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wenden

mhd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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23 in 19 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wenden vb.

Bd. 28, Sp. 1761
wenden, vb. , vertere. formen und verbreitung. got. wandjan (daraus afrz.-prov. gandir Meyer-Lübke 793b); an. venda, schwed. vända, n. vende; ae. wendan, engl. wend (nur noch als vb. der fortbewegung, insbesondere in der präteritalform went geläufig); as. wendian; mnd.-mndl.-ndl. wenden; afries. wenda, westfries. weindzje, weine, nordfries. wän; ahd. wenten (neben unversch. wenden im rheinfränk.: Is. 5, 19 H.), mhd. wenden (mit seit Notker bezeugter postnasaler erweichung, die allerdings im obd. nicht allgemein eintrat, s. u. sowie V. Moser frühnhd. gr. 1, 3 [1951] 168f.). — mundartlich über den gesamten deutschen sprachraum verbreitet, wobei weithin (im nd. sowie vereinzelt im westmd. und obd.) die assimilationsform wennen herrscht, mancherorts auch die gutturalisierte form wengen (s. Hönig Köln 199; Elberf. ma. 174; Leihener Cronenberg 133; Heinzerling-Reuter Siegerl. 318 [neben wänne]; Martin Waldeck 61; Frischbier pr. 2, 463; Fischer Saml. 159; Schulze nordthür. 46; Kieser wortgrenzen i. d. Dübener heide [1938] 59; Hofmann niederhess. 261 und Follmann lothr. 537) und im obd. wenten (mit ungeschwächter fortis, s. Moser a. a. o.; Lessiak gesch. d. dt. kons. [1933] 20 anm. 1 und 123 anm. 4; Jutz alem. maa. [1931] 193; Schmeller-Frommann bayer. 2, 944 und Lexer kärnt. 255). — während das ndl. (bedeutend früher schon das as., s. Behaghel gesch. d. dt. spr. [51928] 445) den 'rückumlaut' der präteritalformen durch ausgleich beseitigt hat, herrscht im nhd. doppelformigkeit: wandte, wendete; gewandt, gewendet (s. Paul dt. gr. 2 [1917] 250; van Dam hdb. d. dt. spr. 2 [21951] 101; Budde 'wendete' oder 'wandte' ...? in: mutterspr. [1953] 260 sowie teil 16, 904 s. v. zuwenden und über die partizipialformen in ihren eigenständigen verwendungen s. v. gewandt und gewendet teil 4, 1, 3, 5304 ff. und 5475 f.). beim part. ist diese bereits im ahd. (giwant Tatian 67, 9 neben unsynkopiertem und daher umgelautetem giwentit ebda. 90, 4 u. ö.) zu beobachten; beim prät. hingegen breiten sich die umlautformen erst im spätmittelalterlichen dt. aus, vor allem im obd. (s. J. Strck stud. z. gesch. d. rückuml., diss. Uppsala 1912, 293 u. 311 f.), während sich im md. seit dem 12. jh. der umlaut beim konj. prät. gefestigt hat (indik. wante, konj. wente; s. F. Bech in: Germania 15 [1870] 130 u. 146 f.) und erst unter obd. einflusz [?] (s. Strck a. a. o. 265 f. sowie 312) auch in den indikativ übergreift. in Luthers bibelübersetzung finden sich nebeneinander (s. Strck a. a. o. 237, 293 u. 295): wand- (89 %), wendet- (11'; gewand (68 %), gewendet (32 %). die entstandene unausgeglichene doppelformigkeit wird von den grammatikern der nhd. gemeinsprache sanktioniert, zunächst die des partizips: wandte ... gewandt; inuenitur et gewendet in carmine Clajus gramm. (1578) 97 Weidling; wante, gewant oder gewendet Schottel sprach-kunst (1641) 468; dann auch des prät.: ich wendete / & wante; gewendet / & gewant Stieler stammb. (1691) 2499; ich wendete und wandte, gewendet, gewendt und gewandt Bödiker-Frisch grunds. d. teutschen sprache (1723) 157; ebenso bei Weitenauer orthogr. wb. (1764) 160 und Adelung 5 (1786) 165, der allerdings abschlieszend (167) bemerkt: 'wenden ist eines von diesen wörtern, welche sich unvermerkt der regulären conjugation nähern, doch zur zeit nur noch am häufigsten in der ersten allgemeinen und eigentlichen bedeutung, dagegen in manchen engern und figürlichen, besonders in der 12ten ('geschickt'), die irreguläre form nur allein üblich ist: ein gewandter mann, nicht ein gewendeter'. in einzelnen maa. ist die entscheidung zugunsten der umlautformen gefallen (vgl. berlinisch wente, jewent Lasch 290 und wetterauisch gəwend — bei der jüngeren generation, gegenüber gəwānd der älteren Mulch seel. beding. i. leben d. wörter in: idg. forsch. 51 [1933] 50), in anderen der alte 'rückumlaut' uneingeschränkt bewahrt (vgl. niederhess. wāndə, jəwānt Hofmann 261 u. 42; siegerl. wande, gewant Heinzerling-Reuter 318). bildung und verwendung. wenden ist gemeingermanisches causativum zu winden (s. dort u. vgl. die daneben auftretende deverbative ô-bildung ahd. wanton, ae. wandian, an. vanda Schatz ahd. doppelformen schw. verba in: Germanica [festschr. f. Sievers 1925] 376; Wissmann nomina postverbalia 1 [1932] 16 u. 28, Holthausen wb. d. altwestnord. [1948] 331). bereits auf den ältesten literarisch bezeugten sprachstufen ist neben die ursprüngliche objektbezogene anwendung die rückbezügliche undmit ausnahme des got., wo aber das perfektivum gawandjan so bezeugt istabsolute (intrans.) getreten, wodurch sich die anwendungsmöglichkeiten auszerordentlich vermannigfachen. die absolute (intrans.) verwendung ist wohl durch ersparung des reflexivums entstanden, nichtwie L. Hermodsson reflexive und intransitive verba i. ä. westgerm. (Uppsala 1952) 309 (im gegensatz zu Sundén und Deutschbein, ebda. 105 zitiert) annimmt — 'detransitiv', wenn auch Hermodssons ausführungen für eine reihe anderer verben zutreffen mögen (allerdings könnte auch bei solchentrans. und intrans. verwendetenverben im ags., für die eine reflexivkonstruktion unbezeugt und unwahrscheinlich ist [s. Hermodsson a. a. o. 209 ], der anstosz zur intransitivierung von verben ausgegangen sein, die durch usuelle ersparung des reflexivums intrans. geworden waren und nun als musterfälle absoluter verwendung trans. verben produktiv wurden, die reflexivkonstruktion schlieszlich zur ungewöhnlicheren, emphatischen ausdrucksform oder zu einer konstruktion spezialisierter bedeutung werden lassend). bei got. ga-wandjan überwiegt die reflexive verwendung die absolute bei weitem, und beim got. simplex (wandjan) ist die absolute verwendung noch gar nicht bezeugt, wohl aber die reflexive. im dt. tritt offenbar die ersparung des reflexivums am ehesten beim imperativ und partizip ein, wozu der einflusz des zuweilen absolut (ohne reflexivum) gebrauchten lat. analogons vertere getreten sein mag: giwant zi sinen iungiron quad conversus ad discipulos suos dixit Tatian 91 Sievers (67, 9); in forahtûn ni wentet (geratet nicht in furcht!) Otfrid IV 7, 22 Piper. wie kehren, lenken u. a. bewegungsverben erscheint wenden früh mit ziel- und richtungsbestimmungen verschiedener art (s. u.B. und vgl. die got. belege, die mit dativ. oder präpos. ergänzung auftreten); früh erscheinen auch in allen germ. sprachen zahlreiche präfixbildungen, von denen im neueren dt. vor allem abwenden (teil 1, 151), an- (1, 518), auf- (1, 775), be- (1, 1781), ein- (3, 340), ent- (3, 653), hin- (4, 2, 1543), um- (11, 2, 1259 ff.), ver- (12, 1, 2205), vor- (12, 2, 1918 ff.), weg- (13, 3058 f.), zu- (16, 904 ff.) und zurückwenden (16, 710) geläufig geworden sind und das grundwort in manchen bedeutungen abgelöst haben. auch die an sich nahe liegende verwendung (ohne richtungsbestimmung) im sinne von 'umkehren, umdrehen, in die entgegengesetzte richtung oder lage bringen' (A) könnte unter dem einflusz von adverbialen fügungen wie widorort (zurück, rückwärts) wenten (vgl. Otfrid I 11, 21 Piper) oder präfixbildungen wie ahd. ir-wenten, widar-wenten aufgekommen sein, wenn auch einwirkung des lat. analogons vertere möglich ist. AA. (hins. richtung oder lage) umkehren, umdrehen. A@11) in der (bewegungs-)richtung verkehren, in die entgegengesetzte richtung lenken. A@1@aa) objektbezogen; insbesondere das pferd (bzw. den zaum) wenden: er (Tristan) n'wolte iuh (die königin) nie so geren, swie vil ich iuh genande, daz er den zoum iht wande, er floch vaste hin von mir Ulrich v. Türheim Tristan v. 1946 in: Gottfried v. Straszburg w. 1, 297 v. d. Hagen; wan der wagenman schlafft, vnd einer das vorrosz went vnd vmbkert, so gon die andern rosz vnd der gantz wagen irr Joh. Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 87a; es soll einem jeden reuter erlaubet seyn, sein pferd eintzeln zu wenden reglement vor die kgl. preusz. cavallerie-regimenter (1743) 4, 70; mein unthier von einem rothschimmel ... kehrte ganz entschlossen um; ich wandte ihn und er wieder sich M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 107; den wagen wenden flectere currum (nomencl. lat. germ. [Hamb. 1634] 372): den wagen ò mit dem wagen ... wenden voltare, volgere il carro Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317a; er (der fuhrmann) wendet den wagen und treibt die pferde an W. Raabe s. w. I 3, 115 Klemm; rein in den wagen! los, wenden, zurück (befehl an den kraftfahrer)! O. M. Graf mitmenschen (1950) 155; das schiff ò mit dem schiff wenden voltare la barca (Kramer t.-ital. 2 [1702] 1317a): darumb so wendet das schiff, faret ferr von diser insel Schaidenreiszer Odyssea (1537) 52b; das schiff wird gewendet, wenn auf einer seite die kanonen losgebrennt sind neue schauspiele (1771) 2, 3, 61; wir wandten das schiff sogleich, um ihm zu hülfe zu kommen J. G. Forster s. schr. (1843) 1, 65; den pflug wenden voltare l'aratro (Kramer t.-ital. 2 [1702] 208c): sie ging hinaus um ... den pflug ordentlich wenden zu lernen Bettine Brentanos frühlingskr. (1844) 188; Silvan wendete seinen pflug und trieb die rösser an O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 286; wenne sc. den pflug, am ende einer furche Autenrieth pfälz. 151 (mundartlich zuweilen konkurrierend mit umdrehen und umkehren, s. Prexl wortgeogr. d. mittl. Böhmerwaldes [1939] 22). zuweilen auch sonst: und sieh! nun wandt' ein jeglicher (Trojaner) den schritt und widerstand ... Bürger s. w. 164a Bohtz; aber zu verhindern war's nicht mehr, das wuszt' sie wohl, eher hätte sie den sturmwind im fluge wenden können Eichendorff s. w. (1864) 3, 423; nun aber wendet er (der drache) seinen flug, er kehret schon zurück, er sah genug Hoffmann v. Fallersleben ges. w. (1890) 2, 134; nach einer weile ... wendete der kapitän den kurs qu. a. d. j. 1937; wenden (den strom) renverser, to reverse Blaschke wb. d. elektrotechn. (1901) 139. A@1@bb) rückbezüglich: das einhorn aber, so sich inn vollem lauff nicht wenden kundt Montanus schwankb. 22 lit. ver.; wir kunten die einfahrt nit antreffen ... derhalben wir vns wider musten wenden vnnd den port Pikeria ... wider zu eilen Schweigger reyszbeschr. (1619) 255; wann sich die sonne wendet, sich frhe mit dem tag nach sden herbstlich lendet Treuer Dädalus (1675) 1, 119; die Trcken sind erstaunt, sie wenden sich, sie weichen Pietsch geb. schr. (1740) 14; der wind hatte sich gewendet und zischte jetzt wie eine schlange durch die fensterritze an seinem ohr A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 266; schnaubend wandten sich die rosse unter dem schenkeldrucke der reiter Aug. Sperl d. söhne d. herrn Budiwoj (1927) 181; zuweilen auch in verschiedenen metaphorischen anwendungen: ein prediger ist wie ein einrösser, er kann sich bald wenden Luther tischr. 5, 597 W.; ein jeder wende selber sich, dasz er nicht fall in gotts gericht Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 1, B 8 a; wendet und kehret euch ... tut von euch den sündigen mummentand Scheffel ges. w. (1907) 3, 40. A@1@cc) absolut (vgl. bereits Heliand 3236): das ich (d. pferd) lernt traben, wenden, stutzen, springen, lauffen, die feinde trutzen Rollenhagen froschmeuseler (1595) P 6b; wer jrr gehet vnnd wieder wendt, der wird vnbillich darumb geschAendt Lehman floril. polit. (1662) 1, 101; nun wendet der wagen Klinger w. (1809) 1, 34; der wind hatte gewendet (24. 10. 1779) Göthe IV 4, 94 W.; doch die besinnung kehrte schnell, man sah ihn wenden auf der stell' und ... reiten A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 177; der knecht läszt das pferd wenden A. Coolen in: insel. schiff (1936) 88; um durch sprengwölkchen die stelle zu kennzeichnen, an der die von Müritz anfliegende maschine wenden und den zweiten teil der vorgeschriebenen 100 km ... hinter sich bringen muszte Heinkel leben (1953) 395; zuweilen in der fügung mit wendender post (vgl. die geläufigere komposition postwendend teil 7, 2037 sowie die älteren wendungen mit umgehender post teil 11, 2, 918 s. v. umgehend und mit der rückgehenden post Adelung 3 [1777] 1512): ich werde unserem geschäftshaus order geben, dasz man ihnen (anrede) mit wendender post per nachnahme das gewünschte zugehen läszt C. Viebig weiberdorf (1900) 122; mit wendender post (1898) Rilke br. 1 (1950) 3; substantiviert: ein jedes schiff sol stets auf ihn ein auge haben, und im anckern, segeln oder wenden sich nach ihm richten qu. a. d. j. 1675 bei Kluge seemannsspr. (1911) 830; bis nach dem fliehen, kommen, wenden, dem harmonie den winck erteilt, der offne arm entgegen eilt, mit gleicher fertigkeit zu enden (beschreibung eines balletts) Hagedorn versuch 20 ndr.; allein Marfisens rosz bewirkt' im wenden dasz Rüdger schnell ihr muszte hülfe spenden Gries Ariost (1804) 3, 116; die einfahrt (des hafens) musz möglichst weit seewärts liegen, damit ein schiff ... noch genügend seeraum zum wenden ... findet Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 4, 545. A@22) (um eine achse, einen angelpunkt u. dgl.) herumdrehen, drehend in eine andere lage oder richtung bewegen. A@2@aa) objektbezogen (vgl.wendung 1 a β): er ist ber mer gewesen, vnd ist ain ritter vszerlesen, vnd kan mit mannes hennden sein swert ritterlich wenden (drehend, schwingend handhaben) liederb. d. Hätzlerin 165 Haltaus; ein instrument ..., damit man ... eyn schlangenlini ... reissen mag. solchs instrument wirt an stangen gebogen gewendt vnd vmbgeriben Dürer messung (1538) D 1b; (die windmühlen sind eingerichtet) dasz man mit dem unten angemachten stertz oder wend-holtz das gantze corpus der wind-mhlen also wenden ... kan Hohberg georg. cur. (1682) 1, 68; sogleich stürzte sie (die spinne) über das unglückliche tier her, drehte und wendete es einigemal zwischen den pfoten G. Keller ges. w. (1889) 3, 23; oft vom (ver-)drehen des auges, halses, kopfes u. dgl.: dieser jrer tracht ist dann auch gemes ... das mannichfaltige verkehren vnnd wenden des angesichts J. Barth weiberspiegel (1565) V 1b; du darffst ein einig mal den augen-apffel wenden, so ist das hertze flamm' Lohenstein rosen 51 in: blumen (1708); die augen wenden voltare, volgere gli occhi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317a; sie machte Klara ein zeichen, ein wenig vorzutreten, damit er sie, ohne den kopf wenden zu müssen, sehen könne Polenz Grabenh. (1898) 1, 389; (die stute) hat es nicht besonders eilig, bleibt sogar manchmal stehen, wendet den schönen hals und wiehert leise A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 171; als besondere anwendung erscheint die redensart den (brat-)spiesz wenden menar, voltar, tornar lo spiedo (Kramer t.-ital. [1678] 1227): konig Sigemund sas in eynes buffen wieze und brit und wante den spisz (15. jh.) Cammermeister chron. 46 Reiche; und hieran anschlieszend die wendung den braten wenden (vgl. hierzu: versare veru, subvertere veru die braaten wenden nomencl. lat. germ. [Hamb. 1634] 391), hinter der zuweilen wohl auch die vorstellung von wenden 3 steht: die kOechin lieff bald in die kuchen, vnd thut zwey hner herfr suchen, steckt sie an spisz vnd ruffet baldt, das Eulenspiegel braten solt. der Eulenspiegel setzt sich nider, er wend den braten hin vnd wider Fischart w. 2, 72 Hauffen; da fieng ich an braten zuwenden, mein cammerrath aber schaffte mir indessen holtz herbey Grimmelshausen Simpl., cont. 88 Scholte; itzterwehnter kOenig (Ludwig II. v. Frankr.) ... fragte einen jungen, der braten wendete: was er mit diesem kchendienste verdienete? P. F. Sperling Nicodemus quaerens 2 (1700) 58; aber mein verhängnisz ist doch zu hart; aus meinem beruf gerissen, von meiner gattin getrennt, hier ein schändliches spielwerk sein und den braten wenden müssen! Tieck schr. (1828) 5, 540. metaphorisch, so schon vereinzelt im mittelalterlichen dt.: dhasz ih fora sinemu anthluttę hneige imu dheodun, endi ih uuendu imu chuningo hrucca ut subiciam ante faciem eius gentes et dorsa regum uertam Isidor 6 (5, 19) Hench; man schiltet ainen weisen man vnd spricht: hütt dich vor dem, der kan die zungen wenden, wenn er will! liederb. d. Hätzlerin 150 Haltaus; se mosten de braden wenden (handlangerdienste leisten) (ende 15. jh.) städtechron. 16, 110 (Braunschweig); trAeg, wend dem teufel den braten K. Scheidt Grobianus 74 ndr.; zeit ... die du ... das grosse wAehlt-gebAeu in seinen wahlzen wendest Rompler v. Löwenhalt erst. gebüsch (1647) 5; zwei feuer um mich — man mag mich drehen und wenden, ich brate immer Brentano ges. schr. (1852) 7, 77; die zeiten waren für jedermann hart ... aber Samuel Freudenstein gehörte zu den leuten, welche jeder windstosz nach belieben dreht und wendet W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 71; zuweilen auch vom überlegenden, betrachtenden hin und her kehren eines geistigen gegenstandes: das wort sagt also nichts auszerordentliches, man mag es drehen und wenden wie man will Lichtenberg nachlasz 33 L.-Sch.; solches drehen und wenden jedes vorwurfs (gegenstands) wurzelt im grund einer peinlichen gewissenhaftigkeit E. Schmidt in O. Ludwig ges. schr. (1891) 4, 3; man mag diese lehre drehen und wenden, wie man will ... man mag sie als eine äuszere, geschichtlich bedingte form ansehen Nic. Hartmann ethik (21935) 76. A@2@bb) rückbezüglich. A@2@b@aα) von der (ein- oder mehrmaligen) bewegung der verschiedenartigsten wesenheiten: wann es chomm vff das rechte zil (am ende der schwangerschaft) vnd sich das chindlin wenden wil, vnd losung by der muoter hatt, dardurch die muoter chomt in not, wann sy gepürt in grossem grymm liederb. d. Hätzlerin 289 Haltaus; es hat aber dieser enge thal die natur, dasz so starcke winde eynfallen, sich schnell vnder einander weltzen, die schnee von den hOehenen herab werffen vnd sich im lufft in einen wirbel wenden H. Halverius warhafftige beschr. (1570) 2, 38 (buch 25); deszgleichen das herrlich inuent, dasz sich der braten selber wendt (wurde hier zum ersten male gesehen) M. Mangold marckschiff (1596) D 3; ich bin bereit, zur ewigkeit zu gehn, noch eh sich der minutenzeiger wendet, werd' ich vor meines richters throne stehn Schiller 12, 564 G.; je rascher sich die schaufeln (der grabenden) wenden Kind ged. (1817) 1, 160; als er aber, sich auf seinem lager wendend, bemerkte, dasz kein stroh unter ihm knistre, sondern dasz er auf seidenen kissen ruhe Brentano ges. schr. (1852) 5, 91; er wendet sich, ob nichts vom schalle aus einer andern richtung falle A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 35; übertreibend: er der gespaaret statt gekriegt, ... der würde sich im grabe wenden (vor entsetzen, kummer), wolt' man nach seinem todt so ohne noht verschwenden (7. 12. 1765) Göthe IV 1, 24 W.; zuweilen im sinne von 'sich jem. zu- oder von ihm abwenden' (vgl.C 3 b α): ah gott, himlischer vater, wende dich und lasse deines zorns uber sie gnug gewest ... sein (1543) Luther 53, 541 W.; wende dich herre uont errette meine sele Schede psalmen 26 ndr.; nehmt ihn hin denn und kreuziget ihn! ich find' ihn nicht schuldig. Pontius sprichts mit geflügelten worten und wendet sich zornvoll Klopstock Messias (1780) 230; von einem gespreizten sich drehen und kehren: glaubt man doch ... ... so viel stolzgeschwingte pfauen wenden sich und drehn zu sehn Herder 25, 611 S.; du schändliches vieh, ... reiszt mir ein stück aus meinem ... gallafrack ... wie musz ich mich jetzt wenden und drehen, um den risz zu verbergen Seb. Brunner ges. erz. (1864) 1, 314; sich neigen, beugen: die eiche, die buche, und wie man sie nennt, machen vor gottes sohn ihr schön kompliment. wie sich nun jeder baum in demuth wendt, sieht der herr Jesus, dasz das espenholz grad aufrecht steht in seinem dummen stolz Tieck schr. (1828) 2, 336; dann auch von der scharfen biegung eines flusses, abhangs oder einer schlucht: und der flusz Chère ... wendete sich hier dergestalt, dasz er sich hinter dem neuen schlosse hinab schlängelte Laube ges. schr. (1875) 2, 14; der abhang ... wendete sich plötzlich in einen scharfen winkel ebda. 2, 7; um den fusz der eckigen zinne auf dem grat im viertelsbogen sich wendend, verliert sie (die kluft) sich ins dunkel eines verborgenen schlundes H. v. Barth Kalkalpen (1874) 296. A@2@b@bβ) zuweilen von seelischer bewegung, als ausdruck inneren sträubens u. dgl. (vgl. winden teil 14, 2, 291): wende dich wie du wilt, ist blut ynn Mattheo und Marco ein tropus, so mus ynn Luca auch ein tropus sein Luther 26, 467 W.; da sie (die alten titulaturen) uns hergegen ungewöhnlich sind, so erhalten sie, man mag sich auch drehen und wenden, wie man will, ... einen gewissen bedeutungsvollen nachdruck Bürger s. w. 185a Bohtz; sie (eine recension) ist von einem einsichtigen geschrieben, aber wie dreht und wendet er sich, um seine überzeugung verhüllt auszusprechen (8. 3. 1824) Göthe IV 38, 71 W.; das kann ich nicht ändern, wie sehr ich mich sträub', wie sehr ich mich winde und wende Heine s. w. 2, 41 E.; mer kann sish drijen o wänne, wie mer wöll Christa Trier 215. A@2@b@gγ) oft gleichbedeutend mit 'sich kehren, (windend) regen, bewegen, rühren' u. dgl.: och was sol man wunders sehen und mordiges jomers in enre welt, das nu vil schOene schint, do man sich weder wenden noch keren enmag! und muos man ie do beliben und bachen und braten! Tauler pred. 167 Vetter; o her, wer wil mich den erneren? ich mag mich weder wenden noch keren schauspiele d. mittelalters 2, 203 Mone; dann sie ist also mechtig faul. ich glaub wann auff sie trett ein gaul sie wendet sich nit vmb ein har Fischart flöhhaz 20 ndr.; und kan sich ... weder regen noch wenden Chr. Reuter Schelmuffsky 7 ndr. (so noch mundartlich: mər kan zəx nit węnən f drēən Leihener Cronenberg 133); iners, sine arte er weisz sich nicht zu rhren und zu wenden, er kan sich nicht in bewegung setzen Ramler einleitg. (1758) 3, 277; doch still! die klosteruhr sich wendet: eins — zwei — und drei — das echo dröhnt A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 55; hieran anschlieszend die metaphorische wendung sich um etwas (jem.) wenden 'sich darum kümmern, scheren' (vgl. B 1 b β εε): der sprach ... her wenthe sich umbe den lantgraven zu Doryngen nicht Rothe düring. chron. 575 Liliencron; sie wanten sich nit darumb, ... sie keren ein toub oer dar Keisersberg bilgerschaft (1512) C 2d; ich wolt mich nit drumm wenden Eyering proverb. (1601) 3, 78; die zugrundeliegende räumliche vorstellung tritt zuweilen deutlich hervor: wenn ich bey dem fewer lege, nit einen fusz wolt ich bewegen, vnd wolt mich auch darumb nit wenden, wann mir gleich fsz vnd fersen brente Eyering proverb. (1601) 2, 615. A@2@cc) absolut. so nur substantiviert belegt; anschlieszend an b α (vgl.wendung 1 a α): die ehr ist wie ein thurn, der neid die wetterfahn; wanns auff die spitze kümmt, so geht das wenden an Logau sinnged. 255 lit. ver.; er wirft mit trägen wenden sich dreymahl gähnend um Zachariä poet. schr. (1763) 1, 51; und β: denn was kan ihm alles knstliche drehen und wenden bey seinem ... exempel helfen? br., die neueste litt. betr. 17 (1764) 97 Nicolai; selbst der grosze kurfürst war in diesen künsten des windens und wendens, des schleichens und lauschens ... der eigentliche meister Gervinus gesch. d. 19. jh. 2 (1856) 524; sagt ja! mich jammert all das wenden und das winden: that ist that Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 330. A@33) umdrehen, mit der oberfläche (dem oberteil, der bisher oberen schicht) nach unten kehren; 'rivoltare, voltar sotto sopra' (Hulsius [1618] 275). A@3@aa) objektbezogen. A@3@a@aα) vor allem in mehreren fachsprachlichen wendungen. heu, getreide wenden: item 16 scot eyme knechte, der das korn gewant und bewaret hat bis of desze zeit Marienburger tresslerb. (1399-1409) 350 Joachim; pflegt man nach gelegenheit des wetters das heu uff den grumatwiesen abzuhauen, zu wenden, zu schöbern und einzuführen (ca. 1570) haushaltung in vorwerken 253 E.-W.; frumentum subinde motum getreyd, das offt ist gewendet worden Zehner nomencl. (1645) 341; wenden ist auch eine hauswirthliche arbeit, da das aufgeschttete getrAeyde auf denen schtt-, korn- oder getrAeyde-boden mit den kornschaufeln fleiszig umgestochen und umgewandt wird allg. haushaltungslex. (1749) 3, 718; ich wende just das heu A. v. Arnim s. w. 20 (1848) 16; so noch mundartlich weit verbreitet: häjj, grōmet wänne heu, grummet mit dem rechen zum trocknen wenden Heinzerling-Reuter Siegerl. 318 (ähnlich bei Leihener Cronenberg 133; Frederking Hahlen 34; Follmann lothr. 537; Martin-Lienhart elsäss. 2, 835; Meisinger Rappenau 229; Fischer schwäb. 6, 1, 676; Hunziker Aargau 292 u. a.; zuweilen neben konkurrierendem heu schütten, s. Kieser wortgrenzen i. d. Dübener heide [1938] 59; in der Baseler ma. heiszt wände speziell 'das heugras wenden [zum zweiten mal]', zum ersten mal nennt man es chere Seiler 309); malz wenden: nach dem liesz er maltzen und wenden, derren unnd malen an den endten H. Sachs 5, 166 lit. ver.; es musz (bei dem keimenden malz) ... ein vorsichtiges wenden an stelle des umschaufelns treten Muspratt chemie (1888) 1, 546; den acker, das erdreich wenden (vgl. hierzu die definition im allg. haushaltungslex. [1749] 3, 717: wenden ist eine acker-arbeit, welche gleich nach der erndte vorgenommen, und der gebraachte acker mit dem pfluge zum andern mal umgerissen wird, welches umreissen man alsdenn wenden heisset): er (der bauer) soll auch ein schwAer pflugeisen brauchen, das also die feyszte des erdtrichs erarbeytet vnnd mit sampt den schollen wol gewendet werde Mich. Herr feldbau (1551) 44a; ich liess ... ein stck korn-feld ... im frh-jahre wenden Döbel jägerpract. (1754) 4, 41; (Ägidius) hatte gewuszt, dasz die scholle gewendet werden muszte Wiechert missa sine nomine (1950) 66; kies, erz wenden: darumb musz man jn (den kies) im ofen zu tode brennen, vnd offt reiszen oder wenden Mathesius Sarepta (1571) 99b; wenden 'den rost, das unten liegende erz oben auf und das oben liegende hinunter bringen' bergmännisches wb. (1778) 602 (ähnlich W. A. Lampadius hdwb. d. hüttenkde. [1817] 218); jägersprachlich (das laub) wenden (s. Behlen forst- u. jagdkde. [1840] 6, 379): sag an, waidmann, wo der edle hirsch thut riren und hoffiren, und ob er wend't (anm.: mit seinem gehörn das laub streift) und seinen gespaltenen fusz verblend't? (1589) Grässe jägerbrevier 3; oder er (der hirsch) wendet mit dem gehOerne das laub umb und streiffet es gleichsam verkehrt, wo er durch die strAeucher flchtig wird, und solches wird das wenden ... genennet H. v. Fleming teutscher jäger (1719) 95. A@3@a@bβ) zuweilen auch sonst in verschiedener anwendung: das man den paw prechen und wenden solt Hartlieb dialogus miraculorum 359 Drescher; ich mag das vieh legn oder wenden, so crepirt mir alles unter den hAenden Stranitzky reisbeschr. 4 W.; die sanduhr wenden volgere, tornare il sabbietto Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317a; (Högne:) laszt uns die äxte wenden. mit dem stiel treff' jeder ihn Fouqué held d. nordens (1810) 2, 85; diejenige fläche nimmt am raschesten an grösze zu, welche den boden des gefäszes berührt, und wenn man täglich den krystall wendet und alle flächen gleichmäszig wachsen macht, so hat man zuletzt ein regelmäsziges oktaëder Liebig chem. br. (1844) 72; wie eifrig waren die mägde, ... die bleichstücke zu wenden Alexis die hosen (1846) 1, 18; war sie in der küche und backte waffeln, so stand er neben ihr, die uhr in der hand, damit das eisen zur rechten zeit gewendet würde Storm s. w. (1898) 1, 183; das blat wenden voltare la carta Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317a; der jüngling seufzt und wendet rasch das blatt A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 100; hieran anschlieszend die im formulardeutsch geläufige floskel bitte wenden! (mit ersparung des selbstverständlichen objekts). metaphorisch, 'etwas zum guten, zum vorteil verkehren, ändern' (vgl. unten die refl. verwendung): ihr sehet, dasz die zeit das blatt wendet Herder 18, 204 S.; dann, sind wir stärker, wenden wir das blatt H. v. Kleist w. 1, 58 E. Schmidt; vereinzelt als ausdruck der übertreibung, im sinne von 'auf den kopf stellen, umstürzen': das eheversprechen musz ungültig erklärt werden, und wenn ich das ganze amt wenden und stürzen müszt' Nestroy ges. w. (1890) 5, 111. A@3@bb) rückbezüglich. so vor allem in der sprichwörtlichen fügung das blatt wendet sich 'das glück schlägt um, die verhältnisse ändern sich völlig' (vgl. auch die belege unter a β), die wohl an die jahreszeitliche beobachtung des blattumdrehens einiger laubbäume nach der sommersonnwende (s. E. Kück wetterglaube i. d. Lüneb. heide [1915] 72 u. K. Meuli in: schweiz. archiv f. volkskde. 30 [1930] 41ff.) oder welkender pflanzen (s. u. Keisersberg), vielleicht auch an phyllomantische bräuche (s. Boehm in: hdwb. d. dt. aberglaubens 7 [1935-36] 21ff. Bächtold-Stäubli) anschlieszt: die bluom dy würt gar bald dürr, das blat das wendet sich gar bald Keisersberg brösamlin (1517) 1, 106b; aber an dem letsten so man sterben sol so würt sich daz blat wenden Joh. Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 51b; besonders häufig seit dem 17. jh.: das blat kan sich balt wenden, das ausz glck vnglck wird Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, L 8b; Fillis hat mich vor verachtet vnd das sprichwort nicht betrachtet, das blat kan eins wenden sich Voigtländer oden u. lieder (1642) 80; hat sich das blat gewendet und ist k. Uladislaus ... erschlagen worden S. v. Birken Donaustrand (1684) 153; das blatt hat sich gewandt, und alles ist nun anders Klinger w. (1809) 1, 440; wird denn nie das blatt sich wenden und das reich der alten enden? Novalis schr. 4, 156 Minor; das blatt thut sich wenden, sie laufen darvon Ditfurth volksl. d. bayer. heeres (1871) 58; das blatt hatte sich gewendet O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 282; nebst zahlreichen varianten; das blättchen, blättlein wendet sich: folgenden sambsttag aber hat sich das blAetlein widerumb gewendet Harsdörffer gesprächsp. 1 (1641) L 3b; der hencker musz euch blenden, ich schwere, heute noch soll sich das blätgen wenden Henrici ged. (1727) 3, 315; o schwestern zwei, ihr schönen, wie hat sich das blättchen gewend't! Mörike w. 21, 54 Maync; ... göbts acht, dasz sö nöt amol s'blattl wendt gach üba nacht Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 2, 329; ist der könig bittweise gekommen? hat sich das blättlein so gewendet? Aug. Sperl d. söhne d. herrn Budiwoj (1927) 107; das blatt des glücks, der liebe wendet sich: zuletzt aber wendete sich das blat seines ermdeten glckes Lohenstein Arminius 2 (1690) 31a; wie zeitig kan sich da das blat der liebe wenden Henrici ged. (1727) 2, 124; vereinzelt auch das spiel, das glücksrad wendet sich: aber es sol sich auch mit jnen das spiel wenden, das wir jnen den namen wider nemen (1539) Luther 46, 12 W.; aber nu sichs rad gewendet hat und die oberherrn obliegen und glück haben, die bawrn aber erschlagen sind: da ist abermal keyn masse noch weyse auff beyden seytten ebda. 19, 373; dieweil sie auch sahe, dasz das glückradt sich gewendet Amadis 1, 431 Keller; Corinthus wird geschlagen, doch wendet sich letzlich das spiel, dasz Corinthus der stadt Athen mAechtig wird Schweigger reyszbeschr. (1619) 141; ich sehe nun, das spiel hat sich gewandt Klinger w. (1809) 2, 421; s. auch C 2 b. A@44) umkrempeln, die innenseite nach auszen kehren. so nur objektbezogen. A@4@aa) vor allem ein kleid, eine uniform, einen rock wenden (s. auch teil 4, 1, 3, 5476 s. v. gewendet 2 b β u. vgl. 1wender 1 a): eins mals wolt er seinen rock besseren vnd wenden d. heiligen leben summerteil (1472) 191b; (dasz sie) gewendene cleider trugen S. Grunau preusz. chron. 1, 58 Perlbach; mangonizare solch gewerb treiben, alte kleider wenden vnd wieder new machen Corvinus fons lat. (1646) 514; wenn es (das kleid) wird alt seyn, so laszt euchs wenden dt. schaubühne 3 (1741) 132 Gottsched; eine solche farbe auf seinen leib zu nehmen, war nun dem herrn der welt (Napoleon) unmöglich, und es blieb ihm nichts übrig, als seine alte uniform wenden zu lassen und sie so zu tragen Göthes gespr. (1889) 7, 204 Biedermann; in jener zeit nach den kriegen ... war es üblich, dasz die knaben in der regel die ausgedienten röcke und beinkleider des vaters tragen muszten, nachdem dieselben zuvor 'gewendet' worden F. Eberty jugenderinn. (1878) 105; ich weisz, was es heiszt, ein kleid wenden und wieder wenden, weil man kein geld hat, ein neues zu kaufen Spielhagen s. w. (1877) 1, 396; so noch im neueren dt.; s. etwa Frederking Hahlen 34; Follmann lothr. 537; Fischer schwäb. 6, 1, 676; Schöpf Tirol 811; Lexer kärnt. 255; metaphorisch: er hat den rock wendə laun hat seine gesinnung geändert Fischer schwäb. 6, 1, 676; die hosen, die buxe wenden seine nothdurft verrichten Kehrein Nassau 1, 442. A@4@bb) vereinzelt auch sonst: wenn mer sie (eine häszliche) wend könnt, wär wos aus ra (ihr) zo machen Ruckert unterfränk. 195. BB. wie sinnverwandtes drehen, kehren, lenken oft mit ziel- und richtungsbestimmungen verschiedener art. B@11) in eine bestimmte richtung kehren, auf ein bestimmtes ziel richten. B@1@aa) objektbezogen. B@1@a@aα) allgemein, mit ergänzungsbestimmungen verschiedener art: theih sînu uuerk uuirke, thes (ther) mih zi thiu uuanta, hera in uuorolt santa Otfrid III 20, 14 Piper; si (die beiden von verschiedenen seiten einander angreifenden) begundn ein ander wenden neben, für unt hinder sich Wolfram v. Eschenbach Parzival 542, 14 Lachmann; der mond die hOerner in die hOehe wendet Harsdörffer gesprächsp. 2 (1641) 122; der hochmuth ... raubte mir die zeit über der erwehlung eines kostbaren putzes, der die augen der leuten auf mich wenden können discourse d. mahlern 2 (1722) 11; wenn du (ozean) nicht wolken sendetest, nicht reiche bäche spendetest, hin und her nicht flüsse wendetest, die ströme nicht vollendetest, was wären gebirge, was ebnen und welt? Göthe I 15, 1, 174 W.; in seinen kleidern euch täuschend wollte sie eure kugeln von seinem herzen auf ihr eigenes wenden Eichendorff s. w. (1864) 3, 337; die kraft, durch welche der krystall anschieszt, die, welche den magnet zum nordpol wendet Schopenhauer s. w. 1, 163 Gr.; das wohngebäude war gegen die stadt gewendet und hatte in seinem unteren stockwerk keine fenster Moltke ges. schr. (1892) 1, 55; siehe, und nimmer verlischt, auch nach unten gewandt, des lebens ewige fackel! R. A. Schröder elysium (1912) 214; oft auch mit abstrakteren objekten: sie verwîzent mir daz ich sô nidere wende mînen sanc Walther v. d. Vogelweide 49, 32 Lachmann-Kraus; wend dieser jungkfraw mut und sin genedigklich zu meinem willen H. Sachs 2, 5 lit. ver.; wo man sie (die lügen) hyn keret und wendet, szo folgt eyttel grewel drausz Luther 8, 350 W.; zum vorzug und zum schmuck des weiten zepter-landes hat Friedrich seine wahl auf sie (Charlotte) allein gewandt: sie ist die würdigste gemahlin seines standes (1694) Besser schr. (1732) 1, 70; um mich aber von allen diesen bedrängnissen loszureiszen und meine geister in's freie zu wenden, kehrte ich an die betrachtung organischer naturen zurück Göthe I 36, 6 W.; wir müssen aber, um herrn von Varnhagen' s argument gegen ihn selbst zu wenden, buchstabiren lernen, ehe wir zu lesen anfangen (1832) Pückler briefw. (1873) 3, 120; zuweilen im sinne von 'beziehen auf': wie solches ... sprichwort ... auff jhr fressende manier ... gewendt vnd gezogen worden Guarinonius grewel (1610) 591; er (der vorsitzende der gesellschaft) wendete dieses (seine rede) sehr natrlich auf unsere gesellschaft Schwabe belust. (1741) 1, 216; wenn aber propheten bilder dieser art aufs ganze volk wandten, wer verbot es den einzelnen Israeliten, sie auch auf sich selbst zu deuten Herder bei Heynatz antibarbarus (1796) 2, 627. B@1@a@bβ) in geläufigen verbindungen. B@1@a@b@aaαα) vor allem die augen, den blick auf (gegen, nach, zu u. dgl.) etwas (jem.) wenden: sie ougun zi imo ouh uuententioh forahtente stantent Otfrid V 20, 61 Piper; und wendet syne ougen gegen denen (oculos iecit in eos) Steinhöwel Äsop 39 Ö.; ein sorgfältiges auge wende ich immer fort auf die verschiednen style der völcker (25.-27. 1. 1787) Göthe IV 8, 153 W.; als er (der general) den arm fallen liesz, blieb sein blick abwesend übers eis gewendet, den strom hinunter A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 162; das gesicht, den kopf oder hals nach (zu) etwas (jem.) wenden: den wo es dahynn kumpt, das got seinn angesicht zu yemandt wendet, yhn antzusehen, da ist eytel gnad und selickeit Luther 7, 567 W.; colla mollia reflectunt wantend oder kartend jre hAelsz hindersich Frisius dict. (1556) 1131a; maslieben ... die ihre köpfgen alle nach der sonne wendeten (2. 12. 1786) Göthe IV 8, 71 W.; er wendete es (das gesicht) zur seite C. Viebig die vor den toren (1949) 76; die hände, füsze, schritte, den gang gegen (nach) etwas (jem.) wenden: daz der engel die zeswen hant hete kegen den himel gewant Heinrich v. Hesler apokalypse 15 118 Helm; da wendet der patriarch die fsz gegen dem fewer Schweigger reyszbeschr. (1619) 229; lasz uns den gang von diesen erschtternden feurigen wellen (von zerstreutem schwefelhagel) dorthin (an einen ruhigen ort) wenden, daselbst auszuruhen Bodmer crit. schr. (1741) 1, 12; gehe hin, ... wende deine schritte nach dem palmenhügel Pfeffel pros. vers. (1810) 6, 200; zum Montblanc hat er lang gesehn und wendet abendwärts den fusz (wendet sich abendwärts) A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 30; schiff, segel, wagen oder die fahrt nach einer bestimmten richtung wenden: und als er die stat ersach, zen marnæren er dô sprach daz si dar wanten die segele und dâ lanten Hartmann v. Aue Gregorius 81849 Paul-Leitzmann; ûf rihten unde ûf ziehen hiez er die segele sâzehant und die marner an daz lant die kiele drâte wenden Konrad v. Würzburg trojan. kr. 25279 Keller; Quintus Junius Sylanus vnd Lucius Morena wendeten die erste segl gegen Candien dessen sie sich auch bemechtiget Fr. A. v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 1, 35; den wagen wende dieserwärts! Göthe I 41, 2, 43 W.; als wir im laviren das schiff wieder seewärts wendeten, verlieszen sie (eingeborene in kanus) uns J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 156; am anderen morgen wollte Gunnar sein schiff nach dem meere wenden Will Vesper d. harte geschlecht (1931) 201; als er sicher war, von keinem menschen mehr gesehen zu werden, wendete er die fahrt näher nach dem lande und nach dem fjord ebda. 215; häufig auch waffen, schiffe, streitkräfte gegen jem. (zum angriff) wenden: nach disem haben vnsere vervolger in sich selber ire hend vnd waffen gwendet C. Hedio chron. germ. (1530) 62a; da wendten sy all jhr schyff gegen den feynden H. Boner Herodot (1535) 122a; wenn Schweden und Polen die macht, die sie gegen einander geführet, auf die barbaren gewendet Leibniz dt. schr. 1, 199 G.; von Wales wandte Eduard seine waffen gegen Schottland Ranke s. w. 14 (1870) 61. B@1@a@b@bbββ) nicht weniger zahlreich mit abstrakteren objekten. bitte, dank, gebote u. dgl. an jem. wenden: daz sanc uuendet er an Christum Notker 3, 124 P. (ps. 38, 1); swar er (gott) wendet sin gebot Ulrich v. Türheim Rennewart 408 Hübner (v. 27 622); so du wilt, magst du ein zimliche bitt an mich wenden Wickram w. 2, 5 Bolte; itzt kOennen sie nichts mehr thun, als dasz sie ihr gebet zu gott im himmel wenden Chr. Weise polit. redner (1677) 304; an dich, gebieter, wend' ich frag' und rede Göthe I 15, 1, 44 W.; ew. königlichen hoheit ... handschrift, für deren wiedererblicken nach jenem schmerzlichen fall meine brünstigsten wünsche zu den hilfreichen mächten gewendet waren (13. 8. 1822) ebda. IV 36, 121; wenn ich der frömmler gaukelein entkommen, so sei der dank dafür an dich gewendet Platen w. 1, 166 H.; aufmerksamkeit, liebe, gedanken u. dgl. auf etwas (jem.) wenden: sît du nâch hôher minne wendest dienest unde muot Wolfram v. Eschenbach Parzival 11, 11 Lachmann; hatt Homerus all sein fleisz, sinn vnnd verstand auff carmina ... gewendet Schaidenreiszer Odyssea (1537) vorr. 5b; das edle vaterland hat seine lieb' auf dich, o groszer frst, gewandt Zesen verm. helikon (1656) 1, A 4 b; dahero wende deinen zorn nicht auff deine widerwAertigen, sondern auf dich selber und entrste dich ber deine eigene thorheit P. F. Sperling Nicodemus quaerens 2 (1700) 293; kommt mit! sagte die frau, indem sie ihre liebenswürdige freundlichkeit von dem säugling ab auf den fremdling wendete Göthe I 24, 7 W.; ich wandte sinn und gedanken gegen biographische erinnerungen ebda. II 5, 1, 358; aber mehr auf die zukunft als auf die gegenwart bedacht, wendeten sie ihre vornehmste aufmerksamkeit auf den hof von Zweibrücken Ranke s. w. 31 -32 (1877) 77; (heimat war überall,) wo es ein dach und einen herd gab und wo man ein tapferes und manchmal ein fröhliches herz an sein tagewerk wendete Wiechert missa sine nomine (1950) 139; die rede, das gespräch auf etwas wenden u. dgl.: das Christus anfehet zu reden von Petro, wilchs heyst eyn fels, und wendet doch flux drauff die rede auff eynen andern fels Luther 18, 209 W.; sein red oder fürnemmen auff ein andere matery wenden orationem ad rem aliquem conferre Maaler teutsch spraach (1561) 488b; als er aber der meisten rathsherren ... gesichter gleichsam von einem unwillen berwOelcken sahe, wendete der verschlagene redner seinen schlusz dahin, dasz man ... nur einen schatten der alten freyheit ... erhalten mste Lohenstein Arminius (1689) 1, 368a; die alte wuszte das gespräch auf Wilhelms lieblingsmaterie zu wenden Göthe I 21, 15 W.; vereinzelt auch: so war es in der macht des consuls ... die wahl dahin zu wenden, dasz nur patricier ernannt wurden Niebuhr m. gesch. 2 (1812) 108. B@1@a@gγ) besondere anwendungen verschiedener art. B@1@a@g@aaαα) (jem., einer sache) den rücken wenden 'den rücken zukehren, sich davon abwenden': er (Ulysses im bild) wendet dem zuschauer den rücken Schiller 10, 531 G.; (der general) wandte der karte, ihrem bunten linienspiel, müde den rücken A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 365; meist als zeichen des trotzes oder unmuts, der abweisung oder verachtung: (Kain) wend unserm herr-gott den rück H. Sachs 1, 66 lit. ver.; mancher ist zur vnglckhafften stund gebohren, da Mars vnd Venus einander den rcken gewend Lehman floril. polit. (1662) 2, 848; bis gestern sucht' er heil in meinen blicken, er schwatzt mit ihr und wendet mir den rücken Göthe I 15, 1, 77 W.; da mir das leben ein so groszes geschenk gemacht hat, so will ich dem tod denn nun auch entschieden den rücken wenden (22. 5. 1844) Hebbel tageb. 2, 402 Werner; er (Stein) war imstande, ihm (Preuszen) unmutig den rücken zu wenden, wenn jene wahlverwandtschaft versagte Meinecke Boyen (1896) 1, 248; Jadassohn ... versuchte auch dem fräulein die hand zu küssen, aber sie wandte ihm den rücken H. Mann untertan (1949) 136; sowie des verzichts, der absage oder aufgabe: ordensmänner, welche der öden und schnöden welt den rücken gewendet Abraham a s. Clara w. 2, 69 Strigl; leider wend' ich den rücken der einzigen freude des lebens Göthe I 1, 308 W.; da war entschieden, dasz der orden der verlebten romantik orientalischer kreuzfahrt den rücken wandte Treitschke hist. aufs. 2 (51886) 26; aber auch im sinne von 'jem., etw. verlassen, (davon) abschied nehmen': eh er dem hausz den rucken wendet, fiel er ab vnd verlaugnet Schweigger reyszbeschr. (1619) 95; ich ... wende ihm (dem schlachtfelde) unverletzt den rücken Klinger w. (1809) 3, xiii; und ihr werdet sehen, wie schnell wir diesem backofen (des südens) den rücken wenden W. Raabe s. w. I 6, 326 Klemm; 'im stiche lassen, untreu werden' (vgl. die wendung die kalte schulter zeigen): ach du waltzend unstetes glück, wie wendst du mir so bald den rück! H. Sachs 17, 9 lit. ver.; ein zeichen, dasz das glck den rcken wrde wenden dem Christen lager auch vnd grosses leid zusenden Dietrich v. d. Werder ras. Roland (1636) 5 (1. ges.); das kriegsglück war mit der jugend ... und wandte dem verzagten alter den rücken Häusser dt. gesch. 2 (1855) 318; gelegentlich auch ohne dativische bezugsgrösze: aber so bald Carolus den rücken wandte, brachen sie jre trew (1579) Ch. Entzelt altmärk. chron. 99 Bohm; seht das grinsende antlitz! so lachets, wenn der geschmeichelte kaum den rücken gewandt Herder 27, 53 S.; freunde, die im ungluock den rcken wenden Tieck schr. (1828) 1, 82; wobei sich zuweilen die besondere anwendung im sinne von 'einer gefahr ausweichen, fliehen' findet: es fliehen nicht alle die den rcken wenden Lehman floril. polit. (1662) 1, 222; den rücken wenden voltar' il dosso ò la schiena cioè fuggire Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317b; er (der büszer) wendet den rücken (wenn ein weib naht) und verschwindet alsbald ins geklüft H. Hesse glasperlenspiel (1943) 2, 314; das frühe abblassen der ursprünglichen vorstellung zeigt die vereinzelte, dem verlebendigungstrieb entspringende ausdehnung des gebrauchs: sunst thut sich alle freundschafft enden, wo der pfenning den rück thut wenden H. Sachs 21, 222 lit. ver. B@1@a@g@bbββ) 'etwas einer sache (jem.) widmen, daran wenden, dafür aufwenden' u. dgl.: do die werlt wart der gnaden vol die sin vater an uns wante do her sinen son her sante Heinrich v. Hesler apokalypse 10219 Helm; das vnser hergott mehr gewendt habe auff die liebe den auff den hasz, videmus in morte filii Luther tischr. 2, 584 W.; wer gutthat nicht erkennen wil, an den sol man nicht wenden viel Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Ggg 1 a; diese letzte glAettung ..., die der Aechte knstler an ein werk aus seiner werkstAette wendet br., die neueste litt. betr. 18 (1764) 24 Nicolai; du bist wohl werth, dasz ich noch einen streich an dich wende Göthe I 13, 1, 281 W.; (ein bettler sagt,) ihm habe getraumt, dasz auf dem kirchhof zu Mölken unter einer linde ... ein schatz liege, aber er wolle den weg nicht daran wenden br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 150; vielleicht ist es nicht gut, dasz du so viel an die träume wendest (auf träume gibst) (1900) Rilke br. 1899 -1902 (1931) 259; als besonders geläufige verbindungen erscheinen leib und seele, blut oder leben ('alles') an etwas wenden: (Curtius zu pferde, vor ihm ein abgrund:) schaw was ich thv fors vaterlandt, leib und seel hab ich drann gewandt (1635) H. Ziegler geschützinschr. (1886) 61; dein blut hast du daran gewandt, uns theur erkauft zum leben Gottsched ged. (1751) 1, 333; er wendete die blühte höchsten strebens, das leben selbst, an dieses bild des lebens Göthe I 16, 167 W.; arbeit, fleisz, sorgfalt, sorgen an (auf) etwas (jem.) wenden: ... wer hât sînen vlîz gewant an diese varwe clâr? Wolfram v. Eschenbach Parzival 282, 27 Lachmann; o, sagte der pfarherr, kompt ehr (der getaufte Jude) dohin (nach Rom), so ist alle meine arbeit, muhe und vleisz, so ich an in bishehr gewanth hab, verloren Luther 47, 467 W.; wer wend an suond fleisz, dem wird kein paradeisz Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 1, G 7 a; seinen fleisz aufs studiren etc. wenden applicare le sue diligenze à gli studii delle lettere Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317b; man musz den neuesten schweitzerischen schriftstellern die gerechtigkeit wiederfahren lassen, dasz sie itzt weit mehr sorgfalt auf die sprache wenden, als ehedem Lessing 8, 32 L.-M.; antheil und thätigkeit konnt' ich ... auf gar viel andere gegenstände wenden Göthe I 24, 222 W.; Ludwig hatte an die pferde die unsäglichste sorge und mühe gewendet M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 63; sowie geld, kraft, zeit an (auf) etwas (jem.) wenden: item 3 m. 8 scot vor 10 000 an 100 dachsteyns zu wenden, yo vor 1000 8 scot Marienburger tresslerb. (1399-1409) 503 Joachim; was man auff besserung der sitten wendet, ist wol ausgegeben Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) mm 1a (nr. 391); ich hAette unweislich gethan, dasz ich meine zeit ... auf solche unnze grillen gewendet Knittel sinnenfr. (1677) )( 8b; seine gaben, krAefften, vermOegen auf etwas wenden impiegare, sacrificare i suoi talenti, le sue forze, li suoi haveri à qualche cosa Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317b; das wenige was ich an sie (die mutter) gewendet, konnte ich ja entbehren, und sie hätte für uns ja gern das unentbehrliche hingegeben (24. 5. 1802) Schiller br. 6, 390 Jonas; ihr habt an mich gar viel gewandt und lehrer und geld, ermahnung, liebe nie gespart Tieck schr. (1828) 1, 176; der gymnasiast antwortete, es sei ihm unmöglich, seine zeit an eine solche pfennigklauberei zu wenden H. Hesse nachbarn (61909) 63. B@1@a@g@ggγγ) 'etwas zu einer sache verwenden': dasselbige lehen ist aber neulich durch die visitatores desselbigen orts zu besserung einer pfarr und schul gewandt (19. 12. 1537) Luther briefw. 8, 170 W.; was theten wir sonst mit den hAenden wann wir zuor leibschutz sie nit wenden Fischart flöhhaz 30 ndr.; vor allem in der fügung etwas zu seinem (in seinen) nutzen wenden u. dgl.: wir setczen unde gebieten vorbas semliche birbusse in eynen gemeynen nutcz czu wenden unde an eyn gelt czu slaen (1427) acten der ständetage Preuszens 1, 472 Toeppen; mann wende die pfrondt zu gmainem nutz Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 188 ndr.; so wollten i. f. g. mir auch die holsteinsche rosse verehret haben, an meinen nutzen zu wenden Schweinichen denkw. 151 Ö.; der weidliche held Epaminundas, der ... das gelt ... in eines armen frommen manns nutzen wenden liesz R. Lorichius paedagogia principum (1595) 130; si sullen auch die vorgeschriben recht ... zu irem frum wenden und keren (1620) österr. weist. 5, 91. B@1@a@g@ddδδ) seit frühdt. zeit erscheint wenden mit verschiedenartigen durch von angeschlossenen bestimmungsergänzungen. § 1) etwas drohendes, unangenehmes abwenden, abwehren (von sich bzw. jem.): thaz er gigiang in bâga (sich in streit einliesz) thera gotes frâga ioh fon imo iz uuanta (es von sich abzuwenden suchte) thaz uuîb iz anazalta (was das weib aussagte) Otfrid II 6, 42 Piper; ihnn demselbenn loch batt unsser herr Jhesus Christus seinenn hiemlischenn vatter, als er leidenn soltte denn bietternn dodt, undt sprach 'ist es möglichenn, so wendte diessenn kelch vonn mir ...' (1491) Röhricht pilgerreisen (1880) 201; aber sihe tzu, wie feyn drehen sie sich ausz und wenden dieszen spruch von sich, sagen, er gehe sie nichts an szondern die Tacianer Luther 10, 2, 78 W.; böses wende von mir, fleht' ich auch sehnlich darum Herder 26, 41 S.; von kirche und stadt die drohende gefahr zu wenden O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 368. § 2) etwas schädliches, nachteiliges von jem. nehmen, bzw. von sich abwerfen: o du fründ gottes hilff mir got erbitten ..., daz er disen kumer von mir wend Gebweiler lob Marie (1523) 15a; das er da durch aller leute und lande hass, neid und feindschafft auff sich ladet, darunter er mus ersticken und erdruckt werden und kans nicht von sich wenden noch werffen Luther 19, 402 W.; von meiner selen wende gefar, in dær ich lig Schede psalmen 25 ndr.; ... die plage vom hause zu wenden (1781) Voss Odyssee 20 Bernays (2, 59). § 3) 'etwas entwenden, von jem. wegnehmen', so nur vereinzelt bezeugt: zvr zeit, als von der Jdenschar ir kOenigreich gewendet war B. Ringwaldt evangelia (1581) C 2b. § 4) früh auch im sinne von 'wegbewegen, abkehren, -ziehen' u. dgl.: quare faciem tuam avertis ... ziu wendest du fone uns dina anasuina Notker 3, 146 P. (ps. 43, 24); uuente dîne ôigon uone mir Williram hohes lied 45 Seemüller (102, 1); (die menschen) werden die ohren von der wahrheit wenden Luther tischr. 3, 621 W.; wem erwermet de beddelstaf in der handt, des gemOete is van aller arbeit gewandt (1575) Husemann spruchsammlg. 94 Weinkauff; wenn ich dein darf, so wende nicht von mir dein aug und angesicht Paul Gerhardt in: ev. kirchenl. 3, 319 Fischer-Tümpel; o denke nicht daran, mein kind (an den tod von Max)! hinweg von diesem bilde wende die gedanken Schiller 12, 348 G.; ich will ihm (Karl) schreiben, dasz ich meine hand von ihm wende (ihm alle gunst und unterstützung entziehe) ebda. 2, 23; ich wendete kein auge von dem schlafenden Brentano ges. schr. (1852) 5, 199; o hätt' ich nimmer meinen fusz gewandt von deiner erde (hätte ich sie nie verlassen)! wie segn' ich dich, mein reiches kleines land, du frische weide einer treuen heerde! A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 3, 162; vereinzelt in der fügung jem. vom leben wenden 'töten': daz man si beide schente und von dem lebene wente passional 120, 34 Köpke. § 5) jem. von einer sache (jem.) abbringen, abhalten oder abtrünnig (abwendig) machen: (er) lest darvon nit wenden sich H. Sachs 19, 113 lit. ver.; der ... herr vicarius ... vermeint üwer einfältigkeit von sölichem üwerem fürnemen zuo wenden mit künstlichen, rhetorischen, uszügigen worten Zwingli dt. schr. 1, 121 Sch.; o herr nim von mir, was mich wendet von dir Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Ppp 3 b; wo du dich aber bösen rath wirst von mir wenden lassen Paul Gerhardt in: ev. kirchenl. 3, 382 Fischer-Tümpel; (ihr) wollt von der boszheit straszen euch gar nicht wenden lassen ders., ebda. 399; lass ab, die tapferkeit von ihrer pflicht zu wenden! dt. schaubühne 1 (1742) 30 Gottsched; (höflinge versuchten, dem kaiser von der teilnahme an einem gastmahle abzuraten,) haben aber doch denselben von seiner zusag nicht wenden können br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 106. B@1@bb) rückbezüglich. B@1@b@aα) 'sich in eine bestimmte richtung drehen, eine andere (beiwörtlich festgelegte) richtung einschlagen, sich auf ein bestimmtes ziel richten' u. dgl.: Tristan den stiurmeister bat, daz er sich gein der houbetstat ze Develine wante Gottfried v. Straszburg Tristan 7399 Ranke; dahin (gegen mittag) sie sich wenden, so sie betten Seb. Franck chron. d. Turckey (1530) E 1a; magnes obvertit se directe septentrioni ein magnetstein wendet sich gerade jegen (!) norden nomencl. lat. germ. (Hamb. 1634) 37; lasz deinen fusz sich rkkwarts wieder wenden S. v. Birken Pegnitzschäferey (1645) 17; der blick des vaters hing an seinen söhnen und konnte sich nicht von ihnen zu dem himmel wenden Klinger w. (1809) 3, 189; alle augen ... wendeten sich auf ihn Göthe I 43, 58 W.; in dem landwinkel ..., den der bei Basel gegen norden sich wendende Rhein macht ebda. I 40, 298; gefährlich ... wie die meereswoge ..., aber wie diese launisch und unberechenbar, bald rasch vordringend, bald plötzlich stockend oder seitwärts und rückwärts sich wendend Mommsen m. gesch. 2 (41865) 176; alle wendeten sich nach der richtung, in welcher ein langer knochiger zeigefinger wies G. Keller ges. w. (1889) 6, 184; vereinzelt auch als kommando: zur rechten etc. wendet euch! volta-faccia à destra Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317b; wend' dich daher! ist der zuspruch, wenn der nicht auf der fährte arbeitende hund sich nach der linken seite wenden, wend' dich dahin! wenn er sich nach der rechten seite wenden soll Hartig lex. f. jäger (1861) 592. B@1@b@bβ) hieran anschlieszende sonderanwendungen verschiedener art. B@1@b@b@aaαα) sich zu (an) jem. wenden: thô quad er, thaz sie scanctîn (einschenkten),zi themo hêresten sih uuanttîn Otfrid II 8, 37 Piper; aber als sie sich zuo ierem kind wendet, fint sie es in tods nOeten zabeln Steinhöwel de claris mul. 68 Dr.; als ich nach einer weile (gemeinsamer betrachtung eines gemäldes) mich zu ihm wandte, trug sein antlitz den ... ausdruck einer fast schmerzlichen innigkeit Storm s. w. (1898) 1, 43; insbesondere anredend, fragend, grüszend: tho uuanta sih zi in ther heilant, quad conversus autem ad illas Jhesus dixit Tatian 266 (201, 2) Sievers; gein dem kinde er sich do wante: 'waz weistu', sprach er, 'liebez kint ...' Gottfried v. Straszburg Tristan 3532 Ranke; als der rytter sahe, das die edlen junckfrawen zuo ihm naheten, wendet er sich zuo ihnen und thet sein referentz mit grosser zucht und knye biegen (1559) V. Schumann nachtbüchl. 302 B.; hiemit wandt' er sich zu Pöhmern. und du, sprach er, bruder, must auch dran! P. Fleming dt. ged. 1, 92 lit. ver.; und mit eben der lebhaftigkeit wendete er sich zu mir und sagte: ... Göthe I 43, 42 W.; eines tages ... wandte sich Ludwig plötzlich mit den worten zur frau verwalterin: ... M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 17; jetzt wandte sich die frau oberrichter mit der frage an das fräulein, ... E. Zahn die da kommen u. gehen (1909) 161; daher tritt wenden zuweilen geradezu im sinne von '(an-)sprechen' auf: und zu ritter Delorges spottender weis' wendet sich fräulein Kunigund ... Schiller 11, 229 G.; der herzog aber lacht und wendet sich zum kanzler: wir bedauern, dasz ... Gaudy s. w. (1844) 2, 11; 'wenn man über der ersten wand oben ist, kann man ja ganz leicht hinauf?' wandte ich mich an Oberleitstettner H. v. Barth Kalkalpen (1874) 345; 'wenn es beliebt', wandte sich der pater superior an sie O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 383; früh auch im abstrakteren sinne von 'mit einem anliegen an jem. (bittend, rat suchend, appellierend u. dgl.) herantreten', insbesondere an höhere mächte, die höchsten helfer: wende dich an en (sunte Peter), he letset dich in. he bringhet dich vor de koninghin bei A. Hübner d. dt. geiszlerlieder (1931) 118; (Salomon) wand sich zuo gott selber und batt yhn umb eyn weyszes hertz, das volck zuo regirn Luther 11, 272 W.; schwartzkn(st)ler, die wissentlich sich zum teuffeln wenden vnd kehren Nigrinus von zäuberern (1592) 16; (ich) wendete ... mich mit meinem anliegen zu dem unsichtbaren freunde (gott) Göthe I 22, 287 W.; darüber hinaus an angerufene, um rat, hilfe u. dgl. ersuchte der verschiedensten art: ir sOellend euch nit wenden zuo den warsageren Zürcher bibel (1531) 1, 58 (3. Mos. 19); ... dasz er sich ... zu ... Friedrich Wilhelm zu wenden begehret Lohenstein Arminius (1689) 1, b 1b; daher haben sie auch ein wahrhaftig kindliches zutrauen zu ihm und wenden sich an ihn in leiblichen und geistlichen anliegen Miller briefw. (1778) 1, 117; werden alle gemeindsleute an die höchste verordnung vom 4ten märz 1791 erinnert, sich in geringfügigen streitsachen an die gemeindsvorsteher zur gütigen vermittlung zu wenden, um anspinnende processe ... zu vermeiden (1794) österr. weist. 3, 328; der alte arzt war gestorben, man wendete sich an einen jungen, thätigen, gescheidten mann Göthe I 23, 230 W.; (wir) haben ... uns an einen freund, an einen wohldenkenden zu wenden, dessen rath, dessen einwirkung zu erbitten ebda. I 24, 124; und an jeden groben kellner hab' ich mich umsonst gewandt Heine s. w. 1, 127 E.; (sir John:) ich wende mich nicht leicht an ein mädchen, ohne einigen trost zu erhalten Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 1, 22; auf das dringendste wendeten sich die stände an den kaiser: sie beschwuren ihn, ... so groszen übelständen abzuhelfen Ranke s. w. (1867) 1, 146; durchaus nicht nur an eine einzelperson: so wende ich mich zuo dem eynfeltigen ... hauffen Güttel evang. warheyt (1523) B 1b; hat (gott) sich nicht gewendet zuo den hochfertigen Schede psalmen 156 ndr.; dazu wünschen sie (die schüler Thaers zu seinem 73. geburtstag) ... nagelneue tischlieder und haben sich deshalb nach Weimar ... mit zierlichen und ziemlichen bitten gewendet (11. 3. 1824) Göthe IV 38, 73 W.; deine schwägerin musz sich an die regierung wenden maler Müller w. (1811) 1, 275; ob man sich lieber an Oesterreich, das man von Frankreich zu trennen hoffte, oder an Preuszen wenden solle ... darüber war man (in der englischen regierung) noch unentschieden Ranke s. w. 31 -32 (1877) 220; nun hat sie (L. v. Bornstedt) sich ... an Velhagen und Klasing um eine zweite auflage ihrer 'pilgerklänge' gewendet (11. 9. 1842) A. v. Droste-Hülshoff br. 106 Schücking; die fraktion ... hatte sich ... mit einer ... ansprache an die wähler gewandt Bennigsen d. nationalliberale partei (1892) 42; will er (der dienstvorgesetzte) eine eidliche aussage herbeiführen, so musz er sich an das amtsgericht wenden, das über die zulässigkeit der vereidigung entscheidet Triloff reichsdienststrafordnung v. 26. 1. 1937, 30; und keineswegs, wie schon frühere belege erkennen lassen, nur für ein räumliches, unmittelbar-mündliches herantreten: zuletzt wandt ich mit einem blicke, worin mit der verzweifelung noch etwas matter hoffnung rung, mich nach dem strafenden geschicke A. v. Haller ged. 156 Hirzel; den brief ... eines armen gequälten mannes, der sich mit zitternder hand an sie (anrede) wendet Bräker s. schr. (1789) 1, 219; und nun kann ich mich auf diesem wege (durch die zeitschrift 'kunst u. altertum') auf einmal an mehrere fragende wenden (16. 1. 1818) Göthe IV 29, 13 W.; ferner um anweisung bat ich, an wen ich mich wohl wegen des verlags (der gedichte) zu wenden, und auf welche weise (19. 2. 1835) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 139 f. Schulte-K.; wollen sie (anrede) also diese briefe selbst durchlaufen, so bitte ich mir alle die zu schicken, in welchen ich mich an Goethe wende (2. 4. 1834) Bettine in: Pückler briefw. (1873) 1, 248; in freierer anwendung dann auch: kindlich-schön wendet sich der gesang an die beschämte furchtsame braut Herder 12, 218 S.; die bäume standen so ehrfurchtsvoll still den gewittersegen erwartend; die ganze gegend sah aus als ob sie sich zu ihrem schöpfer wende Bettine Günderode (1840) 1, 83; sein (des schönen) ausstrahlen ist unendlich und sein wahrer sinn, dasz es sich an die menschheit wendet, weil in ihm selbst das ganze der menschheit erscheint Vischer ästhetik 3, 1 (1851) 4; das werk (das bühnenspiel 'Sulamith') wendet sich nicht an die schaulust und groben instinkte der masse (21. 12. 1883) J. Rodenberg in: C. F. Meyer br. 184 Langmesser; sie (die praktische philosophie) wendet sich gerade an das schöpferische im menschen Nic. Hartmann ethik (21935) 3; schon aus diesem grunde wendet unser buch sich nicht blosz an diesen kreis H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 17. B@1@b@b@bbββ) sich gegen jem. (etwas) wenden 'feindlich aggressiv zuwenden' u. dgl.: der chunich dem livte chuntebi allem ir gesunte, daz sich an daz wip nieman wandeze deheiner slahte schande genesis 48, 20 Diemer; Tiberius ... wendet ... sich zu hant wider die Pannones (1488) städtechron. 3, 44 (Nürnberg); wie Rhein graff Otto Ludwig dieses alles verrichtet, ... wandte er sich gegen Brisach Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 159; alsdann wendete er sich gegen die andern mit solcher gewalt, dasz er sie alle würde in die flucht gejagt haben, hätte er sich nicht gegen einen büchsenträger gewendet Göthe I 43, 141 W.; da gegen den kaiser wenig auszurichten war, wandte sich die seemacht des sultans gegen die ihm bequemer gelegenen verezianischen besitzungen Ranke s. w. 4 (1868) 83; vielmehr wendete die eroberung ... sich lediglich gegen die ... südlichen nachbarn Mommsen m. gesch. 1 (21856) 317; meine aufgabe ist es, mich gegen Franzosen und Engländer zu wenden und sie vom Balkan zu vertreiben A. v. Mackensen br. u. aufzeichn. (1938) 243; auch sich gegen eine gefahr, eine feindliche ansicht, ein unrecht (u. dgl.) wenden: ich ... wandte mich mit mehreren nachbarn gegen die flamme Göthe I 24, 223 W.; eben so muszte sich der Deutsche ... mit entschiedenem geschmacksbedürfnisz gegen die lateinische sprache wenden (28. 5. 1819) ebda. IV 31, 158; in dieser beziehung musz ich mich doch gegen die früheren ausführungen des kollegen v. Stumm wenden Moltke ges. schr. (1892) 7, 41; etwas gräszliches ... wie denn jeder hasz, der sich gegen menschen wendet, statt gegen das unrecht M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 110. B@1@b@b@ggγγ) sich gegen einem wenden einem günstig sein, vertere se in aliquem (Maaler teutsch spraach [1561] 488b), sich jem. zuneigen: weyl sich aber gott und das glück hat zuo uns gewendet, das wir mit einander mögen allein reden V. Schumann nachtbüchl. 304 B.; der herr sich wende zum gebet der verlassenen Dannhawer catech. (1657) 1, ):( 3b; ich war bei einer edelfrau, sie jagte mich weg, weil sie glaubte, ihr geliebter wende sich zu mir Brentano ges. schr. (1852) 7, 97; mein herz ist frei, zu wem also kann es sich leichter wenden, als zu dem, der meiner mutter gutes erweist Nestroy ges. w. (1890) 2, 32. B@1@b@b@ddδδ) sich zu (an) etwas wenden 'sich einer sache zuwenden, widmen, hingeben' u. dgl. § 1) einem bestimmten tun, verhalten oder zustand: an grozze ubil wanden si sich,idoch was in got genædich genesis 26, 32 Diemer; Gâwân ... an die vorhte sich niht wande Wolfram v. Eschenbach Parzival 558, 2 Lachmann; vnd wOelcher sich zuo kriegen wendt, den fraynden [!] felt er inn dj hendt Schwarzenberg Cicero (1535) 146a; haben sy sich nach erschlagung deren imm lAeger zum schlAemmen vnd trincken gewendt H. Boner Herodot (1535) 31a; dann wer sich zu dem liegen wend, verlembdet, lOestert, eyffert, schend, der ist vom bOesen feind geborn Moscherosch gesichte (1650) 2, 760; sich zu der unzucht etc. wenden volgersi, darsi alle lascivie etc. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317b; wenden wir uns vorerst zur betrachtung der farblosen schatten Göthe II 1, 29 W.; und sie (die freier) wandten sich wieder zum tanz und frohen gesange (1781) Voss Odyssee 16 Bernays (1, 421); holde tochter eines dicken vaters, sprach er, und wendete sich wieder an die diebesarbeit Holtei erz. schr. 3 (1861) 142. besonders häufig in der fügung sich zur flucht wenden: welche ... sich zur flucht wenden Xylander Polybius (1574) 55; kaum wendeten die Kernen sich zur flucht Schiller 13, 8 G.; er wandte sich zur flucht M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 86; sich zum gehen wenden: die freunde wandten sich nun zum fortgehen Stifter s. w. 2 (1908) 77; die frau zog das tuch um ihre schultern wieder zusammen und wendete sich zum gehen Wiechert missa sine nomine (1950) 77. § 2) einem (insbes. geistigen) gegenstand der betrachtung, bearbeitung, darstellung, des studiums u. dgl.: nun wenden wir uns (in der erzählung) zu unserer zurüstung und abreise von Ava Ziegler asiat. Banise (1689) 174; ich will aber wehr und waffen fahren lassen und mich zu den künsten wenden Grimmelshausen Simpl. 122 Scholte; ich will also diese materie (wiedergabe von liebesbriefen zw. 2 personen d. gedichts) enden und mich lieber zu einer andern wenden Kortum Jobsiade 350 Dyk; Wilhelms gedanken wandten sich nun bald auf seine eigenen verhältnisse Göthe I 22, 139 W.; es zeigt sich ferner ein schwanken zwischen empirismus und rationalismus; jener findet statt, in so fern sich die urtheilskraft auf die gegenstände allein wendet Solger ästhetik (1829) 38; dadurch wird es begreiflich, wie die kunst gerade in einem volk entstand ..., das sich schwerlich durch schönheit auszeichnete, dessen tiefer sinn aber sich früh auf mathematik und mechanik wandte W. v. Humboldt ges. schr. 4, 44 akad.; lassen wir das, und wenden wir uns zu angenehmerem W. Raabe s. w. I 6, 13 Klemm; oft vom hinwenden eines gesprächs zu einem bestimmten gegenstand, einem neuen thema: das gespräch wendete sich ... zu unbedeutenden gegenständen Göthe I 23, 208 W.; das gespräch wendete sich auf die liebe Jean Paul w. 7-10, 333 Hempel; das gespräch wendete sich auf andere, gleichgültigere gegenstände Stifter s. w. 5, 1 (1908) 129. B@1@b@b@eeεε) sich an etwas wenden 'sich um etwas kehren, kümmern' (s. auch unter A 2 b γ): swer sich an troume wendet,sprach dô Hagene, der enweiz der rehten mæreniht ze sagene Nibelungen 1510 Bartsch-de Boor; sein gütt ward nicht verspart, das er ir mit reichait sande. dar an si sich nicht enwande. do sy die versmecht het, er sant ir wider so ze stet ... märterbuch 592 Gierach; an der hund hinckn vnd frawen weinn, der krAemer fluchen oder schwern soll sich niemand wenden noch kehrn Gilhusius gramm. (1597) 3, 1. 62. B@1@b@b@zzζζ) sich nach etwas wenden 'sich nach etwas drehen, richten': man sol sich darnach wenden, das man esz mit baiden hennden liederb. d. Hätzlerin 277 Haltaus; wend dich nit nach einem yetlichen wind Zürcher bibel (1531) 1, 272a (Jes. Syr. 5, 11); wie er mit seinem heisern gsang den leuten wolt gern machen bang, wo nicht das volck den vogel kent, wie er sich nach dem wetter wend Fischart s. dicht. 1, 92 Kurz (nacht rab 3520); er aber erklAerte sie ... fr seinen angel-stern, nach welchem sich sein wille genauer als die magnet-nadel gegen dem gestirnten beere wenden wrde Lohenstein Arminius (1689) 2, 822a. B@1@b@b@hhηη) sich von etwas (jem.) wenden 'sich ab-, wegwenden' (vgl. bereits Heliand 4491 B.): daz die sünd zuoezemessen ist allain dem freyen willen der sich von allen sündigen naygungen vnd raytzungen wenden moecht Berthold v. Chiemsee tewtsche theologey 173 Reithmeier; gib dem, der dich bittet, vnd wende dich nicht von dem, der dir abborgen wil Matth. 5, 42; voluntas vult (cupit) bonum, declinat malum der wille wil (begehret) das gute, wendet sich vom bOesen Comenius januae linguarum vestibulum (1650) 32; sobald man ihn vom gegentheil (seiner guten meinung) überzeugte, wandte er (Ludwig XIV.) sich vom ehrlosen Herder 23, 44 S.; nur was ewig gefallen oder miszfallen kann, dem ergieb dich, von dem wende dich Bettine Brentanos frühlingskr. (1844) 38; die kunst ist im niedergang begriffen, die sich von der darstellung der leidenschaft zu der des lasters wendet M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 67; dasz er ihn ... gezwungen, sich von der welt zu wenden (geistlich zu werden) qu. a. d. j. 1923; im sinne von 'abfallen': averterunt se et non servaverunt pactum ... uuanton sih fone imo (gott) unde neuuereton iro gedingun Notker 2, 321 P. (ps. 77, 57); die offt böse obrigkeit hetten, wenn sie von gott sich wenden theten H. Sachs 9, 229 lit. ver.; den pundt hand si (die Züricher) zerspalten, sich von eydgnossen gwendt (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 2, 463; du bist ein pfaffe und siehst ruhig zu, wie sich, von Tetka's träumerei verblendet, das blinde volk vom alten dienste wendet Brentano ges. schr. (1852) 6, 26; gebot den fürsten all zugleich von Heinrich (IV.) sich zu wenden A. v. Arnim s. w. 13 (1845) 108; 'jem. seine gunst entziehen': (wenn gott uns nicht mehr straft,) so ists ein zeichen, dasz er sich von uns gewandt hat Luther tischr. 1, 585 W.; haben sie (anrede) geduld (mit der schwester Pauline), lieber Levin, bedenken sie, dasz es ihrer verehrten mutter kind ist und sehr verlassen, ganz verlassen, wenn sie sich von ihr wenden (31. 10. 1844) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 354 Schulte-K.; vereinzelt aber auch 'abbiegen von, abgehen von': der plastdarm wendt sich von der leber Ryff anatomi (1541) E 4a. B@1@cc) absolut. B@1@c@aα) wie b α: zogen dem gbürg nach vnd der Ill auff Illfurt, da sie vberfrten durchs Leimtal der Prisik nachspürten, deren sie folgten, bisz sie lAenden, da Prisich vnd Birs in Rein wenden (einbiegen, einmünden) Fischart glückhafft schiff 15 ndr.; ich konnte bis an's ende meiner kräfte gehen und zuletzt, ohne rücksicht, rechts, links wenden oder auch umkehren (6. 6. 1820) Göthe IV 33, 55 W.; wie er noch darüber nachsann, ... wandten die beiden spaziergänger in einen gang, der sich in einem blumenrunde endete Gutzkow ritter (1850) 3, 428; unter gewitterdrohendem himmel, aber auf offener see, fern dem klippenreichen strand der Genfer vertragspolitik, wendete das deutsche reichsschiff kühn in den wind Stegemann weltwende (1934) 313. B@1@c@bβ) wie b β αα und ηη: darzuo an meinem letsten end mit deinem trost nit von mir wend (1522) Murner luth. narr 262 Merker; so hat uns gott die testamente gestiftet, dasz wenn wir wieder zu ihm wenden, so giebt er unsern seelen wieder das neue kleid Jac. Böhme s. w. 4, 201 Schiebler; in dem wandte die, so mich angeredet, zu der zweyten ... und sprach Harsdörffer gesprächsp. 5 (1645) )( )( )( )( viia; so in neuerem sprachgebrauch ausschlieszlich im partizip: bei dem skaischen thore, wo Hektor ... die gattin antraf, steht der held, so nach dem lager gewandt, als wär er schon einen schritt weiter gewesen und träte nun, auf das flehen des weibes, noch einmal zurück Sturz schr. (1779) 1, 35; ich kann ihnen wohl, fuhr er zu Wilhelmen gewendet fort, einiges von der gesellschaft erzählen Göthe I 25, 1, 129 W.; sagt' ich, zu dem gast gewendet Mörike ges. schr. 1 (1905) 167 Göschen; vor dem tische, mit dem rücken gegen den beschauer gewendet, sasz einzeln ein üppig gewachsenes junges mädchen G. Keller ges. w. (1889) 2, 148; ein vor- und rückwärts gewandter prophet du Bois-Reymond grenzen d. naturerkennens (1873) 7. B@22) in eine andere (beiwörtlich bestimmte) lage oder stellung bringen; an einen neuen (stand-)ort, in (an) einen anderen bereich führen u. dgl. B@2@aa) objektbezogen. B@2@a@aα) allgemein; mit ergänzungsbestimmungen verschiedener art: dar umbe wære Kûdrûnhin ze im nâch êren niht gewant (ihm zur gattin gegeben) Kudrun 819, 4 Symons; und facht so ritterlich, das die tier in flucht wurden gewendet Steinhöwel Äsop 146 Ö.; wo er aber geneigt, das seine unter uns in diese land zu wenden, wollen wir ihme dazu in allem ziemblichen gern mit allen gnaden rätlich und furderlich sein (24. 5. 1538) herzog Albrecht v. Preuszen bei Luther briefw. 8, 230 W.; hett molcken in den beyden henden, die sie nit kondt zur nasen wenden Fischart w. 2, 353 Hauffen; so wende den vordern ort behend vber sich Sutorius fechtb. (1612) 25; ein rabbi fasset er beym schopff vnd wendet stracks desselben kopff fr des schweins loch Prätorius Saturnalia (1663) 313; so mahnt mich ... eine fügung, allen lohn, den mir Gockel je zu tage scharren wird, nach Gelnhausen zu wenden Brentano ges. schr. (1852) 5, 6; sie ... wandte den kopf so, dasz man ... ihr schönes profil sehen muszte Fontane ges. w. (1905) I 4, 240; abstrakter: nu scal ih iuih senten, in thionôst mînaz uuenten (in meinen dienst stellen) Otfrid V 16, 21 Piper; want si selve nit inbecanden wi groze sunde si an sich wanden ('auf sich luden') lilie 20, 16 Wüst; neben dem dessen vnuernügt, hat er sich auch vnderstanden ... meine freundt ... zu bestechen vnd auff seine seiten zuwenden Amadis 1, 52 Keller; hieher mag man auch wenden, was taugt das hirn zu krefftigen Wirsung artzneyb. (1588) 125; komm Phyllis, komm behende, ... all frewden zu mir wende Zinkgref auserl. ged. 56 ndr.; während der mensch in der spannung und arbeit ist, sein inneres nach auszen zu wenden, ... G. Freytag ges. w. 14 (1887) 19. B@2@a@bβ) in besonderen metaphorischen anwendungen. B@2@a@b@aaαα) 'jem. etwas übertragen': aller der lof dis werkes sal werliche an dich werden gewant (soll dir zugesprochen werden), of iman it loveliches hie ane vant lilie 62, 28 Wüst; wie wol du ir gibest einen man, dardurch wirt die sorg nit genomen, sunder wirt auff den man gefuort vnd gewendet A. v. Eyb dt. schr. 1, 17 Herrmann; hat es sich begeben dass, vmb des missbrauchs willen, der aller ehrlichst nam den vorzeiten die magi hatten, gewannt worden ist auff die, welche die ehrlose schändtliche kunst der zAeuberey gebrauchen Nigrinus von zäuberern (1592) 15; wir kOennen die kranckeit so von zAeuberey erregt, auff wachsbilder bringen vnd wenden ebda. 94; insbesondere rechtssprachlich 'jem. etwas übergeben, übertragen, vermachen, etwas in eine neue rechtslage, in jemandes besitz bringen' u. dgl.: wir seczin unnd besagen me, das Gerlach, Wolprath unnd Crafth ... diekeiner hande gut, lude, gerichte odir recht, di in die voddie horint, kerin odir wendin insuollint in keyne fremede hant (1330) hess. urk.-buch 2, 397 Wyss; es ensal oich vnsir kein sinen teil der ebenantin burg an keynen herin, adir an nymande, wendin, fursettzin adir fur koifen (1380) waldeck. urk.-buch 183 Varnhagen; und wer es, das mein obgenanter gnediger herre den stifft aufgebe oder an ein ander persone wennden oder eingeben wolte ... demselben sol und wil ich doch nicht gewarten oder huldung ton (1435) chron. d. st. Bamberg 1, 305 Chroust; die keyserin wil das imperium nun auff jren stam wider wenden Seb. Franck Germaniae chron. (1538) 159; vnd machten summa summarum, das jnen bleib das keyserthum zu Rom beid vnd in occident, welches sie nit on vrsach hend auff teutsche nation gewendt, sie aber behalten die glt vnd rendt Fischart s. dicht. 2, 354 Kurz (d. gelehrten 889); wurden die mOench durch die herren von Zurych mit ehrlichen leibdingen versAehen ... vnd das closter an der statt spital gewendt Stumpf Schweizer chron. (1606) 486a; ähnlich noch zuweilen in neuerem sprachgebrauch: alle feldherrn begegnen sich in zweykämpfen, und diese wenden den sieg hierhin und dorthin Niebuhr m. gesch. (1811) 1, 364 f. B@2@a@b@bbββ) 'etwas auf jem. (ab-)schieben' u. dgl.: und ist die unkost auf fürstlich gnaden gewendet worden, da er in die Moldaw hat sollen (1616) qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 5 (1909) 572; insbesondere 'eine schuld auf jem. schieben': fürstlich gnaden hat sich aber entschuldiget und solches auf die capu tarto und capitanen gewendet (1614) ebda. 489; aber so du würdst verneinen sie zuo eelichen, als dann wurd er alle schuldt auff dich wenden (in te transferet) Boltz Terenz (1539) 12a; inn denselbigen tagen kamen etliche von dem jungen kOenig Vermina ... vnnd wendeten alle schult auff die listigkeyt vnd trügnusz der von Carthago Carbach Livius (1551) 204b; das sie aber das pley in grOesser hasz bringend, so verschweigend sie nichts von den pleykuglen ..., wenden also die vrsach der verletzung vnd des todes ins pley Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 9. B@2@a@b@ggγγ) 'jem. vor gericht (die obrigkeit u. dgl.) ziehen': so ain gelter den schuldner für herrschaft thuet wenden (um 1570) österr. weist. 5, 722; item ob auch ainer verbrochen het und so widerwillig wär, das er dem jenigen, welchem er schaden zuegefiegt, ... widerkerung nit thuen wolt ..., darumb man denselben fir obrigkeit wenden mieszte, der soll ihnen zusambt dem ihren gang, mehr versaumbnusz und zöhrung abtragen, auch der herrschaft die buesz (1683) ebda. 2, 64; darnach fragt man, ob ain urbarman den andern für frembdes gericht oder herrschaft wendt oder verclaget (17. jh.) ebda. 1, 2. B@2@a@b@ddδδ) jem. etwas zu gnaden wenden, wie jem. etwas zu gnaden stellen (s. teil 4, 1, 5, 538): er mOechte ihm zu gnaden wenden, dasz nicht so wol sein wille, als unglck ihn verleitet hAette wider das erste gesetze der natur zu sndigen, nemlich ein werckzeug zu seines vatern gefangenschafft zu seyn Lohenstein Arminius (1689) 2, 416a; sie mOechte die durch seine vermAessene liebe ihr angefuogte beleidigung ihm zu gnaden wenden ebda. 2, 1398a. B@2@bb) rückbezüglich. B@2@b@aα) allgemein: derhalben die von jnen (den bären) nidergeschlagen, auffs angesicht sich wenden vnd den athem verhalten Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 15; das znglein wand sich in die quer Rollenhagen froschmeuseler (1595) C 6b; ein dicker mann, der sich darin (in dem in einer ganz schmalen kammer stehenden bett) auf die seite wenden wollte, hätte die thür erst öffnen müssen O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 306. B@2@b@bβ) insbesondere als verbum der fortbewegung. B@2@b@b@aaαα) 'sich begeben (bewegen, ziehen) nach' u. dgl.: ... uuara mugun uuir unsih uuenten Otfrid IV 9, 5 Piper; und eine partîe (heeresabteilung) er kegin Masow sante, dî andre sich wante in Pomezênin daz gebît Nicolaus v. Jeroschin kron. v. Pruzinlant 14674 Strehlke; wo du dich wollest gen Rome wenden (si Romam migres) U. v. Hutten opera 2, 189 B.; bald sich der herr int stubn thut wenden, fallt im ins haar mit beyden henden H. Sachs 17, 75 lit. ver.; wohin mag sich unser kind gewendet haben? Bucholtz Herkuliskus (1665) 481; Werner beschlosz deszhalb, seinen wohnort zu verändern und sich nach Sachsen zu wenden Langbein s. schr. 31 (1837) 43; ich wandte mich in jene anmuthige gegend, die von den kunstverständigen meistentheils zu sehr verachtet ... wird Tieck schr. (1828) 4, 26; zuerst nämlich hatten wir uns in das wendische dorf Piskowitz bei Kamenz gewandt V. Klemperer l. t. i. (1949) 270; keineswegs auf die bewegung von lebewesen beschränkt: es ist das feur, das hitzt und brennt, so weit fast sonn und mond sich wendt Paul Gerhardt in: ev. kirchenlied 3, 396 Fischer-Tümpel; wenn sich ... die erdkugel von westen nach osten umdrehet, so kann ein stein, den man von der spitze eines thurms senkrecht herabfallen laesst, nicht am fusse desselben niederfallen, sondern in einer merklichen entfernung nach westen, weil sich der thurm zugleich mit der ganzen erde während des herabfallens des steins nach osten gewandt hat Fr. Th. Schubert verm. schr. (1823) 1, 22; an ... bedeutender stelle, wo sich der steile gebirgsweg um eine ecke herum schnell nach der tiefe wendete (hinzog, führte) Göthe I 24, 3 W.; eine neue, gut geführte aber schlecht gebaute strasze wendet sich nach dem thor von Narni hinauf Moltke ges. schr. (1892) 1, 161; auch in abstrakteren anwendungen verschiedener art: warzu sol ich mich nu wenden? in werltlich oder in geistlich ordenung? ackermann a. Böhmen 65 Bernt-Burdach; so wird man auch mit wahrheit dieser meiner geringen ungleichen abfertigung keine andere ursach furwenden konnen, dann dasz ich mich nach gottes gnädigem willen am allerersten unter ihnen zum heiligen evangelio gewandt (der evangelischen lehre beigetreten, den evangelischen zugesellt) ... habe (28. 6. 1537) Severin Schultze bei Luther briefw. 8, 92 W.; die fasnacht wendt sich zu dem end (geht dem ende zu) bibl. älterer schriftw. d. dt. Schweiz I 5, 132; ihr bedrAengnusz ist geendt; ihre seel' hat sich gewendt dahin, da sie her-entsprossen Königsberger dichterkreis 5 ndr.; lasz die gelegenheit nicht gehen aus den hAenden, du weist nicht, ob sie wird sich wieder zu dir wenden Spanutius dt. lex. (1720) 592; von hier (dem 4. kapitel) aber wendet man sich, mit uberspringung der zwei folgenden capitel, so gleich zur andern abtheilung dieses wercks Heinichen generalbass (1728) )( 3; auf welche seite sich mein herz wandte (neigte), kannst du leicht denken Göthe I 21, 42 W.; hat die macht sich zum volke gewendet, bettelt er (der niedrige mensch) auf dem markte, wie er früher in den pallästen gebettelt Börne ges. schr. (1829) 6, 61; von Asiens westlichster küste hatte sich das christenthum gleich herüber nach Europa gewandt Jacob Grimm mythol. 41, 1; wir müssen uns (beim blick auf die wandlungen des niederländischen andachtsbildes in der ersten hälfte des 16. jhs.) da vor allem nach Holland wenden, wo die entwicklung früher und intensiver als in den südlichen Niederlanden eingesetzt hat Dvořák kunstgesch. als geistesgesch. (1928) 214. B@2@b@b@bbββ) sich wenden von (aus) 'sich weg-, fortbegeben' u. dgl.: aber der tuvel lessit si nicht, wanne her si anderweit ane ficht. so wendet er sich (macht er sich los) uss iren fussen unnd bildet in en van deme sussen das si vor ziten haben gedriben Johannes Rothe lob d. keuschheit 4898 Neumann; wenn ein weibsbilde on des mannes schuld sich von yhm wendet (ihn verläszt) ... da lassen wir sie auch citirn (14. 10. 1538) Luther briefw. 8, 301 W.; damit er nicht gezwungen werde, sich aus der marck zu wenden (9. 6. 1542) ebda. 10, 75; die wachteln reisen auch aus kalten landschafften, um die zeit, da sie sich von uns wenden Prätorius winterflucht (1678) 14; drum wende dich aus meinen blicken Schiller 11, 282 G.; Regulus, welcher den blick niederwirft, sich den seinen entreisst, sich von Rom wendet (hier mit dem beisinn von 'abfallen') und auf herrlicher flucht zu den feinden eilt Fr. Schlegel jugendschr. 1, 26 M.; und dann wird er sich zögernd von der unvergänglichen herrlichkeit jener wunder wenden, aber nur um wenige schritte Gaudy s. w. (1844) 13, 8; abstrakter: also sol niemand sich selbs aus dem gehorsam und eyde wenden, er werde denn durch andere entweder mit gewalt odder mit gunst und urlaub eraus bracht (1529) Luther 30, 2, 138 W.; schnell von dem leib die seel sich wendt Spreng Ilias (1610) 234a; so must du, leider! auch, du theures haupt, erblassen! und hast dich, grosser geist, von mir hinweg gewandt! poesie d. Nieders. 1 (1725) 189 Weichmann; o dasz die erst mit dem lichte des lebens sich von mir wende, die edle treiberin, trösterin hoffnung Göthe I 2, 60 W. B@2@cc) absolut. B@2@c@aα) wie b β αα: ouh uuidorort (zurück, rückwärts) ni uuantîn êr siro zins gultîn Otfrid I 11, 21 Piper; dü Cesar dü widere ci Rome gesan (kam) si ni woltin sin niht intfan, ... mit zorne her dü widir wante ci diutischimo lante Annolied 28 Opitz-Bulst (24, 8); daz selbe si nu daden aller stede gliche mit dirre selben liche, waz endes (wohin) si nu wanten (kamen) joch sider me gelanten (einkehrten) (14. jh.) hl. Elisabeth 5647 Rieger; und als Jesus von dannen wendt, da folgten im zwen blinden nach H. Sachs 6, 300 lit. ver.; etliche hurtig ausz verlangen geschwind auff jhre pferd sich schwangen, begundten hin vnd her zu wenden die blosse schwerdter in den hAenden Spreng Äneis (1610) 249b; den frieden zu finden, wohin soll ich wenden am elenden stab? Schiller 1, 305 G.; die augen bleiben scharf gesenkt, beinah geschlossen, als er quer um eine bahre wendet her, zu eilig A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 44; der finstere wagen fuhr aus dem thore, wendete (fuhr) um ecken Stifter s. w. 4, 1 (1911) 84; abstrakter: ehir, das myn sele wende von dem libe Ulrich v. Eschenbach herzog Ernst (D) 5145 in: dt. ged. d. mtas. 1, 52b v. d. Hagen-Büsching; lasz dein hertz nit wenden auff yhre (des weibes) wege Luther 8, 147 W. B@2@c@bβ) 'sich hinziehen, erstrecken, reichen bis' u. dgl.: mit namen der Durrenperg, zwischen dem Ekprehtstein vnd waltstein, als verre der da hin wendet (1356) monumenta Zollerana 3, 305 (nr. 361); also, daz der borgfryde sal wenden vff alle syten, von der stad muren zcu Vrygenhagen, zcweine morgen lang (1371) waldeck. urk.-buch 173 Varnhagen; mit gunst unde fruntschaft der graven unde freien, der gerichte doran wante (grenzte) unde etzwas dorzu gehorte (15. jh.) Johannes Rothe düring. chron. 255 Liliencron; erstlich das das wort gotes lauter und clar on allen menschlichen zusatz gepredigt werde, soferr und weit dieser loblicher stieft und furstentumb durchaus wendet und gereich (1525) chron. d. st. Bamberg 2, 222 Chroust; ein armer baursmann ... der were sein leben lang nie weiter kommen, dann sein grentz wendete schöne weise klugreden (1548) 50a; man mus sich nicht weiter strecken, sagt man, als einem wendet die decken Pape bettel- vnd garteteuffel (1586) G 5a; sie (die kronen) ... werden stirnkronen genennet, daher, weil sie nur auff die stirn gebunden werden und von einem ohr zum andern wenden J. Zader d. braut ehrenkron (1610) A 5a; formelhaft soweit unser leib und gut wendet: unser personen halben sollen e. f. g. uns, so weit unser leib und gut wendet, als die untertan gehorsam und willig finden (1525) akten u. br. z. kirchenpolitik Georgs v. Sachsen 2, 162 Gesz; zum andern seien wir ernstlich bedacht und entschlossen, dasz wir ... als ain gehorsame stat und glid des hailigen römischen reichs, so verr und weit unser leib und guot wendet, bleiben wellen (16. jh.) städtechron. 32, 276 (Augsburg); vereinzelt auch von zeitlicher erstreckung: die geschicht von anticriste, daz sin begin sich irhebet und die werlt sins tons entsebet biz her daz vorendet, die zit die dar wendet (sich dahin erstreckt) und immer wird sin vornumftic, die geschicht heize wir kumftic Heinrich v. Hesler apokalypse 7530 Helm. B@33) in einen anderen zustand bringen, in eine neue gestalt verwandeln. B@3@aa) objektbezogen; 'etwas (jem.) verwandeln': posuit flumina in desertum et exitus aquarum in sitim ... dero iudon aha uuanta er in trucheni. iro uuazerverti uuanta er ze durste Notker 3, 213 P. (ps. 106, 33); lûter wazzer sâ zehant wart in rôten wîn gewant (14. jh.) erlösung 3839 Bartsch; die saltz suell dar yn die huszfrauwe Loth des mansz ward gewendet Breidenbach die heyligen reyszen gen Jherusalem (1486) 58a; vill wurden eins nachts verbrent, wie Tacitus schreibt, damit Nero die nacht inn den tag wolt wenden Seb. Franck Germaniae chron. (1538) 20a; ach dasz, was anrrn deine hend, in rote rOeslein sein gewend Zinkgref auserl. ged. 6 ndr.; wir (Adamskinder) wendeten in gift die mittel der erhaltung A. v. Haller ged. 135 Hirzel; ach, es soll dir all' dein leiden in freuden gewendet werden, sei nur ruhig Brentano ges. schr. (1852) 8, 319; da zürnte die hexe und wandte durch zauber das schlosz in einen felsen br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 209; es rankt die rebe am rauschenden Rheine, die kräfte der erde saugt sie empor! sie bindet den sommer und bannt ihn in beeren, sie wendet und wandelt im wechsel der wochen der sonne gefunkel zu flüssigem feuer, der sonne gleiszen in glänzendes gold! (1877/78) H. Seidel vorstadtgesch. (1929) 1, 65; 'in einen anderen zustand, eine andere stimmung versetzen' u. dgl.: also mag man van den unkuschen sprechen: si bluen danne wanne sy hoffyren, sich smocken unnd schone zyren unnd werden dan alzu hand van schonen worten in untogund gewand (14. jh.) Johannes Rothe lob d. keuschheit 2522 Neumann; damit denn obgemelte gemter erquicket durch jhre obern, wach vnd rottenmeistern vom schlaff zu guter frsorge gewendet, habe ich diese ... schwencke ... zusammen getragen (ende 16. jh.) B. Hertzog schiltwacht (Magdeburg o. j.) A 2b; diese liedersammlung ist eben so mannichfaltig als charakteristisch ... in absicht des tons, den sie anstimmt und der vom feyerlichen durch das innige, gemüthliche bis in's heitere und scherzhafte sich herabläszt ... nr. 9. in dem tone fortfahrend und ihn in's heitere wendend (variierend). nr. 10. die heiterkeit in zuversicht ausgehend (1826) Göthe IV 41, 208 W.; die kunst sagt uns, dasz (im 15. jh.) ein geschlecht von menschen heranwuchs, die ... selbstverantwortlich und frei sein wollten. diese gesinnung, ins religiöse gewendet (umgesetzt), was war der ursprung der reformation anderes Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 136; auch im sinne von 'übersetzen, in eine andere sprachform umsetzen': welches comedi (er) von griegischer zungen gewendt hat zuo latin Terenz deutsch (1499) 36a randgl.; ein comedi und lieblich gedicht, das ursprüngklich hat zugericht im latein Philippus Melancthon und nun zu gut dem gmeinen mon auch in teutsche sprach ist gewendt H. Sachs 1, 53 lit. ver.; sowie 'auslegen, deuten': nieman darf mir wenden daz zunstæte, ob ich die hazze diech dâ minnet ê Friderich v. Husen in: minnesangs frühling 47, 33 Vogt-Kraus; kein gürtel bind nit vmb die lenden, man mOecht dirs sonst zur hoffart wenden K. Scheit Grobianus 151 ndr.; dasz wir, geehrter freund, euch dieses brieflein senden, das wird man, hoffen wir, uns nicht zum argen wenden P. Fleming dt. ged. 1, 120 lit. ver.; ein armer mann in meinem land hat zehen finger an einer hand fünf und zwanzig an füszen und händen. wer kann mein rätsel legen oder wenden? Hebel w. 2, 263 Behaghel; und 'deutelnd umformen, verdrehen': sie meinen, wenn sie die schrifft und der veter sprche drehen und wenden auff yhren dunckel, so sey es gnug und damit die wahrheit gewis gegrndet Luther 23, 245 W.; es (das recht) sol ein wechsin nasen han, man kan es wenden wie man wil B. Krüger sp. v. d. richtern 59 B.; wer weisz, wie jhr das testament mir habt gedrehet vnd gewAend Rinckhart christl. r. 85 ndr.; die gesetze, die er gegen oder für andere wendet und dreht, wie er will Klinger w. (1809) 3, 42; (jäger:) ... aber die reichen, die drehn und die wenden an sache a so ... die iberteifeln a besten Christen G. Hauptmann weber (1895) 36. B@3@bb) rückbezüglich: ir freud ward sich umkeren, ir herrschaft het ein end, ir anschlag und ir leren hat sich in trauren gwent (1525) hist. volksl. 3, 480 Liliencron; aber dieselb liebe wand sich ... in merklich vindschaft J. v. Watt chron. d. äbte d. klosters St. Gallen 1, 255 Götzinger; ir stund hat jren lauff vollendt, dasz sich zum todt jr leben wendt (1553) K. Scheidt heimfart 65 Strauch (v. 2066); erd, himmel wird sich wenden in wesen aller new, vnd jhre schätz verschwenden gar häuffig vnd ohn schew (1649) Spee trutznachtigall 202 ndr.; ähnlich zuweilen noch in neuerem sprachgebrauch: das edelste und beste wandte sich (wurde) ihm (Schleiermacher) zur qual (27. 12. 1836) Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 1, 31; die lebensweise der Berliner gesellschaft hat sich ... ins feinere, reichere, vielgestaltigere gewendet (entwickelt) Scherr Blücher (1862) 1, 134. CC. sonderanwendungen verschiedener art in anschlusz an A oder B. C@11) 'lenken, fügen, gestalten' u. dgl. C@1@aa) objektbezogen. C@1@a@aα) allgemein im sinne von 'etwas (jem.) hinsichtlich richtung oder geschick bestimmend beeinflussen': Christus gibt sich also nit zuerkennen, das ist, dasz er wellte die sonne, mon, stern nach unserm willen fueren oder wenden, auf dasz wir im glaubten Paracelsus bei Matthieszen in: arch. f. ref.-gesch. 14 (1917) 83; daher kam das vil disputieren, von des bapsts hocheyt zuregieren, wie er vber concilien sey ... wie er auff bleien schenckeln stand, der alls wendt, vnd jn niemands wandt Fischart s. dicht. 2, 343 Kurz (d. gelehrten, d. verkehrten 437); allein gott wendete es anders, fgete mir einen mann zu, dasz ich hernach erkannte, dasz mein weg vom herrn wäre (1621 oder 1622) Jac. Böhme s. w. 7, 412 Schiebler; wer sein herrn weisz mit list zu wenden, das spiel hat er in seinen hAenden Lehman floril. polit. (1662) 1, 424; etwas wenden und lencken voltare, reggere Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317a; eine unterredung wenden die gegenstände derselben unvermerkt bestimmen Adelung 5 (1786) 166; nur fort! geschwind! — um euch das süsze junge kind nach herzens wunsch und will' zu wenden Göthe I 14, 135 W.; Herodes, mäsz'ge dich! du hast vielleicht gerade jetzt dein schicksal in den händen und kannst es wenden, wie es dir gefällt! Hebbel w. 2, 291 Werner; die heilsbotschaft gottes ist das schlechthin neue, das in der besinnung des menschen auf gott der entscheidende, der wendende faktor wird (mit ersparung des objekts) K. Barth Römerbr. (51926) 12; so vor allem in der präpositionalen fügung etwas (alles) zum besten (guten) wenden: (ihr sollt so sein,) das yhr allen menschen beheglich seytt, nicht alleyn niemant beleydiget, szondern auch zu gutte haldet unnd tzum besten wendet, alles was andere thun (1522) Luther 10, 1, 2, 174 W.; geschehene ding soll man zum besten wenden, dasz sich schaden mit nutz mOeg enden Lehman floril. polit. (1662) 1, 298; doch lass uns nicht raisoniren, wie das ding geschah, sondern wie pfiffige kerls die folgen zu unserm besten wenden Klinger w. (1809) 1, 104; Wilhelm ... wuszte alles zum besten zu kehren und zu wenden Göthe I 22, 13 W.; (er) überliesz sich gern der hoffnung, noch alles zum guten wenden zu können Eichendorff s. w. (1864) 3, 324; besonders als wunschformel gott wende es zum besten u. dgl.: got vns die hernach komen histori auch zuo gutem ende wende (1472) Arigo decamerone 78 lit. ver.; gott wende alle ding zum allerbesten Zwingli dt. schr. 1, 301 Sch.; das wende gott zum besten Seb. Franck sprichw. (1541) 2, A 3b; den anfang, mittl und ende, ach herr, zum besten wende Paul Gerhardt in: ev. kirchenl. 3, 297 Fischer-Tümpel; gott wende es zum besten! dio lo torni in bene! Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317c. C@1@a@bβ) 'etwas fügen, gestalten, einrichten' u. dgl. (vgl. hierzu auch die formelhaften verwendungen des part. prät. im mhd. und frühnhd., teil 4, 1, 3, 5304ff., insbes. 1 a β): es hilfft kein schelten, kein leren, kein vermanen, kein drewen ... kein locken. wie ichs versuche, wende und kere, so gilts nicht Luther 23, 36 W.; (der Züricher bauer auf diesem portrait scheint) ein mann von der lebendigsten thätigkeit ... der seinen plan immer in der ausführung verbessert ... es so, dann so wendet, bis es ist, was es seyn soll Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 239; Beaumarchais wuszte die sachen so zu wenden, dasz auch die öffentliche aufführung (seines Figaro) im april 1784 erfolgte O. Jahn Mozart (1856) 4, 193; insonderheit von künstlerischer gestaltung (vgl. bereits Notker 2, 246 P.: singent sînemo namen, unde des sanges kuôllichi uuendent imo ze lobe nals iû selben): so musz er (der dichter) seinen gegenstand und den inhalt seines gedichts in gedanken so überlegen, so deutlich und klar faszen, wenden und ordnen Herder 5, 184 S.; in jedem erzähler regt sich die lust, die umstände anders zu wenden Tieck schr. (1828) 4, 359; es sind weder novellistische elemente darin, noch irgend ein historisches element novellistisch aufgefaszt und gewendet O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 218; im ersten satz des trios in B-dur ... ist auffallend, dasz kein neues zweites thema eintritt, sondern an dessen stelle das erste motiv, nur etwas anders gewendet O. Jahn Mozart (1856) 4, 42; sowie in fügungen wie die worte, rede, ein schreiben wenden: das aber sich etliche bekmmern, warumb der evangelist jnn den letzten gliedern die wort so wendet (dasz Maria von David abstamme) ... (1543) Luther 53, 623 W.; aber lächelnd versetzte hierauf Agamemnon ..., als er ihn zürnen sah, und wendete also die rede Bürger s. w. 217a Bohtz; ich weisz nicht recht mehr, wie ich meine entschuldigung wendete Göthe I 45, 92 W.; (reigen:) sprüche lern' ich sprechen, worte lern' ich wenden Fouqué held d. nordens (1810) 1, 51; auch das schreiben an mich find' ich äuszerst anmuthig, fein gewendet und herbeigeführt (24. 3. 1834) Varnhagen bei Pückler briefw. (1873) 3, 204; vereinzelt auch im sinne von 'dar-, hinstellen': ich log nicht, aber ich wendete es so (in einem gespräche über Schücking mit hofrat Feder), als ob ihre (anrede) novellen und ihre gedichte die hauptsache seien (in dem briefwechsel) (7. 2. 1843) L. v. Gall in: Schücking br. 152 Muschler; K. ... erkannte auch, dasz fräulein Montag ein gutes, allerdings zweischneidiges mittel gewählt hatte. sie übertrieb die bedeutung der beziehung zwischen fräulein Bürstner und K., sie übertrieb vor allem die bedeutung der erbetenen aussprache und versuchte es gleichzeitig so zu wenden, als ob es K. sei, der alles übertreibe Fr. Kafka d. prozesz (1925) 140; anders gesagt, (ich habe den wunsch,) ihnen die uhr von dem ertrag des (überlassenen) ringes zu bezahlen, — noch anders gewendet, sie zu ersuchen, den preis der uhr ... (davon) abzuziehen Th. Mann Krull (1954) 183. C@1@a@gγ) zuweilen geradezu im sinne von 'etwas ausrichten, ausführen, tun': nu rat an, lieber herre mein, wer dy poten mugen sein, die wir nach im (Joseph von Arimathia) senden und uns das mit trewen wenden Havich der Kellner St. Stephans. leben 348 McClean; wann ainer an dem gemain zaun etwas zu machen schuldig wär, ... er sol das wenden (1485) österr. weist. 3, 167; und wer seyne gutte werck tzu seynem eygen nutz wendet, yhm selb und nit seynem nehisten damit tzu helffen, der thut schon keyn gutt werck Luther 10, 1, 1, 111 W.; wann ... der dorfmaister gleichermassen von haus zu haus peutet, dieselben fürgefallnen arbeiten zu wenden, und aber hierüber ainer oder mer zu der gemain nit kombt ..., soll alsdann derselbig ... von ainem tagwerch ... zwainzig kreizer ... darfür zu geben ... schuldig sein (1618) österr. weist. 3, 82; vgl. noch die mundartliche redensart: jedeneen hett genoog in sien hof to wennen 'kehren, fegen' Mensing schlesw.-holst. 5, 594. C@1@bb) rückbezüglich: doch wendet und richtet er sich bald nach des vaters willen (Christus auf dem Ölberge) Luther tischr. 4, 19 W.; er ist nun einmal nicht gemacht, nach andern geschmeidig sich zu fügen und zu wenden Schiller 12, 84 G.; vor allem unpersönlich; es (alles) wendet sich ..., etwa gleichbedeutend mit 'begibt, gestaltet sich': ehe wir uns versehen, kan sichs wenden, das uns gott das hertz entfallen lesst Luther 17, 2, 20 W.; gefährlich wird der kampf zwischen unsern vätern, und leicht wendet sich's ..., dass einer oder der andre fällt! Klinger w. 2 (1832) 388; amen, amen, alles ist vollendet! es geschehe, wie sich's wendet Brentano ges. schr. (1852) 2, 603; mit Blume hat es sich anders gewendet; nach langem hin- und herkämpfen ist nun soeben der entschlusz gefaszt worden, dasz er hier bleibt (21. 10. 1832) Jac. Grimm in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 34 Ippel; kein mensch konnte errathen, was geschehen würde, und es ist ein glück, dasz sich alles so gewendet hat Stifter s. w. 5, 1 (1908) 300; der krieg, das schicksal (u. dgl.) wendet sich ... 'nimmt einen bestimmten verlauf, gestaltet sich in bestimmter weise': der krieg, wie er sich auch wend, so nimpt er doch mit schad ein end Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, o 4 b; mein schicksal hat sich günstig gewendet Bauernfeld ges. schr. (1871) 4, 28; doch willst du, liebe schwester, erst genau berichtet sein, wie sich die dinge wenden Rückert ges. poet. w. 3 (1882) 179; sie fragte ihn, wo er denn dies kapital hergenommen, und er erwiderte, er habe es auf seinen guten namen geliehen und würde es, da seine geschäfte sich glücklich wendeten, ohne unbequemlichkeit zurückerstatten können G. Keller ges. w. (1889) 4, 292; sie (alte landsknechte im himmel) lauschen und spähn, ihnen zittern die hände, wie sich das glück der feldschlacht wende (1908) Münchhausen balladen u. ritterl. lieder (1922) 28; häufig in der präpositionalen fügung sich zum guten(besten u. dgl.) wenden: Siegmar hat nachricht, dasz die schlacht sich zum vortheil der Deutschen wendet (9. 11. 1769) Gerstenberg recensionen 283 lit. denkm.; vielleicht dasz dieser bund zu groszem glück sich wendet und eurer häuser groll durch ihn in freundschaft endet Shakespeare 1 (1797) 66; möge sich ihnen (anrede) alles zum besten wenden (1787) Göthe IV 8, 240 W.; grade als es sich (in der besserungsanstalt) mit mir zum besten wenden wollte W. Raabe Horacker (1876) 94; da die krankheit sich schon bedeutend zum besseren wendete Stifter s. w. 5, 1 (1908) 105; gott wird geben, dasz alles sich zum guten wendet Th. Mann Buddenbrooks (1952) 382. C@1@cc) vereinzelt auch absolut: gar mancher mensch sich thOerlich sent, aim yeden gAet es wj er wendt (sich verhält, einrichtet) Schwarzenberg Cicero (1535) 151a. C@22) '(ver-)ändern, wandeln, wechseln' (vgl.B 3 sowie 1wende 2). C@2@aa) objektbezogen: er irbleichêtaioh farauuûn er uuanta Otfrid I 4, 25 Piper; wan der mist pfleget den geschmack der weine wenden und schenden Petr. de Crescentiis, v. ackerbaw (1531) 33a; mit der zeit, die alles wendet und ändert, kamen die Britten auch auf andre gedanken Herder 23, 34 S.; ich wollte damals alles umgestalten und wuszte nicht, dasz änderung unmöglich, wenn wir das äuszere, nicht das innre wenden Brentano ges. schr. (1852) 2, 286; vom federwechsel der raubvögel (vgl.wendung 1 c β): nach dem sy (die habichte) aber die schwingen gewendt habend, sol man jnen vester speysen geben Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 125a; ehe sie (die habichte) ihre federn gewendet haben Caspar Schröder neue lustige u. vollst. jagdkunst (1728) 325; besonders häufig in fügungen wie herz, mut, sinn, vorhaben wenden: dar ume wende dinen muot daz ist dir an der selen guot schauspiele d. mittelalters 1, 79 Mone; gedacht er ym, er wölt yn mit guott, so er ym verhaissen wOelt, sein fürnemen wenden vnd sein gemt verkeren (1509) Fortunatus 91 ndr.; vnsrer wAelder pracht, Clorinde, ... wendet ewren harten sinn Königsberger dichterkreis 13 ndr.; dann spricht sie honigssz, bald wendet sie den muth und fAehrt ihn schnaubend an, bald ist sie wieder guth J. Rachel sat. ged. 18 ndr.; nichts soll mir wenden den sinn A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 258; zuweilen tritt die räumliche vorstellung des umkehrens, umwendens deutlich hervor: insumma, sie (die kirche) kehrt vnd wendt der alten vAetter lehr, wie vnd wo sie will, sie zwingt vnd wind sie so kurtz zusammen, wie eyn kleiwel garns Fischart binenkorb (1588) 34b; du, herr, hast selbst in händen die gantze weite welt, kanst menschenhertzen wenden, wie dir es wolgefällt Paul Gerhardt in: ev. kirchenl. 3, 344 Fischer-Tümpel; was zieht da für schreckliches sausen, wie pfeifen durch sturmes wehn? das wendet das herz (dreht einem das herz im leibe herum) recht vor grausen, als sollte die welt vergehn Eichendorff s. w. (1864) 1, 396; wohingegen andere belege bereits zu 3 a γ überleiten: was du nit kanst wenden, das leid vnd thuos nit schenden (feras, non culpes, quod mutari non potest) schöne weise klugreden (1548) 20 b; und ist die schlechte verrichtung nicht mir, sondern der sachen schwerer beschaffenheit beyzumessen, welche ich durch meinen fleisz keines weges wenden oder Aendern kOennen Harsdörffer teutsch secretar. (1656) 1, 2, 315. C@2@bb) rückbezüglich: wie wol mir mainend, es hab ein end, so haut sich doch glick bald gewendt schauspiele d. mittelalters 2, 144 Mone; auff das nicht das wetter sich wende und got den baurn widerumb den sieg gebe Luther 18, 374 W.; es hat sich trew vnd ehr gewandt, bey alten vnd bey jungen B. Ringwaldt handbüchl. (1586) B 4 b; der wind, das wetter wendet sich il vento, il tempo si cangia, muta Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317c; ... das schicksal wird sich wenden Cronegk schr. 1 (21761) 221; nur eine stunde! euer herz kann sich, das seinige sich wenden ... Schiller 12, 387 G.; es blüht das fernste, tiefste thal: nun, armes herz, vergisz der qual! nun musz sich alles, alles wenden Uhland ged. (1898) 1, 29; ein durchschnittsmensch ... mutlos, solange hier die dinge schlecht für ihn standen, und von groszem selbstbewusztsein, sobald sie sich gewendet hatten H. Mann untertan (1949) 246; auch hier tritt zuweilen die räumliche vorstellung des umschlagens hervor (vgl.A 1 b und 3 b): nach dem als sich das glcke wendet mit dem winde F. Fabri eigentl. beschr. (1557) vorr. 3b; schlieszlich sei auf präpositionale fügungen wie sich zum besseren (vorteil u. dgl.) wenden verwiesen, die bereits unter C 1 b aufgeführt sind, jedoch zu 2 b überleiten: entschieden aber wendet sich das verhältnisz zum vortheil des Franzosen D. Fr. Strausz ges. schr. 3 (1877) 47; das war eine bitterböse situation (als ich in untersuchungshaft sasz und im geschäft keine arbeit verlangt wurde), doch sie wendete sich bald zum besseren Bebel aus meinem leben (1946) 1, 164. C@2@cc) absolut; so nur vereinzelt nachweisbar, bereits zu 3 c und 4 b überleitend: als man disputieret, ... recht und brAeuch scheyden die land und gebiet, und wo recht und sitten wendeten, da wende auch ein herr mit seinen land und leuthen, da sprach der narr: was sagt ihr? recht musz an keinem ort wenden Lehman floril. polit. (1662) 4, 25. C@33) 'abwenden', in mannigfaltiger beziehung und sinnesfärbung (vgl.B 1 a γ δδ und b β ηη, ferner 1wendig 1 b und wendung 1 d). C@3@aa) objektbezogen. C@3@a@aα) 'ablenken, -schlagen, -wehren' u. dgl.: so kan auch ein stich nit so wohl gewendet und abgeschlagen werden als ein streich Machiavelli, kriegs-kunst (1623) 89; vortretend wandte sie (Athene) den todespfeil und wehrt' ihn ab von deinem (Menelaus') leibe ... Bürger s. w. 157b Bohtz; vom abwenden eines andringenden gegners, einer feindlichen streitmacht: so habent daz gemeiner eidtgnossen botten ... beschlossen, das der selb ort, dahin dann dieselben ungehorsamen komment, ganz vollem gewalt und macht haben sollen ..., dieselben knecht zu wenden (zur rückkehr zu nötigen) (6.-18. 6. 1471) Frauenholz heerw. 2, 1 (1936) 158; darumb verliessen sie alle ding vnd zogen mit jr beyder macht ... zusammen vnd zogen Hastrubal nach, jhm zuo begegnen vnd zuo wenden dasz er nit inn Italien kommen mOecht Carbach Livius (1551) 125b; denn er (der tapfere) wendet alsbald der feinde furchtbare scharen, und durch den feuermuth hemmt er die wogen der schlacht E. M. Arndt w. (1892) 6, 27 R.-M.; ... ich wende, was ihr scheut, und wehre, was euch dräut, dasz ihr gelangt durch die wüste Semawe, ungehinderter als der rabe Rückert ges. poet. w. 11 (1882) 293. C@3@a@bβ) 'den blick, kopf, das gesicht (schamhaft, unmutig oder schaudernd) ab-, wegwenden': ihr wolt den lgner nicht ansehn. sondern rmpfft vnd wendets gesicht Rollenhagen froschmeuseler (1595) A 4b; die weiferin allein hOert auf zu weifen und wendet mit verachtung ihr gesicht F. P. Geckert gereimte prosa (1804) 1, 39; du wendest schaudernd dein gesicht, o könig Göthe I 10, 18 W.; Ludwig wandte den kopf und that, als ob er es nicht sähe M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 75; ich wandte den blick vor demjenigen des mir damals noch fremden mannes Aug. Supper auf alten wegen (1928) 61. C@3@a@gγ) 'rückgängig (weichen) machen; aufheben, beheben, beseitigen; enden' u. dgl. (vgl. 1wender 1 b). C@3@a@g@aaαα) allgemein, mit objekten verschiedener art: vt auerteret iram eius ... daz er sinen zorn uuanti Notker 3, 205 P. (ps. 105, 24); sus wolt ich wenden sînen ruom Wolfram v. Eschenbach Parzival 195, 26 Lachmann; darin got seinenn poten sant, der da den ungelauben want märterbuch 15435 Gierach: wildu aws sawrm hertten taig sueess prot pachen, muoes derselb taig ... der mass zuoeberait werden, daz er geschickt sey, suess hoenig in sich zememen(!) vnd domit des prots seyr zewenden Berthold v. Chiemsee tewtsche theologey 41 Reithmeier; das (dieses ungerechtfertigte anschuldigen) bkrenckt mich vsz der maszen ser. wie sol ichs wenden, lieber her? H. R. Manuel weinspiel 984 ndr.; das geschAehen ist, mag niemandts wenden ... factum infectum fieri non potest Maaler teutsch spraach (1561) 488b; zeitliche mittel den fluch zuwenden Sebiz feldbau (1580) 8; die zeit wird unverhofft noch ihren hochmuth wenden (1657) Gryphius trauersp. 187 Palm; so wende nu dein rhmen, wende Stieler geharnschte Venus 74 ndr.; noch in neuerem dt., in mannigfaltiger anwendung: wendet eure thränen, und schaut nicht zurück Klopstock oden 2, 95 M.-P.; ihm dAeucht, es sey ... den Troern ein gehlfe zugeeilt, und hab' also gewendet ihre flucht Bürger s. w. 170b Bohtz; denn, was ein gott gefgt, kan keine gOettin wenden Drollinger ged. (1743) 142; zwietracht zu wenden, ist allerwegen ein gott löblich geschäft Alexis Roland (1840) 2, 274; der nächste morgen grüszt das frische land, schon klingt der meiszel in den fleisz'gen händen; die mittagssonne sendet dürren brand, doch kann sie nicht den regen eifer wenden A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 256; auf das unabwendbare. ... wer wendet mit dem helleren blut dunkle ahnengewalt? Weinheber späte krone (1936) 60. C@3@a@g@bbββ) in geläufigen verbindungen. unglück, not, gefahr, mangel (u. dgl.) wenden: trohtin uuendet die ellendi sines liutes Notker 3, 34 P. (ps. 13, 7); verswîgen und antwurten ze rehter zît, waz der unsælde wande Hadamar v. Laber jagd 397, 7 Stejskal; all unglück, hoff, sol werden gwendt (1541) Heinr. Knaust spiel v. d. geburt Jesu Christi 340 Bolte; allen mangel wenden Luther 52, 115 W.; do si (die dorfmeister) ain geferlichhait befinden, (sollen sie) dieselb nit allain alspald abschaffen und zu wenden verordnen, sondern soll auch ain ieder, so dergleichen vich aufkert, von iedem horn drei kreizer ... zu geben ... haben (1625) österr. weist. 3, 79; könt ich den unfall wenden! stünd' es in meiner macht, es würd' uns nicht zu schwer (1657) Gryphius trauersp. 224 Palm; ängstliches klagen wendet kein elend Göthe I 4, 99 W.; und ich denke, wir haben das unglück fast schon gewendet Aug. Sperl d. söhne d. herrn Budiwoj (1927) 447; kummer, lied, unmut (u. dgl.) wenden: ... got hât dich wider mir schône gesendet, der dicke kumber wendet Wolfram v. Eschenbach Parzival 540, 24 Lachmann; (gott,) der allen kummer wenden kan H. Sachs 1, 157 lit. ver.; der pfennig wendet manchen vnmuth Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, O 7b (hierzu der imperativische name wendunmut); sie bezeget erd vnd see, ... dasz ihr leid vnd seelen-weh sich nicht kOenne lassen wenden Königsberger dichterkreis 108 ndr.; krankheit, gebrechen (u. dgl.) wenden: wenn die stuoll jren auszgang haben zuo der heymlichen stat, als jch es dann offt gesehen hab, das ist hart zuo wenden (vor 1500) Ortolff v. Bayerland frauenbüchl. 11 Klein; glieder vnentpfindtligkeit zu wenden Wirsung artzneyb. (1584) d 2b (reg.); wie der artzt sein artzney eim krancken geben mag vnd sie jhme dieselbigen kranckheit wendet Paracelsus opera (1616) 2, 491; er ... konte derselben gebrechen durch artzneymittel leichtlich wenden Grimmelshausen 2, 715 Keller (ebda. auch in dativ. konstruktion: dasz du ... ihren schmertzen wendest 2, 531); das fieber etc. wenden kOennen saper l'arte di togliere, di curare, levare, scacciare it. incantare la febbre Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317c; wo hätte man eine lebensgefährliche entzündung mit zuckerwasser gewendet! Laube ges. schr. (1875) 4, 131; besonders häufig in der rechtssprachlichen formel nutzen fördern (u. dgl.), schaden wenden: soll derselb meier schweren einem probst und sinem gottshus ... das nüzest, best und wägest ze tunde, ihren und des dinghofes nuzen ze fürdern und schaden ze wenden (1457) weist. (1840) 1, 658; nutz ... fürdern und schaden wenden (1550) österr. weist. 5, 746; ich hingegen reversirte mich über obige 2 puncten, dasz ich ... nichts nachtheiliges wider dieselbige guarnison und ihren commandanten practiciren ... sondern vielmehr deren nutzen und frommen fördern und ihren schaden nach müglichkeit wenden ... solte und wolte Grimmelshausen Simpl. 255 Scholte; der ganzen gemeind nutz und frummen zu betrachten, ... ihren schaden zu wenden (1805) österr. weist. 4, 153; sowie in der alliterierenden fügung schaden warnen und wenden (s. rechtsalterth. 41, 16): schaden warnen und wenden (16. jh.) österr. weist. 5, 68; ihren ehr, nutz und fromben firdern, schaden warnen und wenden (1631) ebda. 3, 7; (die dorfmeister sollen) in allen der gemeinde nutz und fromen fürderen, nacht[l] und schaden warnen und wenden (1781) ebda. 4, 140; als besondere fügungen erscheinen weiterhin jem. etwas wenden 'einer sache abhelfen': vnnd sy vnns das nit wennden wellennt (15.-16. jh.) Brandis landeshauptl. v. Tirol (1850) 45; habt ir ichts zeklagen oder für ze bringen über den probst oder ambtman, so get hindan und besprecht euch darumb. das will ich (der stifter) euch wenden, als verr ich mag (1565) österr. weist. 2, 141; sowie die scherzhaften imperativbildungen vom typus wend-den-schimpf, etwa gleichbedeutend mit 'spaszverderber' (s. a. alphabet. stelle). C@3@a@g@ggγγ) sachbezogen, zuweilen auch im sinne von '(aus-) bessern, schäden an einer sache beheben': die sullen die mulen beschawen und nach der selben rat gewendet werden, was prechen daran sein österr. weist. 5, 427; auch sollen die sögser zwir im jar ... umbgen die feurstet des ganzen oblais besichtigen, wo si ain mangl anzaigen, denselben zue straffen umb fünf phund, und ob si in acht tagn widerumb kämen und derselb mangl nit gewent wär, alsdann soll er die pues zustiman (sic) geben (16. jh.) ebda. 3, 16 u. ö.; das solch pawfell (baubeschädigung) und unpaw fürderlich gewent und gepessert werde bair. lanndtsordn. (1553) 42b (vgl. hierzu Schmeller-Fr. bayer. 2, 944). C@3@a@dδ) 'jem. etwas abwendig machen, rauben' u. dgl., auch 'jem. von etwas abbringen': dô er in uuolta uuenden sînero passionis Notker w. 3, 2 Sehrt (ps. 62, 9); minne, got müeze mich an dir rechen! wie vil du mîm herzen der fröiden wendest! Friderich v. Husen in: minnes. frühl. (31920) 53, 24 Vogt; und daz si mir ist liep alsam mîn selbes lîp mirn wendet ir hulde nieman wan si selbe ders., ebda. 43, 32; daz wendet mich des lachens wol kl. mhd. erz. III 81, 143 Rosenhagen; wan du (vrowe) mich harte schantest, do du mir ere wantest und minen bruder neme Koloczaer codex 249 Mailath-Köffinger; daz sie mir wenden spîse und ouch den wîn ein alt meistergesangb. 4b in: slg. dt. ged. a. d. 12.-14. jh. (1782) Myller; schuoff er (Xenophon) zwen fuort ... als er von dem vndersten (furt) wardt abgetriben, zoch er zuo dem Oebern. als jm nuon der Oeber auch gewendt wardt, kert er wider zuo dem vndern J. Frontinus v. d. guten räthen (1532) 8a; hat mich jnn meinem schlaff ein engstlich gesicht meins fürnemens wider gewendet H. Boner Herodot (1535) 100b; zuweilen ohne ausdrückliches sachobjekt: laszt er sich zween oder dry zügen nit wenden, so sags der kilchen Zwingli dt. schr. 1, 199 Sch.; aber durch soliche genedige unterhandlung haben sich gedachte aufrurige nit bewegen oder wenden lassen wollen (16. jh.) chron. d. st. Bamberg 2, 101 Chroust; der keiser ... bat in gar hoch ... dasz er ine ... in nOeten nit verlassen wOellt, ... doch wollt er sich nicht lassen wenden (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 87; der Venus furchtbare gewalt erkannt' ich und alle qualen, die sie zürnend sendet. durch fromme opfer hofft' ich sie zu wenden, ich baut' ihr einen tempel ... Schiller 15, 1, 28 G. C@3@a@eε) '(ver-)hindern', in verschiedener anwendung. C@3@a@e@aaαα) etwas (insbes. ein geschehnis) abwenden, verhindern: ir ist lîp und guot. zwiu sol ich daz wenden, swaz si dâ mit getuot? Nibelungen 1129 Bartsch-de Boor; do sprah der kúnig riche: 'warumbe fr du mit úns niht?' 'herre, das wante ein geschiht: ...' Rudolf v. Ems weltchron. 30378 Ehrismann; denn es wird werden volendet und in keinem stück gewendet, was dir (Maria) vom herrn gesaget ist (1541) Heinrich Knaust spiel v. d. geburt Jesu Christi 232 Bolte; fahr im fried! ich kans nicht wenden Logau sinnged. 177 lit. ver.; vor allem 'ein drohendes unheil, unglück u. dgl. verhüten' als er das opfir wolte vollendin und der degin wert uber sinin sun das swert gezuhte, ez begreif zehant ein engil, der dar was gesant, und wante alda des kindis tot Rudolf v. Ems weltchron. 5158 Ehrismann; si hetten den graben (den bau eines ihre vorstadthäuser bedrohenden stadtgrabens) gern gewendet (14.-15. jh.)städtechron. 4, 45 (Augsburg); usz hasz und nyd byn ich frolichen gewest das yme (dem nächsten) ubel ist gegangen und ich hette ysz an mynen schaden wol mogen wenden (vor 1468) Joh. Wolff beichtbüchl. 27 Battenberg; aber es get also zu, so man ain kleinfüegs sparen will, dardurch man ain grosses mag wenden oder fürkommen Zimmer. chron. 23, 314 Barack; da habt jhr jhn bald lassen fangen vnd wollen an den galgen hangen, dasz (was) er durch sein fidel gewendt Albr. Dietrich bawrenknecht (1618) B 6b; wer das bOesz hindern vnd wenden kan vnd thuts nicht, der hilft darzu Lehman floril. polit. (1662) 2, 874; warum gabst du mir (Kassandra), zu sehen, was ich doch nicht wenden kann? Schiller 11, 370 G.; gar bald musz er indessen einsehen, dasz auch damit das drohende unheil nicht mehr zu wenden ist Cochenhausen schicksalsschl. (1937) 152; so häufig in wunschformeln: daz vvende muoter unde maget minnesinger 1, 72 Bodmer-Breitinger; vnd bræch ich daz, daz got wende (1282) corp. d. altdt. orig. urk. 1, 478 Fr. Wilhelm; wenn sich ein abscheidung begibt, das gott wend (quod di prohibeant) Boltz Terenz (1539) 17a; noch vnser hinschidung von diser welt, die gott durch sein gnad lang wende Brandis ehrenkräntzel (1678) 132; ein unglück wenden: gott wende es! impedire, togliere un disastro; dio lo toglia! Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317c. C@3@a@e@bbββ) ein vorhaben, vornehmen vereiteln: dieweil sie aber solich ir mt. fürnemen nicht wenden noch verhindern mögen, haben sie ... schuldige gehorsam leisten sollen und muessen (1553) städtechron. 32, 311 (Augsburg); aber gott wendet jr fürnemmen Stumpf Schweizer chron. (1606) 436b; so ist der vorsatz denn durch keine macht zu wenden? Gryphius trauersp. 271 Palm. C@3@a@e@ggγγ) jem. (von etwas) abhalten, (an etwas) hindern: trohtin lose uone unrehten mina sela. unde fone unchustigen uuorten. also dera uuort sint die mih ilent fosuichen ... unde mih ilent uuenten daz ih nistige pine den achusten ze tungenden Notker 3, 291 P. (ps. 119, 2); ich sol ez wol verdienen (den dienst erwidern), mich enwendes der tôt Nibelungen 1831 Bartsch-de Boor; so wil ich sin niht wenden dich Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 18480 Regel; es si denn, dass er in solicher moss ze schaffende hab daz in wende ernsthaftige not (7. 12. 1415) veröff. a. d. arch. d. st. Freiburg i. Br. 3 (1900) 42 Korth-Albert; das sol vns nicht iren, noch wenden, das wir nicht den heiligen sechen süllen Arigo decamerone 55 lit. ver.; doch us geschäften und sunder zuofälligen ursachen üwer würd gewendt und verhindert Zwingli dt. schr. 1, 114 Sch. C@3@a@zζ) zuweilen auch im sinne von '(jem. etwas) ersparen, (ihn davor) schützen' u. dgl.: vnd sOelte dich botz marter schenden, so muosz dir sOemlichs niemant wenden schweiz. schausp. 3, 27 Bächtold; ich traw got wol, das er vns werd wenden krig, hungr vnd pestilencz in vnser veterlichen grencz H. Sachs fastnachtsp. 67, 277 ndr.; in gott hoffen, wend alle straffen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 1, D 7a; schirme mich für angst und grauen, wende schaden und verdrusz, brand und sonst betrübte fälle Canitz ged. (1727) 11; auch 'etwas beseitigen, vermeiden': ist es (was die geburt erschwert) aber nit wol zuo wenden oder ab zuo legen, ... so soll doch geschicklicheit bescheen so vyl dan mOeglich ist, darumb das die geburt dester ringer (leichter) werd (1513) Eucharius Rösslin d. frawen rosegarten 24 Klein. C@3@bb) rückbezüglich. C@3@b@aα) 'sich ab-, wegwenden' (vgl.a β): wan sich aber das glück went, so wenden sich die fründ auch Pauli schimpf u. ernst 259 Ö.; aller augen wanden sich scheu vor dem mann Schiller 2, 180 G.; ihr wendet euch? ihr schaudert? ... Collin Regulus (1802) 8; vereinzelt im sinne von 'abgleiten': der degen wandte sich und traf die Pantasilea an nase und mund Göthe I 43, 94 W. C@3@b@bβ) 'sich abwenden, weichen, aufhören' u. dgl. (vgl.a γ): bisz sich der grimm deines bruoders wende Zürcher bibel (1531) 1, 14a (1. Mos. 27, 44); rechte lieb verlescht nit bald oder wendet sich nit leicht Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Rr 4a; geh hin! o höchster fürst! ... du senckest uns in pein, doch beutest du die hand, wenn aller menschen rath und hoffen sich gewandt Gryphius trauersp. 164 Palm; der winter kalt ... hat sich gewendt, kommt an ein end maler Müller w. (1811) 1, 227; o wende fluch dich! Zach. Werner d. 24. februar (1815) 71; anno domini 1282 gab das land reichlich, und die not wandte sich Aug. Sperl d. söhne d. herrn Budiwoj (1919) 338. C@3@cc) absolut, wie b β bereits zu 4 überleitend: daz ih niet newende ê ih dî rede geende Pilatus 175 Weinhold in: zs. f. dt. philol. 8 (1877) 277; wo der pfennig wendt, dâ hât alle lieb ein end (1476) cgm. 713, f. 7 bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 944; wo die theologen wenden, da wendet gottes wort, vnd bleiben eitel heiden, ia eitel teuffel Luther 30, 2, 578 W.; nostrum (der prediger) regimen ist hie bestimpt auff ein ander wesen, nempe sunde, wo die wendet, da wendet unser regiment, und wo sunde anghet, da ghet unser regiment an ebda. 34, 1, 320; die welt ist jetzt so gar vergessen, freundschafft thuts nach der wolthat messen; vnd wo die wolthat jetzund wendt, da hat die freundschafft auch ein endt Waldis Esopus 1, 52 Kurz (22, 59); wo das recht oder die gerechtigkeit wendet, oder ein endt hat, da mag ein jeder jm selbst recht sprechen J. Vetter practica (1581) 33; wo der geniesz wendet, da hOert die glden religion auff Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Mmm 3b (vgl. hierzu Mathesius Sarepta [1571] C 2a); ... wo jhre (der untertanen) arbeit wend, da hat die nahrung ein end Lehman floril. polit. (1662) 2, 862; 'freundschaft geht ber alle ding!' — das straf' ich, sprach der pfenning; denn wo ich kehr' und wende, da hat alle freundschaft ein ende! Körte sprichw. (1837) 115 (so bereits bei Petri d. Teutschen weiszh. [1605] 2, Ee 1 a und Joh. Agricola sprichw. [1534] E 8 a). als fachwort des bergbaus, im sinne von 'den bau aufgeben, damit aufhören': wo sy abyr des nunteyls (stollenneuntel) enpern woln, da mogen sy wenden (14. jh.) A. Ermisch d. sächs. bergr. im mta. (1887) 44; es hat auch in diesem jahre hertzog Julius den tieffen stolln zu Goszlar, da der alte herr gewandt vnd stehen laszen, ... wiederumb laszen belegen (16. jh.) Hardanus Hake bergchron. (1911) 85. mundartlich in der wendung: net wenne un net weiche 'durchaus nicht gehen, halsstarrig auf seiner meinung oder seinem verlangen bleiben' Autenrieth pfälz. 151. C@44) früh erscheint wenden geradezu im sinne von 'enden, aufhören' u. dgl. (vgl. 3 a γ, b β und 3 c, ferner 1wende 3). C@4@aa) rückbezüglich: das des hern vom Nachode gründe bein diesen grenitzstein sich an der von Trautnaw gründen daselbst endeten und wendeten (1582) Hüttel chron. d. st. Trautenau 267 Schles.; allhie wendet sich der wald il bosco si stende fin' in qui, la forêt s'étend jusques ici Rädlein dt.-it.-frz. (1711) 1047. C@4@bb) absolut. C@4@b@aα) allgemein: er (gott) ne hat nehein ende, daz dar iergen wende vom glouben 108 in: dt. ged. d. 12. jhs. 2 Massmann; ditz capitel wendet hie Daniel 3806 Hübner (ähnlich 6726; 7384); ... das ein menlich persone so kurtze rocke unde mentele tragen und das ore underjoppin in der mytte des liebis wendin, das sie yren schemen nicht mogen bedecken (15. jh.) H. Cammermeister chron. 67 Reiche; wo ein leiter wendet, da findet man ein banck oder ruheplatz von holtz gemacht, gleich als ein umbgang J. de Acosta, America (1605) 106; darauf aber dieses folget, dass ganz Rosenauer hattert (flur) in dem jahr vom hagel erschlagen wird und zwar also, dass, wie eine furch den Rosenauer von Neuerstädter hattert scheidet, hat auch der hagel nur in der furch gewunden(!), als wär er gleichsam abgemessen, da der Rosenauer hattert wendet (1680) qu. z. gesch. d. st. Kronstadt (1886) 4, 205; hier wendet meines herrn gebiet qui si voltano cioè terminano, confinano gli stati di mio padrone Kramer t.-ital. 2 (1702) 1317c (ähnlich bei Campe 5 [1811] 678 als veraltet gekennzeichnete anwendung). in neuerem sprachgebrauch nur noch vereinzelt; literarisch: da gab sie den treuen kindlichen grusz, da wendet ihr pfad, da wurzelt mein fusz Brentano ges. schr. (1852) 1, 502; wie umgangssprachlich und mundartlich: der herr ist fleiszig, die frau ist fleiszig, die kinder sind fleiszig, aber bey der magd da wendts Schmeller-Fr. bayer. 2, 944; 't huet bei dir gewènnt als die reihe an dich kam, war alles ausgeteilt luxemb. ma. 484; wō et wännt, d wännt et wo es zu ende ist, ist es zu ende, da ist nichts weiter zu machen Heinzerling-Reuter Siegerl. 318; den übergang zu γ verdeutlicht: dabey (bei dieser definition) bleibts vnd wendets W. Bütner dialectica teutsch (1588) 72a. C@4@b@bβ) fachsprachlich. C@4@b@b@aaαα) als rechtssprachliche formel erscheint enden und wenden (vgl. Hüttel unter C 4 a): wo die grenze endete und wendete, wurde das zeichen gesetzt rechtsalterth. 42, 69. C@4@b@b@bbββ) bergmannssprachlich, im sinne von 'ausgehen, sich endigen' (bergmänn. wb. [1778] 602): stosz heist ... der ort, da die strossen wenden und nicht weiter verschrAemt ist Schönberg berginform. (1693) 2, 93; fundgr(uben) oder maasen wenden, d. i. wenn sie zu ende gehen Minerophilus bergwerkslex. (1784) 576; wenden von gAengen, wenn sie sich enden Richter berg- u. hüttenlex. 2 (1805) 629. C@4@b@gγ) wenden lassen 'bewenden, gut sein lassen': ihr wollet des auch zufrieden sein und es dorbei wenden lassen (16. 8. 1537) kurfürst Johann Friedrich bei Luther br. 8, 111 W.; den nechsten nachtag, zu mittag, mag man zwen tisch vnnd den abend einen haben. vnd als denn die hochzeit dabey wenden lassen E. Sarcerius hirtenbuch (1566) 287; dis ist mein kurtzer bericht, darbey ichs jetzt lasse wenden (1589) Faustbuch 24 Fritz; (der könig) lies es bey der vorigen meinung wenden Schütz hist. rer. pruss. (1592) buch 5, E 1b; auch nd.: lat dat wenden edder bliuen (15. jh.) Diefenbach nov. gloss. 288b.
127385 Zeichen · 2732 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wendenswv., part. adj.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    wenden swv. BMZ wanden : handen Glaub. 1467. prät. wante, wande ( md. auch md. wente ), part. gewant, seltener gewendet.…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    wendenKonj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    wenden , Konj. nhd. woher E.: Herkunft ungeklärt? R.: van wenden: nhd. von woher L.: Lü 571b (wenden)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wênden

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Wênden , verb. irregul. & regul. folglich sowohl Imperf. wandte als wendete, Particip. gewandt als gewendet. Es ist: I. …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wenden

    Goethe-Wörterbuch

    wenden [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wenden

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Wenden , Gesammtname der slavischen Stämme (Obotriten, Wilzen, Uckern, Heveller, Rhetarier, Lusitzer und Sorben), welche…

  6. modern
    Dialekt
    wënden

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    wënde n [wantə Steinb. Su. Bf. Ndhsn. Betschd. ; wæntə Str. ; waə Mittl. K. Z. Kindw. Zinsw. ; wánə Bisch. ; wáinlə Hin…

  7. Sprichwörter
    Wenden

    Wander (Sprichwörter)

    Wenden 1. Dat möt 'n wendet werden, sede de Fruw to den Aal, dar trecket se em de Hud (Haut) ab. – Globus, VIII. 2. Er w…

  8. Spezial
    wenden

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    wen|den I vb.tr. 1 oje (oj, ôt), rodé (roda) 2 (umkehren) dé ota II vb.refl. sich wenden se oje , se rodé. ▬ sich wenden…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wenden

90 Bildungen · 13 Erstglied · 69 Zweitglied · 8 Ableitungen

Zerlegung von wenden 2 Komponenten

wen+den

wenden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wenden‑ als Erstglied (13 von 13)

wendenhoike

KöblerMnd

wenden·hoike

wendenhoike , M. nhd. den Mantel nach dem Winde Drehender, wetterwendischer Mensch E.: s. wenden (1), hoike L.: Lü 571b (wende[n]hoike)

wenden II

RhWB

wenden II das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk węnə, Part. gəwęnt, –a- (s. die südl. Grenze zwischen -ę-/-a- bei kennen, rennen); Mosfrk -ę·n.-…

Wendenkönig

MeckWB

wenden·koenig

Wendenkönig Wennen- m. König der Wenden, in Sagen: hier ist den Wennenkönig sin Graff Pa Sporn ; der alte Wendenkönig Wanzka oder Wanze soll…

wendenmacher

DWB

wenden·macher

wendenmacher , m. , ' alte handwerker, die von jeher in Nürnberg und Augsburg ihren hauptsitz hatten ... wendenmacher, wie sie schon im vier…

Wendenpfennige

Meyers

Wendenpfennige , zur Zeit der sächsischen Kaiser Otto I. und Otto II und weiter bis ins 11. Jahrh. geprägte Silbermünzen, die vermutlich dem…

Wendenschimpf

Wander

wenden·schimpf

Wendenschimpf Ein Wendenschimpf (?). »So waren doch Leute, die gern mit diesem Wendenschimpf umgingen.« ( Simplic., 295. )

wende(n)-, (wendel-) hoike, heike

LW

wende(n)-, (wendel-) hoike, -heike, sw. m. der den Mantel nach dem Winde dreht, ein (bes. in der Politik) wetterwendischer Mensch, vertitoga…

wenden als Zweitglied (30 von 69)

plōchwenden?

KöblerMnd

*plōchwenden? , sw. V. nhd. Pflug wenden? Hw.: s. plōchwenden (2), plōchwendinge E.: s. plōch, wenden (1)

roggenwenden

KöblerMnd

*roggenwenden , sw. V. nhd. „Roggen wenden“, Roggen umstechen Hw.: s. roggenwendære E.: s. rogge (1), wenden (1)

swenden

KöblerMnd

*swenden , sw. V. nhd. „schwenden”, hinbringen vertreiben, verschwenden Vw.: s. ver-, vör- Hw.: vgl. mhd. swenden (1) E.: s. ahd. swenten* 6…

wechwenden

KöblerMnd

*wechwenden , sw. V. nhd. Weg versperren Hw.: s. wechwendinge E.: s. wech (1), wenden

überswenden

KöblerMhd

*überswenden , V. nhd. „überborden“ E.: s. über (1), swenden W.: nhd. DW-

ōverwenden

KöblerMnd

*ōverwenden , sw. V. nhd. umwenden, mit dem Pflug wenden Hw.: s. ōverwendinge E.: s. ōver (4), wenden (1)

ȫverswenden

KöblerMnd

*ȫverswenden , sw. V. nhd. verschwenden?, sehr groß sein (V.)? Hw.: s. ȫverswendich E.: s. ȫver (1), swenden W.: vgl. überschwenden, sw. V.,…

abe wenden

MWB

abe wenden swV. 1 tr. ‘jmdn. von etw. abbringen; etw. von sich tun’ 2 refl. ‘sich abwenden’    1 tr. ‘jmdn. von etw. abbringen; etw. von sic…

abewenden

KöblerMhd

abe·wenden

abewenden , sw. V. nhd. abwenden, abbringen Hw.: vgl. mnl. afwenden, mnd. afwenden Q.: EckhII (vor 1326), JvFrst1, Cranc (FB abe wenden), Eh…

abschwenden

DWB

abschwenden , delere, verwüsten, ausrotten. den wald abschwenden, abbrennen, ahd. den walt suendan ( Graff 6 , 886); den acker abschwenden, …

abwenden

DWB

abwenden , avertere, depellere. sinnlich, gleichviel mit abkehren, wie wenden mit kehren, umwenden mit umkehren: haupt, augen, blick, gesich…

afwenden

MNWB

afwenden , swv. , abwenden, abstellen, entschädigen; c. Ap. jem. zur Umkehr veranlassen , zum Verzicht bewegen; refl. sich abwenden , entsag…

ane wenden

MWB

ane wenden swV. 1 mit Akk.d.P. ‘jmdn. angreifen; über jmdn. kommen’ 2 mit Akk.d.S. ‘etw. gebrauchen, zum eigenen Nutzen verwenden’ 3 mit Akk…

anwenden

DWB

anwenden , advertere, invertere, applicare, nnl. aanwenden, ursprünglich an einen oder etwas wenden, wie mhd. noch fast überall steht: sît d…

aufwenden

DWB

auf·wenden

aufwenden , erogare, impendere: mühe, fleisz, kosten aufwenden; er wendet viel, alles auf; was ich mit meiner mühe und schweisz werde können…

auswenden

DWB

aus·wenden

auswenden , adhibere, erogare: was aber werhaftiger stücke, sollen verwart und also fürder nach ermessunge der zehen vorsteher für die armen…

bewenden

DWB

bewen·den

bewenden , convertere, anwenden, verwenden, goth. bivandjan, ahd. piwentan ( Graff 1, 758. 759 ), mhd. bewenden. 1 1) wie neben dem part. be…

bîwenden

MNWB

bîwenden , swv. , hîr wendede it bî hierbei ließ man es bewenden, blieb es.

bīwenden

KöblerMnd

bīwenden , sw. V. nhd. belassen (V.) E.: s. bī, wenden (1) R.: hīr wendede it bī: nhd. hierbei ließ man es bewenden, hierbei blieb es L.: Mn…

einwenden

DWB

ein·wenden

einwenden , schw. invända, dän. indvende. 1 1) die im wort liegende sinnliche bedeutung introrsum vertere begegnet nicht, nnl. steht dafür i…

entwenden

DWB

ent·wenden

entwenden , avertere, devertere, nnl. ontwenden. 1 1) bloszes wenden, abwenden, wegwenden: itzund hat Delia die beiden silberpferde gleich s…

enwenden

KöblerMhd

enwenden , sw. V. nhd. vernichten Q.: EbvErf (um 1220) E.: s. en, swenden (1) W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 567 (enswenden)

erwenden

DWB

erwenden , avertere, erwinden, zurückgehen, aufhören machen, goth. usvandjan, ahd. irwentan, irwendan, praet. irwanta, ags. âvendan, mhd. er…

gewenden

DWB

gewen·den

gewenden , verb. , verstärktes wenden, s. d. in der älteren sprache und schon vorher bei Ulfilas beliebt und reich entwickelt, ist das zusam…

hantwenden

KöblerMhd

hant·wenden

hantwenden , st. N. nhd. „Handwenden“ Q.: Ack (nach 1400) E.: s. hant (1), wenden W.: nhd. DW- L.: LexerN 3, 228 (hantwenden)

heimwenden

KöblerMhd

heim·wenden

heimwenden , sw. V. nhd. „heimwenden“ Q.: Anno (1077-1081) (FB heim wenden) E.: s. heim, wenden W.: nhd. DW-

hinwenden

DWB

hin·wenden

hinwenden , verb. hinwärts wenden; transitiv: wende deinen blick hin; und suchte, fabelgöttern gleich, mein oheim, zum niedern kreis verstoh…

innewenden

Lexer

inne·wenden

inne-wenden adv. inwendig. hinden, vor, innwenden (: senden) Uw. 132 ;

Ableitungen von wenden (8 von 8)

bewenden

DWB

bewenden , convertere, anwenden, verwenden, goth. bivandjan, ahd. piwentan ( Graff 1, 758. 759 ), mhd. bewenden. 1 1) wie neben dem part. be…

entwenden

DWB

entwenden , avertere, devertere, nnl. ontwenden. 1 1) bloszes wenden, abwenden, wegwenden: itzund hat Delia die beiden silberpferde gleich s…

erwenden

DWB

erwenden , avertere, erwinden, zurückgehen, aufhören machen, goth. usvandjan, ahd. irwentan, irwendan, praet. irwanta, ags. âvendan, mhd. er…

gewenden

DWB

gewenden , verb. , verstärktes wenden, s. d. in der älteren sprache und schon vorher bei Ulfilas beliebt und reich entwickelt, ist das zusam…

Mißwenden

Campe

✱ Mißwenden , v. intrs . u. rec . unregelm. ( s. Wenden ), Mittelw. d. verg. Z. mißgewendet oder mißgewandt , ehemahls auch mißwandt , unric…

unwendenlich

DWB

unwendenlich , adv., unwandelbar Fischer schwäb. wb. 6, 275 . —

verwenden

DWB

verwenden , v. : ahd. gl. 1, 693, 33; mhd. wb. 3, 694; Lexer ; in älteren hd. wbb. gewöhnlich, z. b. Haltaus 1913 ; Diefenbach gloss. 319 c …

wendene

KöblerMnd

wendene , Konj. Vw.: s. wenden (2)

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wenden". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wenden/dwb?formid=W17160
MLA
Cotta, Marcel. „wenden". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wenden/dwb?formid=W17160. Abgerufen 16. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wenden". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wenden/dwb?formid=W17160.
BibTeX
@misc{lautwandel_wenden_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„wenden"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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