hartmann v. Aue
armer Heinrich 804
Gierach; ir sprechet als ein versunnen man de uns godis und eren gan (
Cöln)
städtechron. 12, 2056.
in umgekehrter wortfolge: ein grosse schar der jhenen, die mir eeren vnd guots gnnen Hutten
opera omnia 1, 412
Böcking; vgl. Hans Sachs 20, 332, 33
lit. ver.; darumb vermahne ich dich, ob du mir anderst ehren vnd guts günnest, so wehre mir diesen kampff nicht
buch d. liebe (1587) 79
d; nach solcher verloffner abrede do sahen alle die, so dem stammen Zimbern ehren oder guets gonten, ungern, das der kauf für sich sollt geen und die nutzlichen güeter in frembde hend kommen
Zimmer. chron. 23, 19
Bar. variierend: und alle, die mir gunden gelückes unde guotes, die sint nu swæres muotes und sere truric umbe mich Gottfried v. Straszburg
Tristan 2598
Ranke; eine frau gönnt der andern alles liebe und gute, nur kein neues kleid und keinen anbeter Raupach
dram. w. kom. gattg. (1829) 1, 17.
disjunktiv: wir mögen ihm gutes oder übels gönnen
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 13
Gottsched; Schwan
nouv. dict. (1783) 1, 777
b. III@A@1@dd)
übles gönnen, böses gönnen
u. a. als feste wendungen für abneigung und miszgunst einem andern gegenüber, zu II B 2 '
wünschen'. III@A@1@d@aα) übles, nichts übles, alles übel ... gönnen
ist seit Notker
bis ins 18.
jh. lebendig: die mir ubeles gunnun
qui cogitant mihi mala Notker 3, 102, 27
P.; diê mir ubeles unnen
qui quaerunt mala mihi ebda 2, 282, 10; schemen müssen sich vnd zu schanden werden, die mir nach meiner seelen stehen, das sie die vmbbringen, zu rück müssen sie fallen, vnd zu schanden werden, die mir vbels gönnen
ps. 40, 15; ordent er sein vorderwart mit dem grauen Gui von Montpolier, der Reynharten vbels gundt
hertzog Aymont (1535) d 4
a; Murner
von den fier ketzeren 4, 48
Fuchs; Kramer
t.-ital. 1 (1700) 547
c; und die königin (
Jesabel) ist so gottlos, dasz man ihr alles übel gönnt Göthe I 51, 141
W.; das ander teyll der lieb gegen den nehisten hatt
s. Stephan damit ertzeygt, das er auch seynen eygenen mordern nichts ubelsz gunnte Luther 10, 1, 1, 265
W.; ders. br. 10, 11
W. III@A@1@d@bβ) leides gunnen, schaden gunnen
im mhd. sind wohl nur variationen der geläufigen wendung unter α: got sælden im verbünne der triuwen leides günne, wan triuwe ist under künne ein freudeberndiu wünne Konrad v. Würzburg
Engelhard v. 70
Gereke; kreuzf. Ludwigs des frommen 7305
Naumann; dô sprach er 'bistuz Urjâns? ob du mir nu schaden gans, den trag ich âne schulde
Parzival 524, 20. III@A@1@d@gγ) böses gönnen: und du begerst und gannest und tust mir das aller pöst, das du kanst oder magst
theol. deutsch 62
Mandel; wer seim bruder böses günnet und gedenckt, der ist werd, das man yhn für gerichte lade (1527)
mon. Germ. päd. 21, 32, 5; sie were darumb in orden gangen, das si eim jeden alles guots wnschet, und nit, dz si jemands bOeses gOennen solt J. Heroldt
v. d. zung (1544) 80
a; wer ist unter uns, der dem nachbar, dem freund, dem bruder, dem kollegen das kleinste böse gönnen würde? W. Raabe
s. w. I 6, 369; ich gönne niemans böses, sonderlich sol ja kein christ einem andern den zorn gottes wundschen Luther 54, 391
W.; was gott thut, das ist wohlgethan, er ist mein liecht und leben, der mir nichts böses gönnen kan S. Rodigast
bei Fischer-Tümpel
evangel. kirchenl. 4, 379. III@A@1@d@dδ) arges gönnen,
nur in der verneinung belegbar: gedenck wol an die freunde dein die dir keins argen günnen vnd teglich bey dir sein
bergreihen 86
ndr.; Wickram
w. 4, 131
Bolte; der frömmste muth ist gottes muth, der niemand arges gönnt noch thut Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 386
a. III@A@22)
seit dem mhd. wird gönnen
häufig mit adverbien oder adverbialen bestimmungen verbunden; durch sie wird der in allen bedeutungen von gönnen
mitgegebene gesichtspunkt der inneren zubilligung unterstrichen. über nur gelegentliche verbindungen wie mit rehten triuwen (
s. u. III B 1 a
β αα), gnädigst (
s. ob. I B 1 a)
u. a. hinaus treten adverbien allgemeinerer bedeutung in feste, formelhafte beziehung zu gönnen. III@A@2@aa)
am häufigsten wohl '
gern'
und z. t. dessen gegensatz übel,
beide besonders im mhd. III@A@2@a@aα)
wohl gönnen.
zu I B '
erlauben': (
die eltern zu dem kranken ritter:) unser tohter ist ze muote daz sî den tôt durch iuch dol. des gunne wir ir harte wol sus hât sîz umb uns brâht Hartmann v. Aue
armer Heinrich 980
Gierach; (
wir haben den gemeinen rat gebeten) offt we de were (
besitzrecht) des parehoves (
pfarrhofes) to sunte Olrike konden wedderkrighen myt breven ... darto antworde de rad: konde we daran myt breven wes enden, des ghonden se wol (
Braunschweig 1418)
städtechron. 16, 40, 25; nein, esset unnd trincket, das gönnet euch gott woll Luther 52, 22
W.; dann so er (
ein floh) vieleicht wirt erwischt will ich dem weib sehr gunnen wol das sie zuo todt dAen kitzeln soll Fischart
flöhhatz 53
ndr. seltener mehr zu I A '
zukommen lassen': wente in allen landen vnde ryken leuet nu nemant vnder der sunne, deme ik den schat alzo wol ghunne alze yw beyden
Reinke de vos 91
Prien (
dieselbe stelle: so gern gönne Gottsched
Reineke fuchs 52
Bieling; lieber gönnte Göthe I 50, 68
W.).
vornehmlich zu II A 1 '
zubilligen': die andern muosen alle hern Îwein wol gunnen sîns landes und sîns brunnen und aller sîner êren Hartmann v. Aue
Iwein 2647; dô gap er (
Rüdiger) Gêrnôteein wâfen guot genuoc, daz er sît in stürmenvil hêrlîchen truoc. der gâbe im vil wol gondedes marcgrâven wîp
Nibelungenlied 1696, 3
Bartsch; denn ich kenne den stoltz wol ettlicher könige und fürsten, die gerne wolten, das keyser Carl nichts were und sie selbs weren die helden und meister, die widder den Turcken ehre einlegten. ich gan yhn der ehren fast wol Luther 30, 2, 145
W.; es ware aber einer under inen, der gedachtem burgermeister günstig war und im der ehren wol gOente Montanus
schwankb. 426
lit. ver. III@A@2@a@00 zu II A 2~~,
mit negativem objekt: wie denn der teuffel und die welt sonderlich solchen todt jm (
Christus) darumb auff legen unnd wol günnen, der von gott selb ein verfluchter todt genennet wirt Luther 52, 806
W.; umstände, daraus ich nothwendig abnehmen konte, dasz die gantze nachbarschafft ihn dieses unglücke wohl gönnen müste Thomasius
ged. u. erinn. (1720) 1, 3. III@A@2@a@00 zu II B 1~~ '
wünschen': (
in einem spital in Nürnberg wäre der spitalmeister der kranken menschen) eins teils gern ledig gewesen vnd het in gesuntheit wol gegund
Till Eulenspiegel 25
ndr. zu formelhaftem part. praes. wohlgönnend
s. u. IV 2. III@A@2@a@bβ)
in der mhd. literatur wird auch ein gegenteiliger ausdruck zu wol gunnen
gebräuchlich, der nicht besagt, wie sehr, sondern wie wenig man jmd. etwas zubilligt, und zwar etwas unangenehmes, also ebenfalls aus einer wohlwollenden einstellung heraus (
vgl. II A 2 b
β), einem eines dinges ubel gunnen '
ihn wegen etwas bedauern' (
vgl. Lexer 1, 1119): ... ach wê wie übel gunde si den boten dirre sage ... (
wie leid tat es ihr, dies von den boten zu hören)
die klage 1381
L.; Ebernand v. Erfurt
Heinrich u. Kunigunde 405
Bechstein; ich gan iu übel iwers schaden, ich nert iuch gerne '
ich möchte nicht gern, dasz ihr umkämet'
altdt. wälder 3, 179
in: mhd. wb. 1, 33
a. III@A@2@bb)
seit dem spätmhd. kommt mit etwas stärkerem ausdruckswert gern gönnen
neben wohl gönnen
auf und verdrängt dieses in neuerer zeit. III@A@2@b@aα)
zu I '
zukommen lassen': liebt den, der für liebe brennet; schaut den stern, der euch gern liecht und labsal gönnet Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 330
b; und (
ich) möchte meiner lieben mutter, die im grunde jedes öffentliche auftreten scheut wie den tod und nur zu empfindlich ist für die stimme des publikums, gern zuerst die möglichst angenehmen eindrücke gönnen (
von einer dichtung Annettes) (1837) A. v. Droste-Hülshoff
br. 1, 197
Schulte-K. III@A@2@b@bβ)
am häufigsten unterstreicht gern
die innere zubilligung, entsprechend gönnen II,
vgl. auch es ist euch gern gegönnt
unt. B 2 a
β ββ: swie gern ich disem trugnære gunde mit minnen sîn lîpnar gewinnen sô wil er ze hôhe fliegen unde mit gewalte triegen Ottokar
reimchr. 32 380
Seem.; (
Carlstadt) hatte sorge, ich (
Luther) würde ihm die ehre zuvor wegnehmen, die ich ihm doch gerne gegönnet hätte Luther
tischr. 4, 188
W.; ich leid es williglich, und gönne iedem gern, dasz er auf andre weise sich bestrebe, gott den herrn zu rühmen, zu erhöhn Brockes
ird. vergnügen (1721) 4, 73; ich erwarte in etwa 8 tagen meine schwester mit meinem schwager dem bibliothekar Reinwald aus Meinung (
Meiningen) hier; meiner schwester gönne ich diese zerstreuung gern, aber mit dem schwager weisz ich nichts anzufangen Schiller
br. 6, 45
Jonas; des falters flatternd kosen, die lieder im gesträuch, der menschen lob — ihr rosen wie gerne gönn ichs euch! Geibel
Juniuslieder (1848) 15.
ironisch-sarkastisch: aber wir wollen disen newen kirchensturmern gern gOennen, dasz jre kirch jren herren bräutgam gleich seie, nämlich hie im ellend vmbzieh (1586: gern gonnen) Fischart
binenkorb (1588) 10
a; gerne gönnte man ihm (
Karl v. Lothringen) in Österreich die ehre, sich ... für das wohl des erzhauses zu grunde zu richten Schiller 8, 208
G. schadenfroh: ich (
der pfaffe) musz mich wol hüten vor im (
dem mesner); wann solt er mir ein platten schern, die bawern würden mirs günnen gern, die mir fast all abgünstig sein Hans Sachs 17, 188
lit. ver. als wunsch: gerne gönnen wir die schnellste reise, gern die hohe fahrt dir Göthe I 2, 72
W. III@A@2@b@gγ)
der ausdruck wird gelegentlich erweitert und verstärkt, s. schon ob. Ottokar
unt. β: gönne ihnen der ehren für mir gar willig vnd gerne, wil mich von einem jedern, ein bessers zu lernen nicht schemen (16.
jh.) Puschmann
meisterges. 34
ndr.; mit willen vnd gern gönnen
M. Herr
feldbau (1551) 536; desgleichen sie (
die engel) auch an den gaben der menschen ein gefallen haben, und gönnen ihnen hertzlich gern, dasz sie auch leuchten wie die stern Ringwaldt
bei Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 457; wir wären dann nicht genöthigt, zur besteuerung der genuszmittel zu greifen, die wir den ärmeren so gern gönnen O. v. Bismarck
polit. reden 4, 243
Kohl. III@A@2@cc)
steigerungen von wol gunnen, gern gönnen
sind baz gunnen
und später lieber gönnen, am liebsten gönnen. III@A@2@c@aα) b a z gunnen,
zu I A '
zukommen lassen': Kriemhilt, liebiu vrouwe, jâ sult ir mir (
Hagen) sagen wie ich iu müge gedienen an Sîfride iuwerm man. daz tuon ich gerne, vrouwe: baz ih's niemen engan
Nibelungenlied 895, 4
B.; desgleichen soll sie einen sondern tranck für das gesind auch bereiten ..., will man es jhnen besser gönnen, so mag man ... Sebiz
feldbau (1570) 63.
zu II A '
zubilligen': mich wundert dicke daz ein wol gerâten man under sînen friunden niht erwerben kan sin sîn im âne schulde gehaz und gunden einem fremden baz der êren die er solte hân mit den besten in den landen. stirbet er, si sehent den tac, si trüegen in ûf den handen Spervogel
in: minnesangs frühling 23, 8; ihr (
der zechenden) freundschafft die ist mechtig gros: ein jeder günts dem andern bas dann seinem eigen leibe
bergreihen 78
ndr. mehr als wunsch, zu II B: jane redent siz durch deheinen haz, wan dazs iu des gunden baz daz ir dise burc mitet (
meidet) unde noch fürbaz ritet Hartmann v. Aue
Iwein 6140. III@A@2@c@bβ)
die wendung lieber gönnen
ist jünger und seltener: wem solt ich mein herz lieber gönnen als dem, der mir das seine gibt? K.
F. Lochner
bei Fischer-Tümpel
evangel. kirchenl. 5, 129; (
zum herzog nach dessen brunnenkur:) wem würde man den schönsten theil der edlen wirkung lieber gönnen, als dir, o herr Gottsched
ged. (1751) 1, 65. III@A@2@c@gγ) am liebsten gönnen: welchem theil zeuge den gewin und sieg dieser sachen am liebsten gönne (
frage an den zeugen) Gödelmann
tract. de magis (1591) 3, 79; einen nichtswürdigen und schlechten mann aber, dem ich sie noch am liebsten gönnen würde, zu nehmen, dazu ist sie selbst zu stolz Lessing 2, 11, 17
L.-M.; doch gönne ich dir am liebsten diesen triumph (
und nicht mir) Göthe IV 41, 129
W. III@A@2@dd)
der ausdruck von herzen etwas gönnen
mit seinen varianten kommt in mhd. zeit auf, wird aber, wie es scheint, erst seit dem 16.
jh. häufiger. III@A@2@d@aα)
von herzen gönnen.
zu I: wip unde man, wünschet, daz si mir ringe die swære der s'ane schulde von herzen mir gan
minnesinger 1, 132
a v. d. Hagen. zu II: ey so thun dissem (
deinem nächsten) auch also, du must im auch van hertzen alles guts gonnen Luther 9, 154
W.; es räth offt mancher einem mann, das er von hertzen jm nicht gahn Burkard Waldis
Esopus 1, 30
Kurz; einem seine wolfart von herzen gönnen
favere saluti alicujus, aliquem salvum velle Stieler
stammb. (1691) 684; Kramer
t.-ital. 1 (1700) 547
c; dagegen hat Schiller ... das merkwürdige glück, als besonderer freund des volkes zu gelten. ich gönne es ihm von herzen und tröste mich damit, dasz es andern vor mir nicht besser gegangen Göthe
gespr. 5, 12
W. v. Biederm.; aber der Laszberg müszte ja steinalt werden, wenn er noch erleben wollte, dasz die kleinen stümpchen in pension kämen. ich gönne ihm das leben von herzen, aber du (
Sophie v. Haxthausen) weiszt, wie er herunter ist (1837) A. v. Droste-Hülshoff
br. 1, 257
Schulte-K. mit dem ton der schadenfreude, zu II A 2a: dasz, wenn ein ungelük ist über ihn gekommen, man ihn darzu verlacht, und gönnets ihm von hertzen Neumark
lustwäldchen (1652) 46. III@A@2@d@bβ)
in älterer sprache wird der ausdruck noch gern variiert: daz man fon allime herzin allin ludin wole gudis gunne
parad. an intell. 62
Strauch; inde de goyde got messe ir goinen, dat sy (
frau Gertrud) geneydeclyge inbonden werde: des gain ich ir van alle mime herzen wayl (1367)
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalt. 1, 5; was ich mit recht den gunden sol das gon ich im von herczen wol Hermann v. Sachsenheim
mörin 965; ich günn dirs ouch von hertzen wol H. R. Manuel
d. weinspiel 1341
ndr.; wenn es euch wol geht, das gunn ich euch von ganzem herzen wie mir selbs (1506) Dürer
nachlasz 21
Lange-Fuhse; im hertzen lieb gnstu vns zwar Gilhusius
gramm. (1597) 3, 75; demselben gönne ich, neben bereitstellung unterdienstlicher beflissenheit, alle glücklich- und selbstbegerende wohlfahrt, aus treuen herzen Butschky
hochdt. kanzelley (1659) 26. III@A@2@d@gγ)
daneben seit dem 16.
jh. herzlich gönnen: sie hat villeicht auff diser erd bey andern glück mehr, als bey mir, das thun ich hertzlich günnen jr Fischart
w. 1, 345
Hauffen; Ayrer
dramen 162
Keller. auch schadenfroh: wie herzlich gon ich das ... dem verzweivelten bosen wurm zu Meintz (
dem erzbischof), der des unglücks alles bisher meister gewest Luther
br. 10, 125
W.; und sehr viele gabs, welche dem 'hochmütigen' Floris und der 'naseweisen' Athela jenes böse stündlein im geheimen ganz herzlich gönnten W. Raabe
s. w. I 6, 202. III@A@2@ee)
neben den obigen, die innere stellungnahme unterstreichenden zusätzen begegnen gelegentlich adverbien, die in einschränkender beziehung auf das sachobjekt das masz des gegönnten
bestimmen: einmal war einer mutter ihr kind ... ertrunken, sie rief gott und seine heiligen an, ihr nur wenigstens die gebeine zum begräbnisz zu gönnen br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 40; die tage, die uns die vorsehung noch gönnen wird (
les jours que la providence nous accordera encore) Mozin-Biber
vollst. dt.-frz. wb. (1823) 423;
s. auch gönnten ihm das leben kaum Weisze
unter II A 1 b
γ. III@A@33)
noch bezeichnender als die nähere bestimmung durch ein adverb ist die verbindung des wortes als abhängigen infinitivs mit einem verb, das den wunsch oder willen bezeichnet und damit die innere einstellung des gönnenden
gegenüber einer vorzunehmenden handlung oder verhaltensweise unterstreicht. III@A@3@aa)
das gilt besonders für wollen, mit dem gönnen
seit dem mhd., vor allem aber seit dem 16.
jh. in seinen verschiedenen bedeutungen sehr häufig verbunden wird. III@A@3@a@aα)
in der einfachen aussage. gott oder höhere mächte als gönnend: und wird (
dies büchlein) sonderlich handeln von der schOenen lilien, welche gott der letzten welt gOennen wil Jac. Böhme
theosophische send-briefe (1682) 20; auch seelen, welche nicht gleich weisen denken können, will unumschränkte huld ein ewig glücke gönnen Kästner
verm. schr. (1755) 1, 104; doch da das schicksal ihn (
den kurfürsten Friedrich v. Brandenburg) der Marck nur wollen gönnen, hat fremder kronen reitz ihn nicht bewegen können Pietsch
geb. schr. (1740) 98.
der mensch als gönnender: so wil ich iu vröude gunnen, unt mir leid[e]s diewile ich lebe Munegiur
in: minnesinger 2, 63
b v. d. Hagen; lasz ab von der bethörten wuth; wir wollen dir (
Napoleon) noch friede gönnen, bei welchem du sollst herrschen können. das war das dritte wort der fürsten Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 49. III@A@3@a@bβ)
in verneinender aussage kommt entsprechend die mangelnde bereitschaft oder die bewuszte ablehnung zum ausdruck: (
gedicht auf eine tote:) und warum sind wir nicht zugleich mit dir erblast? jedoch gott wolte nicht uns das gelücke gönnen Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 169; silber und gold hatt ich vast vil, der tod mir's nit mer günnen wil
N. Manuel 8
Bächtold; der himmel wil nicht mehr der erde saamen günnen Logau
sinnged. 49
lit. ver. hier besonders '
nicht erlauben': wir wolden Rüedegêrengetragen haben dan: des enwolden uns niht gunnendes künec Guntheres man
Nibelungenlied 2313, 4
B.; es geschach ouch jn deme selbigen jare, das dy von Erfforte grossze fede gewunnen, do hetten sy gerne volk uff dy borg geleyd, des en wolde her vn nicht gunnen Stolle
thür. chron. 7
lit. ver.; wenn sie wüszten, wie ich heute darum gelitten habe, dasz sie mir nicht gönnen wollten, sie auf ihrem spazierritt zu begleiten Pückler
briefw. u. tageb. (1870) 1, 462; ich ... hatte dir nicht wollen gönnen, dasz du mit mir zugleich bei ihm wärst, ich wollt ganz allein mit ihm sein Bettine
Günderode (1840) 2, 189. III@A@3@a@gγ)
in einer persönlich gerichteten bitte oder einer frage: (
so) wol uns e.
f. g. gynden und zulossen (
Weyersheim 1525)
d. dt. bauernkrieg 192
Franz; wollt ihr und mir bey euch ein kleines räumlein günnen S. v. Birken
ostl. lorbeerhayn (1657) 89; willst du denn deinem Georg nicht auch ein wenig kriegsruhm gönnen? W. Hauff
s. w. (1890) 1, 48. III@A@3@a@dδ)
in bedingungssätzen: wann mir die götter wol besunnen, das leben länger wöllten gunnen, so wer durch sie die statt ausz zwang, errettet vor dem vndergang Spreng
Äneis (1610) 37
b.
besonders wenn sie an den gönnenden
persönlich gerichtet sind: man sagete mînem herren,Kriemhilt sî âne man, her Sîfrit sî erstorben.und ist daz sô getân, wolt ir ir des gunnen,sô sol si krône tragen vor Etzelen recken:daz hiez ir min herre sagen
Nibelungenied 1199, 3
B.; wenn ihr mir ein geneigtes gehör gönnen wollt Göthe I 22, 25
W.; es würde mich sehr glücklich machen, mit einem manne wie sie näher bekannt zu werden, insoweit sie mir diese ehre gönnen wollen Holtei
erz. schr. (1861) 2, 20. III@A@3@a@eε)
im abhängigen satz nach einer bitte: kemen die selben zwene mit einander zum schultheiszen und beten ine, das er ine gonnen wolt, das sie sich einten (1449)
weisth. 6, 32; das ir uns wöllent gunnen vische zu koufen (
Straszburg 15.
jh.)
bei Martin-Lienhart 1, 222
a; so bitten wyr sie (
die bilderstürmer) nuo gar freuntlich, wollten uns doch auch gonnen zu thun, das sie selber thun Luther 18, 82
W. III@A@3@a@zζ)
mit wollen
in sehr abgeschwächtem sinn: in bei sein eyner grossen menig des volcks von Rom vnd von Alba, die schawen wolten wem die gött des siegs vnd der ehren günden wolten Carbach
Livius (1551) 9
a; ich wollte den Süddeutschen die strafe gönnen, Östreichs ruin mit zu erleben und vom zollverein abgelöst zu werden
briefw. zw. Freytag u. Treitschke (1900) 105. III@A@3@a@hη)
in erweiternder verbindung mit adverbien, namentlich im 16.
u. 17.
jh. wohl gönnen wollen: er hat ainer ringen burdin begeret und erwelt im selber die swärsten; wir wöllens im wol günden Steinhöwel
Äsop 43
lit. ver.; ich (
Luther) wolt ihn, der doch mein ergester feindt ist, wol gunnen, das er babst wer Luther
tischr. 1, 330
W.; ich wölt eüch wol ginnen, das ir wisztendt wie weit sich ewer gwalt und alle öberkeit strackte Eberlin v. Günzburg 3, 119
ndr. gern gönnen wollen: darüm spricht
s. Paul zun Corinthern aus groszem mitleiden und erbarmen also: wollt gott, ihr regiretet! o, wie gerne wollt ichs euch gönnen Luther
tischr. 4, 453
W.; das studieren lest sich gar miszlich unnd schlim an ... ich wil einem andern die lust für mir gerne gönnen Schoch
com. v. stud. leben (1657) f 4
b.
ungern gönnen wollen: gott hat dein vergessen, er will sich dein nit annemen, er will dich erhungern und wolt dir ungern ein stuck brods gönnen Luther 52, 172
W.; sein stieff-sohn, der Tiber(
ius) den er nicht leiden können, genoss, was doch August ihm ungern wollen gönnen Besser
schr. (1732) 1, 12. b a z gönnen wollen: so wolt er gedachte sein jungere dochter, fröle Anna, niemandts basz, dann seiner sön ainem gonnen
Zimmer. chron. 21, 123
Bar. lieber gönnen wollen: dan iuncker Peterman von Offenburg hab sy wellen kouffen und 600 guldin bar gen, noch hab er miers lieber wellen gönnen Th. Platter 96
Boos; einen schatz ..., den er (
der vater) mir ... lieber als meiner mutter gönnen wollte Göthe I 23, 51
W. III@A@3@bb)
nahe verwandt, aber ungebräuchlicher ist der ausdruck gönnen
mögen: darumb werden sie (
die anhänger des papstes) der gnedigen straffe nicht werd sein, das sie erhenckt, ertrenckt, geköpfft, verbrennet würden, welchs jnen zu wundschen were und ich wol gönnen möcht Luther 50, 88
W.; zum neuen ankömmling meinen herzlichen glückwunsch. ich hätte ihnen (
Göthe) wohl ein pärchen gönnen mögen, aber dazu kann ja rath werden (1795) Schiller
br. 4, 312
Jonas; sie möchte sich denn noch durch einige erfolge in der litteratur uns bemerkbar machen, was ich dem armen dinge doch von herzen gönnen möchte A. v. Droste-Hülshoff
br. (1893) 222;
vgl. auch schweiz. id. 2, 332.
ähnlich im mhd. gunnen geruochen: ouch sülnt ir vallen an iuwer knie und sülnt got flehen hie daz er geruoche gunnen mir daz ich zwischen iu und ir (
Isolde) gerede ein ganze suon
Tristan als mönch 2264
Paul. III@A@3@cc)
von anderen verbindungen sind nur die mit sollen
und müssen
noch bemerkenswert, weil sie einen äuszerlich-rechtlichen oder moralischen zwang bezeichnen, unter dem gegönnt
wird und der der eigentlichen wortbedeutung von gönnen
als einer freiwilligen, bereitwilligen einstellung entgegengesetzt ist. III@A@3@c@aα) gönnen
sollen, besonders in spätmittelalterlichen rechtsverordnungen: so sol der schultheis dem butel von Remlingen darnoch günnen zu pfenden (1448)
weisth. 6, 61; ein erbherr sall gonnen gutt zu teilen also, dasz es ihm nicht schetlich sey an seinen erbzinssen
stadtrechte v. Eisenach, Gotha u. Waltershausen 221
Strenge-D.; den andern soll er (
der mensch) ginden als jm das süsz vnd saur
reform.-flugschr. 3, 303
Clemen. III@A@3@c@bβ) gönnen
müssen: sondern, da wir gehort, das er (
ein geistlicher) von der stat Stetin vrlaub genomen vnd nu frey were, vnd gesehen, das er geneigt, sich zu denen von Luneburg zu begeben, haben wirs mussen zulassen vnd im gonnen, das er sich verbessert, vnd solchs also von seinen wegen dem rat zu Luneburg zugeschrieben Luther
br. 8, 65
W.; aber der vberwundene, welcher einem andern das kräntzlin gunnen muss, verbirgt sich stillschweigend Heyden
Plinius (1565) 428; sie müssen ihm (
dem onkel) unter allen umständen das wort gönnen. es bleibt doch immer die möglichkeit seiner zustimmung Fontane
ges. w. I 5, 68; den rest meiner crêpes muszt du mir schon gönnen Feuchtwanger
Simone (1950) 61. III@A@44)
seit dem spätmhd. und vor allem im 16.
und 17.
jh. zeigt sich auch bei gönnen
die besonders in der kanzleisprache gepflegte neigung, einem wort durch koppelung mit einem ähnlichen gröszeres gewicht zu verleihen. für die grundbedeutungen des wortes sind diese '
synonymen'
reihungen aufschluszreich: III@A@4@aa)
entsprechend I A '
zuteil werden lassen, gewähren'. gönnen und
verhängen: warumbe dû (
gott) gunde unde verhengte des. daz der mordær Johannes sô gar umbsust hât getân den tôt disem man Ottokar
reimchron. 94 748
Seem. gönnen und
verleihen: alle geistliche gter sind ... in des römischen papsts gewalt und mag er dieselbigen verlyhen und günnen wem er will (1523) Zwingli
dt. schr. 1, 132
Schuler-Sch. besonders in der alliterierenden verbindung gönnen und
geben: es steht alles in der handt gots, ein ding zu brauchen, nit wie wir wöllen, sonder wie ers vns günnt vnd gibt S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 97
a; einem hauszhalter geburts ja wol, waz im got gibt vnd gunt almal ... Tobias Stimmer
comedia (1580)
v. 159; wer eines dings nicht werth ist, dem gönt vnd gibt es das glück Lehman
floril. polit. (1662) 1, 367; wie sehr danck ich ihnen, dasz sie mir diese musze geben und gönnen Göthe IV 8, 262
W. gönnen und
schenken: so hab ich dannoch (
trotz zeitmangel) meinem versprechen etlicher massen ein genügen zu thun, diejenigen stunden so ich meiner freyheit gegönnet und geschencket, darzu angewendet
Corn. Nepos zueignung (1658) 5
b. III@A@4@bb)
entsprechend I B '
gestatten, erlauben',
besonders rechtssprachlich. gönnen und
erlauben: und haben (
wir) in (
ihnen) von sundern gnaden erlaubt und gegunnet, erlauben und gunnen in auch mit dem brief, ain insigel ze machen und ze haben (
Wien 1395) O. Stolz
deutschtum i. Südtirol 2 (1928) 242; (
Nürnberg 1422)
städtechron. 1, 246; wann wir doch dehainem der unsern ungern wider yeman ichtes günden oder erlauben wölten, da er nit rechtens zuohette (
Augsburg)
städtechron. 5, 347;
manus remittere in aleae ludo seinen gesellen der gefält hat, ein anderen wurff lassen thuon, jm ein anderen wurff gunnen oder erlauben Frisius
dict. (1556) 802
a. gönnen und
verwilligen: darumb so sollent sie alle fürbas einen glichen stubenzins geben, einer sovil als der ander. und daruf an unser herren meyster und rat und die 21 begert haben inen das zu günnen und zu verwilligen, so habent die rete und 21 inen das gütlich zugelassen und verwilliget (1493)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft (1879) 97. gönnen und
zulassen: dasz sie Hannibal einlassen solten, vnnd er jnen günden vnd zuolassen bei jren alten herkommen vnd freiheyten zuo bleiben Carbach
Livius (1551) 122
a. gönnen und
gestatten: (
Emser) soll uns von menschengesetzen frey geben ... odder ... doch günnen und gestatten, das wir sagen mügen, sie seyen uns nit noth noch nütz Luther 7, 669
W. III@A@4@cc)
entsprechend II B '
etwas künftiges gern zubilligen, wünschen'. gönnen und
wollen: er will vnd gönd jm (
ein christenmensch seinem nächsten) das er ewiglich selig werd Keisersberg
bilgersch. (1512) b 6
a. gönnen und
wünschen: von hertzen wündschen und gönnen wir jhnen (
den mönchen) die seligkeit und das ewige leben (1545) Luther 51, 18
W.; ich bin ein freund der klosterländer und gönn und wünsch insonderheit den rechten kern der segenspfänder der jüngferlichen geistlichkeit (
d. h. es möge den nonnen in dem kloster gut gehen) Hagedorn
poet. w. (1757) 3, 176. gönnen und
begehren: günne vnd beger deim nähsten ewige sälikait Keisersberg
pred. teütsch (1508) 39
b. III@BB.
neben der grundstruktur jmd. etwas gönnen —
d. h. einer person (
dat.)
eine sache (
akk.)
oder einen sachverhalt (dasz-
satz, infinitiv mit zu) —
haben sich andere charakteristische verwendungen herausgebildet: das gegönnte
ist nicht eine sache, sondern eine person (1 a);
oder es wird nicht einer person, sondern einer sache etwas gegönnt (1 b);
für sich zu nehmen ist der reflexive gebrauch (1 c).
auch die passivkonstruktion sowie das participium perfecti gegönnt
sind gesondert zu betrachten (2),
dazu die gerundivische wendung es ist ihm zu gönnen (3).
gelegentlich wird das akk.-objekt durch eine zweckbestimmung ergänzt, ohne dasz sich dadurch für gönnen
selbst etwas besonderes ergibt: vrouwe Minne, ich wil dir danken, ... daz du mir ze vrouwen vunde, der ich min ze dienste ie gunde
minnesinger 1, 353
b v. d. Hagen; (
in dem testament der messe werden die einzelnen gegenstände bestimmten personen vermacht) die stol hab ich gegunnen Johannes Giggis Gäggis; der hat vil kleiner kinden, zuo einem wiegenband
N. Manuel 235
Bächtold; gönne dem herbst zum eigenthume den blossen glanz doch, der ihn schmückt! ist denn die aster keine blume, weil dich die rose höher entzückt? E. Geibel
neue ged. 12125. III@B@11)
besonderheiten hinsichtlich des inhalts oder des zieles von gönnen (
d. h. des akk.- [
älter des gen.-]
oder des dat.-objekts). III@B@1@aa)
dasz auch eine person —
gleichsam als ein sachwert —
jmd. gegönnt
wird, ist eine schon seit dem ahd. vorhandene möglichkeit. III@B@1@a@aα)
gott oder höhere mächte als gönnend: bigínnu ih hiar nu rédinôn, uuio er bigónda brédigôn joh méistera ther uns ónda, sámanôn bigonda Otfrid II 7, 2
Piper; (
Laudine will Iweins gemahlin werden) ob mir iuwer got gan, sô bin ich wol mit iu bewart vor aller vremden hôchvart Hartmann v. Aue
Iwein 2324; (
der teufel kann) also das hertz treiben und engsten, das sichs mit solchen gedancken zuplagt: wer weis, ob dich gott auch haben und Christum dir gönnen wil? Luther 17, 2, 20
W.; darumb ich bitt vnd danck damit gott, dasz er wolte gonnen das englisch heer mit grosser ehr vns zum schutz, trost vnd wonne Wegelin
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 234; (
das neugeborene töchterchen sagt zum vater:) viermal war euch der himmel willig und hat den kühnern wunsch erfüllt, so gönnt er jetzt einmal wie billig der welt ein mutterebenbild Mörike
w. 1, 154
Maync; die bedeutung schwankt in diesen fällen, in denen gott (
bzw. Christus)
der gönnende
ist, zwischen '
gnädig zubilligen' (
vgl. II)
und '
gnädig zuteil werden lassen' (
vgl. I),
da ja jede zubilligung gottes gleichzeitig nach auszen wirksam wird. dasselbe gilt für die fälle, in denen anderen mächten die gnade und zugleich die macht und wirksamkeit des gönnens
zugeschrieben wird: aber noch zehnfach mehr dank ichs ihnen (
den göttern), dasz sie mir ... diesen murrkopf, diesen Sokrates zum lehrer gönten A. G. Meiszner
Alcibiades 1 (1781) 195; die braut wird desz sein, dem sie das glück gönnt
celui qui sera favorisé de sa fortune aura l'épousée Rondeau
dt.-frz. wb. (1740) Pp 1
b; Schwan
nouv. dict. (1783) 1, 777
b;
als '
gnädig belassen': die letzten schönen tage, die das schicksal uns ihn (
vor seinem fortgang) noch gönnt E.
M. Arndt
w. (1892) 1, 108. III@B@1@a@bβ)
der mensch als gönnend. III@B@1@a@b@aaαα) '
jemanden einem anderen zur dienstleistung zur verfügung stellen, ihm das recht einräumen, jemandes dienste in anspruch zu nehmen': ich wil ouch mit mir füerenfünf hundert mîner man, der ich iu ze dienstemit rehten triuwen gan
Nibelungenlied 1284, 2
B. (
vgl. mhd. erbunnen
Nibel. 2304, 4
B. im gegenteiligen sinne '
wegnehmen, rauben'); so soll der ammeyster macht und gewalt haben demselben frembden ein boten zu gönnen (1509)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft (1879) 203; und wenn man marggraff Hansen ret (=
räte) nit wolt günnen gen Lichtenburg in das slosz, so gaben sie zu erkennen, daz man ... (
Nürnberg 1444)
städtechron. 2, 67; Procida sollt ich (
als gesellschafter) um mich haben, wenn ihn mir meine mutter gönnte Lenz
d. sicilian. vesper 18
Weinhold. ähnlich '
erlauben, sich an jemandem zu erfreuen': dô was ab ich sô vrô der stunde und der vil kurzen wîl daz man der guoten mir ze sehenne gunde Reinmar
in. minnesangs frühling 164, 26. III@B@1@a@b@bbββ)
in speziellem sinne umschreibt gönnen
hier die zustimmung dazu, dasz jemandem ein mädchen zur ehe gegeben wird, vgl. auch ob. Zimmer. chron. unt. A 3 a
η,
unten Göthe I 24, 171
W. unter 2 a
β αα: daz si (
die fürsten und bürger) wolden nemen war, ob sîn der herzog wære wert, daz er irer juncfrouwen gert. und dô siz erkunden, vil wol si im ir gunden Ottokar
reimchron. 75 400
Seem.; mein lieber Götz, wilt du dann mein mümlein nemen zu der ee, der wil ich dir wol günnen Albrecht v. Eyb
spiegel der sitten (1511) bb 3
a; ich liebe Agnes, gönnt sie mir zur gattin maler Müller
w. (1811) 1, 222; Grillparzer
s. w. 8, 103
Sauer. die '
einwilligung'
kann dabei entsprechend II A 1
auf die '
innere zubilligung'
beschränkt bleiben, vgl. auch Lessing 2, 11, 17
L.-M. unter A 2 c
γ: (
Lotte) fand keine (
ihrer freundinnen), der sie ihn (
Werther) gegönnt hätte Göthe I 19, 163
W. auch in übertragener verwendung: (
Paulus sorgt sich um seine kirche:) ja ich bin neidisch, und eivere umb euch ... das ich euch keinem andern gan, denn ich fürchte nichts so hoch, denn das nicht der teufel umb euch bule und euch von Christo reisse Luther 41, 560
W. III@B@1@a@b@ggγγ)
andere fälle sind selten: und was liegt daran, ob ihr die alte Zunzen das kleine (
ein kind) gegönnt hat oder nicht! nun sind sie tot Fontane
ges. w. (1905) I 2, 45; ich will auch keine kinder, denn ich gönne sie der sklavenwelt nicht Hölderlin
ges. dicht. 2, 178
Litzm. mit einer sachvorstellung als dativobjekt: und warum gönntest du mich nicht dem Weichselstrande? Rost
verm. ged. (1769) 17.
mit dem ton der schadenfreude, entsprechend II A 2: o wie grundlich gan ich dem bapst solch schyrm leütt (
wie die theologen in Paris). er ist keyner besser wirdig Luther 9, 743
W. III@B@1@bb)
als ziel des gönnens (
dativobjekt)
werden seit dem 16.
jh. (Fischart)
und besonders seit dem 18.
jh. in dichterischer sprache auch eine sache, ein sachzusammenhang oder —
statt der person —
organe oder gemütszustände der person genannt; doch bleibt hier immer eine personvorstellung erhalten. das verb hat meistens die grundbedeutung I. III@B@1@b@aα)
dativobjekt ist eine sache oder ein sachzusammenhang. dichterisch preziös: sag o sonne meiner seele, sage doch, wo weidest du? welchem thale, welcher höhle gönnst du deine mittagsruh? (
in quo loco quiescis?) Opitz
bei Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 618.
zu I A '
zukommen lassen': und gab dir die natur, ein fühlend aug zum weinen, gönn eine zähre nur der welt entrisznen steinen Kästner
verm. schr. (1772) 2, 261; du mögest demjenigen, was du den französischen schaum nennst ..., einige gewichtige worte gönnen Göthe IV 42, 150
W.; den säulenschlanken dächern gönnt er keinen blick Geibel
ges. w. (1888) 5, 13; si setzen frey die netten füszchen drein, und gönnen nur dem rechten erst die ehre Ramler
fabellese (1783) 1, 94; Mira, ... die öfter von Berlin nach Langendamm kam ..., um ihrer kasse ... in der ländlichen stille etwas erholung zu gönnen Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 68; (
manche gelehrte) würden mehr dabey gewinnen, wenn sie dem magen die nöthige zeit und kraft zur verdauung gönnten und erst alsdann wieder an ihre geistesarbeiten gingen Bremser
mediz. parömien (1806) 216; von diesem standpunkt aus haben wir auch einigen umfangreichen zeitungsartikeln ... hier raum gegönnt W. Scherer
kl. schr. (1893) 1, viii; es ist nicht der zufall, der dich hertreibt, denn ich weisz, wie wenig raum du dem zufall in deinem leben gönnst W. Raabe
s. w. I 3, 196; sie (
die romantische kunst) verwebt ihr inneres auch mit der zufälligkeit der äuszeren bildung und gönnt den markirten zügen des unschönen einen ungeschmälerten spielraum Hegel
w. (1832) 10, 2, 133.
vereinzelt soviel wie '
überlassen': doch wächst das ungestüme meer im sturme ... dann läszt der seemann seine mühe fahren, und gönnt das boot dem tanz der elemente Werfel
d. Troerinnen (1920) 74.
zu II A '
innerlich zubilligen': sie (
die französische sprache) wird in gewissen regionen der gesellschaft und in gewissen geschäften immer eine art herrschaft, wenigstens ihre usurpirten rechte ausüben ... jenen platz gönne ich ihr wenigstens ohne unruhe W. v. Humboldt
br. an Welcker (1859) 25
Haym; mit dem unterton der schadenfreude: der directeur und bouffon hielten dicke röthelstifte in der hand und strichen die schauspiele durch; der erste nannte es edler — zusammenstreichen — der zweite richtiger — umarbeiten. wenn ich es jenen werken (
anderer) etwas gönnte und daher meine schadenfreude eine ähnliche strafe verdienen möchte, so erbiete ich mich hier, ... dies (
mein) lustspiel ... umzuarbeiten Brentano
ges. schr. (1852) 7, 10. III@B@1@b@bβ)
dativ ist ein seelischer wert oder eine betätigung des menschen, die als abstraktum personifiziert erscheint: die liebe sucht ... im schmertzen ihre lust, schleuszt dessen hertze zu der ihr die augen gönnt, heiszt knechte nach den frauen, den edlen nach der magd, den greisz nach jungen schauen Opitz
opera (1690) 1, 59: (
Leo:) wer wird die freche faust in eisen schlieszen können. (
Exabolius:) wo keine stärcke gilt, musz man der list was gönnen Gryphius
trauersp. 27
Palm; darum richte dein herz zu einem ziele der hofnung, andern gönne nicht raum; mäszigung heiszet dies ziel Herder 26, 15
S.; es war ein sündengeld, ich habe es gut angewandt und meinem vergnügen keinen thaler davon gegönnt Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 326; weil du die lehren der salze kenst und manche stunde der kräuterkunde auf fluren gönst? Goekingk
ged. (1780) 1, 316; hierin verliesz er sich auf die zeugnisse der lehrer, deren studium er immerhin eine stunde gönnte Herm. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 76. III@B@1@b@gγ)
dativobjekt ist ein organ des menschen, das in einer bestimmten hinsicht für diesen selbst steht: dem leib ein räumlein gönn bei frommer christen grab, auf dasz er seine ruh an ihrer seiten hab Heermann (1630)
in: Leipz. gesangb. (1753)
nr. 584; iezt nagestu am hunger-tuch, ich gönn es deinem stolzen herzen Stieler
geharnschte Venus 38
ndr.; gönne dem gepreszten herzen die so lang entbehrte lust Grillparzer
s. w. 4, 40
Sauer; da sitzen wir wieder, uns nach des tages arbeit ... zu erholen und dem abgespannten geiste die nötige ruhe zu gönnen W. Raabe
s. w. I 6, 369. III@B@1@cc)
reflexiver gebrauch. III@B@1@c@aα)
die reflexive verbindung '
sich etwas gönnen'
schlieszt an beide grundbedeutungen des verbs an. III@B@1@c@a@aaαα)
zunächst zu II,
wenn der folgende beleg hierher zu stellen ist: er (
Tristan) sprach 'frouwe, tuont iûwerm libe swaz ir guotes kunnent, ob ir iu êren gunnent. wir suln varn zeiner hôchgezît'
Tristan als mönch v. 284
Paul; der alt gunt ouch im das er will wyse gesehen werden
Terenz (1499) 23
a.
entsprechend II B 1
zur bedeutung '
wünschen', '
begehren'
gesteigert: sô bist duz alterseine der ich mir ze frouwen gan Hartmann v. Aue
klage 1737
Bech; günnen sich net 'z baip von den andern (
nicht begehren des nächsten weib) Schmeller
cimbr. 189
a. III@B@1@c@a@bbββ)
meist aber drückt das reflexiv gebrauchte gönnen
eine auch nach auszen wirksame stellungnahme sich selbst gegenüber aus. die bedeutung schillert dabei oft zwischen '
sich etwas gutes oder angenehmes zukommen lassen' (
zu I A 3)
und '
sich etwas gutes erlauben bzw. sich einräumen oder zugestehen, es zu haben' (I B 2).
selten tritt die bedeutung '
zukommen lassen'
klar hervor: nun ist das püppchen eine kommerzienrätin und kann sich alles gönnen, auch das ideale Fontane
ges. w. (1905) I 8, 14; liebe kleine mama, gönn dir viel gute und freudige ruhe Rilke
br. 2 (1950) 424.
die mehrzahl der fälle spielt dagegen mehr oder minder nach '
zugestehen, einräumen'
hinüber, seit dem spätmhd.: ganst dû dir selben guotes, dû solt ouch im (
deinem nächsten) guotes günnen Berthold von Regensburg 1, 359, 20
Pfeiffer; jeglicher günt jm selbs das best (
bei tische), warumb solt ich dann sein der letst? Scheit
Grobianus 29
ndr.; ein jeder gönt jhm selber am meisten Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) V 7
b; i' gunnat mer woll a~ glâsúl, àffer is tràggús èt! Lexer
Kärnten 127.
in der verbindung mit nicht
oder kaum
tritt dabei der beweggrund des geizes besonders hervor: aber zu einem geitz wanste werden und den pfenning so hoch halten, das du ihnen dir selbst und andern zu gebrauchen nicht gonnest, ... das ist zumahl ein schendlich laster Luther 47, 357
W.; es ist kein schendlicher ding, denn das einer jm selbs nichts guts gönnet, vnd das ist die rechte plage fur seine bosheit
Jesus Sirach 14, 6; noch gönnt er jm selbs nit die speyss Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 470; er gönnt sich selbst kaum einen biszen und überzehlt nur stets sein geld J. Chr. Günther
s. w. 4, 246
Krämer; de gönnt sech net de schum van de bottermelk
rhein. wb. 2, 1492; denn er selbst, er gönnt sichs nicht. pfui alle knauserei Grillparzer
s. w. 8, 13
Sauer; 12. III@B@1@c@a@ggγγ)
seit dem 18.
jh. hält sich das wort bis zur gegenwart in verbindung mit wenigen ziemlich festen objektvorstellungen wie ruhe, rast, erholung, genusz (
oder die zeit zu ihnen).
dasz man sich dabei weniger etwas '
zukommen läszt'
als sich '
einräumt, zugesteht' (
s. I B 2),
kommt in den negativen aussagen noch deutlicher zum ausdruck als in den affirmativen: ich hoffe zwar, dasz ruhe und pflege, die sie sich wenigstens in Salzburg werden gegönnt haben, alles so ziemlich wieder gut gemacht haben wird Lessing 18, 24
L.-M.; den tag, als er angekommen war, gönnte er sich ruhe Stifter
s. w. 3 (1911) 89; wer sich ruhe gönnte in Florenz, trat in den hintergrund Herm. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 92; die erholung, die er sich gönnt O. Ludwig
ges. schr. (1891) 1, 144; mitunter gönnte sie sich einen stillstand in der arbeit Fontane
ges. w. (1905) I 5, 4; doch tretet ein, gönnt euch ein ruhestündchen, ihr seid gewisz recht müd' und wandermatt!
moderne dichtercharaktere 292
Arent-C.-H.; dort gönnt sich frau Hart nach vollbrachtem tagewerk eine stunde der erholung Holtei
erz. schr. (1861) 5, 10; er (
d. erzbischof v. Lima) füllte viele merkbücher mit seltsamer wissenschaft an, für einen unterhaltsamen lebensabend, den er sich daheim in Spanien auf seinem landgut bei Segovia zu gönnen gedachte
Thornton Wilder d. brücke v. San Luis Rey (1952) 76; erst in seinem fünfzigsten jahr gönnte sich mein vater zum erstenmal den luxus, mit meiner mutter für einen monat im winter nach Nizza zu fahren St. Zweig
welt v. gestern (1947) 24.
häufig einschränkend durch nur
o. ä.: der könig gönnte sich nur kurze rast A. v. Arnim
s. w. 3 (1857) 328; auch jetzt kam er nur für eine viertelstunde, ... und gönnte sich nur ein paar schritte sorglosen auf- und abwandelns Herm. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 342; zeit zum atemholen hab ich mir alleweil noch gegönnt O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 9; es schien mir immer möglicher und leichter, mich mit meinen sternen zu versöhnen und mir von der tafel des lebens noch den einen oder anderen schönen bissen zu gönnen Herm. Hesse
Peter Camenzind (1950) 152; 172; kaum gönnte man sich die ruhe der nacht Ruge
briefw. u. tageb. (1886) 2, 23; anderthalb tag' arbeitet er (
der riese) so, kaum gönnet er zeit sich, speise zu nehmen und trank, bis die letzte seite gefüllt ist Mörike
w. 1, 71
Maync. negierend: er gönnte sich keine ruhe, er schlief kaum Steffens
was ich erlebte (1841) 3, 310; er gunnet sich keis rüeli (
nicht die geringste ruhe)
schweiz. id. 2, 332; keinen augenblick der ruhe, des athemholens gönnte er sich bei der arbeit W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 1, 141; sie (
die menschen) gönnten sich die zeit und mühe nicht, sich gegen die furcht stark zu machen Herm. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 28. III@B@1@c@a@ddδδ)
in der verbindung niemand etwas gönnen als sich selbst
oder jmd. mehr
oder weniger gönnen als sich selbst
meint das verb besonders die innere zubilligung, zu II A 1 a: das kain volck auf erdtrich ist stoltzer vnd hoffertiger vnd nyeman kainer eeren günnen noch zulegen mag dann ynen selb
Fortunatus (1509) 102
ndr.; darumb nennet man einen eygennützigen, der niemand guts günnet, denn yhm selbs ... eynen hund Agricola
sprichwörter (1534) 403; allein Hans koch günnet niemandt der ehr, dann ihm selbs
sprichw., schöne weise klugr. (1570) 25
b; wenn meine gesundheit mich nicht hindert, eine arbeit auszuführen, mit der ich jetzt umgehe, so gönne ich die marmorbüste niemanden anders, als mir selbst (1794) Schiller
br. 4, 36
Jonas. in gleicher richtung liegend zur umschreibung eines herzlichen wunsches, entsprechend II B 1: vil mêre iröiden ich ir gan dann ich mir selben gunde Reinmar
in: minnes. frühling 198, 26; die christliche liebe ... will, man soll den nächsten lieben als sich selbsten. wer könte mir aber näher sein als ich? ich sage, mein weib vnd kinder? denen ich ja die ewige wolfart billig so wohl gönnen solle als mir selbsten Moscherosch
insomnis cura par. 133
ndr. gelegentlich aber auch von einer äuszerlich vollzogenen zubilligung, entsprechend I B 2: all menschen sein mêr genaigt zu tadeln dan zu loben, ain ieder günt im selber mêr guets dan seinem nechsten; eim ietlichen ist das hemmet nêhner dan der rock Aventin
s. w. 4, 8
bayer. akad.; er gönnt weder sich noch andern etwas gutes
nec sibi bene esse potest pati, nec alteri Serz
teutsche id. (1797) 56
b. III@B@1@c@bβ)
die verbindung sich (
akk.)
jemandem gönnen oder auch sich einer sache gönnen
bleibt auf die gelegentliche verwendung in dichterischer sprache beschränkt (
im anschlusz etwa an I A 2 b): wærent ir nû wîse ir holtent iuwer spîse hie mit vollem munde, wan ich iu mîn wol gunde (
dem wolf oder bären zur speise) Hartmann v. Aue
Erec 5853; daz ich im mîn gunnen sol (
zur gemahlin)
derselbe Iwein 2068; gewisz, wenn mein Adonis nur sich seiner sklavinn gönnte Kretschmann
s. w. (1784) 5, 75; freude! nun wendet sie sich gegen uns, steht, und gönnt sich der liebenden blick, sich der betrachtung! Klopstock
oden 2, 53
M.-P.; ich schliesze mund und augen und sinke in den schosz der neuen stürme, vnd gönne mich dem tanz der himmlischen Werfel
d. Troerinnen (1920) 75. III@B@1@c@gγ)
mundartlich begegnet die wendung sich wohin gönnen '
sich wohin wünschen': bia in sain homant günnet sich vorloarandar roméar (
wie nach seiner heimat sich wünscht ein verlorner pilger) Schmeller
cimbr. 189
a;
vgl. auch rhein. wb. 2, 1492
unter 3. III@B@1@c@dδ)
auch die wendung sich nicht gönnen '
sich nicht glücklich, heimisch fühlen, heimweh haben'
scheint mundartlich beschränkt zu sein: he gönnt sech net on dem haus (on dat h.)
rhein. wb. 2, 1492. III@B@22)
das participium perfecti gegönnt. III@B@2@aa)
in der passivkonstruktion es ist ihm gegönnt. III@B@2@a@aα)
selten wird dabei der gönnende
miterwähnt: das liecht vnd der schein der sonnen ist jhnen (
den geistern) von gott verbotten, vnd nit gegönnt noch zugeeignet
volksb. v. dr. Faust 73
ndr.; der kayser war kaum vom pferd, da kam einer und klagte, dasz ihm von hoher hand eine kleine präbende gegönnet sey. allein die canonici fordern ... viel statuten-gelder Schupp
schr. (1663) 78; von der ... druckfreiheit kann man ... nicht sagen, dass sie ... vorhanden sey, wo sie den schriftstellern bloss durch den guten willen der gerade jetzt regierenden gegönnt wird, wenn sie nicht durch ... gesetze gesichert ist
Europa 2, 75
Schlegel. III@B@2@a@bβ)
in den meisten fällen ist der gönnende
aus dem zusammenhang leicht zu ergänzen. III@B@2@a@b@aaαα)
das verb zielt hier gewöhnlich auf die grundbedeutung I '
zuteil werden lassen': dem selben Menelao nit so vil zuo schaden komen mag ain nachte die mir gegöndt wirt Niclas v. Wyle
translat. 64
Keller; einen solchen gwalt häst du bekommen, welcher den englen nit ist gunnen (
um 1600)
in: schweiz. id. 2, 333; welchen falls dann ihme ... auch die freyheit seine handlung und kummerschaft neben diesem gewerb vortzuführen gegönt ... werden solle (1666)
bei Schmoller
Straszb. tucherzunft (1879) 338; und bei dieser wie bei der vorigen (
edition von kabale und liebe im Schwanisch-verlag) ist mir nicht ein wort gegönnt noch viel weniger ein honorar angeboten worden (1788) Schiller
br. 2, 46
Jonas; leicht steigert sich dem dichter das interesse an den charakteren der gegenspieler so hoch, dasz auch diesen reichliche einzelschilderung, eine theilnahmvolle darlegung ihrer strebungen und ihrer kampfstimmung und ein besonderes schicksal gegönnt wird G. Freytag
ges. w. 14 (1887) 40.
oft mit neigung zu der engeren bedeutung I B '
erlauben, einräumen': vnnd dem anclager ... soll gegunndt werden, das die leut ... zu vnnd von jme wandelln mogen
Carolina 1, 15
Kohler; vnd die vbrig landtschafft am gepirg ist denen inn Caria vnd den Pegadensern zuo besitzen vnnd einzenommen gegund worden Boner
Herodot (1535) 83
a; für der welt ist solches lesterlich und unehrlich, das diesem priesterthumb (
Christi) der ort zuo seinem opffer nicht soll gönnet werden, welchen kue und kelber hetten (
die auf dem altar geopfert wurden) Luther 52, 238
W.; das kelbern fleisch jn (
den schwangern) auch wirdt gundt Ruoff
hebammenbuch (1580) 247.
zwischen I A
und I B
schillernd: mag ihm (
dem aufsatz) nun an dieser stelle ein platz gegönnt sein Göthe I 7, 154
W. auch mit einer person als gegenstand des gönnens (
siehe III B 1 a
β ββ und γγ): so nement die heimlichen rat ein fürsprechen. der wurt ihnen gundt
Endinger judenspiel 98
ndr.; genug, die sache ist abgethan, Lucinde ist ihnen (
anrede) gegönnt (
zur gattin) Göthe I 24, 171
W. III@B@2@a@b@bbββ)
selten steht das wort im sinne innerer zubilligung, entsprechend II.
nur der satz es ist euch gern (wohl) gegönnt
und die entsprechende verneinung das ist mir nicht gegönnt
sind zu festen wendungen geworden: ich mahnt' es fleiszig an es sollt sein nicht vergessen, es sey ihm wohl geguont, es solt sich fein sath essen
Reinicke fuchs (1650) 287; es (
das essen) ist euch gegönnt, greift zu Tieck
schr. (1828) 5, 525.
auch mundartlich: nett (
nehmt) üch doch, et ös üch gegonnt!
zuspruch zum zugreifen beim essen rhein. wb. 2, 1491; dat was mi nig günnt
sagt der gemeine mann mit einer art von aberglauben, wenn ihm ein stück brod aus den händen fällt Dähnert
plattdt. 164
b; Woeste
westf. 87
b.
entsprechend die beteuerung: gunn derús! (=
ich gönne dir es)
sagt man zu einem, dem beim essen etwas in die luftröhre kam, weil man meint, dass dieses durch den neid eines tischgenossen geschehen sei Lexer
Kärnten 127.
auszerhalb festen formelgebrauchs: eines feinde (
d. i. dem feinde jemandes) were aber der tod am liebsten gegönnet Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 874; eine reise nach Italien ... wird einem so unterrichteten manne ... gern gegönnt Göthe I 49, 1, 250
W. III@B@2@a@b@ggγγ)
die formel das sei dir gegönnt
oder es möge mir gegönnt sein
ist seit dem anfang des 19.
jhs. bezeugt: das sei dir als erklärung gegönnt A. v. Arnim
s. w. 15 (1857) 101; und mir sey gegönnt hier jener treuen jugendforschungen zu erwähnen Göthe II 7, 181
W.; mögen sie noch lang auf dieser sonnigen höhe wandeln und es mir gegönnt sein, mit dem ächten freundschaftsgefühl ihnen noch eine weile folgen zu dürfen (1891) Rodenberg
an C. F. Meyer in: br. 311
Langm. III@B@2@a@gγ)
seit dem ende des 18.
jhs. begegnen häufiger fälle, in denen die vorstellung von dem, der gönnt,
unklar bleibt. III@B@2@a@g@aaαα)
zum teil sind es einfach die umstände, durch die etwas gegönnt
ist: ich werde die musze, die mir gegönnt ist, zum dienste derer anwenden, die an meinen arbeiten einiges gefallen haben können Göthe I 40, 191
W.; dem localen einflusz der katholischen magnaten ... war ein bei weitem gröszerer spielraum gegönnt Ranke
s. w. 15 (1875) 45; ich bin gekommen, ... um den augenblick, der mir gegönnt ist, zu benützen, sie um verzeihung ... zu bitten Stifter
s. w. 5, 1 (1908) 373. III@B@2@a@g@bbββ)
meist aber weist der zusammenhang auf eine besondere gunst des schicksals hin, die sich als gnädige gewährung (I A)
oder erlaubnis (I B)
äuszert, besonders bei Göthe: eilen sie, die guten jahre, die ihnen gegönnt sind, wacker zu nutzen I 21, 311
W.; da ich ... deshalb, was mir an geisteskräften gegönnt ist, rathlich zusammen zu halten habe IV 41, 35; nur uns armen, die wir wenig oder nichts besitzen, ist es gegönnt, das glück der freundschaft in reichem masze zu genieszen I 22, 18; ich werde so fortfahren, so lange es mir gegönnt ist IV 39, 182; die wonne dieses kusses war ihrem kinde lange nicht gegönnt Schiller 5, 68
G.; (was) der feige nie besitzen kann, was kaum den auserwählten edelsten gegönnt ist Tieck
schr. (1828) 2, 112; und wenn dem mond zu denken wär gegönnt Grillparzer
s. w. 8, 234
Sauer; es war ihr, der besorgten, nur gegönnt, zufällige nachrichten über sein befinden zu bekommen Brunner
erz. u. schr. (1864) 2, 14; denn zu den grenzen der welt kam keiner; aber inzwischen ist uns die tätige frist über der erde gegönnt R. A. Schröder
Elysium (1912) 197. III@B@2@bb)
das participium perfecti gegönnt
hat auch in der attributiven verbindung mit einem substantiv seinen verbalen charakter bewahrt. III@B@2@b@aα)
ausgang (
subjekt)
und ziel des gönnens (
dativobjekt)
werden meist mitgenannt und machen die konstruktion schwerfällig: doch spüren wir in disem stück (
in der rettung der kinder) der götter vns gegündtes glück J. Ayrer
dramen 1282
Keller; dasz ihm die, den herren scholaren vom kAeyser Friedrichen gegönnete freyheiten nicht angienge Schupp schr. (1663) 546; ich danke meiner abgeschiedenheit, dasz ich verschont geblieben, ermangle aber nicht sowohl dem sonnengotte als dem freundlichen glück aus der ferne für die mir schriftlich gegönnten geschenke den allerschönsten dank zu sagen Göthe IV 29, 40
W.; die durch diese schritte Sullas ihr (
der regierung) gegönnte weitere jahresfrist Mommsen
röm. gesch. 2 (1865) 318. III@B@2@b@bβ)
gelegentlich müssen ausgang und ziel des gönnens
aus dem zusammenhang ergänzt werden: hingegen wie kan sie (
die göttliche majestät) ehrwirdiger erhaben vnd geprisen werden, als so man gehorsamlich nach dero gegontem mittel inn ehrlicher keuscheit jm dienet? Fischart
Garg. 96
ndr.; (
der mund) wil seyn gegüntes lob nicht mindern, sondern stAercken, sagt her, wie er vermag, gibt rausz, was er nur kan Logau
sinngedichte (1654) 2, 69; entsagte sie (
die natürliche tochter) der nicht gegönnten höhe (
d. h. der anerkennung als prinzessin), ergäbe sich des biedern gatten schutz ... gelöst wär alles Göthe I 10, 329
W. III@B@2@b@gγ)
nur als ausdruck schicksalhafter gunst (
s. ob. a
γ ββ)
gewinnt das partizip vereinzelt adjektivischen charakter: so liebte ich es, an gegönnten stunden mich in bildern und vorstellungen zu ergehen, wie sie eben der gemüthslage zusagten Stifter
s. w. 1 (1904) 5. III@B@2@b@dδ)
die verneinung ungegönnt im sinne von '
ungern zugebilligt'
schlieszt an gönnen II A 1 b
an: die alten Nüszlers gönnen nicht einmal solchem kleinen wurm das mittagessen, und, Bräsig, ungegönntes brod ... hir was sei en beten ut de pust, und Bräsig föll in: ja, fru pasturin, ungünnt brod soll fett machen Fritz Reuter
w. 1, 64
Seelm.; ongegönnt brot ward ok gegeten
in der not braucht man nicht empfindlich zu sein rhein. wb. 2, 1492. III@B@33)
passivischer verwendung schlieszt sich der gerundivische ausdruck es ist jemandem zu gönnen an. III@B@3@aa)
er unterstreicht besonders die innere stellungnahme, mit der jmd. etwas zugebilligt wird bzw. sein soll, und betont sie oft noch durch das adverb wohl: wenn dieses nun dein eidam ist und deine tochter herzt und küsst, so ist ihm diese lust bey soviel last zu gönnen Stoppe
Parnasz (1735) 313; sein glück ist ihm wohl zu gönnen
il ne faut pas lui envier sa fortune Rondeau
dt.-frz. wb. (1740) Pp 1
b; Schwan
nouv. dict. (1783) 1, 777
b; auch ist mir und meinen holzhauern nach sechs arbeitstagen wohl ein ruhetag zu gönnen Chr. v. Schmid
ges. schr. (1858) 1, 102; und andererseits, es sei dem Agnesle wohl zu gönnen, dasz sie nun von ihrem eigenen elend ... erlöst sei A. Supper
auf alten wegen (1928) 55.
mit dem unterton des lebhaften wunsches, zu II B: den alten wäre es zu gönnen Nicolai
reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 1, 301; wahrlich das kurze leben, es wäre dem menschen zu gönnen, dasz er es froh vollbrächte Göthe I 50, 291
W.; junge
n lüte
n, die gege (
den) zitgeist rönne (
rennen), isch gueti besserig z' gönne (
zu wünschen)
in: schweiz. id. 2, 332. III@B@3@bb)
für äuszeres gewähren steht der ausdruck kaum: welchem unter denselben (
beispielen) der forzug zu gönnen und zu folgen sei Bellin
hochdt. rechtschr. (1657) )( 4
b; zugleich wäre bergrath Lenzen ein gratial von etwa 25 thalern zu gönnen, da er sich wirklich gut gehalten Göthe IV 19, 435
W. III@CC.
ellipse eines oder beider objekte. III@C@11)
seit dem 15.
jh. wird das dativobjekt öfter ausgelassen, doch kann es gedanklich immer ergänzt werden. III@C@1@aa)
in der bedeutung I B 1 '
erlauben',
zunächst besonders in verordnungen: umb das sie nie wolten gonnen die statt Bamberg besser bewarn mit mauren, greben und thurmen (15.
jh.)
chron. d. st. Bamberg 1, 6
Chroust; Straszb. zunft- und polizeiverordn. d. 14. u. 15. jhs. 22
Brucker; nach dem sie jhr landschafft bekommen, han sie von jnnwohnern begert, zu gönnen auff jhrs landes erd, tag vnd nacht herberg da zu han Eyering
prov. copia (1601) 1, 81; dar antwerdede de rad to: wat malk (
jeder) myt rechte don konde, des gonden se wol (
Braunschweig 1418)
städtechron. 16, 34; umme der borgere bede willen wil de rad gunnen, dat en islik borger mach hebben Embekesch ber (
Lüneburg)
städtechron. 36, 430; sprach Carolus: günd daz ich für dich vnd ander alt mane antwort geb Niclausen (1470) Niclas v. Wyle
translat. 132
Keller; stosz alles aus, nim alles hin, was mich und dich wil trennen vnd nicht gönnen, dasz all mein muth und sinn in deiner liebe brennen Paul Gerhardt
bei: Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 374
a; gönne, dasz ich diese nacht unter deinem dache ruhe graf Pocci
lust. komöd. büchl. 2 (1861) 265; noch will der ritter nicht den aufbruch gönnen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 235; als der sommer kam, der eine freiere bewegung gönnte Fontane
ges. w. (1905) I 1, 90. III@C@1@00
zu I B 2~~
in dem engeren sinne von '
einräumen': der käyserl. richter dieses orts ... wolte diesen zank länger nicht gönnen Bucholtz
Herkuliskus (1665) 6; ich will und kann dein (
gottes) thun nicht hindern! doch gönne du, zum trost den kindern, auch thörichtes gebet J. H. Voss
s. ged. (1802) 5, 164.
vereinzelt geradezu '
ermöglichen, verstatten': die küche, deren aufstehende türe immer einen blick auf blanke kessel ... gönnte Fontane
ges. w. (1905) I 1, 98. III@C@1@bb)
als '
zuteil werden lassen',
durch gott oder einen menschen, vgl. I A: den bOesen wirt jhrs guots belont mit glück, das got auff erden gont J. v. Schwartzenberg
trostspruch 47 (
var.)
ndr.; vnd was gott selber gibt vnd gan, das mus sent Peter vngnommen lan Hayneccius
Hans Pfriem 69
ndr.; gott, der du hast gegönnt, dasz wier so haben können von aussen gute ruh, ach, gib sie nun von innen Logau
sämtl. sinnged. 207
lit. ver.; morgen des tages, gönnets gott, gegen drey uhr in der kirche allhier zu erscheinen Rabener
satiren (1755) 3, 44; frucht-tilgende gesellschafft war wenig deutsch gesinnet — frucht-bringende gesellschafft hat reiche frucht gegnnet Logau
sinnged. (1654) 2, 35. III@C@1@cc)
auch als innere zubilligung, zu II A: der teuffel gönnet diese herrligkeit dorin der mensch geschaffen ist, nicht Rauscher
warhafftige ursachen (1564) B 2
a; der gunnet nicht dasz ein andren anschein die sonnen Mangold
marckschiff (1596) C 4; du leistest, merk ich, selber dir gesellschaft! ich gönne sie und überlass dich ihr Grillparzer
s. w. 7, 63
Sauer; er gibts, wie er's gönnt Kirchhofer
schweizer. sprüchw. (1824) 158. III@C@1@dd)
mehr als wunsch, zu II B: so wil ich und beger und gan dir des aller pesten und gebe und tete es dir gernn, möchtestu es genemen und emphahen; gleich als gott ausz der menscheit sprech: ich pyn eyn lautter, eynfeltig güt, alszo mag ich auch nit wollen, begeren, gegunnen, getun oder geben dan gut
theol. deutsch 62
Mandel; können wir nicht viel gutes tuhn, so sollen wir viel gutes gönnen
si gratia referri non potest, vota certe pro salute benefactorum suscipienda sunt Stieler
stammb. (1691) 684.
mundartlich als wunsch im conj. prät., soviel wie '
ich wollte': ech gönnt, ech wör rich, — ech läg em bett
u. a. rhein. wb. 2, 1492. III@C@22)
vereinzelt scheint auch ellipse des akkusativ objekts vorzuliegen, aber wohl nur älter und in satzkonstruktionen wie den folgenden: hastu bessern grund, gan ich dyr wol Luther 15, 298
W.; dasz ich meinem nächsten mag mit gerechtigkeit begegnen, lasse, was er hat und gönne, wann das seine sich vermehrt Schmolck
s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 10;
doch vgl. noch Parzival 552, 3
unter IV 1. III@C@33)
sehr vereinzelt auch bleibt die wohl nur stilistisch zu wertende ersparung beider, aus dem zusammenhang ergänzbarer objekte: ach wie blind ist man doch, dasz man die schand (
die wilde ehe der priester) nit hinnimmt (
beseitigt), so doch got darzu günnet (
d. i. die ehe der priester erlaubt) und alle vernunft Zwingli
dt. schr. 1, 46
Schuler-Sch.; fhrst jhn (
den satan) gewis am starcken zaum, vnnd mus nicht ferner nehmen raum, zu wten, als du gOennest Ringwaldt
evangelia (1581) m 2
b. III@DD.
absoluter gebrauch des wortes ist äuszerst selten. wo er begegnet, umschreibt er, im sinne von II A,
die wohlwollende haltung anderen gegenüber, vgl. auch gönnen,
n., unt. b: wenn man sich mit guten leuten samlet, geben sie nicht, so gönnen sie doch Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) D dd 2
a; Henisch (1616) 1682; bringt honig mir, eisfrischen honig! mit honig opfr ich allem, was da schenkt, was gönnt, was gütig ist —: erhebt die herzen Nietzsche
w. I 8, 347. IVIV.
die im mnl. (
s. Verwijs-Verdam 2, 2064)
und im an. (
s. Cleasby-Vigfusson 654
b)
vergleichsweise häufige verwendung des wortes als intransitivum mit personalem dativobjekt im sinne von favere alicui '
jemandem gewogen, geneigt sein, ihm gewogenheit bezeigen'
ist im mhd. nur spärlich, häufiger aber im mnd. bezeugt; als schmaler überlieferungsstrang läszt sie sich bis ins frühe 18.
jh. hinein deutlich verfolgen, wie sie auch der ableitung gönner (
s. d.)
als grundlage dient und in den ableitungen gunst (
s. d. sp. 1107)
und günstig (
s. d. sp. 1127)
spürbar hervortritt. für die ältere deutsche überlieferung bezeichnend ist dabei eine spezielle anwendung im sinne politischer parteigängerschaft, die vor allem mnd. nachweisbar ist, s. u. und die belege bei Schiller-Lübben 2, 166. IV@11)
in zusatzloser verwendung. im ersten beleg nur vielleicht hierher, wenn nicht zum elliptischen gebrauch III C 2: nie muoter gunde ir kinde baz denn im der wirt des brot er az
Parzival 552, 3; nu, waz klage ich, sit si mir niht engan? joch gund ich ir, rehte als ich mir selbem gan: dest niht guot, sol ich beswichen sin dar an Ulrich v. Singenberg
in: minnes. 1, 297
a v. d. Hagen; daz erste daz ist mildekeit, daz ist daz man fon allime herzin allin ludin wole gudis gunne. daz andere ist truwe, daz ist daz ein mensche sime nebincristin gunne alse ume selbir
parad. anime intell. 62, 25
Strauch; Adelgund, die günt, günstig ist dem adel (
erklärung des namens Adelgund) Aventin
s. w. 4, 18
bayer. akad. im politischen bereich: ê der phalzgrâf het gunt (
bei der wahl) dem kunic von Bêheim oder von Branburc sîm ôheim, er het ê wunder getân Ottokar
reimchron. 59 168
Seem.; do wart bischup A. vorwiset ... mit alle den, de em gunden und vruntlik weren (15.
jh.)
bei Schiller-Lübben 2, 166
b; dem dat gelucke gunt, de geit mit der brût to bedde Tunnicius
sprichw. nr. 1292
Hoffmann. IV@22)
die bedeutung '
wohlwollend gesinntsein'
wird gern durch adverbia wie wol, baz
u. a. unterstrichen. so in der speziell politischen anwendung: dar was en hovetman des landes (
der Türkei), de het Parvana, dat was en Sarracen, de ghunde wol deme soldan (
Lübeck 1386)
städtechron. 19, 353; de borger ... gunden bet Jagail, Algerdes sone, de broder was Kinstotten, dan se Kinstotten sulven gunden
ebda 575; herzog Thessel het etlich landsässen in Baiern verdacht, warn im also dargeben von den wundrern (
neuigkeitskrämern), wie dieselben mêr gunten künig Karl dan im Aventin
s. w. 5, 111
bayer. akad.; und sonst, wenn auch im ersten beleg nicht ganz eindeutig: das mus an (
ohne) tzweyffel wehe thun allen, dye goth lieben und gut gunnen (1519) Luther 2, 95
W.; dasz die, so vor ein gstalt trgend, glych als ob sy Christo trüwlich oder anhangetind oder gunnetind, von jm wychen, jn verlassen, ja etlich schälken und schmähen wurdind (1522) Zwingli
dt. schr. 1, 99
Schuler-Sch. vgl. noch in lexikalischer verzeichnung: einem wohl günnen
alicui bene velle; bene cupere, optime cupere, vehementer cupere causa alicujus; alicui maxime, honestissime cupere Aler
dict. (1727) 1, 993
b.
hierher auch das im 16.
jh. in der anrede formelhaft verwendete kompositum wohlgönnend '
wohlgesinnt, geneigt'
teil 14, 2, 1160.
vereinzelt bleibt die beziehung auf ein sachliches objekt: damit ihr erkennet dasz die armut abentheurisch seye, bedenckt, dasz weder der eltern, brüder, noch der besten freunden affect der armut wol gönne, und den sie erdappet, für unrechtmässig erkennt wird Schupp
schr. (1663) 709.
fraglich bleibt ein singulärer gebrauch bei Haller,
der, wenn er noch hierher gehört, als eine art von negativer umkehrung der obigen verwendung gelten könnte: aus unsrer eignen thorheit quilt worum man oft die sternen schilt, die uns so schlimm als wir nicht gönnen
vers. v. Schweiz. ged. (1734) 91 (
dafür 1751: die uns was bessers als wir gönnen).